Archive for Mai 2017

Der Denkweiseschwindel der wurzellosen MLPD

23. Mai 2017

Eine Revolution ist ein reines Naturphänomen“, hatte Engels am 13. Februar 1851 an Marx geschrieben, „das mehr nach physikalischen Gesetzen geleitet wird, als nach den Regeln, die in ordinären Zeiten die Entwicklung der Gesellschaft bestimmen. Oder vielmehr, diese Regeln nehmen in der Revolution einen viel physikalischeren Charakter an, die materielle Gewalt der Notwendigkeit tritt heftiger hervor“. Zu dieser Fundamentalbestimmung von Engels gerät Leo Trotzki in Widerspruch: „Unmittelbare Ursachen der Revolutionsereignisse sind Veränderungen im Bewusstsein der kämpfenden Klassen“. (Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, Oktoberrevolution, Mehring Verlag, Essen, 2010,219). Auch Mao Tse tung sieht in seiner Schrift ‚Über den Widerspruch‘ das Verhältnis von Basis und Überbau eher trotzkistisch denn mit den Augen von Engels. Eine Denkweise, ob kleinbürgerlich, ob proletarisch, geht unter in der materiellen Gewalt der Notwendigkeit. In der Arbeitsteilung zwischen Hand- und Kopfarbeit lag die Verführung, das Tun der Menschen aus ihrer Denkweise, statt aus ihren Bedürfnissen zu erklären (Vergleiche Friedrich Engels, Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,379).  Es war diese materielle Gewalt in Form von Massendemonstrationen während der Moskauer Prozesse, die im 20. Jahrhundert selbst den ‚Liebling der Partei‘ vor Gericht brachte. Wir sehen hieran auch, wie sehr die revolutionären Prozesse 1917 und ff. von einer elitären Minderheit von Intellektuellen noch idealistisch gedeutet werden mussten.

