Über den Verfall des Bildungsurlaubes

Marxist/innen schwimmen heute gegen den Strom, insbesondere in einer Zeit, in der dialektisches Denken durch digitales abgelöst zu werden scheint. Die bürgerliche Kultur, im Besitz der Produktionsmittel,  führt auf ihre Art einen Vernichtungsfeldzug gegen das  dialektische Denken, an dem  die massenmediale Flachheit massiv mitwirkt. Eins hat dieser Feldzug bis jetzt erreicht:  die völlige Vernachlässigung der Sphäre in den Köpfen der Menschen, die Dilthey einst die „human-gesellschaftlich-geschichtlich-kulturelle Welt“ nannte.  Am meisten leidet die Arbeiterklasse darunter, denn der bornierte Bourgeois jagt ohnehin nur dem Profit nach. Gab es zum Beispiel in den Angeboten der Volkshochschulen im vergangenen Jahrhundert im Rahmen des Bildungsurlaubes kulturelle Themen, bei denen die Arbeiterklasse etwas für sich lernen konnte, wenn sie das Gequake der Seminarleitung kritisch durchleuchtete, so arbeiten diese sogenannten Hochschulen heute ganz im Interesse des Profits: es werden bis auf ganz wenige Ausnahmen, eine Art Alibi, nur noch Fremdsprachen- und PC-Kurse angeboten, vom Menschenrecht des arbeitenden Menschen ist schon lange nicht mehr die Rede. Die Rede davon war immerhin, es gab im Rahmen des Bildungsurlaubes auch Seminare zum Kapital von Marx.

Ich erinnere mich noch, dass ich mich zu einem zweiwöchigen Bildungsurlaub zu einem dieser Seminare angemeldet hatte, dass aber wegen zu geringer Resonanz (eine weitere Teilnehmerin und ich plus Seminarleiter) abgesagt werden musste. Das Niedersächsische Bildungsurlaub schreibt als Mindesteilnehmerzahl ‚zehn‘ vor und es schreibt auch vor, dass man einen zweiwöchigen Bildungsurlaub nur dann in Anspruch nehmen kann, wenn man im Vorjahr keinen belegt hat. Das war wohl ein Grund für die zu geringe Teilnehmerzahl. Der Seminarleiter hielt wohl mit gewissem Recht einen einwöchigen Kurs vom inhaltlichen Volumen her für wenig sinnvoll. Wir sehen aus alledem, wie wichtig und sinnvoll es ist, dass die Arbeiterklasse Seminare selbst organisiert. Zur Zeit findet in Hannover ein von der IG Metall organisierter Kurs zum Kapital über drei Wochendenden verteilt statt. Der erste Kurs konnte immerhin 30 Teilnehmer/innen verzeichnen. Leider unterließen es die beiden Seminarleiterinnen, auf die Bedeutung der Imperialismusanaylse von Lenin, auf seine geniale Vertiefung des Kapitals von Marx hinzuweisen. Es ist heute nun aber einmal so, dass man Seminare über das Kapital von Marx mit Lenin eröffnen und mit Lenin beenden muss. Das ‚Kapital‘ von Marx ist kein historischer Text. Der Leninismus ist nicht der Maßstab schlechthin, einen solchen gibt es nicht, aber er ist der zur Zeit maßgebende.

Dabei ergibt sich beim Durchlesen des Bildungsurlaubgesetzes der Tenor, dass das Gesetz eindeutig Seminarthemen favorisiert, die inhaltlich zum Arbeitsprozess alternativ zu gestalten sind. Das wären natürlich Seminare über das Marxsche ‚Kapital‘. Dem Wort und der Idee nach sollte es doch beim Bildungsurlaub um eine Horizonterweiterung gehen. Die Geisteswissenschaftler sind heute in eine gesellschaftliche Position gedrängt, die derjenigen der islamischen Mullahs vor dem Sturz des Schahs ähnelt. Eine Physikerin mit erheblichen charakterlichen Defiziten steht heute auf der Kommandobrücke des bürgerlichen Staates und von bürgerlicher Politik eine Lösung der brennendsten Probleme des Volkes durch Vernichtung der Herrschaft des Kapitals zu verlangen hieße ungefähr so viel wie von einem Bordellwirt eine wissenschaftliche Abhandlung über Moral im allgemeinen zu erwarten.

Und es gilt auch  aufzupassen, den Kulturverfall beklagt auch der christliche Pfaffe, um seinen Traum zu erfüllen, das Volk in einen mittelalterlichen Käfig einzusperren. Es gibt islamische und christliche Mullahs, die Marx als „Menschenkehricht“ (Karl Marx, Zur Judenfrage, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1960,359). bezeichnet hätte und hat.  Was ist denn aus dem Wort „Menschenkehricht“ abzuleiten? Daraus ist abzuleiten, dass man diesen ganzen perversen mittelalterlichen Dreck, den man nur mit Schutzhandschuhen anfassen kann, Polizistinnen und Polizisten, die im Dienst des volksfeindlichen Kapitals stehen, tun übrigens das gleiche mit den Ärmsten der Armen des Volkes, mit Obdachlosen und Bettlern, als sei der Pauperismus eine ansteckende Krankheit (was er auf eine andere Art in der Tat ist), auch gegen ‚marxistisch-leninistische Besserwisser‘ im Lokus eines Arbeitslagers verschwinden lassen muss. Heute predigen Spießbürger und christliche Pfaffen Toleranz gegenüber dem Islam, um auch ihre blökenden Schafe bei der einträglichen christlichen Stange zu halten. Die großen Kirchen in Deutschland gehören zu den reichsten der Welt. Wenn die Arbeiterklasse diese Dunkelmänner bekämpft, so bekämpft sie nur die Feinde ihrer Feinde.

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