Archive for Oktober 2017

Die Einheit der Welt – ein Artikel zur Adventszeit

28. Oktober 2017

Auf Grund der ihn auszeichnenden Warenproduktion wird der Kapitalismus die Religion nicht los. Wenn die Produzenten ihre Produkte unmittelbar austauschen ohne Dazwischenkunft des Wertes, wird auch die Anerkennung der Produzenten untereinander ohne den Umweg der Religion möglich sein. So können zum Beispiel sich auf ein religiöses Fundament beziehende politische Parteien gar kein Interesse an einer sozial befriedeten Gesellschaft Gleicher haben, sie müssen spalten, eine Verdopplung der Gesellschaft in Arme und Reiche aufrechterhalten, denn diese Verdopplung koppelt die Armen auf der Suche nach einem Ausweg aus der sozialen Misere immer schafsköpfig auch an eine jenseitige Lösung. Die niedergedrückte Kreatur kann als niedergedrückte nicht anders als hoffen, dereinst zu einem selbstbewussten Wesen, gegebenenfalls im Jenseits, zu mutieren. Das Bildungssystem der spätkapitalistischen Gesellschaft hält zu diesem das Lebensglück vertagenden Irrweg an. Religiös bedingte Barmherzigkeit wird hier und da gewährt, ein ordentliches, warmes Essen einmal im Jahr am sogenannten Heiligen Abend, aber in ihrem politisch-sozialen Kern schützen die sogenannten Christenmenschen die Reichen und Mächtigen und sind hart und grausam gegen die Kleinen und Schwachen. Sie sind falsche Menschen, Heuchler durch und durch. Sie spiegeln ihre Seele in der Reinheit des himmlischen Lichtes, während sie ihre Exkremente auf die von den Kapitalisten ausgebeuteten Völker fallen lassen.

Die Verdopplung der Welt durch die metaphysische Weltanschauung ist bedingt durch die Verdopplung der Menschheit in Herren und Knechte. Gleichheit und Einheit werden zurückgewiesen, um durch eine Pseudokomplexität des Weltzusammenhangs die Machtposition der Ideologen gegenüber den Unterdrückten, die Machtposition der Kopfarbeiter gegenüber den Handarbeitern, die Machtposition der abstrakten Arbeit über die konkrete zu festigen. Die Konterrevolution zwingt die Menschen immer zu einem Doppelleben, sie zerstört damit auch menschliches Leben. 1584 veröffentlichte Giordano Bruno in London eine Serie von Büchern, die der katholische Klerus sofort als ketzerische auffassen musste. Bruno vertrat in ihnen die Lehre von der physischen Homogentät der Welt , die Idee der Einheit der unendlichen Substanz, womit er sich gegen die Annahme eines Vakuums durch die griechischen  Atomisten wandte, und die Idee von der Allpräsenz  und alles bewegenden Weltverstandes,  der nicht irgendwo hinter dem Mond haust, sondern in jedem Ding auf Erden. Das war genug, Bruno wurde am 17. Februar 1600 auf Geheiß des Vatikans nach acht Jahren Kerker  in Rom auf dem Campo di Fiori verbrannt.

