Gleicher Lohn für gleiche Arbeit im 100. Jahr des Ausbruchs der Oktoberrevolution

Die ganze fortschrittliche Menschheit feiert am 8. März 2017 den internationalen Frauentag im 100. Jahr des Ausbruchs der russischen Oktoberrevolution. Diese Revolution war die erste Revolution in der Geschichte der Menschheit, die die volle Gleichberechtigung der Frauen durchsetzte. Die Pariser Commune, die 72 Tage währte, hatte diesbezüglich fruchtbare Ansätze, die französische Konterrevolution im Pakt mit Bismarck ließ ihr aber nicht die Zeit, diese zu entwickeln. Lassen wir kurz einmal die sozialen Errungenschaften der Oktoberrevolution Revue passieren. 

Zunächst brachte die Revolution rasch per Dekret des Rates der Volkskommissare  eine Erhöhung des Arbeitslohns für alle Werktätigen und den gleichen Lohn für alle Frauen analog dem Lohn der Männer. Eine Verkürzung des Arbeitstages wurde beschlossen, gearbeitet werden durfte in gefährlichen und gesundheitsschädlichen Produktionszweigen nur vier bis sechs Stunden. Bereits 1923 gab es  in der Sowjetunion  weltweit den kürzesten Arbeitstag und die Wohltaten der Kranken- und Rentenversicherung.  Eine Verkürzung des Arbeitstages ist immer ganz wichtig für die wissenschaftliche und kulturelle Weiterentwicklung der Arbeiterklasse. Sodann brachte die Revolution das Verbot der Nachtarbeit, was einer Maßnahme der Pariser Commune entsprach. War Nachtarbeit unumgänglich, so durfte sie vier Stunden nicht überschreiten, das völlige Verbot der Überstundenarbeit, das Verbot, Kinder unter sechzehn Jahren in Arbeitsverhältnisse zu zwingen, die Gleichstellung von ehelichen und unehelichen Kindern, das Verbot der Frauenarbeit in jenen Wirtschaftszweigen, in denen die Arbeit für den weiblichen Organismus schädlich ist, das generelle Verbot der Nachtarbeit für Frauen, Freistellung der Frau von der Arbeit für die Dauer von acht Wochen vor und acht Wochen nach der Niederkunft unter Fortzahlung des vollen Lohnes für die gesamte Zeit bei unentgeltlicher ärztlicher Hilfe und Versorgung mit Arzeneimitteln, nach dem Aufbau eines Netzes von Entbindungsheimen die Einrichtung von Kinderkrippen, von 1917 bis 1927 stieg die Zahl um das Zwölffache, sowie besonderer Räume für stillende Mütter. Eine Folge der Gleichstellung von ehelichen und unehelichen Kindern war die steil auf Null sinkende Kurve der Kindesmörderinnen. Auch saßen keine ‚unbefugten Geburtshelferinnen‘ mehr in den Gefängnissen, weil Schwangerschaftsunterbrechungen jetzt in den Kliniken vorgenommen wurden. Homosexualität war als Sexualpraktik gesetzlich anerkannt. 1. Sofort durchgesetzt wurde auch die  vollständige Sozialversicherung der Arbeit und das Verbot für Unternehmer, vom Lohn Abzüge in Form von Geldstrafen, abzuzweigen. 2.  Es war vorgekommen, dass Kürzungen vorgenommen worden waren wegen Fehlens beim Gottesdienst. Stalin sagte, dass eine charakteristische Besonderheit der Oktoberrevolution darin bestand, dass sie dem Volk nicht nur die Freiheit, sondern auch die materiellen Güter und die Möglichkeit gab, ein wohlhabendes und kluturvolles Leben zu führen. 3.