Es gibt auch heute noch diese elitäre Minderheit, die sich unbeachtet aller Revolutionsphysik an dem Schnuller der proletarischen Denkweise festgebissen hat, Intellektuelle, deren geistige Kraft nicht ausreicht, sich aus idealistischer Befangenheit zu lösen. Warum ? Das menschliche Denken hat nun mal die Eigenschaft,  sich  auf einer gewissen Entwicklungsstufe von  der wirklichen Welt zu trennen, um sich dann nicht mehr auf seine Basis zurückzubesinnen, im Gegenteil, um aus der Trennung eine Selbständigkeit gegenüber der Wirklichkeit zu behaupten. (Vergleiche Friedrich Engels, Anti-Dühring, Werke Band 20, Dietz Verlag Berlin, 1960,36). So hat dann die MLPD ein ganzes System der Lehre von der Denkweise entwickelt, dass der kapitalistischen Gesellschaft aufgepropft werden soll, wie es für Utopisten üblich ist: die Lösung gesellschaftlicher Widersprüche soll im menschlichen Kopf, im richtigen, sprich: im proletarischen Denken erzeugbar sein.  Der Kommunismus ergäbe sich dann daraus, dass alle Mitglieder der Gesellschaft von Stefan Engel abgerichtete Vögel in ihrem Kopf herumflattern haben, die ihnen von morgens bis abends, vom Aufwachen bis zum Schlafengehen die proletarische Melodey vortrillern. Das deutsche Volk tut gut daran, der MLPD einen Vogel zu zeigen. Es ist bereits ausgeschlossen, dass das deutsche Volk auf den Denkweiseschwindel der MLPD hereinfällt und zwar auf Grund seiner ganzen vielfältigen materiellen Tätigkeiten. „Aber gerade die Veränderung der Natur durch den Menschen, nicht die Natur als solche allein, ist die wesentlichste und nächste Grundlage des menschlichen Denkens, und im Verhältnis, wie der Mensch die Natur verändern lernte, in dem Verhältnis wuchs seine Intelligenz“. (Friedrich Engels, Dialektik der Natur, Werke Band 20, Dietz Verlag Berlin, 1960,498). Mit der Denkweiselehre hat sich die Partei in eine Sackgasse verrannt. Bis heute bleibt sie der internationalen Arbeiterbewegung den Nachweis schuldig, wie die Denkweise des Proletariats mit dem Fortschritt der Technik zusammenhängt ? Darüber gibt es kein Material und logischerweise kann es auch keines geben. „Die Technologie enthüllt das aktive Verhalten des Menschen zur Natur, den unmittelbaren Produktionsprozess seines Lebens, damit auch seiner gesellschaftlichen Lebensverhältnisse und der ihnen entquellenden geistigen Vorstellungen“. (Karl Marx, Das Kapital, Ausgewählte Schriften, Band 2,550). Die MLPD steht mit ihrer Denkweise ohne Quellen da bzw. aus der Denkweiselehre entquillt nichts Wissenschaftliches, eine Folge, die sich aus dem auf einen Denkweiseschwindel umfrisierten Marxismus ergeben. Lenin schreibt über die vormarschen Materialisten, dass diese nicht nachforschten, wodurch die ideellen Motive der Menschen hervorgerufen werden, dass diese nicht die objektive Gesetzmäßigkeit in der Entwicklung des Systems der gesellschaftlichen Verhältnisse erfassten und dass diese nicht die Wurzeln dieser Verhältnisse im Entwicklungsgrad der materiellen Produktion erblickten (Vergleiche Lenin, Karl Marx, in: Lenin, Marx-Engels-Marxismus, Dietz Verlag Berlin, 1960,17f.).  Der Entwicklungsgrad der materiellen Produktion ist entscheidend, auch in der Erklärung des Aufkommens einer Arbeiteraristokratie in der SU nach Stalins Tod, die Wurzeln zur Erklärung der Restauration des Kapitalismus in der SU können nur in der Ökonomie liegen. Wer heute der Arbeiterklasse die  Kinderklapper der Denkweise in die Hand drückt, um zum Beispiel den Restaurationsprozess in der SU aufzuzeigen, macht sich lächerlich.  Die MLPD kann also nicht im Proletariat Fuß fassen, sondern nur bei Intellektualisierten, bei Arbeitsscheuen, die in einer kleinbürgerlichen Atmosphäre groß geworden sind bis zur mittleren Reife, gerade unreif genug, auf der einen Seite die Natur zu sehen und getrennt davon auf der anderen das Denken. So konnte die Lehre von der Denkweise in ordinären Zeiten bei ihnen greifen. Für die MLPD ist die proletarische Revolution kein reines Naturphänomen wie für Engels, sondern ein Denkweisephänomen wie für Engel. Uns wird von dieser sich marxistisch und leninistisch nennenden Partei  nicht eine Revolutionsphysik dargeboten, sondern eine völlig in sich verbiesterte Revolutionsmetaphysik. Liegen zwischen beiden, zwischen Engels und Engel, nicht Lichtjahre ?

Der junge Marx hatte um den Jahreswechsel 1843/44 herum geschrieben, dass es nicht genüge, dass der Gedanke zur Wirklichkeit, die Wirklichkeit müsse sich auch zum Gedanken drängen. Nachdem die MLPD den Marxismus weiterentwickelt hat, müssten wir heute sagen: Es genügt nicht, dass die proletarische Denkweise zur Wirklichkeit drängt, die Wirklichkeit müsse sich auch zur proletarischen Denkweise drängen. Man stelle sich das einmal vor ! Dass die proletarische Denkweise zur falsch ausgelegten Wirklichkeit drängt, sprich: zur politischen Macht, das hat die MLPD durch die Überschätzung der in Deutschland schon lange vorliegenden und auch zur Zeit objektiv sehr dürftigen revolutionären Situation schon oft bewiesen, sie kompensiert das aber dadurch, dass sie auf den Spuren Tetzels wandert und wahre Orgien von Spendenkampagnen nach dem Motto ins Leben ruft: Wenn die Euromünze  in den Sammeldosen der MLPD klingt, eine kleinbürgerliche Seele in den Himmel der proletarischen Denkweise springt. Und das ist auch im wesentlichen unter der proletarische Denkweise zu verstehen. Irgendeinen Wert für den wissenschaftlichen Sozialismus, gar für seine Weiterentwicklung hat der Ausdruck ‚proletarische Denkweise‘ nicht und kann er auch nicht haben.