1860 entwickelte der russische Gelehrte Tschernyschewski in seiner Schrift ‚Das anthropologische Prinzip in der Philosophie‘, dass man den Menschen als ein Wesen betrachten muss, welches nur eine Natur hat. Man dürfe nicht das menschliche Leben in zwei Hälften zerschneiden, die zu verschiedenen Naturen gehören.Dieses Postulat erscheine sehr einfach, aber die Mehrheit der Gelehrten fahre fort, so klagte Tschernyschewski, den Menschen nach der früheren phantastischen Methode zu zerspalten. Und am sogenannten Heiligen Abend werden die Kirchen wieder voll sein von gespaltenen Persönlichkeiten. Für Marx bedingen sich die Geschichte der Natur und die Geschichte des Menschen, Naturgeschichte und Gattungsgeschichte gegenseitig. Die Geschichte ohne materialistische Basis war bisher immer eine übernatürliche, das Verhältnis zwischen den Produzenten und der Natur war weitgehend ausgeschlossen, „wodurch der Gegensatz von Natur und Geschichte erzeugt wird“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1960,39). Der in den Köpfen der Historiker spukende Gegensatz von Natur und Geschichte führte diese in eine Einseitigkeit, die die Geschichte falsch widerspiegeln musste. Man kann sagen, die Historiker sahen nur die im Lichte (Staatsmänner, große Männer), die im Schatten sahen sie nicht, die geschundenen und ausgebeuteten  Völker, Bäuerinnen kamen in den Geschichtsbüchern nicht vor). Geschichtliche Prozesse wurden oft dargeboten, als würden sie einen Anhang zur Kirchengeschichte abgeben.  Der Mensch ist ein Naturwesen. Man gerät sofort auf Abwege, separiert man ihn aus ihr. In der Geschichte werden immer wieder neue Verhältnisse der Produzenten zur Natur und untereinander geschaffen.  Die Geschichte ist die wahre Naturgeschichte des Menschen. Ich möcht noch kurz auf Feuerbach eingehen: Im Denken Feuerbachs liegen ohne Zweifel fruchtbare Ansätze vor. Zum Beispiel der Gedanke, dass bald die Polizei die Basis der Theologie sein wird, zum Beispiel der Gedanke, dass man in einem Palast anders denkt als in einer Hütte. Aber er nutzt sie nicht aus, ist zu wenig politisch. Gibt keine Kritik der jetzigen Lebensverhältnisse, heißt es in der ‚Deutschen Ideologie‘ (Vergleiche Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1960,44). Dort heißt es auch: Für den Materialisten Feuerbach kommt die Geschichte nicht vor, und soweit er sie betrachtet, ist er kein Materialist (Vergleiche a.a.O.,45).

Solange es Staaten und Politik gibt, behauptet sich auch eine perverse Religion. Dass die politische Revolution der Religion kein Haar krümmen kann, dass ihr die Betäubung des Menschen durch religiösen Fusel gleichgültig ist, das war bereits dem 25jährigen Marx klar, die bürgerliche Gesellschaft ist pervers durch und durch und die bürgerliche Gesellschaft ist religiös durch und durch: „Religiös sind die Glieder des politischen Staats durch den Dualismus zwischen dem individuellen und dem Gattungsleben, zwischen dem Leben der bürgerlichen Gesellschaft und dem politischen Leben, religiös, indem der Mensch  sich zu dem seiner wirklichen Individualität jenseitigen Staatsleben als seinem wahren Leben verhält, religiös, insofern die Religion hier der Geist der bürgerlichen Gesellschaft, der Ausdruck der Trennung und der Entfremdung des Menschen vom Menschen ist“. (Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,360). Man hört auf, ein Marxist zu sein, wenn man aufhört, gegen das Pfaffenpack, gegen die Religion gleich welcher perversen Spielart, gegen die asozialen Dunkelmänner, gegen diesen perversen Abschaum des Mittelalters zu kämpfen.  Wer Toleranz etwa gegenüber dem Islam predigt, spuckt der fortschrittlichen Menschheit mitten ins Gesicht. Es kann keinen atheistischen Staat geben und je mehr Marx sich in ökonomischen Studien vertieft, desto deutlicher wird ihm, dass der Pfaffe nicht der Hauptfeind des Proletariats sein kann. Der Hauptfeind steht in Gestalt der Ankäufer der Ware Arbeitskraft im eigenen Land.