Wie hatte die Oktoberrevolution Russland in kurzer Zeit verwandelt ! Die Mutter Josef Stalins war noch eine Leibeigene gewesen, der Scholle des Kulaken verhaftet. Bis 1897, zwanzig Jahre vor der Oktoberrevolution, waren Frauen vom Universitätsstudium ausgeschlossen. 4. Erst 1913 war der Zar so gnädig zu erlauben, dass auch Frauen in Agraruniversitäten lehren dürfen, ohnehin befasste sich in diesem riesigen Agrarland die Staatsduma erst im Dezember 1910 mit der Frage, ob an den Universitäten selbständige landwirtschaftliche Fakultäten eingerichtet werden sollen ? 5. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten nur zehn Prozent der Frauen unter der Landbevölkerung lesen, noch 1913 waren 79 Prozent der Farbrikarbeiterinnen Anaphabetinnen. 6. Es gab im zaristischen Russland in sechzehn Städten nur 91 Universitäten, 1939 konnten in den kulturellen Zentren 750 Universitäten registiert werden, 1952 880. Auf einen Wissenschaftler im Oktober 1917 kamen am 30. Jahrestag der Oktoberrevolution 3 000. 7.  Einige Völkergruppen wie zum Beispiel die Mari, Kirgisen, Kasachen und Tadshiken waren durchweg des Lebens und Schreibens unkundig, bei den jakutischen Frauen waren es 99,3 Prozent. Auf diesem Feld konnten nur die Unkräuter der Religion, des Aberglaubens und der patriarchalischen Deformierung blühen. Fünfzig Jahre später konnten die Früchte der sowjetischen Kulturrevolution geerntet werden.  Am 16. Juni 1963 flog die 26jährige Kosmonautin Valentina Tereschkowa, Tochter eines im zweiten Weltkrieg gefallenen Traktoristen und gelernte Näherin, die am 6. März dieses Jahres 80 Jahre alt wird, als erste Frau in den Weltraum. Chrutschow ließ sich mit Juri Gagarin, sein Flug fand 1961 statt, und Valentina Tereschkowa dutzendemal ablichten, aber die Weichen für diese Jahrhundertaten wurden von den Arbeitskollektiven der Sowjetunion zusammen mit Lenin und Stalin gestellt und ohne die sozialen Errungenschaften der Oktoberrevolution, ohne Verbindung der Universitäten mit der Produktion, ohne ständig steigende Bodenfruchtbarkeit, ohne moralisch-politische Einheit der sich im Sozialismus entwickelnden Sowjetvölker, ohne die bahnbrechenden Rekorde der Stachanow-Aktivistinnen und ohne den Sieg im ‚Großen Vaterländischen Krieg‘, in dem über 600 000 Frauen mit Orden und Medaillen ausgezeichnet wurden, wäre es zu diesen Flügen nicht gekommen. Durch die Flüge von Gagarin und Tereschkowa hatte der Faschismus nicht nur den Wettlauf um Stalingrad, sondern der US-Imperialismus auch den Wettlauf in den Weltraum verloren, denn die Weltraumexperten der USA um den Faschisten Wernher von Braun guckten dumm aus der Wäsche, als am 4. Oktober 1957  die Meldung um die Welt ging, der erste vom sowjetischen Boden abgeschossene künstliche Erdsatellit habe eine Erdumlaufbahn erreicht.  Die Eliten der USA erlebten ihren sogenannten Sputnikschock.

