Archive for März 2017

Sex, Drugs, Rock’n Roll und der Kommunismus

28. März 2017

Es ist noch nicht einmal ein halbes Jahrhundert her, da brach von Berlin bis San Franzisco, von Tokio bis Toronto eine Jugend aus ihrem spießigen, kleinbürgerlichen Milieu aus, steckte sich Blumen ins Haar, creierte die Songs ‚My generation‘ (The Who) und ‚Let’s live for today‘ (The Grass Roots), und hisste die bunte Fahne mit der Parole „Sex, Drugs & Rock’n Roll“. Die Freiheit bestehe darin, dem Augenblick zu gehorchen. Menschen aber, die dem Augenblick gehorchen, müssen das Wort ‚Ratio‘ immer mit kleinen Buchstaben schreiben. Eine verantwortungslose Kulturindustrie heizte nach anfänglichem Zögern die Bewegung an und beutete sie aus. Ein dahergelaufener, heute vergessener Philosoph, Herbert Marcuse, predigte die Vereinigung von sexueller und politischer Revolte. Lennon war damals wichtiger als Lenin. Die Eliten der spätkapitalistischen Gesellschaft ließen schließlich alternative Lebensformen zu, etwa anarchistische Communen in West-Berlin, nachdem sich erwiesen hatte, dass diese keine sprengende Kraft gegen die Ordnung der Ausbeuter in sich ballten. Für die revolutionäre Linke zeigte sich, dass „ein Lebensstil à la Sex, Drugs und Rock’n Roll“ nur auf den ersten Blick progressiv war und sie stellte in einem schmerzhaften Lernprozess nach und nach fest, dass diese kleinbürgerliche Strömung die Arbeiterbewegung nicht voranbrachte, im Gegenteil, sie ging dazu über, den reaktionären Gehalt der schillernden Parole herauszustreichen, die sich angeblich gegen das Establishment und eine bürokratisch verwaltete Welt richtete.

Um sich zum in der bürgerlichen Gesellschaft breitgetretenen, die Frau missachtenden Thema ‚Sexualität‘ eine Leitlinie zu erarbeiten, so sind die Erinnerungen von Clara Zetkin an Lenin so aufschlussreich, dass sie als maßgebend einzuordnen sind. Sie hatte im Herbst 1920 die Gelegenheit, ausführlich die Fragen der proletarischen Frauenbewegung und der Sexualität mit Lenin zu erörtern. Lenin kritisierte Clara Zetkin ! Warum ? Weil sie in ihrer praktischen Arbeit in Deutschland in Lese- und Diskussionsabenden mit Arbeiterinnen besonders die sexuelle Frage in den Mittelpunkt gestellt hatte. „Ich glaubte meinen Ohren nicht trauen zu dürfen, als ich das hörte. Der erste Staat der proletarischen Diktatur ringt mit den Gegenrevolutionären der ganzen Welt. Die Lage in Deutschland selbst fordert die größte Konzentration aller proletarischen, revolutionären Kräfte zur Zurückwerfung der immer mehr vorwärtsdringenden Gegenrevolution. Die tätigen Genossinnen aber erörtern die sexuelle Frage … Die gelesenste Schrift soll die Broschüre einer jungen Wiener Genossin über die sexuelle Frage sein. Ein Schmarren !“ (Clara Zetkin, Erinnerungen an Lenin, Dietz Verlag Berlin, 1957,65). Eindeutig sprach sich Lenin gegenüber Zetkin gegen das Überwuchern sexueller Theorien und gegen das „Herumwühlen im Sexuellen“ (a.a.O.,66) aus. Dieses Wühlen „mag sich noch so wild und revolutionär gebärden, es ist doch zuletzt ganz bürgerlich. Es ist im besonderen eine Liebhaberei der Intellektuellen und der ihnen nahestehenden Schichten. In der Partei, beim klassenbewußten, kämpferischen Proletariat ist kein Platz dafür“. (a.a.O.). An erster Stelle darf nicht die Sexualität stehen, sondern die proletarische Revolution, der wissenschaftliche Sozialismus und die Politik. Ohne Disziplinierung der Neigungen, hier der sexuellen, kann kein effektiver weltgeschichtlicher Beitrag zur Vorbereitung der Revolution der Arbeiter und Bauern und der zu ihr reziprok verlaufenden Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus geleistet werden. In Russland standen 1916 / 1917 solche Idioten wie Rasputin und Nikolaus Romanow an der Spitze des Staates, das ist heute in Westeuropa nirgendwo mehr der Fall. Ist denn nicht klar, dass hier die ganze Schöpferkraft in die Bahn der proletarischen Revolution strömen muss ? Was ist denn ein Orgasmus, gleich welcher Art er zustande gekommen sein mag, im Vergleich mit dem Projekt einer kommunistischen Revolution in Deutschland ?

