Die revolutionären Kommunistinnen und Kommunisten müssen eine klare Trennungslinie zur Partei ‚Die Linke‘ ziehen

Durch das Studium der Geschichte der Stadtrepublik Venedig vor Ort kam Rousseau 1743 auf den wegweisenden Gedanken, dass in Zukunft das Schicksal der Menschheit von der Politik bestimmt sein wird wie bisher von Metaphysik und Religion. Napoleon, der 1799  die französische Revolution für beendet erklärt hatte, sagte auf St. Helena: „Die Politik ist unser Schicksal“. Das ist das Credo der Reaktion, Politik habe eine unentrinnbare Schicksalsmacht über uns zu sein. Bürgerliche Ideologen vertreten die Auffassung, dass der moderne Mensch ein politischer  zu sein habe, während für wissenschaftliche Sozialistinnen und Sozialisten Politik die Versklavung des Volks anzeigt.

Um sich in dieser Frage Klarheit zu verschaffen, muss man erstens bis in die tiefste Vergangenheit des Marxismus zurückgehen, zurückgehen auf die Erkenntnisse, die der junge Marx aus seiner intensiven Auseinandersetzung mit der klassischen französischen Revolution von 1789 gewonnen hatte. Marx stieß auf die Schranke der bürgerlichen Revolution, die für ihn eine politische, aber keine humane war. „Die Revolution überhaupt – der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse – ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung oder der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg“. (Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,409). Die politische Hülle wird also weggeschleudert, denn die „Existenz des Staates und die Existenz der Sklaverei sind unzertrennlich“. (a.a.O.,401f.).

Um sich in dieser Frage Klarheit zu verschaffen, muss man sich zweitens vergegenwärtigen, wie denn Lenin  ‚Politik‘ in den modernen zivilisierten Ländern bestimmt hat: Die Massen sind in Klassen gespalten, die Klassen werden von Parteien geführt, die in der Regel von mehr oder minder stabilen Gruppen der autoritativsten, einflußreichsten und erfahrensten Personen geleitet werden. (Vergleiche Lenin, Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,582). Wer die politische Macht hat, diese Frage entscheidet alles ! Bereits 1913 hatte Lenin Marx in der Bestimmung der Politik vertieft: „Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Betrug und Selbstbetrug …“. (Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1960,8).

Wenn heute 10 000 von den Massenmedien verdummte Menschen politisieren, so ist 9 990 von ihnen die Bestimmung der Politik durch Marx und Lenin unbekannt und von den restlichen zehn können neun die Gedanken von Marx und Lenin gar nicht nachvollziehen. So wird Geschichte geschrieben, so wird Politik betrieben.

In der ‚clara‘ Nr. 43, dem Magazin der Fraktion ‚Die Linke‘ im Bundestag, findet sich ein aufschlußreiches Interview mit Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, das überschrieben ist: „Wir wollen einen Politikwechsel“, ein Satz, den Dietmar Bartsch im Interview vorgebracht hatte. Schon aus diesem Satz kann man ablesen, dass es diesen Linken nicht um eine Aufhebung der Diktatur des Kapitals über die Lohnarbeit geht. Es geht ihnen auch nicht um die Aufhebung der Klassen der bürgerlichen Gesellschaft, um die Abschaffung der Klassen überhaupt. Den wirklich linken Klassenkämpferinnen und Klassenkämpfern geht es heute um die Aufhebung von bürgerlichen und proletarischen Klassen, um die Abschaffung von Klassen überhaupt, damit um die Aufhebung des Marxismus-Lenismus, der als ‚Anleitung zum revolutionärem Handeln‘ in einer klassenlosen Gesellschaft nicht mehr benötigt wird. Soll es keine politikfreie Periode in der Geschichte der Menschen  geben, in der sie weder sich selbst noch andere betrügen ?