Die Pariser Commune hatte diesen für soziale Revolutionen charakteristischen Zug zur Einfachheit, während konterrevolutionäre Ideologie die Gesellschaft als etwas spezifisch Widersprüchliches und Komplexes darstellen muss. Die Konterrevolution fürchtet sich, wenn sich die Revolution wie ein Mann erhebt. Lenin führt uns die westeuropäischen und russischen Philister vor, die „mit ein paar bei Spencer oder Michailowski entlehnten Phrasen … auf die Komplizierung des öffentlichen Lebens, die Differenzierung der Funktionen u. dgl. m.“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,401) hinweisen. Das hat Lenin am Anfang seines Fundamentalwerkes ‚Staat und Revolution‘ geschrieben und das ganze Werk ist ein Plädoyer für die primitive Demokratie, ist ein Plädoyer gegen die Bürokratie, für die Köchin, die die vier Grundrechenarten beherrscht, ausreichend, den „Staat“ bzw. den Halbstaat zu regieren. Der Metaphysiker Hegel, der Apologet der preußischen Bürokratie, hatte nach der Oktoberrevolution, die eine Revolution der Einheit war, in Russland keine Chance mehr. In den großen Sowjetenzyklopädien der Stalinzeit ist eine völlig korrekte Einschätzung der Philosophie Hegels zu finden, sie wird angegeben als eine aristokratisch-feudale Reaktion auf die bürgerliche Revolution in Frankreich aus dem Jahr 1789. Hegels Servilität liegen offen zu Tage, man lese nur die untertänigsten Briefe an Autoritäten, besonders an Altenstein, seinem Minister. Hardenberg macht er zum Genie. Hegel schreibt an Kreaturen, die 1793 in Frankreich hätten dranglauben müssen. Die im Kern kleinbürgerliche 68er Bewegung musste zwangsläufig eine Hegelrenaissance mit sich bringen. Nicht aufgeworfen wurde in dieser Bewegung die Frage, warum sich der junge Marx kritisch gerade auf Hegels Darstellung des inneren Staatsrechtes warf, wo doch nach dem System Hegels  das äußere und die Weltgeschichte auch noch zur Disposition gestanden hätten? Weil er hier die Hegelsche Staatsphilosophie als Legitimationswissenschaft der Konterrevolution am besten entlarven und weil er hier den spezifischen Idiotismus der Bürokratie am besten darstellen konnte. Nichts kommt der stets Privilegien verteidigenden Bürokratie mehr entgegen als eine angebliche Komplizierung des öffentlichen Lebens, als eine ‚neue Unübersichtlichkeit‘. „Friede, Einigkeit und Gleichheit sind Feindinnen politischer Spitzfindigkeiten“ (Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag oder die Grundsätze des Staatsrechts, Reclam Verlag, Stuttgart, 1963,149).

Wie sehr der Hitler-Faschismus, die Adenauersche Restauration und die Springer-Presse das gesellschaftswissenschaftliche Denken misshandelt hatten, wurde deutlich in der Hysterie um die Gründung der ‚Kommune No 1‘ in West-Berlin Ende der 60er Jahre. Das war eine Farce. Der Marxismus folgt den großen Spuren der geschichtlichen Entwicklungen, er ist kein Quereinsteiger in die Geschichte, mit der er gleichwohl quasi aus ihr heraus brechen muss. Der Marxismus tritt der Weltgeschichte nicht doktrinär mit einem autonomen Gesellschaftskonzept entgegen, nach dem die Geschichte zu modeln sei. Die Entwicklung des Sozialismus kommt aus dem Kapitalismus her, sie steht zunächst nicht auf eigenen Beinen auf einer eigenen Grundlage. Deshalb die Zwecklosigkeit von lokalen Kommunegründungen.

Die frühere Verdopplung der Welt durch die Metaphysik hat sich als Differenz zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaften kontinuiert. Der Kampf zwischen Revolution und Konterrevolution ist auch ein Kampf zwischen einer monistischen und dualistischen Weltanschauung. Die nichtkämpfenden Sklaven der Konterrevolution sind in sich gebrochene Individuen, jenseits der Einheit von Mensch und Natur. Immer verdrängt Ideologie den Menschen als Naturwesen, um sich als ‚Zwei-Welten-Theorie‘ festzusetzen. Feuerbach löste dieses Problem nur zur Hälfte. Er entdeckt die irdische Familie als den Grund der heiligen, tastet aber die irdische nicht an. Die ‚Ehe für alle‘ ist keine progressive, sondern eine reaktionäre Angelegenheit. Man lese diesbezüglich nur mal in den Schriften Fouriers.