In der uns umgebenden Natur, in der uns durch die menschliche Arbeit entstandenen, uns umgebenden Welt wirken dialektische Gesetze, alle Prozesse der Natur, der Gesellschaft und des menschlichen Denkens bewegen sich in der Form dieser Gesetze und es ist die Aufgabe des wissenschaftlichen Sozialismus, durch alle Zufälligkeiten, durch all den von den Massenmedien angerichteten Wirrwarr hindurch diese Gesetze herauszukristallisieren, sie den Volksmassen zu vermitteln, diesen gemäß ihnen Anleitungen zum Handeln zu geben und zukünftige Entwicklungskonturen zu eruieren. Die Aufgabe des wissenschaftlichen Sozialismus ist von dem großen Dialektiker Hegel bereits idealistisch vorformuliert worden: Für ihn war es die Philosophie, die das Wissen des Substantiellen ihrer Zeit erfasst, eine Denkweise war für ihn  etwas Subjektives und Leeres. Engels bezeichnet die materialistische Dialektik als Marxens und seine schärfste Waffe, durch die wir zu den Triebkräften der Triebkräfte der Geschichte gelangen (Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1960, 293 und 298).

Die MLPD hat diese Waffe in den Staub geworfen und an ihrer statt die Kinderklapper der Lehre bzw. Leere von der Denkweise ergriffen. Mit dieser kann man sich natürlich nicht auf die Höhe des wissenschaftlichen Sozialismus erheben, sondern steht dem im eigenen Land stehenden Hauptfeind infantil und hilflos gegenüber. Die Mitglieder der MLPD werden niemals wie Fische im Wasser des Volkes schwimmen, das sie sich mit der ‚Lehre von der Denkweise‘ selbst das Wasser abgraben.

