Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Rudi Dutschke

 

Noch vor der Oktoberrevolution drang Lenin darauf, den Namen der Partei zu ändern, er wollte das ‚Sozialdemokratische‘, das er als schmutzige Wäsche bezeichnete, weghaben. ‚Wir müssen uns Kommunisten nennen, wie Marx und Engels sich Kommunisten nannten. Im Geburtsland von Marx und Engels versumpfte dagegen die sozialistische Partei immer mehr, es zieht sich eine schwarze reaktionäre Linie durch die SPD, angefangen mit Bernsteins Revision, der Bewilligung von Kriegskrediten am 4. August 1914, die mit dem  konterrevolutionären Wesen der SPD zugleich ihre Kapitulation vor dem Imperialismus an den Tag legte, der Einleitung der Ermordung von Karl und Rosa 1919 als eine Konsequenz dieses Wesens, der Erschießung wehrloser Arbeiter in der Weimarer Republik, zum Beispiel 1929 durch die Zörgiebel-Polizei am 1. Mai in Berlin, seit diesem ‚Berliner Blutmai‘ gelten die Sozialdemokraten als ‚gemäßigter Flügel des Faschismus‘ (Stalin), Unterschlupf vieler Nazis in diese Partei nach 1945 (siehe etwa Günther Grass), über das ‚Godesberger Programm‘ bis hin zur menschenverachtenden Hartz-IV-Gesetzgebung durch den bis auf die Knochen asozialen Gerhard Schröder, einem der schäbigsten Parvenues des 20. Jahrhunderts. Aus ihren eigenen Eingeweiden muss diese in ihrem Kern total verfaulte Partei immer wieder ihre Eberts, ihre Noskes, ihre Scheidemänner, ihre Schröders und Schulzes produzieren. Spätestens seit dem 4. August 1914, der Tag, an dem in Deutschland die Kriegspartei gesiegt hatte, konnte man sehen, wozu diese Partei fähig war bzw. wie unfähig sie war.  Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht war kein Ausrutscher, sondern sie ist zu deuten im Kontext eines kleinbürgerlichen Klassenhasses gegen Fortschritt und gegen die soziale Revolution der Arbeitstiere der Lohnsklaverei. Wer nach diesem Tag noch daran zweifelt, dass die SPD eine Partei der Konterrevolution ist, der hat die politische Orientierung verloren und irrt als Blinder durch die politische Landschaft. Die Ermordung der Führer der proletarischen Revolution in Deutschland war sozusagen das Zwischenereignis, das nötig war, damit sich der erste, allseitig imperialistische Weltkrieg, ausgelöst durch ein Attentat, das die Friedensperiode abbrach und in ganz Europa die chauvinistischen Eiterbeulen zum Platzen brachte,  auf höherer, auch mit der rassistisch-genoziden Komponente auf auch kriegstechnisch höherer Stufenleiter noch einmal über die Völker ergoss. Beide Weltkriege waren nur die Fortsetzung der imperialistischen Politik der vorhergehenden Jahrzehnte, beide Kriege wurden jahrzehntelang mehr oder weniger offen vorbereitet. Man brauchte kein tiefer Kenner der politischen Materie zu sein, um festzustellen, dass der Krieg keine Überraschung war. Auch mit der Ausschaltung der beiden führenden Köpfe, mit dem Doppelmord, stehen die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts in Verbindung untereinander. Insofern hat dieser Doppelmord eine viel tiefere weltgeschichtliche Bedeutung als der Eispickelmord am 21. August 1940 in Coyoacán, denn die kleine Clique trotzkistischer Terroristen konnte nur noch Sekundärschäden in der Sowjetunion anrichten, immerhin aber noch die Ermordung einzelner Funktionsträger des Systems.  Auch das Attentat von Sarajewo hatte eine viel wuchtigere weltgeschichtliche Substanz als die Ermordung Trotzkis, der sich in der Endphase seiner Wirkmächtigkeit befand, ein Auslaufmodell war.