Der Tod des Leibes kann für religiöse Menschen kein endgültiger sein und die Philosophie ist dem sehr entgegenkommend weitgehend gefolgt. Hegel sprach vom Tod als dem absoluten Herrn, Fouché aber bodenständig nur von einem ewigen Schlaf. Feuerbach erst erwies sich als der Epikur unserer Zeit, indem er den Tod des Menschen als endgültigen rehabilitierte. Es gibt einen wahrhaftigen Tod, also gilt es, hier das Leben zu genießen, weil man es nur hier kann. Für Menschen gibt es kein Jenseits. Das Unendliche ist nicht ideell, sondern materiell. In der so gewonnenen Radikalität des Lebens lag für Feuerbach zugleich die Renaissance des Fleisches. Der Sex war für ihn die neue Religion; Marx und Engels setzten an die Stelle der Religion, von der selbst gebildetste Menschen annahmen, durch sie  in den Himmel geführt zu werden, den wissenschaftlichen Sozialismus, der zum Glück der Volksmassen auf Erden durch Anleitung bei der Ausrottung der kapitalistischen Klasse führt. Wie bereits Spinoza, der als Pantheist Wesen und Erscheinung Gottes nicht mehr auseinander hielt, Gott und Natur in eins setzte, erkannte: Was braucht der Mensch mehr als gesunde Nahrung und gute wissenschaftliche Bücher? Soweit ist der Kapitalistenabschaum heute noch nicht und er wird ohne Erziehung durch die Arbeiterklasse dieses Niveau auch nicht erreichen.

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Bürgerliche Massenmedien – Der junge Marx – Juristen im Spätkapitalismus

23. Oktober 2017

Die bürgerlichen Massenmedien versuchen heute mehr denn je, uns alle auf das Niveau von politischen Analphabeten zu drücken, alles aus den Willen der Politiker zu erklären. Wie oft werde ich gefragt, was hältst du von dem und dem Politiker ?  Schon der junge Marx wusste: „Bei der Untersuchung staatlicher Zustände ist man allzu leicht versucht, die sachliche Natur der Verhältnisse zu übersehen und alles aus dem Willen der handelnden Personen zu erklären“(Karl Marx, Rechtfertigung des ++-Korrespondenten von der Mosel, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,177). So legt sich der Spießbürger politische Fragen zurecht, so werden uns durch Talkshows die Gehirne vernebelt. Es gab eine Zeit der bürgerlichen Aufklärung, da wurden serienweise angeblich fortschrittliche Bücher publiziert, die das Glück der Völker von dem guten Charakter eines Königs abhängig machten, die bürgerliche Aufklärung spezialisierte sich auf die Erziehung von Kronprinzen im Geiste der Aufklärung.

Die Überlegungen von Marx zeigen an, wie fruchtbar das Verlassen des Schreibtisches des Philosophen im Jahr 1842 war, um sich der Politik zuzuwenden. Hatte nicht Marx ein Jahr zuvor in seiner Dissertation den Gedanken verfolgt, dass es Momente in der Geschichte der Philosophie gibt, in denen sie die Augen in die Außenwelt kehrt und als eine Person der Praxis „gleichsam Intrigen mit der Welt spinnt“? Jetzt war es soweit, er übersetzte die Sprache der Götter in die Sprache der sogenannten einfachen Menschen, damit sie ihre sozialen Interessen verfolgen, die die bürgerlichen Politiker nach jeder Wahl rasch wieder vergessen.  Marx ist als revolutionär-demokratischer Journalist parteiisch, was besonders in seinen Artikeln über die Debatten zum Holzdiebstahlgesetzes deutlich wird. In ihnen überführt er die Justiz als Handlangerin der Wohlhabenden, wie es im reaktionären Deutschland und nicht nur in ihm gute Tradition ist. 