Als Lenin im „tollen Jahr 1917“ aus dem Schweizer Exil nach Russland zurückkehrte, forderte er die Bolschewiki sofort auf, sich klar und deutlich von den Menschewiki abzugrenzen. Auch die revolutionären Klassenkämpferinnen und Klassenkämpfer im tollen Wahljahr 2017 müssen sich in der BRD sofort  von den sich selbst betrügenden Volksbetrügern abgrenzen. Beispiele aus dem Interview gefällig ? „Wir werden nur in eine Regierung gehen, wenn sie die soziale Ungleichheit spürbar verringert und den Sozialstaat wiederherstellt“. (Sahra Wagenknecht, Wir wollen einen Politikwechsel, in: clara, Das Magazin der Fraktion Die Linke im Bundestag, Nr 43,15). Das deutsche Volk braucht keinen sogenannten Sozialstaat, sondern einen Knüppel. „Der Staat nur = WERKZEUG des Proletariats in seinem Klassenkampf. Ein besonderer Knüppel, rien de plus!“ (Lenin, Über die Dikatatur des Proletariats, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1960,80). Mit diesem Knüppel muss das Proletariat jeden bürgerlichen Staat, auch den schönsten Sozialstaat zerschlagen. Denn durch ihn findet eine optische Täuschung statt: Die Asozialität der Existenz der Lohnsklaverei wird als etwas Soziales ausgegeben. Wenn das Proletariat sich erhebt, um sich den ganzen perversen politischen Dreck vom Halse zu schaffen, dann werden auch die Linken ihren Selbstbetrug bemerken, ihre Naivität, zu glauben, das deutsche Volk werde ihnen auf ewig Zucker in den Arsch blasen, etwa in Form einer monatlichen Abgeordnetendiät von 9 500 €,  damit sie es mit der Fata Morgana eines sogenannten Sozialstaates betrügen, nein ! Dann wird der proletarische Knüppel von oben herabsausen auf ihre im Bundestag breitgesessenen Hinterteile. Und wer   behauptet, die Völker hätten kein Recht, Konterrevolutionäre, Faschisten und Volksfeinde mit dem Knüppel zu bestrafen, muss selbst eine Tracht Prügel bekommen. Und diese ist längst verdient, schon allein durch einen Artikel des Parteivorsitzenden Bernd Riexinger in der ‚Jungen Welt‘ vom 16. Januar 2017: „Wir sind nicht als eine revolutionäre Partei gegründet worden, sondern als ein Zusammenschluß verschiedener linker Strömungen“. Man muss zu einer solchen Partei sofort auf Distanz gehen, zu ihr einen dicken Strich ziehen. Entweder gibt es einen wissenschaftlichen Sozialismus oder Narrenfreiheit für Konterrevolutionäre.

Ein weiteres Beispiel für Betrug und Selbstbetrug in der Politik: Eine starke Linke bedeutet Druck für ein gerechteres Land. (Vergleiche Sahra Wagenknecht, Wir wollen einen Politikwechsel, in: clara, Das Magazin der Fraktion Die Linke im Bundestag, Nr 43,15). Das wird man auch 3017 sagen können. Denn die Reichen und Mächtigen sagen sich: Politisiert so viel ihr wollt, Sahra Wagenknecht ist nicht die Frau, die euch über das Wesen der Politik aufklärt. Sie steht in der Tradition von Eugen Dühring, der Politik gegenüber der Ökonomie verabsolutierte und von Engels zurecht gewiesen wurde: Die politische Gewalt wird von der Wirtschaftslage unterjocht. Also muss das kapitalistische Wirtschaftssystem zerschlagen werden, um von der Politik erlöst zu werden. Es gibt viele Dührings unter den Linken bzw. die Linke existiert zu 99 Prozent aus kleinen und großen Dührings.   ‚Clara‘ als Sahra kann man sich vor dem Kapital nicht prostituieren. Sie trompetet: „Wir sind die soziale Protestpartei“. Die Kapitalisten sagen: Na und ! Es muss eben der Knüppel her ! Denn die Reichen und Mächtigen haben viel mehr Zeit, die Wissenschaft ihres Klassenfeindes zu studieren, während es umgekehrt für die Ausgebeuteten aus Zeitmangel und Erschöpfung recht schwierig ist, wissenschaftlich in das Wesen des Kapitalismus/Imperialismus einzudringen. Die proletarische Positionierung an einer Werkbank in einem kapitalistischen Großbetrieb ist zwar der erste richtige Schritt, aber daraus folgt bei weitem noch kein sozialistisches Klassenbewußtsein, nur der materielle Ansatz ist da. „Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muß durch ihren Kopf hindurch“. (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1960,298 ). Es kann keinen tiefen sozialen Fortschritt geben, wenn wir das von Lenin angegebene Ziel aus dem Kopf verlieren: die völlige Vernichtung der Bourgeoisie.

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