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Sahra Wagenknecht in der Hegel Falle

15. Juni 2011

Während bürgerliche Politiker (Freiherr Karl Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch Mehrin (FDP),  die Tochter des langjährigen CSU Vorsitzenden Edmund Stoiber, Veronika Saß, über den FDP Politiker Chatzimarkakis hat Professor Jörg Becker  am 22. Juli 2009 einen Artikel in der Frankkfurter Allgemeinen Zeitung geschrieben: Chatzimarkakis hat mich plagiiert ! Kulturminister Althusmann schreibt eine Erklärung an die Universität Potsdam….plus Dunkelziffer) im akademischen Bereich sich bürgerlich politisch, eben betrügerisch benehmen und Doktorarbeiten zusammenklauen, denn man will ja an die Regierungsspitze, um zu regieren und dabei zu plündern und zu plündern und dabei  zu regieren 1. , haben wir es bei Frau Sahra Wagenknecht mit einem ganz anderen Kaliber zu tun, die auf Grund einer unbestrittenen Intelligenz nicht zu solchen Mittelchen zu greifen braucht. Gleichwohl ergibt eine Lektüre ihrer an der Universität Utrecht erfolgreich eingereichten Magisterarbeit: „Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode“, daß auch in dieser politisch rechten Arbeit inhaltlich und formal „nicht alles mit rechten Dingen“ zugegangen ist. Theoretischerseits, beileibe nich im strafrechtlichen Sinne.

In ihr wird dem jungen Marx in seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten eine geschichtsteleologische Deutung der Weltgeschichte bis hin zum Kommunismus unterstellt 2., obwohl Marx ausdrücklich in diesen Manuskripten betont, „…aber der Communismus ist nicht als solcher das Ziel der menschlichen Entwicklung, – die Gestalt der menschlichen Gesellschaft.“ 3. Marx, der 1844 bereits als Revolutionär auftrat 4., sei in den Manuskripten hinter die Weltgeschichtsphilosophie Hegels  zurückgefallen.  Sahra Wagenknecht läßt Lenins Hinweis unberücksichtigt, daß in dieser Hegel „am meisten veraltet und antiquiert“ 5.  ist.  Denn gerade Hegels Philosophie der Weltgeschichte ist teleologisch und theologisch ausgerichtet: Weltgeschichte als Gotteswerk, man vergegenwärtige sich nur den Schlußgedanken der  Philosophie der Weltgeschichte: …daß das ,was alle Tage geschehen ist und geschieht, nicht nur nicht ohne Gott, sondern wesentlich das Werk seiner selbst ist. 6. Der Schlußgedanke der Magisterarbeit von Sahra Wagenknecht  enthält denn auch ein völlig falsches Fazit: „…daß das Methodenkonzept des reifen Marx, (der sich von seiner jugendlich falschen und verwerfenden Hegelkritik emanzipiert habe/ Zusatz von Heinz Ahlreip),  sich wesentlich im Rückgriff auf die spekulative Methode Hegels gründet.“ 7. Das Gegenteil ist der Fall: die Methode des reifen Marx zur Zeit der Abfassung des „Kapitals“ ist der Hegelschen DIREKT eintgegengesetzt. Sahra Wagenknecht muß also vom Kopf auf die Füße gestellt werden.  „Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil.“ 8. Falsch bzw. nur halbrichtig ist deshalb Wagenknechts Ausführung, daß das bereits erreichte Niveau der Wissenschaftsmethodologie von Hegel und Marx bestimmt wird. „In diesem Kontext erweisen sich eine materialistische Hegelinterpretation und ein materialistisch dialektisches Methodenkonzept als zwei Kehrseiten einer Medaille“. 9. Spricht also Marx vom direkten Gegenteil, so Sahra Wagenknecht von zwei Kehrseiten einer Medaille.  Kann Hegel heute überhaupt noch etwas zum Niveau der Wissenschaftsmethodologie beitragen ? Nein, in dieser Beziehung ist Hegel obsolet und hat nur noch einen historischen Wert. Es hilft auch nicht, wenn Sahra Wagenknecht versucht, den Ansatz Hegels als nichtidealistisch zu verdrehen 10. , die dialektische Methode ist in ihrer Hegelschen Form unbrauchbar. 11. In seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten hatte Marx die Hegelsche Dialektik als „Mutter“ bezeichnet, die sie ja auch für die Linkshegelianer zweifelsfrei war.  Das ist auch allgemein bekannt, der Marx´sche „Muttermord“ scheint aber gerade von fachphilosophischen Koryphäen weitgehend tabuisiert worden zu sein. Und dieses Halbwissen wird an die studentische Jugend weitergegeben und es ist wohl nicht Sahra Wagenknechts Schuld allein, daß sie  ist in die bei dieser Thematik stets ausgelegten Hegelfalle getappt ist,  ohne den wertvollen Hinweis von Lenin beachtet zu haben: „Hegels Logik darf man in ihrer gegebenen Form nicht anwenden; man darf sie nicht als gegeben hinnehmen.“ 12. Denn nicht der junge Marx vertritt ein teleologisches Methodenkonzept, sondern der junge Hegel: „Das Ziel aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des Fortgangs gesteckt; es ist da wo es nicht mehr über sich selbst hinaus zu gehen nötig hat, wo es sich selbst findet und der Begriff dem Gegenstande, der Gegenstande dem Begriff entspricht.“ 13. Alle Ideologiemomente der idealistischen Dialektik sind in diesem Satz Hegels versammelt, insofern in der absoluten Identität der am Anfang des Weltgeistprozesses mit „gesteckte“ Zweck abschlußhaft sich eingeholt hat. Im Gegensatz zur idealistischen Dialektik mit ihren als Quelle von Ideologiegehalten wirkenden Leitmotiven: Identität – Finalismus – Teleologie begreift materialistische Dialektik wissenschaftlich revolutionäre Tätigkeit als ein Kettenglied in der sich nichtlinear und abschlußfrei entwickelnden Materie. Wäre der junge Marx tatsächlich hinter Hegel zurückgefallen, rekurrierte er philosophiegeschichtlich auf unvollkommene Vorformen dialektischen Denkens, die erst in der Hegelschen Logik ihre Vollendung in idealistischer, falsch widergespiegelter Form erhielten. Hätte er auf die spekulative Methode Hegels zurückgegriffen, wäre eine Kritik der politischen Ökonomie entwickelt worden, die das Bestehende, die kapitalistische Misere der Ausbeutung , verklärt hätte.

Es kann kein Zufall sein, daß der Eichborn Verlag das letzte Buch von Sahra Wagenknecht „Freiheit statt Kapitalismus“  auf dem Schutzumschlag durch den mit roten Buchstaben gedruckten Satz: Sahra Wagenknecht nimmt Ludwig Erhard beim Wort: Wohlstand für alle ! anpreist. 14. Um nun sogleich durch drei Beispiele die konterrevolutionäre Physiognomie Sahra Wagenknechts aufzuzeigen, so genügt der Hinweis, daß sie sich in diesem Buch für eine steuerfreie Vererbung von einer Millionen Euro als Recht ausspricht 15., während doch für Sozialisten die dritte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest „Abschaffung des Erbrechts.“ obligatorisch ist. 16. So genügt zweitens der Hinweis, dass sie sich zusätzlich für einen „Sozialismus ohne Planwirtschaft“ 17. ausspricht, während doch für Sozialisten die siebente Forderung aus dem Kommunistischen Manifest: „Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinsamen Plan“ 18. obligatorisch ist. Des weiteren äußerte sie sich gegenüber einem Bankangestellten, der um seinen Job fürchtet,  daß sich die Linke für den Erhalt der Sparkasse einsetze. (Siehe: AdHocNews 3.9.0. / Internetseite von Sahra Wagenknecht). Wieviele Menschen sind von Sparkassen betrogen, gedemütigt, in den Ruin und in den Selbstmord getrieben worden !  Für Sozialisten sollte doch die fünfte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest obligatorisch sein: „Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol“. 19. Es liegt also eine Serie von Fehlern vor und es ist die Frage, ob Frau Wagenknecht die innere intellektuelle Kraft hat, diese zu  durchdenken und zu korrigieren. Sollte sie aber weiterhin nach rechts, weg vom Sozialismus, weg von Rosa Luxemburg  abdriften, so wird sie die Arbeiterklasse eines Tages vor die Wahl stellen: entweder das Kommunistische Manifest à la Sahra zu „modernisieren“ oder sie revolutionsgerichtlich aus der Arbeiterbewegung auszustoßen.In ihrem Buch gibt sie eine politische Einschätzung ihrer Person durch die deutsche Konterrevolution wieder: „Ich weiß, für viele Pseudokonservative und Pseudoliberale bin ich der Gottseibeiuns, die finstere Kommunistin…“ 20. Diese Einschätzung sollte sie sich nicht zu eigen machen, so beurteilen Spießer, die keine Ahnung von Politik, von der Dialektik von Revolution und Konterrevolution haben, denn finster wird Sahra allemal, wenn man sie in das Licht von Marx und Lenin hält. Zum Beispiel in der Frage der Religion: Marxisten Leninisten und nicht nur Marxisten Leninisten wissen, dass Lenin die Religion als eine Art geistiger Fusel bezeichnet hat, mit dem der Lohnsklave sein Sklavendasein betäuben soll. Für Frau Wagenknecht ist die Religion ein Teil der Kultur, wo auch wichtige Zusammenhänge auf bestimmte Art reflektiert wurden. Hegel hätte philosophisch aufgezeigt, welche unglaubliche Dialektik, welche unglaublich tiefen Einsichten in der Religion enthalten sind. (siehe: google: sahra wagenknecht mitglied des deutschen bundestages das leben leben). Man erinnert sich: in der Sowjetenzyklopädie wurde die hegelsche Philosophie als aristokratische Reaktion auf die französische Revolution gewertet.

Gegen Sahra Wagenknechts Mißdeutung und Herabwürdigung des jungen Marx muss vielmehr aufgezeigt werden, daß in die Pariser Manuskripte  Würdigung und Korrektur Hegels gleichermaßen meisterhaft fallen: Die Negation der Negation bestätige für Hegel nur das Scheinwesen „…oder die Verneinung  dieses Scheinwesens als eines gegenständlichen Wesens.“ 21. ganz im Sinne einer idealistischen Ontologie. In der Tat: gibt es einen fundamentaleren Unterschied in der Beantwortung der Grundfrage der Philosophie als den zwischen der Hegelschen Vergöttlichung des Geistes („Das Absolute ist der Geist, diß ist die höchste Definition des Absoluten“) 22. und der Darlegung von Friedrich Engels,daß die Materie mit eiserner Notwendigkeit ihre höchste Blüte, den denkenden Geist, ausrotten wird. 23. Man könnte auch hier sagen, Engels fiele hinter Hegel zurück, aber die sich ewig wandelnde Materie wird den Geist anderswo und in anderer Zeit wieder erzeugen…und so fort. Aber eben diese Unterbrechungen kongruieren nicht mit jeglichem Absolutheitsanspruch.

Heinz Ahlreip

Entnommen aus meinem Aufsatz zum 193. Geburtstag von Karl Marx am 5. Mai 2011: Karl Marx zum 193. Geburtstag  Marxismus und Idealismus. Siehe: google: lenin unser aller lehrer marx 193. Geburtstag

1. Vergleiche Lenin, Wie soll man den Wettbewerb organisieren ? Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin 1961,407

2.  Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,170

3. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2, Dietz Verlag Berlin, 1982,275. Auch Wilhelm Weitling hatte in seinem 1842 veröffentlichten Werk „Garantien der Harmonie und der Freiheit“ einen vollkommenen Kommunismus ausgeschlossen.

4. Vergleiche: Lenin, Karl Marx, Lenin Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1960,35).

5. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Philosophie der Geschichte Bern 1914 – 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958.175

6. Den großen faux pas Adornos: „Es ging um die Vergottung der Geschichte, auch bei den atheistischen Hegelianern Marx und Engels“ (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 113, Frankfurt am Main, 1975,315) nimmt in gewisser Weise Sarah Wagenknecht für den jungen Marx wieder auf.

7. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,193. Über Sahra Wagenknechts Magisterarbeit kann man ungefähr das gleiche sagen was Marx 1846 über Proudhons Schrift „Die Philosophie des Elends“  sagte: „…das ist Hegelsches abgedroschenes Zeug…“ (Karl Marx, Brief an Pawel Wassiljewitsch Annenkow in Paris vom 28. Dezember 1846, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,689), oder was Lenin über Lassalles Buch „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“ schrieb: „…ein Wiederkäuen Hegels.“ (Lenin, Zur Kritik des Lassalleschen Buches „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“, in: Lenin, Aus dem philosophischen Nachlass, Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,267). Ein Wiederkäuen Hegels allemal, denn die Magisterarbeit leidet formal an einem mangelhaften Maßgefühl, die Interpretationen Hegels nehmen proportional betrachtet einen übergroßen Platz ein, auf den Seiten 45 bis 65 wird eine thematisch nicht unbedingt erforderliche Interpretation fast der gesamten Phänomenologie des Geistes wiedergekäut ohne einen einzigen Marxbezug, der bei der Themenstellung zwingend erforderlich  gewesen wäre, die Kernthematik ( cirka 20 Seiten in den blauen Bänden) wird am Ende auf den letzten cirka 25 von 194 Seiten abgehandelt !!

8. Karl Marx, Das Kapital, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1984,27

9. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag, 1997,11

10. a.a.O.,46. Die Frage drängt sich förmlich auf, wie das an der Universität Ütrecht passieren konnte ? Der Versuch, die von Marx 1844 ermordete Mutter, die idealistische Hegelsche Dialektik, 1997 in einer Magisterarbeit zu reanimieren, ist gründlich fehlgeschlagen.

11. Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Dietz Verlag Berlin,1975,292. Die Hegelsche Philosophie ist in den Sowjetenzyklopädien der Stalinzeit zu Recht als aristokratische Reaktion auf die bürgerliche Revolution in Frankreich eingeschätzt worden, diese Einschätzung bezog sich auf System und Methode gleichermaßen, denn die politische Konsequenz der idealistischen Methode Hegels war ja die konstitutionelle preußische Monarchie der Rechtsphilosophie.

12. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Lenin. Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,202. Wird primär das Trennende zwischen Idealismus und Materialismus konsequent als essentiell betont, so ist das Verhältnis zwischen den beiden Grundrichtungen der Philosophie sekundär doch komplexer, denn aus der immanenten Entstehung des Unterschieds hat der Materialismus im Idealismus SEIN Anderes wie umgekehrt der Idealismus SEIN Anderes im Materialismus hat. Die Polarität der Grundrichungen der Philosophie spiegelt nur den Kampf zwischen progressiven und rückständigen Klassen wider. In der vernichtenden Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie geht Lenin auf Hegels Hauptgedanken ein, warum der Materialismus keine Philosopie sein kann: die Philosophie habe es mit dem Allgemeinen zu tun, das nur im Denken erfasst werden kann. Unter der Hand falle Hegel mit dieser Darlegung in den von ihm stets kritisierten subjektiven Idealismus zurück. Der absolute Idealismus „…ist im Zickzack (und durch einen Purzelbaum) ganz dicht an den Materialismus herangekommen, hat sich teilweise sogar in ihn verwandelt…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin, 1958,214f.). Allerdings kann man nicht mit einem Purzelbaun und auch nicht im Zickzack die idealistische dialektische Methode Hegels in den Materialismus hineinbringen.

13. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Einleitung, Felix Meiner Verlag Hamburg 1980,57

14. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage, Frankfurt am Main 2011. Das sogenannte Wirtschaftswunder als Werk Gottes ? Streng genommen ist der Titel des Buches nicht wissenschaftlich, denn das Proletariat als die einzige Klasse, die durch ihre Diktatur den Kapitalismus bezwingen kann, gebraucht diese nicht im Interesse der Freiheit, sondern zur Niederhaltung seiner Klassenfeinde. (Siehe: Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960,453).

15.a.a.O., 345

16. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,68

17. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,345

18. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,69. Zwar schreiben Marx und Engels im Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe des Manifests von 1872, dass die in ihm vorgeschlagenen revolutionären Maßregeln zwischenzeitlich „stellenweise veraltet“ (Karl Marx, Friedrich Engels, Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe von 1872, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest  der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,12), also durchaus modifizierbar seien, aber werden sie zum Schutze einer Ausbeutergesellschaft entwertet, wird natürlich etwas ganz anderes manifest.

19.a.a.O.

20. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,12

21. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2 Dietz Verlag Berlin, 1982,411

22. a.a.O.,418

23. Vergleiche Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,372. Entgegen der idealistischen Glorifizierung des Denkens in der klassischen deutschen Philosophie, auch der fichteschen und schillerschen Denkfreiheit, in der der Vernunftoptimismus der Aufklärung nachschwingt, ist eine weitgehend unbekannte  Eigenschaft des menschlichen Denkens zu ergründen, die zu töten. Die Schwierigkeit kommt durch das Denken, weil es als Denken die Weltbewegung, in eins die Weltgeschichte als ihre eigene Dialektik, als dialektische stets flüssige Kontinuität unterbrechen muß. Denken unterbricht nach Lenin nicht nur das Prozeßhafte, sondern versimpelt, vergröbert, zerstückelt, tötet das Lebendige. „Die Abbildung der Bewegung durch das Denken ist immer eine Vergröberung, eine Ertötung…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, Dietz Verlag Berlin, 1958,195). Ja Dialektisches ist ständig Selbstzerstörerisches an ihm selbst.  (a.a.O.,240). Stagnation ergibt sich aus Verstandesfixierungen wie die formale Logik oder die Mathematik. Dialektik selbst als Prinzip aufgefasst, so ist ihre  Negativität als Quelle der Selbstbewegung nur in ihrer Immanenz. Als kritische Methode geht sie in radikaler Negativität auf Zerstörung des Kapitalismus, der eine zutiefst dynamisch flüssige aber eben damit auch überflüssige Gesellschaftsformation darstellt, diese Negativität des Marxismus ist für ihn selbst selbstzerstörerisch, denn im Kommunismus erlischt sein revolutionäres Potential und die Negativität greift auf ihn selbst über. In der Tat sind antike Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus nur verschwindende Momente des dialektischen Weltprozesses.  Denn alles was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht. Engels sieht in der sich erschöpfenden Sonnenwärme das Todesurteil der Erde: „…verfolgt nur noch eine kalte, tote Kugel ihren einsamen Weg durch den Weltraum.“ (Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in. Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,369). Die von Descartes erkannte unveränderliche Quantität der in der Welt vorhandenen, an Materie gebundenen  Bewegung aber garantiert das Aufkommen bzw. Reproduzieren neuer Sonnensysteme, mit Leben und damit wahrscheinlich auch mit neuen kommunistischen VERSUCHEN. Denn der Kommunismus ist nicht zugesichert. „…denn es ist keinem Sozialisten je eingefallen, „zuzusichern“, daß die höhere Phase der Entwicklung des Kommunismus eintreten wird…“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,483f.). Soviel nur zur angeblich teleogischen Geschichtstheorie von Marx. Lenin gab uns im Empiriokritizismus den wertvollen Hinweis, daß die Verfälschung des Marxismus immer raffinierter wird. „Eine immer raffiniertere Verfälschung des Marxismus, immer raffiniertere Versuche, antimaterialistische Lehren als Marxismus auszugeben – das kennzeichnet den modernen Revisionismus sowohl in der politischen Ökonomie als auch in den Fragen der Taktik und in der Philosophie überhaupt, in der Erkennnistheorie ebenso wie in der Soziologie.“ (Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Werke Band 14, Dietz Verlag Berlin,1962,334). Es ist bedauerlich, daß den Professoris in Utrecht in ihrem akademischen Getto dieser Hinweis unbekannt zu sein scheint.

Polizistin erschießt Christy Schwundeck im Jobcenter Frankfurt Gallus Über die Notwehr

21. Mai 2011

Am 19. Mai 2011 hat eine Polizeibeamtin im Frankfurter Jobcenter  Christy Schwundeck ermordet, die Hartz IV beantragt hatte, der aber das Geld verweigert wurde. Alle „Sachkenner“ sprechen von einer eindeutigen Notwehrsituation, aus der heraus die Polizistin geschossen habe.  Aus dem recht eintönigen Puzzle der Artikel der bürgerlichen Presse ergibt sich natürlich keine Klarheit über die Tatzusammenhänge und die ganze Dürftigkeit dieser Journaille bestätigt nur das Wort von Karl Marx vom  polizeigefärbten Bourgeoisverstand, alle wollen in diesem Fall Polizist und Polizistin spielen….und laufen in die Irre. 1. Keine der bürgerlichen Zeitungen hielt es für erwähnenswert, dass Christy im Sitzen erschossen wurde.

In seiner Rechtsphilosophie gelangt Hegel in der  Analyse der bürgerlichen Gesellschaft zu der Einsicht, daß bei allem Reichtum, den die bürgerliche Gesellschaft produziert, diese bürgerliche Gesellschaft nicht reich genug ist, die Armut des Pöbels zu steuern. Und Marx charakterisiert nach der Analyse der Pariser Kommune den bürgerlichen Staat als das nationale Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit.

Es ist ausgemacht in der bürgerlichen Theorie des Gesellschaftsvertrages, daß die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft vertraglich übereinkommen zwecks Sicherung ihrer Existenz, ihres Glücks und ihres Wohlstandes. Ist eine Gesellschaft nicht in der Lage, die Existenz ihrer Mitglieder zu sichern, so ist der ganze Vertrag hinfällig und die Menschen befinden sich wieder im Naturzustand, leben in einer Art Kriegszustand und in einer beständigen Ausnahme-, in einer beständigen Notwehrsituation. In dieser befand sich also die deutsch nigerianische Kollegin Christy, der man im Jobcenter kein Geld zum nackten Überleben geben wollte. Sie hatte am 10. Mai einen Antrag auf Hartz IV gestellt und am 19. (!!) Mai immer noch kein Geld erhalten. 2. Sie wurde also von dem faulen Beamtenpack vor den brutalen Widerspruch gestellt: entweder Hungers zu sterben oder die Kriegserklärung der kapitalistischen Gesellschaft ihr gegenüber anzunehmen. Es spricht für sie, dass sie das letztere tat. Sie befand sich also dem Bullen gegenüber völlig IM RECHT, ihm nicht den Personalausweis zu zeigen, den ein Mensch im Naturzustand nicht hat, sondern den von der Kapitalistenklasse ihr gegenüber selbst erklärten Krieg, der ein Krieg  gegen alle  Werktätigen ist, mit dem Messer zu beantworten. Ist es nicht heldenhaft, gegen die doppelte Überzahl schwer bewaffneter Klassenfeinde sein Menschenrecht auf Existenz zu behaupten ? Ihr Pech bestand nur darin, schlechter ausgerüstet gewesen zu sein, keine Heckler & Koch P 30 besessen zu haben wie  die klassenfeindliche Kapitalmacht. Wenn der Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel schon heute verkündet, daß alles im Moment nach Notwehr aussieht 3.,  so hat er völlig recht, eine solche lag eindeutig vor, aber auf Seiten der arbeitslosen Kollegin Christy.

Es war der große jakobinische Revolutionär Jean Paul Marat, der mehrmals in seinen Schriften ausführte, dass ein Mensch, der um seine nackte Existenz kämpft, keinen Diebstahl begehen kann, denn die Existenzmittel stehen ihm in seiner Eigenschaft als Mensch zu. Es ist übrigens dies Gedankengut des achtzehnten (!) Jahrhunderts. Und gerade diese Existenzmittel verweigerten die Kannibalen vom Jobcenter im Jahre 2011, deren ganze Verwaltungs“kunst“ darin besteht, Menschen wie Dreck zu behandeln, sie des Hungertods preiszugeben.

Es kann kein Mitleid, kein Verständnis für die Mordwerkzeuge des Kapitals gegen die Arbeit geben, mit diesen sittlich verwahrlosten Klassenverrätern in Uniform. Um der Mörderin in Polizeiuniform Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, müssen wir sie der bürgerlichen Klassenjustiz entreißen, die natürlich ihre eigenen Kriegswerkzeuge hegt und pflegt, und sie vor ein Revolutionstribunal stellen. Dabei dürfen wir aber keineswegs übersehen, daß diese Oberkommissarin nur ein kleines Rädchen in der klassenmäßigen Kriegsmaschinerie des Kapitals ist. Die Ermordung der Hartz IV Kollegin in einem Großraumbüro in Frankfurt geht letztendlich auf das Konto von Gerhard Schröder und auf das von Angela Merkel, die sich ja ohnehin freut, wenn ein Mensch ermordet wird. So wörtlich „Ich freue mich“ anläßlich der Ermordung Osama Bin Ladens, der als Soldat fiel. Selbst die Nazipropaganda hat niemals geäußert, dass sich die Deutschen über den Tod feindlicher Soldaten freuen sollten. Diese Äußerung allein zeigt schon die ganze sittliche Verwahrlosung der „First Lady“ einer Republik an, die in Wirklichkeit eine perverse faschistoide Diktatur ist.

Der 25 jährige Karl Marx schrieb 1843, dass es eine Klasse in der bürgerlichen Gesellschaft gibt, der das Bürgertum kein besonderes Unrecht zufügt, sondern das Unrecht schlechthin. Es liegt in der arbeitenden Klasse ein völliger Verlust des Menschen vor. 4. Die Ereignisse in Frankfurt, der Stadt der Ackermänner, aus der eine dicke Pestwolke aufsteigt und sich lähmend über die ganze „Republik“ legt (die in Wirklichkeit eine Monarchie der Ackermänner ist 5.) bestätigen die Aktualität dieser Gedanken. Die bürgerliche Gesellschaft verurteilt in der Tat die große Mehrheit zum völligen Verlust ihres Menschseins und es ist die Aufgabe einer proletarischen Revolution, dieses Menschsein völlig wiederzugewinnen. Gerade die ermordete Kollegin Christy steht dafür, nicht die Bullen als Repräsentanten eines menschenverachtenden Ausbeutungssystems.

1. Die Polizeibeamtin handelte „offenbar in Notwehr“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.10.2011), habe ersten Ermittlungen zufolge „klar in Notwehr gehandelt“ (taz vom 20. Mai 2011), kritik- und kommentarlos (!), „Die junge Oberkommissarin mußte gerade in Notwehr eine Frau erschießen !“ (BILD vom 20. Mai 2011).

2. Das hessische Landeskriminalamt hat seine fürwahr lächerlichen Ermittlungen aufgenommen, ob „seine“ Beamtin in Notwehr gehandelt habe, vor allem sollte das hessische Sozialamt untersuchen, warum das Hartz IV Geld nach neun (!!) Tagen immer noch nicht kontoverbucht war ? Das ist für die Arbeiterklasse eine ebenfalls sehr  wichtige Frage. Und überhaupt sollte man der hessischen Polizei sehr genau auf die Finger schauen, es geht um Leben und Tod bei ihr. Vom August 2006 bis Juli 2010 sind fünf Menschen bei ihren Einsätzen von ihrem Abziehfinger erschossen worden, darunter eine 55 jährige Frau ( !) und ein 28 jähriger im Hof eines Krankenhauses (!). Siehe: Frankfurter Rundschau vom 20. Mai 2011 Rhein Main, Seite D6

3. „Polizistin schoss, um ihren Kollegen zu schützen.“ BILD vom 20. Mai 2011, Seite 10

4.  Karl Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie/ Einleitung. Marx Engels Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957,390

5. Im Imperialismus verfällt die traditonelle bürgerlich liberale parlamentarische Tradition immer mehr der politischen Reaktion. Lenin zitiert in seinem Fundamentalwerk: „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ Lysis, der in seinem Buch „Gegen die Finanzoligarchie in Frankreich“ (1908 in fünfter Auflage erschienen) bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zur richtigen Erkenntnis gelangte: „Die französische Republik ist eine Finanzmonarchie, die volle Herrschaft der Finanzoligarchie; sie herrscht unumschränkt über Presse und Regierung“. (Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,238). Und dieser Wesenszug des Imperialismus liegt zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch viel deutlicher vor. Die Bullen, Beamte der „Republik“, Bundeswehr, die Regierung, Staatsanwaltschaften …usw., sie alle verrichten heute niedrigste Helotendienste bis hin zur Tötung einer Frau für die Deutsche Bank. Und die heutige sogenannte „kritische Intelligenz ?“ Ich erwähnte in der ersten Anmerkung, daß auch die taz kritik- und kommentarlos von einer nach ersten Ermittlungen klaren Notwehrsituation der Staatsbeamtin sprach. Ich möchte die taz Redakteure an Karl Jaspers erinnern, fürwahr kein proletarischer Ideologe, der nicht Karl Marx und Friedrich Engels sondern Friedrich Nietzsche  und Sören Kierkegaard für die größten Denker hielt (was natürlich haarsträubend ist, aber auch ein Quentchen Wahrheit enthält, denn man darf Marx und Engels nicht primär als Denker begreifen, sie waren vor allem Revolutionäre). Der bürgerliche Ideologe Karl Jaspers schrieb 1960 über die Bundesrepublik Worte, denen man nicht nur  zustimmen muß, sondern die auch heute noch von höchster Aktualität sind: „Die Demokratie schien die Freiheit zu versprechen, machte aber…den Einzelnen unfreier als je. Der Staat selber, noch im Scheine überkommener Rechtsstaatlichkeit, wurde zum Betrüger nach innen und außen.“ (Karl Jaspers, Wo stehen wir heute ?, in: Wo stehen wir heute ? (Aufsatzsammlung), Bertelsmann Verlag Gütersloh 1960,33f.). Dahin ist es gekommen, dass man heute ein halbes Jahrhundert zurückgehen muß, um noch staatskritische Äußerungen der bürgerlichen Intelligenz zu finden.

21. Mai 2011

Über den revolutionären September

28. September 2010

TEIL I

Alle großen Revolutionen in der Geschichte der Menschheit, die sie historisch einen gewaltigen Schritt nach vorne gebracht haben, sind nicht ohne Terror von unten, ohne revolutionäre Volksjustiz ausgekommen.Über die große französische Revolution schrieb Lenin: „Die Jakobiner von 1793 waren die Vertreter der revolutionären Klasse des 18. Jahrhunderts, der armen Bevölkerungsschichten in Stadt und Land. Gegen diese Klassen, die in der Tat (nicht nur in Worten) mit ihrem Monarchen, ihren Gursherren und gemäßigte Bourgeois bei Anwendung der revolutionären Mittel bis zur Guillotine abgerechnet hatte, gegen diese wahrhaftig revolutionäre Klasse des 18. Jahrhunderts zogen die verbündeten Monarchen Europas in den Krieg.“ 1. Bereits im September 1792 erreichte die Revolution in den sogenannten Septemberwirren den Höhepunkt der ersten Schreckenszeit. Am 2. September begannen die konterrevolutionären Truppen der auswärtigen monarchistischen Koalition unter dem Herzog von Braunschweig die Belagerung von Verdun, das die letzte Festung vor Paris war. In Paris erfolgten rasche Truppenaushebungen und Marat warnte, daß der Vormarsch der auswärtigen Reaktion auch die Konterrevolution in Paris zu einem Aufstand ermuntern könnte, denn noch immer beherbergte die Stadt in ihren Mauern perversen mittelalterlichen Abschaum. Bereits am Nachmittag des 2. September 1792 wurden im Gefängnis Abbaye eidverweigernde Priester getötet. Bewaffnete Pariser Massen stürmten die Gefängnisse und überwältigten die Wächter. Ein Kommissar der Pariser Kommune erklärte: “ Indem das Volk seine Rache ausübte, hat es auch Recht gesprochen.“ 2. In dieser Phase kam es durch die revolutionäre Schöpferkraft der Pariser Volksmassen zur Herausbildung von oft in den Gefängnissen selbst tagenden und nächtigenden Volksgerichten, die unter anderem den Erzbischof von Arles, den Bischof von Mende, Castellane, den Herzog La Rochefoucauld und die Prinzessin Lamballe zum Tode verurteilten. Letzterem Flittchen wurde die Chance gegeben, durch Nachsprechen des Eides, daß sie die Freiheit und Gleichheit liebe und das Königtum hasse, freigesprochen zu werden, sie aber antwortete: „Den ersten Eid kann ich nicht leisten, den zweiten nicht, weil er nicht in meinem Herzen ist.“ 3. Dem Richter Hébert blieb keine andere Wahl, als das Todesurteil zu sprechen. Auch in den Provinzen Frankreichs tagten Volksgerichte, der französische Historiker und Revolutionsspezialist der 89er, Albert Soboul, hat 1100 Todesurteile ermittelt. Hier überrascht wieder die geringe Zahl im Vergleich zu den unbekannten Soldaten, die in dynastischen Kriegen brutal und anteilnahmslos von der Obrigkeit  geopfert wurden, nur um die Frage zu entscheiden, welcher monarchistische Räuber dieses oder jenes Stück Land Europas zugesprochen bekommen sollte. Ein revolutionärer Aufschwung des Volkes gegen seine Feinde kommt der Menschheit allemal billiger zu stehen als das Aufeinanderprallen der Kriegsmaschinerien, wahren Kriegsungeheuern.