Die Lehre von der Denkweise ist überhaupt Nonsens. Dies zeigt sich schon allein dadurch, dass sie sich nicht in der kritischen Auseinandersetzung mit Theorie-Elementen des Marxismus-Leninismus entwickelt hat, wie es guter marxistisch-leninistischer Brauch ist. Sie wurde einfach gesetzt, knüpfte nicht kritisch an vorliegende Formen der traditionellen Lehre an. Wenn ich behaupte, dass ich eine Lehre weiterentwickelt habe, dann muss ich auch angeben können, was in der vorliegenden Theorie ab einem bestimmten Zeitpunkt als nicht mehr gültig zu bezeichnen ist und warum es heute veraltet ist. Das ist eine elementare Forderung dialektischen Denkens.  Und das kann man durch Lenins Imperialismusanalyse lernen. Die Lehre von der Denkweise liegt daneben. Die Ideologen der MLPD treten der Welt doktrinär mit einem neuen Prinzip entgegen: Proletarische Denkweise ! Proletarische Denkweise ! Proletarische Denkweise ! Das ist ihre Kinderklapper. „Hier ist die Wahtheit, hier kniee nieder !“ Der Dialektiker Marx dagegen forderte schon im September 1843 in einem Brief an Ruge: „Wir entwickeln der Welt aus den Prinzipien der Welt neue Prinzipien“ (Karl Marx, Brief an Ruge, Werke Band 1, Dietz Verag Berlin, 1960,345). So ist es richtig, so geht es. Und nun frage man ein Mitglied der MLPD, wie er den Nachweis führen will, wie die MLPD aus den Prinzipien des Marxismus-Leninismus diesem neue Prinzipien, zum Beispiel die Lehre von der Denkweise, entwickelt hat ? Eine metaphysische und eine dialektische Herangehensweise schließen sich eben gegenseitig aus wie Feuer und Wasser. Metaphysiker können den Marxismus-Leninismus nicht weiterentwickeln. Sie können sich auch nicht inhaltlich und wissenschaftlich mit Marxistinnen und Marxisten auseinandersetzen, sie brechen die Kommunikation ab, gehen auf Briefe nicht ein und verweigern die Kommunikation, von der Metaphysik zur Barbarei ist es halt nur ein kleiner Schritt. Verweigerung von Kommunikation ist eben schon Ausdruck von Barbarei.  Und diese Exkrementenphilosophen maßen sich an, die Arbeiterinnen und Arbeiter zum Kommunismus zu führen. Ich habe die historische Formationsstufe eben angegeben, in die wir mit der MLPD landen würden. Die MLPD und die marxistisch-leninistische Arbeiterbewegung stehen sich feindlich gegenüber wie Feuer und Wasser. Die Lehre von der Denkweise liegt also daneben und geht dem Marxismus inhaltlich nichts an, da auf einer Seite überhaupt keine marxistische Substanz vorliegt. Bei der kritischen Auseinandersetzung mit der MLPD-Denkweise geht es ums Etikett, um die Verwechslung von Irrglauben und Wissenschaft. Es ist die Lehre von der Denkweise, die als Pseudomarxismus die Arbeiterinnen und Arbeiter in die Irre, in die Barbarei führt.

In der Auseinandersetzung mit der kleinbürgerlichen MLPD muss ganz klar herausgearbeitet werden, dass wissenschaftlicher Sozialismus und Arbeiterbewegung nicht auseinander resultieren, sondern zunächst nebeneinander laufen , der Träger der Wissenschaft ist nicht das Proletariat, sondern die bürgerliche Intelligenz. Jeder ABC-Schüler des Marxismus-Leninismus weiß, dass das sozialistische Bewußtsein etwas in den Klassenkampf von außen Hineingetragenes, nicht etwas aus ihm urwüchsig Entstandenes ist. Diese Wirklichkeit hatte Kautsky  richtig widergespiegelt und Lenin erkennt das ausdrücklich in seiner Schrift ‚Was tun ?‘ an (Vergleiche Lenin, Was tun ?, Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1960,395). Die Lehre von der proletarischen Denkweise ist ein Armutszeugnis, das belegt, was herauskommt, wenn proletarische Kümmerlinge unter sich bleiben. „Gottlos ist nicht der, der mit den Göttern der Menge aufräumt, sondern der, welcher die Vorstellungen der Menge den Göttern andichtet“ (Epikur). Und gerade das macht die MLPD, sie dichtet ihre Vorstellungen von der Denkweise, vom auf dem Kopf stehenden Denken  den „Göttern“ des Marxismus als Weiterentwicklung derer Lehre an. An die Denweiseschwindler sind die Worte des jungen Marx aus seiner Doktordissertation zu richten: Es tauchen untergeordnete, quengelnde und individualitätslose Gestaltungen auf, die sich hinter der Riesengestalt der Dialektik stellen, „aber bald bemerkt man den Esel unter der Löwenhaut, die weinerliche Stimme eines Mannequin von heute und gestern greint komisch kontrastierend hervor … es ist, als wenn ein Stummer sich durch ein Sprachrohr von enormer Größe zu Stimme verhelfen wollte – oder aber mit doppelter Brille bewaffnet, steht irgendein Liliputaner auf einem Minimum vom posterius des Riesen, verkündet der Welt nun ganz verwundert, welche überraschend neue Aussicht von seinem punctum visus aus die Lehre von der Denkweise darbiete … So entstehen  Haar-, Nägel-, Zehen-, Exkrementenphilosophen und andere, die einen noch schlimmern Posten im mythischen Weltmenschen des Swedenborg zu repräsentieren haben“.  (Vergleiche Karl Marx, Anmerkungen zur Doktordissertation, Ergänzungsband, Schriften bis 1844, Erster Teil, Dietz Verlag Berlin, 1960,331).