Natürlich sind wissenschaftlicher Sozialismus und Drogenkonsum unvereinbar. Eine profitsüchtige Alkoholindustrie führt heute bereits Vernichtungsfeldzüge gegen die Völker aller Länder. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZfgA) hat ausgerechnet, dass in der BRD täglich 202 Menschen an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums das Zeitliche segnen. Glaubt ihr schwächlichen, der Natur entfremdet, durch und durch zivilisationskranken Europäer denn allen Ernstes, der destruktiven Kraft der Alkoholmafia widerstehen zu können, wenn selbst so robuste Naturvölker wie die Indianer draufgegangen sind ?  In den russischen Revolution des 20. Jahrhunderts war zu beobachten, dass sowohl die in der Revolution von 1905 als auch die im Februar 1917 geborenen Sowjets die Aufgabe übernommen hatten, das Alkoholproblem in der Arbeiterbewegung zu lösen. Gegen Ende November 1917 spielten sich im aufgewühlten Russland die sogenannten Weinprogrome ab. Mit dem Anschein einer Systematik wurden Weinkellereien ausgeplündert und besoffene Soldaten taumelten tagelag durch die Straßen. John Reed schreibt in seiner Revolutionsreportage, dass es nachgewiesen sei, dass die Konterrevolution dabei ihre Hand im Spiel gehabt hat (Vergleiche John Reed, 10 Tage, die die Welt erschütterten, Dietz Verlag Berlin, 1983,349). Die Konterrevolution spielte den Regimentern Pläne zu, mit deren Hilfe große Alkoholvorräte ausfindig gemacht werden konnten. Die Kommissare Lenins wurden der Lage nicht Herr, schließlich wurden Kompanien von roten Matrosen mit Maschinengewehren ausgestattet, um nach den Worten Reeds „erbarmungslos in die betrunkenen Massen hineinzuschießen“. Bezeichnend aber ist die Szene, die sich nach der Abstimmung über die Resolution des bewaffneten Aufstandes im Oktober 1917 in Petrograd abspielte, die mit zehn gegen zwei Stimmen angenommen worden war. Als Sinowjew zur Feier des Tages eine Flasche Wodka auf den Tisch stellte, fegte Lenin sie mit den Worten beiseite: „Das ist eine Revolution der Reinen“. (Erik Durschmied, Der Untergang großer Dynastien, bohlau Verlag, Wien Köln Weimar, 2000,94). Prägen wir uns diese Szene gut ein ! Denn im DKP-Büro in Hannover habe ich eine Kiste Herrenhäuser Bier entdecken müssen. Wie passt das mit der gut ausgestatteten Bürobibliothek zusammen ? Noch ärger treibt es allerdings die MLPD. Sie kam auf die famose Idee, zu Ehren, so die Worte der Partei, zu Ehren „100 Jahre Oktoberrevolution“ einen blauen Spätburgunder als Sonderabfüllung des Weingutes Wilmshof für 8, 90 € pro Pulle zu kredenzen, zwei Euro pro Flasche gehen in die Spendenkampagne der MLPD. Um an die Kröten der Proleten heranzukommen, erweisen sich die Tetzels als äußerst einfallsreich. Fallen die Euros in die Spendendosen der MLPD, ist wieder alles im Lot, und eine kleinbürgerliche Seele wird auf wundersame Weise rot. (Ich war selbst Zeuge, wie die Mitglieder der MLPD auf einer Montagsdemo in Hannover am Schillerdenkmal, bei der sie ihre Spendendose kreisen lassen,  eine Bettlerin haben abblitzen lassen. Kommunist/innen geben einer armen, alten Bettlerin nichts ab !! Was für eine Szene ! Was für ein Stoff für Dostojewski !). Hinzu kommt noch, dass der Fusel in der Roten Fahne Nr. 7/17  neben dem Sammelband Marxismus-Leninismus zum Kauf präsentiert wird. So werden der Marxismus-Leninsmus und die Oktoberrevolution besudelt.