Darauf wies uns auch Robespierre hin: „Bis wie lange noch wird man die Wut der Despoten Gerechtigkeit, und die Gerechtigkeit des Volkes Barbarei oder Empörung nennen ?“ 4. Aktualisiert könnte man sagen: wie zärtlich die Bundesregierung doch zu den Managern der Real Estate Bank ist (Gehälter und Boni aus Steuergeldern bis über 500 000 € im Jahr) und wie unerbittlich sie gegen die Hartz IV Empfänger ist (5 € im Monat, 60 im Jahr). Über 500 000 € und 5 € sind im Kapitalismus eine völlig natürliche Sache, wie schon Friedrich Engels schrieb: hat die herrschende Klasse es nie verfehlt: „…ihre Herrschaft auf Kosten der arbeitenden Klasse zu befestigen und die gesellschaftliche Leitung umzuwandeln in gesteigerte Ausbeutung der Massen.“ 5.

Auch im deutschen Volk schlummert ein ungeheures Potential an revolutionärer Schöpferkraft und die Volksfeinde, Konterrevolutionäre, Sozialdemokraten, die das menschenverachtende Hartz IV erfunden haben, sollen sich keinen Illusionen hingeben: auch die Gefängnisse werden eines Tages für sie kein sicherer Ort mehr sein. Die Reaktionäre mögen die allerdemokratischten bürgerlichen Republiken mit den allerdemokratischten Wörtern ausschmücken, die Arbeiterklasse weiß zwei elementare Sachen ganz genau: „…daß die „besondre Repressionsgewalt“ der Bourgeoisie gegen das Proletariat, einer Handvoll reicher Leute gegen die Millionen der Werktätigen abgelöst werden muß durch eine „besondre Repressionsgewalt“ des Proletariats gegen die Bourgeosie (die Diktatur des Proletariats).“ 6.Und dass eben die Aufgabe des Proletariats in der „völligen Vernichtung“ 7. der Bourgeoisie besteht.

Ein revolutionäres Volksgericht muß streng parteiisch vorgehen nach der Richtschnur: die Kleinen und Schwachen  schützen, aber hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen  sein. Wir werden die Massen nicht mit abstrakten Phrasen von „Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gesetz“ betrügen, wie es die bürgerliche Justiz fortlaufend tut…und die Reichen und Mächtigen schützt, mit denen sie durch tausend Fäden verknüpft ist, und die daher hart und grausam gegen die Kleinen und Schwachen ist. Marat entlarvte schon 1777 in seinem Plan einer Criminalgesetzgebung  die abstrakte Gleichheit  der Strafe und betonte die Notwendigkeit einer Berücksichtigung der sozialen Umstände bei der Strafzumessung. Die bürgerliche Justiz ist heute ein Werkzeug der kapitalistischen Ausbeuter, ihre Kunst besteht darin, die Armen auszupressen. Bebel pflegte zu sagen, die Juristen seien durch und durch reaktionäre Leute. 8. Lenin gab uns bezüglich der Todesstrafe den richtigen Fingerzeig: „Ich hatte bereits Gelegenheit, in der bolschewistischen Presse darauf hinzuweisen, daß als triftiges Argument gegen die Todesstrafe nur gelten kann, daß sie von den Ausbeutern im Interesse der Erhaltung  der Ausbeutung gegen die Massen der Werktätigen angewandt wird. Ohne die Todesstrafe gegen  die Ausbeuter (d.h. die Gutsbesitzer und Kapitalisten) wird eine wie immer geartete revolutionäre Regierung wohl kaum auskommen können.“ 9.

TEIL II

Im Schwarzen September 1970 hatte die jordanische Armee unter dem von herrschenden imperialistischen Kreisen der BRD unterstützten König Hussein über 20 000 Palästinenser massakriert, was zur Vorgeschichte des Schwarzen Septembers in München 1972 unbedingt dazu gehört: durch Geiselnahme von israelischen Sportlern sollte die Freilassung von palästinensischen Gefangenen durchgesetzt werden. 10. Über diese Aktion schrieb damals Ulrike Meinhof: „Sie hat einen Mut und eine Kraft dokumentiert, die die Revolutionäre nur aus ihrer Verbundenheit mit dem palästinensischen Volk haben können, ein Klassenbewußtsein, das sich seiner historischen Mission, Avantgarde zu sein, klar bewußt ist – eine Menschlichkeit, die vom Bewußtsein bestimmt ist, gegen dasjenige Herrschaftssystem zu kämpfen, das als das historisch letzte System von Klassenherrschaft gleichzeitig das blutrünstigste und abgefeimteste ist, das es je gab: gegen den seinem Wesen und seiner Tendenz nach durch und durch faschistischen Imperialismus – in welcher Charaktermaske auch immer er sich selbst am besten repräsentiert findet…“ 11. Aus der Sicht der Palästinenser war die BRD der Hauptverbündete Israels durch das ungeheure Wiedergutmachungskapital, die BRD galt als Hauptfinanzier der gegen die arabischen Völker gerichteten imperialistischen Kriege und der Mossad als eine Mörderorganisation, Ulrike Meinhof spricht von „Israels Nazi Faschismus“ 12. und bezeichnet Moshe Dayan als den „Himmler Israels“ 13.

Der „Schwarze September“ bleibt im Gedächtnis des anti-imperialistischen Kampfes unvergessen, denn er hat das faschistische Potential der deutschen Imperialisten bloßgelegt, statt Gefangene freizulassen ein Massaker zu verüben, vor diesem „Szenario“ ist es eher unwahrscheinlich, dass sich die Gefangenen der RAF in Stuttgart Stammheim selbst hingerichtet haben.

Wenn es heute einen Binsenweisheit überhaupt gibt, so ist es die, dass der Imperialismus buchstäblich über Leichen geht und eine kriminelle Schwerstenergie entwickelt hat, vor der alle früheren Epochen der Menschheit sich wie bigotte Nonnenklöster ausnehmen.

1. W.I. Lenin, Über Volksfeinde, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin 1960,45

2.Albert Soboul, Die Große Französische Revolution, athenäum Verlag 1988,230

3.Octave Aubry: Die Französische Revolution, Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach Zürich,483

4. Maximilien Robespierre, Über die Prinzipien der politischen Moral, in: Reden der französischen Revolution, dtv Text bibliothek, München 1974,349

5. Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,449

6.Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1060,409

7.a.a.O.,425

8. Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Lenin Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin 1959, 272. Besonders aufschlußreich für dieses Thema das Kapitel: Kann es eine Gleichheit zwischen dem Ausgebeuteten und dem Ausbeuter geben ?

9. W.I. Lenin, Die drohende Katastrophe und wie man sie bekämpfen soll, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin 1960,351

10. Der Geiselnahme in München war bereits am 8. Februar 1972 ein Bombenanschlag bei der Firma Strüve in Hamburg, die Kriegselektronik nach Israel lieferte,  und ein Bombenanschlag  auf eine Ölpipeline in der Nähe  Hamburgs vorausgegangen.

11. Die Aktion des Schwarzen September in München, Zur Strategie des anti-imperialistischen Kampfes November 1972, in: Rote Armee Fraktion , Texte und Materialien zur Geschichte der RAF, ID Verlag Berlin, 1. Auflage 1997,177

12.a.a.O.,159

13.a.a.O.,173

„So wie ein Automat sich selbst erhalten kann“

10. Juli 2010

ZUR DIALEKTISCHEN KRITIK EINES MECHANISCHEN GESELLSCHAFTSMODELLS

„Die Anschauung, welche unter der Herrschaft des Privateigentums und des Geldes von der Natur gewonnen wird, ist die wirkliche Verachtung, die praktische Herabwürdigung der Natur. In diesem Sinn erklärt es Thomas Müntzer für unerträglich, „…daß alle Kreatur zum Eigentum gemacht worden sei, die Fische im Wasser, die Vögel in der Luft, das Gewächs auf Erden.“ 1.

Die fundamentale Arbeitsteilung zwischen Geistes- und Naturwissenschaft wollte Kant durch eine mathematische Grundlegung der Metaphysik überwinden. Gelänge dieses Konzept, reduzierte sich Geisteswissenschaft auf ein naturwissenschaftliches zu betreibendes Studium eines Automaten: „…bis endlich einmal, teils durch die bestmögliche Anordnung der bürgerlichen Verfassung innerlich, teils durch eine gemeinschaftliche Verabredung und Gesetzgebung äußerlich, ein Zustand errichtet wird, der einem bürgerlichen gemeinen Wesen ähnlich, so wie ein Automat sich selbst erhalten kann.“ 2. Fatalerweise hält Kant aber in ihm einen Herr-Knecht-Automatismus bei, jenseits dessen Freiheit ihren Ort hätte. Es gibt ihn nicht auf dieser Erde, weil Kant den Ewigen Frieden in der Weise eines Rechtsmathematikers durch die Kugelgestalt der Erde erzwingen will. Durch die Kugelgestalt der Erde muß der Krieg die Menschen eines Tages friedensgesinnt zusammenführen, während die unendliche Fläche immer wieder die Gelegenheit zu einem weiteren Anlauf zum Kriege gäbe. Schon Heraklit wußte: Der Krieg führt die Menschen zusammen. Und die Kugelgestalt läßt letztendlich nur die Friedensoption offen.

In der Tat saugen die Naturwissenschaften bei ihrer völligen Quantifizierung der Natur beständig an den Mutterbrüsten der Mathematik. Mathematisierung der Natur geht einher mit ihrer Entqualifizierung. Während kleinbürgerliche Intellektuelle  heute zärtlich zur Natur, zur Pflanze und zum Baum sich verhalten, ist die kreativste Potenz der Natur, der tätige Arbeiter, durch die technische Revolution reduziert auf  „…ein bloßes Zubehör der Maschine…“ 3.

Bereits Descartes überlegte sich das Tier als Maschine. Der Lebensakt der Materie war für ihn die mechanische Bewegung. 4. Dieser cartesianische Ansatz, dem die strikte Trennung von Leib und Seele zugrunde liegt, bricht mit dem Materiebegriff der aristotelischen Tradition, in dem eidos (forma) einen bestimmenden Einfluß auf hyle (materia) hatte. Descartes glaubte bei der Erklärung der Funktionszusammenhänge der Materie ohne Mitwirkung einer qualitas occulta (sprich: Seele) auszukommen. „Descartes erfand ein technomorphes Modell des Organismus, indem er die Befunde der Astronomen, der Feuerwerker. der Uhrmacher, der Konstrukteure optischer Geräte und mechanisch arbeitender Automaten zum Aufbau einer neuen Biotechnik verwertete.“ 5. Der ideale Arzt ist ein Maschinenbauer. Die Ablehnung  metaphysischer Spekulation durch die Aufklärung hat den Menschen vollends auf eine Maschine reduziert. Der französische Atheist und Arzt La Mettrie, der seine Kritik der Religion folgerichtig in eine der philosophischen Spekulation ausweitete, sah als überzeugter Naturwissenschaftler im Menschen eine senkrecht kriechende Maschine. Die Grenzen zwischen Mensch Tier Pflanze Maschine geraten bei La Mettrie provokativ durcheinander.   (Diese Auffassungen waren zu ihrer Zeit progressiv und hatten eine große geschichtliche Berechtigung, La Mattrie zog aus der Leugnung der Unsterblichkeit der Seele direkt atheistische Konsequenzen und seine Auffassungen passierten am preußischen Hofe Friedrichs II. gerade noch als Narretei). Mit der Entsetzung des Arbeiters vom Produktionsprozess, mit der Verdrängung des Zubehörs durch seine Maschine ist die Quantifizierung der Natur scheinbar zu einem unausbleiblichen Resultat gekommen, die bürgerliche Gesellschaft von Robotern wäre dieser Automat, der sich selbst erhalten kann.

Die über die Mehrwertproduktion ihrer Sklaven verfügenden Klassen haben immer aus Gründen der Herrschaftsabsicherung alles getan, dass die immer mehr zunehmende Quantität der Enteignung und Entfremdung nicht in die Qualität eines Sklavenaufstandes umschlägt. Die heutigen Medien sind massenmanipulativ insbesondere darin, dass sie versuchen, die sklavische Konstellation von Lohnarbeit und Kapital als anthroplogisch  konstante  in die Köpfe der Lohnsklaven einzuhämmern. (Schon der Gedanke, dass es eine Geschichte der Sklaverei gibt, kann subversiv sein, die Kapitalisten mögen keine Arbeiter/innen, die sich mit der Geschichte ihrer Bewegung befassen). Das Kapital schafft sich die Welt nach seinem Bilde, ja nach seiner Bildung:  Der Entdialektisierung der Natur korrespondiert die Enthistorisierung der Geschichte. Aus dieser wechselseitigen reduktiven Ergänzung bildet sich die bürgerliche Ideologie,  „bildet“ hier sogar in doppelsinniger Bedeutung: bürgerliche Bildung reduziert sich auf  arbeitsteilige wissenschaftsdisziplinäre Anhäufung von Fakten, ohne deren inneren Zusammenhang vermitteln zu können, schon ganz zu schweigen von dem inneren Zusammenhang zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaften.

Unlösbar innerhalb des Rahmens der bürgerlichen Gesellschaft ist die zunehmende Kollektivierung durch den kapitalistischen Produktionsprozess und die ideologische Propaganda der Individualität des Menschenrechts, alle gesellschaftlichen Alternativen zum Kapitalismus werden diskussionsmäßig zugelassen als Varianten einer auf dem individuellen Menschenrecht basierenden Gesellschaftmodelle außer der kommunistisch-kollektiven, bei der Zuspitzung des Klassenkampfes, in der dieser Widerspruch zur kollektivistischen Lösung pocht, wird über den Ausnahmezustand die KP verboten. Denn in der Tat ist es der Alptraum des Geldsackes, im Kollektiv unter gleichem Arbeitszwang zu stehen. Individuelle Lösungen des Konflikts werden zugelassen in der Anarchie der Produktion.( Der Anarchist Max Stirner verfasste das Werk: „Der Einzige und sein Eigentum“, was  eine schöne Überschrift für die kapitalistsiche Gesellschaft abgibt und warum ihre Ideologen sie als freie postulieren) So sind zum Beispiel die Anarchisten für die ökonomische Gesellschaftsformation des Kapitalismus ungefährlich. „Die Weltanschauung der Anarchisten ist eine umgestülpte bürgerliche Weltanschauung. Ihre individualistischen Theorien und ihr individualistisches Ideal sind das gerade Gegenteil vom Sozialismus. Ihre Ansichten drücken nicht die Zukunft der bürgerlichen Gesellschaftsordnung aus, die unaufhaltsam zur Vergesellschaftung der Arbeit führt, sondern die Gegenwart, ja sogar die Vergangenheit dieser Ordnung, die Herrschaft des blinden Zufalls über den vereinzelten, alleinstehenden Kleinproduzenten.“ 6.

Die anfängliche Opposition gegen die Große Industrie, die in Diebstahlsverbrechen und  im Luddismus  bestand,  der in gewisser Weise eine Flucht nach vorn darstellte und in dem der Handelsartikel, die Ware Prolet konkurrierende Waren vernichtete, , hat sich konserviert in individuell anarchistischen  Protesten gegen die mathematisierte Natur- und Gesellschaftsmaschinerie, heute oft eine verweigernde Flucht, die statt in der bürgerlichen Metaphysik und Kunst mehr und mehr im Drogenrausch ihr Heil sucht. Die durch die alle Lebensbereiche umfassende kapitalistische Kalkulation am meisten Leidenden werfen im Rausch die Fessel der Mathematik kurzzeitig ab, um ihr sodann um so mehr zu erliegen. Indeß sind das Dyonisische als auch das Apollinische nur zwei Seiten des gleichen weltgeschichtlichen Horrors: die Aufklärung hatte ihre hellsten Köpfe guillotiniert: „…er ist also der kälteste, platteste Tod, ohne mehr Bedeutung als das Durchschlagen eines Kohlhauptes oder ein Schluck Wassers.“ 7. Die Emanzipation des aufgeklärten Subjekts fand in dieser Reduktion ihren Abschluß. In ihrer emanzipativen Wendung gegen die Metaphysik hatte die Aufklärung lediglich die Physik des Terrors hervorgebracht. „Diese seine Realität findet aber das absolutfreye Selbstbewußtsein ganz anders als ihr Begriff von ihr selbst war, daß nemlich der allgemeine Willen nur das positive Wesen der Persönlichkeit sei, und dieses in ihm sich nut positiv oder erhalten wisse.“ 8. Welche reaktionären Momente auch immer in Hegels Kritik der Aufklärung liegen, in äußerst scharfsichtiger Weise hat er sich gegen eine Dominanz der Mathematik in den Wissenschaften gewandt – der Dialektiker will gegen die sich durch das Zeitalter der Aufklärung drohend abzeichnende Eindimensionalität das Qualitative der menschlich natürlichen Beziehungen retten. „Ihr Zweck oder Begiff ist die Größe. Diß ist gerade das unwesentliche, begrifflose Verhältnis. Die Bewegung des Wissens geht daher auf der Oberfläche vor, berührt nicht die Sache selbst, nicht das Wesen oder den Begriff, und ist deßwegen kein Begreifen. Der Stoff, über den die Mathematik den erfreulichen Schatz von Wahrheiten gewährt, ist der Raum und das Eins.“ 9.

Buchstäblich hat die Computertechnologie im Verbund mit den Massenmedien den intellektuellen Tod der Völker eingeläutet. Dem vom Computer gesteuerten Arbeitsablauf folgt die mediale Infantilisierung zur eindimensionalen Weltauffassung. Der tätige Mensch soll selbst „das Eins“ werden, dessen Wissen nur noch an der Oberfläche fortgeht. Der Computer hat „…fixierte todte Sätze, bey jedem derselben kann aufgehört werden, der folgende fängt für sich von neuem an, ohne daß der erste sich selbst zum andern fortbewegte und ohne daß auf diese Weise ein nothwendiger Zusammenhang durch die Natur der Sache selbst entstünde.“ 10.

Solange der Computer eingeschaltet ist, ergibt sich ein Zusammenhang von Objektivität lediglich durch den Austausch seiner Daten, während die Individuen als isolierte vor dem Monitor sitzen. Am Abend verlangt dann der Quizmaster im Fernsehen von den Kandidaten „fixirte, todte Sätze“. Damit ergibt sich ein Verhältnis des Subjekts zur Objektivität, zur Veräußerung seiner Intellektualität, seines Lebens- und Weltzusammenhangs wie er typisch innerhalb warenproduzierender Gesellschaften ist. Das Zubehör der Maschine betet den Fetisch Ware an im Immanenzgitter einer wesensfremden Kommunikation, die über das Zubehör übergreift und seine periphere Lebensbestimmung theoretisch festschreibt. Der Kult des Individuums vervollständigt seine Daseinsweise als Registriernummer endgültig. Nicht mehr nachdenken soll der Arbeiter über den Zusammenhang seiner Klasse mit den Götzen Gott-Gold-Geld, zum Kapital, die Atomisierung in das Eins verhindert über die Zerstörung der Zusammenhangsreflexion den Zusammenhalt der Klasse, den die modernen Produktionsmittel faktisch herbeiführen. Die Zusammenkünfte unserer Medienzaren scheinen mir Wannseekonferenzen zu sein, auf denen die Endlösung der dialektischen Frage besprochen wird. Schon Marx hatte im Brief an Kugelmann vom 11. Juli 1868 darauf hingwiesen, dass das Problem der Werttheorie im Zusammenhang steht mit dem Interesse der herrschenden Klassen, die „Konfusion zu verewigen“ 11.

Dialektik, das Denken der Zusammenhänge in ihren gesetzmäßigen Abhängigkeiten, ist „….dem Bürgertum und seinen doktrinären Wortführern ein Greuel…“ 12. Wir sehen, wie sich der Kapitalismus auf die Spitze getrieben hat – und gerade auf dieser Spitze erfolgt der Umschlag. „Indem die kapitalistische Produktionsweise mehr und mehr auf die Verwandlung der großen, vergesellschafteten Produktionsmittel in Staatseigentum drängt, zeigt sie selbst den Weg an zur Vollziehung dieser Umwälzung. Das Proletariat ergreift die Staatsgewalt und verwandelt die Produktionsmittel zunächst in Staatseigentum. Aber damit hebt es sich selbst als Proletariat, damit hebt es alle Klassenunterschiede und Klassengegensätze auf, und damit auch den Staat als Staat.“ 13. Mit der Aufhebung des proletarischen Staates geht die Demathematisierung der Natur durch die revolutionäre Aufhebung der Ware-Geld-Beziehung als ihre Requalifizierung einher. Aber eigentümlicherweise führt diese Aufhebung nicht zum Ende der wissenschaftlichen Disziplin der Mathematik, die für jeden Produktionsprozess unentbehrlich ist, sondern zum Ende der  die Naturwissenschaften endlich vom ideologishen Schutt freilassenden Geistes- bzw. Staatswissenschaften, das was Marx und Engels in der Deutschen Ideologie die idealistische Superstruktur 14. nannten.

Auf die immer größer werdende Bedeutung der Naturwissenschaften hat Lenin in seiner Schrift: „Über den streitbaren Materialismus“ hingewiesen. Die wissenschaftliche Entfaltung der Arbeiterklasse wird heute gerade dadurch gehemmt, dass sich die Elemente der unproduktiven Klassen mit den sogenannten Staatswissenschaften verschwistert haben und die Ideologie der Versklavung der produktiven Klassen qua Staat und Staatswissenschaften produzieren. Die „Staatswissenschaftler“ beherrschen ähnlich wie im Mittelalter die Pfaffen die Gedanken der Menschen, so kommt es, dass nur wenige ebenfalls aus den unproduktiven Klassen stammenden Naturwissenschaftler eine ihrem fachwissenschaftlichen Kenntnisstand  adäquate Weltanschauung gewinnen: den atheistischen Marxismus. Die große Mehrzahl der Geistes- und Naturwissenschaftler in der bürgerlichen Gesellschaft ist schizophren auf Grund ihrer objektiven Klassenlage, vergessen wir nicht, dass von den Teilnehmern an der Wannseekonferenz zur Endlösung der Judenfrage außer dem Vorsitzenden Reinhard Heydrich alle Teilnehmer einen von einer deutschen Universität verliehenen Doktorgrad besaßen. Oder um einen anderes Beispiel zu nennen: ist etwa nicht wahr, dass die Arbeiter/innen im Krankheitsfall von Ärzt/inn/en behandelt werden, denen der Produktionsprozess völlig fremd ist ? Gegenüber den Ärzten seiner Zeit hatte schon Rousseau ein wohlbegründetes Mißtrauen. Eine sehr gute Darstellung des Verhältnisses Arzt Patient findet sich in Georg Büchners „Woyzek“. Stalin wies und kurz vor seinem Tod durch die Aufdeckung der Ärzteverschwörung auf die Gefährlichkeit dieser Akademiker hin, bekommt man in Arztpraxen mit, wie heute in der BRD arbeitende Menschen  von Ärzten behandelt werden, so muß man sagen, dass an der Wiege der BRD-Medizin SS Traditionen standen. (Zum Verhätnis von Theorie und Praxis ist ein epochemachendes Buch „Die Lage der arbeitenden Klassen in England“ von Friedrich Engels. Während Buchgelehrte sie nur als leidend erfassten, brach Engels aus den akademischen Ghetto aus und lebte monatelang selbst unter den Arbeiterfamilien in Manchester mit der Erkenntnis des emazipativen Gehalts, das in diesen Klassen schlummert). Diese Schizophrenie zwischen produktiven und unproduktiven Klassen würde zur Ausmerzung der Völker führen, wenn nicht die Arbeiterklasse qua objektiver Lage in der bürgerlichen Gesellschaft, genauer kraft ihrer ökonomischen Rolle in der Großproduktion,  gezwungen sein würde, die unproduktiven Kannibalen, die die Völker quälen und vergiften, lähmen und krankmachen mit Feuer und Schwert auszurotten. Es ist der Bürgerkrieg „…in seiner fürchterlichsten Gestalt, der Krieg  der Arbeit und des Capitals.“ 15.

Im historischen-dialektischen  Materialismus sind Existenz und Entwicklung der Gesellschaftswissenschaften an Existenz und Entwicklung von Klassengesellschaften und den ihnen immanenten entfremdeten Beziehungen unter den Menschen gebunden. Klassengesellschaften bedürfen Gesellschaftswissenschaften wie Gesellschaften ohne Klassen nur noch Naturwissenschaften. Wird bei zunehmender Kollektivierung der Produktion die revolutionäre Kampfpartei aufgehoben, so wissenschaftsgeschichtlich der Marxismus selbst als die letzte mögliche Gesellschaftswissenschaft in Klassengesellschaften. Mit dem proletarischen Staat stirbt der Marxismus ab. „Die Geschichte selbst ist ein wirklicher Teil der Naturgeschichte, des Werdens der Natur zum Menschen. Die Naturwissenschaft wird später ebensowohl die Wissenschaft von dem Menschen wie die Wissenschaft von dem Menschen die Naturwissenschaft unter sich subsumieren: es wird eine Wissenschaft sein.“ 16. Man muß diese letzten fünf Worte von Marx eigentlich mit großen Lettern schreiben. Eine merkwürdige „Verschwisterung“ zwischen Gesellschafts- und Naturwissenschaften finden wir dagegen im von Manfred Buhr und Georg Klaus 17. herausgegebenen Philosophischen Wörterbuch der DDR Stichwort Wissenschaft: „…daß die Verwandlung der Wissenschaft in eine unmittelbare Produktivkraft der sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft keine Angelegenheit der Naturwissenschaften allein ist, sondern im Zusammenwirken von Naturwissenschaft und Gesellschaftswissenschaft erfolgt.“ 18. Das Nebeneinander von Naturwissenschaft und Gesellschaftswissenschaft deutet auf eine Klassenspaltung in produktive und unproduktive Klassen hin, es kann im Kommunismus keine Gesellschaftswissenschaft geben, wie Marx sagt: ES WIRD EINE WISSENSCHAFT SEIN. Es ist die geschichtliche Natur und die natürliche Geschichte des Menschen in eins, was Bruno Bauer vor Marx und Engels in seinem Artikel „Charakteristik Ludwig Feuerbachs“ in „Wigand´s Vierteljahrschrift“ (1845) 19. und Buhr/Klaus nach den beiden spaltete. Der Kommunismus ist im übrigen keine Gesellschaft, in der alle Marxisten sind.

Die Kehrseite der Abweichung der Philosophen Manfred Buhr und Georg Klaus vom Marxismus stellt die These Lion Wagners dar, der Marxismus sei nicht autark genug, Aufstieg und Fall ökonomischer Gesellschaftsformationen zu erklären. 20. Und zwar versucht er aus dem Zerfall der Sowjetunion und der ihr angegliederten Staaten Kapital zu schlagen, als er die Monopolstellung des Marxismus bezüglich der Stichhaltigkeit gesellschaftswissenschaftlicher Analysen in Frage stellt durch die bizarre Darlegung, die Beurteilung der Qualität untergegangener Gesellschaftsordnungen sei auf Grund des höchsten Allgemeinheitsgrades der marxistischen Philosophie durch diese allein nicht möglich und müsse ergänzt werden durch die dialektisch-kybernetische Methode. 21. Als habe der wissenschaftliche Sozialismus gerade auf den Steuermann Lion Wagner gewartet, der uns aufklärt: Sozialismus gab es nie.

Ich kann mich hier nicht über das mehr als tausend mal erörterte Thema über das Verhältnis von Ökonomie und Philosophie im Marxismus  auslassen, angefangen beim jungen Marx 1844 in den Ökonomisch Philosophischen Manuskripten, in denen er den Philosophen bereits als eine Abstraktion des entfremdeten Menschen bezeichnete 22. , bis zum späten Engels im „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“, in dem die gesellschaftswissenschaftliche Bedeutung der Philosophie so ziemlich zusammengestutzt wird, die marxistische Philosophie ist gerade ein Spezialfall der Dialektik und Engels hat ihr konkrete Funktionen zugewiesen, sie hat gerade keinen hohen oder höchsten Allgemeinheitsgrad. Was soll das auch sein ? Höchster Allgemeinheitsgrad ? Als Gegenstand bleibt der Philosophie nur die formelle und dialektische Logik. Der Philosoph/die Philosophin/die Philosophie mit marxistischem Anspruch kann uns in diesen fundamentalen Fragen: Gab es Sozialismus ?, Warum kollabierte der Sowjetische Sozialismus ?, warum blieb die chinesische Kulturrevolution 23. weltgeschichtliche Episode ? nicht weiterhelfen, der Schlüsel zur Bantwortung dieser Fragen liegt in der Ökonomie. Im 18. Brumaire des Louis Bonaparte leitet Marx zum Beispiel die Militärdiktatur Napoleons III. aus einer ökonomischen Krise ab, keineswegs ergibt sie sich  primär  „…als Abschluß einer ganzen Reihe konterrevolutionärer Taten der herrschenden Bourgeoisie in den Jahren der Republik.“ 24.

Für Wagner hingegen ist das wissenschaftliche Instrumentarium des klassischen Marxismus nicht ausreichend, gesellschaftliche Prozesse in ihrem Austieg und Fall zu anaylsieren, er ergänzt die dialektisch materialistische Methode durch die systematisch kybernetische Methode, „…weil diese selbst zutiefst dialektisch materialistisch ist !“ (25.) Karl Marx sozusagen durch Norbert Wiener veredelt. Wenn er aber die objektive Realität als ein  „unendliches System von Systemen “ (26.) vorstellt, so fragt man sich, ob diese Methode wirklich dialektisch ist oder ob Wagner sie falsch angewendet hat, denn natürlich ist die objektive Realität kein unendliches System von Systemen, sondern wie Engels sie widergespiegelt hat: ein Komplex von Prozessen. Seit wann ist denn die objektive Realität für einen Marxisten ein unendliches System von Systemen ?  Es gibt ökonomische Formationen als System, wie hätte es denn geklungen, wenn August Bebel gesagt hätte: diesem unendlichen System von Systemen keinen Mann und keinen Groschen. Wagner begreift sich als einen Marxisten und kämpft für den gesellschaftlichen Fortschritt, seine Broschüre ist politischen Akteuren gewidmet, die im Kampf um gesellschaftlichen Fortschritt standen und stehen. Aber für gesellschaftlichen Fortschritt kämpfen viele, Marxisten kämpfen um mehr, sie müssen weiter gehen, sie kämpfen für die Diktatur des Proletariats. Und selbst wenn die objektive Realität ein System von Systemen wäre, wäre das nicht eine Aussage von höchstem Allgemeinheitsgrad ? Marx und Engels lehrten uns im Kommunistischen Manifest, dass die fortwährende Revolutionierung der Produktionsverhältnisse , also sämtlicher gesellschaftlichen Verhältnisse durch die Bourgeoisie die Menschen zwingt. „…ihre Lebensstellung,ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.“ 27.  Und sieht man die heutige objektive Realität mit nüchternen Augen an, so ist sie vor allem ein Komplex von Klassenkampfprozessen, in denen sich die drei dialektischen Grundgesetze wechselseitig durchdringen, es nützt nichts, die drei Gesetze auswendig zu lernen, sondern sie im Klassenkrieg zwischen Lohnarbeitern und Kapitalisten zu entdecken. Findet die Einheit und der Kampf  der Gegensätze Lohnarbeit und Kapital statt (die Einheit ist relativ, der Kampf ist absolut), so findet zugleich in diesem Prozess  durch den Kampf bedingt der Umschlag von Quantität in Qualität und die Negation der Negation statt. Selbst ein Mathematiker und Rationalist wie Leibniz, vom dem man eher Systemkonstruktionen erwartet, kam zu interessanten  dialektischen Anschauungen: „Und jeder Anteil der Materie kann als ein Garten voller Pflanzen und wie ein Teich voller Fische begriffen werden. Jeder Zweig der Pflanze, jedes Glied des Lebewesens, jeder Tropfen seiner Säfte ist jedoch wiederum ein solcher Garten und ein solcher Teich.“ 28. Auch stellt die Aussage von Wagner: „Ein Gesellschaftssystem kann nicht insgesamt, sondern nur in seinen entsprechend zerlegten Teilsystemen untersucht werden.“ (29.) keine kybernetisch-dialektische Weiterentwicklung des Marxismus dar, sondern zeigt nur, dass Wagner vor lauter Kybernetik einen fundamentalen Wesenszug des Marxismus übersieht: die Analyse der bürgerlichen Gesellschaft in ihrer Totalität. Fehlt leider ach ! das geistige Band, sagt Goethe im Faust. Hätte Marx diese Gesellschaft nur in Teilbereichen untersucht, wäre „Das Kapital“ nie erschienen. „Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.“ 30. Ist diese Passage aus dem Manifest eine Aussage über einen Teilaspekt der bürgerlichen Gesellschaft oder über deren Totalität ? Und Lenin gibt uns eine Darlegung des Imperialismus in seiner Totalität: mit einer kleinen Einschränkung: „Wir müssen mit einer möglichst genauen und vollständigen Definition des Imperialismus beginnen.“ 31. Also Streben nach Vollständigkeit, keinesfalls nur Streben, über Teilbereiche zum Ganzen zu kommen. Wir erreichen aber nicht die absolute Erkenntnis des Wesens des Imperialismus, sondern nur eine möglichst genaue, eine sehr dichte Annäherung. „Um einen Gegenstand wirklich zu kennen, muß man alle seine Seiten, alle Zusammenhänge und „Vermittlungen“ erfassen und erforschen. Wir werden das niemals vollständig erreichen, die Forderung der Allseitigkeit wird uns aber vor Fehlern und vor Erstarrung bewahren.“ 32. Wie mager dagegen Wagner: ein Gesellschaftssystem kann nicht insgesamt untersucht werden.