Die Äußerung von August Bebel, Juristen sind Reaktionäre, war wohlüberlegt. Diese Worte hat heute die große Mehrheit der sogenannten ‚Linken‘ in Deutschland vergessen, sie hätschelt ihre angeblich linken, angeblich fortschrittlichen Rechtsanwälte; es gibt keine linken und fortschrittlichen Juristen. Es sind Schurken und Rechtsverdreher allesamt, Systemjuristen,  – oder muss ich erst auf Otto Schily und Horst Mahler hinweisen? Der junge Marx beendete seinen Abitursaufsatz im Fach: ‚Deutsch‘ mit den Sätzen: „Wenn wir den Stand gewählt, in dem wir am meisten für die Menschheit wirken können, dann können uns Lasten nicht niederbeugen, weil sie nur Opfer für alle sind; dann genießen wir keine arme eingeschränkte, egoistische Freude, sondern unser Glück gehört Millionen, unsere Taten leben still, aber ewig wirkend fort, und unsere Asche wird benetzt von der glühenden Träne edler Menschen“. Welcher 18, 19jähriger Abiturient, der sich im spätkapitalistischen System entschlossen hat, Jura zu studieren, lässt sich heute von solchen Gedankengängen leiten? Spaß beiseite! Marx fing seine akademische Laufbahn als Jurist an, erkannte aber die Fruchtlosigkeit eines solchen Studiums, statt ein spießbürgerlicher Brotgelehrter zu werden, warf er sich auf das brotlose Studium der Philosophie und fand endlich heraus, dass der Schlüssel zur Erklärung des kapitalistischen Ausbeutungszusammenhanges durch ein kritisches Studium der politischen Ökonomie zu erfassen ist. Durch dieses konnt er am meisten für die arbeitenden Menschheit bewirken und sein Andenken gehört Millionen.

Heinz Ahlreip
heinzahlreip@aol.com

Zum Tag der deutschen Einheit 2017 im 100. Jahr der Oktoberrevolution Die weltgeschichtliche Bedeutung Deutschlands

3. Oktober 2017

Karl Marx wurde 29 Jahre nach der französischen Revolution geboren und starb 34 Jahre vor der Oktoberrevolution. In seinem Leben vollzieht er selbst die Wende von einem Anhänger der bürgerlichen Demokratie zum praktischen und theoretischen Vorbereiter einer proletarischen Revolution. In der 48er Revolution trägt seine in Köln erscheinende Zeitung ‚Neue Rheinische Zeitung‘ noch den Untertitel ‚Organ der Demokratie‘ aus taktischen Gründen, Karl Marx hatte sich bereits vom Demokraten zum Kommunisten entwickelt. Er erlebte 1848 die bürgerliche Märzrevolution hautnah, sein Freund Engels griff in sie sogar als Soldat unter dem Kommando Willichs ein. Noch der Glogauer Gesellenverein schreibt in einem Brief vom 26. März 1849 an das Zentralkomitee der Arbeiterverbrüderung in Leipzig, dass der Wahlspruch, den sich hiesiger Gesellenverein als Devise in seine neue Fahne gesetzt hat: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ bald in allen deutschen Gauen widerhallt.    1851 besuchte er in London die erste industrielle Weltausstellung und vergegenwärtigte sich und erahnte die kolossalen Potenzen, die durch die industrielle Revolution bereits freigesetzt worden sind und noch freigesetzt werden. Aus diesem Besuch erwachsen drei Erkenntnisse. Der Kommunismus hat eine materielle Grundlage, das Paradies für wenige kann ein Paradies für alle werden, und zugleich gilt es von den jugendlichen Träumen einer in Kürze nach jakobinischem Muster bevorstehenden Revolution Abschied zu nehmen, gegen den sich Weitling so hartnäckig weigerte.  Je erwachsener Marx wird, desto mehr schwindet das Vorbild von 1792. Drei Jahre zuvor wollte er die 48er Revolution noch nach diesem ausrichten als Hauptrepräsentant des am weitesten linksstehenden jakobinischen Flügels der republikanischen Bewegung. Und drittens liegt nun der endgültige Durchbruch von der Politik zur Ökonomie vor. Ohnehin befindet sich Marx mit der Dialektik im Kopf, in dem sich immense Kenntnisse über revolutionäre Prozesse befinden, nun im klassischen Land der politischen Ökonomie. Die Bewegungen des Proletariats werden nun durch die ökonomische Brille studiert.   Marx wird ab jetzt immer in London wohnen. Dort wird er auch Zeuge des Krimkrieges und vor allem der ‚Pariser Commune‘, die er als Bestätigung seiner revolutionären Lehre und als weltweit erste ‚Diktatur des Proletariats‘ feierte. Gegen Ende seines Lebens, zwei Jahre vor seinem Tod, konnte er noch vernehmen, dass in Sankt Petersburg anlässlich des zehnten Jahrestages der Pariser Kommune eine Gruppe von Revolutionären die ‚Pariser Commune‘ hochleben lässt. Zusammen mit Engels schrieb er an diese Gruppe, dass auch Russland die Entwicklung zu einer russischen Kommune erfolgreich wird gehen können. Das war eine geniale Vorahnung.

