Archive for Juli 2017

Wie man Marx und Engels nicht interpretieren sollte

21. Juli 2017

„Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen, und sobald der Blitz des Gedankens gründlich in diesen naiven Volksboden eingeschlagen ist, wird sich die Emanzipation der Deutschen zu Menschen vollziehen“. (Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie.Einleitung, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,391). Proletariat und Philosophie sind aufeinander angewiesen, um sich wechselseitig aufzuheben. War für den jungen Marx Anfang 1844 noch die Philosophie die Schlüsselwissenschaft, so wird das in Kürze für ihn die politische Ökonomie werden, in ihr liegt für ihn die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft.

Die Verbindung von Gedankenblitz und Naivität kann leicht dazu führen, das deutsche Volk als ein geniales zu deuten, denn dem Genialischen hängt immer auch ein Quäntchen Naivität, ein ‚Michel‘ an. Das Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED hatte im Vorwort zur deutschen Gesamtausgabe der Werke von Marx und Engels geschrieben, dass beide in allen Etappen ihres kämpferischen Lebens sich besonders Deutschland und der deutschen Arbeiterbewegung verbunden gefühlt hätten. „Wahrhaft patriotisches Denken und Handeln erfüllte das Leben dieser größten deutschen Wissenschaftler und Revolutionäre. (Vergleiche Vorwort zur deutschen Ausgabe vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,XV). Man beachte, dass das 1957 geschrieben worden ist, zwölf Jahre, nachdem das deutsche Spießbürgertum Deutschland über alles, über alles auf der Welt gestellt hatte und ein Jahr nach dem XX. Parteitag. Das im Vorwort Stehende ist sachlich falsch. Abgesehen davon, dass es niemals im Interesse einer internationalen Emanzipationsbewegung stehen kann, ein Land, ein Volk besonders hervorzuheben,  Engels betont dies in seiner Einleitung zum ‚Deutschen Bauernkrieg‘, so waren für den jungen Marx Anfang 1844 die Deutschen, und zwar alle, nicht nur bestimmte Klassen, noch keine Menschen. Das ist aber kein wahrhaft patriotisches Denken. Marx und Engels gossen ihren proletarischen Klassenhass gleich tonnenweise auf das deutsche Spießbürgertum und man braucht seine Nase nicht wirklich tief in die Werke von Marx und Engels gesteckt zu haben, um zu bemerken, dass sie drei sogenannte historische Persönlichkeiten des deutschen Volkes besonders hassten: Luther, Friedrich der sogenannte Große und Bismarck. Alle drei wurden aber in der DDR nach und nach aufgewertet, und eines Tages  prangte das Reiterstandbild von Friedrich wieder vor der Humboldt-Universität. Besser hätten es die ‚deutschen wahren Sozialisten‘ auch nicht machen können. Die Frage ist berechtigt, worin in diesem Akt die Weiterentwicklung des Sozialismus zum Kommunismus bestehen sollte ? Bei Büchner war es Ausdruck eines Geschichtsfatalismus, dass sein Revolutionsdrama ‚Dantons Tod‘ mit dem Ausruf endete: ‚Es lebe der König !‘ Friedrich kommt bei Marx und Engels ganz schlecht weg, Engels bezeichnet ihn als Teiler Deutschlands im Bunde mit dem Ausland, kurz: Als Volksfeind ! „Je vais, je crois, jouer votre jeu; si les as me viennent, nous partageront“: (Ich glaube, ich werde euer Spiel spielen, bekomme ich die Asse, so teilen wir) – das waren Friedrichs Abschiedsworte an den französischen Gesandten (Beaurau), als er in seinen ersten Krieg zog“. (Friedrich Engels, Die Rolle der Gewalt in der Geschichte, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1960,418f.) Selbst wenn man sich mit der sehr fragwürdigen Auffassung von Alexis de Tocqueville anfreundet, dass Friedrich als Vorläufer der französischen Revolution zu betrachten sei, ja bereits als deren „Agent“, so bleibt die Frage,  ob das bereits hinreichend ist, ihn in einer Hauptstadt einer Arbeiter- und Bauernrepublik zu huldigen. (Vergleiche Alexis de Tocqueville, Der alte Staat und die Revolution, rororo Klassiker, Rowohlt Verlag, Hamburg, 1969,15). 

Im gleichen Vorwort wird der Gedanke vorgetragen, dass der Marxismus-Leninismus die tiefste Sehnsucht des deutschen Volkes „nach einem glücklichen Leben in einem einheitlichen, friedliebenden und demokratischen Deutschland, in dem die Werktätigen die Macht in den Händen halten“ (a.a.O.,XVIII), verkörpert. Wenn die Werktätigen die Macht in Händen halten, dann beginnt aber nach Engels die Demokratie einzuschlafen und nach Lenin abzusterben, was letztendlich auf das Gleiche hinauskommt. Dass der Kerngehalt der sozialistischen Demokratie ihre Selbstaufhebung beinhaltet, daran scheiterten die Revisionisten und Opportunisten, Lenin gibt uns in seinem ‚Staat und Revolution‘ eine Reihe von Beispielen. Dort kann man auch nachlesen, dass Demokratie und Staat noch immer aufeinander verweisen, folglich  hatten der Opportunismus und Revisionismus auch gegenüber dem Anarchismus, der in der Frage des Zieles mit dem Marxismus übereinstimmt, eine schiefe Position bezogen. „Man könnte wetten, daß von 10 000 Menschen, die vom „Absterben des Staates“ gelesen oder gehört haben, 9 990 überhaupt nicht wissen, oder sich nicht entsinnen, daß Engels seine Schlußfolgerungen aus diesem Satz nicht nur gegen die Anarchisten richtete. Und von den übrigen zehn Menschen  wissen neun sicherlich nicht, was der ‚freie Volksstaat‘ ist und warum in dem Angriff auf diese Losung ein Angriff auf die Opportunisten steckt. So wird Geschichte geschrieben ! So wird die große revolutionäre Lehre unmerklich dem herrschenden Spießbürgertum angepaßt“. Als Chrutschow 1956 den Marxismus-Leninismus mit den Losungen vom ‚freien Volksstaat‘ und  von der ‚Partei des ganzen Volkes‘ förmlich entmannte, wäre es da nicht Pflicht der Marxisten-Leninsten in der SED gewesen, diese Losungen anzugreifen ?