Um auf die Schädlichkeit der Musik, die diese in Lenins  Weltbild hatte, hinzuweisen, genügt eine Szene.  Gorki hat sie festgehalten, die Szene,  in der der bekannte Pianist Isaay Dubrowen Lenin Beethovens Appassionata vorspielte: „Ich kenne nichts Schöneres als die Appassionata und könnte sie jeden Tag hören. Eine wunderbare, nicht mehr menschliche Musik ! Ich denke immer mit vielleicht naiv kindlichem Stolz; daß Menschen solche Wunder schaffen können !“ Dann kniff er die Augen, lächelte und setzte unfroh hinzu: „Aber allzu oft kann ich Musik doch nicht hören. Sie wirkt auf die Nerven, man möchte lieber Dummheiten reden und Menschen den Kopf streicheln, die in einer schmutzigen Hölle leben und trotzdem solche Schönheit schaffen können. Aber heutzutage darf man niemandem den Kopf streicheln – die Hand wird einem sonst abgebissen. Schlagen muß man auf die Köpfe, unbarmherzig schlagen – obwohl wir im Ideal gegen jede Vergewaltigung der Menschen sind, Hm Hm – unser Amt ist höllisch schwer.“ (Lenin, in: Georg Lukács, Lenin, Luchterhand Verlag, Neuwied und Berlin, 1969,91f.). Der Blues zum Beispiel thematisiert zwar ständig gesellschaftliche Mißstände, bietet aber keine Lösung an. Der Kommunismus aber „ist das aufgelöste Rätsel der Geschichte und weiß sich als diese Lösung“ (Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, Ergänzungsband, Schriften bis 1844, Erster Teil, Dietz Verlag Berlin, 1960,536). Die Redaktion der Roten Fahne der MLPD hat mich in diesem Punkt des Sektierertums bezichtigt. Aber es ist die Partei, die den Leninsmus verwässert, die den Gesang der Gosse höher stellt als eine Aussage von Lenin.  Ein Mann, der Lenin folgt, kann kein Sektierer sein.

Eine weitere Schwierigkeit kommt besonders in Deutschland hinzu. Engels wies uns in der ‚Geschichte des Bundes der Kommunisten‘ darauf hin, dass die meisten Deutschen einen Hang zur inneren Haltlosigkeit haben. Man begreift angesichts der in Deutschland zur Zeit so schwachen kommunistischen Arbeiterbewegung sofort die Gefahr, die ihr durch Sex, Drugs & Rock’n Roll drohen. An einen bolschewistischen Berufsrevolutionär muss deshalb ein sehr strenger Maßstab angelegt werden: ob sein ganzer Lebenswandel den Idealen der Revolution entspricht oder nicht ? Sex, Drugs und Rock’n Roll müssen gegen Null tendieren. Wie es bei Felix Dzierschinski der Fall war. Jakób Hanecki, ein Weggenosse und Mitglied des Hauptvorstandes der SDKPiL, berichtet über ihn in seinen Memoiren: „Man kann sich nur schwer ein Bild von der eisernen, unerschöpflichen Energie machen, mit der er arbeitete. Nachtruhe gönnte er sich selten. Es kam vor, daß man ihn mit Gewalt zum Essen zwingen mußte. Er arbeitete achtzehn bis zwanzig Stunden am Tag“. (Vergleiche Feliks Dzierzynski, Biographie, Dietz Verlag Berlin, 1981, 69). Dass man uns während des Voranbringens der bolschewistischen Sache zum Essen zwingen muss – da müssen wir hinkommen. In einem kapitalistischen Land gegen den Strom zu schwimmen, ist eine dornige Sache, ein langer Weg der bitteren, negativen Erfahrungen, nur so kann man den Marxismus-Leninismus studieren, ihn durch harte Erlebnisse bestätigt finden, ihn in der Praxis des Klassenkampfes weiterentwickeln. Wenn ich mir heute die Linkesten der Linken in den kommunistischen Parteien Deutschlands anschaue: sie gönnen sich Nachtruhe, sie speisen in vornehmen Restaurants, sie arbeiten kaum sechs Stunden  am Tag für die bolschewistische Sache. Die Folge davon ist, dass der Pauperismus mehr und mehr steigt, dass immer mehr Menschen in den Großstädten in Abfallbehältern nach Essbaren suchen, die Folge davon ist, dass Arbeiterkorrespondenzen nicht beantwortet werden. Rosa Luxemburg hatte tausenmal Recht, als sie schrieb, dass in jedem sibirischen Dorf mehr Humanität herrsche als in der deutschen Sozialdemokratie.

Wir haben den Bolschewismus wahrhaft durch Leiden errungen, so schrieb Lenin im ‚Linken Radikalismus‘. Keiner ist ohne Sünde. Weg mit dem perversen Dreck ! Weg mit den Pornoheften, wegen mit dem Fusel, weg mit der ganzen anglo-amerikanischen Rockmusik – weg mit dieser ganzen destruktiven Irrationalität, her mit den konstruktiven lichtbringenden Werken von Marx, Engels und Lenin !!! Sie klären uns auf, wie es kommt, dass und wie die Arbeit des Volkes in die Börse einer kleinen Schar von ekelerregenden Volksfeinden mündet. Welches Licht hat denn nun der Marxismus-Leninismus der Arbeiterklasse weltweit aufgesteckt ? Er erklärt, wie durch die Ausbeutung der Arbeiterklasse, ihrer Arbeitskraft als eine Ware, die in ihrem Gebrauchswert Quelle von Wert ist, die Kapitalisten sich an dieser Wertschöpfung aus der Arbeitskraft bereichern und dass die arbeitende Klasse von den Kapitalisten selbst gezwungen wird zur gewerkschaftlichen Organisation, zur Organisation einer revolutionären Kampfpartei und in eine gewaltsame Revolution hineingejagt wird. Das deutsche Volk steuert unvermeidlich auf einen Revolutionskrieg, auf einen Bürgerkrieg der schrecklichsten Art zu, in dem die Marxisten-Leninisten gegen den Strom schwimmen müssen und unbarmherzig auf die führenden Köpfe der AfD, der Grünen, der FDP, der Linken, der SPD, der CDU… usw … einprügeln müssen. Ein höllisch schweres Amt ! Ist denn nicht klar, dass in dem kommenden kolossalsten Bürgerkrieg, den das deutsche Volk je erlebt haben wird und dem sich keiner entziehen kann, nur ein kleiner harter Kern von bolschewistischen Elitesoldaten überleben wird ? 

