Ein Mosaiksteinchen zum Fall Radek

In seiner Biografie über Rosa Luxemburg führt Karl Radek 1922 aus, dass ihr methodologisch das Beste gelungen sei, „… was zur theoretischen Beleuchtung des Opportunismus geschrieben wurde“. (Karl Radek, Leben und Kampf unserer Genossin Rosa Luxemburg, in: Ernest Mandel/Karl Radek, Rosa Luxemburg, Leben-Kampf-Tod, isp-pocket 16, isp-Verlag, Frankfurt am Main,1986,22f). Überhaupt trägt dann Radek in seiner Biografie über Rosa Luxemburg doch zu dick auf und leistet einer innerlich hohlen rosaroten Schickeria Vorschub, die mehr mit dem Namen als mit den Werken von Luxemburg Schindluder treibt. Rosa Luxemburg ist in bestimmten linksliberalen gebildeten Kreisen, die mit Nickelbrille auf der Nase und mit Palästinensertuch um den Wendehals bei Demos erscheinen,  die ihre geistige Nahrung vorwiegend aus den neuesten Zeitschriften beziehen, immer auf der Jagd nach dem ‚dernier cri‘, zur Ikone geworden. Rosa hier, Rosa da, Rosa in allen vier Himmelsrichtungen, Rosa überall. Es bleibt zunächst festzuhalten, dass von ihr keine essentielle Weiterentwicklung des Marxismus ausgeht. Mit Verlaub Mister Sobelsohn, ist ihnen das Werk von Lenin unbekannt? Ein Marxismus-Luxemburgismus hat die Massen bis jetzt noch nicht ergriffen. Es ist nicht der Schatz Luxemburgs, der dem Proletariat die größten Dienste erweisen kann, wie Radek meint, teilweise geht sie in die Irre, teilweise schreibt sie wirr. Radek ruft sie 1922 dennoch unverfroren zur Führerin des Proletariats aus, als Lenin noch lebte. „ … daß mit Rosa Luxemburg der größte, der tiefste theoretische Kopf des Kommunismus gestorben ist, daß sie unsere Führerin ist, von der die kommunistischen Arbeiter noch Jahrzehnte lang zu lernen haben werden“. (a.a.O.,43).  So hätte es die Schickeria wohl gerne. Es lässt tief blicken, wenn der Pole Radek uns weismachen will, dass die Polin Lenin überrage.  Ein Luxemburgkult kann nur Unheil in der kommunistischen Arbeiterbewegung anrichten. Sie ist nach Marx, Engels, Lenin und Stalin das fünfte Rad am Wagen. Pannekoek hatte zu Recht ihre ‚Akkumulationtheorie‘ kritisiert. Aber die Schule Luxemburg bleibt trotz alledem eine gute Schule. Zustimmen kann man dem Schlusssatz von Radeks Luxemburg-Biografie: „Die Berliner Arbeiter zogen in Hundertausenden hinter diesen von den Schergen der Konterrevolution verborgenen Leichnam, und die Todesfeier für Rosa Luxemburg wird alljährlich zeigen, wie groß die Massen derer sind, die ihren Ruf aus dem Grabe vernehmen“. (a.a.O.,45). Das hat sich denn auch bewahrheitet.

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