Die Oktoberrevolution hatte für alle Bereiche des menschlichen Lebens neue Maßstäbe gesetzt. Jetzt gilt es, sein Haupt mit Scham abzuwenden, wenn wir etwa den Maßstab des gleichen Lohnes für gleiche Arbeit an die soziale Wirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland anlegen. Es gibt ihn nicht. Das, was die Sowjetregierung in wenigen Tagen schaffte, hat die SPD in 154 Jahren nicht geschafft. Noch immer verdienen sich die kapitalistischen Blutsauger an der Ausbeutung der weiblichenn Arbeitskraft dumm und dämlich. Die Sozialdemokratin Manuela Schwesig hat jüngst ja nicht den gleichen Lohn für gleiche Arbeit gefordert, sondern ein „Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern“ angeleiert. Vergleicht man diese Sozialdemokratin mit Lenin und seinen  präzisen, zügigen, einheitlichen, in klare Worte gefassten Dekreten zur Gleichberechtigung der Frau, so ist das, was Schwesig abliefert und den Frauen des deutschen Volkes vorsetzt,  auf den ersten und auf den letzten Blick Pfusch. Das Prinzip ‚Gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘ wird gar nicht bzw. immer noch nicht angestrebt. In Firmen mit über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollen die Frauen anklopfen dürfen und Auskunft über die Lohnlage verlangen. Aus Datenschutzgründen sollen dann aber nur Durchschnittsgehälter genannt werden. Firmen mit mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollen zudem regelmäßig einen Bericht zur Lohngleichheit vorlegen. Wir müssen dieser Ministerin jedoch in einem Punkt dankbar sein. Sie trägt erheblich dazu bei, richtig zu verstehen, was in der russischen Oktoberrevolution unter der bolschewistischen Losung ‚Rechnungsführung und Kontrolle über die Produktion‘ zu verstehen ist.  Die Unterdrückung der Frau ist in den kleinen und mittleren Betrieben ja noch viel intensiver als in den kapitalistischen Großunternehmen. Die in diesen konzentrierten Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter bilden zwar den sozialen Kern einer sozialen Revolution, dieser Kern wird aber keine Frucht um sich bilden können, wenn nicht die Geschundenen und Getretenen in den Zuliefererbetrieben aus ihrer Schattenwelt heraustreten und von der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit weiter zum Licht der Befreiung von der Lohnarbeit streben. Sind denn diese Frauen Frauen zweiter Klasse ? Wir müssen zunächst auf den Ausgleich der finanziellen Schäden pochen, die den Frauen durch den grundgesetzwidrigen Lohndiebstahl entstanden sind. Bei den Finanzämtern ist alles registriert, wir dürfen keineswegs den Fehler begehen, diese in einer Revolution in Brand zu stecken, das würde nur den Beifall der kapitalistischen Blutsauger finden, im Gegenteil, wir brauchen diese Unterlagen, um das Ausbeuterpack vor die Revolutionstribunale zu zerren. Denn man wird nicht sofort nach einer proletarischen Revolution einen Wirtschaftsorganismus haben, in dem es keine Lohnarbeit mehr gibt und das Geld der Welt von gestern angehört.

1848 hatten Marx und Engels im ‚Kommunistischen Manifest‘ bereits herausgearbeitet, dass die Prostitution ein elementarer Bestandteil der kapitalistischen Gesellschaft ist und dass sie innerhalb dieses Systems nicht zur Auflösunge gebracht werden kann. An diesem Punkt müssen wir besonders sensibel sein, denn die Kapitalisten und die Zuhälter versuchen uns zusammen mit den Massenmedien ins Bewußtsein einzuimpfen, Prostitution sei etwas Natürliches. Sexualität ist nichts Widernatürliches, aber ihre kapitalistische Form ist es schon. Auch hatten Marx und Engels im Manifest bereits festgestellt, dass der Preis einer Ware, also auch der Arbeit, später korrigierte dies Marx zum Preis der Arbeitskraft, gleich ihren Produktionskosten ist. „In demselben Maße, in dem die Widerwärtigkeit der Arbeit wächst, nimmt daher der Lohn ab“. 8. Gerade Frauen verrichten widerwärtige Arbeiten, schuften sich im sogenannten Niedriglohnsektor kaputt. Der deutsche Bundestag hält sich Saaldienerinnen und Putzfrauen. Schon die Bezeichnungen ‚Saaldienerin‘ und ‚Putzfrau‘ bzw. ‚Reinigungskraft‘ sind entwürdigend und menschenverachtend. Da sitzen sie nun, die Linken und die Sozialdemokraten, und diese feudalen Institutionen bleiben unberührt wie  die Unberührbaren in Indien. Immer schön den Blick zur Regierungsbank richten, gelle ! Man stelle sich mal einen sozialistischen Rätekongress vor, der sich Saaldienerinnen und Putzfrauen hält. Das hat mit Sozialismus nichts zu tun. Friedrich Engels wies uns schon im Zuge der 48er Revolution darauf hin, dass die Mehrzahl der Abgeordneten in der Frankfurter Paulskirche einen obskuranten Lebenslauf aufweise. Die Abgeordneten des ‚Deutschen Bundestages‘, dieser asoziale Abschaum des deutschen Volkes, sollen ihre Sitze selber sauber machen, selber den Plenarsaal fegen und selber die Toiletten im ‚Deutschen Bundestag‘ reinigen, das dürfte doch bei den fetten Diäten (9 500 € im Monat) drin sein. Allzu schmutzig wird es sowieso nicht sein, denn die sogenannten Volksvertreter glänzen in der Regel durch Abwesenheit.