 

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Liu Xiaobo – Zum Tode eines edlen Menschen

16. Juli 2017

Am 14. Juli 2017, am 228. Jahrestag des Sturms auf die Bastille, flossen in den bürgerlichen Massenmedien breite Krokodilstränen. In der fernen chinesichen Stadt Shenyang war am Vortag im Alter von 61 Jahren der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo an einem Krebsleiden gestorben, den die bürgerliche Journaille stets als edlen Menschen hervorgehoben hatte. Schauen wir uns diesen edlen Menschen einmal näher an. Als Maßstab der Beurteilung können wir nur die Frage zulassen, ob sein ganzer Lebenswandel den Idealen der Revolution entsprach oder nicht ? Positiv sieht ihn Angela Merkel, sie würdigte ihn als „mutigen Kämpfer für Bürgerrechte“, die ‚Süddeutsche Zeitung sprach von „Chinas großem Menschenrechtler“.  Ich werde zu einer entgegengesetzten Beurteilung kommen.

Liu wurde am 28. Dezember 1955 als Sohn eines Professors für chinesische Sprache geboren und zeigte schon in der Schule schöne Neigungen zu den schönen Künsten. Er studierte Literaturwissenschaften, auch in den USA, als sich im Frühjahr 1989 in Peking auf dem ‚Platz des Himmlischen Friedens‘ Studentendemonstrationen in Gang setzten.  Liu stieg in den USA ins nächste Flugzeug nach Peking, um nichts zu verpassen. Diese Studentenunruhen sind natürlich nicht vom Himmel gefallen. Nach der Großen Proletarischen Kulturrevolution verfiel die Kommunistische Partei Chinas in schwere revisionistische Fehler, indem sie auf der Linie Tengs korrupten und geldbesessenen Karrieristen den Druck wegnahm, damit diese sich bereichern konnten. Unter diesen mischte Liu als Theoretiker, denen Krümel abgegeben wurden, kräftig mit. Das ging soweit, dass er 2008 mit einigen Spießgesellen (eine Schickeria aus Künstlern, Schriftstellern, Publizisten und Anwälten) eine ‚Charta O8‘ veröffentlichte, in der ein Mehrparteiensystem und Privatisierungen gefordert wurde.

Das war natürlich ein Angriff auf den Marxismus-Leninismus, konterrevolutionäre Forderungen, denn im bunten Spektrum der Parteien können kapitalistische Parasiten gut gedeihen. Hierzulande kommt man sich mächtig fortschrittlich vor, wenn man die Parole ‚Bunt statt braun‘ auftsellt, man übersieht aber all zu leicht, dass kapitalistische Parasiten heute so geschickt sind, außer rot jede beliebige Farbe anzunehmen, auch eine LINKS-rosarote, um die rote besser bekämpfen zu können. Beim Lesen der Charta O8, die sich stark an die tschechische ‚Charta 77‘ unter Federführung von Václav Havel anlehnte, atmet man Modergeruch, denn die ‚belebende Seele der Dialektik von Revolution und Konterrevolution‘ ist in ihr nicht vorhanden. Liu nannte Havel seinen „spirituellen Vater“, über Mao aber sagte er, dieser sei  ein Teufel in Menschengestalt  – eine Ehre übrigens, denn schon der Bauernfeind Martin Luther, der im deutschen Bauernkrieg zum Massenmord am deutschen Volk aufgerufen hatte,  nannte Thomas Müntzer den „Teufel von Allstedt“.  Es passt zu dem Nietzscheaner Liu auch die folgende Äußerung über Mao: Keiner habe die Chinesen so verstanden, wie Mao, „daher sei zuvor niemand in der Lage gewesen, das Volk so zu verdummen wie er“ (Jens Christoph Damm, Liu Xiaobo Ein moderner Ikonoklast in der Tradition des vierten Mai, Magisterarbeit im Fachbereich Sinologie, Universität Trier, Seite 23, siehe: google: damm ikonoklast liu xiaobo. (Ein Ikonoklast zerstört die Bilder der eigenen Religion). Auch Rosa Luxemburg begriff zu Beginn der russischen Oktoberrevolution die Dialektik von Revolution und Konterrevolution nicht sofort und forderte (wie die Chartisten von 2008) gegen die Leninisten eine Presse- und Versammlungsfreiheit für Russland. Später korrigierte sie diese Fehler und setzte durch, dass der im Frauengefängnis Breslau geschriebene Text mit starken anti-bolschewistischen Untertönen zu ihren Lebzeiten nicht veröffentlicht wurde.

Liu wurde wegen der Charta zu elf Jahren Haft verurteilt. In einer für seinen Gerichtsprozess vorbereiteten Rede hatte er den Satz hineingeschrieben, dass er in einem Land leben möchte, wo alle (!) politischen Ansichten unter der Sonne ausgebreitet werden dürfen. Das kommt davon, wenn man sich der Belletristik zuwendet, ohne dass die Kardinalbücher des Marxismus-Lenismus daneben  liegen und wenn man ohne die Dialektik politisch-historischer Prozesse im Kopf zu haben durch die Gegend geistert. Vor allem aber meinte er die Gedanken Friedrich Nietzsches, den manche Rechte  für einen Philosophen halten. Liu trat vor Gericht als Ökonom des Reformismus auf. „Schritt für Schritt, friedlich, geregelt, kontrollierbar und Interaktion zwischen Von-unten-nach-oben und Von-oben-nach-unten sind für mich die Schlüsselbegriffe für politische Reformen in China, denn auf diese Weise erzielt man mit den geringsten Kosten den größten Effekt“ (Mark Siemons, Der große Einsame, Aus dem intellektuellen Rauhbein wurde ein Kämpfer für ein demokratisches, nichtzynisches China: Zum Tod des Nobelpreisträgers Liu Xiaobo, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Juli 2017, Seite 11). Das ist ein Musterbeispiel für Anti-Dialektik. Der Dialektik ist das Blitzartige immanent, Lenins Aprilthesen waren Gedankenblitze, die der junge Marx Anfang 1844 für den naiven Volksboden Deutschlands vergebens herbeigesehnt hatte.