Haben sich große Dialektiker denn nicht zum Verhältnis von Gesellschafts- und Naturwissenschaften geäußert ? Natürlich haben sie dazu Fundamentales gesagt. Der Marxismus ist zu den Gesellschaftswissenschaften zu zählen, und da es im Kommunismus keine Gesellschaftswissenschaften (die Ausdruck von Klassengesellschaften sind) mehr gibt, gibt es auch keine Klassenkampfwissenschaft und Wissenschaft von der Diktatur des Proletariats, sprich: Marxismus mehr. Hegel etwa legte den Weltgeist in Natur und Geschichte auseinander und zwar so, dass der Geist als sich in seiner Geschichte entäußernd, in dieser besonders träge ist im Gegensatz zum Geist, der sich in die Natur entäußert hat, dieser sei „…lebendiges, unmittelbares Werden…“ 33. Nicht nur fundamental, sondern entscheidend für Marxist/inn/en ist, was Friedrich Engels über das Verhältnis von der Entwicklungsgeschichte der Gesellschaft und der der Natur aussagt: in der Natur wirken „…lauter bewußtlose blinde Agenzien….geschieht nichts als gewollter bewußter Zweck…Dagegen in der Geschichte der Gesellschaft sind die Handelnden lauter mit Bewußtsein begabte, mit Bewußtsein begabte, mit Überlegung oder Leidenschaft handelnde, auf bestimmte Zwecke hinarbeitende Menschen…“ 34. Und trotz dieses Chaotisch Leidenschaftliche behauptet der Marxismus eine innere allgemeine Gesetzmäßigkeit der Geschichte. Das Höchste, was man im Verhältnis der Natur- und Gesellschaftswissenschaften in bürgerlichen und sozialistischen Zeiten machen kann, ist das Herstellen von Analogien. Aber diese Analogie humpelt: Lenin bringt die Analogie: “ In der Mechanik Wirkung und Gegenwirkung…in der Gesellschaftswissenschaft Klassenkampf“ 35.  als Beispiel, dass es sowohl in der Natur als auch in der Gesellschaft Identität der Gegensätze gibt. Mechanische Wirkung und Gegenwirkung gibt es nun allerdings auch im Kommunismus, aber keine Gesellschaftswissenschaft und keinen Klassenkampf mehr.

Natürlich gab es Sozialismus !! 36. Man studiere nur die ersten Dekrete der Sowjetmacht und die von Lenin verfasste Deklaration der Rechte des werktätigen und ausgebeuteten Volkes 37. und vor allem die Prozesse der Räteentwicklung: wie  Massenbewegungen in der Periode von der Februarrevolution bis zur Oktoberrevolution 1917  und darüber hinaus ihre Sowjets schufen, die für Lenin „Vorformen des Absterbens jedes Staates“ 38. waren, also bereits den Sozialismus zum Kommunismus hin transzendierten.(Wurzeln der Sowjets finden wir schon 1905). Man konnte eine bisher in der Weltgeschichte nicht vorhandene Verbindung zwischen politischen Massenstreiks und bewaffnetem Aufstand studieren. Eine erfolgreiche Revolution erkennt man daran, dass sich die Formen der Beziehungen unter den Menschen gewandelt haben.  Man studiere daraufhin aufmerksam das “ Dekret des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomittees und des Rates der Volkskommissare über die Aufhebung der Stände und der Rangbezeichnungen für den zivilen Dienst“ 39. Man darf auch nicht die Subbotniks übersehen: dass Arbeiter/innen für den Sieg des Sozialismus Opfer bewußt bringen, dass sie aus eigener Initiative Subbotniks veranstalten, denen Lenin das Adjektiv: kommunistisch beilegte und die er als wichtiger als den Sturz der Bourgeoisie einschätzte und von denen er das Gelingen der sozialistischen Revolution abhängig machte: „….denn das ist ein Sieg über die eigene Trägheit, über die eigene Undiszipliniertheit, über den kleinbürgerlichen Egoismus, über die Gewohnheit, die der fluchbeladene Kapitalismus dem Arbeiter und Bauern als Erbe hinterlassen hat. Erst wenn DIESER (kursiv von Lenin) Sieg verankert sein wird, dann und nur dann wird die neue gesellschaftliche Disziplin , die sozialistische Disziplin geschaffen sein, dann und nur dann WIRD EINE RÜCKKEHR ZUM KAPITALISMUS UNMÖGLICH (kursiv von H.A.) , wird der Kommunismus wirklich unbesiegbar werden.“ 40. Wenn überhaupt, so scheint hier so etwas wie der Neue Mensch auf, der allerdings Disziplin mit großen Buchstaben schreibt. „Die kommunistische Organisation der gesellschaftlichen Arbeit…beruht und wird – je weiter, desto mehr – beruhen auf der freien und bewußten Disziplin der Werktätigen selbst…“ 41. Nur sehr wenig ist bei der Analyse des Zerfalls der Sowjetunion dieser Punkt der Disziplin berücksichtigt worden: je weiter, desto besser… Diese Entwicklung muss irgendwann zu Bruch gegangen sein. Warum nennt Lenin die Subbotniks kommunistisch ? Weil es sich hier um gesellschaftliche Arbeit jenseits des bürgerlichen Produktionsorganismus handelt, in dem als warenproduzierender das gesellschaftliche Verhältnis der Menschen „…die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimt.“ 42. Untersucht werden müsste die Rolle der kleinbürgerlichen Intelligenzia, die ja zur inneren Haltlosigkeit neigt. Die Disziplinlosigkeit der Intellektuellen ist eine große Gefahr für die kollektive Disziplin der Werktätigen: „…die Mehrheit der Intelligenz fühlt sich zur Bourgeoisie hingezogen.“ 43.

Lenin sagt irgendwo, dass sich der Sozialismus auf recht geradem direkten Weg als Lösung der kapitalistischen Widersprüche herausbilden kann oder durch weltgeschichtliche Zickzackbewegungen. Ursprünglich sollte er sich in den fortgeschrittendsten westeuropäischen Industrieländern durchsetzen, und in den „Klassenkämpfen in Frankreich“ war Marx der Überzeugung, er komme natürlich zuerst im fortgeschrittendsten Land: England. Der Würfel fiel aber – auch bedingt durch den ersten Weltkrieg und der Friedenssehnsucht der Völker und dem Landhunger der russischen Bauern – auf Russland  und schon befinden wir ins in der Zickzackbwegung, die so vielen Theoretikern Kopfschmerzen bereitet. Nach der Februarrevolution ergab sich eine interessante Konstellation zwischen Revolution und Konterrevolution: die Periode der Doppelherrschaft und alle Anstrengungen der bürgerlichen Politiker liefen darauf hinaus, die Millionen Bauernsoldaten in die Kampfhandlungen des noch immer andauernden Weltkrieges zu binden, denn im revolutionären Hinterland war es ziemlich unruhig. Das russische Bürgertum wußte, dass es die Früchte der Februarrevolution verliert, wenn der imperialistische Krieg in Kürze eingestellt wird. 44. Es ist daher auch völlig falsch, Lenin vorzuwerfen, die sozialistische Revolution zur falschen Zeit am falschen Ort inszeniert zu haben, die Volksmassen mit ihrem Kern der revolutionären Industriearbeiter/innen  in Russland drängten  zum Sozalismus und Frieden und der Leninismus ab 1917 war eben deren wissenschaftlicher Ausdruck. Bei keinem Theroretiker kann man übrigens den Zickzackgehalt der Oktoberrevolution, über den er sich voll im Klaren war, besser studieren als bei Lenin, unser aller Lehrer. 45.

Zu dieser Zickzackbewegung gehört, dass Keime einer sozialistischen Kollektivität im Gegensatz zum kleinen, aber konzentrierten industriellen Sektor auf dem bestimmenden landwirtschaftlichen nicht vorhanden waren.  Ein konterrevolutionärer Sturm individuell anarchistischer Habgier konnte jederzeit in einem Land losbrechen, das auf Grund seiner Klassenzusammensetzung – die überwältigende Mehrheit wurde aus Kleinbauern gebildet – einen zutiefst kleinbürgerlichen Grundzug aufwies. So wurde zum Beispiel das Agraprogramm der kleinbürgerlich individualistischen Sozialrevolutionäre  (jedem Bauern seine Privatscholle) übernommen, da es unmittelbar nach der Oktoberrevolution keine groß-kollektivistischen Landwirtschaftsbetriebe gab.

In diesem Ozean der Egoismen galt es zunächst, die Insel der revolutionären Partei zu sichern, die Lenin einer strengen Disziplin unterwarf bei gleichzeitigem Laissez-faire begrenzter kapitalistischer Verkehrsformen auf dem Wirtschaftssektor. Entscheidend war, dass die Kernfrage einer sozialistischen Revolution: Vergesellschaftung des Privateigentums an Produktionsmitteln – im Ansatz richtig gelöst wurde und daß es der Partei auf dieser Grundlage gelang, in regelrechten Kollektivierungswellen revolutionäre Disziplin in immer größeren Kreisen auf die gesamte Gesellschaft auszudehnen. Zudem war die Warenproduktion auf Gegenstände des persönlichen Bedarfs beschränkt. Als höchsten Ausdruck revolutionärer Disziplin kann der Weltrekord in der Kohlegwinnung durch den Hauer Alexej Stachanow bezeichnet werden. In der sich anschließenden Stachanowbewegung wurde nicht nur deutlich, dass der Sozialismus von der Arbeiterklasse selbst aufgebaut wurde, sondern dass diese eine Arbeitsproduktivität entwickelt hatte, die der im Kapitalismus erreichten weit überlegen war. Dieses Erreichen der Arbeitsproduktivität hatte Lenin noch zu seinen Lebzeiten als Zeichen wirklicher Überlegenheit des Sozialismus gedeutet. „Die Diktatur des Proletariats ist…nicht einmal hauptsächlich Gewalt. Die ökonomische Grundlage dieser revolutionären Gewalt, die Gewähr für ihre Lebensfähigkeit und ihren Erfolg besteht darin, dass das Proletariat einen im Vergleich zum Kapitalismus höheren Typus der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit repräsentiert und verwirklicht. Das ist der Kern der Sache. Darin liegt die Quelle der Kraft und die Bürgschaft für den vollen unausbleiblichen vollen Sieg des Kommunismus.“ 46.

Der Sozialismus wurde also nicht durch die kluge Politik dieses oder jenes „Lieblings der Partei“ aufgebaut – konnte er umgekehrt durch die kluge, revisionistische Politik dieses oder jenes Politikers beseitigt werden ? Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion kann nicht aus der Sphäre der Politik, auch nicht aus einem Hin- und Herwälzen von Basis- und Überbauursachen dargelegt weden. Beide Erklärungsversuche  verharren noch unter dem Immanenzschatten  der Fetischverblendung, die zu durchbrechen nur vorgegeben wird. Der wissenschaftlichen Erklärungsweise gelingt der Durchbruch von der Erscheinung zum Wesen gesellschaftlicher Prozesse nur mit Hilfe der materialistischen Dialektik, in der als genuine Prozesswissenschaft der innere Zusammenhang der Prozesse in gesetzmäßiger Abhängigkeit widergespiegelt wird. Durch dieses Kriterium allein sind die Marxisten in der Lage, geschichtliche Prozesse mit Bewußtsein, d.h.u.a. die gesellschaftlichen Folgen ihres geschichtlichen Handelns zu erfassen.

Als die Crutschovianer zum Beispiel 1958 die Auflösung der Maschinen-Traktor-Stationen beschlossen, wußten sie natürlich nicht und machten sich keine Gedanken darüber, zu welchen gesellschaftlichen Folgen diese „Neuerung“ führen werde, sie waren sich dessen nicht bewußt und verstanden nicht, dass diese „Neuerung“ führen werde, die mit einem Sieg der Konterrevolution enden mußte. Durch die Aufhebung der Maschinen-Traktor-Stationen wurden ungeheure Mengen von Produktionsinstrumenten der Landwirtschaft in die Bahn der Warenzirkulation geworfen und diese Erweiterung des Wirkungsbereichs der Warenzirkulation ging bis zu dem Punkt, an dem ein Umschlag von Quantität in Qualität erfolgte – für das Proletariat in negativer, für die Bourgeoisie in positiver Hinsicht, insofern durch diese ökonomische Verschiebung das Wertgesetz auch wieder Regulator der Produktion wurde. Das hat Wagner durchaus richtig gesehen, dass die Theorie einer heranschleichenden allmählichen Restauration des Kapitalismus ohne  Sprung in die bürgerliche Soziologie gehört. (47.) Im Marxismus bilden Revolution und Konterrevolution eine dialektische Einheit und der Sieg wird allein durch den Klassenkrieg entschieden. Keineswegs darf man einem die Dialektik nur dilettantisch handhabenden Generalsekretär Crutschov  die Macht zuschreiben, aus revisionistischer Intention heraus durch Staatsstreich per Geheimrede sozusagen einen sozialistischen Wirtschaftsorganismus in einen kapitalistischen zu verwandeln, man würde ihm eine persönliche Gewalt der Initiative zuschreiben, wie sie beispiellos in der Weltgeschichte dastehen würde.

Was als das Unfassbare des Zusammenbruches des Sozialismus kursiert, rührt von einer oberflächlichen Auffassung der Dialektik her. Es ist weit verbreitetes Vorurteil, deren Schritte analog einer Leiter aufzufassen, als ob das historische Spätere immer das begrifflich Höhere wäre. Dann gäbe es in der Tat kein Zurück mehr zum Kapitalismus. Indeß ist diese Stufenauffassung der Dialektik schon beim Idealisten Hegel nicht vorhanden, wohl aber im stufenhistorischen Vernunftoptimismus der bürgerlichen Aufklärung, wie ihn Condorcet in seinem „Esquisse d´un tableau historique des progrès humain (1794) propagierte. Und hier mag man dann auch als Hobby Analogien mit der Kybernetik pflegen. Für Hegel ist das historisch Spätere nicht immer automatisch das begrifflich Höhere: im Werden des Geistes in der Phänomenolgie des Geistes  wird die gesetzgebende Vernunft zu einer nur prüfenden herabgesetzt. 48. Es ist ein bitteres Gesetz der neueren Geschichte, dass die Kämpfe des Proletariats mit Niederlagen in der ganzen Schwere des Wortes schwanger gehen und Marx selbst verlieh der proletarischen Revolution einen durchaus quälenden Charakter: „Proletarische Revolutionen dagegen, wie die des 19. Jahrhunderts, kritisieren beständig sich selbst, unterbrechen sich fortwährend in ihrem Lauf, kommen auf das scheinbar Vollbrachte zurück, um es wieder von neuem anzufangen, verhöhnen grausam-gründlich die Halbheiten, die Schwächen und Erbärmlichkeiten ihrer ersten Versuche, scheinen ihren Gegner nur niederzuwerfen, damit er neue Kräfte aus der Erde sauge und sich riesenhafter ihnen gegenüber wieder aufrichte, schrecken stets von neuem zurück vor der unbestimmten Ungeheuerlichkeitihrer eigenen Zwecke, bis die Situation geschaffen ist, die jede Umkehr unmöglich macht, und die Verhältnisse selbst rufen: Hic Rhodus, hic salta ! Hier ist die Rose, hier tanze !“ 49. Zu solchen tiefen Einsichten in den Charakter der proletarischen Revolution kam Marx ganz ohne Ergänzung durch die systemtheoretisch-kybernetischen Methode, ohne Rückkoppelung mit Wiener. Die proletarische Revolution quält sich, die Diktatur des Proletariats ist für Lenin ein erbitterter Krieg, mehrere Niederlagen eher wahrscheinlich als ein einziger glanzvoller Sieg: „Mit Ausnahme einiger weniger Kapitel, trägt jeder bedeutendere Abschnitt der Revolutionsannalen von 1848 bis 1849 die Überschrift: NIEDERLAGE DER REVOLUTION ! (kursiv von Marx) 50. Das ist leider auch zur Überschrift der Oktoberrevolution geworden. Sie gehört zu den Erbärmlichkeiten der ersten Versuche. Immer wieder werden die Arbeiter/innen zurückgeworfen….schon als Hegel seine Dialektik erst embryonal entwickelte – in der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes – fielen die Worte, dass das göttliche, sprich dialektische Erkennen kein Spielen der Liebe mit sich selbst ist, sondern Ernst, Schmerz und Arbeit des Negativen. 51. Engels wies im Vorwort zur vierten deutschen Ausgabe des Kommunistischen Manifests von 1890 darauf hin, dass gerade die Niederlagen der Kämpfenden  noch mehr als die Erfolge in den Wechselfällen des Kampfes gegen das Kapital  zu ihrer Aufklärung beitragen  „…ihre Köpfe empfänglicher zu machen für eine gründliche Einsicht in die Bedingungen der Arbeiteremanzipation.“ 52. Geschlagene Armeen lernen gut. Die Geschichte der Klassenkämpfe verläuft nicht so einfach, dass eine proletarische Revolution in einem Land eine Kettenreaktion nach sich zieht, die materiellen Existenzbedingungen des Sozialismus sind „…das naturwüchsige Produkt einer langen und qualvollen Entwicklungsgeschichte.“ 53. Ohne den Gedanken einer proletarischen Revolution zu leben, hieße letztendlich, den Menschen zu einem kriminellen Egoisten zu erklären, was ganz offensichtlich Unsinn ist. Es bleibt nur die Alternative: Sozialismus oder kapitalistische Barbarei für Kinder und Kindeskinder.

In der Tat: Gerade der Sieg der Konterrevolution zeigt nun, dass die Niederlage der Revolution nichts Endgültiges ist. Es ist deshalb keineswegs eine intellektuelle Entgleisung, wenn der weißgardistische Bürgerkriegsgeneral und Ex-BKA-Chef Horst Herold durch das Gewicht globaler Ausbeutungsexzesse zu der Einsicht gedrängt wird, dass das Ende des Kommunismus Probleme hinterlassen habe, die zu seiner Entstehung führten. 54. Wie Lenin einmal sagte: wir machen den Fehler: 2 x 2 ist 5, die Kapitalisten machen den Fehler: 2 x 2 = Staniolpapier. Also folgen wir Friedrich Engels, der nach der Niederlage der 48er Revolution schrieb: Nach einer Niederlage muss man wieder von vorn beginnen. Denn eines steht welthistorisch sicher und wackelt nicht nach rechts und nicht nach  links: der Marxismus Leninismus ist unbesiegbar, denn um ihn zu besiegen, müßten die unproduktiven Klassen die produktiven vernichten. Plechanow jammerte nach der Niederschlagung der russischen Revolution von 1905: Man hätte nicht zu den Waffen greifen sollen, wie ganz anders Marx nach der Niederschlagung der Pariser Kommune. „Die bürgerlichen Kanaillen von Versailles…stellten die Pariser in die Alternative, den Kampf aufzunehmen oder ohne Kampf zu erliegen. Die Demoralisation der Arbeiterklasse im letztren Fall wäre ein viel größeres Unglück gewesen als der Untergang einer beliebigen Anzahl von Führern.“ 55. Die noch lebenden Führer der NVA sollten über diese Worte von Marx nachdenken, denn die NVA erlag ohne Kampf.


1. Karl Marx, Zur Judenfrage, MEGA I/2, 167

2.Immanuel Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht,in: Kleinere Schriften zur Geschichtsphilosophie, Ethik und Politik, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1973,13f.

3. Karl Marx/Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4,468

4. Norbert Wiener, ein Mathematiker, Ingenieur und Sozialphilosoph, definierte Kybernetik 1948 als die Wissenschaft von Kommunikation und Kontrolle beim Tier und der Maschine.

5. Karl E. Rothschuh: Nachwirkungen der cartesianischen Physiologie, in: Rene Descartes: Über den Menschen (1632), Lambert Schneider Verlag Heidelberg 1969, 192

6. Lenin, Sozialismus und Anarchismus, Lenin Werke Band 10, Dietz Verlag Berlin, 1959,59

7. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Rheinisch Westfälische Akademieausgabe Band 9, Felix Meiner Verlag Hamburg, 1980, 320

8.a.a.O.,321

9.a.aO.,33

10.a.a.O. Man hat Experimente mit Affen gemacht. Vom Einzelkäfig bis zu sich in der Zahl stetig steigenden Rudeln ergab sich, dass ihr „soziales Gehirn“ mit der Häufigkeit der Sozialkontakte wuchs. Der Gelehrte in der Einzelstube scheint zu verkümmern, denn Wissenschaft ist ein kollektiver Akt. Aber der Gelehrte der Einzelstube kehrt modifiziert im PC-Zeitalter zurück: man untersuchte das Sozialverhalten von 3 500 jungen Amerikanerinnen zwischen acht und zwölf Jahren, die sieben Stunden am Tag online waren, aber nur zwei Stunden pro Tag reale soziale Kontakte hatten. „Die Studie entlarvte das Gerede von digitalen sozialen Netzwerken als Quelle von guten Freunden und von Glück als leeres Marktgeschrei. In Wahrheit machen digitale soziale Netzwerke Kinder und Jugendliche einsam und unglücklich. Was langfristig mit den noch in Entwicklung befindlichen sozialen Modulen in den Gehirnen der Kinder geschieht, mag man sich nicht ausmalen“, ( Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Digitale Demenz, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. September 2012, Seite 8).

11. Vergleiche Lenin, Vorwort zur Übersetzung der Briefe von Karl Marx an Ludwig Kugelmann, in: Lenin Werke Band 10, Dietz Verlag Berlin, 1959,96

12. Karl Marx, Das Kapital, MEW 23,28

13.Friedrich Engels, Anti-Dühring, MEW 20,251

14. Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, Marx Engels Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,36

15. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,138

16.Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, MEW Ergänzungsband I,544

17. Derselbe Klaus, der übrigens 1961 mit seinem Buch „Kybernetik in philosophischer Sicht“ die Kybernetik in der DDR salonfähig für den Marxismus machen wollte, obwohl der Begründer dieser reaktionären Pseudowissenschaft Wiener stets die Immaterialität der Information behauptete, was dann zur Folge hatte, dass die Gesetze der Kybernetik unabhängig von der Materialität eines jeden Systems wirken können, während nach Lenin der Materie grundsätzlich die Eigenschaft der Reflexion zukommt. Wiener sagt : Information is Information, not matter or energy. No materialism which does not admit this can survive.“ 1954 wurde in der 4. Auflage des Philosophischen Wörterbuchs der UdSSR von Rosental/Kratkij die Kybernetik noch als eine reaktionäre Pseudowissenschaft, als eine Form des modernen Mechanizismus bezeichnet, was die Kybernetik im Kern  ist. Man kann mit dem  Siegeszug des Revisionismus in der UdSSR den Aufstieg der Kybernetik grundsätzlich verfolgen, beides geht Hand in Hand. Aufschlußreich ist ein Vortrag, den Gotthard Günther am 17. Juli 1964 an der Universität Köln hielt: „Kybernetik und Dialektik – der Materialismus von Marx und Lenin“ (siehe google: dialektik kybernetik). Über die Mathematisierung der Dialektik landet er bei der religiösen Ikonografie.Das ist eine Linie der Entwicklung, im Siegeszug des Revisionismus lag eine , wie er es nennt, „…generelle Umstellung des russischen Lebensstils auf Kybernetik…“, herausgekommen ist eine Mafiaoligarchie.

18.Manfred Buhr, Georg Klaus: Philosophisches Wörterbuch, VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig. Stichwort: Wissenschaft, 1965,615f.

19. Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideolgie, Marx Engels Werke Band 3, 1969, 43

20. Lion Wagner, Sozialismus gab es nie, Zweiteilige Broschüre der Gruppe Wissenschaftlicher Sozialismus, März 2008

21.a.a.O, 10f.

22. Marx kritisiert Hegel, dass für den Idealisten nur der Philosoph ein wahrer Mensch ist. Indeß: „Der Philosoph legt sich – also selbst eine abstrakte Gestalt des entfremdeten Menschen – als den Maßstab der entfremdeten Welt an.“ Ökonomisch – Philosophische Manuskripte, in MEGA I/2 Dietz Verlag Berlin 1982, 403

23. In der übrigens ein republikanisches Kleidungskonzept der rechten Hand Robespierres, St. Just.(Chef der politischen Geheimpolizei) realisiert wurde. Nach dem Konzept der Tugendrepublik sollten die französischen Kinder ab dem 16. Lebensjahr Arbeitskleidung oder Soldatenuniform tragen. Wir erinnern uns an die blaue Arbeitskleidung der Ameisen und an die grünen Armeeuniformen.

24. Karl Marx, Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte, Dietz Verlag Berlin 1960,559

25. Lion Wagner, Sozialismus gab es nie, Zweiteilige Broschüre der Gruppe Wissenschaftlicher Sozialismus, März 2008,11

26.a.a.O.,16

27. Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983, 49

28. Gottfried Wilhelm Leibniz, Monadologie und andere metaphysischen Schriften, Felix Meiner Verlag Hamburg, 2002, 139

29. Lion Wagner, Sozialismus gab es nie, Zweiteilige Broschüre der Gruppe Wissenschaftlicher Sozialismus, März 2008,16

30. Karl Marx / Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 45

31. Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,102

32. Lenin, Noch einmal über die Gewerkschaften, die gegenwärtige Lage und die Fehler Trotzkis und Bucharins, Lenin Werke Band, 32, Dietz Verlag Berlin, 1957,85

33. G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, Felix Meiner Verlag Hamburg 1980,433

34. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Marx Engels Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975, 296

35. Lenin, Zur Frage der Dialektik, in: Lenin, Über Hegelsche Dialektik, Ausgewählte Texte, Reclam, Leipzig, 1986,43

36. Im Jahre 1929 hielt Stalin den Sozialismus für erreicht: „Jetzt haben wir eine neue Entwicklungsphase, die sich von der alten Periode, von der Wiederherstellungsperiode, unterscheidet. Jetzt haben wir eine neue Periode des Aufbaus, die Periode der Rekonstruktion der gesamten Volkswirtschaft auf der Basis des SOZIALISMUS (kursiv/H.A.)“ (J.W. Stalin, Über die rechte Abweichung in der KPdSU, Rede auf dem Plenum des ZK und der ZKK der KOdSU (B) im April 1929, Stalin Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin, 1954,24

37. Lenin, Die ersten Dekrete der Sowjetmacht, Berlin Verlag, 1970, herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Juri Achapkin

38. Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, Lenn Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin 1959,72

39. Lenin, Die ersten Dekrete der Sowjetmacht, Berlin Verlag 1970, herausgegeben,  eingeleitet und kommentiert von Juri Achapkin, 38f.

40. Lenin, Die Grosse Initiative, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971, 522. Der besondere Wert der Subbotniks lag für Lenin darin, dass sich in ihnen etwas Kommunistisches zeigte (Lenin, Referat über die Subbotniks auf der Moskauer Stadtkonferenz der KPR (B) 20. Dezember 1919, in: Ausgewählte Werke Lenin Band V, Dietz Verlag Berlin, 1982381), denn: „Die Enteignung der Gutsbesitzer und Kapitalisten gab uns nur die Möglichkeit, die elementaren Formen des Sozialismus aufzubauen, aber etwas Kommunistisches ist darin noch nicht enthalten.“ (a.a.O.).

41.a.a.O.,529

42. Karl Marx, Das Kapital, Marx Engels Werke Band 23, Dietz Berlag Berlin, 1989,86

43.a.a.O.,534

44. Man lese die Memoiren Kerenskijs, der im Kabinett vom 2. Mai 1917 zunächst Kriegs- und Marineminister, später dann Ministerpräsident war: Die Kerenski Memoiren Rußland und der Wendepunkt der Geschichte, Rowohlt Hamburg  April 1989, insbesondere den Abschnitt: Die Offensive Seite 290 bis 311. Ihm ging es vor allem um eine Wiedererrichtung der Disziplin in der russischen Armee zwecks einer Frontaktivierung. Die Offiziere erhielten nach der Februarrevolution ihre alten, sprich: zaristischen Rechte zurück, nämlich Gewalt gegen Soldaten auszuüben. Politische  Meetings unter den Soldaten wurden unterbunden. Er drang auf eine Offensive im Westen gegen die imperialistischen deutschen Truppen und differenzierte die Soldaten in die, die ihr Leben für die ebenfals imperialen Interessen hergeben sollten und dem „Abschaum des Proletariats“ , der „…den Bolschewiken auf dem Weg zu Gewalttat und Mord folgte…“ (Seite 300) Die Offensive unter dem Oberbefehl des Generals Brusilow wurde unter der verlogenen Parole der „revolutionären Vaterlandsverteidigung“, der „Stärkung der neuen demokratischen Ordnung“ geführt. Lenin unterzog diesen Machenschaften der „Regierung der Offensive“ einer vernichtenden Kritik.

45. Wagner demonstrierte am 20.8. 1976 als Einzelkämpfer für Menschenrechte  ?! vor dem Staatsratsgebäude der DDR, präsentierte sich also der Stasi, die auch gleich zugriff: Wagner verschwand für 18 Monate im Gefängnis, von denen er 17 absaß, um dann auf Grund seines Ausreiseantrages in der BRD zu verschwinden. In seiner vorne in der Broschüre abgedruckten Kurzbiografie steht dann, dass er seit 1978 in der BRD arbeitet. Man fragt sich allerdings: als was und für wen ? Mag eine Biographie auch noch so kurz sein, die Berufsangabe, schon gar über 32 Jahre,  ist zwingend erforderlich. Es ist also Vorsicht geboten, zunächst ist verhaltensauffallend, dass Wagner das Licht des Marximsus verdunkelt oder verdunkeln will. Wo kämen wir mit dem Marxismus aber  auch hin, wenn jeder Diplom-Ingenieur mit seiner Disziplinschrulle ankommt !

46. Lenin, Die Grosse Initiative, Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1071,529

47. Lion Wagner, Sozialismus gab es nie, Zweiteilige Broschüre der Gruppe Wissenschaftlicher Sozialismus, März 2008,42

48. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Felix Meiner Verlag Hamburg 1980,232

49. Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, in:  Marx Engels Ausgewähltze Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin, 1972,312

50. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin, 1977,119

51. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorrede zur Phänomenologie des Geistes, Felix Meiner Verlag Hamburg,1980,18. Es findet keine Arbeit des Negativen in der Kybernetik statt.