Die fürwahr notwendige Kritik am Parlamentarismus verläuft in der Regel nur auf abstrakt-theoretischer Ebene. Kleinbürgerliche Akademiker und Akademikerinnen schreiben ganze gelehrte Abhandlungen über die einst und auch heute noch politisch fortschrittliche Bedeutung des Parlamentarismus, ganz im Geiste Kautskys, der 1918 gegen die Bolschewiki wegen ihrer angeblichen Verletzung der Demokratie polemisierte. Für ihn war der bürgerliche Parlamentarismus das Kostüm, das Russland nach der Oktoberrevolution am besten stehen würde. Unser Blickwinkel auf den Parlamentarismus muss ein anderer sein. Wir behalten den Niedriglohnsektor des ‚Hohen Hauses‘ im Auge gemäß Lenins Hinweisen:  „Die Frau bleibt nach wie vor Haussklavin, trotz aller Befreiungsgesetze, denn sie wird erdrückt, erstickt, abgestumpft, erniedrigt von der Kleinarbeit der Hauswirtschaft … Die wahre BEFREIUNG DER FRAU (kursiv von Lenin), der wahre Kommunismus wird erst dort beginnen, wo und wann der Massenkampf … gegen diese Kleinarbeit der Hauswirtschaft, oder richtiger, ihre massenhafte Umgestaltung zur sozialistischen Großwirtschaft beginnt.“ 9.  Es versteht sich von selbst, dass in einer sozialistischen Großwirtschaft für ein Parlament kein Platz mehr sein kann. Parlamente haben die Arbeit nicht erfunden und Marx hob hervor, dass die Pariser Kommune gerade im Gegensatz zu bürgerlichen Parlamenten eine arbeitende Körperschaft war, gesetzgebend und vollziehend in einem Akt.

1. Vergleiche Timothy Bay, Die Oktoberrevolution und der Kampf für LGBT-Rechte, Der Funke, siehe (google): Die Oktoberrevolution und der Kampf für LGBT-Rechte.

2. Vergleiche Lenin, Materialien zur Revision des Parteiprogramms, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin, 1960,476f.

3. Vergleiche Josef Stalin, Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin, 1952,604

4. Vergleiche Laura Engelstein: Zwischen alt und neu, Russlands moderne Frauen, in: amazonen der avantgarde, Deutsche Guggenheim, Berlin, 1999,64

5. Vergleiche Alexander Alexandrowitsch Nikonow / Eberhard Schulze, Drei Jahrhunderte Agrarwissenschaft in Russland: Von 1700 bis zur Gegenwart, Studies on the Agricultural and Food Sector in Central and Eastern Europe, Iamo Verlag, Halle (Saale), 2004,44 

6. Vergleiche Jane Mc Dermid und Anna Hillyar, Women and Work in Russia 1880 – 1930. A Study in Contiuity through Change, Logman Verlag, London und New York, 1998,35. Die Autorinnen stützen sich auf statistisches Material, das A.P. Korelinin in ‚Rossia 1913 god, Statistiko-dökumental’nji sprawotschnik‘ 1995 veröffentlicht hat. Smirnin gibt sogar noch einen höheren Prozentsatz an, nach ihm waren 87 % der russischen Frauen vor dem ersten Weltkrieg Analphabetinnen.(Vergleiche I. Smirnow, Lenin und Stalin über die Kultur und Kulturrevolution, Dietz Verlag Berlin,1952,13

7. Vergleiche I. S. Smirnow, Lenin und Stalin über die Kultur und Kulturrevolution, Dietz Verlag Berlin, 1952,25

8. Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,469

9. Lenin, Die Große Initiative, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,538

 

 

 

 

 

 

 


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