Die Einschätzung des Lesers H. Ahlreip finde ich sehr rigide und weit übertrieben. Hier werden Sachverhalte ganz unnötig gegeneinander in Stellung gebracht (Sexualverhalten/Musikgeschmack <-> revolutionäre Gesinnung). Und Lenin hat Musik ganz sicher nie als „schädlich“ angesehen, ganz im Gegenteil.
So eine kuriose Sichtweise wollte ich mit meinem Artikel nicht befördern.
Mir ging es um die Problematik eines übertriebenen Alkoholkonsums, die sich aus meiner praktischen Erfahrung in der politischen Arbeit mit der Arbeiterklasse konkret stellt. Dabei wende ich mich auch gegen opportunistische Bestrebungen in „der Linken“, Drogen zu bagatellisieren, gar zu verherrlichen sowie Gender-Ideologie/Feminismus zum Hauptinhalt der Politik zu machen. Aber daraus würde ich nicht den Schluss ziehen, irgendwelche „(sexuellen) Neigungen“ zu disziplinieren. (Das ist überhaupt eine völlig vermischte Darstellung und sprengt Rahmen und Intention des Artikels.)
Gleichzeitig spricht der Leserbrief „den zivilisationskranken Europäern“ ohnehin die Möglichkeit ab, „der Kraft der Alkoholmafia widerstehen zu können“. Das stimmt ja auch zum Teil, zeigt damit aber auch, dass Askesepropaganda nicht der richtige Weg sein kann, zumindest nicht Sache einer politischen Organisation ist, sondern Fragen individueller Lebensgestaltung betrifft, die eher in religiösen oder anderen philosophischen Zusammenhängen diskutiert werden können. Mir geht es darum, auf das „Zuviel“ hinzuweisen, dass sich hier darüber definiert, inwieweit politische Arbeit behindert oder unmöglich wird. Ein Kasten Bier im Parteibüro besagt überhaupt nichts. Eine kritische, ernsthafte Auseinandersetzung mit der Politik der DKP ist da wichtiger.
Mir ist schleierhaft, wie man mit so lebensfernen Losungen heute „bolschewistische Elitesoldaten“ – was auch immer er sich darunter vorstellt – gewinnen will.
A.

hallo Genosse Diethard

Ich bedanke mich für die mail, da ich sie auch als Anlass nehmen kann, meinen Leserbrief zu konkretisieren, was den bolschewistischen Elitesoldaten Felix Dierzynski betrifft. Mittlerweile habe ich die Quelle gefunden, die meiner Darstellung Hand und Fuß gibt. Ich habe den Text an dieser Stelle wie folgt geändert:

An einen bolschewistischen Berufsrevolutionär muss deshalb ein sehr strenger Maßstab angelegt werden: ob sein ganzer Lebenswandel den Idealen der Revolution entspricht oder nicht ? Sex, Drugs und Rock’n Roll müssen gegen Null tendieren. Wie es bei Felix Dzierschinski der Fall war. Jakób Hanecki, ein Weggenosse und Mitglied des Hauptvorstandes der SDKPiL, berichtet über ihn in seinen Memoiren: „Man kann sich nur schwer ein Bild von der eisernen, unerschöpflichen Energie machen, mit der er arbeitete. Nachtruhe gönnte er sich selten. Es kam vor, daß man ihn mit Gewalt zum Essen zwingen mußte. Er arbeitete achtzehn bis zwanzig Stunden am Tag“. (Vergleiche Feliks Dzierzynski, Biographie, Dietz Verlag Berlin, 1981, 69). Dass man uns während des Voranbringens der bolschewistischen Sache zum Essen zwingen muss – da müssen wir hinkommen. In einem kapitalistischen Land gegen den Strom zu schwimmen, ist eine dornige Sache, ein langer Weg der bitteren, negativen Erfahrungen, nur so kann man den Marxismus-Leninismus studieren, ihn durch harte Erlebnisse bestätigt finden, ihn in der Praxis des Klassenkampfes weiterentwickeln. Wenn ich mir heute die Linkesten der Linken in den kommunistischen Parteien Deutschlands anschaue: sie gönnen sich Nachtruhe, sie speisen in vornehmen Restaurants, ohne jedes Schamgefühl, dass der Sohn von Karl Marx, der kleine, hochbegabte Edgar, des Hungers starb, sie arbeiten kaum sechs Stunden  am Tag für die bolschewistische Sache. Auch eine Folge davon ist, dass der Pauperismus mehr und mehr steigt, dass immer mehr Menschen in den Großstädten in Abfallbehältern nach Essbaren suchen, die Zahl der Drogentoten 2016 auf 1333 gestiegen ist, die Folge davon ist, dass Arbeiterkorrespondenzen nicht beantwortet werden. Rosa Luxemburg hatte tausenmal Recht, als sie schrieb, dass in jedem sibirischen Dorf mehr Humanität herrsche als in der damaligen deutschen Sozialdemokratie.

