Archive for März 2017

Sex, Drugs, Rock’n Roll und der Kommunismus

28. März 2017

In der Ausgabe der Zeitung ‚ARBEIT ZUKUNFT‘ (März / April 2017) ist im Teil für die Jugend ein Artikel über die verheerende Wirkung des Alkoholkonsums abgedruckt mit dem Abschlußgedanken, doch die Meinung der Leserin / des Lesers zu dem Thema zu schicken. Dem komme ich, Jahrgang 1952, heute gerne nach.

Es ist noch nicht einmal ein halbes Jahrhundert her, da brach von Berlin bis San Franzisco, von Tokio bis Toronto eine Jugend aus ihrem spießigen, kleinbürgerlichen Milieu aus, steckte sich Blumen ins Haar, creierte die Songs ‚My generation‘ (The Who) und ‚Let’s live for today‘ (The Grass Roots), und hisste die bunte Fahne mit der Parole „Sex, Drugs & Rock’n Roll“. Eine verantwortungslose Kulturindustrie heizte nach anfänglichem Zögern die Bewegung an und beutete sie aus. Ein dahergelaufener, heute vergessener Philosoph, Herbert Marcuse, predigte die Vereinigung von sexueller und politischer Revolte. Lennon war damals wichtiger als Lenin. Die Eliten der spätkapitalistischen Gesellschaft ließen schließlich alternative Lebensformen zu, etwa anarchistische Communen in West-Berlin, nachdem sich erwiesen hatte, dass diese keine sprengende Kraft gegen die Ordnung der Ausbeuter in sich ballten. Für die revolutionäre Linke zeigte sich, dass „ein Lebensstil à la Sex, Drugs und Rock’n Roll“ nur auf den ersten Blick progressiv war und sie stellte in einem schmerzhaften Lernprozess nach und nach fest, dass diese kleinbürgerliche Strömung die Arbeiterbewegung nicht voranbrachte, im Gegenteil, sie ging dazu über, den reaktionären Gehalt der schillernden Parole herauszustreichen, die sich angeblich gegen das Establishment und eine bürokratisch verwaltete Welt richtete.

Um sich zum in der bürgerlichen Gesellschaft breitgetretenen, die Frau missachtenden Thema ‚Sexualität‘ eine Leitlinie zu erarbeiten, so sind die Erinnerungen von Clara Zetkin an Lenin so aufschlussreich, dass sie als maßgebend einzuordnen sind. Sie hatte im Herbst 1920 die Gelegenheit, ausführlich die Fragen der proletarischen Frauenbewegung und der Sexualität mit Lenin zu erörtern. Lenin kritisierte Clara Zetkin ! Warum ? Weil sie in ihrer praktischen Arbeit in Deutschland in Lese- und Diskussionsabenden mit Arbeiterinnen besonders die sexuelle Frage in den Mittelpunkt gestellt hatte. „Ich glaubte meinen Ohren nicht trauen zu dürfen, als ich das hörte. Der erste Staat der proletarischen Diktatur ringt mit den Gegenrevolutionären der ganzen Welt. Die Lage in Deutschland selbst fordert die größte Konzentration aller proletarischen, revolutionären Kräfte zur Zurückwerfung der immer mehr vorwärtsdringenden Gegenrevolution. Die tätigen Genossinnen aber erörtern die sexuelle Frage … Die gelesenste Schrift soll die Broschüre einer jungen Wiener Genossin über die sexuelle Frage sein. Ein Schmarren !“ (Clara Zetkin, Erinnerungen an Lenin, Dietz Verlag Berlin, 1957,65). Eindeutig sprach sich Lenin gegenüber Zetkin gegen das Überwuchern sexueller Theorien und gegen das „Herumwühlen im Sexuellen“ (a.a.O.,66) aus. Dieses Wühlen „mag sich noch so wild und revolutionär gebärden, es ist doch zuletzt ganz bürgerlich. Es ist im besonderen eine Liebhaberei der Intellektuellen und der ihnen nahestehenden Schichten. In der Partei, beim klassenbewußten, kämpferischen Proletariat ist kein Platz dafür“. (a.a.O.). An erster Stelle darf nicht die Sexualität stehen, sondern die proletarische Revolution, der wissenschaftliche Sozialismus und die Politik. Ohne Disziplinierung der Neigungen, hier der sexuellen, kann kein effektiver weltgeschichtlicher Beitrag zur Vorbereitung der Revolution der Arbeiter und Bauern und der zu ihr reziprok verlaufenden Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus geleistet werden. In Russland standen 1916 / 1917 solche Idioten wie Rasputin und Nikolaus Romanow an der Spitze des Staates, das ist heute in Westeuropa nirgendwo mehr der Fall. Ist denn nicht klar, dass hier die ganze Schöpferkraft in die Bahn der proletarischen Revolution strömen muss ? Was ist denn ein Orgasmus, gleich welcher Art er zustande gekommen sein mag, im Vergleich mit dem Projekt einer kommunistischen Revolution in Deutschland ?