Lenin wurde ein Jahr vor der Pariser Commune geboren und starb sieben Jahre nach der Oktoberrevolution. Mit ihm tritt ein Titan der praktischen Revolution in die Weltgeschichte ein, der sowohl die ökonomische Theorie von Marx über die Ausbeutung der Arbeiterklasse über unbezahlte Mehrarbeit durch die Kapitalistenklasse  beim Schein einer Vertragsgleichheit zwischen beiden als Einheit der Gegensätze  unter imperialistischen Bedingungen weiterentwickelt als auch Marxens politische Theorie der Notwendigkeit der Diktatur der Arbeiterklasse über die Kapitalistenklasse als Kampf der Gegensätze zwecks Überwindung jeglicher Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ebenfalls nicht nur unter imperialistischen Bedingungen weiterentwickelt, sondern auch  unter denkbar schwierigsten Voraussetzungen in die Weltgeschichte als Zweck der Oktoberrevolution einbilden wird.

Kein Deutscher hat die Weltgeschichte damit mehr beeinflusst als Karl Marx, weil er in der Entwicklungsgeschichte der Arbeit den Schlüssel erkannte zum Verständnis der gesamten Geschichte der Gesellschaft. Wenn überhaupt etwas als die unentrinnbare Schicksalsmacht der menschlichen Gattung gelten kann, so ist es überhaupt die Arbeit, die alle zunächst unbewusst verbindet und durch bewusste Verbindung qua Revolution und Plan der Produzenten durch Enteignung der den Nichtproduzenten gehörenden Produktionsmittel ihr Schicksalhaftes abwirft; es ist zum Beispiel nicht die Religion, die die Menschen verbindet oder die Philosophie; es gibt verschiedene Religionen und auch Atheisten, Materialisten und Idealisten.

Wie wertvoll die theoretische Arbeit von Marx war, wird zum Beispiel deutlich, wenn man sie mit der Ludwig Feuerbachs vergleicht. Dieser Schüler des Idealisten Hegel wendet sich ab einem bestimmten persönlichen Erkenntnissprung zwar vordergründig radikal gegen seinen Meister und bezieht vordergründig eindeutig materialistische und atheistische Positionen, erweist sich aber wie alle Materialisten vor Marx als unfähig, den Materialismus auf die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft anzuwenden. So kam ein Zwitter heraus, unten Materialist, oben Idealist. Für den Atheisten und Materialisten Feuerbach unterscheiden sich die geschichtlichen Perioden der Menschheit durch religiöse Veränderungen! Was hatte Feuerbach noch nicht erkannt? Es ist der Umstand, dass die Arbeit den entscheidenden Anteil an der Menschwerdung des Affen hat und dass in der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens nach einem der bekanntesten Sätze von Marx die Menschen gezwungen sind, gewisse notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse einzugehen und dies können nur Produktionsverhältnisse sein. Für Marx ist primär nicht so wichtig, was produziert wird, sondern wie. Die Geschichte der Arbeit, der Produktion, liefert nicht nur den Schlüssel zur Periodisierung der Weltgeschichte, der in der Zukunft liegende Kommunismus kann nicht eingeführt werden, sondern ergibt sich aus dem Verlauf der Geschichte selbst. Für Feuerbach blieb die Philosophie die oberste Wissenschaft, kein Wunder, dass er nicht auf die zentrale Bedeutung der Ökonomie für die Gesellschaftswissenschaften stoßen konnte. Er verfolgte die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft vorwiegend  anthropologisch und konnte so den produzierenden und theoretisierenden Menschen nicht als Ensemble der gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse nehmen.Und was für Feuerbach galt, galt auch für Darwin. Noch die materialistischsten Naturforscher der Darwinschen Schule hatten sich keine klare Vorstellung von der Entwicklung des Menschen machen können, weil sie unter dem Einfluss von Rückständen idealistischen Denkens die Rolle nicht erkennen konnten, die die menschliche Arbeit bei der Entwicklung der Menschheit spielt (Vergleiche Friedrich Engels, Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen, Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,379).