 

 

Revolutionen im Kollektiv darstellen

17. Mai 2017

REVOLUTIONEN IM KOLLEKTIV DARSTELLEN
„ … die Souveränität des Denkens verwirklicht sich in einer Reihe höchst unsouverän denkender Menschen; die Erkenntnis, welche unbedingten Anspruch auf Wahrheit hat, in einer Reihe von relativen Irrtümern …“. 1. 
Es ist ganz offensichtlich widersinnig, dass ein Fachmann, etwa ein Historiker, ein Buch über eine Revolution für Fachmänner, etwa für Historiker schreibt, Expertenkollektive müssen Bücher über eine Revolution für Völker schreiben, für wen denn sonst ? Schon von ihrer Komplexität her erheischt die Darstellung einer Revolution ein Kollektiv von Experten auf Fachgebieten, die von der Außenpolitik bis zum Zentralismus reichen. Überhaupt ist die Wissenschaft in ihrem Kern kollektivistisch angelegt, es ist nur ein spezifischer Idiotismus der bürgerlichen Gesellschaft, der das nicht permanent präsent werden lässt. Wer sich mit dem Individualitätsprinzip  der bürgerlichen Gesellschaft abfindet, muss selbst an einem gewissen Grad an Idiotismus leiden. „Es ist mir immer idiotisch vorgekommen“, schrieb van Gogh an seinen Bruder, „daß Maler für sich allein leben“. Die Dominanz der bürgerlichen Gesellschaft über frühere gesellschaftliche Formationen hat keinesfalls abgebrochen, dass auch Idioten an die Spitze von Staaten treten können. Die bürgerliche Revolution wollte das vereiteln, sprengte aber die Menschen als egoistische Monaden aus den Feudalverbänden heraus. Jetzt war der Weg frei für ein Klima wie es für Misstrauensgesellschaften, für das Gewimmele von Privatproduzenten charakteristisch ist.  Im bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb tut jeder so, als ob er ein Napoleon wäre. Das ist sehr fraglich, nur eins ist sicher, früher oder später ereilt dem Individualwissenschaftler sein Waterloo, das unvermeidbar ist, wenn sich ein Einzelwissenschaftler der Weltgeschichte ausliefert. Hegel hatte sich als einzelner der Weltphilosophie ausgeliefert und versuchte sich an der Aufgabe, die Geschichte der Menschheit durch alle scheinbaren Zufälligkeiten hindurch als Entwicklungsprozess der Menschheit selbst darzustellen. Nach Engels erlitt er gerade hierin sein Waterloo, denn er wollte eine Aufgabe lösen, die kein einzelner Mensch je wird lösen können. 2.
Napoleon hatte während der Schlacht mit den Mameluken beobachtet, dass seine Kavallerie die glänzendsten Einzelreiter der Mameluken, die jedem französischen Einzelreiter haushoch überlegen waren, durch Kollektivität in disziplinierter Form unterlegen machte. Gesamtkraft erzeugt eine zusätzliche, neue Kraftpotenz, was Marx im Kapital am Beispiel der Kooperation bewies. Friedrich Engels machte die Arbeiterklasse im Anti-Dühring darauf aufmerksam, dass Einzeldenker ohne Ausnahme mehr Patzer als wissenschaftlich Wertvolles zu Tage zu bringen.  Die Weltgeschichte und ihre Revolutionen sind ein Komplex von Prozessen und in einer tiefgehenden Revolution verdichten diese sich ineinander noch mehr. Neben dem Zusammenlegen der Puzzlesteine der Fakten ist der Historiker ein Entwirrer sich überlappender Stränge im klassischen analytischen Sinn, (er fügt zusammen und) er legt auseinander. In der Wiedergabe geschichtlicher Prozesse liegt somit ein Moment der Ideologie, denn sie lassen sich nicht ‚eins zu eins‘ abbilden, da das Abbilden selbst ein Prozess, mithin historisch ist.