Ich spiele nicht Sachverhalte gegeneinander aus, sondern es ist doch in der bürgerlichen Konsumgesellschaft  ein Zusammenhang, eine Kette festzustellen zwischen Sex, Alkohol und Hooligan-Musik und Musik ganz allgemein. Vorbilder können für einen Revolutionär nur Giganten wie Lenin, Stalin und Dzierzynski sein. Wir alle stecken schon zu sehr im Sumpf der kapitalistischen Barbarei, um diese Giganten erreichen zu können, aber es ist unsere Pflicht, sich ihnen anzunähern, so weit es geht (jeder nach seinen Leistungen). Lenin hat übertriebenen Musikkonsum als schädlich angesehen, ich habe das doch belegt, während der Gegenbeweis nicht erbracht werden kann. Es gibt im Gesamtwerk Lenins keine Stelle, in der er den Musikgenuss in der Vorgeschichte der Menschheit vorbehaltlos als nur positiv sieht. Im Klassenkrieg, in dem wir uns befinden, kommt es für die roten Soldaten darauf an, sich eine strenge Disziplin anzueignen, etwas anderes ist es in der kommunistischen Gesellschaft,  in der es eine wahre Befreiung der Sexualität und Musikkompositionen geben wird, die Beethovens in den Schatten stellen werden.Der junge Genosse vertritt die Auffassung, ein Gläschen schadet nichts. Das mag in anderen Ländern richtig sein, die Deutschen haben nun aber mal den Hang zur inneren Haltlosigkeit (die ein Österreicher auszunutzen wusste). Aus dem Biersuff des Münchener Bürgerbräukellers stieg doch die braune Pest hoch, vergiftete fast ein ganzes Volk und strandete in Stalingrad, die Stadt, die noch heute einer Pariser Metrostation ihren Namen gibt. (Die Pariser haben sie nicht in Eisenhüttenstadt umgetauft !). Als Lenin die Flasche Wodka vom Tisch fegte, ging es da um einen religiösen oder philosophischen Zusammhang oder um einen politischen ?
Was (richtig muss es heißen: wen) ich mir unter einen bolschewistischen Elitesoldaten vorstelle ? Nun, zum Beispiel Feliks Dzierzynski ! Dazu zwei Literaturhinweise: N.I. Subow: Dzierzynski, Eine Biographie, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1975, der zweite befindet sich an der erweiterten Stelle meines Leserbriefes.

Solidarische Grüße
Heinz

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Die revolutionären Kommunistinnen und Kommunisten müssen eine klare Trennungslinie zur Partei ‚Die Linke‘ ziehen

26. März 2017

Durch das Studium der Geschichte der Stadtrepublik Venedig vor Ort kam Rousseau 1743 auf den wegweisenden Gedanken, dass in Zukunft das Schicksal der Menschheit von der Politik bestimmt sein wird wie bisher von Metaphysik und Religion. Napoleon, der 1799  die französische Revolution für beendet erklärt hatte, sagte auf St. Helena: „Die Politik ist unser Schicksal“. Das ist das Credo der Reaktion, Politik habe eine unentrinnbare Schicksalsmacht über uns zu sein. Bürgerliche Ideologen vertreten die Auffassung, dass der moderne Mensch ein politischer  zu sein habe, während für wissenschaftliche Sozialistinnen und Sozialisten Politik die Versklavung des Volks anzeigt.