Wie Hegel die im kantischen Erkenntnisprozess fixierte sterile Subjekt-Objekt-Konstellation dialektisch zu einem vielgestaltigen historischen und gesellschaftlichen  Entwicklungsweg menschlicher Erkenntnis dynamisierte, so dynamisierte Marx Feuerbachs Idealmenschen, wie er uns zum Beispiel in seiner Ethik und in seiner Religionsphilosophie begegnet, als Mensch vom gesellschaftlich tätigen Mensch abstrahierend, dialektisch in historische Tiefe und gesellschaftliche Breite zum „Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse“. Es darf im Kontext der proletarischen Revolution niemals übersehen werden, dass sich die Dialektik von Marx fundamental von der des Halbmaterialisten Feuerbach und der des Vollidealisten Hegel unterscheidet. Hegels Denken ist ein Kreisen in sich selbst, von der insgeheim a priori gesetzten absoluten Idee (oder Gott) zur absoluten Idee zurück. Er spricht in seiner ‚Logik‘ von der sich als Kreis erreicht habenden Linie. Keines der Werke von Hegel trägt selbst im Gegensatz zu Kant das Wort ‚Kritik‘ im Titel. Seine Identität von Vernunft und Wirklichkeit ist für den Beamtensohn aus Stuttgart eine runde Sache. Schon der junge Marx will dagegen im Alter von 25 Jahren die Kritik der Junghegelianer an die Kritik der Politik anknüpfen. „Wir treten dann nicht der Welt doktrinär mit einem neuen Prinzip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder!“, heißt es in einem Brief im September 1843 aus Kreuznach an Ruge. „Wir entwickeln der Welt aus den Prinzipien der Welt neue Prinzipien“ (Karl Marx, Brief an Ruge, September 1843, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,345). Den Weg, den Marx gehen will, ist richtig eingeschlagen, er wird kein Utopist werden, der eine Idealgesellschaft aus dem Kopf konstruiert, um sie dann der vor ihm liegenden Gesellschaft aufzuoktroyieren. Er will also nicht seine Prinzipien der Welt aufzwingen, will dialektisch denken ohne abschließendes System. Aber noch geht es ihm erst um Prinzipien, noch nicht um den geschichtlichen ökonomischen Verlauf der Welt. Diesen Standpunkt wird Marx bald durch das Studium der ökonomischen Entwicklungsgesetze der verschiedenen Gesellschaftsformationen bald überwunden haben. Jetzt entwickeln sich aus den ökonomischen Gesellschaftsformationen der Welt neue ökonomische Gesellschaftsformationen. Und zwar entwicklen sie sich aus den dialektischen Widersprüchen zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen  einer Epoche neue gesellschaftliche, aber nicht im Selbstlauf. 1789 waren die Jakobiner Geburtshelfer, 1917 die Bolschewiki. Revolutionäre kürzen die Geburtswehen einer neuen, heute einer sozialistisch-internationalen Gesellschaft, die kein Revolutionär herbeizwingen kann, ab und mildern sie, wie es im Vorwort zur ersten Auflage des Kapitals vom 25. Juli 1867 heißt. Das ist und wird die große, weltgeschichtliche Aufgabe unserer Zeit. Das muss an einem Tag betont werden, den Volksfeinde ausgewählt haben,um das deutsche Volk um seine kommunistische Revolution zu betrügen.