Der marxistische Erkenntnisgewinn gegenüber den bürgerlichen Ökonomen bestand darin, dort ein Verhältnis von Menschen zu sehen, wo jene ein Verhältnis von Dingen sahen (Austausch von Ware gegen Ware).  Das Abbilden der Geschichte kann nur selbst geschichtlich sein, so dass sich ‚eins in zwei‘ geteilt hat. So ist die Geschichte Objekt und Subjekt in einem und zur Praxis des marxistischen Historikers gehört es, selbst Subjekt der Geschichte zu werden. In seinem Hauptwerk „Die Stufen des Organischen und der Mensch“ schrieb der Philosoph Helmuth Plessner 1928, dass der Geist in einer „Wir-Sphäre“ angesiedelt sei. Geist habe der Mensch nicht in der Weise, wie er einen eigenen Körper habe. Kann ein in den Gesellschaftswissenschaften wirkender Mensch einen Gedanken als seinen ureigensten behaupten ? Um zu ganz großen und tiefen wissenschaftlichen Erkenntnissen im Kollektiv zu gelangen, muss die bürgerliche Gesellschaft überwunden werden, in der sich über den Markt nur eine Pseudokollektivität herstellen läßt. Der bürgerliche Wissenschaftsbetrieb spiegelt nur den Sachverhalt der ökonomischen Basis des Kapitalismus wider: Die Tatsache, dass die Ware Produkt unabhängig betriebener, in Konkurrenz stehender Privatarbeit ist, spiegelt sich bereits im Schulbetrieb der bürgerlichen Gesellschaft wider, in der junge Menschen nach dem Motto: ‚Jeder für sich, Gott für uns alle‘ deformiert werden zu asozialen Individuen. „Es heißt noch immer: der Mensch denkt und Gott (das heißt die Fremdherrschaft der kapitalistischen Produktionsweise) lenkt“. 3.
Selbst einem höchstentwickelten Expertenkollektiv kann es nicht gelingen, eine Revolution wirklich erschöpfend darzustellen, zumal die komplexen Prozesse der Oktoberrevolution, deren Originalität  darin besteht, zum ersten Mal eine erfolgreiche Revolution der ungeheuren Mehrheit der großen Masse der Besitz- und Namenlosen über die Minderheit kapitalistischer Ausbeuter und menschewistischer Kriegstreiber gewesen zu sein, mit der Intention, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen für immer zu beenden und diese nicht, wie es außer der Pariser Commune fast immer der Fall war, zu verewigen. „In allen Revolutionen war der Wille der Mehrheit der Arbeiter und Bauern, d.h. ohne Zweifel der Wille der Mehrheit der Bevölkerung, für die Demokratie, und dennoch endete die überwiegende Mehrzahl aller Revolutionen mit einer Niederlage der Demokratie“. 4. Was war zum Beispiel die Folge der niedergeschlagenen bürgerlichen Revolution von 1905 im zaristischen Russland ? Nun, zur Lösung der Bauernprobleme wurde ein ‚Zentralkomitee für landwirtschaftliche Angelegenheiten‘ gegründet – und wieviel Bauern nahmen an diesem offiziellen Komitee teil ? Es waren gerade mal zwei Prozent. So verhöhnen reiche Ausbeuter unterkonsumierende Ausgebeutete. 
Selbst der Cambridgeprofessors Edward Hallett Carr muss eingestehen, dass die Oktoberrevolution der Ausgangspunkt tiefgreifenderer und nachhaltigerer Auswirkungen in der ganzen Welt war als irgendein anderes Ereignis der neueren Zeit. 5. Eine Revolution kann sich nicht halten, wenn die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung nicht ihre aktuelle Notwendigkeit erkannt hat. Diese zeitlose Wahrheit hatte Lenin in die Köpfe der Bolschewiki eingehämmert. Carr, dem man nicht gerade Sympathien für den Leninismus nachsagen kann, verortet also die Oktoberrevolution zum Epizentrum der neueren Geschichte, was auch insofern stimmig ist, als der Zusammenbruch der Sowjetunion nicht gleich das Ende der weltgeschichtlichen Wirkung des Leninismus bedeutete und bedeutet, im Gegenteil, Volksfeinde schütten Kübel voller Verleumdungen über Lenins Haupt – die ‚einfachen Leute‘ stehen auch heute „trotz alledem“ noch Schlange vor seinem Mausoleum. Warum ? Sie spüren, dass hier ein Licht in der Finsternis des imperialistischen Terrors flackert.
1. Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, Werke Band 20, Dietz Verlag Berlin, 1960,80
2. Vergleiche Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, Werke Band 20, Dietz Verlag Berlin, 1960,23. Das Epochale an Hegels System war, dass er eine Aufgabe falsch löste, die er richtig gestellt hatte.
3. a.a.O.,295
4. Lenin, Aus dem Tagebuch eines Publizisten, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,299
5. Vergleiche Edward Hallet Carr, Die Russische Revolution, Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1977,182