Um sich in dieser Frage Klarheit zu verschaffen, muss man erstens bis in die tiefste Vergangenheit des Marxismus zurückgehen, zurückgehen auf die Erkenntnisse, die der junge Marx aus seiner intensiven Auseinandersetzung mit der klassischen französischen Revolution von 1789 gewonnen hatte. Marx stieß auf die Schranke der bürgerlichen Revolution, die für ihn eine politische, aber keine humane war. „Die Revolution überhaupt – der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse – ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung oder der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg“. (Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,409). Die politische Hülle wird also weggeschleudert, denn die „Existenz des Staates und die Existenz der Sklaverei sind unzertrennlich“. (a.a.O.,401f.).

Um sich in dieser Frage Klarheit zu verschaffen, muss man sich zweitens vergegenwärtigen, wie denn Lenin  ‚Politik‘ in den modernen zivilisierten Ländern bestimmt hat: Die Massen sind in Klassen gespalten, die Klassen werden von Parteien geführt, die in der Regel von mehr oder minder stabilen Gruppen der autoritativsten, einflußreichsten und erfahrensten Personen geleitet werden. (Vergleiche Lenin, Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,582). Wer die politische Macht hat, diese Frage entscheidet alles ! Bereits 1913 hatte Lenin Marx in der Bestimmung der Politik vertieft: „Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Betrug und Selbstbetrug …“. (Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1960,8).

Wenn heute 10 000 von den Massenmedien verdummte Menschen politisieren, so ist 9 990 von ihnen die Bestimmung der Politik durch Marx und Lenin unbekannt und von den restlichen zehn können neun die Gedanken von Marx und Lenin gar nicht nachvollziehen. So wird Geschichte geschrieben, so wird Politik betrieben.

In der ‚clara‘ Nr. 43, dem Magazin der Fraktion ‚Die Linke‘ im Bundestag, findet sich ein aufschlußreiches Interview mit Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, das überschrieben ist: „Wir wollen einen Politikwechsel“, ein Satz, den Dietmar Bartsch im Interview vorgebracht hatte. Schon aus diesem Satz kann man ablesen, dass es diesen Linken nicht um eine Aufhebung der Diktatur des Kapitals über die Lohnarbeit geht. Es geht ihnen auch nicht um die Aufhebung der Klassen der bürgerlichen Gesellschaft, um die Abschaffung der Klassen überhaupt. Den wirklich linken Klassenkämpferinnen und Klassenkämpfern geht es heute um die Aufhebung von bürgerlichen und proletarischen Klassen, um die Abschaffung von Klassen überhaupt, damit um die Aufhebung des Marxismus-Lenismus, der als ‚Anleitung zum revolutionärem Handeln‘ in einer klassenlosen Gesellschaft nicht mehr benötigt wird. Soll es keine politikfreie Periode in der Geschichte der Menschen  geben, in der sie weder sich selbst noch andere betrügen ?

Als Lenin im „tollen Jahr 1917“ aus dem Schweizer Exil nach Russland zurückkehrte, forderte er die Bolschewiki sofort auf, sich klar und deutlich von den Menschewiki abzugrenzen. Auch die revolutionären Klassenkämpferinnen und Klassenkämpfer im tollen Wahljahr 2017 müssen sich in der BRD sofort  von den sich selbst betrügenden Volksbetrügern abgrenzen. Beispiele aus dem Interview gefällig ? „Wir werden nur in eine Regierung gehen, wenn sie die soziale Ungleichheit spürbar verringert und den Sozialstaat wiederherstellt“. (Sahra Wagenknecht, Wir wollen einen Politikwechsel, in: clara, Das Magazin der Fraktion Die Linke im Bundestag, Nr 43,15). Das deutsche Volk braucht keinen sogenannten Sozialstaat, sondern einen Knüppel. „Der Staat nur = WERKZEUG des Proletariats in seinem Klassenkampf. Ein besonderer Knüppel, rien de plus!“ (Lenin, Über die Dikatatur des Proletariats, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1960,80). Mit diesem Knüppel muss das Proletariat jeden bürgerlichen Staat, auch den schönsten Sozialstaat zerschlagen. Denn durch ihn findet eine optische Täuschung statt: Die Asozialität der Existenz der Lohnsklaverei wird als etwas Soziales ausgegeben. Wenn das Proletariat sich erhebt, um sich den ganzen perversen politischen Dreck vom Halse zu schaffen, dann werden auch die Linken ihren Selbstbetrug bemerken, ihre Naivität, zu glauben, das deutsche Volk werde ihnen auf ewig Zucker in den Arsch blasen, etwa in Form einer monatlichen Abgeordnetendiät von 9 500 €,  damit sie es mit der Fata Morgana eines sogenannten Sozialstaates betrügen, nein ! Dann wird der proletarische Knüppel von oben herabsausen auf ihre im Bundestag breitgesessenen Hinterteile. Und wer   behauptet, die Völker hätten kein Recht, Konterrevolutionäre, Faschisten und Volksfeinde mit dem Knüppel zu bestrafen, muss selbst eine Tracht Prügel bekommen. Und diese ist längst verdient, schon allein durch einen Artikel des Parteivorsitzenden Bernd Riexinger in der ‚Jungen Welt‘ vom 16. Januar 2017: „Wir sind nicht als eine revolutionäre Partei gegründet worden, sondern als ein Zusammenschluß verschiedener linker Strömungen“. Man muss zu einer solchen Partei sofort auf Distanz gehen, zu ihr einen dicken Strich ziehen. Entweder gibt es einen wissenschaftlichen Sozialismus oder Narrenfreiheit für Konterrevolutionäre.