Ich habe eben aus einem Nachruf der FAZ zitiert, in dem klipp und klar die Sätze zu lesen sind: „Sein Vorbild war Nietzsche, dessen Mut zum Selberleben im Angesicht unausweichlicher Tragödien er seinen Studenten anempfahl. Die üblichen politischen Streitthemen langweilten ihn dagegen. ‚Wer sich auf einen trivialen Kampf einlässt, wird selbst trivial‘, schrieb er 1983“. Eben eben, die schönen Künste, neben denen der Klassenkampf natürlich trivial ist. Und weiter: „Rationalität und Ordnung , Ruhe und Ausgeglichenheit müssen die Regeln unseres Kampfes für Demokratie sein“ (a.a.O.). Hier kommt nun schon einiges zusammen: Ein Pflichtblatt der Frankfurter Wertpapierbörse stellt am Tag der Bastille kritiklos Nietzsche als Vorbild hin ! Ganz offensichtlich spekuliert man hier auf die Unwissenheit der Leser. Nehmen wir zur Kenntnis, wie der grundlegende Theoretiker der bürgerlichen Demokratie den Kampf und Einsatz für sie gestaltet wissen wollte: „In dieser Verfassung muß der Bürger … jeden Tag im Grunde seines Herzens wiederholen, was ein tugendhafter Woiwode im polnischen Landtag gesagt hat: Malo periculosam libertatem quam quietum servitium“. (Ich ziehe eine gefährdete Freiheit einer ruhigen Knechtschaft vor)“ (Jean Jacques Rousseau, Von der Demokratie, in: Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag, Stuttgart, 1968,72). Hier haben wir einen wirklich ‚mutigen Kämpfer für Bürgerrechte‘ vor uns.

Nietzsches Mut zum Selberleben endete kläglich. Als habe Karl Marx Anfang der 40er Jahre diesen Typ vorausgesehen, als er von „Exkrementenphilosophen“ sprach. (Vergleiche Karl Marx, Anmerkungen zur Doktordissertation, Marx Engels Werke, Ergänzungsband Schriften bis 1844, Erster Teil, Dietz Verlag Berlin,1974,331). Die letzten neun Jahre seines Lebens vermelden die Krankenakten der Psychatrie, dass Nietzsche weder Stuhl noch Urin an sich halten konnte. „Schmiert oft mit Kot“, „Ißt Kot“ (Vergleiche Wilhelm Lange-Eichbaum, Nietzsche als psychiatrisches Problem, Hamburg, 1945,4).  Was für ein edler Mensch. Der Arzt Möbius warnte die Leser Nietzsches: ‚Seid mißtrauisch, denn dieser Mann ist ein Gehirnkranker‘. Wir sehen an dieser Stelle, wo die Bourgeoisie, die 1789 vorgab, durch eine Revolution alle Menschen zu Brüdern zu fügen, gelandet ist. Wie sieht er aus, Nietzsches Kampf für Demokratie ? Der deutsche Philosophieprofessor Karl Löwith bezeichnete Nietzsche als ‚umgekehrten Rousseau‘. (Vergleiche Karl Löwith, Von Hegel zu Nietzsche, Kohlhammer Verlag Stuttgart, 1964,281). In der Tat: Hatte Rousseau die Herrschaftssysteme seiner Zeit  kritisiert, da in ihnen die Regierten Tiere und die Regierenden Menschen oder die Regierten Menschen und die Regierenden Götter seien, so kehrt Nietzsche das um, er bejaht diesen von Rousseau verachteten Zustand: Die Demokratie wird die Menschen zu Herdentieren verkleinern, damit die Herrenmenschen erscheinen. Diese Herrenmenschen werden den Herdenmenschen der Demokratie ein Ziel ihres Daseins geben. Mit den Herdentieren entstehen die Führertiere, die ersteren bilden die leicht dressierbare große Masse der Mittelmäßigkeit, die letzteren die Ausnahmen. Die Demokratie erzeugt eine gefügige Masse in der Hand der ‚großen Politik‘. So hätte es Angela Merkel auf dem G-20-Gipfel in Hamburg wohl gern gehabt. Nietzsche forderte, dass die neuen Herren der Erde den ungläubig gewordenen Massen Gott ersetzen sollen. Die Arbeitermassen werden unter der Führung der Herrenmenschen soldatisch diszipliniert und ausführen, was man ihnen befiehlt (Vergleiche a.a.O.,282f.). Wer wirft denn da mit Molotowcocktails ? Endlich, am Jahrestag des Sturms auf die Bastille ist es geschafft, die bürgerliche Revolution ist mit Liu und Nietzsche endlich auch noch abgewürgt. Es gelte, hatte Liu nach seiner Haftentlassung geschrieben, die in der kommunistischen Kultur tief verankerte ‚Obsession mit der Revolution‘ loszuwerden (Vergleiche FAZ, a.a.O.). Allerdings famose ‚mutige Kämpfer für Bürgerrechte‘, die da Merkel, Tillerson, Trump und das norwegische Nobelkomitee ausgesucht haben.