52. Friedrich Engels, Vorwort zur vierten deutschen Ausgabe des Kommunistischen Manifests von 1980, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,30

53.Karl Marx, Das Kapital, Marx Engels Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1989,94

54. Horst Herold, Die Lehren aus dem Terror, Süddeutsche Zeitung Nr. 116. 20./21. Mai 2000,9

55.Lenin, Vorwort zur russischen Übersetzung der Briefe von K. Marx an L. Kugelmann, Lenin Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin, 1959, 103

Heinz Ahlreip

DIE RAF IM LICHT LENINS

1. Juli 2010

Die RAF im Lichte des Marxismus-Leninismus ein politphilosophischgeschichtlichsoziologischer essay von Heinz Ahlreip, 1.Juli 2010 Baader und Ensslin wollen heiraten den Schleyer haben sie schon jetzt brauchen sie nur noch den Strauss Ob eines Tages Plätze und Straßen nach Mitgliedern der RAF benannt werden,  ist auch nach einer siegreichen proletarischen Revolution in  Deutschland offen.  Die progressive Seite der RAF war ihr 28 Jahre währender jakobinistischer  Krieg gegen  mittelalterliches  Gerümpel  in  Deutschland. Sie hat  in  der  Linie gestanden: „Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren“ (1.), ein geflügelter Halbsatz, der auf einen Text von Ulrike Meinhof zurückgeht. Der Jakobinismus erlebte am Ausgang der   sechziger  Jahre   eine   Renaissance unter den Intellektuellen (siehe das damalige Publikationsverzeichnis des Wagenbach-Verlages, in dem auch ab dem Sommer 1970 die Vierteljahreszeitschrift „Kursbuch“ erschien (2. ). Mann/Frau beschäftigte sich  im Zuge der sexuellen Revolution mit  dem  Marquis de Sade. In  politischer  Hinsicht  wurden zum Beispiel zahlreiche republikanische Clubs gegründet,  die oft den Namen Voltaire trugen, der ein gemäßigter Aufklärer war und die vom Verfassungsschutz beobachtet wurden. Man sprach auch von einer Krise der Germanistik. die die jüngere Germanistengeneration zu einer Politisierung der Literatur ausnutzte. Das Buch des französischen Germanisten Pierre Berteaux „Hölderlin und die französische Revolution“ kam wie gerufen jenseits vom Rhein. Dass Hölderlin zwischen Girondismus und Jakobinismus schwankte, war damals peripher. Der in Hannover  vom Universitätsdienst suspendierte Professor für Psychologie,  Peter Brückner, der sich als einziger von 12 Professoren in Niedersachsen geweigert hatte, seine Unterstützung für den Mescaleronachruf zurückzuziehen, nahm seinen Vorlesungsbetrieb daraufhin im Hannoverschen Club Voltaire wieder auf, in dem er die Frage  der  Gewalt in der spätbürgerlichen Gesellschaft  aufwarf. Er  hatte aus dem Geschichtsunterricht nicht vergessen, dass  die bürgerliche Republik selbst durch  die Erstürmung eines  Gefängnisses das Licht der Welt erblickte, also schon per  Geburtsurkunde keinen Anspruch auf ein Gewaltmonopol gegen das Volk hat.Immerhin lastete der schwere Schatten der  Adenauer´schen Restauration auf  der  Republik,  die  durch   eine antihumanistische Zusammenrottung von Verfassungsrichtern  in Karlsruhe 1956 die KPD verboten  hatte (ein Verbotsurteil, das zuwenig mit dem Kommunistenprozess in Köln von 1852 in Zusammenhang  gebracht wird) und einem klerikal-faschistischen  Terrorstaat näher war als einer bürgerlichen Demokratie, die die Losung: Freiheit Gleichheit  Brüderlichkeit auf ihre Fahne zu schreiben hätte ohne aufzuhören, eine Diktatur des Kapitals zu sein.  (So verbat sich das mittelalterliche Adenauer Regime zum Beispiel eine Kritik am Papst und der Beitrag, den Ulrike Meinhof zu der im Fischer Verlag 1964 erschienenen Aufsatzsammlung „Die Ära Adenauer“ beisteuerte, trug denn auch die Überschrift „Provinz und kleinkariert“). Aber  diese  Weichenstellung war  im Grunde fatal: als „bolschewistische“  Revolutionäre  kamen die  Aktionisten der  RAF zu  früh. „Es ist das Schlimmste, was dem Führer einer extremen Partei wiederfahren kann, wenn er gezwungen wird, in einer Epoche die Regierung zu übernehmen wo die Bewegung noch nicht reif ist für die Herrschaft der Klasse, die er vertritt und für die Durchführung der Maßregeln die die Herrschaft dieser Klasse erfordert.“ (3.)  Von einer gesamtnationalen, Ausgebeutete wie Ausbeuter erfassenden Krise konnte keine Rede sein.  Man  blieb  aber  im  Neojakobinismus  befangen  auch deshalb,   weil dieser  für  bürgerliche  Intellektuelle  angenehme  akollektiv-spontane Widerstandsformen beinhaltete. Die Hinwendung zur  bereits unter  kapitalistischer  Hölle  und  Hülle  im   gesamtgesellschaftlichen Produktionsprozess kollektiv organisierten Arbeiterklasse war fadenscheinig und eine Identifizierung mit ihr künstlich,  im Grunde ging es um narzißstische Selbstdarstellung  verspäteter pubertärer Jakobiner, was die bewußt im RAF-Zirkel angewandte Gossensprache nur noch unterstrich. Es wurde spontan gehandelt, aus der leidenschaftlichen Empörung, wie sie Intellektuellen eigentümlich ist, „…die es nicht verstehen oder nicht die Möglichkeit haben, die revolutionäre Arbeit mit der revolutionären Arbeiterbewegung zu einem Ganzen zu verbinden.“ (4.) Eine politisch wirksame Arbeiterpartei, die die Massen zum bewaffneten Aufstand führt, wurde gerade verworfen, der SDS wollte laut dem hedonistisch gesinnten Hans Magnus Enzensberger ohne Mitgliedergeschichte auskommen. Sprach Lenin davon, dass der Bolschewismus durch Leiden errungen sei, tendierte man zur Verballhornung der Revolution als Fete.  Nicht zufällig erschien im  Suhrkamp  Verlag  das Theaterstück von Peter Weiß: Die  Verfolgung  und  Ermordung des Jean Paul Marats dargestellt  durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter  Anleitung des Herrn de Sade,   das  auf  vielen namhaften Bühnen Deutschlands gespielt wurde. (5.)  Am  weitesten ging  die Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer: Sie führte unter der Regie von Peter Stein das Revolutionsschauspiel  „Optimistische Tragödie“  von Wsewolod Wishnewskij  auf: eine  bolschewistische Politkommissarin, gespielt von Edith Clever, diszipliniert einen heruntergekommenen und in revolutionärer Hinsicht  verwahrlosten anarchistischen Matrosenhaufen zu einer schlagkräftigen  Rotgardistentruppe.  Das Schicksal  von Ulrike Meinhof  war  ein anderes: sie wurde am Ende in  Stammheim ausgegrenzt und von den Anarchisten gedemütigt.Die Rolle des Gegenspielers der Politkommissarin und einer  der  Anführer des Matrosenhaufens  war übrigens durch  Bruno Ganz besetzt, der  Hitler  im Film „Der Untergang“  spielte und  der im jetzt aktuellen Film  „Der Baader-Meinhof Komplex“ die Rolle des BKA Chefs Horst Herold übernahm.Unter der Hand hat damit die Regie einen  aussagekräftigen Coup gelandet. Neben den zu Recht gegen das Mittelalter ausgeteilten Schlägen kamen  nationalrevolutionäre Anschläge gegen NATO Einrichtungen und vor allem gegen das Hauptquartier des US-amerikanischen  Kriegsgewinnlerpacks  in Heidelberg und in Frankfurt am Main.  So  wurde von roten Werwölfen gezeigt, dass die Flamme der Abrechnung mit dem US-Imperialismus in Deutschland nicht erloschen ist. Eine souveräne Nation darf natürlich keine ausländischen Truppen auf ihrem Territorium dulden. Im Bekenner-schreiben zum Anschlag heißt es: „Die Menschen in der Bundesrepublik unterstützen die Sicherheitskräfte bei der Fahndung nach den Bombenattentätern nicht…weil sie Auschwitz, Dresden und Hamburg nicht vergessen haben.“ (6.) (Dieses Bild wird getrübt durch den Pimental-Patzer, wovon weiter unten.) In der Maioffensive 1972 wurden innerhalb von vierzehn Tagen sechs Ziele angegriffen, darunter die Computerzentrale des US Hauptquartiers, in der vietnamesische Bombeneinsätze koordiniert wurden. „Für die Ausrottungsstrategen von Vietnam sollen Westdeutschland und Westberlin kein sicheres Hinterland mehr sein. Sie müssen wissen, daß ihre Verbrechen am vietnamesischen Volk ihnen neue, erbitterte Feinde geschaffen haben, daß es für sie keinen Platz mehr geben wird in der Welt, an dem sie vor den Angriffen revolutionärer Guerilla Einheiten sicher sein können.° 7. Den Krieg, „…den ein Volk auf seinen eigenen Fluren um Freiheit und Unabhängigkeit führt…“, nannte Clausewitz in einem Brief, unterzeichnet als „ungenannter Militär“ aus Königsberg aus dem Jahre 1809 an Fichte, „den Verfasser eines Aufsatzes über Machiavel“ den schönsten aller Kriege. Dagegen zählen die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu den häßlichen Kriegen. Einer der Werwölfe driftete zu den faschistischen ab, begleitet auf seinen traurigen Werdegang wird Mahler von Klaus Rainer Röhl, damals ein Schreibtisch“revoluzzer“, früherer Ehemann von Ulrike Meinhof und langjähriger Herausgeber der „konkret“, der 1993 bei Professor Ernst Nolte mit einer Arbeit über die Zusammenarbeit von Kommunisten und Nazis promovierte. Es ist deshalb kein Wunder, dass die Tochter von Röhl und Meinhof, Bettina Röhl, Lenin im Internet als Massenmörder bezeichnet, ohne für diese absurde These überhaupt einen Beweis zu erbringen. Was Lenin nicht vergessen hatte, das waren  der Blutsonntag 1905 in Petersburg, an dem Truppen des Zaren das Feuer auf unbewaffnete Demonstranten eröffneten, und die Blutbäder an der Lena 1912 an unbewaffneten streikenden Goldgrubenarbeitern, die zu einem revolutionären Aufschwung führten.  Der Massenmörder Nikolaus wurde auf seinen Befehl erschossen. (Siehe Bettina Röhl: Die RAF und die Bundesrepublik, Essay, Aus Politik und Zeitgeschichte 40/41,2007. Siehe:google:RAF Lenin Licht). Aber ein  großer Nachteil,  auch  ein Grund ihres Scheiterns, ist  in einer spezifisch  deutschen, gerade  auch bei Linksintellektuellen anzutreffenden Charaktereigenschaft  zu suchen,  auf  die Friedrich Engels  aufmerksam  gemacht  hatte: die Deutschen haben  eine starke Neigung  zur inneren Haltlosigkeit. (8.)  Nur so läßt sich erklären,  dass  eine  Figur  wie  Baader, die Schule mit der Mittleren Reife verlassend,  politisch, ideologisch, intellektuell hohl,  tatsächlich zu einem Augenblicksgötzen avancierte.  Dass er es war, der beeindruckte und blendete, lag daran, daß er von vornherein auf Tabu- und Milieubruch aus und dadurch den zaudernden Akademiker/innen voraus war, die reflektierend dahin wollten.Der in sich zwischen kleinbürgerlicher Herkunft und Proletkult zerrissene Intellektuelle reflektiert über sein Verhältnis zur Waffe, Baaders Körper war selbst eine Waffe, das Gespaltene suchte die von der Norm abweichende  Einheit. Das Abweichende, Unangepasste, ja Theoriefeindliche in Verbindung mit intelligenten Frauen focussierte in ihn, der auch unter Frauen aufgewachsen war und der sich in Berlin als Künstler ausgab, das Nichtidentische der Rebellion. „Den Eindruck, den ich damals hatte, war, dass es ihm Spaß machte, immer wieder Regeln zu brechen und sich an NICHTS zu halten, was andere Leute anstandsmäßig und nettmäßig so draufhatten.“ (9.) Marcuse hätte den Prototyp des an der Peripherie Entwurzelten gefunden und so sah ihn auch Gudrun Ensslin. Auffallend ist, das viele Mitglieder der RAF sich aus dem pädagogischen Milieu rekrutierten, immer wieder ging es um die Erziehung von Heimkindern, Inge Viett war gerlernte Kindergärtnerin. In Baader schien das Rousseausche Erziehungsideal greifbar: ein Wilder  im Dickicht der großen Städte.(Eine Biografie über Baader muss diese Spannung vermitteln können.) Die „Bambule“ sollte durch einen von einem revolutionären Funken ausgelösten Flächenbrand auf die gesamte BRD ausgedehnt werden. Dem von den Massenmedien ständig bei Laune gehaltenen Publikum des RAFschen Kriegstheaters, das als Stadtguerillakrieg mehr einem Tourneetheater glich, ist entgangen, dass die eindeutige Stilisierung Baaders zur Kultfigur durch Ensslin: „er sei das produktive bewußtsein des metropolen-proletariats“, von der ambivalenten Meinhofs ergänzt wurde: „andreas ist das beispiel“. Beispiel kann auch das Beiherspielende meinen.Baader/Meinhof hatte sich als Gruppenname herauskristallisiert, beide, sowohl Andreas als auch die hölderlinversessene Ulrike, (Hölderlin, den Eduard Spranger den schönheitstrunkenen Schwärmer nannte), hatten Kunsthistoriker zum Vater.  (Ulrikes Vater war während der Nazizeit Museumsdirektor in Jena und Kunstdozent in Weimar). Vielleicht war beiden ein unterschwelliger Impuls gemein: die Auflösung der Weltgeschichte in Kunst als Ablösung der kapitalistsichen Barbarei durch den sozialistischen Humanismus. Allerdings: echter Kunstgenuß setzt die Anarchie voraus, Lohnsklaverei und Kunstgenuß schließen sich aus, nach Auschwitz als Inkarnation optimaler Arbeitskraftverwertung können -so Adorno-  keine Gedichte mehr geschrieben werden.  Viele impulsive Tat- und Genußmenschen sind auf Grund innerer Haltlosigkeit an der Tragik der deutschen Verhältnisse zerbrochen. Das deutsche Bürgertum hatte sich im Zweiten Weltkrieg als das bestialischste von allen erwiesen.Nach Auschwitz Birkenau, dem Gipfelpunkt zwischenmenschlicher Entfremdung, ist auch der Fluchtweg in die Kunst abgeschnitten. Die unhintertreibliche Sucht nach Ästhetik schlägt in permanente Destruktion um, damit ihre Utopie realisierend. Sonst bräuchte man sich an NICHTS zu halten und der Nihilismus triumphierte. Revolutionäre Gruppen präsentieren ihr Gewaltpotential stets als jenseitig höher als den Nihilismus, um den Neuen Menschen und eine bessere Welt als Sterne am Horizont zu projizieren.Der Berufspolitiker als irdischer, letzthin nichtiger Wurm – oder ist etwa nicht wahr, dass namhafte bürgerliche Politiker in der BILD Zeitung abgebildet mit Lobsprüchen Werbung für diese machen – leugnet beides, der Berufsrevolutionär trägt eine doppelte Schwierigkeit: politische Aktivität zwecks Überwindung der Klassenpolitik hin zu einem kollektiven Ästhetizismus als die Weltgeschichte der Entfremdung überwindenden Schlussakkord klassenkämpferischer Geschichte. (Zu fragen ist, ob aus den beiden Weltkriegen überhaupt Kunst erwachsen kann, jedenfalls eine später klassisch zu nennende ?) Ich teile keineswegs die Auffassung liberaler Autoren, die, nur weil eine so versierte Feder- so nannte sie Klaus Wagenbach-  wie Ulrike Meinhof nicht mehr Bekennerbriefe schreiben konnte, der sogenannten zweiten und dritten Generation der RAF immer weniger politische und immer mehr nihilistische Gewaltmotive unterstellen. Auch eine mittelmäßige Figur wie der Postkarten“künstler“ Hitler synchronisierte  mit der  labilen Schwäche und  Haltlosigkeit, der inneren  Zerrissenheit  der Deutschen,  mit denen  er im  Zweifrontenweltkrieg vabanque spielte. 10. Der Werdegang der wurzellosen Juristen Roland Freisler, der zunächst bolschewistischer Kommissar war, Horst Mahler und  des zu allem  fähigen  Otto Schily könnte dafür symptomatisch stehen, letzterer  legte eine auf den ersten Blick verblüffende Karriere  hin,  vom  Anwalt  der  RAF über  einen  grünen Jungen zum sozialdemokratischen Innenminister des Kapitals. Am Tag der Urteilsverkündung im Kaufhausbrandprozess, an dem sich Ensslin und Baader im Gerichtssaal mit einer Justine Ausgabe von de Sade fotografieren liessen,  gab er noch zu Protokoll, dass er die Brücken zur bürgerlichen Gesellschaft hinter sich abgebrochen habe. Ein Vergleich zwischen Mahler und Schily fließt auf die Frage zu: wer von beiden der größere Blender ist. Dass sie junge Menschen einfangen konnten ist unter anderem aus dem Marxismusverschnitt in den bundesrepublikanischen Schulbüchern zurückzuführen und diese Jungen kannte „…in den meisten Fällen den Marxismus nur aus den Bruchstücken seiner legalen Darstellung“. (11.) So war  in der RAF vorherrschend der anarchistische Impetus und aus dieser  Schwäche zog  der  Staatsapparat den  Gewinn seiner Aufrüstung (12.), im  Verein mit  den bürgerlichen Medien kam es manipulierend zu einer krassen  Überzeichnung  des Bedrohungspotentials, das die BRD zu keiner Zeit in ihrer Existenz gefährdete. Die Situation war  keineswegs die einer revolutionären Flut,  so sehr  journalistischer Sensationalismus sie auch bemühte  und  krampfhaft  versuchte, die  Spießer und Lumpenproletarier zu  einer Hexenjagd aufzustacheln,  im  Gegenteil, in  der Ebbe  fanden  die  Fische  kein  Wasser. Rudi Dutschke, der, was Insider wußten, von Westberlin aus die DDR rätedemokratisch befreien wollte,  wurde auf dem Kurfürstendamm am  hellichten Tag angeschossen von einem Täter,  der durch eine  kriminelle Zeitung  in kriminelle Irre geleitet wurde.(13.) Gleichwohl kann gefragt werden, ob zwischen der mediengeschickten Kommune I und der Springer Presse, insbesondere der Westberliner, nicht unterschwellig ein „Geschäft“ auf Gegenseitigkeit abgeschlossen worden ist: die kleinste linke Aktivität in der Frontstadt dadurch zu hysterisieren, dass selbst Nichtigkeiten der Kommune schlagzeilenmäßig aufgebauscht auf Seite 1 landeten. Getauscht wurden Tabuverletzung gegen Publizität, beides zugleich komplementär. Nicht nur Polizei und Bundesgrenzschutz und Strategen der Bundeswehr übten den Notstand (heute art. 87a Absatz 4 GG: Einsatz der Bundeswehr im Inneren im Falle von bewaffneten Aufständischen, wobei wir nicht aus den Augen verlieren dürfen, dass es nicht nur eine 68er Bewegung gab, sondern eine 68er Notstandsgesetzgebung noch heute gibt. Wie Mao sagt: eins teilt sich in zwei), sondern die 99 prozentig antikommunistisch dressierten Medien (anders kann es im Kapitalismus nicht sein, schon Lysis hatte in seinem bekannten Buch „Gegen die Finanzoligarchie in Frankreich“ festgestellt, daß die französische Republik im Grunde eine Finanzmonarchie sei, sich also in den Klauen einer Finanzoligarchie befinde, die unumschränkt über Presse und Regierung herrsche 14.) hatten ein gefundenes Fressen, merkten aber nicht, dass sie die RAF insgeheim aufbauten. Aber ein „Medienfake“, eine „Dallas-Show in Sachen Weltrevolution“ , wie Bettina Röhl die RAF bezeichnet, (siehe: google: RAF Lenin Licht) war der militante Ausläufer der 68er deshalb natürlich nicht. Es ist dadurch deutlich geworden, dass wir Kommunisten nicht nur politisch und ökonomisch gegen den Kapitalismus kämpfen müssen, sondern die Köpfe von Millionen Menschen in den Bahnen des wissenschaftlichen Sozialismus schulen müssen. Angesichts der vom Kapital angelegten wildwuchernden  Medienlandschaft ist dies einem Marsch durch einen dichten, noch nie von Menschen durchschrittenen Dschungel vergleichbar, der kontinentale Ausmaße hat. (15.)Die heutigen Medien sind massenmanipulativ insbesondere darin, dass sie versuchen, die sklavische Konstellation von Lohnarbeit und Kapital als anthropologisch konstante in die Köpfe der Lohnsklav/inn/en einzuhämmern. Es ist immer das Interesse der herrschenden Klassen, die „Konfusion zu verewigen“ (16.)  Schon der Gedanke, dass es eine Geschichte der Sklaverei gibt, kann subversiv sein, die Kapitalisten mögen keine Arbeiter/innen, die sich mit der Geschichte ihrer Bewegung befassen. Denn geschichtliche Bewegung bedeutet geschichtliche Selbsttätigkeit, ihre aparte politische Bewegung.Der erzengelkalte Strahl des festgefrorenen Kristalls Kapital soll die Geschichte enthistorisieren. Indeß war die RAF kein deutsches Phänomen allein,  sondern das  Konzept der Stadtguerrilla, die  Zerschlagung  des  Kapitalismus in  den Metropolen war international. ( In Italien hatten die Roten Brigaden eine wesentlich  höhere Todesquote aufzuweisen. (17.) Sie hatten sich in Mailand und Turin über große Industriebetriebe organisiert, in Turin traten junge ungelernte Arbeiter mit der Parole auf: „Wir wollen alles !“). Ausgelöst durch die rote Millionenflut  der   Großen Chinesischen Kulturrevolution,  angeblich gegen Revisionismus und Bürokratie gerichtet, was – wie sich heute zeigt – mißlang, wurde von spontan selbsternannten Revolutionären  versucht,  diese Flut auch in  den Weltmetropolen auszulösen,  am  weitesten kamen sie noch in Paris. In  der  Hauptstadt der  klassischen bürgerlichen Revolution und der Kommune  schien  der  Funke  im   Mai  68  tatsächlich  überzuspringen.  Ein sechswöchiger Generalstreik, an dem fast neun Millionen teilnahmen und  aus dem räteähnliche Gebilde wuchsen,  ließ das Bürgertum erzittern, die Macht war in dem Schlagwort „autogestion“ (Selbstverwaltung) für die Produzenten zum Greifen nahe. De Gaulle floh nach Baden-Baden, um sich bei General Massu der Unterstützung der Armee zu versichern, ja spielte mit dem Gedanken, sich in Irland, dem Land seiner Vorfahren, niederzulassen.   Insbesondere fiel im Pariser Mai Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die Nichtorganisierten, die Situationisten mit der Zickzackbewegung am besten klar kamen und die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen sich im Focus der Revolte sofort als verkrustet erwiesen. Dass  schon während dieses Aufstandsversuchs ein Augenblick aufleuchtete, in dem die Utopie sich universal spiegelnd erfasste, erweckte in vielen Intellektuellen das Gefühl einer Berufung zum Revolutionär und zeigte auch, dass der Pariser Mai genuin ein kultureller war. Sartre sprach von der Ausdehnung des Feldes  des Möglichen. In diesem Zug lag, dass die Enragés die Abschaffung der Universitäten forderten. Als im besetzten Soziologischen Seminar an der Frankfurter Uni die linksradikale Parole hochgehalten wurde: „Zerschlagt die Wissenschaft“ , rief Adorno die Polizei.  Adorno hatte Recht und Unrecht. Der Mandarin scheute eine inhaltliche Auseinandersetzung insofern, als mit dem Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus die sogenannten Gesellschaftswissenschaften zwar nicht zerschlagen werden, sondern absterben, während die Naturwissenschaften in einer herrschaftsfreien Gesellschaft erst wirklich aufblühen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung hätte zu der Parolenkorrektur geführt: „Im Kommunismus muss Adorno für das Gemeinwohl arbeiten statt soziologisierend im Interesse der herrschenden Kapitalisten zu philosophieren“. Soviel war immerhin wahr an der studentischen Parole. Indeß  war  diese ad hoc  erfolgte Revolutionsadaption mehr als fragwürdig,   man beschäftigte  sich stark  mit der aufgewühlten chinesischen Gesellschaft, auch mit der Kontroverse Peking-Moskau,  die wohl den Blick verstellte,  dass  es sich  auch in der scheinbar so  massenmächtigen  Kulturrevolution  nur  um Machtkämpfe von maoistischen Cliquen in  Peking  handelte.(18.) Solche Machtcliquen gab es aber nur in China  und es  kam wie es kommen mußte.  Marcuse inaugurierte einen Hedonismus der Revolution  der an der Peripherie der  Gesellschaft Verorteten,  der  Ausgestoßenen und der Studenten  (wo sollte er auch die  Millionenmassen  von Bauern  hernehmen ?),   die dann die Form eines Polithappenings annehmen konnte,  als Feldherr  der Revolution ist  der Philosoph Marcuse nicht in die Geschichte eingegangen und konnte auch nicht in sie eingehen, er versuchte mangels Masse den Spagat zwischen Weltmetropolen und unterwentwickelter Weltperipherie. In der von Dutschke konzipierten Kritischen Universität (KU) war ein  „Dritte Welt/Metropolen Seminar“ bereits mitgedacht. Marcuse, der in den 40er Jahren in den  USA  für das  Office of Strategic Services  (OSS) – einem  Vorläufer der CIA –  arbeitete,verschob  das marxistische  Koordinatensystem  erheblich:  an  Stelle der Arbeiter,  die  von verbürgerlichten Führern apolitisiert seien,  hätten  Akademiker  die Avantgarderolle zu  übernehmen,  Dutschke sah  die zukünftige  Gesellschaft  als eine einzige Universität,  Marcuse als Kunstwerk. Theoretisch bezog sich Marcuse immer wieder auf die Öconomisch Philosophischen Manuskripte des frühen Marx, die noch einen geringen idealistischen und einen grösseren anthropologischen Charakter trugen, eine Blöße, die der Revisionismus rücksichtslos auszunutzen versuchte. Bei der Lektüre dieser Frühschriften von Marx ging Marcuse die Inspiration auf, dass es letztendlich eine innige philosophische Seelenverwandtschaft zwischen Marx und Hegel gäbe, für letzteren hatte die moderne Arbeiterklasse aber noch kein revolutionierendes Gewicht in der Weltgeschichte. Ergänzt wurde Marcuse durch den amerikanischen nichtmarxistischen Intellektuellen und Soziologen C. Wright Mills, der radikal die Idee der fortschrittlichen Rolle der Arbeiterklasse ablehnte und diese Randgruppen, insbesondere der jungen bürgerlichen Intelligenz der USA zuschob, die diesen Messias denn auch „big daddy of the New Left“ taufte. Man wollte den sozialen Wandel mittels „Proteste in der Öffentlichkeit“ erreichen, die Augen des Publikum und des Medienpublikum auf sich lenken.  Die erste Phase  wurde in  der  BRD  bestimmt durch Polithappenings, durch eine harmlose Form der schrillen Aufmerksamkeitserregung, so zum Beispiel durch in einen Plastikbeutel eingehüllten Pudding, der anläßlich des Berlinbesuches des US-Vizepräsidenten Hubert Humphrey auf sein Poster geworfen wurde, und das die Politische Polizei reißerisch in eine Plastikbombe manipulierte, durch die „Kommunarden“ Teufel undLanghans aus der Berliner Kommune I, die die freie Liebe unter Mao- und Hopostern propagierte. Studentinnen setzten provokativ ihre Busen ein,  ganz wie der  Maler Delacroix seine berühmte  Marianne auf  dem Revolutionsgemälde  „Die Fahne führt die Freiheit“  präsentierte. Es war am Anfang eine Spaßguerilla. Ernst machte erst Kunzelmann, der im Herbst 1969, noch vor der RAF, die Tupamaros Westberlin gründete. (Es folgte eine Kampfeinheit in München). Der Inka Tupac Amaru II.  kämpfte gegen die Spanier, vielleicht spukte, durch Hasch befördert, in den Köpfen, dass man eine übermächtige imperialistische Armada doch noch in die Knie zwingen könnte wie Sir Francis Drake mit asymmetrischen Mitteln die als unbesiegbar geltende spanische Armada aufgerieben hatte. Aus der Spaßguerilla wurde die Stadtguerilla – in diesem Augenblick distanzierte sich die RAF von Marcuse.(19.) Der Hedonismus wich dem Ernst des Krieges. Es hat sich gezeigt,dass der klassische  eiserne Marxismus gehalten hat  gegen  den anarchistischen antiauoritären Aufschrei von Haschrebellen. Engels hatte in seiner Polemik gegen die  Anarchisten tausendmal  Recht, als  er eine .Revolution „….als das autoritärste Ding, das es gibt“. (20.) bezeichnete. Burn Warehouse Burn war eine Brandstiftung in der Intention,  den Anarcho-Kommunismus  mit dem Abbrennen des Konsumismus einzuleiten und zugleich einen Hauch des Vietnamkrieges in Deutschland zu entfachen, wobei die Kommunarden das kronstädtische Ferment lieferten. „Es ist immer noch besser,  ein  Warenhaus anzuzünden als ein Warenhaus zu betreiben….“ sagte Fritz Teufel auf einer Delegiertenkonferenz des  SDS  und Ulrike  Meinhof  kommentierte diesen Satz  in   der  „konkret“:  Heft 14/1968: Machmal  kann  Fritz  Teufel  wirklich  gut  formulieren. Die Lust, ein Warenhaus anzuzünden, verspürte auch schon Hermann Hesses Steppenwolf.  (Hermann Hesse, Der Steppenwolf, Bibliothek Suhrkamp, Band 226,1969,31) „Klau mich“, hieß denn auch das Buch, in dem die Teufelkommune 1968 ihre Aktivitäten dokumentierte, ein Titel, Proudhons: „Eigentum ist Diebstahl“ variierend. Mit diesen Nadelstichen begann der Guerillakrieg, der durchaus für den staatlichen  Repressionsapparat  das Moment der  Überraschung aufwies,  der zunächst  ziemlich hilflos auf diese neue Protestform  reagierte, die  ihm  unbekannt  war,  und die aufzeigte,  dass  eine Bürokratie  ohne Konzept und  Dienstanweisung  von oben ziemlich gelähmt ist. (21.)  Dem Leviathan hatte es buchstäblich die Sprache verschlagen. Instinktiv handelte die RAF hier richtig, wie Lenin uns lehrte: Der Krieg  ist eine kunterbunte  Sache,  da darf man nicht mit einer Schablone drangehen. In einer  kommenden Revolution  wird die Arbeiterklasse,  wenn sie diese Aussage Lenins beherzigt, unbedingt im Vorteil gegenüber dem schwerfälligen Repressionsapparat sein,  dessen  bankkontofixierten  Lenker in der Regel nicht  dialektisch-prozesshaft denken können und in ihrer Schablone, ihrer  Uniform und ihrem  behelmten Schwarzweißgehirn eingezwengt sind.“Die Emancipation des Proletariats wird auch einen besonderen militärischen Ausdruck haben, wird eine aparte , neue Kriegsmethode erzeugen.“ (22.)  Zum Beispiel lebt der asymmetrische Krieg,der in Vietnam die Welt und besonders die militärische Fachwelt in Erstaunen versetzte,  ja  geradezu von  der Siegesmöglichkeit auch  der  zahlen- und  waffenmäßig  schwächeren  Kräfte. (23.) Die RAF sprach selbst von ihrer revolutionären Interventionsmethode von insgesamt schwachen revolutionären Kräften.  Schon Clausewitz war der Auffassung und lehrte, dass einige einen gewissen Raum beherrschende Partisanen Armee genannt werden können. Hinzu kam, dass viele Jugendliche diese ersten Aktionen mit Sympathien begleitete, 25 % (7 Millionen !!).“Die antiautoritäre Revolte der Studenten, Schüler und jungen Arbeiter…ist die Empörung gegen ein sinnlos erscheinendes Leben und gegen die zynische Bevormundung von Autoritäten….“ (24.) schreibt Bernd Rabehl in seinem Aufsatz „Von der antiautoritären Bewegung zur sozialistischen Opposition“. Aber man muss diese Jugend noch klassenspezifisch differenzieren, im wesentlichen ist nur auf die Arbeiter- und Bauernjugend Verlass.