Die Sozialdemokratie des 20. Jahrhunderts war nicht mehr die des 19. Jahrhunderts, und wieder markiert die Jahrhundertwende die Schnittstelle. Mit dem Aufkommen der Monopole, der Extraprofite, die diese abwerfen, mit der durch sie möglichen Bestechung von Lohnsklaven, die ihr Joch egozentriert bequem abwerfen wollen, die vergessen haben, dass sich Karl Marx für die proletarische Sache auch gesundheitlich aufgerieben hatte, die sich täuschen, dass mit dem Wegwerfen der roten Fahne kein verpfuschtes Leben beginne, mit dem Aufkommen einer reaktionär-verbürokratisierten Arbeiteraristokratie, die nach kleinen, aber feinen Pöstchen Ausschau hält, ist es dem Monopolkapital gelungen, eine empfindliche Bresche in die Arbeiterbewegung zu schlagen und den Sturz des Kapitalismus künstlich aufzuhalten. Hinzu kam eine geschickte Leitung der sogenannten öffentlichen Meinung, anfangs fast ausschließlich über große bürgerliche Zeitungen der Monopole. Die sogenannten Massenmedien, die in Wirklichkeit kapitalistische Medien, Medien in der Hand einer eindeutigen Minderheit sind. Extraprofite, Bestechung und Herausbildung einer Arbeiteraristokratie, Manipulierung der öffentlichen Meinung, das waren neue Ketten der Lohnsklaverei, für das 20. Jahrhundert spezifische. Im 19. Jahrhundert war das noch die von Marx und Engels konstatierte englische Ausnahme auf Grund des Kolonialmonopols Englands. In einem Brief vom 7. Oktober 1858 an Marx schreibt Engels, dass „das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so daß diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen“. 25. Der Imperialismus des 20. Jahrhunderts mit seinem Hang zur politischen Reaktion wurde in seiner politischen Spitze von zwei Aristokratien gebildet. Aus der Analyse der Niederlage der Pariser Commune hatte Marx bereits die Schlussfolgerung gezogen, dass die Bourgeoisie die Stellung des Feudaladels eingenommen habe. Die bürgerlichen französischen Feudalherren, die Lysis und Lenin Wucherer Europas nannten, unterstützen zum Beispiel das Blutzarentum, das ohne Pariser Finanzspritzen nicht mehr lebensfähig war. Und zu diesen Feudalherren aus dem bürgerlichen Lager gesellten sich nun Feudalherren, die dem Lager der Arbeiterklasse entstammten. Und diese Minderheit der Arbeiteraristokraten war natürlich taub gegenüber Rosa Luxemburgs Forderungen, dass angesichts der neuen, imperialistischen Erscheinungen in der Weltpolitik auch neue Formen der Massenaktionen erforderlich seien.