Natürlich ging und geht es den Imperialisten nicht um Liu. Mit der Marionette Liu hatten die Imperialisten versucht, an die von der chinesischen Arbeiterklasse geschaffenen Reichtümer heranzukommen. Das steckt hinter dem mutigen Kampf für Demokratie, den die US-Marionette Merkel der Marionatte Liu attestiert. Marionetten können Marionetten nicht als Marionetten erkennen, in der Politik sind die Menschen immer Opfer von Betrug und Selbstbetrug. (Vergleiche Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, Werke Band 19, Dietz Verlag Berlin, 1960,8). Liu war eine Edelmarionette, die 2010 ganz bewusst vom Nobelpreiskomittee in Oslo unter Vorsitz des Sozialdemokraten Jagland den Friedensnobelpreis zugedacht bekommen hatte. Es war der erste Nobelpreis  für  einen  Chinesen. Weltweit täuschten damals die sich in den Händen der Kapitalisten befindlichen Massenmedien die Öffentlichkeit: der Friedensengel wurde für 1,3 Milliarden Chinesen und für den Rest der Welt als Vorbild für gewaltfreies demokratisches Verhalten dargestellt, die Peitsche Nietzsches war nicht zu sehen. Übersehen wurde auch, dass derjenige, der sich für Demokratie einsetzt, sich auch für Gewalt einsetzt. Denn „Demokratie ist eine Staatsform, einer der Spielarten des Staates“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin 1960,486). Landläufig wird Demokratie so erklärt, dass sich in ihr die Minderheit der Mehrheit zu beugen hätte. „Demokratie ist NICHT (kursiv von Lenin) identisch mit Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit. Demokratie ist ein die Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit anerkennender STAAT (kursiv von Lenin), d.h. eine Organisation zur systematischen GEWALTANWENDUNG (kursiv von Lenin) einer Klasse gegen die andere, eines Teils der Bevölkerung gegen den anderen“ (a.a.O., 469). Der Friedensnobelpreis wurde also einem Sträfling zugesprochen, der sich für die systematische Gewaltanwendung eines Teils der Bevölkerung gegen den anderen ausgesprochen hatte. Das Nobelpreiskomittee hat noch nie geprüft, ob es sich um eine Unterdrückerdemokratie der reichen Minderheit gegen die Volksmassen oder um eine Demokratie in Gestalt der Diktatur des Proletariats gegen reiche Volksfeinde handelt, deren Beschneidung ihrer demokratischen Rechte durchaus zulässig ist.


 


Der junge Marx 1843/44 und Frau Sahra Wagenknecht 2017

16. Juli 2017

Karl Marx hat seinen schwierigsten Text im Sommer 1843 geschrieben, als 25jähriger. In diesem Zeitraum nahm er in Kreuznach und dann in Paris eine  von Arnold Ruge initiierte sehr gründliche Auseinandersetzung mit Hegels Staatstheorie vor, die „Kritik des Hegelschen Staatsrechts“, auch betitelt: „Aus der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ (Karl Marx, Aus der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960, 203ff.). In seiner intensiven Auseinandersetzung mit der Hegelschen Rechtsphilosophie ist er zu der Erkenntnis gekommen, dass jeder Philosoph in der bürgerlichen Gesellschaft, der unterstellt, dass Menschen ohne Staat nicht lebensfähig seien und dementsprechend eine ideale Staatsform konstruiert, an immanenten Widersprüchen der  bürgerlichen Gesellschaft notwendig scheitern muss und Hegel sowieso, da er als Idealist die Wirklichkeit nicht richtig widerspiegelt. Marx steht in der Kritik des Hegelschen Staatsrechts vor der Tür der Anarchie, die aber noch geschlossen bleibt. Sie öffnet sich einen Spalt einige Wochen später: „Erst wenn der wirklich individuelle Mensch den abstrakten Staatsbürger in sich zurücknimmt und als individueller Mensch in seinem empirischen Leben, in seiner individuellen Arbeit, in seinen individuellen Verhältnissen Gattungswesen geworden ist, erst wenn der Mensch seine ‚forces propres‘ als gesellschaftliche Kräfte erkannt und organisiert hat und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in der Gestalt der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche Emanzipation vollbracht“. (Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960, 370). Hier zeichnen sich erste Umrisse eines Subbotniks ab: kollektives Arbeiten mit Gattungsbewusstsein, zudem unentgeldlich. In der ‚Judenfrage‘ heißt es, dass das Geld ein dem Menschen fremdes Wesen ist, das er anbetet. Marx braucht nun die Tür nur noch aufzustoßen und er tut dies knapp ein halbes Jahr später, am 7. August 1844: „Die Existenz des Staats und die Existenz der Sklaverei sind unzertrennlich“. (Karl Marx,  Kritische Randglossen zu dem Artikel ‚Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem Preußen‘, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,401f.). Unter dem Pseudonym ‚Ein Preuße‘ verbirgt sich der bereits oben genannte idealistische Linkshegelianer Arnold Ruge. 

Frau Sahra Wagenknecht hat ihre Magisterarbeit über den jungen Marx und seine Hegelkritik geschrieben. Hegel zeichnete sich ja im negativen Sinn dadurch aus, dass er seinen preußisch-monarchistischen Staat seiner Zeit, unter dem er selbst lebte, zum  Musterstaat schlechthin verfälschte. Marx sparte nicht mit drastischen Worten: „Hier wird … der ‚obrigkeitliche‘ Sinn Hegels wirklich ekelhaft. (Karl Marx, Kritik des Hegelschen Staatsrechts, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,330). Die von Marx schriftlich fixierte Erkenntnis, dass die Existenz des Staates und die Existenz der Sklaverei unzertrennlich sind, kann Frau Sahra Wagenknecht bei ihren Studien zur Magisterarbeit nicht entgangen sein. Es fragt sich nur, ob sie diese Erkenntnis in ihrem klugen Köpfchen überhaupt durchdacht hat, wenn als Fazit eines Interviews mit ihr zu lesen ist, dass sich DIE LINKE für ein  gerechtes Steuersystem einsetze (Vergleiche clara, Das Magazin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, Nr. 44, 2017, S. 8). Eine gerechte Steuer ist ein ähnlicher Unsinn wie ein gerechter Lohn.