Was aber positiv als Überlieferung bleibt, und was die RAF unbedingt richtig gemacht hat, waren ihre Banküberfälle: die Bonzen haben die Revolution zu finanzieren.  Das durch die Arbeit des Volkes angehäufte Kapital muss nicht in den internationalen Börsenspielhöllen verzockt und Nachschub  per Milliardensteuerauspressung eingetrieben und nachgereicht, sondern  das  Kapital  muß  dem Volk wieder  zugeführt werden. Der von Lenin inspirierte und von Stalin  ausgeführte Banküberfall in Tiflis zur  Aufbesserung der Parteikasse bleibt immer ein leuchtendes Vorbild: Schon Marx und Engels sprachen im Kommunistischen Manifest von despotischen Eingriffen in das bürgerliche Eigentumsrecht.  Es gibt für das satte,  sogar überfressene Bürgertum keinen sensibleren Nerv als sein liebster Fetisch, eingedenk Bert Brechts Wort:  was ist ein Banküberfall im Vergleich zur Gründung einer Bank ? Um es gut teuflisch  zu formulieren:Es ist immer noch besser,  eine Bank auszurauben als eine Bank zu betreiben. Das progressive Moment einer Warenhausbrandstiftung liegt nicht in der Vernichtung der Waren, es liegt in der Kriminalität der Tat, im Gesetzesbruch.“ 25. Ohnehin legt sich der Marxismus nicht  auf eine bestimmte Kampfform fest. In Lenins Aufsatz von 1906: „Der Partisanenkrieg“,  haben die Theoretiker der RAF zwei Kampfformen entdeckt, die sie in der Praxis anwandten: Tötung von einzelen konterrevolutionären Personen durch kleine bewaffnete Gruppen ist ebenso eine marxistische Kampfform wie die Beschlagnahme  von Geldmitteln sowohl von  Einzelpersonen als auch von der Regierung. ( 26.)  Dieser Aufsatz Lenins von 1906  ist im  Gesamtkomplex  Baader  Meinhof eine  Schlüsselschrift, ihrer aktualisierenden Interpretation wird in einer der theoretischen Hauptschriften der RAF: „Kollektiv RAF Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa“ ein ganzes Kapitel gewidmet ( Terror gegen den Herrschaftsapparat – ein notwendiges Element der Massenkämpfe) (27.) In diesem Kapitel wird versucht, die zahlreichen Mißverständnisse  über die Auffassungen Lenins zu Fragen des Terrors zu beseitigen, indeß wird Lenins Partisanenaufsatz nicht in seiner Vollständigkeit berücksichtigt, wesentliche Punkte bleiben unerwähnt: So entwickelt Lenin, daß sich Partisanenaktionen  in Rußland erst NACH dem  Dezemberaufstand  von 1905 herausbildeten, keineswegs kann durch sie ein Aufstand  vorbereitet und auch keine wesentliche politische Entscheidung herbeigeführt werden, denn Partisanenaktionen werden als untergeordnete Kampfformen gewertet: sie sind „ein einzelner Zug…..etwas Zweitrangiges, Untergeordnetes….“ ( 28.).  Grundsätzlich kann  durch sie die Machtfrage: Bourgeoisie oder Proletariat nicht herbeigeführt werden. Aber die RAF folgte hier fatalerweise Che, dessen Focustheorie den Partisan vorwelterlöserisch zum Inaugorator der Bedingungen revolutionärer Umwälzungen hochstilisiert. Weiterhin betonte Lenin, dass es wünschenswert wäre, Partisanenaktionen unter die Leitung der KP zu bringen.( 29.) und weist zugleich auf die Gefahr der lumpenproletarischen Abweichung hin. „Man sagt, der Partisanenkrieg bringt das klassenbewußte Proletariat den heruntergekommenen Trunkenbolden und Lumpenproletariern nahe. Das ist richtig. Hieraus  folgt aber nur,  daß die Partei  des Proletariats den  Partisanenkrieg  niemals  als einziges oder gar wichtigstes Kampfmittel betrachten darf,daß dies Mittel anderen Mitteln untergeordnet,mit den wichtigsten Kampfmitteln in Einklang gebracht und durch den aufklärenden und organisierenden Einfluß des Sozialismus veredelt werden muß.“  ( 30.)  Ich  habe wichtige leninistische  Punkte zu diesem  Thema  aufgeführt,  die die RAF im Kapitel über die Massenkämpfe unerwähnt ließ. Will man mit einem sekundären Kampfmittel die Befreiung  des Proletariats erreichen, ergeben sich Konfusionen folgender Art: es wird von der RAF ein Kampfszenario entworfen, in dem es der aus dem Untergrund operierenden Guerrilla immer mehr gelingt,den Staatsapparat zu zersetzen,so dass dieser die Sicherheit der Ausbeuter nicht mehr garantieren kann. „Begreift der einzelne Ausbeuter,dass der Staat seine Sicherheit nicht mehr garantieren kann, so kann ihm durch eine richtige Politik gleichzeitig beigebracht werden, dass die Lohnabhängigen  unter bestimmten Bedingungen bereit sind,  durch  ihre  politischen Organisationen  seine  persönliche Sicherheit allgemein und seine wissenschaftliche Betätigung  mit  Einschränkungen  für die Übergangszeit  bis zur sozialistischen Umgestaltung  des  Produktions- und Verteilungsprozesses zu garantieren“  (31.)  Das Proletariat schützt  die  Ausbeuter  und ihre wissenschaftliche Betätigung  (etwa  deren  Weiterentwicklung des Marxismus-Leninsmus ?) Gegen ganz verhasste Ausbeuter muss sogar das revolutionäre Standrecht angewandt werden.Auch  schon  in vorrevolutionären  Zeiten ist es die Pflicht von Revolutionären, einzelne verhasste Volksfeinde zu liquidieren (zum Beispiel Faschisten) und auch durch Banküberfälle Mittel zur Finanzierung der Revolution,auch zur Unterstützung  von Hartz IV  Empfängern  und Menschen, die am Rande des Existenzminimums leben,  zu besorgen. In diesen beiden  Punkten stimmte die  RAF mit dem  Leninismus völlig überein und schon Marat erklärte es für durchaus zulässig, dass Mitglieder der patriotischen Gesellschaften berechtigt sind, Volksfeinde zu töten.  Es trifft also die Feststellung des Professors Greiffenhagen nicht zu, dass die Terroristen in Beweisnot kämen, „…ihre Morde in einem bekannten Revolutionsshemata unterzubringen.“ (Siehe: DER SPIEGEL Nummer 45 vom 31.10.1977). Unzutreffend ist auch die Aussage vom MLPD Guru Stefan Engel, der von der Ermordung Hanns Martin Schleyers „durch Anarchisten der RAF“ 32.  spricht. So nicht, Herr Engel, so nicht !! Die Arbeiterbewegung wies schon in ihren Anfängen   enorme terroristische Aktivitäten auf und diese werden historisch belegt von Engels  in der „Lage der arbeitenden Klasse in England“. Nicht nur Liquidierungen von Fabrikanten (so 1831 der junge Ashton in Hyde nähe Manchester), er zählt allein sechs Fälle – gleich guter Geschäftslage – von Brandstiftungen und Sprengungsversuchen innerhalb von vier Monaten um die Jahreswende 1834/44 auf. Die „Thugs von Glasgow“ (33.), eine Organisation von Baumwollspinner, gingen durchaus konspirativ vor und hatten bei Streiks (Turnouts) ein geheimes, den meisten Mitgliedern unbekanntes Komitee, „…und unbeschränkt über die Gelder verfügen konnte. Das Komitee stellte Preise auf die Köpfe von Knobsticks (Streikbrecher), verhaßten Fabrikanten und auf Brandstiftungen in Fabriken.“ (34.) Es wurde sogar die Mutter eines streikbrecherischen Mädchens, eine Frau Mac Pherson, ermordet und den beiden Tätern die Flucht nach Amerika finanziert…diese Reihe ließe sich noch lang  fortsetzen, kurz: das alles waren Aktivitäten, die das Bundeskriminalamt unter der Rubrik „Terrorismus“ und Stefan Engel unter Anarchismus registrieren würde. Engels beendet seine Aufzählung mit dem Satz: „Was sagen unsere guten Deutschen zu dieser Geschichte ? (35.) Was sagt unser guter Professor Greiffenhagen zu dieser Geschichte ? Auch positiv zu bemerken ist: die  RAF hat  den reaktionären Charakter  der  SPD für alle politisch mitdenkenden  Menschen in der  BRD bloßgelegt  und ihr  Herold,  der damalige Chef des BKA, gefiel sich in  der Rolle eines Mini-Noskes. Derselbe Herold übrigens,  der 2 Jahre nach Auflösung der RAF zu der  Einsicht kam,  dass  das Ende  des Kommunismus  Probleme hinterlassen habe, die  zu seinem Entstehen geführt hätten (36.).  Das ist keineswegs eine intellektuelle Entgleisung eines weißgardistischen Bürgerkriegsgenerals. Der Kommunismus geht als Gespenst um in Europa und in der ganzen Welt.Ulrike Meinhof zeigte auf,  wie richtig  Rosa Luxemburgs  Wort über  die deutsche Sozialdemokratie war: sie bezeichnete sie als „stinkenden Leichnam“.  Kaum tauchen erste „Rotarmisten“ auf,  da  faucht  dieser  Wachhund  der Konterrevolution in  der Tradition Noskes  („Einer muss den Bluthund spielen…“  gegen  revolutionäre  Matrosen und Soldaten..im Verein mit monarchistischen Generälen wurden 15 000 liquidiert),  angeführt von  Helmut Schmidt,  der  schon  bei Freislers  Schauprozess gegen  die Widerstandskämpfer  vom 20. Juli im  preußischen Kammergericht unter  dem handverlesenen  Hardcorenazipersonal dabei war, zu einer Zeit, da die KPD schon 50 % ihrer Mitglieder durch Nazimord  verloren  hatte,  und  der  dann  danach,  nach dem Zweiten Weltkrieg  tönte, Freisler sei ihm ekelhaft vorgekommen…ja ja handverlesenes Publikum…. Gegen  diese den linken Flügel des Faschismus bildenden SPD müssen tausende revolutionäre  Bluthunde  aufstehen,  die  diese  Partei  bis  zur  Unkenntlichkeit zerfleischen.  Denn ohne Zweifel ist  die Aufteilung der Menschheit  in  kapitalistische Herren- und lohnabhängige Untermenschen  ein unverrückbarer fundamentaler  Wesenszug   sozialdemokratischer Ideologie. Oft ist der Anarchismus eine Art Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung. (37.) Es gibt Gutachten von  Rechtsmedizinern, die die Stammheimselbstmorde bestreiten. Die RAF hat sich 1998 aufgelöst, ist  also  historisch. Dennoch bleiben, merkwürdig genug, die Archive geschlossen, was darauf hindeutet, dass eben nicht alles widerspruchsfrei ermittelt worden ist. Zum Tode Jan Raspes bekundet der Zeuge Götz, dass er Raspe in Stammhein die Pistole aus der Hand nahm, bei Selbstmördern fällt diese bei einem Schläfenschuß aber aus der Hand. Den Zeugen Götz übergehend, behauptet die Staatsanwaltschaft in ihrer Einstellungsverfügung des Todesermittlungsverfahrens, die Pistole sei neben Raspes rechter Hand gefunden worden. Zwei dicke Patzer sind (absichtlich ?) auch in den Todesfällen Meinhof und Ensslin zu vermerken: bei beiden Frauen wurde der Histamintest unterlassen, mit dem man feststellen kann, ob jemand tot oder lebend in die Schlinge kommt. (38.) Historisch sei angemerkt: Liquidierungen in Gefängnissen gab  es schon in der Großen Französischen Revolution, in den sogenannten Septemberwirren drangen bewaffnete  Massen  gewaltsam in  Pariser  Gefängnisse ein und töteten inhaftierte Kleriker und Adelige. Die Dialektik  lehrt,dass  das Verhältnis von Revolution und  Konterrevolution  umschlagen  kann.  Statt Massen stehen aber  der Konterrevolution nur „Geheimdienstspezialisten“ zur  Verfügung. Wir  würden an diesem Beispiel sehen, wie  die  einst  progressive  Rolle der  Bourgeoisie im Imperialismus als sterbender faulender Kapitalismus, der nicht Freiheit, sondern Herrschaft  will,  in  einer verbürgerlichten Arbeiterpartei in ihr Gegenteil umgeschlagen ist. Lenin hatte ja bereits den Niedergang des Kleinbürgers skizziert: 1789 noch ein großer Revolutionär, 1848 lächerlich, 1921 „widerliche Helfershelfer der Reaktion“. (Naturalsteuer, LW 32,374). Die RAF ist ja gerade eine Frucht des sterbenden und  faulenden  Kapitalismus. Man braucht  heute nur  aus der  Haustür zu gehen  und man  riecht sofort  diese  sozialdemokratische Fäulnis. Erinnert  sei an den Satz Gustav  Landauers:  „In der  ganzen Naturgeschichte kenne ich kein ekelhafteres Lebewesen als die Sozialdemokratische Partei.“ (39.) Diese  richtige Einschätzung sollte sich in  der Novemberrevolution kurze Zeit später  an  ihm tragisch bewahrheiten,  er  wurde von  Noskes Freikorpssoldaten zu Tode getrampelt- nicht  erschossen. (Damit jedoch nicht genug: die Nazis schickten nach ihrer Machtübernahme seine Gebeine in einem Sack an die Jüdische Gemeinde in München). In seinem 2010 erschienenen Buch: „Meine Jahre mit Willy Brandt“ erinnert sich der Leiter seines Büros, Reinhard Wilke, dass bei manchen Kabinettssitzungen die Minister unter sich bleiben wollten und alle Beamte des Saales verwiesen wurden mit den Begleitworten von Helmut Schmidt: „Schickt die Domestiken raus !“ Aber das ist gerade die Sprache des Herrenmenschentums. Oder die volksfeindliche Äußerung anläßlich des Aufhängens seines Portraits als Bundesminister der Verteidigung in 6332 Amtsstuben der Bundeswehr, was dem Steuerzahler 129033,50 DM kostete: „Wie sonst soll der einfache Soldat begreifen, dass inzwischen Sozialdemokraten die Bundeswehr befehligen !“ Der einfache Soldat begreift mehr, als der Minister ahnt. In für  die  kapitalistische  Herrschaft  gefährlichen Situationen ist  die SPD, um ein  altes, verfaultes Gesellschaftssystem zu retten, zu größten Kapitalverbrechen bereit, sie hat durch mehrfachen Verrat an der  Revolution, worauf Sebastian Haffner in seinem Buch: „Der Verrat“ eindrucksvoll hingewiesen hat,   die Weichen für den faschistischen Genozid gestellt. (Erinnert sei hier zum Beispiel nur an die Märzaktion 1921, gegen die unter Einsatzleitung des SPD Oberpräsidenten Otto Hörsing preußische Polizei blutig gegen die Leuna Kumpel vorgingen, deren Parole lautete: Dass unsere Wohnstätte kein Gelände der Konterrevolution wird, dafür kämpfen wir.) Der  Rußlandfeldzug  gegen  den Bolschewismus wurde mit einem Kommissarbefehl geführt,vielleicht schlummert in den Archiven ein zweiter Kommissarbefehl in der  deutschen Geschichte des  20. Jahrhunderts. Überhaupt darf  der  Zusammenhang:  Ermordung  Karl Liebknechts  Rosa Luxemburgs -Kommissarbefehl Hitlers- Stuttgart Stammheim nicht aus den Augen verloren gehen.

Militärisch war die Theorie der RAF ein Mischmasch  aus Guerillakonzepten verschiedener Erdteile,  die grob  einem  Dreistufenmodell „Taktik als Prozeß“ verhaftet  waren:  grundlegend  aus Ostasien:Terrorakte und Attentate-Agitation- Volkskrieg, dann Ches Focustheorie,mit der sich Rudi Dutschke, auf den das Wort Stadtguerilla zurückgeht, viel beschäftigt hatte, vor allem aber zogen sie Anleitungen aus dem Handbuch des brasilianischen Stadtguerillero  von  Carlos Marighella,  ein Buch,  das  in  der BRD auf dem Index stand. Carlos Marighella, der aus  der KP  Brasiliens ausgetreten war und der in einer Polizeifalle in Sao Paulo erschossen wurde. Man ignorierte den  wichtigen Hinweis von Lenin,  dass Revolutionen reifen müssen,  sie lassen sich nicht berechnen, man kann Massenaktionen nicht künstlich hervorrufen.  „Wir in unserem Land, wo man zwei Revolutionen durchgemacht hat, wissen und sehen,  daß man  den Verlauf der Revolution nicht voraussagen, daß man sie  nicht hervorrufen kann. Man kann nur für die Revolution arbeiten.“ (40.) Darin waren sich Lenin und Luxemburg einig.Und Marighella Meinhof Che wollten Revolution machen, ebenso Che, linksvoluntaristisch, in der Focus-Theorie ist der subjektive Faktor überragend. (41.) Assoziativ drängt sich Lenins Aussage auf:  Revolutionäre sollten sich hüten, Revolution mit großen Buchstaben zu schreiben.  (Fernost und Lateinamerika waren abgegrast, die Afrikaschrulle kam bei den Linken später). Der Idee nach sollte die rurale Guerilla ergänzt werden durch eine urbane in Westeuropa. Hierzu liest man Gründliches in dem Aufsatz von Wolfgang Kraushaar: „Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf“ (42.), dass Dutschke (zusammen mit Krahl) noch eher als Marighella eine Stadtguerillakonzept entworfen hatte und als Begründer der Stadtguerilla in Deutschland bezeichnet werden kann, ungeachtet seiner späteren eindeutigen Distanz zur RAF. „Die Propaganda der Schüsse (Che) in der `Dritten Welt´ muß durch die `Propaganda der Tat´ in den Metropolen vervollständigt werden, welche eine Urbanisierung ruraler Guerilla-Tätigkeit geschichtlich möglich macht. Der städtische Guerillero ist der Organisator schlechtinniger Irregularität als Destruktion des Systems der repressiven Institutionen.“ (43.) Dieser Shematismus ließ sich historisch nicht durchsetzen, er verfing nicht, weil sich in den Metropolen ein streng reaktionäres Kleinbürgertum auf Bildzeitungsniveau etabliert hatte, in das die Arbeiteraristokratie hineinwollte, auch in weltrevolutionärer Hinsicht gab es ein Nord-Süd-Gefälle, die Guerillabewegungen in Lateinamerika, dort sogar überwiegend gegen brutale Militärregimes kämpfend, waren langatmiger, weil die Guerilla mehr Akzeptanz bei  nicht verbürgerlichten  Arbeiter/innen fand, für deren Korrumpierung die Extraprofite der einheimischen Bourgeoisie fehlten und das schwankende Kleinbürgertum politisch winzig war. (Die lateinamerikanische Guerilla hatte zudem Rückzugsräume auf dem Lande. Die massenhafte Landflucht ruinierter Bauern in die Industriegebiete ließ die verwandtschaftlichen Beziehungen der in Favelas urbanisierten Proletarier zum Dorf teilweise intakt). Die Distanz zwischen Dutschke und der RAF war deshalb gegeben, weil die RAF das Gewicht der ruralen Guerilla minimisierte und in Deutschland gar nicht erst aufbauen wollte, nicht weil Dutschke Pazifist war. Und hier kommen wir zur Lehre: der wilde Kampf der RAF-Partisanen, und Partisan heißt ironischerweise Parteigänger, hat bewiesen, dass es ohne eine streng disziplinierte leninistische, beharrlich arbeitende  Kaderpartei nicht geht, das war der Grund, dass der Kontakt weder zur Arbeiterklasse noch zu ihren Söhnen in der Bundeswehr gelang, der Funke sprang nicht über,  die Wahlergebnisse zeigten den für eine Revolution mangelhaften Reifegrad  des westdeutschen  Proletariats und dieses relativ unreife Proletariat sollte  durch  Aktionismus sogar  zu einem Volkskrieg gebracht werden. „Alles, was die Menschen in Bewegung setzt, muß durch ihren Kopf hindurch…“ (44.), eine bemerkenswerte Aussage von Engels gegen die revolutionäre Ungeduld. Man muß Millionen und Abermillionen Köpfe gewinnen, und in alle Klassen der Bevölkerung gehen, in allen maßgeblichen Organisationen des Herrschaftsapparates seine Leute, seine Informanten sitzen haben, denn die Pläne des Feindes kannst du nur durch Menschen erlangen. Der alte chinesische Kriegsweise Sun Tzi , dem Mao gern Zitate entlieh, sprach von der „…göttlichen Handhabung der Fäden.“ (45.) Aber dafür lag eine  doppelte Schwierigkeit  im Wege: Deutschland als Land der klassischen Konterrevolutionen (46.), das bis heute zum Beispiel nicht die Tradition des politischen Streiks kennt, und eine primitive gegenaufklärerische Springer Presse, die die Köpfe entrepublikaniserte und eine widerliche emotionale faschistische Suppe kochte. Die Springerpresse berherrscht die Köpfe zum Zwecke einer Infantilisierung des deutschen Volkes. (Linke Studenten in Italien hatten die „Stampa“ auserkoren, um sie mit Springer gleichzusetzen, die Parole lautete „La Stampa = Springer“). Die DDR war leider keine für eine Guerrilla unentbehrliche  Anlehnungsmacht, da sie nicht mehr ein  Land  der „…tief innerlichen, ruhelosen Dialektik..“  war  (47.), sie  wurde lediglich Zufluchtsort. In der DDR tauchten zehn Kämpfer unter und diese wurden von der Stasi wie Fische unter Wasser gehalten.  So  wurde von seiten der Bundesregierung anläßlich  der  Lufthansaentführung nach Mogsdischu  unter dem Kommando „Martyr Halimeh“, sowohl  an  die  Regierungen in Ostberlin als auch in Moskau auf  geheimdiplomatischen Weg das Anliegen der Bundesregierung vorgetragen: um kooperatives Verhalten wird nachgesucht.(48.)  Moskau war über seinen KGB Agenten Haddad alias Abu Hani, dem Inspirator der Entführung, informiert. So war die RAF spontan und künstlich zugleich.  Sie schwebte  in der Luft  und  hielt Kontakt zu palästinensischen Splittergruppen. Es mußte zu einer Regression kommen, je mehr sich die RAF als eine Gruppe von Intellektuellen erwies, die den Volksmassen unverständlich blieb. Je mehr sich statt der Flut der Revolution die Ebbe der Sandbank als Guerrilaterrain herausstellte, auf der das stolze Schiff der Revolution strandete, verfiel sie gezwungenermaßen in den größten Fehler, den Revolutionäre begehen können: sie verwechselten ihre politische und ideologische Sichtweise und Stellung mit der objektiven Wirklichkeit. Sie lagen quer schon durch die theoretische Vorbereitung der 68er Bewegung durch eine buntscheckige Schar von parteidissidenten Intellektuellen, die sowohl den Crutschowschen Weg  als auch den american way of life ablehnten. Angesichts der bipolaren Welt erscheint heute ihr Aktionismus als ein weiteres Beispiel eines Scheiterns des dritten Weges, zumal die Systeme kovergierten. Revolutionäre müssen eben fest  in  den Volksmassen verwurzelt sein, sie müssen die Mehrheit des Volkes,  die Arbeiter,  Bauern und  einfachen  Soldaten  unbedingt  hinter  sich  wissen. Lenin machte es der deutschen kommunistischen Partei zur Aufgabe: „……unaufhörlich darauf  bedacht sein,  die Mehrheit  der Arbeitermassen sowohl  in den .Gewerkschaften als auch außerhalb  der Gewerkschaften zu erobern;  geduldig  eine starke und kluge kommunistische Partei .aufbauen,  die fähig ist,  bei  allen  und  jeglichen Wendungen der Ereignisse die Massen wirklich zu führen…“ ( 49.) Von ihrer sozialen Provenienz kamen ihre Mitglieder nicht aus der Arbeiterklasse und nicht aus den Bauern,eher aus dem schwankenden  und anarchismusanfälligen Kleinbürgertum und den mittelständischen Intellektuellen,  nicht verwurzelt in  den Massen und  vor allem nicht im Industrieproletariat  blieb  ihnen nur der Weg  des individuellen situationistischen Terrors. Wenn einer These der Geschichtswissenschaft zuzustimmen ist, dass die Wurzeln der neuzeitlichen Guerillakriegführung im Kleinkrieg erzkatholischer Bauern in Spanien gegen die napoleonischen Truppen liegt , aufgestachelt vom fortschrittsfeindlichen katholischen Klerus und gestützt durch eine Anlehnungsmacht in Gestalt  britischer Truppen unter Wellington, (Napoleon schrieb in einem Brief an seinen Hamburger Generalgouverneur Davout vom 2. Dezember 1811 über die Spanier, sie seien ein meuchelmörderisches, abergläubisches von 300 000 Mönchen in die Irre geführtes Volk), so schöpft die Guerilla ihre mitunter erstaunliche Stärke auch aus nichtpragmatischen Quellen, die am Ende aber fatal werden können. So zelebrierte Ulrike Meinhof während ihres Studiums in Marburg öffentlich Tischgebete in der Mensa, dann in Stammheim bezichtigte sie, aus der Michaelsbruderschaft des Berneuchener Kreises stammend,  sich selbstquälerisch als Nonne, weil sie ihre sadistisch – religiöse Charakterstruktur als Schoßkind der herrschenden Klasse nie „…restlos in mir abgetötet habe“ (50.), die hagere Pastorentochter Ensslin war unter dem Einfluß von Baader ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr lernwillig (Hass sei wichtiger als Bücherwissen), verfiel vielmehr einem infantilen Personen- besser sexuellen Körperkult an ihrem „Baby“  und Verena Becker notierte in ihrem Tagebuch, dass sie für Siegfried Buback bete, Sätze, die fast so klingen, als hätte sie ein Schuld suchender Bundesanwalt diktiert: „Nein, ich weiß nicht, wie ich für Herrn Buback beten soll, ich habe wirklich kein Gefühl für Schuld und Reue. Natürlich würde ich es heute nicht wieder machen. Aber ist es nicht armselig, so zu denken und zu fühlen ? Das scheint noch ein weiter Weg zu sein.“ Das ist nicht rotarmistisch, eher das Verhalten einer geläuterten Anarchistin, die sich vom „Satanismus“ Bakunins befreien will, der in seinem Werk „Gott und der Staat“ Satan als ewigen Rebellen, ersten Freidenker und Weltenbefreier verherrlichte.Der Anarchismus erwies sich wieder einmal als ein Produkt der Verzweiflung aus der Bahn geworfener Intellektueller, die den Klassenkampf nicht als schöpferische Kraft begreifen. (51.)  Man berief sich ohnehin auch auf den Asketen Savonarola (52.), asketisch war die Arbeiterbewegung aber nur in ihren Anfängen.(53.) Unterschwellig war der für die Popmusikgeneration der 60er Jahre typische Romantizismus spürbar, dessen Irrationalismus Chuck Berry in dem Song „Roll over Beethoven“ anstimmte. Ging es der westlichen Protestbewegung um einen Aufschrei gegen den bürgerlich rationalisierten Herrschaftsmechanismus, ein beliebtes Wort war „Die formierte Gesellschaft“, gegen die verwaltete Welt, so den Rotgardisten in der Anti Konfuzius Anti Beethoven Kampagne um die Zertrümmerung des bürgerlichen Gehaltes der französischen Revolutionsmusik von 1789, die Beethoven thematisert. (Musik habe, so Adorno, mit Beethoven  nicht mit Dichtung, sondern mit Philosophie konvergiert(54.), aber das war eben der klassische deutsche Idealismus. Der deutsche Idealismus wurde in Deutschland nach dem Feuerbachschen Fehlversuch endgültig hingerichtet in der „Deutschen Ideologie“ von Marx und Engels, so dass Marx nach diesem Massacker Hegel im „Elend der Philosophie“ Proudhon als simplen Philosophen präsentierte). Und auch hier berühren sich die Extreme. So gesehen war der von Habermas oberflächlich hingeworfene Satz: sie seien Scheinrevolutionäre, nicht völlig abwegig.(55.) Die internationale Jugendbewegung war zahlenmäßig mächtig, eine politische war sie primär nicht, es herrschte eindeutig das „musikalische Denken“ von Woodstock vor. Statt der Aufforderung Che Gueveras zu folgen ein, zwei, drei viele Vietnams zu schaffen, begehrte sie ein, zwei, drei viele Woodstocks. Der Hedonist Tuli Kupferberg trat in den verklemmten USA als Sexualaufklärer auf und publizierte drei Bücher: a) über Sex, b) dem Wehrdienst zu entkommen und c) ohne Arbeit zu leben. 1968 wollte er mit seiner Beatband „The Fugs“ mit einem VW-Bus in die CSSR reisen, um sich sowjetischen Panzern masturbierend entgegenzustellen – was fürwahr eine originelle Weiterentwicklung der marxistisch leninistischen Kriegswissenschaft gewesen wäre. Die sich so gegenüberstehenden Rohre sollten wohl ausdrücken: Make Love not War. 56. Die Manipulierung der CIA durch LSD, das intern vor allem zur Verwirrung von Soldaten getestet wurde, war gelungen, mann/frau und alle in-bitweens, die Verwischung der Geschlechter war für die Hippiebewegung tendenziell prägend, fühlte sich durch angebliche Bewußtseinserweiterung in einer höheren elitären Sphäre, man war high und in, zerstörte aber in Wirklichkeit seine/ihre Persönlichkeit, an eine Weiterentwicklung des Marxismus schon gar nicht zu denken. Am Ende galt der Marxismus als idealistisch und der Theoretiker, der den Marxismus so widerlegte, war tot: Nach einer ideologischen, politischen und sexuellen Drogenodyssee landete Bernward Vesper, der Ex-Freund von Gudrun Ensslin, in der geschlossenen Abteilung des Psychatrie in Hamburg Eppendorf, aus der er Mitte Mai 1971 entlassen wurde. Wenig später zog er durch Schlaftabletten den Finalstrich zum Universum. Er hatte nach einer Welterlösungsformel gesucht und „korrigierte“ Koryphäen sowohl der Gesellschafts- als auch der Naturwissenschaften. Seine weltphilosophische Formel lautete: „Es ist, also denkt es“, und seine naturwissenschaftliche: „Energie = Erfahrung x Hass hoch 2“. In seiner persönlichen Weltformel fielen die „Explosion des Orgasmus“ und die Freiheit durch Suizid zusammen. Wenn die 68er Bewegung überhaupt urdeutsch hegelianisch war, so wurde dieser Sachverhalt manifest in Vespers „botschaft der weltbefreiungsfront an die völker der welt“ – der Wahn des Weltphilosophen Vesper, dass sich die Selbsterfassung des Universums durch das Medium seiner Person vollzöge. „Aber auch alle modernen Wissenschaften, einschließlich des Marxismus, der Psychoanalyse und der Relativitätstheorie waren noch immer idealistisch. Es bedurfte einer „Relativitätstheorie der Erkenntnis°, einer Synthese von Marx und Einstein, Freud und Reich, Platon und Hegel, Lenin, Stalin und Mao tse tung, um die Menschheit auf eine höhere Stufe der Erkenntnis der Gesetze zu führen, denen ihre Existenz unterlag. Und der, Bernward Vesper, hatte in einem jähen Moment der Intuition den archimedischen Punkt dieser Erkenntnis gefunden, oder auch ihren thermodynamischen Hauptsatz, der lautete: sein und bewußtsein stehen sich als unendliche dialektik, als negation der negation gegenüber, damit ist der hauptwiderspruch des weltalls gelöst…“ (57.) Es ist, als ob ein Schriftsteller auf dem Feld der Philosophie über seine eigenen Formulierungen erstaunt ist. Und nun die Ansprache des unwiderlegbaren Weltphilosophen an die Völker der Welt, und nun das von der Ensslin herbeigesehnte Wahnhafte des Sozialismus: der Marxismus ist idealistisch und Probleme lösen sich durch Weltphilosophieren. Das Deutsche absolutet eben. Politisch bewegte er  sich in einem Drahtseilakt des jederzeit möglichen Sturzes in den bewaffneten Untergrund (seine Sorge um seinen Sohn Felix, dessen Mutter Gudrun Ensslin ist, hielt ihn oben). Seine tragische Biografie ist in gewisser Weise exemplarisch für junge ( in diesem Fall schriftstellerisch ) begabte Menschen, die auf Grund innerer Haltlosigkeit an den deutschen Verhältnissen zerbrochen sind und die belegen, daß man mit Drogenkonsum und Musikrausch dem wissenschaftlichen Sozialismus am allerwenigsten beikommen kann. Die Tragödie wurde aus dem Geist der Musik geboren.  Klaus Wagenbach sagt am Grab Ulrike Meinhofs, daß die deutschen Verhältnisse sie getötet hätten. In ruhigen Zeiten wird in Deutschland alles philisterhaft. Die durch die alle Lebensbereiche umfassende kapitalistische Kalkulation am meisten Leidenden werfen im Drogenrausch die Fesseln der Mathematik kurzfristig ab, um ihr sodann um so mehr zu erliegen. Vesper zerbrach auch an der faschistischen Verstrickung seines Vaters, für viele war die Teilnamhe an den Vietnam Demonstrationen das Abtragen einer spezifisch deutschen Schuld, sie gaben die Möglichkeit, auch gegen die gegen ihre Kriegsschuld apathische Elterngeneration zu demonstrieren. Zwar wäre die Konterrevoltion in  Deutschland damals  nicht in  der Lage gewesen,  faschistischen Massenterror  gegen sie zu mobilisieren,  der das akademische Sympathisantenfeld eventuell stark und  unberrechenbar vergrößert hätte, dort machte ja gerade das Wort von der „klammheimlichen Freude“ die Runde, wohl aber einen über weiße Folter gehenden massiven Terror der Sicherheitsapparate,  dieser  wurde in vollster  Brutalität gegen  sie eingesetzt. (58.) Dies war bereits ein Vorgeschmack des neuen „verfeinerten“ Faschismus, der in Zukunft an fortschrittlichen Menschen einstudiert wird.  Marx Engels Lenin und Stalin  lehrten uns, dass die Stärke des Proletariats in seiner Organisation  besteht,  und  nur  ein  organisiertes  Proletariat  kann auch progressiv-emanzipatorischen  Massenterror  entzünden und  leiten. Die proletarishe Revolution ist  in  Deutschland  unvermeidbar  und  mit  ihr der  proletarische Massenterror. „Grundsätzlich haben wir den Terror nie abgelehnt und können wir ihn nicht ablehnen. Er ist eine Kampfhandlung, die in einem bestimmten Zeitpunkt der Schlacht, bei einem bestimmten Zustand der Truppe und unter bestimmten Bedingungen  durchaus angebracht und sogar notwendig sein kann“. 59. Das Herz  des  Proletariats ist groß…..und es kann durchaus sein, eine Universität  nach Ulrike  Meinhof  oder  eine  Kaserne  nach Gudrun Ensslin zu benennen….oder umgekehrt…..u.s.w. (wobei eine Kaserne im Sozialismus etwas Vorübergehendes ist, die Anzahl der Universitäten wird rapide hochschnellen). Denn nach Lenin gehen wir in  der  Frage  des Zieles  mit den Anarchisten gar nicht auseinander  (60.).Lenin unterschied zwei Richtungen des  Anarchismus, eine  Richtung ist für die Sowjets, für die proletarische Diktatur, eine  gegen die Sowjets und für die bürgerliche Diktatur. (61.) Überhaupt sind nur die Marxisten und die Anarchisten Träger eines aufklärerischen Humanismus, da aber die Anarchisten in der Emanzipation ohne vorübergehenden Halbstaat  auskommen wollen, tendiert ihre revolutionäre Intensität zur Bestrafung der Konterrevolution gegen Null. Mir  sind  die Rote  Armeefraktionisten jedenfalls lieber  als eine  bürokratische  Marx Orthodoxie, die  nur auf Wahlen setzt,ohne jeglichen Anarchie anstrebenden Impuls, die sich noch nicht einmal von  Sozialdemokraten säubert, staatsmännisch tut, mit nur gespieltem Klassenhass und ohne militanter Kreativität gegen das Bürgertum,  die sich auf das  GG bezieht und dabei übersieht,  daß dieses ein Köder ist, um dem Volk die Ketten der Sklaverei  anzulegen.Dieses eingedenk kann man natürlich das GG im politischen  Kampf  verwerten, das  Grundgesetz  wird  aber  immer eine Verfassung des Privateigentums  bleiben. Was als „Mythos“, als „Phänomen RAF“ herumgeistert, resultiert aus dieser in der deutschen Geschichte bisher einmaligen Mischung aus Anarchismus und marxistischer Diktion, Marxismus und Anarchismus sind für Lenin bis auf die Frage des Zieles beider Strömungen sogar Gegensätzliches: „Die Weltanschauung der Anarchisten ist eine umgestülpte bürgerliche Weltanschauung. Ihre individualistischen Theorien und ihr individualistisches Ideal sind das gerade Gegenteil vom Sozialismus. Ihre Ansichte drücken nicht die Zukunft der bürgerlichen Gesellschaftsordnung aus, die unaufhaltsam zur Vergesellschaftung der Arbeit führt, sondern die Gegenwart, ja sogar die Vergangenheit dieser Ordnung, die Herrschaft des blinden Zufalls über den vereinzelten, alleinstehenden Kleinproduzenten.“ (62.) Es war dieses Gegensätzliche, wenn man versucht es in der Vergangenheit der Bewegungen zu personifizieren: eher Max Hoelz denn Ernst Thälmann, oder besser weder noch: linker  Doktrinarismus, linker Radiakalismus. Vielleicht auch etwas von Michael Kohlhaas, ich sage: etwas, denn der Impuls zur Zerstörung war bei Kohlhaas privatrechtlichen Ursprungs, seine Kränkung durch die Verletzung seines Privatrechts, so daß er jenseits poltischer Dimensionalität bleibt. Beiden traditionalistischen Klassenkampfseiten, sowohl der marxistischen Buchorthodoxie als auch den imperialistischen Etatisten als naturgemäßen Feind waren sie fremd und wurden zwischen diesen Blöcken zerrieben, die Orthodoxie möchte nicht daran erinnert werden, daß Marx und Bakunin im Ziel gar nicht auseinandergehen. Für sie ist es irritierend, dass Lenin von phantastischen Zickzackbewegungen der Geschichte spricht. Gudrun Ensslin schrieb in einem ihrer Briefe aus der Brandstifterhaft:“…was dem europ. Kampf um den Sozialismus seit 100 J. fehlt, ist doch das wahnsinnige Element…“ (63.) Sie hätte auch schreiben können: der Blochsche „Tropfen Irratio“. Das war eine Kritik von links, die Große Koalition zeigte es überdeutlich. dass man nicht gegen den Strom schwimmen wollte. (64.) Der Studentenbewegung schrieb Adorno etwas später in einem an seinem Todestag verfassten Brief an Herbert Marcuse ( 6. August 1969) sei ein Quentchen Wahn beigemischt. Wahn allerdings – aber es passieren auch eine Menge Dummheiten in einer Revolution, kein Geringerer als Friedrich Engels sagt uns das. Zwei Faktoren, die dem intelligentesten Professor schier den Kopf zerbrechen. „Die Geschichte im allgemeinen und die Geschichte der Revolutionen im besonderen ist stets inhaltsreicher, mannigfaltiger, vielseitiger, lebendiger, „vertrakter“ , als die besten Parteien, die klassenbewußtesten Avantgarden der fortgeschrittensten Klassen es sich vorstellen. “ 65. Die Superlative reichen an das Vertrackte nicht heran. Nach meiner Einschätzung hätte  Lenin die RAF dem linken Doktrinarismus zugeordnet, der im Vergleich zum weitaus gefährlicheren rechten Opportunismus ein 1000 mal geringerer Fehler ist. Im Kampf gegen den Opportunismus als Hauptfeind hat sich dann der Leninismus auch hauptsächlich gestählt. Die RAF beachtete keines der drei Kriterien, die Lenin aufgestellt hatte als Indiz, daß die Entscheidungsschlacht zwischen Lohnarbeit und Kapital vollauf herangereift sei: 1. alle feindlichen Klassenkräfte sind verwirrt, 2. alle schwankenden Zwischenelemente, d. h. das Kleinbürgertum, die kleinbürgerliche Demokratie hat sich vor dem Volk genügend entlarvt, 3. im Proletariat steigt die Massenstimmung zur Unterstützung der antibürgerlichen Aktionen an. 66. Auch heben sich die Kämpfer der  RAF sehr  positiv  ab von der  Mehrheit der APO-Bewegung, die kriecherisch den Langen Marsch  durch  die Institutionen  propagierte und heute als rechter  Spießerabschaum  fachsimpelnde  Überlegungen  anstellt, ob der völkerrechtswidrige Einsatz der Bundeswehr in  Afghanistan frontkämpferisch erweitert oder lediglich kampfunterstützend eingeschränkt werden soll.  Ihre  Feigheit  vor dem aufrechten  Gang  kostet  heute  Arbeiter- und  Bauernsöhnen  in  Afghanistan das Leben. Diese  institutionalisierten  Wohltäter der Menschheit stehen von  vornherein außerhalb  des Kreises der  großen neuzeitlichen Revolutionen, die von einem  zweifachen  Rousseau´schen Impuls  durchdrungen werden,  in anarchistischer und  sozialrevolutionärer  Hinsicht. Auf Rousseau  geht  der  Gedanke  zurück, daß der Mensch von Natur aus gut ist und dass es nur die Institutionen sind, die ihn verderben….und auch der, dass wir verloren sind,  wenn wir vergessen,daß die Früchte allen gehören  und die Erde  keinem.  Am Ende des langen Marsches durch die  Institutionen sind  dann auch nur  verdorbene Früchtchen herausgekommen.Wie es auch nicht anders sein kann, wenn man dem Soziologen Arnold Gehlen folgt, der antipodisch zu Rousseau schreibt: „Sich von den Institutionen konsumieren lassen, gibt einen Weg zur Würde für jedermann frei, und wer seine Pflicht tut, hat ein Motiv, das von jedem anderen her unbestreitbar ist.°(67.) Also der Professor meint: Würde bekommt der Mensch als Konsumtionsobjekt. Ähnliches schrieb bereits der Ideolog Edmund Burke, durch und durch Theoretiker der Reaktion gegen 1789: der Mensch solle im feudalen Koordinatensystem in seinem kleinen Fach bleiben und in dieser einfältigen Beschränkung glücklich sein. Große Teile des SDS zog es dann doch wieder in die Seminarräume ihrer Fachdisziplinen oder fochten als Einzelkämpfer auf ihrem Brotposten mehr schlecht als recht weiter. Mehr schlecht als recht allerdings ! „Die brillierende“ intellektuelle Jugend der Bourgeoisie, die sich in Zeiten gesellschaftlichen Aufschwungs  „ins Proletariat“ stürzt, aber unfähig ist, sich den Standpunkt der Arbeiterklasse zu eigen zu machen und zähe und ernst in „Reih und Glied“ in den proletarischen Organisationen zu arbeiten.“ (68.) Wir kennen doch aus der Geschichte der Arbeiterbewegung genügend Beispiele, in denen sich in ihrer Jugend sehr links gebärdende Leute etwa durch eine Karriere in der Journalistik rechte Bürger wurden, Antibürgerlichkeit in ihr Gegenteil umschlug. Der  RAF Aktionismus hat die  Richtigkeit  der  marxistischen  Lehre von den Volksmassen bestätigt: unbedingt dort zu arbeiten, wo die  Massen sind. Ist man von den Massen losgelöst, teilt nicht ihre Erfahrungen, kann man  diese auch nicht an Hand ihrer  eigenen  Erfahrungen erziehen, vor  allem aber  auch nicht,  von ihnen erzogen werden, der Erzieher muß selbst erzogen werden, (69.), kann man sich nicht bis zu einem gewissen Grad mit ihnen verschmelzen.(70.).Mao schrieb: „Die  Aktionsbühne für die Befehlshaber eines Krieges muß auf objektive Möglichkeiten  gegründet sein; auf dieser Bühne aber können sie die Aufführung manch eines Dramas voller Klänge und Farben, voller Macht  und  Pracht in Szene setzen.“  (71.) Und diese objektiven Möglichkeiten kann man nicht subjektiv  durch  Attentate  und  Agitation unter  Ausblendung  des  Stimmenanteils der  KP  bei  Parlamentswahlen,  den  Bewegungen an der  ökonomischen  Basis , den  Stimmungen  in  den Gewerkschaften und  den Schwankungen der  Kleinbürger und halbherzigen Freunde der Revolution herbeiführen wollen, so ist der Volkskrieg  (zunächst)   ausgeblieben. Die herrschenden Klassen konnten noch und die unteren wollten noch nicht. So ergaben sich noch nicht die objektiven Grundlagen für eine Diktatur des Proletariats in Deutschland. Es lag eine völlige Mißachtung der Bauernfrage vor. Die Metropole scheitert, wenn sich die Bauern, die proletarischen Lohnarbeiter, also die schwächeren  Brüder auf dem Lande nicht bewegen. So war es  während der Pariser Kommune, sie blieb isoliert, ohne Unterstützung durch die Provinzen, ging sie auf  sich allein gestellt unter,  zumal das  Bürgertum  militärisch doppelt gegen Paris vorgehen konnte,  durch Nationaltruppen  und mit Bismarcks Hilfe durch die preußische Okkupationsarmee. (Auch der Hamburger Aufstand  1923 unter Führung  von Ernst Thälmann blieb urban und rural  isoliert). So befuselt war man von der Stadtguerilla, dass frischfrommfröhlichfrei niedergeschrieben wurde: „Die ländliche Guerilla scheidet für die Betrachtung aus. Zu untersuchen sind die Probleme der Großstadtguerrilla.“ (72.) Konform ging man bei dieser Einseitigkeit allenfalls mit dem jungen Engels, der 1847 zunächst tatsächlich meinte, nur das städtische Proletariat, nicht die Bauern seien revolutionär (73.) – und dann kam die prachtvolle, kernige Schrift über den deutschen Bauernkrieg, dessen führende Gestalten er sogar als Vorbilder für deutsche Revolutionäre hinstellte.  Und selbst wenn der Durchbruch in den  Großstädten gelingt, die  Provinzen werden dann immer noch ein Hinterland für kulakisch organisierten Widerstand sein. Die  bigotten  bayrischen  Hinterwäldler  sind doch wie gemacht für  eine  deutsche Vendée. Aber es gilt auch zu  beachten,  daß es während der Münchener Räterepublik einen Bauernrat gegeben hat. Auf die Notwendigkeit, unbedingt die Bauernbewegung zu beachten, sich auf den landwirtschaftlichen Lohnarbeiter zu stützen, hat Lenin in seinen Briefen aus der Ferne hingewiesen: der gesamten Masse der Bauernschaft muß empfohlen werden; „…daß spezielle Sowjets der Lohnarbeiter  und dann auch der kleinen, kein Getreide verkaufenden Bauern, getrennt von den wohlhabenden Bauern, gebildet werden; ohne diese Bedingung kann, allgemein gesagt, weder eine wirklich proletarische Politik betrieben werden…“ (74.) und so weiter und so fort. So redet ein Revolutionär die Bauern an, was liegt diesbezüglich von der RAF an proletarischer Politik vor ? Es sind  wirklich zwei faux pas ersten Ranges: a) den Satz überlesen zu haben: „Die größte Teilung der materiellen und geistigen Arbeit ist die Trennung von Stadt und Land“ (75.), der in der „Deutschen Ideologie“ steht und von Engels im Anti-Dühring noch einmal unübersehbar herausgestrichen wird und die aufzuheben das Bestreben der kommunistischen Bewegung ist.  Und b):  im Brief an Engels schreibt Marx: „The whole thing in Germany (die ganze Sache in Deutschland) wird abhängen von der Möglichkeit, to back the Proletarian revolution by some second edition of the Peasants war.“ (die proletarische Revolutuon durch eine Art zweite Ausgabe des Bauernkrieges zu unterstützen.) Marx an Engels, MEW 29,47. Bekanntlich bezeichnete Friedrich Engels den deutschen Bauernkrieg als das kollossalste Ereignis in der deutschen Geschichte, so forderte der Bauernführer Geismeyer die „Aufhebung des Gesetzes“. Die Landtagelöhner, das Ackerbauproletariat steht den industriellen Arbeitern der Städte am nächsten und stecken oft noch tiefer im Elend. (76.) Lenin forderte wiederholt, „…daß der Klassenkampf ins Dorf getragen wird.“ (77.)., dass wir unsere Schnur auch durch das Dorf  ziehen. (78.), durch die weltabgeschiedensten Winkel. In Ingrid Gilcher-Holteys Buch: „Die 68er Bewegung Deutschland Westeuropa USA“ (Beck Verlag Wissen München 2001) kommt das Wort Bauer nicht vor, sowohl die 68er als ihre Aufarbeiter/innen  haben ganz übersehen, dass der Bauer sozusagen auch ein Mensch ist. Ein weißer Fleck ist auch die Beziehung und Politik zur  Gewerkschaft, dieser Schule des Kommunismus. Die Neue Linke wandte sich durch die Frühschriften von Marx inspiriert viel gewichtiger der Thematik der oft nur auf sich selbst bezogenen Entfremdung als der objektiv vorliegenden Ausbeutung zu. Man strandete daher unter Abwendung vom Proletariat bei der  Hinwendung zu Randgruppen und literarisch auf das Niveau von Camus´ „Der Fremde.“