Natürlich sind wissenschaftlicher Sozialismus und Drogenkonsum unvereinbar. Eine profitsüchtige Alkoholindustrie führt heute bereits Vernichtungsfeldzüge gegen die Völker Europas. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZfgA) hat ausgerechnet, dass in der BRD täglich 202 Menschen an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums das Zeitliche segnen. (Vergleiche ArbeitZukunft, März / April 2017,S.8). Glaubt ihr schwächlichen, der Natur entfremdet, durch und durch zivilisationskranken Europäer denn allen Ernstes, der destruktiven Kraft der Alkoholmafia widerstehen zu können, wenn selbst so robuste Naturvölker wie die Indianer draufgegangen sind ?  In den russischen Revolution des 20. Jahrhunderts war zu beobachten, dass sowohl die in der Revolution von 1905 als auch die im Februar 1917 geborenen Sowjets die Aufgabe übernommen hatten, das Alkoholproblem in der Arbeiterbewegung zu lösen. Bezeichnend aber ist die Szene, die sich nach der Abstimmung über die Resolution des bewaffneten Aufstandes abspielte, die mit zehn gegen zwei Stimmen angenommen worden war. Als Sinowjew zur Feier des Tages eine Flasche Wodka auf den Tisch stellte, fegte Lenin sie mit den Worten beiseite: „Das ist eine Revolution der Reinen“. (Erik Durschmied, Der Untergang großer Dynastien, bohlau Verlag, Wien Köln Weimar, 2000,94). Prägen wir uns diese Szene gut ein ! Denn im DKP-Büro in Hannover habe ich eine Kiste Herrenhäuser Bier entdecken müssen. Wie passt das mit der gut ausgestatteten Bürobibliothek zusammen ? Noch ärger treibt es allerdings die MLPD. Sie kam auf die famose Idee, zu Ehren, so die Worte der Partei, zu Ehren „100 Jahre Oktoberrevolution“ einen blauen Spätburgunder als Sonderabfüllung des Weingutes Wilmshof für 8, 90 € pro Pulle zu kredenzen, zwei Euro pro Flasche gehen in die Spendenkampagne der MLPD. Um an die Kröten der Proleten heranzukommen, erweisen sich die Tetzels als äußerst einfallsreich. Hinzu kommt noch, dass der Fusel in der Roten Fahne Nr. 7/17  neben dem Sammelband Marxismus-Leninismus zum Kauf präsentiert wird. So werden der Marxismus-Leninsmus und die Oktoberrevolution besudelt.

Um auf die Schädlichkeit der Musik, die diese in Lenins  Weltbild hatte, hinzuweisen, genügt eine Szene.  Gorki hat sie festgehalten, die Szene,  in der der bekannte Pianist Isaay Dubrowen Lenin Beethovens Appassionata vorspielte: „Ich kenne nichts Schöneres als die Appassionata und könnte sie jeden Tag hören. Eine wunderbare, nicht mehr menschliche Musik ! Ich denke immer mit vielleicht naiv kindlichem Stolz; daß Menschen solche Wunder schaffen können !“ Dann kniff er die Augen, lächelte und setzte unfroh hinzu: „Aber allzu oft kann ich Musik doch nicht hören. Sie wirkt auf die Nerven, man möchte lieber Dummheiten reden und Menschen den Kopf streicheln, die in einer schmutzigen Hölle leben und trotzdem solche Schönheit schaffen können. Aber heutzutage darf man niemandem den Kopf streicheln – die Hand wird einem sonst abgebissen. Schlagen muß man auf die Köpfe, unbarmherzig schlagen – obwohl wir im Ideal gegen jede Vergewaltigung der Menschen sind, Hm Hm – unser Amt ist höllisch schwer.“ (Lenin, in: Georg Lukács, Lenin, Luchterhand Verlag, Neuwied und Berlin, 1969,91f.). Der Blues zum Beispiel thematisiert zwar ständig gesellschaftliche Mißstände, bietet aber keine Lösung an. Der Kommunismus aber „ist das aufgelöste Rätsel der Geschichte und weiß sich als diese Lösung“ (Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, Ergänzungsband, Schriften bis 1844, Erster Teil, Dietz Verlag Berlin, 1960,536). Die Redaktion der Roten Fahne der MLPD hat mich in diesem Punkt des Sektierertums bezichtigt. Aber es ist die Partei, die den Leninsmus verwässert, die den Gesang der Gosse höher stellt als eine Aussage von Lenin.  Ein Mann, der Lenin folgt, kann kein Sektierer sein.