Jeder Staat kann nur auf einer Überschussproduktion, in der die Sklaven das tätige Element sind,  basieren, auf einem Überschuss, den sich eine unproduktive, parasitäre Schicht von sogenannten staatlichen Funktionsträgern aneignet. Die periodisch wiederkehrenden Diätenerhöhungen der Parlamentarier der Landesparlamente und des Bundestages übersteigen in der Regel stets die gesamte Durchschnittsrente einer Arbeiterin. Es kann in der bürgerlichen Gesellschaft kein gerechtes Steuersystem geben, denn jedes Steuersystem zementiert die der bürgerlichen Gesellschaft immanent einsitzende Sklaverei, hier und heute spezifisch die Lohnsklaverei.  Das Sklaventum der bürgerlichen Gesellschaft ist das Naturfundament, worauf der moderne Staat basiert. (Vergleiche Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel ‚Der König von Preußen und die Sozialreform. Von einem Preußen, MEGA I,2, Dietz Verlag Berlin, 1982, 456).

In der Antike war die Sklaverei allerdings ein Fortschritt, sie erst machte die Arbeitsteilung zwischen Ackerbau und Industrie auf größerem Maßstab möglich, auf der die Blüte Griechenlands unter dem „Demokraten“ Perikles beruhte, eine Staatssklaverei aber 2017, hundert Jahre nach der Oktoberrevolution, als Ergebnis ‚linker Politik‘ im BRD-Sklavenstaat auszugeben, das ist allerdings starker Tobak. Hier wird Frau Sahra Wagenknecht wirklich ekelhaft. Die deutsche Klassenkampfgeschichte hat die eigenartige Wendung genommen, das heute gerade die Partei ‚Die LINKE‘ das Sklaventum der bürgerlichen Gesellschaft gegen das deutsche Volk verteidigt und den Fortschritt des Kampfes hemmt.

Die Hegelsche Aufhebung des Widerspruchs zwischen dem Besonderen und dem Allgemeinen im bzw. durch den Staat  ist unzulänglich, diese Aufhebung hebt nicht wirklich auf, man muss darüber hinauskommen, und das geschieht dadurch, dass Marx eine Klasse in der bürgerlichen Gesellschaft eruiert, die ihr nicht zugehört und die Hegel als Pöbel ohne staatsbildende Kraft und ohne politische Substanz abtat, der im praktischen Sinne von der bürgerlichen Gesellschaft aus auch nicht geholfen werden kann, wohl aber im theoretischen durch Bourgeoisideologen, „welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben“ (Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,472),  die eine Klasse ausbilden, die dann durch ihre parteipolitisch gesteuerte Selbstbefreiungsbewegung gegen das Privateigentum an den Produktionsmitteln das weltgeschichtliche Werk der Aufhebung aktiv-aktionistisch betreibt. Ein Teil der Bourgeoisideologen geht zum Proletariat über und richtet es despotisch-destruktiv auf das Privateigentum an den Produktionsmitteln aus, lehrt es, diesen Punkt besonders wie einen Augapfel zu hüten. Die Konterrevolution setzt alles daran, dass dieser Blick getrübt wird, zum Beispiel durch eine Lehre von der proletarischen Denkweise. Im Gegensatz zu Hegel, für den der Pöbel nicht wusste, was er wollte, vermitteln die Marxisten dem Proletariat den wissenschaftlichen Sozialismus, damit die Arbeiterinnen und Arbeiter ihren Klassenkampf auf wissenschaftlicher Grundlage führen können, mit einem klaren Feindbild, mit einem gesunden Klassenhass und mit einer ständigen fanatischen Gewalt- und Vernichtungsbereitschaft dem bürgerlichen Staat gegenüber. Erst im ‚Elend der Philosophie‘, am Ende dieses Werkes von 1844, wird Marx perspektivisch von einem schrecklichen Bürgerkrieg zwischen Lohnarbeit und Kapital ausgehen. Damit sind auch seine Illusionen von 1843 überwunden, durch demokratische Wahlen allein Klassenwidersprüche aufzuheben, durch Wahlen allein die bürgerliche Gesellschaft aufzulösen. 1917 erfolgte die Auflösung der russischen bürgerlichen Gesellschaft nicht allein durch Wahlen und Mehrheitsverhältnisse, sondern primär durch einen relativ unblutig verlaufenden bewaffneten Aufstand mit sechs Toten. War die Rolle der Bolschewiki in den aus der Februarrevolution geborenen Sowjets noch sehr marginal, so genügten ihnen knapp acht Monate, um sich zeitgemäß zu machen.

Im Zuge der Spaltung der modernen bürgerlichen Gesellschaft in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehenden Klassen, Bourgeoisie und Proletariat, ist es im Überschlag zu einer links-emanzipativen (Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao) und rechts-terroristischen Strömung (Hegel und seine Epigonen) im Bereich der politischen Klassenkämpfe gekommen, die rechte Linie will den Staatsterror forcieren (à la Fussfesseln für Menschen, die dem Sklavenstaat BRD kritisch gegenüberstehen – ein Vorhaben de Maizières); die linke Freiheit und Anarchie, die die marxistische Strömung durch ihr Gegenteil, durch die Diktatur des Proletariats erreichen will. Seit dem Aufstand der Seidenweber 1831 in Lyon stehen sich bis heute proletarische Freiheitskämpfer/innen und Staatsterrorist/innen gegenüber. Babeuf hatte um 1795 im Zuge der bürgerlichen Revolution in Frankreich nur erst eine Verschwörung für einen rohen Gleichheitskommunismus angezettelt, die als solche scheitern musste. Seine Hinrichtung erfolgte Ende Mai 1796. Nicht umsonst hatten Marx und Engels notiert, dass sich das Proletariat, die unterste Schicht der jetzigen Gesellschaft nicht erheben, sich nicht aufrichten kann, „ohne daß der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird“ (Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,473). Dass also auch ein gerechtes Steuersystem in die Luft gesprengt werden muss.  Während sich die rechte Repression in einen faschistischen und liberalen Flügel, der im Imperialismus immer mehr zurückgedrängt wird, spaltete, so die linke in einen revisionistischen und einen revolutionären. Der Imperialismus brachte diese Physiognomien ab 1900 ganz deutlich zum Vorschein. Ganz deutlich ist auch, auf welcher Seite der Barrikade sich Frau Sahra Wagenknecht postiert hat und man kann ihr nur nachrufen, was ein Franzose bei einer projektierten Hundesteuer ausrief: Arme Hunde ! Man will euch wie Menschen behandeln !