Hinzu  kam, daß  die Lage in der  Klassenarmee der Bundesrepublik  falsch eingeschätzt  wurde, es  gab  zwar  erheblichen  Unmut  unter   den zwangsrekrutierten Arbeiter- und  Bauernsöhnen,  wie  es ihn immer bei  Zwangsrekrutierungen geben wird, es gab Einzelaktionen  des  Protestes, auch  Fahnenflüchtige, die  sich aber nicht  auf die RAF orientierten. Kollektive  Widerstandsformen  in  den Militärzuchthäusern der bürgerlichen  Armee, an  die  man  hätte anknüpfen  können, hat es zur Zeit der  RAF Aktivitäten  gerade nicht  gegeben. In der Kollektivität  aber liegt der  Schlüssel zur  Umwälzung  und  die  Quelle  der  Räterepublik,  zieht   diese Kollektivität immer größere  Linien, wäre die Isolierung  des bürgerlichen Offizierskorps  die  Folge gewesen. Diese  beiden  Faktoren müssen zusammenkommen: der  robuste  Vandalismus  des  deutschen  Bauernkrieges  und  die  urwüchsige Primitivität der  Volksmassen(79.).  Das  bürgerlich  besetzte Koordinatensystem des Terrors, alles als Terror und kriminell (80.) zu bezeichnen, was gegen das Privateigentum an  Produktionsmitteln  gerichtet  ist,  hätte sich radikal verschoben zum Terror als Volksjustiz: Terroristen sind  dann Ausbeuter, Politiker, Kulaken, Polizisten, Offiziere..u.s.w., kurz: der ganze  Schmarotzerauswurf  Staat, der sich den ökonomischen Überschuß  der  produktiven  Klassen aneignet  und  der  in einer erfolgreichen  Produzentenrevolution dem  Gesetz des gleichen  Arbeitszwanges für  alle unterworfen  werden muß.Gleicher  Arbeitszwang  für alle, so  lautet eine Forderung im  Kommunistischen Manifest  und Rechnungsführung  und Kontrolle über die Arbeitsleistung der ehemaligen  Ausbeuter,sagt Lenin nach der Oktoberrevolution, das sind elementare Dinge, um mit der  Bestie Staat  fertig zu werden. Es muß zur Bildung von Sowjets  kommen,  nach Lenin „….Keimformen des  Absterbens jedes Staates…“  (81.) Jede  erfolgreiche soziale  Revolution basiert auf einem  Grundmuster der  Kollektivität,  die  auch  Ausdruck einer  höheren  historischen Entwicklungsstufe ist, alle  essentiellen Revolutionen sind von den Volksmassen durchgeführt  worden  und Tiefe und  endgültiger Erfolg  einer  Revolution hängen von der Schlagkraft der untersten Volksklassen ab. Loszuschlagen, ohne auf  ein sich in einer Gärung  herausbildenden  Grundmuster  der  Kollektivität zu warten,  an  deren Herausbildung man  im  vorrevolutionären Stadium mitarbeiten muß,wird  bitter  wenn nicht tragisch enden,  denn  auch  die Konterrevolution ist organisiert. Engels sagte, man darf nie mit dem Aufstand spielen, er „…..ist eine Rechnung   mit  höchst  unbestimmten  Größen,  deren  Werte  sich  jeden  Tag ändern können;  die  Kräfte  des  Gegners haben  alle Vorteile der  Organsiation, der  Disziplin  und der hergebrachten Autorität auf  ihrer Seite;  kann  man ihne nicht mit starker  Überlegenheit entgegentreten, so ist  man geschlagen und vernichtet.“  (82.)  Im  Ozean  der Revolution  müssen  sich  Revolutionäre stets an die  Aussage Lenins über  die  revolutionäre Taktik der Bolschewiki in der  Oktoberrevolution  erinnern,  er greift auf kein Geringeren als  Napoleon  zurück: „On s´engane  et puis on voit.“  (83.)  Man  engagiert  sich, alles  weitere  wird  sich finden. Keiner kann den exakten  Verlauf einer Revolution voraussehen,  mögen auch  die groben Umrisse bewußt  sein:  Der  Bolschewismus  als  Vorbild   für alle  Länder  (84.)   Am  Ende können weder Verschwörungen noch  Netzwerke oder  Parteien eine Revolution sichern, sondern nur die  fortgeschrittene Klasse und  der revolutionäre Aufschwung des Volkes.(85.) Liest man  vor diesem Hintergrund Texte der RAF, so zwingt sich die  Assoziation  der Handwerkelei auf: „Die  Rote Armee  Fraktion redet  vom Primat der Praxis. Ob es richtig ist, den bewaffneten Widerstand jetzt zu organisieren,  hängt davon ab,  ob  es möglich ist, ob es  möglich ist,  ist  nur praktisch zu ermitteln.“   (86.) Zum  Primat  der Praxis  gehört das  Primat der objektiven Bedingungen. Das  revolutionäre Subjekt muß gerade die Schnittstelle erahnen,   herausbekommen,  wie Lenin sagt: das Nahen der Revolution herausfühlen, (87.), die Schnittstelle erahnen, herausbekommen,  an der es sich mit dem objektiven Gang  der  Ereignisse kreuzt. Die Flut der  Revolution kann nicht künstlich mit der Pistole herbeipraktiziert werden. Das  Schiff der Revolution, „….dessen Mastspitzen man bereits vom Ufer her erspähen kann…“ (88.),   darf  nicht bei  Ebbe zu Wasser gelassen werden,  mal  schauen, ob und wann die Flut kommt. In  einer  ihrer Schlüsselschriften:  “ Kollektiv RAF Über den bewaffneten Kampf in  Westeuropa“  findet  sich auch die Schlüsselstelle, an der die RAF ihr  Scheitern festschrieb: In der Frage  der Bedeutung der  allgemeinen Wehrpflicht für die Emanzipation des Proletariats habe sich  Engels geirrt: „Je mehr Arbeiter in den Waffen geübt werden, desto besser.  Die allgemeine Wehrpflicht ist  die  notwendige und natürliche Ergänzung des allgemeinen  Stimmrechts,  sie setzt  die Stimmenden in den Stand,  ihre Beschlüsse gegen alle Staatsstreichversuche mit den Waffen  in der Hand  durchzusetzen. Die mehr  und mehr  konsequente  Durchführung  der allgemeinen Wehrpflicht ist   der einzige Punkt,  der  die  Arbeiterklasse  Deutschlands  in der preussischen  Armeeorganisation interessiert……“ (89.)  Aufschlußreich ist auch die enge Verknüpfung zwischen Wehrpflicht und Stimmrecht,  gute  Revolutionäre müssen auf  beides  achten:  wann ist die Mehrheit erreicht, die dem bewaffneten  Aufstand genügende Deckung gibt. ( Fische im Wasser ) NUR beides zusammen läßt  die Konterrevolution untergehen.  Merkwürdigerweise gehen die RAF Autor/innen  in diesem Zusammenhang  nicht auf einen   „Irrtum“  Lenins ein,  der in  Fortsetzung  von  Engels schrieb:  Revolutionäre  Frauen   werden ihren Söhnen sagen „Du wirst bald groß sein, man wird dir das Gewehr geben. Nimm  es und erlerne  gut alles Militärische….“. (90.).  Bis zu seinem Tod 1924  hat  Lenin  diese  Stelle  nicht  geändert,  aus gutem Grund: gerade der 1.  Weltkrieg bewies, dass am  Ende zwangsrekrutierte Arbeiter- Bauern- und Matrosensöhne die Revolution initiierten, sowohl  im Oktober in  Russland und ein Jahr später  im November 1918  in Deutschland. Und  auch  heute besitzen die herrschenden Klassen in  der allgemeinen  Wehrpflicht ein zweischneidiges Schwert, in  Afghanistan kann zum Beispiel. durch eine anfängliche Soldat/innenmeuterei  das Signal gegeben werden,  die Gewehre umzudrehen.

