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DIE BEDEUTUNG DER HEGELKRITIK DES JUNGEN MARX

12. Dezember 2017

 

Das Raubrittertum des Idealismus besteht darin, der Wirklichkeit die Substanz zu rauben, ein Vorgang, der für Feuerbach ein theologisches Verfahren darstellte. Eine Wirklichkeit ohne Substanz hat ihre Substanz woanders, sie ist von der logischen Idee abgeleitet, theologisch formuliert: Sie ist ein Geschöpf Gottes. Im Hegelschen Idealismus scheint nur eine formale, unwirkliche Sonne bzw. die Sonne des Formalismus. Die logische Idee normiert alles, sie ist es, die im Hintergrund die Abfolge ‚Familie – bürgerliche Gesellschaft – Staat‘ bestimmt, um sich nach ihrem Prozess der sich steigernden Entfaltung von Objektivität im absoluten Staat, der im Grunde ein stinknormaler bürgerlicher ist, sich selbst gleich zu werden. Dadurch rangiert für Hegel die bürgerliche Gesellschaft sekundär, für Marx ist sie gegenüber dem Staat das Primäre. Die Umkehrung, die Feuerbach im Verhältnis Mensch : Gott auf dem Gebiet der Religionswissenschaft vorgenommen hatte, die nimmt nun Marx im Verhältnis bürgerliche Gesellschaft : Staat auf dem der Staatswissenschaft vor. Gott ist bedingt durch den Menschen und der Staat durch die bürgerliche Gesellschaft. Die menschliche Gattung (im Feuerbachschen Sinne) ist das Allgemeine und Gott nur eines ihrer Probleme, nicht der Staat repräsentiert wie in Hegels Rechtsphilosophie das Allgemeine und die bürgerliche Gesellschaft lediglich das Besondere, sondern die Form der Gesellschaft, später die ökonomische Gesellschaftsformation, bestimmt die Staatsform primär, die Rückwirkung des staatlichen Überbaus auf die gesellschaftliche Basis ist nur sekundär. (Diese Rückwirkung kommt in der ‚Deutschen Ideologie‘ noch zu kurz). Es gibt keinen total-absoluten Gott und keinen total-absoluten Staat. Gegen diese Totalität des Absolutismus (Altar und Thron) wüteten die bürgerlichen Emanzipationstheorien, um das traditionelle Verhältnis zwischen dem Allgemeinen und Besonderen umzukehren, d. h die bürgerliche Blutsaugerklasse an die Stelle der feudalen Blutsaugerklasse zu setzen.

Dabei dringen Rousseau, Mably, Morelly u. a. schon vor der Revolution von 1789 bis zu kommunistischem Gedankengut vor, in dem die Privateigentümer von Land und Werkzeug als asoziale Sonderlinge bestimmt werden. Erst im Kommunismus als dem Maß aller Dinge sind alle im menschlichen Zusammenleben möglichen Privilegien aufgehoben. Die illusorischen Allgemeinheiten (Gott, Staat) müssen zerstört werden, um wirklichen Allgemeinheiten (kollektiven Produktionsassoziationen) Platz zu machen. Das war nach der Oktoberrevolution in Russland der Fall. Während Pfaffen und Politiker faul in ihren Betten lagen, wurden in den Subbotniks an neuralgischen Punkten der sowjetischen Wirtschaft im Kollektiv gearbeitet – ohne Geld. Das war eine konkrete Allgemeinheit, keine ideale, idealistische, illusorische, heuchlerische, wie sie die Pfaffen und Politiker vorgaukeln. Solange die Bestimmung des Menschen nicht in der Arbeit im Kollektiv liegt, erlischt auf der Grundlage des Privateigentums (an Produktionsmitteln) seine wirkliche Sonne in einer illusorischen (Religion, Staat). Es muss sich dies umso mehr hervortun, als der Mensch in der Produktion auf der Basis des Privateigentums (an Produktionsmitteln) eine geschundene Kreatur ist. Religion und Staat drücken aus, dass die Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft ein wertloses, in Entfremdungszusammenhängen stehendes Leben führen.