 

Zur Lage der Textilarbeiterinnen in Indien und Bangladesch Eine Veranstaltung der verdi

9. Juli 2017

Am 23. Juni 2017 fand im Verdi-Gewerkschaftshaus in Hannover  eine sehr informative Veranstaltung zur Lage der Textilarbeiterinnen in Indien und Bangladesch statt. Die Besucher der Veranstaltung erhielten Informationen aus erster Hand und konnten nach den Vorträgen durch Fragen ihr erworbenes Wissen noch vertiefen. Eingeladen hatte die Gewerkschaft u.a.: Faru Dithhi Bhattacharya, tie Asien Koordinatorin; Frau Prathibha Ramanath, Vorsitzende der Garment and Textile Workers Union in Bangalore; Herr Amirul Haque Amin, Vorsitzender der National Garment Worker Federation aus Bangladesch und Frau Taslima, Betriebsgewerkschafterin aus Bangladesch, Mitglied der NGWF (National Garment Workers Federation) und Näherin. Ihr wurde wegen gewerkschaftlicher Betätigung gekündigt und sie schlägt sich mit Minijobs auf Tagelöhnerbasis und Unterstützung durch die Gewerkschaft mehr schlecht als recht über die Runden.

Frau Ramanath begann die Vortragsreihe mit einer Schilderung der Lage der Textilarbeiterinnen in Indien.  Sowohl in Indien als auch in Bangladash beträgt der Anteil der Frauen in der Textilindustrie 85 %, von denen fast alle als Näherinnen ihrem Brot nachgehen. Ihr monatlicher Verdienst liegt in Indien bei umgerechnet 104 € und es ist nicht möglich, davon ein zufriedenstellendes Leben zu bestreiten, zumal sie ohne Kündigungsschutz ihre Haut zu Markte tragen. Noch schlimmer ist die konkrete Situation am Arbeitsplatz. Die Sicherheitsbestimmungen in den Farbrikhallen werden nicht eingehalten, trotz der erheblichen Zahl der Arbeitsunfälle, die oft ihre Ursache in der Ermüdung haben. Denn acht Stunden reichen nicht aus, die Produktionsvorgaben zu erfüllen und eine enorme Arbeitshetze stresst die Gesundheit der Frauen. Beleidigungen und sexuelle Belästigungen sind an der Tagesordnung. Welchen Wert die Frauen in der indischen Kastengesellschaft haben wird schon allein dadurch deutlich, dass fünfzehn Prozent Männer in der Textilbranche es wagen, Mitarbeiterinnen, die   85 Prozent der Belegschaft stellen, sexuell zu belästigen. Die Frauen in Indien sind die Untersten der Unteren, aber es sind genau die Frauen, zu denen Lenin uns den Weg wies. (Vergleiche Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1960,117). Lenin wird bestätigt.  2002 fingen die Textilarbeiterinnen in Indien an, sich zu organisieren, 2006 gründeten sie eine Gewerkschaft, die natürlich zunächst als erstes und wichtigstes Interesse die Erhöhung der Löhne in den Vordergrund stellen musste. Seit 2010 finden in Indien Tarifverhandlungen zwischen Textilarbeiterinnen und ihren Blutsaugern statt und das war für Indien etwas völlig Neues, 2014 konnten hier erste Erfolge verzeichnet werden, aber immer ist noch kein Lohn erreicht, von dem man leben kann. Millionen Menschen führen täglich weltweit einen Kampf mit der Not des Lebens, vor dem der Spießer den Blick abwendet und zur Fernbedienung greift.

Über die Lage in Bangladesch berichtete der Vorsitzende der Textilgewerkschaft Herr Amin: In „seinem“ Land gibt es zirka 5. 000 Textilfabriken, in denen 4,2 Millionen Menschen tätig sind. 82 % der hergestellten Textilien gehen in den Export. In der Regel arbeiten die Frauen zwölf bis vierzehn Stunden am Tag, aber nur acht bezahlt. Die Frauen arbeiten achtzehn Tage ununterbrochen und erhalten dann einen freien, bezahlten Tag. Natürlich haben Fabrikdirektoren mit einer solchen ‚humanistischen Ausrichtung‘ keinen einzigen Gedanken an eine Kinderbetreuung in ihren Fabriken verschwendet. „Das Geld ist das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines Daseins, und dieses fremde Wesen beherrscht ihn, und er betet es an“. (Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,375).