Die  Aktionen der  RAF enthalten  viele Lehren für die Arbeiterklasse und werden diese gründlich studiert und ausgewertet, so waren die Opfer der RAF nicht ganz umsonst,  bei aller Kritk an ihr muss auch das Alter der Aktivisten berücksichtigt werden,(….aber die Träume der Jugend, die an der harten Klippe der Wirklichkeit zerschellt….so in Hegels Philosophie der Weltgeschichte)… sie hatten sich immerhin ein klares Feindbild erarbeitet und sich trotz ihrer sozialen Herkunft zu einem gesunden Hass – so ein widersprüchlicher Ausdruck zwingt sich in Klassengesellschaften leider auf und Lenin nennt den proletarischen Klassenhass den Anfang aller Weisheit- gegen das Kapital durchgerungen. Die Arbeiterklasse kann ihre „Menschheit nur durch den Haß und die Empörung gegen die Bourgeoisie retten…“ (91.). Vor allem aber waren sie dem erbärmlichen Spießerabschaum, der zur heiligen Hetzjagd geblasen hatte, intellektuell haushoch überlegen. Anfang des 19. Jahrhunderts schrieben drei junge Studenten im Tübinger Stift folgende Gedanken auf: „Die Idee der Menschhheit voran,  will ich zeigen,  daß es keine Idee vom Staat gibt,  weil der Staat  etwas Mechanisches ist,  so  wenig  als es eine Idee von einer Maschine gibt.Nur was Gegenstand der Freiheit ist, heißt Idee. Wir müssen also über den Staat hinaus.  Denn jeder  Staat muß  freie Menschen als  mechanisches Räderwerk behandeln, und das soll er nicht, also soll  er aufhören.“ (92.)  DER STAAT SOLL AUFHÖREN. (93.) Diese Sätze stammen von den  Jünglingen Hegel, Hölderlin und Schelling, die heute wohl in Stuttgart Stammheim säßen.  Diese Sätze richten sich  heute direkt  gegen  die christlich mittelalterlichen und  sozialdemokratischen Politikaster, die, wie es fundamentales Gedankengut jeder Reaktion ist, davon ausgehen,  die Völker könnten ohne Vormünder (94.) nicht leben,  vornehmlich aber ist  es dieser Gedanke,  dass gerade sie,  diese „Gebildeten“ es seien,  die diese Vormundschaft zu übernehmen hätten und damit die historische  Mission der Verewigung von Herrschaft und Knechtschaft.(95.)  Alles was in Deutschland abgestorben ist und den ganzen Volkskörper lähmt und vergiftet quält und krank macht, bis hin zum  letzten Dorfpolizisten, hatte sich gegen die RAF vereint. Alles was sich heute  zum politischen Establishment der BRD zählt steht  rechts vom revolutionären  Jakobinismus Frankreichs von 1792. Bezeichnete  Robespierre  noch diejenigen, die die Plünderung des Volkes ungestraft begehen wollen, als Republikfeinde (96.), so forderte Gysi in einer  Wahlkampfrede 2008: Das  Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital muß wieder stimmen in Deutschland. Nur: dass das Verhältnis eines der Ausbeutung  ist, kurz: er  fordert, die Ausbeutung muss wieder stimmen  in Deutschland…  Ihr wollt eine zweite RAF verhindern, mit  dem Phänomen  RAF endgültig aufräumen ?  Verbrennt  die Bücher  von Hegel,  Hölderlin und  Schelling,  schließt  alle Universitäten,  laßt  die  Jugend nicht  mit Gesellschaftswisssenschaft in Berührung kommen…..usw. Es   kann keine  Frage sein,  wer am Ende  die Oberhand   gewinnt !!   Damit Deutschland endlich  eine Kulturnation wird,  in die  Zukunft gewandt und nicht  zum Mittelalter. Denn wir müssen berücksichtigen, dass auch spätere Generationen und als sehr rückständig bezeichnen werden. Ideologisch vorbereitet haben Hegel  und  Hölderlin,  Marx und  Engels alles:  Vergesellschaftung  des Privateigentums an Produktionsmitteln  und Abschaffung  der  Ausbeutung des Menschen durch den  Menschen, gegen den  Widerstand  von Gysi, Lafontaine…u.s.w. Es gibt ungerechte und gerechte Kriege, die RAF führte gerade einen gerechten: “ Das Banner des gerechten Krieges ist das Banner einer geretteten Menschheit.“ (97.)  Jede andere als diese Motivation der Aktivitäten der RAF ist reaktionäre Unterstellung. Und die Reaktion reagierte: Die für eine gerechte Gesellschaft ohne Klassen kämpften sind erschossen, gefoltert und zu langen Haftstrafen verurteilt worden, die bis auf wenige Ausnahmen bundesweite Zeitungshetze bestätigte Axel Springer tatsächlich als den Cäsar der Massenverhetzung (98.), aber an dem ( Vor-) Urteil der Mitmenschen darf Revolutionär/innen sowieso nichts liegen, (assoziativ zur Kunstgeschichte kann auf den damaligen Avantgardisten van Gogh verwiesen werden, der von seinen Zeitgenossen nicht als Maler anerkannt wurde), wer nicht den Aufbruch in eine zukünftige Gesellschaft wagt, der ohne Milieu- und Tabubruch nicht zu haben ist, steht in einem Entfremdungszusammenhang, den Rousseau als eine schizophrene Situation bestimmte: jede/r lebt nur in und gemäß der Vorstellung anderer. Damit verfangen sie sich in eine gegenseitige sklavische Abhängigkeit, die mit der Erziehung, besser Abrichtung beginnt. Man muß immer der Vorstellung anderer entsprechen und so kommt Rousseau zu der deprimierenden Feststellung, dass in der bürgerlichen Gesellschaft jede/r ein/e andere/r  ist als er/sie selbst. Dieser schizophrene Schatten lag also von vornherein auf dem Stammheimer Schauprozess, das vom Gericht präsentierte Recht war der zum Gesetz erhobene Wille der herrschenden Klassen, und die Richter hatten ihre Identität außer sich in den Normen der kapitalistischen Gesellschaft, die immer in ihren Vorstellungen waren, weil das Jurastudium ja nur die verinnerlichende Einpauckung dieser Normen ist. Vorurteile haben den Nachteil an sich, dass die vorgefassten Meinungen in ihrer schlummernden Aggressivität und Verbreitung mit jedem Tag einen immer weiter über sich selbst hinausgehenden Kreis ziehen und die Aggressivität lautlos in die Justiz schleicht, die nur allzu häufig konzentriertester Ausdruck vorurteilsmäßiger Verklemmung ist (streng genommen gibt es keine linke Justiz, die Justiz war und ist in Deutschland immer rechts, immer volksfeindlich und gab und gibt sich ihre Identität durch handlangerische Unterwürfigkeit unter die Obrigkeit) In bürgerlichen Staaten arbeitet die Justiz der Reaktion kriminell zu, dagegen war ein Schlagwort der chinesischen Kulturrevolution: eine Tat ist solange nicht kriminell, als sie revolutionär ist.  Spätere Generationen werden ein ganz anderes Urteil über den emanzipativen Befreiungskampf der RAF abgeben und herausbekommen, auf welcher Seite wirkliche kriminelle Energie vorlag. Wie sagte schon Heraklit ? Alles fließt ! Und die meisten Menschen sind anwesend/abwesend. Das Gericht in Stammheim war anwesend/abwesend. Die Knechtung durch Arbeitsteilung läßt nicht nur die produktive Klasse in Knechtschaft, sondern auch die unproduktive:  der geistesöde Bourgeois leidet unter seinem eigenen Kapital und unter seiner Profitwut, der Jurist unter seinen verknöcherten Rechtsvorstellungen. (99.)Auch der Professor für Politikwissenschaft in Stuttgart, Martin Greiffenhagen, vertritt in seinem Spiegel Aufsatz: „Hitlers Kinder ? Gewiß nicht“ (DER SPIEGEL Nr. 45 vom 31.10.1977) eine merkwürdige Rechtsauffassung: Die Kämpfer der RAF seien keine politischen Überzeugungstäter und die Juristen können diesen Gesichtspunkt in Strafverfahren ohnehin nicht gelten lassen. Man darf aber nicht voreilig Schlüsse ziehen, wo allseitige Orientierung und allseitiges Kalkül angebracht ist: also der Mörder Benno Ohnesorgs wird freigesprochen und die für die Wiederherstellung des Rechts kämpfen, was apolitisch rein rechtlich über eine Justiz. die Mörder freispricht, nicht möglich ist, müssen von eben dieser Justiz bestraft werden. Dann eben besteht diese Justiz aus politischen Überzeugungstätern. Die spezifische bürgerliche Befangenheit der bürgerlichen Justiz hat ihre Ursache in der bürgerlichen Warenproduktion und gehört auch wie die Religion (Deismus, Protestantismus) zu einer ihrer Fetischformen. (100.) Zu fragen ist daher, ob eine Transzendierung bürgerlicher Herrschaft ohne Milieu- und Tabubruch überhaupt möglich ist. (Die revolutionäre Linke MUSS „kriminell“ sein, kriminell im bürgerlich-privateigentümlerischen Sinn). Deshalb sprachen auch Marx und Engels von despotischen Eingriffen „….in das Eigentumsrecht und in die bürgerlichen Produktionsverhältnisse.“ ( 101.) Nicht präsent war der Stammheimjustiz die wunderbar klare Formulierung des jungen Engels, die ihm während seines ersten Manchesteraufenthalts 1844 gelang. In der „Lage der arbeitenden Klasse in England“ sprach Engels vom Recht als einer heiligen Rute, heilig allerdings nur für den Bourgeois. „Der Arbeiter weiß zu gut und hat zu oft erfahren, dass das Gesetz für ihn eine Rute ist, die ihm der Bourgeois gebunden hat…“ (102.) Die bürgerlichen Medien räumen heute natürlich dem Gejaule der Hinterbliebenen der sog. Opfer der RAF großen Platz  ein. Was wollt ihr denn ?   Schrieb nicht schon Luther gegen  die  fortschrittlichen  Bauern: „…..Man soll sie  zerschmeißen,  würgen  und stechen,  heimlich und öffentlich, wer da kann,  wie man einen tollen Hund .zerschlagen muß…..Darum, liebe Herren,  loset hie, rettet da, steche, schlage, würge. sie, wer  da kann, bleibst du darüber  tot, wohl dir, seligeren Tod kannst du nimmermehr überkommen. (103.) Wer  sich gegen das arbeitende Volk per  Werkschutz,  Polizei, Armee  bewaffnet,  wer dem  Schah  von  Persien und  Farah  Diba in  die Ärsche  kriecht,  deutsche Studenten vom iranischen Geheimdienst  SAVAK (104.) verprügeln und die   Polizei dabei   zuschauen  und  den  von  einer Polizistenkugel   getroffenen  Benno Ohnesorg (105.) verbluten läßt, gibt es für den einen seligeren Tod als im Klassenkampf auf  seiten der  Konterrevolution zu  sterben ? Penetrant inszeniert Michael Buback eine Hexenjagd auf Verena Becker, während die im Alter von 21 Jahren in Hamburg im Zuge einer Notstandsübung ermordete Friseuse Petra Schelm, gegen die kein Straftatbestand vorlag, in Vergessenheit geraten ist, was dem noch immer frei herumlaufenden Mörder ganz Recht ist.Ihr Tod wurde zunächst als der von Ulrike Meinhof gemeldet. Vor dem Gesetz sind alle gleich, nur dass einige ermordet und andere  lediglich von der Polizei erschossen werden. Narrenfreiheit für Narren in Uniform. Es ist daher die Aufgabe der  proletarischen  Revolutionäre, die Kleinen und Schwachen zu schützen, aber hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen zu sein…(106.).hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen…das bleibt ein Vermächtnis der RAF (107.) Alois Prinz hat am Ende seiner Biografie über Ulrike Meinhof, was wohl die wenigsten Biografen tun,  ihr Grab besucht, dabei ist Aufschlußreiches zu Tage getreten: auf ihrem Grabstein sollte der Spruch eingraviert werden: „Freiheit ist nur im Kampf um Befreiung möglich“, was von der Friedhofsverwaltung verweigert wurde.Der allerheiligste Begriff im Wortschatz der Welt, mit der Freiheit, da hat der deutsche Spießer so seine Schwierigkeiten. Zeigt diese Verweigerung nicht das sklavische Flennen von Seelen in einem Totenhaus ? Die RAF war der Versuch, nicht aus dem TOTENHAUS BRD zu fliehen, sondern es in Schutt und Asche zu legen. Der Kampf geht weiter gegen eine kleine Schmarotzerclique,die sklavisch den Euro anbetet und Deutschland in ein Totenhaus verwandelt.(108.) „Wir, unsere Hirten an der Spitze, befanden uns nur einmal in der Gesellschaft der Freiheit, am Tag ihrer Beerdigung.“ (109.) Aber genug  der  hochnäsigen   Besserwisserei im  Nachhinein,  sie haben es ja selbst gesehen: „Die RAF war der revolutionäre Versuch (ich bemerke im Vorbeigehen, dass  ich auf Grund dieses Schlußsatzes der RAF Geschichte als Form der Darstellung die essayistische gegeben habe) einer Minderheit -entgegen der Tendenz dieser Gesellschaft- zur Umwälzung der kapitalistischen Verhältnisse beizutragen. Wir sind froh, Teil dieses Versuchs gewesen zu sein. Das Ende dieses Projekts zeigt, daß wir auf diesem Weg nicht durchkommen konnten. Aber es spricht nicht gegen die Notwendigkeit und Legitimation der Revolte.“ (110.) Eine Gesellschaft hat aber keine Tendenz, folgt keiner Moderichtung, sondern entwickelt sich nach objektiven Prozessgesetzen. Es ist die Aufgabe der proletarischen Revolutionäre, ständig die wissenschaftlichen Kenntnisse über die Bewegungsgesetze gesellschaftlicher Entwicklungswidersprüche der kapitalistischen Gesellschaft zu vertiefen, um die ganze bürgerliche Gesellschaft desto effektiver klassenkämpferisch im Interesse der Arbeiterbewegung (Aufhebung der Lohnarbeit und der Klassen) zu verändern. Dies ist kein Projekt, das man voluntaristisch aus Revoltelust in Angriff nehmen kann oder auch nicht, sondern es ist eine historische Notwendigkeit und der Marxismus versteht sich ihrgemäß Handlungsanweisungen zu geben unter Beachtung der objektiven Klassengesetze. Die Massen sind in der bürgerlichen Gesellschaft in Klassen aufgeteilt und bedürfen kämpferischer Klassenparteien. Aber außer den bürgerlichen Schmarotzerparteien entwickelt nur die proletarische Partei ihre eigene Selbstnegation mit. Die RAF agierte im Sinne Heinrich Heines:  während meine Kollegen karrieristisch auf den Kopf des (damals preussischen) Adlers schielten, achtete ich mehr auf seine Krallen. (Wir werden also die Internationale im Ohr behalten…“und einige von uns werden sie einst jenen Enkeln einstudieren, die jetzt noch nicht geboren sind.“ (111.) Neben einer plumpen Kriminalisierung nach dem XY-Zimmermann-Muster gab es eine raffinierte Ästhetisierung der RAF zu einem plakativen Kult, der den sozialen Inhalt verdeckte und von einer inhaltlichen Auseinandersetzung ablenkte. Filterung von Informationen und geschicktes Manipulieren mit einer Bilderwelt vereinnahmten die RAF bis zur Unkenntlichkeit ihres humanistischen Kerns hin zu einer Posterikonografie: Die Fahndungsplakate des BKA als ideale Vorlage für die Reproduktionen Andy Warhols.(112.) Und ihr Wirken war nicht umsonst,es waren Intellektuelle aus dem Mittelstand und auf sie trifft auch zu, was Lenin über die Intellektuellen aus dem Mittelstand Rußlands schrieb, die 1881 Alexander den II. hinrichteten. „Sie haben den höchsten Opfermut entwickelt und die ganze Welt durch ihre heldenhafte terroristsiche Methode des Kampfes in Erstaunen gesetzt. Sicher fielen diese Opfer nicht umsonst, sicher haben sie – sowohl in direkter als auch in indirekter Weise -zur späteren revolutionären Erziehung des russischen Volkes beigetragen. Aber ihr unmittelbares Ziel, das Erwachen einer Volksrevolution, haben sie nicht erreicht und nicht erreichen können.“ (113.) 1.Nach 1945 galt als Credo, die Universität aus gesellschaftlichen Konflikten, aus schmutzigen politischen Geschäften herauszuhalten. Forderungen von Studenten nach einer Demokratisierung universitärer Entscheidungsstrukturen wies ein Professor Pfringsheim zurück. „Mit Demokratie hat die Sache nichts zu tun. Die Universität gehorcht dem Geist, und der ist aristokratisch.“ Vgl. Kai Hermann: Die Revolte der Studenten, Christian Wagner Verlag., Hamburg 1967, 102 2.Das „Kursbuch“, das ab 1965 zuerst im Sukrkamp Verlag erschien, dem es dann doch zu heiß war, wurde weiterhin von Hans Magnus Enzensberger herausgegeben, der, die Szene beobachtend, aus dem Hintergrund, nicht aus dem Untergrund, Stichworte lieferte: die herrschende Klasse der USA strebe nach der politischen, militärischen und ökonomischen Weltherrschaft, ihr Todfeind sei die Revolution….Schaffen wir endlich, auch in Deutschland, französische Zustände…Siehe: Wolfgang Kraushaar: „Vexierbild. Hans Magnus Enzensberger im Jahre 1968“, in: Mittelweg 36. Jg. 18, Heft 5, Hamburger Edition 2009. Immerhin erreichte das Kursbuch eine Auflage von 100 000. 3. Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,431 4. Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1955,432 5. Die Hospizatmosphäre paßt auch das Sozialistische Patientenkollektiv Heidelberg (SPK), das aus der Krankheit eine Waffe machen wollte. Aus der Patienten-Info Nr. 1: „Genossen ! Es darf keine therapheutische Tat geben, die nicht zuvor klar und eindeutig als revolutionäre Tat ausgewiesen worden ist…Krankheit ist kein Vorgang im einzelnen Menschen, krank ist unsere Gesellschaft…im Sinne der Krankheit kann es nur eine zweckmäßige bzw. kausale Bekämpfung ihrer Krankheit geben, nämlich die Abschaffung der krankmachenden privatwirtschaftlichen-patriarchalischen Gesellschaft…das System hat uns krank gemacht, geben wir dem kranken System den Todesstoß.“ Aus medizinsoziologischer Sicht unbestritten richtige Sätze, KRANK IST UNSERE GESELLSCHAFT, die Gesellschaft ist krank und macht krank, dieser Satz muss in seiner Wichtigkeit für den „Baader-Meinhof Komplex“ sehr hoch eingeschätzt werden. Gegenüber dem sich im kapitalistischen Ausbeutungssystem kaputtschuftenden Arbeiter nimmt der bürgerliche Arzt eine Stellung ein, die Marx in den Feuerbachthesen wie folgt umriß: „Das Höchste, wozu der anschauende Materialismus kommt,      .  d.h., der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätigkeit begreift, ist die Anschauung der einzelnen Individuen und die bürgerliche Gesellschaft.“ Karl Marx, Thesen überFeuerbach. MEW 3,9. Wenn der Arbeiter aus der Arbeitswelt erzählt als Quelle seiner Krankheiten, weiß der Mediziner nicht, wovon gesprochen wird. 6.Gerd Koenen: Vesper, Ensslin, Baader. Urszenen des deutschen Terrorismus, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/ M. 2005,230 7. Geschichte der RAF: 1970 – 1977, in: 20 Jahre Stammheim, Sonderausgabe der „Die Rote Hilfe“ 01/1997,4 8.Vgl. Friedrich Engels, Zur Geschichte des Bundes der Kommunisten. Marx Engels: Ausgewählte Werke Band 2, Dietz Vlg. 1974, 313 9.Interview Rainer Langhans mit Klaus Stern, 5.5.2002,in: Klaus Stern, Jörg Herrmann: Andreas Baader, Das Leben eines Staatsfeindes, dtv premium,Deutscher Taschenbuch Verlag 2007,87 10. Elementare Kriegstatsachen leugnend. So kanzelte er General Gehlen von der Aufklärung Fremde Heere Ost, als er annähernd richtiges Tatsachenmaterial über die immense Stärke der Roten Armee vorlegte, mit den Worten ab: Der größte Blöff seit Dschingis Khan. 11. Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1959,392 12. Es zeichnete sich in Umrissen der autoritäre Staat ab, wie ihn Peter Brückner im Schlußsatz seiner Schrift:“ Versuch, uns und anderen die Bundesrepublik zu erklären“ wortspielerisch androhte:“Emanzipation des Staates, das hieße: die Freiheit des Bürgers soll gewährleistet sein durch die Freiheit des Staates, mit der dieser sie ihm nimmt.“ (Peter Brückner, Versuch uns und anderen die Bundesrepublik zu erklären, Wagenbach Politik 81, Wagenbach Verlag Berlin,1978,176) 1971 wurde der Nürnberger Polizeipräsident Horst Herold auf Beschluß des Kabinetts von Willy Brandt Präsident des Bundeskriminalamtes, die Zahl seiner Mitarbeiter stieg in den nächsten zehn Jahren von 1113 auf über 3000, das Budget von 55 auf 290 Millionen pro Jahr. (Siehe: Michael Sontheimer „Natürlich kann geschossen werden“. Eine kurze Geschichte der Roten Armee Fraktion, Deutsche Verlags-Anstalt, 1. Auflage, 2010, 54) Ab 1975 war auch eine internationale Zusammenarbeit der kapitalistischen Systemreaktionäre zu beobachten: Die Justizminister der achtzehn Mitgliedsländer des Europarates beschlossen, kein Asyl mehr zu gewähren und den Ausbau von Interpol. Innerhalb der EG wurde die Zusammenarbeit des BKA mit zunächst acht, später elf politischen Polizeien eingeleitet. Im Juni 1976 wurde auf einer Konferenz zur Inneren Sicherheit beschlossen, Expertengruppen zu bilden für eine engere Zusammenarbeit auf den Gebieten „Terrorismusbekämpfung“, Technik, Aus- und Aufrüstung der Polizeien sowie einen Beamtenaustausch, was unter dem Namen TREVIE firmierte. Es ist also Gegenteiliges herausgekommen, „das nationale Kriegswerkzeug des Kapitals gegen die Arbeit…“, wie Marx den bürgerlichen Staat im „Bürgerkrieg in Frankreich“ bezeichnete (Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, MEAW, Progress Verlag Moskau 1975,300) erhärtete sich, und es ist zu fragen, ob nicht der Führer einer extremen Partei, wenn er zu früh losschlägt. „…im Interesse der Bewegung selbst die Interessen einer ihm fremden Klasse durchführen …“ (Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkreig, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin, 1977,432) muß ? 13. „Man darf die Drecksarbeit auch nicht der Polizei überlassen“, siehe: Peter Schneider: Kein Geld von drüben, Frankfurter Allgemeine Zeitung 3.6.2009,31. Wolf Biermann benannte in seinem Gedicht: „Drei Kugeln auf Rudi Dutschke“ die wirklichen drei Hintermänner: Springer – Schütz – Kiesinger und formulierte, der Mund des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Klaus Schütz sei die Mündung für eine Kugel gewesen. (CheSchahShit, Die Sechziger Jahre zwischen Cocktail und Molotow, BilderLeseBuch, Elefanten Press Verlag Berlin 1984, 135) Rabehl sagte drei Stunden nach der versuchten Exekution auf dem Kurfürstendamm im Audimax der Technischen Universität: „Ich erinnere daran, daß auch Neubauer und Schütz zusammen mit der Springer Presse die Verantwortung für einen Mörder tragen, der sich an Rudi herangemacht hat, um ihn niederzuschießen. Und ich spreche ganz deutlich aus, die wirklichen Schuldigen heißen Springer, und die wirklichen Mörder heißen Neubauer und Schütz.“ (Ulrich Chaussy; Die drei Leben des Rudi Dutschke, Neuausgabe Zürich 1999,249f.) Eine Auffassung, die Rudi teilt und der seinem Attentäter Briefe ins Gefängnis Tegel schickte. In dieser Haftanstalt stülpte sich Josef Bachmann in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 1970 eine Plastiktüte über den Kopf und erstickte sich selbst. Ein weiteres Opfer von Springer und Schütz. Anhänger Dutschkes legten rot-weiße Tulpen auf Bachmanns Grab – mit der Aufschrift: „Ein Opfer der Klassengesellschaft“. Leider macht sich die bürgerliche Justiz nie die Mühe, die Fälle bis zu dieser Erkenntnis aufzurollen. Sie verbleibt vielemehr auf dem Niveau des Attentäters Bachmann, der kurz nach seiner Verhaftung zu den Bullizisten sagte: „Ich möchte mit Ihnen wetten, daß sich 70 % der Bevölkerung im stillen die Hände reiben.“ (Sven Felix Kellerhoff: Attentäter Wahnsinnige Verführte Kriminelle, area Printed in Slovakia 2005,76. Ein Buch, in dem es vor kleinbürgerlichen Vorurteilen nur so wimmelt) 70 % Springerlesende machen noch kein wissenschaftlich begründetes Urteil aus. 14. Vergleiche: Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,237f. 15. Wie erdrückend bürgerliche Ideologie sein kann, hat Lenin in seiner Schrift: Was tun ? am Beispiel des ihr erliegenden Ökonomismus unterbreitet: „…weil die bürgerliche Ideologie ihrer Herkunft nach viel älter ist als die sozialistische, weil sie vielseitiger entwickelt ist, weil sie über UNVERGLEICHLICH (kursiv von Lenin) mehr Mittel der Verbreitung verfügt“. (Lenin, Was tun Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1959, 397). Die Arbeiterklasse fühle sich spontan zum Sozialismus hingezogen, aber die bürgerliche Ideolgie dränge sich ihnen trotzdem immer wieder auf. Die Arbeiter greifen zur „ersten besten“ Ideologie, die erste beste ist aber die bürgerliche. 16. Vergleiche: Lenin, Vorwort zur russischen Übersetzung der Briefe von K. Marx an L. Kugelmann, Lenin Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin, 1959,96 17. Für England ist die anarchistische „Angry Brigade“ zu nennnen,  die von 1970 -1972 im underground war, in Belgien die „Cellules Communistes Combattantes“, in den USA tauchten nach der Auflösung des US-amerikanischen SDS die „Weathermen“ auf, die 1970 den Psychologen Timothy Leary aus der Haft befreiten, es gab zudem eine Kooperation zwischen der RAF und der französischen „Action directe“, bei dem Sprengstoffanschlag auf die Rhein-Main-Air Base 1985, dem größten Militärflughafen der US-Streitkräfte außerhalb der USA. Jean Paul Sartre ka aus Frankreich, bewirkte aber nichts. In Paris aber setzte er sich zusammen mit Simone de Beauvoir für die Maoisten ein und ist an der Gründung der „Liberation“ beteiligt. Nach die Liquidierung des Generals Audran durch die Action directe in Paris, Audran war Direktor für internationale Angelegenheiten im Verteidigungsministerium, erfolgte eine Tatbekennung sowohl in französischer als auch in deutscher Sprache, ohnehin firmierte das ganze Unternehmen unter dem Namen: „Kommando Elisabeth van Dyck der Action Directe“. In der von Action directe und RAF gemeinsam herausgegebenen Broschüre: „Für die Einheit der Revolutionäre in Westeuropa/Pour l´Unité des Revolutionnaires en Europe de l´Ouest“ heißt es dann auch, die Schaffung einer westeuropäischen Guerilla sei ein qualitativer Sprung. „Die westeuropäische Guerilla erschüttert das imperialistische Zentrum“. (in: Klaus Pflieger: Die Rote Armee Fraktion -RAF-.Nomos Vlg. 2007,215) Dieses Buch von Generalstaatsanwalt Pflieger ist tendenziell und ist mit äußerst kritischen Augen zu lesen, im Anhang, in der „Chronik der RAF“ werden die jungen Kämpfer zum  Beispiel  immer nur erschossen, die Polizisten aber immer ermordet. Das läßt schon ahnen, mit welch schief sitzender Brille dieser Beamte ermittelt. Eindeutig zu verurteilen ist aber die Exekution des erst 20 Jahre alten US-Soldaten Pimental, ein Wartungstechniker für Flugabwehrraketen, übrigens auch eine Kooperation mit der Action directe, bei der Aktion soll Birgit Hogefeld den Lockvogel bzw. die Honigfalle gespielt haben. Die hohe  Kriegskunst von Befreiungskämpfern, nur Volksfeinde anzugreifen, das Volk aber zu schonen (die Imperialisten machen es genau umgekehrt), kippte bei der Exekution des einfachen US-Soldaten Pimental. Vielleicht war sie der größte Fehler der RAF. Es soll kein Mord gewesen sein, das Wort wird vermieden, denn Pimental sei Freiwilliger gewesen und hat seinen Job an den Nagel gehängt, um „schneller und lockerer Kohle“ zu machen, so die dürftige Rechtfertigung.(Rote Armee Fraktion, Texte und Materialien zur Geschichte der RAF (o.Hg.) Berlin 1997,344f.) (Die Angehörigen Pimentals können sicher sein, dass er nicht unter die Säuberungen der Stalinschen Roten Armee gefallen wäre. Kleine Fische wirft der erfahrene Angler zurück ins Wasser). In Japan hatte eine frühere Studentin der Meiji-Universität Fusako Shigenoba 1971 die Japanische Rote Armee gegründet, die ihre Ausbildungsbasis im libanesischen Bekaa-Tal und enge Beziehungen zur von Dr. George Habash gegründeten PFLP hatte. Diese japanische Organisation war 18 Jahre aktiv und gab ihre Auflösung im April 2001 bekannt.Zu ihren Aktionen gehörte ein Selbstmordanschlag auf den israelischen Flughafen Lod im Mai 1972, im Januar 1974 ein Anschlag auf den Ölkonzern Shell auf der zu Singapur gehörenden Insel Pulau Bukom, im September gleichen Jahres wurde die französische Botschaft in Den Haag gestürmt und im gleichen Monat erfolgte ein Handgranatenangriff auf einen Drug Store in der Rue St. Germain in Paris ( 2 Tote und 35 Verletzte). Die Japanische Rote Armee hatte engste Kontakte zum libyschen Geheimdienst und verrichtete einige Arbeiten für den Islamisten Gadafi gegen gutes Geld unter dem Namen AIIB (Anti-Imperialistische Internationale Brigaden). So zum Beispiel im April 1987 zum Jahrestag des US-Angriffes auf Libyen gleich drei Angriffe auf diplomatische Einrichtungen der USA in Madrid. In den Sommermonaten 1987 detonierte eine Autobombe vor der US Botschaft und es gab Raketenangriffe gegen die us-amerikanische und britische Botschaft in Rom. 1975 bildeten sich in Spanien die Grupos de Resistencia Antifascista Primero de Octubre (GRAPO), die neben dem Sturz des Miltärdespoten Franco auch die Vertreibung der us-amerikanischen Streitkräfte aus Spanien erstrebten. Für den deutschen Generalbundesanwalt Rebmann war allerdings die RAF die fähigste Guerilla: „Das sind die Deutschen, die sind super, diese geschliffene Kriminalität ist in Europa einmalig.“ (Siehe: Willi Winkler: Die Geschichte der RAF, Berlin 2007,512 Fußnote 4). Der weltpolitische Kampf der Stadtguerilla war ein Puzzlespiel geworden und Sympathisanten und Interpol studierten die kriegswissenschaftlichen Schriften Mao Tse Tungs, in denen ein General tausend Mosaiksteinchen zusammenlegen können muß. 18. Eins teilt sich in zwei. „Spaltung des Einheitlichen….ist das Wesen ….der Dialektik.“ Lenin: Zur Frage der Dialektik, in: Lenin: Über Hegelsche Dialektik,  Ausgewählte Texte, Reclam, Leipzig, 1986,43. Das Scheitern  des utopistischen Großen Sprungs nach vorn  führte einerseits zu einer spürbaren politischen Entmachtung Mao tse tungs und gegenwürfig zu einer Stärkung der  Pragmatiker, die aber immer  den Keim des  Revisionismus in sich tragen. Gegen  diesen  brandeten  die Wellen  der  Kulturrevolution,  wenn die Maoisten  mit  ihren  Mikrohochöfen  schon nicht auf ökonomischen Gebiet siegen konnten, so wenigstens auf dem politisch-ideologischen. Das war die Zeit, als Millionen und Abermillionen blaue Ameisen die Mao Bibel schwenkten, aber mit Zitaten baut man keine politische Macht auf, die den reaktionären Machthabern auf dem kapitalistischen Weg Furcht einflößt. 19.Siehe: Das Konzept Stadtguerilla, in: Rote Armee Fraktion, Texte und Materialien zur RAF, ID Verlag Berlin, 1. Auflage, 1997,34 20.  Friedrich Engels, Von der Autorität. Marx Engels: Ausgewählte Werke Bd.4, Dietz Vlg. 1972, 291 21.Besonders deutlich wurde dies bei einer spezifischen Demonstrationsform, dem „Spaziergangprotest“ in Berlin, der bereits  am 10. und 17. Dezember 1966 stattfand. Es gibt genug Bildmaterial über die primtiv dilletantischen Knüppeleinsätze, nichts ist hier vergessen und nichts ist hier vergeben. Am 25. Juni  1972 erschoß um 6 uhr 30 in Stuttgart die Kriminalpolizei den 34 jährigen unbekleideten und unbewaffneten schottischen Staatsbürger Ian Mc Leod in seiner Wohnung durch die Schlafzimmertür von hinten. Er soll ein Kontaktmann der Baader Meinhof Gruppe gewesen sein, war aber in Wirklichkeit ein britischer Handelsvertreter.  Eine Nachrichtensperre sollte verhindern,dass die Umstände der Ermordung bekannt wurden. Zwischen 1971 und 1978 erschoss die westdeutsche Polizei 150 Menschen. (siehe:  Geschichte der RAF 1970 bis 1977,in: 20 Jahre Stammheim, Sonderausgabe der „Die Rote Hilfe“ 01/1997,4) 22.Friedrich Engels, Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich im Jahre 1852, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,522 23. Es war der Anarchist Johann Most, der ein Schüler des sich als Materialisten und Atheisten verstehenden Eugen Dühring war,  der  guerillaähnliche Kampfmethoden skizziert hatte: „Diesmal wird selbst der eigentliche Kampf nur aus einer großen Reihe von Einzelakten bestehen, weil das gegenüber der modernen Kriegskunst die einzige Taktik ist, welcher letztere nicht beikommen kann.“ (Johann Most, Die freie Gesellschaft. Eine Abhandlung über Prinzipien und Taktik der kommunistischen Anarchisten, New York, 1884,67) Der Krieg des Proletariats gegen die Bourgeosie bleibt auch nach dem Sieg der Arbeiterklasse ein asymmetrischer, der Sieg verhindert nicht, dass die Bourgeoisie mächtiger bleibt. Ihre Macht besteht „nicht nur in der Stärke des internationalen Kapitals, in der Stärke und Festigkeit der internationalen Verbindungen…sondern auch in der Macht der Gewohnheit, in der Stärke der Kleinproduktion.“ (Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin, Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,566). 24.Bernd Rabehl, Von der antiautoritären Bewegung zur sozialistischen Opposition, in: Bergmann, Dutschke, Lefèvre, Rabehl: Rebellion der Studenten oder Die neue Opposition, rororo aktuell, 51. – 70. Tausend Mai, reinbek bei Hamburg, 1968, 165.Ein Bändchen aus der Serie rororo aktuell, das 1968 allein im Maimonat dreimal aufgelegt wurde und bereits die Anzahl 70 000 erreichte. 25. Ulrike Meinhof, Die Würde des Menschen ist antastbar, Aufsätze und Polemiken, 1995,153f. 26. Lenin, Der Partisanenkrieg, Lenin Werke Band 11, Dietz Verlag Berlin, 1959, 205 27. Kollektiv RAF Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa, Kapitel 6: Terror gegen den Herrschaftsapparat-ein notwendiges Element der Massenkämpfe, in: D.B. Rjazanow:  Zur Frage des Verhältnisses von  Marx zu Blanqui,  Vlg. van Houden, Utrecht Januar 1973,  76 – 83 28. Lenin, Der Partisanenkrieg. LW 11, 205 29. a.a.O., 209 30. a.a.O., 211 31. Kollektiv RAF Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa, in: D.B. Rjazanov: Zur Frage des Verhältnisses von Marx zu Blanqui,  Vlg. van  Houden,  Utrecht, Januar 1973, 75 32.  Stefan Engel, Die Oktoberrevolution lebt, Rede von Stefan Engel anläßlich der Großveranstaltung der MLPD „70 Jahre Oktoberrevolution“ am 31. Oktober 1987 in Düsseldorf, Verlag Neuer Weg 1987,13 33. Thugs wurden diese Arbeiter nach dem ostindischen, bekannten Volksstamm genannt, dessen einziges Gewerbe der Meuchelmord aller Fremden ist, die ihm in die Hände fallen. 34.Friedrich Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Ausgewählte Werke Marx Engels, Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974, 175 35.a.a.O.,176 36. Vergleiche. Horst Herold: Die Lehren aus dem Terror, Süddeutsche Zeitung Nr.116 30./31. Mai 2000,9 37. Lenin,  Der linke „Radikalismus“,  die Kinderkrankheit  im Kommunismus, Ausgewählte Werke, Progress Vlg. Moskau 1971, 574 37.Aufschlußreiches zu den ungeklärten Todesfällen in dem Aufsatz von Gudruns Schwester Christiane Ensslin: „Die Todesnacht im 7. Stock in Stammheim“, in: 20 Jahre Deutscher Herbst, taz-journal: die RAF, der Staat und die Linke, 1997,14ff. Irmgard Möller beharrt darauf, dass sie in der Stammheimer Todesnacht glücklich Überlebende einer an ihr von unbekannten Personen verübten Messerattacke wurde und dass es zur Gefangenentötung eine NATO-Absprache gab. (Siehe: Oliver Tolmein: „RAF – das war für uns Befreiung“. Ein Gespräch mit Irmgard Möller über den bewaffneten Kampf, Knast und die Linke, Hamburg 1997, 134f. und: http://www.nadir.org/nadir/archiv/PolitischeStroemungen/Stadtguerilla+RAF/RAF/ brd+raf/032.html.) Dagegen wird in einer der letzten durch und durch oberflächlichen Buchpublikation von Michael Sontheimer, sollte ich lieber sagen: Krimipublikation ?, zum Thema RAF die Selbstmordthese überhaupt nicht mehr problematisiert. Unter Entideologisierung des Themas wird eine Kriminalstory geliefert mit einem maskierten Mann und Geheimdienstverstrickungen.In einer Veranstaltung zur Vorstellung des Buches outete Astrid Proll des Maskenmann als angeheuerten Profi, zu fragen bleibt allerdings, warum nur er maskiert war, wollte man denn unbedingt auf die Titelseite der Agit 883, dem Kampfblatt der Kommunistischen Rebellen. Deshalb auch eine lobende Buchbesprechung im Börsenblatt Frankfurter Allgmeine Zeitung vom 21. Juni 2010. Die Mutter von Andreas Baader erzählte über ihren Sohn, der gesehen hatte, wie bewaffnete Polizisten auf gitarrespielende „Gammler“ losgingen: Weißt du Mutter, in einem Staat, wo Polizisten auf junge Musiker losgehen, da stimmt was nicht. So begannen beim jungen Baader Keime der Rebellion zu wachsen. Dass hingegen alles von Geheimdiensten gesteuert worden sei, war zum Beispiel seit 40 Jahren immer eine Behauptung der EAP (Europäische Arbeiterpartei). Die Baaders verstanden sich als Marxisten Leninisten und folgten dem Vorsitzenden Mao, dass man das Kriegführen im Kriege lerne, bleibt dieses Motiv unberücksichtigt, erhalten wir Bücher als hätten sie Beamte des Bundeskriminalamtes geschrieben. (Siehe: Michael Sontheimer: „Natürlich kann geschossen  werden“. Eine kurze Geschichte der Roten Armee Fraktion, Deutsche Verlags Anstalt, 2010 UND: Baader, Meinhof und der Maskenmann, Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 21. Juni 2010 von Nils Minkmar, Seite 28) Das Klassenkriegführen lernen wir im Klassenkrieg, anders kann es gar nicht gehen. Wenn nach Lenin der Krieg eine kunterbunte Sache ist, an die man nicht mit einer Schablone herantreten darf, so hat es keinen Zweck, sich mit einer Organisation von Berufsrevolutionären auf den Berg Sinai zu verkriechen und erst jahrelang studieren, was Clausewitz über den kleinen Krieg geschrieben hat, jahrelang Marxens Kapital zu studieren. Von diesem Berg werden sie dann kommen und das Volk missionieren. Es ist ein weitverbreitetes Mißverständnis , in Kommunisten Weltverbesserer nach Prinzipien zu sehen. Ihre „theoretischen Sätze…sind nur allgemeine Ausdrücke…eines existierenden Klassenkampfes.