Eine weitere Schwierigkeit kommt besonders in Deutschland hinzu. Engels wies uns in der ‚Geschichte des Bundes der Kommunisten‘ darauf hin, dass die meisten Deutschen einen Hang zur inneren Haltlosigkeit haben. Man begreift angesichts der in Deutschland zur Zeit so schwachen kommunistischen Arbeiterbewegung sofort die Gefahr, die ihr durch Sex, Drugs & Rock’n Roll drohen. An einen bolschewistischen Berufsrevolutionär muss deshalb ein sehr strenger Maßstab angelegt werden: ob sein ganzer Lebenswandel den Idealen der Revolution entspricht oder nicht ? Sex, Drugs und Rock’n Roll müssen gegen Null tendieren. Wie es bei Felix Dzierschinskij der Fall war. Über diesen großen Revolutionär wird berichtet, dass er bis zu zwanzig Stunden am Tag für die bolschewistische Sache arbeitete, dass er sich kaum Nachtruhe gönnte und dass es vorkam. dass man ihn zum Essen zwingen musste. Dass man uns während des Voranbringens der bolschewistischen Sache zum Essen zwingen muss – da müssen wir hinkommen. In einem kapitalistischen Land gegen den Strom zu schwimmen, ist eine dornige Sache, ein langer Weg der bitteren, negativen Erfahrungen, nur so kann man den Marxismus-Leninsmus studieren, ihn durch harte Erlebnisse bestätigt finden. Keiner ist ohne Sünde. Weg mit dem perversen Dreck ! Weg mit den Pornoheften, wegen mit dem Fusel, weg mit der anglo-amerikanischen Rockmusik – weg mit dieser ganzen destruktiven Irrationalität, her mit den konstruktiven lichtbringenden Werken von Marx, Engels und Lenin !!! Sie klären uns auf, wie es kommt, dass und wie die Arbeit des Volkes in die Börse einer kleinen Schar von ekelerregenden Volksfeinden mündet. Das deutsche Volk steuert unvermeidlich auf einen Bürgerkrieg der schrecklichsten Art zu, in dem die Marxisten-Leninisten gegen den Strom schwimmen müssen und unbarmherzig auf die führenden Köpfe der AfD, der Grünen, der FDP, der Linken, der SPD, der CDU… usw … einprügeln müssen. Ein höllisch schweres Amt ! Ist denn nicht klar, dass in dem kommenden kolossalsten Bürgerkrieg, den das deutsche Volk je erlebt haben wird und dem sich keiner entziehen kann, nur ein kleiner harter Kern von bolschewistischen Elitesoldaten überleben wird ? 

Die revolutionären Kommunistinnen und Kommunisten müssen eine klare Trennungslinie zur Partei ‚Die Linke‘ ziehen

26. März 2017

Durch das Studium der Geschichte der Stadtrepublik Venedig vor Ort kam Rousseau 1743 auf den wegweisenden Gedanken, dass in Zukunft das Schicksal der Menschheit von der Politik bestimmt sein wird wie bisher von Metaphysik und Religion. Napoleon, der 1799  die französische Revolution für beendet erklärt hatte, sagte auf St. Helena: „Die Politik ist unser Schicksal“. Das ist das Credo der Reaktion, Politik habe eine unentrinnbare Schicksalsmacht über uns zu sein. Bürgerliche Ideologen vertreten die Auffassung, dass der moderne Mensch ein politischer  zu sein habe, während für wissenschaftliche Sozialistinnen und Sozialisten Politik die Versklavung des Volks anzeigt.