Die Kinder werden von den Großeltern in den Dörfern aufgezogen, ihre Mütter leben in den Städten, genauer um ihnen herum in den Slumvierteln, in denen sich acht bis zehn Frauen ein Zimmer teilen. Dort herrschen Zustände, wie sie Friedrich Engels 1844 in Manchester vorfand und wie sie heute in der BRD auf dem dark-market vorliegen. Die Mütter sehen ihre Kinder in der Regel nur einmal im Monat. Ungenügend, nicht mangelhaft, den Schulnoten nach, ist die medizinische Betreuung der Frauen und der Schwangeren insbesondere. Die privaten Geburtszentren in den Städten sind viel zu teuer und so müssen die Frauen zur Niederkunft aufs Land gehen. Immer wieder kommt es vor, dass entkräftete Frauen bei der Geburt sterben.   Im Durchschnitt verdient eine Textilarbeiterin in Bangladash umgerechnet 58 € im Monat. Die Unternehmer treten die Gesetze mit Füßen und haben dabei die Sicherheit, von der Regierung gedeckt zu werden. Bei den sogenannten Arbeitgebern kursieren schwarze Listen über Sklavinnen, die es gewagt hatten, humanistische Gedanken wenn auch nur ansatzweise in die Tat umzusetzen. Bei einer Suche nach einem Arbeitsplatz in Vollzeit sind sie dann chancenlos. Bei sich anbahnenden Unruhen in den Fabrikkomplexen heuern die Fabrikherren Schlägertrupps aus Kleinkriminellen an, wie es in kapitalistischen Ländern üblich ist. Die Blutsauger züchten sich eine faschistische Reservearmee heran zur Unterstützung ihrer Parasitenpolizei und Parasitenarmee.  Humanismus ist insbesondere seit dem Aufkommen des Kapitalismus in der Arbeitswelt ein Fremdwort geworden, weder in Bangladash noch in der BRD sind menschliche Verhältnisse in der Arbeitswelt zu entdecken, man nehme auch die schärfste Lupe in die Hand. Marx und Engels sprachen von einer Fabrikdespotie, die um so kleinlicher, gehässiger, erbitternder ist, „je offener sie den Erwerb als ihren Zweck proklamiert“. (Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistsichen Partei, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,469). Unbegründete Entlassungen gibt es in Bangladesch oft, auch regelrechte Massenentlassungen. Der Arbeitsprozess wird zu einem Martyrium, das Lenin wie folgt empfand: der Kapitalismus fügt den einfachen arbeitenden Menschen täglich und stündlich tausendmal mehr der entsetzlichsten Leiden und unmenschlichsten Qualen zu als irgendwelche außergewöhnlichen Ereignisse wie Kriege, Erdbeben usw. (Vergleiche Lenin, Über das Verhältnis der Arbeiterpartei zur Religion, in: Lenin, Marx-Engels-Marxismus, Dietz Verlag Berlin, 1959,261).

Immer wieder gibt es schreckliche Brandkatastrophen in den rapide aufgebauten Textilfabriken mit Hunderten von Toten, im April 2013 stürzte in Sabhar, etwa 25 km nordwestlich von Dhaka, ein Hochaus ein, in dem Textikfabriken untergebracht waren. 1135 Menschen starben unter den Trümmern. Der Unfall gilt als der schwerste Fabrikunfall in der Geschichte des Landes. Das Rana Plaza gehört dem Politiker Rana.  Am Vortag, dem 23. April, waren in dem Gebäude Risse festgestellt worden und der Zutritt war von der Baupolizei verboten worden, dennoch waren mehr als 3.000 Menschen im Gebäude, größtenteils Textilarbeiterinnen. Sie waren von den Fabrikdirektoren gezwungen worden, ihre Arbeit trotzdem aufzunehmen. Hier kommt schlagend zum Ausdruck, dass das Prinzip des Kapitalismus die Menschenverachtung ist. Mit der Verwertung der Sachenwelt nimmt die Entwertung der Menschenwelt in direktem Verhältnis zu, die Verwirklichung der Arbeit hat  die Entwirklichung der Arbeiter und Arbeiterinnen zur Folge. Eine Handvoll Politiker und eine Handvoll  Millionäre zerstören  nicht nur das Lebensglück von Millionen und Abermillionen Menschen, sondern das Leben selbst. Auch in der BRD herrschen noch Zustände wie in Bangladesch, H & M hat drei linken Betriebsräten die Kündigung ins Haus geschickt, worauf die Firma einen Protestbrief der Textilgewerkschaft aus Bangladesch erhielt. Das ist eine ganz wichtige Aktion, denn im Hintergrund der Millionen Kulis und ihres bürokratisch-unproduktiven Abschaums in den sogenannten armen Ländern (diese Länder sind nicht arm, es ist die kapitalistische Ausbeutung, die die Masse des Volkes arm hält) stehen die Textilmillionäre in den G-20 Ländern, diese streichen den Hauptmehrwert ein und sind auch verantwortlich für die Hölle auf Erden in den sogenannten Entwicklungsländern. In der Tat entwickeln sich diese Ländern, aber anders als die Massenmedien es darstellen, die Hölle wird für die dort lebenden Völker immer heißer. Anders kann es auch gar nicht sein, denn Lohnarbeit und Kapital sind verdammt, sich mehr und mehr zu polarisieren. Der Gewerkschaftsführer Amin verbreitete in Hannover noch Illusionen in eine nicht vorhandene Humanität der Ausbeuter, diese müssten doch endlich einsehen, dass ein Profitverzicht, also gerechtere Löhne allen zugute käme. Gerechtere und/oder gerechte Löhne gibt es nicht. Das größte Problem sei die Erreichung einen Lohnes, von dem man leben könne. Wie kann man so ein Entgegenkommen von Ausbeutern erwarten, die den Mutterschutz mit Füßen treten, die ihre Arbeiterinnen so sehr unter Druck setzen, dass ihre Schwangerschaften mit dem Risiko der Sterblichkeit sowohl der Mütter als auch der Kinder verbunden sind, die Überstunden nicht bezahlen, nach fünf Jahren keine Zuschläge auf den Lohn geben, obwohl das Gesetz diese vorschreibt und die die Zahlung von Feiertagsboni verweigern ? Denn die Boni werden woanders gebraucht, in Hamburg, Berlin, Frankfurt, München, kurz – überall dort, wo die kapitalistischen Hauptmagnaten sitzen. Sie werden gebraucht für die Manager von Hennes & Mauritz, Lidl, Adidas, Wal-Mart, Tesco, Primark und Zara … Sie werden gebraucht für die Bestechung der Sozialdemokraten, der Partei der Linken u.s.w. In Sabhar finden 1135 Fabrikarbeiterinnen den Flammentod und in Hamburg beim G-20 Gipfel bieten die kapitalistischen Brandstifter über 20 000 Polizisten auf, die die Luxuslimousinen der kapitalistischen Parasiten vor dem Abfackeln schützen sollen. Das waren in Hamburg keine Polizisten des deutschen Volkes, sondern Polizisten des Kapitals, Polizisten in Knechtsdiensten der kapitalistischen Klasse, deren Knüppel sich gegen Millionen und Abermillionen ausgebeutete Menschen auf der ganzen Welt, gegen die Völker der Welt richten. In Hamburg trafen sich die gleiche Geldgier, die gleichen Sittenstrolche, die gleichen Rüpel, permanent die Menchenrechte mit Füßen tretend wie in Indien und Bangladesch, nur auf einer höheren Stufenleiter, und ließen sich von Hooligans in Uniform vor dem Volkszorn schützen. Besonders widerwärtig auch die Kriecherei vor einem Polit-Stümper aus den USA, die Feigheit vor einem Mann, der ein Schandfleck der ganzen Menschheit ist. Die Arbeiterklasse kann keine Schlägertrupps anheuern und sie hat dies auch gar nicht nötig. Sie muss sich nur bewaffnen gegen ihre Blutsauger und diesen den Polizei- und Armeeknüppel in einem kolossalen Bürgerkrieg aus der Hand schlagen. In einem großen Umerziehungsprozess werden die arbeitenden Menschen den Bütteln klarmachen, dass man der Menschheit einen wirklichen  Dienst erweist, wenn ihre Hände Maschinen bedienen oder Briefe, Päckchen und Pakete verteilen, als einer Minderheit des Volkes das Terrain für eine hemmungslose Bereicherungssucht mit Waffengewalt abzusichern.