Das bürgerliche TV-„Kulturprogramm“ am 1. Mai 2017

1. Mai 2017

Friedrich Engels bemerkt in seiner Einleitung zum deutschen Bauernkrieg, dass die Arbeiterklasse den Kampf gegen ihren Hauptfeind, gegen die Bourgeoisie, nicht nur ökonomisch und politisch, sondern auch ideologisch führen muss. Dass auch der ideologische Kampf notwendig ist, und zwar bitter notwendig ist für den kulturellen Fortschritt des deutschen Volkes, wird sofort deutlich, wenn wir einmal die Fernsehprogramme der deutschsprachigen Fernsehsender am 1. Mai Revue passieren lassen. Suchen wir zunächst Sendungen heraus, die sich mit der Arbeiterbewegung, der alltäglichen Arbeitswelt von Millionen Menschen und der sozialen Lage des deutschen Volkes beschäftigen. Man sollte annehmen, dass es etliche Programmbeiträge zu diesen Themen geben sollte. Weit gefehlt ! Insgesamt gab es am 1. Mai zwanzig Minuten, die sich mit dem Tag der Arbeit befassten: eine fünfminütige Ansprache des Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf dem ARD-Kanal und auf dem Kanal des Bayrischen Rundfunks eine 15minütige Sendung mit dem Titel: ‚Der 1. Mai in Bayern‘, in der es um eine Rente ging, die zum Leben reicht, um ein Arbeitszeitgesetz in der Gastronomie, um einen Dorfladenboom (was das mit dem ersten Mai zu tun hat, ist noch sehr die Frage) und um das Aufrichten eines Maibaumes. Das alles in 15 Minuten, aber immerhin ein ganz kleiner Lichtblick von einem Sender, den man ansonsten zu den reaktionärsten  des deutschen Fernsehens zu rechnen hat … Doch selbst hier kommt es sogleich zu einer Trübung. In München gab es zwei berühmte Landauers, Kurt und Gustav, der erste stand an der Wiege des FC Bayern München, der zweite war Aktivist der Münchener Räterepublik. Über wen wurde eine Sendung am 1. Mai ausgestrahlt ? Und wer war erst am 2. Mai um O uhr 15 an der Reihe ?

