Ein Buch-Tipp der MLPD zum 100. Geburtstag der Oktoberrevolution

In der ‚Roten Fahne‘ vom 1. September 2017 wird auf ein Buch von Albert Rhys Williams  aus dem manifest Verlag (marxistische schriften) aus diesem Jahr aufmerksam gemacht, das als eine Mischung aus „Augenzeugenbericht, Abenteuerroman und vor allem Zeugnis, mit welcher Entschlossenheit die Menschen des jungen Sowjetstaates ihre Revolution verteidigten“ (Seite 43 der RF), schmackhaft gemacht wird. Das ist von der Rückseite des Buches werbewirksam abgeschrieben worden, schlagen wir indess das Buch, das auch über ‚www.peopel-to-people.de‘ zu bestellen ist, einmal auf und beginnen, es zu lesen.

Schon im von einer Anna Shadrova und einem René Kiesel verfassten Vorwort traut man seinen Augen nicht. Als Leitbuch zur Oktoberrevolution wird Trotzkis ‚Permanente Revolution‘ angegeben, der zugleich als ‚Meister der Dialektik‘ vorgestellt wird. Der Aufstieg Stalins habe zur Kopflosigkeit der KPR (B) geführt (Seite 14). Sachlich falsch ist die Behauptung, die von Stalin entwickelte Theorie des Sozialismus in einem Land habe zur Festigung der Verbürokratisierung des Lebens und zum Gulag mit seinem unvorstellbarem Leid geführt. Um die Konjunktion Lenin-Stalin zu knacken und um die Konjunktion Lenin-Trotzki herzustellen, müssen die Trotzkisten zu Mitteln der  Geschichtsfälschung greifen. Natürlich ist die Ein-Land-Theorie nicht von Stalin erfunden worden, sondern von Lenin aus seiner Imperialismusanalyse entwickelt worden. Aus dieser Analyse heraus bezeichnete Lenin schon vor der Oktoberrevolution den Durchbruch des Sozialismus in nur einem Land als den wahrscheinlichsten Fall, nach 1917 betonte Lenin, dass in Russland alles vorhanden sei, um den Sozialismus aus eigener Kraft aufzubauen. Shadrova/Kiesel streiten das ab und stellen am Ende ihres Vorworts Trotzkis Machwerk ‚Verratene Revolution‘ als Klassiker des Marxismus hin.

Das belletristische Buch von Williams leistet keinen Beitrag zur Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus und zur Vorbereitung der Revolution der Arbeiter und Bauern. Williams, der Sohn eines Pfaffen der kongregationalistischen Kirche, hat kein essentielles Buch über die Oktoberrevolution geschrieben, ein Schwank aus der Revolution plätschert einem anderen hinterher, wobei der Autor oft episodenhaft ins Folkloristische abgleitet. Durch das Schwärmerische sind Fehler unterlaufen: General Kornilow habe am 9. November 1917 gegen Kerenski geputscht (Seite 67). Dieser Putsch fand aber bereits am 25. August statt, Kerenski war bereits Anfang November 1917 als Krankenschwester ausstaffiert aus Petrograd geflohen. Er sollte die Stadt nie wieder betreten. Einen wahren blackout hatte das Lektorat auf Seite 84, drei Fehler in dreizehn Zeilen.Auf Seite 145 fehlt in einem Satz der Schlusspunkt, ohne den man nicht mit einem großen Buchstaben weiterschreiben kann. Auf Seite 182 liest man: „Hier aber wurden unsere Männer vor unseren Augen tötet“. Im Anhang des Buches sind Dokumente abgedruckt, bei einigen fehlt eine exakte Quellenangabe, zum Beispiel zu einem Text von Gorki, der mit „Gestern und Heute“ überschrieben ist, manche(r) Leserin/Leser würde das gern im Werk von Gorki lokalisieren, vertiefen; sicher ist nur, dass der Text nach der erfolgreichen Oktoberrevolution geschrieben sein muss. Lapidar steht oben vor dem Text: ‚Von Maxim Gorki‘. Das reicht nicht.

Besonders übel muss aufstoßen, dass Williams die revolutionären Volksmassen mehrmals als Mob bezeichnet, auf Seite 107 sogar in einer Überschrift: „Der Mob beschließt den Tod der Weißgardisten“. Daraus spricht eine trotzkistische Arroganz und als Fazit steht fest, dass der Buch-Tipp der ‚Roten Fahne der MLPD‘, dass also das Buch von Williams, mehr noch das Vorwort zu seinen Tagebuchaufzeichnungen, die durch guten Stil einschmeichelnd trotzkistisches Gift weiterleiten – und zwar von people to people. 

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