Um sich in dieser Frage Klarheit zu verschaffen, muss man erstens bis in die tiefste Vergangenheit des Marxismus zurückgehen, zurückgehen auf die Erkenntnisse, die der junge Marx aus seiner intensiven Auseinandersetzung mit der klassischen französischen Revolution von 1789 gewonnen hatte. Marx stieß auf die Schranke der bürgerlichen Revolution, die für ihn eine politische, aber keine humane war. „Die Revolution überhaupt – der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse – ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung oder der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg“. (Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,409). Die politische Hülle wird also weggeschleudert, denn die „Existenz des Staates und die Existenz der Sklaverei sind unzertrennlich“. (a.a.O.,401f.).

Um sich in dieser Frage Klarheit zu verschaffen, muss man sich zweitens vergegenwärtigen, wie denn Lenin  ‚Politik‘ in den modernen zivilisierten Ländern bestimmt hat: Die Massen sind in Klassen gespalten, die Klassen werden von Parteien geführt, die in der Regel von mehr oder minder stabilen Gruppen der autoritativsten, einflußreichsten und erfahrensten Personen geleitet werden. (Vergleiche Lenin, Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,582). Wer die politische Macht hat, diese Frage entscheidet alles ! Bereits 1913 hatte Lenin Marx in der Bestimmung der Politik vertieft: „Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Betrug und Selbstbetrug …“. (Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1960,8).

Wenn heute 10 000 von den Massenmedien verdummte Menschen politisieren, so ist 9 990 von ihnen die Bestimmung der Politik durch Marx und Lenin unbekannt und von den restlichen zehn können neun die Gedanken von Marx und Lenin gar nicht nachvollziehen. So wird Geschichte geschrieben, so wird Politik betrieben.

In der ‚clara‘ Nr. 43, dem Magazin der Fraktion ‚Die Linke‘ im Bundestag, findet sich ein aufschlußreiches Interview mit Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, das überschrieben ist: „Wir wollen einen Politikwechsel“, ein Satz, den Dietmar Bartsch im Interview vorgebracht hatte. Schon aus diesem Satz kann man ablesen, dass es diesen Linken nicht um eine Aufhebung der Diktatur des Kapitals über die Lohnarbeit geht. Es geht ihnen auch nicht um die Aufhebung der Klassen der bürgerlichen Gesellschaft, um die Abschaffung der Klassen überhaupt. Den wirklich linken Klassenkämpferinnen und Klassenkämpfern geht es heute um die Aufhebung von bürgerlichen und proletarischen Klassen, um die Abschaffung von Klassen überhaupt, damit um die Aufhebung des Marxismus-Lenismus, der als ‚Anleitung zum revolutionärem Handeln‘ in einer klassenlosen Gesellschaft nicht mehr benötigt wird. Soll es keine politikfreie Periode in der Geschichte der Menschen  geben, in der sie weder sich selbst noch andere betrügen ?

Als Lenin im „tollen Jahr 1917“ aus dem Schweizer Exil nach Russland zurückkehrte, forderte er die Bolschewiki sofort auf, sich klar und deutlich von den Menschewiki abzugrenzen. Auch die revolutionären Klassenkämpferinnen und Klassenkämpfer im tollen Wahljahr 2017 müssen sich in der BRD sofort  von den sich selbst betrügenden Volksbetrügern abgrenzen. Beispiele aus dem Interview gefällig ? „Wir werden nur in eine Regierung gehen, wenn sie die soziale Ungleichheit spürbar verringert und den Sozialstaat wiederherstellt“. (Sahra Wagenknecht, Wir wollen einen Politikwechsel, in: clara, Das Magazin der Fraktion Die Linke im Bundestag, Nr 43,15). Das deutsche Volk braucht keinen sogenannten Sozialstaat, sondern einen Knüppel. „Der Staat nur = WERKZEUG des Proletariats in seinem Klassenkampf. Ein besonderer Knüppel, rien de plus!“ (Lenin, Über die Dikatatur des Proletariats, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1960,80). Mit diesem Knüppel muss das Proletariat jeden bürgerlichen Staat, auch den schönsten Sozialstaat zerschlagen. Denn durch ihn findet eine optische Täuschung statt: Die Asozialität der Existenz der Lohnsklaverei wird als etwas Soziales ausgegeben. Wenn das Proletariat sich erhebt, um sich den ganzen perversen politischen Dreck vom Halse zu schaffen, dann werden auch die Linken ihren Selbstbetrug bemerken, ihre Naivität, zu glauben, das deutsche Volk werde ihnen auf ewig Zucker in den Arsch blasen, etwa in Form einer monatlichen Abgeordnetendiät von 9 500 €,  damit sie es mit der Fata Morgana eines sogenannten Sozialstaates betrügen, nein ! Dann wird der proletarische Knüppel von oben herabsausen auf ihre im Bundestag breitgesessenen Hinterteile. Und wer   behauptet, die Völker hätten kein Recht, Konterrevolutionäre, Faschisten und Volksfeinde mit dem Knüppel zu bestrafen, muss selbst eine Tracht Prügel bekommen.