Ein weiteres Beispiel für Betrug und Selbstbetrug in der Politik: Eine starke Linke bedeutet Druck für ein gerechteres Land. (Vergleiche Sahra Wagenknecht, Wir wollen einen Politikwechsel, in: clara, Das Magazin der Fraktion Die Linke im Bundestag, Nr 43,15). Das wird man auch 3017 sagen können. Denn die Reichen und Mächtigen sagen sich: Politisiert so viel ihr wollt, Sahra Wagenknecht ist nicht die Frau, die euch über das Wesen der Politik aufklärt. Sie steht in der Tradition von Eugen Dühring, der Politik gegenüber der Ökonomie verabsolutierte und von Engels zurecht gewiesen wurde: Die politische Gewalt wird von der Wirtschaftslage unterjocht. Also muss das kapitalistische Wirtschaftssystem zerschlagen werden, um von der Politik erlöst zu werden. Es gibt viele Dührings unter den Linken bzw. die Linke existiert zu 99 Prozent aus kleinen und großen Dührings.   ‚Clara‘ als Sahra kann man sich vor dem Kapital nicht prostituieren. Sie trompetet: „Wir sind die soziale Protestpartei“. Die Kapitalisten sagen: Na und ! Es muss eben der Knüppel her ! Denn die Reichen und Mächtigen haben viel mehr Zeit, die Wissenschaft ihres Klassenfeindes zu studieren, während es umgekehrt für die Ausgebeuteten aus Zeitmangel und Erschöpfung recht schwierig ist, wissenschaftlich in das Wesen des Kapitalismus/Imperialismus einzudringen. Die proletarische Positionierung an einer Werkbank in einem kapitalistischen Großbetrieb ist zwar der erste richtige Schritt, aber daraus folgt bei weitem noch kein sozialistisches Klassenbewußtsein, nur der materielle Ansatz ist da. „Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muß durch ihren Kopf hindurch“. (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1960,298 ). Es kann keinen tiefen sozialen Fortschritt geben, wenn wir das von Lenin angegebene Ziel aus dem Kopf verlieren: die völlige Vernichtung der Bourgeoisie.

BEMERKUNGEN ZUM WAHLJAHR 2017 IN DER BRD

2. März 2017

 

Zu den wohl faszinierendsten Merkwürdigkeiten der russischen Oktoberrevolution gehört die Tatsache, dass die Matrosen von Kronstadt  im Oktober 1917 ganz entscheidend zum Sieg der Bolschewiki beitrugen, vier Jahre später aber aus Kronstadt  der Ruf durch Russland hallte: Sowjets ohne Bolschewiki !  Jetzt wollten die Matrosen die bolschewistische Partei zur politischen Bedeutungslosigkeit verdammen und ihr Aufstand wurde unter hohen Opfern von Kommunistinnen/Kommunisten niedergeschalgen. Warum muss die bolschewistische Partei die Räte dominieren ? Die Räte dürfen nicht zu einem Fetisch gemacht werden. Sowjets ohne Bolschewiki hätte bedeutet, die Oktoberrevolution zu halbieren. Im Russland des Jahres 1917 bestand der politische Fortschritt darin, dass die Räte jederzeit abwählbar waren, legislative und exekutive Gewalt vereinigten und nach Arbeiterlohn bezahlt wurden. Der Wahlkreis der Räte war zudem nicht territorial definiert, wie im bürgerlichen Parlamentarismus, sondern bestimmte sich in und aus der Arbeitswelt: Fabrik, Regiment, Bauernhof (Arbeiter-, Soldaten und Bauernsowjet).