Von einem T-Shirt, das in der BRD für fünf Euro verkauft wird, erhält die produktive Klasse der Näherinnen in Bangladesch drei Cent. Wohin wandern die 4,97 € ? Man rechne das auf 5 000 T-Shirts hoch. Schon stehen sich 150 € zu 24 850 € gegenüber. So sollen nach Auffassung der Bourgeoisie alle Menschen Brüder werden. Der Gipfel der G-20-Extremisten ist in Hamburg zusammengekommen, um unter den Klängen von Beethovens Neunter dieses Verhältnis noch mehr zu Ungunsten der Arbeiterinnen zu wenden.  Einem politischen Analphabeten, einem Polittrampel wie Trump, dessen Beitrag zur Völkerverbrüderung die Errichtung einer Mauer an der Grenze zu Mexiko ist, Beethovens Neunte vorzuspielen, beweist ungefähr so viel Fingerspitzengefühl, das ein Deutschlehrer hätte, der  einem Analphabeten zur Erlernung des Alphabets als Einstiegsbuch die Hegelsche Begriffslogik vorlegen würde.

Am 14. Juni 2017 erschien im Wirtschaftsteil der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ ein interessanter Artikel. Nüchtern stellte das Pflichtblatt der Frankfurter Wertpapierbörse fest: „Die Reichen werden immer reicher“. (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Juni 2017, Seite 27). Der Artikel nimmt Bezug auf die alljährlich erscheinende Studie der BCG (Boston Consulting Group), die sich darauf spezialisiert hat, weltweit die Millionärsentwicklung zu beobachten. In dieser Studie ‚Global Wealth 2017‘ wird hervorgehoben, dass die Zahl der Millionäre besonders schnell im Raum Asien-Pazifik wachse, vor allem aber sagt die Gruppe voraus, dass im Jahr 2021 die 50-%-Schallmauer durchbrochen sein wird. In diesem Jahr wird es den Millionären der Welt, zur Zeit 17,9 Millionen, zum ersten Mal gelingen, über 50 % des Weltvermögens an sich zu raffen. Millionen und Abermillionen Kinder werden bis dahin weltweit an Hunger gestorben sein. So wird in der bürgerlichen Welt brüderlich geteilt. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass das Eigentum in wenigen Händen konzentriert wird (Vergleiche Karl Marx / Friedrich Engels, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1960,467). Die Tendenz ist natürlich steigend und es muss notwendig zu einem ‚point of return‘ kommen, um zu verhindern, dass die Weltbevölkerung auf 18 Millionen Millionäre schrumpft, die sich dann als kleiner Rest der Weltpopulation gegenseitig zerfleischen werden. Je ein Kapitalist schlägt viele tot und die Millionäre werden sich ganze Armeen Arbeitsroboter und  Kampfroboter zulegen.  Es muss notwendig zu weltweiten, aber nicht gleichzeitigen  Ausbrüchen von Volkserhebungen und Volksbewaffnungen kommen, in denen die Schlägertrupps des Herrn Rana und die Hamburger Polizei, die Schulter an Schulter mit ihm steht und die für diese Zwergmissgeburt junge, politisch wache Menschen hierzulande kriminalisiert und die die Millionäre schützt, untergehen werden. Der G-20-Gipfel in Hamburg bestätigt die Erkenntnis von Karl Marx aus dem Jahr 1871, dass die bürgerliche Polizei ein Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit ist. (Vergleiche Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Ausgewählte Werke,, Progress Verlag Moskau, 1975,300). Wenn es stimmt, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, und es stimmt, so stellt sich zwangsläufig die Frage, wie asozial müssen Menschen sein, die im politischen Führungszeugnis der kapitalistischen Polizei keinen Eintrag haben ? Diese sind wertlose Menschen, ungeeignet für die Zukunft der Menschheit, Versager durch und durch, verhängnisvolle Kreaturen, das Glück der Völker aufhaltend. Die politischen Handlanger der Millionäre, die der Welt von gestern angehören, wollen Dateien über Linke anlegen. Die Blutspuren, die diese Millionäre in ihrem Ausbeutungsfeldzügen global hinterlassen, haben sich tief in die Gehirne der Völker  eingebrannt. Von jedem Blutsauger existieren weltweit gleich mehrere Tausend Dateien, eingebrandt in die Gehirne der Lohnsklavinnen und Lohnsklaven, gespeichert für viele Generationen, dem Tage entgegenfiebernd, an dem sie durch Zeuginnen und Zeugen den Revolutionsgerichten übergeben werden.