Ein weiteres Beispiel für Betrug und Selbstbetrug in der Politik: Eine starke Linke bedeutet Druck für ein gerechteres Land. (Vergleiche Sahra Wagenknecht, Wir wollen einen Politikwechsel, in: clara, Das Magazin der Fraktion Die Linke im Bundestag, Nr 43,15). Das wird man auch 3017 sagen können. Denn die Reichen und Mächtigen sagen sich: Politisiert so viel ihr wollt, Sahra Wagenknecht ist nicht die Frau, die euch über das Wesen der Politik aufklärt. Im Gegenteil – ‚clara‘ kann man sich vor dem Kapital nicht prostituieren. Sie trompetet: „Wir sind die soziale Protestpartei“. Die Kapitalisten sagen: Na und ! Es muss eben der Knüppel her ! Denn die Reichen und Mächtigen haben viel mehr Zeit, die Wissenschaft ihres Klassenfeindes zu studieren, während es umgekehrt für die Ausgebeuteten recht schwierig ist, wissenschaftlich in das Wesen des Kapitalismus/Imperialismus einzudringen. Die proletarische Positionierung an einer Werkbank in einem kapitalistischen Großbetrieb ist zwar der erste richtige Schritt, aber daraus folgt bei weitem noch kein sozialistisches Klassenbewußtsein, nur der materielle Ansatz ist da. „Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muß durch ihren Kopf hindurch“. (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1960,298 ). Es kann keinen sozialen Fortschritt geben, wenn wir das von Lenin angegebene Ziel aus dem Kopf verlieren: die völlige Vernichtung der Bourgeoisie.

BEMERKUNGEN ZUM WAHLJAHR 2017 IN DER BRD

2. März 2017

 

Zu den wohl faszinierendsten Merkwürdigkeiten der russischen Oktoberrevolution gehört die Tatsache, dass die Matrosen von Kronstadt  im Oktober 1917 ganz entscheidend zum Sieg der Bolschewiki beitrugen, vier Jahre später aber aus Kronstadt  der Ruf durch Russland hallte: Sowjets ohne Bolschewiki !  Jetzt wollten die Matrosen die bolschewistische Partei zur politischen Bedeutungslosigkeit verdammen und ihr Aufstand wurde unter hohen Opfern von Kommunistinnen/Kommunisten niedergeschalgen. Warum muss die bolschewistische Partei die Räte dominieren ? Die Räte dürfen nicht zu einem Fetisch gemacht werden. Sowjets ohne Bolschewiki hätte bedeutet, die Oktoberrevolution zu halbieren. Im Russland des Jahres 1917 bestand der politische Fortschritt darin, dass die Räte jederzeit abwählbar waren, legislative und exekutive Gewalt vereinigten und nach Arbeiterlohn bezahlt wurden. Der Wahlkreis der Räte war zudem nicht territorial definiert, wie im bürgerlichen Parlamentarismus, sondern bestimmte sich in und aus der Arbeitswelt: Fabrik, Regiment, Bauernhof (Arbeiter-, Soldaten und Bauernsowjet).

Aber dass noch gewählt werden sollte zeigt doch politische Unmündigkeit an. Wer sich nicht in der Erarbeitung des wissenschaftlichen Sozialismus befindet, wer ihn nur vom Hörensagen kennt, infantilisiert sich noch im Sandkastenspiel der Politik, so wie in jeder Militärakademie Soldaten an einen Sandkasten spielen.  Wer politisiert, ohne darüber nachzudenken, was es bedeutet, wenn Lenin davon spricht, dass in der Politik die Menschen immer Opfer von Betrug und Selbstbetrug  (Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Werke Band 19, Dietz Verlag Berlin, 1960,8) sind, hat noch nicht das intellektuelle Niveau von Aristoteles erreicht, der 384 Jahre vor unserer Zeitrechnung geboren wurde und der ganz richtig bemerkt hat, dass man über wissenschaftliche Wahrheiten gar nicht abstimmen könne. Nur was schwammig ist, darüber kann man abstimmen nach dem Prinzip der Mehrheit und wie in der Geschichte so auch in der Gegenwart besteht das politische Geschäft der Ideologen der Konterrevolution darin, auf dem Gebiet gesellschaftlicher Fragen alles schwammig zu halten, die Bücher der Klassiker zu verteufeln, nicht zur wissenschatlichen Klarheit zu gelangen, denn dann erübrigten sich Abstimmungen. Die Großbourgeoisie ist stets sehr interessiert an Akademikerinnen/Akademiker aus dem konfusen Kleinbürgertum, der am meisten schwankenden Klasse in der bürgerlichen Gesellschaft. Trifft ein Revolutionär eine falsche Wegwahl, wird es für ihn in der Praxis niemals zum Wegfall von Wahlen kommen können. In der Frage des Zieles gehen wir mit den Anarchisten gar nicht auseinander, pflegte Lenin zu sagen. 