Aber dass noch gewählt werden sollte zeigt doch politische Unmündigkeit an. Wer sich nicht in der Erarbeitung des wissenschaftlichen Sozialismus befindet, wer ihn nur vom Hörensagen kennt, infantilisiert sich noch im Sandkastenspiel der Politik, so wie in jeder Militärakademie Soldaten an einen Sandkasten spielen.  Wer politisiert, ohne darüber nachzudenken, was es bedeutet, wenn Lenin davon spricht, dass in der Politik die Menschen immer Opfer von Betrug und Selbstbetrug  (Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Werke Band 19, Dietz Verlag Berlin, 1960,8) sind, hat noch nicht das intellektuelle Niveau von Aristoteles erreicht, der 384 Jahre vor unserer Zeitrechnung geboren wurde und der ganz richtig bemerkt hat, dass man über wissenschaftliche Wahrheiten gar nicht abstimmen könne. Nur was schwammig ist, darüber kann man abstimmen nach dem Prinzip der Mehrheit und wie in der Geschichte so auch in der Gegenwart besteht das politische Geschäft der Ideologen der Konterrevolution darin, auf dem Gebiet gesellschaftlicher Fragen alles schwammig zu halten, die Bücher der Klassiker zu verteufeln, nicht zur wissenschatlichen Klarheit zu gelangen, denn dann erübrigten sich Abstimmungen. Die Großbourgeoisie ist stets sehr interessiert an Akademikerinnen/Akademiker aus dem konfusen Kleinbürgertum, der am meisten schwankenden Klasse in der bürgerlichen Gesellschaft. Trifft ein Revolutionär eine falsche Wegwahl, wird es für ihn in der Praxis niemals zum Wegfall von Wahlen kommen können. In der Frage des Zieles gehen wir mit den Anarchisten gar nicht auseinander, pflegte Lenin zu sagen. 

Die regierungsamtliche Verblendung in Ausbeutergesellschaften besteht darin, dass die Ausbeuter die politische Unmündigkeit, die im freien und im allgemeinen Wahlrecht mittlerweile steckt (dessen Erkämpfung einst eine fortschrittliche Sache war), als letztes Wort der Gesellschaftswissenschaft ausgeben. Wie es in der Religion nur einen Gott geben darf, so soll es in der Politik nur eine Demokratie geben. Das ist falsch. Es gibt Demokratie und Demokratie. Eins teilt sich in zwei. Wir müssen heute in politischen Fragen zum Thema ‚Demokratie‘ stets mit zwei Demokratiebegriffen operieren: Es gibt eine bürgerliche Demokratie gegen den Feudalismus, die angeblich nach den bürgerlichen Ideologen ewig zu bestehen hat (so hätten es diese Volksbetrüger gern) und es gibt eine proletarische Demokratie gegen den Kapitalismus (Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1960, 241), die nach Engels einschläft bzw. nach Lenin abstirbt. Die Ausgebeuteten sollen im Sandkastenspiel der Politik ihren Schnuller, auf den sie – als angeblich „mündige Bürger“ – auch an der Wahlurne kauen, im Mund behalten und nicht den Sprung aus dem Sandkasten schaffen, sie dürfen nicht das wissenschaftliche Niveau von Aristoteles, Marx, Engels und Lenin erreichen. Fällt es denn nicht auf, dass Marx zum Beispiel bei der Erklärung der zwangsläufigen Arbeitslosigkeit im Kapitalismus ganz ohne die Nennung von Politikernamen auskommt ? Engels wies die Arbeiterklasse mit größter Entschiedenheit darauf hin, dass das allgemeine Stimmrecht nur ein Werkzeug der Herrschaft der Bourgeoisie ist. (Vergleiche Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,405).

Die anfangs aufgezeigte Widersprüchlichkeit in der politischen Entwicklung der Matrosen von Kronstadt ist mit einer anderen Widersprüchlichkeit abzurunden. Lenin gab uns ganz präzise Hinweise zum Charakter des bürgerlichen Parlamentarismus, ein System, das er Lloyd-Georgeismus nannte: „Ohne Wahlen geht es in unserem Zeitalter nicht; ohne die Massen kommt man nicht aus, die Massen aber können im Zeitalter des Buchdrucks und des Parlamentarismus nicht geführt werden ohne ein weit verzweigtes, systematisch angewandtes, solide ausgerüstetes System von Schmeichelei, Lüge, Gaunerei, das mit populären Modeschlagworten jongliert, den Arbeitern alles mögliche, beliebige Reformen und beliebige Wohltaten verspricht – wenn diese nur auf den revolutionären Kampf für den Sturz der Bourgeoisie verzichten“ (Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1960,114). Das Wahljahr 2017 in der BRD bestätigt bereits in seinen Anfängen die völlige Richtigkeit dieser Gedanken aus dem Jahr 1916. Aber es wäre ein Trugschluss einer revolutionären Partei, aus der Erkenntnis des Systems Lloyd-Georgeismus heraus eine generelle Wahlabstinenz zu favorisieren. Ein Arzt hat einen kranken Körper zu heilen, ein Revolutionär hat ein krankes politisches System zu töten. Ohne ständige Erarbeitung des wissenschaftlichen Sozialismus ist die Gefahr dabei sehr groß, dass man durch den perversen bürgerlichen Dreck, der uns aus allen Himmelsrichtungen umgibt und zu dem auch der bürgerliche Parlamentarismus gehört, angesteckt werden kann. Nur der wissenschaftliche Sozialismus immunisiert uns davor.