Das bürgerliche TV-„Kulturprogramm“ am 1. Mai 2017

Friedrich Engels bemerkt in seiner Einleitung zum deutschen Bauernkrieg, dass die Arbeiterklasse den Kampf gegen ihren Hauptfeind, gegen die Bourgeoisie, nicht nur ökonomisch und politisch, sondern auch ideologisch führen muss. Dass auch der ideologische Kampf notwendig ist, und zwar bitter notwendig ist für den kulturellen Fortschritt des deutschen Volkes, wird sofort deutlich, wenn wir einmal die Fernsehprogramme der deutschsprachigen Fernsehsender am 1. Mai Revue passieren lassen. Suchen wir zunächst Sendungen heraus, die sich mit der Arbeiterbewegung, der alltäglichen Arbeitswelt von Millionen Menschen und der sozialen Lage des deutschen Volkes beschäftigen. Man sollte annehmen, dass es etliche Programmbeiträge zu diesen Themen geben sollte. Weit gefehlt ! Insgesamt gab es am 1. Mai zwanzig Minuten, die sich mit dem Tag der Arbeit befassten: eine fünfminütige Ansprache des Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf dem ARD-Kanal und auf dem Kanal des Bayrischen Rundfunks eine 15minütige Sendung mit dem Titel: ‚Der 1. Mai in Bayern‘, in der es um eine Rente ging, die zum Leben reicht, um ein Arbeitszeitgesetz in der Gastronomie, um einen Dorfladenboom (was das mit dem ersten Mai zu tun hat, ist noch sehr die Frage) und um das Aufrichten eines Maibaumes. Das alles in 15 Minuten, aber immerhin ein ganz kleiner Lichtblick von einem Sender, den man ansonsten zu den reaktionärsten  des deutschen Fernsehens zu rechnen hat … Doch selbst hier kommt es sogleich zu einer Trübung. In München gab es zwei berühmte Landauers, Kurt und Gustav, der erste stand an der Wiege des FC Bayern München, der zweite war Aktivist der Münchener Räterepublik. Über wen wurde eine Sendung am 1. Mai ausgestrahlt ? Und wer war erst am 2. Mai um O uhr 15 an der Reihe ?

20 Minuten von 24 Stunden, das heißt, das bürgerliche Fernsehen hat für die Arbeit des Volkes, für die Arbeiterklasse des Landes, für die Werktätigen, die unser aller Leben, die das Leben des Volkes erhalten und  sichern, im Verhältnis umgerechnet einen Teil übrig, während 71 Teile für die bürgerliche Kulturbarbarei verschwendet wurden. Rechnet man zwanzig Minuten als eine Einheit, so ergeben sich am Tag 72 Einheiten. Marx und Engels schrieben im Kommunistischen Manifest, dass in der bürgerlichen Gesellschaft das Kapital selbständig und persönlich, das tätige Individuum aber unselbständig und unpersönlich ist. Die Kulturschande, die das deutsche Fernsehen am ersten Mai 2017 für die hart erarbeiteten Gebühren ins Haus liefern, bestätigen leider aufs glänzendste die Worte von Marx und Engels aus dem Jahr 1848.

Durch die Massenmedien wären wir heute rein technisch in der Lage, die gesamte Bevölkerung eines Landes zu einer wissenschaftlichen Hochblüte zu führen, wie sie einmalig in der Weltgeschichte dastehen würde. Jede Bürgerin und jeder Bürger könnte zu einer Wissenschaftlerin, zu einem Wissenschaftler gebildet werden, alle könnten Fremdsprachen lernen und sich auf allen Gebieten der Wissenschaft weiterbilden, sei es auf gesellschaftswissenschaftlichen und / oder auf naturwissenschaftlich-mathematischen. Vor allem aber sollte das Verantwortungsbewußtsein vorhanden sein, die mehr als sieben Millionen Analphabeten, die es in der Bundesrepublik gibt (auf der Insel Kuba O) über Bildmedien zu unterrichten, die Schüler könnten dabei anonym bleiben, damit dieser Schandfleck endlich verschwindet und Deutschland die Schwelle zu einem zivilisierten Land überschreiten kann. Stattdessen: Nobody ist der Größte, Bloggerin kocht Kochbuchklassiker aus den 50er Jahren nach, FBI-Agent jagt einen Bankräuber verkleidet als stabile überdrehte Südstaatendame … Rosamunde Pilcher, Uta Danella … Kitsch reiht sich an Kitsch, eine einzige Volksverdummung, eine einzige ekelerregende Sudelei.

Die Bourgeoisie hat sich aus einer Klasse, die mit der Aufklärung ein klassenbedingtes wissenschaftliches Licht in die Welt gebracht hatte, gewandelt in eine imperialistische, die nicht Freiheit, sondern eine terroristische Weltherrschaft anstrebt, die aus einer einst fortschrittlichen Klasse der Geschichte eine stinkende, faulende und parasitäre geworden ist, der es beliebt, ein Volk von politischen Analphabeten und geistig verstümmelten Menschen heranzuzüchten, um das ganze Land mit ihrer infantilen Kulturbarbarei zu überziehen. Deshalb kann man ja den eigenen Maßstab an die Bourgeoisie anlegen, deshalb rief Engels der Arbeiterklasse zu: Nehmt die Bourgeoisie beim Wort ! Die fortschrittliche Arbeiterklasse kann heute mit ruhiger Hand der Bourgeoisie ins Stammbuch schreiben: „Verachte nur Vernunft und Wissenschaft, des Menschen allerhöchste Kraft, lass nur in Blend- und Zauberwerken, Dich von dem Lügengeist bestärken, so hab ich Dich schon unbedingt …“ (Goethe / Faust). Man wird zustimmen, eine derart dekadente Klasse der Gesellschaft ist dem Untergang geweiht. Es kann ihr kein anderes historisches Schicksal winken. Die Geschichte lehrt, dass das Verfaulte, Kranke, fast schon Abgestorbene nicht von selbst fällt, die neue Klasse, der die Zukunft gehört, muss die alte abstoßen. Wie die junge Bourgeoisie den ganzen alten feudalen modrigen politischen Plunder abwarf, so muss heute das Proletariat den ganzen alten bürgerlichen Politplunder (Parlamentarismus, stehendes Heer, Polizei …) abwerfen.

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