20 Minuten von 24 Stunden, das heißt, das bürgerliche Fernsehen hat für die Arbeit des Volkes, für die Arbeiterklasse des Landes, für die Werktätigen, die unser aller Leben, die das Leben des Volkes erhalten und  sichern, im Verhältnis umgerechnet einen Teil übrig, während 71 Teile für die bürgerliche Kulturbarbarei verschwendet wurden. Rechnet man zwanzig Minuten als eine Einheit, so ergeben sich am Tag 72 Einheiten. Marx und Engels schrieben im Kommunistischen Manifest, dass in der bürgerlichen Gesellschaft das Kapital selbständig und persönlich, das tätige Individuum aber unselbständig und unpersönlich ist. Die Kulturschande, die das deutsche Fernsehen am ersten Mai 2017 für die hart erarbeiteten Gebühren ins Haus liefern, bestätigen leider aufs glänzendste die Worte von Marx und Engels aus dem Jahr 1848.

Durch die Massenmedien wären wir heute rein technisch in der Lage, die gesamte Bevölkerung eines Landes zu einer wissenschaftlichen Hochblüte zu führen, wie sie einmalig in der Weltgeschichte dastehen würde. Jede Bürgerin und jeder Bürger könnte zu einer Wissenschaftlerin, zu einem Wissenschaftler gebildet werden, alle könnten Fremdsprachen lernen und sich auf allen Gebieten der Wissenschaft weiterbilden, sei es auf gesellschaftswissenschaftlichen und / oder auf naturwissenschaftlich-mathematischen. Vor allem aber sollte das Verantwortungsbewußtsein vorhanden sein, die mehr als sieben Millionen Analphabeten, die es in der Bundesrepublik gibt (auf der Insel Kuba O) über Bildmedien zu unterrichten, die Schüler könnten dabei anonym bleiben, damit dieser Schandfleck endlich verschwindet und Deutschland die Schwelle zu einem zivilisierten Land überschreiten kann. Stattdessen: Nobody ist der Größte, Bloggerin kocht Kochbuchklassiker aus den 50er Jahren nach, FBI-Agent jagt einen Bankräuber verkleidet als stabile überdrehte Südstaatendame … Rosamunde Pilcher, Uta Danella … Kitsch reiht sich an Kitsch, eine einzige Volksverdummung, eine einzige ekelerregende Sudelei.

Die Bourgeoisie hat sich aus einer Klasse, die mit der Aufklärung ein klassenbedingtes wissenschaftliches Licht in die Welt gebracht hatte, gewandelt in eine imperialistische, die nicht Freiheit, sondern eine terroristische Weltherrschaft anstrebt, die aus einer einst fortschrittlichen Klasse der Geschichte eine stinkende, faulende und parasitäre geworden ist, der es beliebt, ein Volk von politischen Analphabeten und geistig verstümmelten Menschen heranzuzüchten, um das ganze Land mit ihrer infantilen Kulturbarbarei zu überziehen. Deshalb kann man ja den eigenen Maßstab an die Bourgeoisie anlegen, deshalb rief Engels der Arbeiterklasse zu: Nehmt die Bourgeoisie beim Wort ! Die fortschrittliche Arbeiterklasse kann heute mit ruhiger Hand der Bourgeoisie ins Stammbuch schreiben: „Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, des Menschen allerhöchste Kraft, lass nur in Blend- und Zauberwerken, Dich von dem Lügengeist bestärken, so hab ich Dich schon unbedingt …“ (Goethe / Faust). Man wird zustimmen, eine derart dekadente Klasse der Gesellschaft ist dem Untergang geweiht. Es kann ihr kein anderes historisches Schicksal winken. Die Geschichte lehrt, dass das Verfaulte, Kranke, fast schon Abgestorbene nicht von selbst fällt, die neue Klasse, der die Zukunft gehört, muss die alte abstoßen. Wie die junge Bourgeoisie den ganzen alten feudalen modrigen politischen Plunder abwarf, so muss heute das Proletariat den ganzen alten bürgerlichen Politplunder (Parlamentarismus, stehendes Heer, Polizei …) abwerfen.