Es war 1910 interessant, Notiz zu nehmen vom Verhalten der SPD anlässlich des Besuches des blutbesudelten Zaren in Potsdam. Sie schwieg, von ihr fiel kein Wort des Protestes. Und als am Abend des 2. Juni 1967 deutsche Sozialdemokraten zusammen mit dem Schah von Persien, der nicht weniger blutbesudelt war, in der ‚Deutschen Oper‘ Mozarts ‚Zauberflöte‘ lauschten, floss draußen Blut, wurde der wenig politisierte Student Benno Ohnesorg von der Polizei ermordet. Es war richtig von den Studenten, den geistigen Brandstifter Axel Springer anzugreifen, der fortgesetzt die Biedermänner aufhetzte und der auf den Studentenführer Rudi Dutschke zielte. („Volksfeind Nr. 1 Rudi Dutschke“). Das Attentat auf ihn am 11. April 1968 stand zeitlich in der Mitte zwischen der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und heute. Konnte die von beiden gegründete Partei die politische Macht in Deutschland nicht erobern, so musste die 68er-Bewegung erst recht scheitern und die Moralisten unter ihnen wurden mit einem fanatischen Idealismus, man denke nur an die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin, in die terroristischen Wirren gehetzt. Die angeblichen Freveltaten der RAF waren nur eine Marginalie im Vergleich mit dem barbarischen konterrevolutionären Terror, der bis 1968 und darüber hinaus das deutsche Volk und Ausländer heimgesucht hat und bis heute heimsucht, es sei nur auf die Verbrennung von Ouri Jalloh im Polizeigefängnis von Dessau hingewiesen. Mit dem Attentat auf Dutschke endete die antiautoritäre Revolutionsspielerei, die anfangs einen harmlosen, Herrschaftsverhältnisse bunt und grell entlarvenden Charakter trug und in die Irre ging, man könne Revolutionen machen und ein, zwei, drei, viele Vietnams schaffen. Die Studentenbewegung lebte von Illusionen, eine essentielle Weiterentwicklung des Marxismus-Leninismus war ihr nicht gelungen. Dutschke zum Beispiel lief mit der Grille im Kopf herum, die DDR im rätedemokratischen Sinn zu befreien, und deshalb blieb die 68er-Bewegung trotz Berkeley und dem Pariser Mai eine lokale, mehr subkutan wirkende Angelegenheit mit marginalen Ausläufen der chinesischen Kulturrevolution (MLPD), während die Gründung der KPD und die Ermordung ihrer Führer dank Lenin und der Oktoberrevolution in einem weltrevolutionären Kontext standen. Der 68er-Aufbruch war zusammengebrochen, es schlug die Stunde der Reaktion. Wie die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ein Mittelglied zwischen den Weltkriegen bildet, so das Attentat auf Dutschke den Umschlag von Kulturrevolution in Reaktion. Und wieder waren es führende Sozialdemokraten, die aktiv anwesend waren, repressiver Gewalt Gestalt zu geben. Wieder spielte die SPD mit Willy Brandts Berufsverboten, in Kraft ab dem 18. Februar 1972, eine düstere Rolle, zirka vier Jahre nach der Verabschiedung der Notstandsgesetze am 30. Mai 1968. Die Kinder der Republik wurden von Lehrerinnen und Lehrern mit einer auf das Mittelalter ausgerichteten Weltanschauung und von Pfaffen geistig ruiniert. Was 1919 am Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, beide Opfer zweier Aristokratien, galt, das gilt auch – mutatis mutandis – heute noch. Zwei parasitäre Aristokratien sind es, die das deutsche Volk unterdrücken, es wird unterdrückt durch eine bürgerliche Finanzoligarchie und durch eine sozialdemokratische Aristokratie, die der Oligarchie zuarbeitet und die Lohnsklaven wie Dreck behandelt (siehe zum Beispiel Hartz IV, siehe auch den Boykott des gleichen Lohnes der Frauen für gleiche Arbeit durch die Sozialdemokratin Schwesig. Für diese Politikerin besteht der gleiche Lohn für gleiche Arbeit darin, dass die Frauen angeblich die Lohnlisten in den größeren Firmen einsehen dürfen.). Diese beiden an das Ancien Régime gemahnenden Aristokratien sind es, die das deutsche Volk in einen Bürgerkrieg der schrecklichsten Art treiben, in dessen Verlauf es gilt, die Aristokratien völlig zu vernichten. Dieser Bürgerkrieg ist unvermeidbar und am Ende werden nur die Waffen kommunizieren. Rosa Luxemburg schrieb, dass die Reaktion „Himmel und Hölle gegen das Proletariat in Bewegung setzen wird … sie wird mit Offizieren Metzeleien anstiften“ (Rosa Luxemburg, Unser Programm und die politische Situation, Rede zum Programm, gehalten auf dem Gründungsparteitag der KPD). Welch weise Voraussicht! Es wäre völlig falsch, in diesen Aussagen ‚Schnee von gestern‘ zu sehen. Durch den Imperialismus ist etwas Neues entstanden: die internationale Spaltung des Sozialismus. Die revolutionäre Arbeiterklasse wird einen Zweifrontenkrieg zu führen haben, gegen die Imperialisten und gegen die falschen, durch und durch bürgerlichen Freunde in der Arbeiterbewegung. Ein italienisches Sprichwort lautet ungefähr so: Gegen unseren Feind wird uns Gott schon schützen, aber gegen unsere falschen Freunde müssen wir uns selbst in Acht nehmen.

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