Die regierungsamtliche Verblendung in Ausbeutergesellschaften besteht darin, dass die Ausbeuter die politische Unmündigkeit, die im freien und im allgemeinen Wahlrecht mittlerweile steckt (dessen Erkämpfung einst eine fortschrittliche Sache war), als letztes Wort der Gesellschaftswissenschaft ausgeben. Wie es in der Religion nur einen Gott geben darf, so soll es in der Politik nur eine Demokratie geben. Das ist falsch. Es gibt Demokratie und Demokratie. Eins teilt sich in zwei. Wir müssen heute in politischen Fragen zum Thema ‚Demokratie‘ stets mit zwei Demokratiebegriffen operieren: Es gibt eine bürgerliche Demokratie gegen den Feudalismus, die angeblich nach den bürgerlichen Ideologen ewig zu bestehen hat (so hätten es diese Volksbetrüger gern) und es gibt eine proletarische Demokratie gegen den Kapitalismus (Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1960, 241), die nach Engels einschläft bzw. nach Lenin abstirbt. Die Ausgebeuteten sollen im Sandkastenspiel der Politik ihren Schnuller, auf den sie – als angeblich „mündige Bürger“ – auch an der Wahlurne kauen, im Mund behalten und nicht den Sprung aus dem Sandkasten schaffen, sie dürfen nicht das wissenschaftliche Niveau von Aristoteles, Marx, Engels und Lenin erreichen. Fällt es denn nicht auf, dass Marx zum Beispiel bei der Erklärung der zwangsläufigen Arbeitslosigkeit im Kapitalismus ganz ohne die Nennung von Politikernamen auskommt ? Engels wies die Arbeiterklasse mit größter Entschiedenheit darauf hin, dass das allgemeine Stimmrecht nur ein Werkzeug der Herrschaft der Bourgeoisie ist. (Vergleiche Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,405).

Die anfangs aufgezeigte Widersprüchlichkeit in der politischen Entwicklung der Matrosen von Kronstadt ist mit einer anderen Widersprüchlichkeit abzurunden. Lenin gab uns ganz präzise Hinweise zum Charakter des bürgerlichen Parlamentarismus, ein System, das er Lloyd-Georgeismus nannte: „Ohne Wahlen geht es in unserem Zeitalter nicht; ohne die Massen kommt man nicht aus, die Massen aber können im Zeitalter des Buchdrucks und des Parlamentarismus nicht geführt werden ohne ein weit verzweigtes, systematisch angewandtes, solide ausgerüstetes System von Schmeichelei, Lüge, Gaunerei, das mit populären Modeschlagworten jongliert, den Arbeitern alles mögliche, beliebige Reformen und beliebige Wohltaten verspricht – wenn diese nur auf den revolutionären Kampf für den Sturz der Bourgeoisie verzichten“ (Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1960,114). Das Wahljahr 2017 in der BRD bestätigt bereits in seinen Anfängen die völlige Richtigkeit dieser Gedanken aus dem Jahr 1916. Aber es wäre ein Trugschluss einer revolutionären Partei, aus der Erkenntnis des Systems Lloyd-Georgeismus heraus eine generelle Wahlabstinenz zu favorisieren. Ein Arzt hat einen kranken Körper zu heilen, ein Revolutionär hat ein krankes politisches System zu töten. Ohne ständige Erarbeitung des wissenschaftlichen Sozialismus ist die Gefahr dabei sehr groß, dass man durch den perversen bürgerlichen Dreck, der uns aus allen Himmelsrichtungen umgibt und zu dem auch der bürgerliche Parlamentarismus gehört, angesteckt werden kann. Nur der wissenschaftliche Sozialismus immunisiert uns davor.