“ (Karl Marx / Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984,37) Sonst geht, wie Hegel in der Phänomenolgie des Geistes schreibt, das Herzklopfen für das Wohl der Menschheit in die Raserei des Eigendünkels über. 39. Sebastian Haffner, Die deutsche Revolution 1918/19, Anaconda Verlag. 2008, 240. Der Sonderermittler des Bundeskriminalamtes gegen die RAF, Alfred Klaus beschreibt in seinen Memoiren einen haarsträubenden, aber typisch deutschspießbürgerlichen Vorgang nach Abschluß der Mogadischu Aktion: Klaus bekam mit, dass in der „Nacht des Triumphes“ Schmidt und Zimmermann sich ggenseitig mit einem Regenschirm demonstrierten, wie die von Rekrute zu exerzierende Ausführung des Kommandos „Gewehr über“ …“Gewehr ab“… „Präsentiert das Gewehr“ausssehen müsse.“ (siehe: Alfred Klaus – mit Gabriele Droste – Sie nannten mich Familienbulle, Meine Jahre als Sonderermittler der RAF, Hoffmann und Campe Verlag 2008, 296) Na also, es klappt doch noch ! 40. Lenin, IV Konferenz der Gewerkschaften und der Betriebskomittees Moskaus, LW 27, 481. Zur Gedankengleichheit zwischen Lenin und Luxemburg in diesem Punkt siehe auch: Lenin, Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,323). Der subjektiv anarchistische Impuls im proletarischen Finalkampf drückt sich in revolutionärer Ungeduld aus, dass die Revolutionäre es noch erLEBEN, der proletarische Revolutionär arbeitet nachfolgenden Generationen voraus, die auch nach seinem Tod erst ernten. Lenin wies übrigens in: Was tun ?  die Befangenheit auf  bloße gegenwärtige Verbesserungen der Lage der Arbeiterklasse dem Ökonomismus zu. Die Ökonomisten versuchen den Arbeitern einzureden, „dass der nur-gewerkschaftliche Kampf eben der Kampf für sie selbst und für ihre Kinder sei, und nicht ein Kampf für irgendwelche zukünftigen Generationen mit irgendeinem zukünftigen Sozialismus.“ (Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1959, 392).  Es ist deshalb auch kein Zufall, dass Lenin zwischen Ökonomismus und Terrorismus einen notwendig inneren Zusammenhang sieht, ihre gemeinsame Wurzel ist die „ANBETUNG DER SPONTANEITÄT“ (kursiv von Lenin). (a.a.O.,431). Beispielhaft für die erstere subjektiv impulsive Kurzatmigkeit stehen die Wirrköpfe Cohn-Bendit: „Wir handeln nicht für unsere Kinder – denn das Opfer, dieses Produkt eines stalinistisch (??/H.A.) -jüdisch-christlichen Humanismus ist konterrevolutionär-, sondern damit WIR endlich ohne Hemmungen genießen können.“ (Gabriel und Daniel Cohn-Bendit, Linksradikalismus, Reinbek, Hamburg, 1968,134). Das Opfer ist also konterrevolutionär, das Wort „konterrevolutionär“ drückt aber immer nur Beziehungen unter historisch politisch handelnden Individuen aus, dieses quidproquo der Verdinglichung spiegelt geradezu warenwirtschaftliche Beziehungskomplexe wider. Bendit wurde dann ja auch von den eigenen Genossen aus Frankreich vertrieben.  Die Bauern, die aus der verheerenden Niederlage 1525 zogen waren da viel freier: Geschlagen ziehen wir nach Haus, unsere Enkel fechten es besser aus. Und auch Heine schrieb noch bezüglich der deutschen Jakobiner, die ja im Vergleich zu den französischen Jakobinern ohne Volk blieben: „Wir werden sie (die Marseillaise/H.A.) nicht vergessen, und einige von uns werden sie einst jenen Enkeln einstudieren, die jetzt noch nicht geboren sind.“ (Heinrich Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland (1834), In: ders: Sämtliche Schriften, Hrsg. von Klaus Briegleb, Bd.3. München 1971,626f.).  Eine der stutzigsten Stellen im Gesamtwerk Lenins findet man übrigens zur Generationenfrage der Revolution: „…gebe Gott, daß unsere Kinder, vielleicht aber auch erst unsere Enkel die Errichtung des Sozialismus bei uns erleben.“ (Lenin, Rede auf dem I. Kongreß der landwirtschaftlichen Kommunen und Artels, Werke Band 30, Dietz Verlag Berlin, 1961,189). Diese Rede wurde am 4. Dezember 1919 gehalten. 41.Indeß bildet sich die KP „…niemals ein, sie sei imstande, jene Revolution, die ihre Ideen verwirklichen soll, zu jedem beliebigen Zeitpunkt nach Willkür hervorzurufen…“ (Friedrich Engels: Der Kommunisten Prozess zu Köln, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band II, Dietz Verlag Berlin, 1972,419) Man muß auch bedenken, dass nicht jede revolutionäre Situation zur Revolution führt. Die Merkmale einer revolutionären Situation hat Lenin genau präzisiert: „Wir gehen sicherlich nicht fehl, wenn wir folgende drei Hauptmerkmale anführen: 1. Für die herrschenden Klassen ist es unmöglich, ihre Herrschaft unverändert aufrechtzuerhalten…2. Die Not und das Elend der unterdrückten Klassen verschärfen sich über das gewöhnliche Maß hinaus. 3. Infolge der erwähnten Ursachen steigert sich erheblich die Aktivität der Massen, die sich in der „friedlichen“ Epoche ruhig ausplündern lassen…Ohne diese objektiven Veränderungen, die unabhängig sind vom Willen nicht nur einzelner Gruppen und Parteien, sondern auch einzelner Klassen, ist eine Revolution – in der Regel – unmöglich.“ (W.I.Lenin, Der Zusammenbruch der II. Internationale, LW 21 Dietz Verlag Berlin 1960,207) 42.Wolfgang Kraushaar: Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf, in: Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF, Hamburger Edition 2005, der angesprochene Aufsatz auf den Seiten 13 bis 50. 43.Rudi Dutschke, Hans Jürgen Krahl: Organisationsreferat, unter dem nichtautorisierten Titel „Sich-Verweigern erfordert Guerilla-Mentalität“, posthum veröffentlicht in: Rudi Dutschke: Geschichte ist machbar, West-Berlin 1980, 94. Hier entnommen aus: Wolfgang Kraushaar,a.a.O.,21 44. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Marx Engels Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1975,298 45.Sun Tzi, Die Kunst des Krieges, Knaur Verlag München, 1988, 152. Lenin bemerkte, dass es zuweilen geschieht, „…dass ein wichtiges Dokument…aus bürgerlichen Kreisen…wie durch ein Wunder auf den Redaktionstisch des „Vorwärts“ geflogen kommt. ( Lenin, Was Tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin 1960,454). 46. Karl Marx: Zur Kritik der Hegel´schen Rechtsphilosophie, Einleitung, in: MEGA I / 2, Dietz Verlag Berlin, 1982,171f. 47.Friedrich Engels, Schelling und die Offenbarung, Marx Engels Ergänzungsband, Zweiter Teil,179 48.Den Mallorca Urlaubern wurde nun drastisch vor Augen geführt, daß es noch eine sog. Dritte Welt gibt, deren exzessive Ausbeutung durch die Metropolen erst einen Mallorca-Urlaub für die Arbeiteraristokratie ermöglichte. In der Dokumentation der Bundesregierung zur Entführung von Hanns Martin Schleyer steht im Tagesprotokoll vom Sonntag 16. Oktober 1977: abends: Die Bundesregierung hat mehrere Male Kontakt mit der Regierung der UdSSR… tritt mit der Regierung der DDR mehrfach in Verbindung. (Siehe: Dokumentation der Bundesregierung zur Entführung von Hanns Martin Schleyer, Goldmann Sachbuch 1. – 50. Tsd., 1977,168). 49.Lenin, Brief an die deutschen Kommunisten,  LW 28, 538. Die Eroberung der Mehrheit des Proletariats durch uns-das ist die wichtigste Aufgabe. (ebenda S, 547) 50. Gerd Koenen, Das rote Jahrzehnt, Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967 – 1977, Fischer Taschenbuch Verlag 2007,380 51. Vergleiche Lenin, Anarchismus und Sozialismus, Dietz Verlag Berlin,1955,334ff. 52.Jan Philipp Reemtsma: Was heißt „die Geschichte der RAF verstehen ?“, in: Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF, Hamburger Edition 2005,130 53. Vgl. Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, MEGA I,10. Dietz Verlag Berlin 1977,394 54. Vergleiche: Theodor W. Adorno, Beethoven, Philosophie der Musik, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, 2004,55 55. Sicherlich ist es der 68er Rebellion verdienstvoll zuzuschreiben, dass wir heute  geoutete schwule Bürgermeister haben (aber eben Bürgermeister und keine Volkskommissare) und lesbische Paare tagsüber unbehelligt in den Großstädten Hand in Hand spazierengehen können, eingedenk der unheilvollen 50er Jahre, am Kern der bundesrepublikanischen Inhumanität, am kapitalistischen System, hat sie nichts geändert, im Gegenteil, so zeigt zum Beispiel die Hartz IV Gesetzgebung, dass eine traditionelle Arbeiterpartei ihren massenverachtenden Charakter seit 1914 – es folgten 20 Millionen Kriegstote . also  fast 100 Jahre konserviert hat. Wenn das Kriterium einer erfolgreichen Revolution darin besteht, dass sich die Formen der Beziehungen unter den Menschen geändert haben, so ging diese Veränderung also nur an der mentalen Oberfläche vor, es kann also nur von einer 68er Rebellion, nicht von einer 68er Revolution gesprochen werden. Das grundlegende Verhältnis der verschiedenen Klassen zueinander ist wie die kapitalistische Evolution geblieben. Aber unterschwellig hat sie eine Marxisierung der Intellektuellen bewirkt, hat Keime einer proletarischen Revolution gelegt, die sich allerdings in der Schwere eines ausgetrockneten und verhärteten historischen Bodens – denn vergessen wir nicht, dass Marx und Engels Deutschland als die „Scheiße an und für sich“  (Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin 1974,223) bezeichneten – aus dieser Scheiße entsprießen natürlich schon wieder faschistische Früchte – eher kläglich entwickeln, gleichwohl können eines Tages  wirkliche fortschrittliche Früchte hervorbrechen, vielleicht auch bei einer günstigen internationalen Sonnenkonstellation, auf dass endlich ein Bruch in der so verhängnisvollen deutschen Kontinuität der Untertanenmentalität erfolgt. „Sagt, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase eher rümpfen lernt als putzen ?“, ein kleiner Aphorismus von Georg Lichtenberg. Man sieht aus alledem, dass nur eine gründliche kommunistische Revolution Deutschland aus dem bornierten mittelalterlichen Schlamassel herausreißen kann und wir haben ja gerade die paradoxe historische Konstellation, dass Deutschland über die Kritik an der höchsten Blüte bürgerlicher Kultur in Gestalt seiner klassischen Philosophie zur Geburtsstätte des Marxismus wurde – und in der Praxis ? In der Praxis wäre es schon sehr kühn, wenn wir deutsche Kommunisten  den Gedanken hegen, dass Deutschland als extrem gründliches Land der Konterrevolution gerade deshalb die Signale aussenden könnten, auf die die Völker zum letzten Gefecht hören, ja geradezu vermessen: „Deutschland hat infolge seiner industriellen Trägheit eine so erbärmliche Stellung in Europa, dass es nie eine Initiative ergreifen, nie zuerst eine große Revolution proklamieren…kann.“ (Friedrich Engels, Die Kommunisten und Karl Heinzen, in: Ausgewählte Werke Marx Engels Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974, 315). Aber fassen wir  nicht allzu shematisch auf, was Engels 1847 schrieb, ein Jahr später schrieb er zusammen mit Marx im Manifest, daß die Kommunisten auf Deutschland ihr Hauptaugenmerk richten müßten… 56. Nicht unerwähnt bleiben kann hier die Szene. die sich in einem palästinensischen Ausbildungslager abspielte, in der die deutschen Guerilleros ihr Nacktsonnen einstellen sollten und den sittenstrengen Kommandeuren zuriefen: „Ficken ist wie Schießen !“ 57. Gerd Koenen: Vesper, Ensslin, Baader Urszenen des deutschen Terrorismus, Fischer Taschenbuch Verlag, 2005,306 58.Brutalität paarte sich mit Bösartigkeit. Erst Anfang April 2009 wurden Papiere im Stuttgarter Innenministerium gefunden, aus denen eindeutig hervorgeht, dass deutsche Sicherheitsbehörden 1975 und 1976 guerillaartige Terror-Aktionen planten, die der RAF zugeeignet werden sollten, frei nach einer Aussage Napoleons, Guerilla muß man guerillahaft bekämpfen. Und „RAF Flugblätter“ am Tatort zurücklassen.Man suchte sich natürlich delikate Sachen aus: die Trinkwasserversorgung Berlins und die Hamburger Elektrizitätswerke. URL: http://www.welt/de/politik/article 33536741/Polizei-plante-Terror-im-Kampf-gegen-die-RAF. html. Engels sprach von „…politischen Methoden, durch die der europäische Kontinent in Knechtschaft gehalten wird…“ (Friedrich Engels: Der Kommunisten Prozess zu Köln, in Marx Engels Ausgewählte Werke Band II, Dietz Verlag Berlin, 1972,418) Schon 1972 arbeiteten die Staatsschutzbehörden in Stuttgart mit einer Taktik der gefälschten Bombendrohung. Am 26. Mai wurde in einem der RAF angehängten Brief, der natürlich als echt deklariert wurde, behauptet, drei Autobomben seien in der Stuttgarter Innenstadt abgestellt, Teile der Innenstadt wurden daraufhin evakuiert und die Polizei durfte sich als Freund und Helfer aufspielen, flugblätterverteilend. Angesichts derart perversen Verhaltensweisen des Büttels des Kapitals ist nicht auszuschließen, dass in Stuttgart Stammheim die Toten der Nacht auch der RAF zugeschrieben wurden. In dem Schriftgut, das die Selbstmordthese verficht, wird als Hauptgrund angegeben, dass es sich bei der Bundesrepublik ja schließlich um eine Demokratie handele und eine Demokratie morde ja nicht: Es ist diesen Autoren nicht gegenwärtig, dass Lenin in „Staat und Revolution“ auch die bürgerliche Demokratie als „…eine der „Spielarten des Staates“ bezeichnete. “ Folglich ist sie, wie jeder Staat, eine organisierte, systematische Gewaltanwendung gegenüber Menschen.“ (W.I.Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960, 486). Und mit gleicher Deutlichkeit in der gleichen Schrift:  „Die Formen der bürgerlichen Staaten sind außerordentlich mannigfaltig, ihr WESEN (kursiv/H.A.) ist aber ein und dasselbe: Alle diese Staaten sind so oder so, aber in letzter Konsequenz unbedingt eine DIKTATUR DER BOURGEOISIE (kursiv/W.I.Lenin) (a.a.O.,425). Und schon fällt auf die dunkle Nacht in Stammheim ein anderes Licht. Greifbar wurde diese staatliche Mischung aus Brutalität und Bösartigkeit auch bei der Zwangsernährung an Untersuchungsgefangenen. Der Mensch hat ein Recht auf Hungerstreik, Holger Meins beschrieb die Zwangsmaßnahmen so: „Festschnallen, zwei Handschellen um die Fußgelenke, ein 30 cm breiter Riemen um die Hüfte, linker Arm mit vier Riemen vom Handgelenk bis zum Ellenbogen…von rechts der Arzt auf´n Hocker mit ´nem kleinen Brecheisen. Damit geht es zwischen die Lippen, die gleichzeitig mit den Fingern auseinandergezogen werden, und dann zwischen die Zähne und hebelt die auseinander. Sowie die Kiefer weit auseinander sind, klemmt, schiebt drückt der Sani von links die Maulsperre zwischen die Zähne…Verwendet wird ein roter Magenschlauch, mittelfingerdick.“ (in: Klaus Pflieger: Die Rote Armee Fraktion -RAF-, Nomos Vlg. 2007,43) Das Bild des toten Holger Meins ging um die Welt, Birgit Hogefeld sah in ihm die Ähnlichkeit mit den Toten von Auschwitz. Sie wollte es so sehen und so sollte es gesehen werden, es kam alles darauf an, Faschismus aus der BRD herauszukitzeln. „…bei diesen Bildern haben sich solche Assoziationen aufgedrängt.“ Birgit Hogefeld, „Vieles in der Geschichte ist als Irrweg anzusehen“ Das Schlußwort der Angeklagten, in: Versuche, die Geschichte der RAF zu verstehen. Das Beispiel Birgit Hogefeld (o.Hg.), Gießen 1996,32, hier entnommen: Jan Philipp Reemtsma: Was heißt „die Geschichte der RAF verstehen “ ?, in: Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF, Hamburger Edition 2005,104 Hellsichtig schrieb Ulrike Meinhof schon 1964: „Es ist an der Zeit zu begreifen, dass die Vergasungsanlagen von Auschwitz in der Atombombe ihre technische Perfektion gefunden haben und das das Spiel mit Atombomben im Blick auf die Deutschen in der DDR, die Polen jenseits von Oder und Neiße, die Tschechen im Sudetenland, die Russen im Baltikum das Spiel mit einem Verbrechen hitlerischen Ausmaßes ist. (Ulrike Meinhof, Der 20. Juli, in: Die Würde des Menschen ist antastbar, Aufsätze und Polemiken, Wagenbach Verlag, Juni 1994,50f.)  Unter diesen Aufsätzen und Polemiken  sind kleine journalistische Juwelen, marxistisch sind sie nicht, denn es fehlt die Darstellung der Wechselverhältnisse der Klassenkräfte fast durchgängig. 59. Lenin, Womit beginnen ?, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1959, 7 60. Lenin, Staat und Revolution, Ausgewählte Werke, Progress  Vlg. Moskau 1971, 333. Die Betonung liegt aber wirklich nur auf der Frage des ZIELES: „Zwischen dem Sozialismus und dem Anarchismus liegt ein tiefer Abgrund, den die Lockspitzel der Geheimpolizei oder die Zeitungsknechte der reaktionären Regierungen vergeblich als nicht vorhanden hinstellen möchten.“ (Lenin, Sozialismus und Anarchismus, Lenin Werke Band 10, Dietz Verlag Berlin, 1959,59) Und arbeiteten nicht Lockspitzel und reaktionäre Journaille bei der Baader Meinhof Hatz Hand in Hand ? 61. Vgl. Lenin, Brief an die deutschen Kommunisten, Lenin Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1959, 539 62. Lenin, Sozialismus und Anarchismus, Lenin Werke Band 10, Dietz Verlag Berlin 1959,59 63. Gerd Koenen: Vesper, Ensslin, Baader. Urszenen des deutschen Terrorismus, Fischer Taschenbuch Verlag 2005, 318 64. Das war (und ist) eben die spezifische „Realpolitik“ der Sozialdemokratie, von der sich schon Karl Marx distanzierte und über die er schrieb, dass sie „Deutschland so weit hinter alle zivilisierten Länder stellt“. (Karl Marx, Brief an Ludwig Kugelmann in Hannover vom 23. Februar 1865, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band II, Dietz Verlag Berlin, 1971,429). 65. Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin 1959,82f. 66. Vergleiche Lenin, Der „linke Radikalismus“. die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin, Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1971,629 67. Arnold Gehlen; Moral und Hypermoral. Eine pluralistische Ethik, Frankfurt a. M./ Bonn, 1969,101 68. Lenin, Vorwort zur russischen Übersetzung der Briefe von K. Marx an L. Kugelmann, Dietz Verlag Berlin, 1959,96 69. Karl Marx, Thesen über Feuerbach, Marx Engels: Ausgewählte Werke Bd. 1, Dietz Vlg. 1974, 199 Und auch: Marx will mit den Massen lernen. (Vergleiche Lenin, Vorwort zur russischen Übersetzung der Briefe von K. Marx an L. Kugelmann, Lenin Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin, 1959,103 70. Lenin, Der linke „Radikalismus“,  die Kinderkrankheit im   Kommunismus, Ausgewählte Werke, Progress Vlg. Moskau 1971, 567 71. Mao Tse Tung: Über den langandauernden Krieg, Mai 1938, in:  Mao Tse Tung: Vom Kriege, Bertelsmann Sachbuchverlag. 1969, 230 72. Kollektiv RAF: Das Konzept Stadtguerilla, Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa, in:D.B. Rjazanov: Zur Frage des Verhältnisses von Marx zu Blanqui, Vlg. van Houden, Utrecht Januar 1973, 7. Assoziativ war noch Horst Mahler am nächsten am Bauernkrieg, der zunächst der sich herausbildenden Stadtguerilla den Namen „Geyers schwarzer Haufen“ geben wollte, es wurde dann aber RAF. 73. „Seit 600 Jahren geht alle progressive Bewegung so sehr von den Städten aus, daß die selbständigen demokratischen Bewegungen der Landbewohner (Wat Tyler, Jack Cade, Jacquerie, Bauernkrieg)… jedesmal reaktionär auftraten. ..“ (Friedrich Engels, Die Kommunisten und Karl Heinzen, Artikel in der Deutschen- Brüsseler Zeitung Nr 79 vom 3. Oktober 1847, in: Ausgewählte Werke Marx Engels, Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1974,317f.) 74. Lenin, Briefe aus der Ferne, Lenin Werke Band23, Dietz Verlag Berlin, 1959,338f. 75. Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, Marx Engels Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin,1969,50 76. Vergleiche Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Franz Mehring, Buchhandlung Vorwärts Berlin 1908,27 77. Lenin, Arbeiterpartei und Bauernschaft, Lenin Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1969,425 78.Vergleiche: Lenin, Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1955,525 79. Vergleiche Lenin, Geschichtliches zur Frage der Diktatur (Notizen), in: Ausgewählte Werke Lenin, Band V, Dietz Verlag Berlin,1982,724. Der Revisionismus erhebt sich als „zivilisiert“ gegenüber den primitiven Volksmassen. Eduard Bernstein bekämpfte in seinem Renegatenbuch „Die Voraussetzungen des Sozialismus“ die „primitive“ Demokratie, während im Sozialismus „vieles von der „primitiven“ Demokratie wieder aufleben“ (Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,503) wird, „…denn zum erstenmal in der Geschichte der zivilisierten Gesellschaften wird sich die Masse der Bevölkerung zur selbständigen Teilnahme nicht nur an Abstimmungen und Wahlen, sondern auch an der laufenden Verwaltungsarbeit erheben. Im Sozialismus werden ALLE (kursiv von Lenin/H.A.) der Reihe nach regieren und sich schnell daran gewöhnen, daß keiner regiert.“ (a.a.O., 503). 80. Am 24.1.1972 veröffentlichte der SPIEGEL einen kleinen Aufsatz von Horst Mahler: „Die  revolutionäre Linke ist kriminell.“ Diese Überschrift wurde  von Mahler  wohlweislich in Anführungszeichen gesetzt. Für den Marxismus ist die „Existenz des Staates und die Existenz der Sklaverei….unzertrennlich“ (Karl .Marx: Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1, 401 f.)  Man braucht  diesen  Gedanken von  Marx nur anzudenken und die Lokalisierung krimineller Energie in der  Geschichte verschiebt  sich sofort: angesichts zweier genozid  gestalteter  Weltkriege im 20. Jahrhundert, der letzte sogar mit Atomwaffenausgang: der Feind der Menschheit steht rechts, der Hauptfeind steht im eigenen Land — und ist kriminell (ohne Anführungszeichen). Die Dialektik des Kriminellen in der Weltgeschichte gestaltet sich eigentümlich: Das  „Kriminelle“ wird dadurch neues Gesetz, dass  das alte kriminell wird. Nach Engels sind es „…..gerade die schlechten Leidenschaften der Menschen, Habgier und Herrschsucht, die zu Hebeln der geschichtlichen Entwicklung werden…“ (Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, 287) Was anderes muß das Proletariat nach einer Revolution an den Tag legen als Habgier (nach Vergesellschaftung des Privateigentums an Produktionsmitteln) und Herrschsucht (Knechtung und Umerziehung der feindlichen Klassen). Der erste Satz in Mahlers kleinem Spiegelaufsatz markierte deshalb einen Fortschritt in der Entwicklung der RAF:  „Nicht mehr die  Popo (Politische Polizei),sondern das Raubdezernat der Kripo ist in West-Berlin künftig für die Verfolgung der… RAF zuständig.“ (Horst Mahler „Die revolutionäre Linke ist kriminell“  SPIEGEL Nr. 5  vom 24.1.1972, in:  D.B. Rjazanov:  Zur Frage des Verhältnisses von Marx zu  Blanqui, Vlg. van Houden, Utrecht, Januar 1973,175). In jakobinistischer Tradition hat Jean Paul Marat Bemerkenswertes zur Dialektik der Eigentumskriminalität verfasst (1780; „Plan de législation criminelle), in sozialistischer Friedrich Engels. (Siehe: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band V, Dietz Verlag Berlin 1972,106). 81.Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution Lenin Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin, 1959,72 82. Friedrich Engels, Revolution und Konterrevolution in Deutschland, Ausgewählte Werke, Bd. 2, Dietz Vlg. 1974, 283 83. Lenin, Über unsere Revolution, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971,  766. Grob  gesprochen: Mit  dieser Taktik hatte Napoleon  das bürgerliche  Gesetzbuch europäisiert, mit  den gleichen  Mitteln hat Lenin in Rußland seine Annulierung durchgesetzt.Grob gesprochen, denn natürlich machen Männer keine Weltgeschichte. 84.Vgl. Lenin, Der linke „Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus,  Ausgewählte Werke, Progress Vlg. Moskau 1971, 564 85.Vgl. Lenin, Marxismus und Aufstand, Ausgewählte Werke, Progress Vlg. Moskau 1971, 389 86.RAF: Das Konzept Stadtguerilla,in: D.B.Rjazanov: Zur Frage des Verhältnisses von Marx zu Blanqui, Vlg van Houden, Utrecht Januar 1973, 35 87. Vergleiche Lenin, Vorwort zur russischen Übersetzung der Briefe von K. Marx an L. Kugelmann, Lenin Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin, 1959, 99. Und auch im „Linken Radikalismus“: „Die Kunst des Politikers (und das richtige Verständnis des Kommunisten für seine Aufgaben) besteht eben darin, die Bedingungen und den Zeitpunkt richtig einzuschätzen, wo die Avantgarde des Proletariats die Macht mit Erfolg ergreifen kann, damit sie während und nach der Machtergreifung auf eine ausreichende Unterstützung genügend breiter Schichten der Arbeiterklasse und der nichtproletarischen werktätigen Massen rechnen kann, wo sie nach der Machtergreifung auf eine ausreichende Unterstützung genügend breiter Schichten der Arbeiterklasse und der nichtproletarischen werktätigen Massen rechnen kann, wo sie nach der Machtergreifung ihre Herrschaft dadurch behaupten, festigen und erweitern kann, daß sie immer breitere Massen der Werktätigen erzieht, schult und mitreißt.“ (Lenin, Der „Linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1971,590). Wenn Lenin schreibt, dass man den Zeitpunkt der Revolution herausfühlen muß, so deutet diese emotionale Wortwahl daruf hin, dass für ihn die Poltik nicht nur eine Wissenschaft, sondern auch eine Kunst war. 88. Mao Tse Tung, Ein einziger Funke kann die ganze Steppe in Brand setzen, 5. Januar 1930, in : Mao Tse Tung: Vom Kriege, Die kriegstheoretischen Schriften, Bertelsmann Sachbuch Verlag, 1969,42 89. Friedrich Engels: Die  preußische Militärfrage und die deutsche  Arbeiterpartei (1865), zit.in:Kollektiv RAF Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa, in: D.B. Rjazanov: Zur Frage des Verhältnisses von Marx zu Blanqui, Vlg. van Houden, Utrecht Januar 1973, 51f. In der Militärfrage ist die Anerkennung einer relativ hohen historischen Bedeutung der allgemeinen Wehrpflicht in bürgerlichen Republiken für Marxisten fundamental. Das haben die 68er aus liberaler Tradition vor Aufkommen der K-Gruppen völlig außer Acht gelassen, die Betreuung von Bundeswehrdeserteuren in Westberlin war zwar rührend, aber unleninistisch und weltgeschichtlich belanglos. Engels bezeichnet die allgemeine Wehrpflicht „…beiläufig als die einzig demokratische Institution, welche in Preußen, wenn auch nur auf dem Papier, besteht…“, sie sei gegen alle bisherigen militärischen Einrichtungen ein enormer Fortschritt (Friedrich Engels, Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei, Marx Engels Werke Band 16, Dietz Verlag Berlin 1974,44) und Lenin prägte uns ein: nimm das Gewehr, das dir bürgerlichen Offiziere geben und erlerne gut alles Militärische. (Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Werke,  Band 23, Dietz Verlag Berlin,78) Und im übrigen ist die allgemeine Wehrpflicht das Durchgangsstadium zur Volksbewaffnung. Als der Bauernsohn Gerhard Scharnhorst (Ich verweise auf meine Biographie über Scharnhorst, siehe unter: google: „lenin unser aller lehrer scharnhorst ein general des fortschritts). in Preußen die allgemeine Wehrpflicht einführte, waren es gerade liberale Konservative wie Niebuhr und von Gentz, die vor der gewaltigen Volkskraft zurückbebten, die potentiell in ihr liegt. Sie ist zweischneidig in der Dialektik von Revolution und Konterrevolution, entweder gelingt die Mobilmachung durch blutsaugerische imperialistische Räuber oder das bürgerliche Offizierspack wird entmachtet. Wobei wir immer die perverse Rolle beachten müssen, die die deutsche Sozialdemokratie 1914 – mit Ausnahme von Karl Liebknecht – bei der Bewilligung der Kriegskredite gespielt hat.Die ganze Geschichte der Bundesrepublik beweist, dass die Sozialdemokratie ein einzig stinkender konterrevolutionärer Kretin vor dem Kapital ist. Für Gudrun Ensslin, die erst in der sozialdemokratischen „Wählerinitiative Willy Brandt“ mitgearbeitet hatte, muß diese Einsicht nicht schmerzfrei gewonnen worden sein. Dieser Politiker hat die Linksintellektuellen geblendet wie kein zweiter.(Und dann bei der Hatz für die SPD sein Satz:“Es geht nicht darum, dass man uns zum Jagen tragen müßte“) Ganz folgerichtig stand gerade der Volksschädling Willy Brandt auf der Entführungsliste der RAF ganz oben.  Ein weiterer Blender ist der derzeitige Kriegsminister zu Guttenberg, in Gehabe und Weltanschauung ein Mann des Mittelalters, der die allgemeine Wehrpflicht aussetzen möchte. Auf den ersten Blick erscheint es, als liege beim Minister eine Unkenntnis des militärgeschichtlichen Verlaufs der Herausbildung der großen Massenheere als Folge der französischen Revolution vor. Nicht nur der proletarische Militärexperte Engels sah, dass: die Bedeutung der Massen, die bildungsmäßigen Anforderungen und die Anforderung zum selbständigen Handeln an den je einzelnen Soldaten nicht ab- , sondern zunehmen. Auch die im Gespräch befindliche Reduzierung der Wehrpflichtdauer auf sechs Monate ist daher in der Tat ein Unterfangen, das deutsche Volk wehrlos zu machen, dem deutschen Volk steht der Große Vaterländische Krieg gegen die ausländischen Okkupationstruppen und der Bürgerkrieg gegen die einheimische Kapitalistenklasse noch bevor.“Wie es sich aber in der proletarischen Revolution für die Industrie nicht darum handelt, die Dampfmaschinen abzuschaffen, sondern sie zu vermehren, so für die Kriegführung handelt es sich darum die Massenhaftigkeit und Beweglichkeit, nicht zu vermindern, sondern zu potenziren.“ (Friedrich Engels, Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich im Jahr 1852, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977, 523) Das Schwert ist das Recht der Gemeinde, verkündete bereits im demokratischen Sinn Thomas Müntzer im deutschen Bauernkrieg. Dieser Geist darf bis zum Kommunismus niemals aus dem deutschen Volk entweichen, es käme der Verewigung seiner Knechtschaft unter Pflugscharen gleich. Die derzeitige Initiative zur Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht kommt nicht von ungefähr: an allen Börsen der Welt geht zur Zeit das Gespenst der Inflation um, der halbe Bundesetat (148 Milliarden Euro) sind griechischen Volksfeinden (Reedern, Bankiers, Politikern) zugeschoben worden. Drohende Inflation und eine Ausplünderung des deutschen Volkes, die in der deutschen Geschichte ihresgleichen sucht und mit einer, fast möchte man sagen, ins Unendliche gehenden kriminellen Energie betrieben wird, sind ein brisantes Gemisch. „C´est le vol de l´aigle“ würde der Franzose sagen: das ist der Flug des Adlers, wobei vol sowohl Flug als auch Diebstahl heißen kann. (Der ehemalige, finanzpolitisch bewanderte Bundespräsident Köhler hatte nicht genug kriminelle Energie, dieses volksfeindliche Verhalten weiter mitzumachen. Unterschlagen wurde in den Medien eine zentrale Passage seiner Rücktrittsbegründung: „Nie mehr werdet ihr mich zwingen, meine Unterschrift unter etwas zu setzen, was dem deutschen Volk schadet. Für alles weitere wird mich später niemand der Mitverantwortung bezichtigen dürfen. Aber dafür Euch, ihr Politiker und Journalisten.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. Juni 2010, Briefe an die Herausgeber: Für Köhler wohl eine seelische Tortur, Dr. – Ing. Kurt Gehlert, Iserlohn, Seite 17) Nur dass er seine umstrittenen Äußerungen auf dem Rückflug aus Afghanistan als rücktrittsbegründend vorschob und damit Angela Merkel nicht in den Regen stellte, aber das deutsche Volk täuschte) Eine Inflation ist im kapitalistischen Wirtschaftssystem eine völlig natürliche gesetzmäßige Erscheinung (ein gesetzmäßiger Zusammenhang besteht auch zwischen einer Inflation und der Bereithaltung faschistischer Kräfte zur Niederschlagung von Aufständen, diese Kräfte hält sich die Bourgeoisie warm) und der kluge Bourgeois baut vor: es kommt bei abzusehenden Hungeremeuten darauf an, vor allem zu verhindern, dass das Volk bewaffnet ist. Aber die Wehrpflicht ist die einzige zugegeben beschränkte Möglichkeit, dass die Arbeiter/innen und Bäuer/innen Waffenkenntnisse erlernen und auch in entsprechender revolutionärer Situation die Gewehre umzudrehen. 89.Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Ausgewählte Werke Bd 1.,Verlag für fremdsprachige Literatur Moskau 1946, 883 90. Friedrich Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Ausgewählte Werke Marx Engels, Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974,165f. Die „kleinen Leute“ – Lenin verwendet diesen deutschen Ausdruck – haben immer Hass, dieser ist der Anfang aller Weisheit und  „…die Grundlage einer jeden sozialistischen und kommunistischen Bewegung und ihrer Erfolge“. (Lenin, Der „linke Radiakalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971,616) 91.G.W.F. Hegel, Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus, Theorie Werkausgabe Band 1, 234 f..Buchstäblich greifbar wurde dies beim Besuch des Vaters von Holger Meins am Krankenbett seines Sohnes, Vater und Sohn wurden wie mechanisches Räderwerk behandelt. Der Vater erzählt aus der Erinnerung: „Und mein Jung lag da…Ich hatte da ja nun schon zwei, wie soll man sagen Bewacher, die einen beeinflußten: ich darf nicht sprechen, ich darf nur soweit absitzen, und ich saß dann so ungefähr drei oder vier Minuten vor dem Bett ab. Und wie ich reinkam, ging ich natürlich gleich hin, und da wurde ich zurückgerissen, ich durfte ihn nicht drücken.“ (in:20 Jahre Deutscher Herbst, taz Journal: die RAF, der Staat und die Linke 1997,79) Wir müssen über den Staat hinaus. Wo ist nach dieser Szene der schäbige Lump, der sich für eine Weiterexistenz des Staates BRD ausspricht ? Auch der Verfasser dieser Zeilen hatte sein Erlebnis mit dem Staat BRD. Er wurde zusammen mit seinem 12 jährigen Sohn in Köln in Polizeiwahrsam genommen, weil zwei Polizisten ihn verdächtigten, seinen Sohn am hellichten Tag in der Kölner Innenstadt (!!) der Kinderprostitution zuzuführen, Vater und Sohn wurden getrennt verhört, bis sich die schmutzigen Phantastereien der Polizei in Nichts auflösten. Man bedenke den Schaden, den die Polizei bei einem 12jährigen Kind anrichtet. Eine Entschuldigung erfolgte von Seiten der Polizei natürlich nicht, lediglich der Satz: Sie kommen aus Hannover, aus der Provinz, sie können nicht wissen, was hier in Köln los ist. Wir müssen also über die Perversion Staat hinaus, zumal der Vater dieses Kindes erst nach 13 Monaten nach der Geburt nur durch das Einschreiten eines Rechtanwaltes endlich Kindergeld überwiesen bekam. Holger, dieser Kampf geht weiter ! 92.Man wird unweigerlich auf Lenins Bemerkung verwiesen, daß in Deutschland die imperialistische Herrschaft „…aus bestem Stahl verfertigt….“ ist und sich „…deshalb nicht durch die Anstrengungen eines jeden Kükens zerbrechen…“ läßt. (Lenin: Über die Naturalsteuer, LW  28, 347)  Öfters wies er darauf hin, daß der revolutionäre Prozess in den westlichen zivilisierten  Ländern  politisch nicht so leicht sein wird wie im Oktober 1917, dafür ist der ökonomische Aufbau des Sozialismus leichter. Eine zukünftige proletarische Revolution in Deutschland wird  unbedingt auf  die Notwendigkeit einer bolschewistischen Partei, auf ein Bündnis  der Arbeiter mit den Bauern angewiesen sein, wobei ein Schwerpunkt die Bedeutung der Bundeswehr sein wird, ohne deren Auflösung es keine Revolution geben kann und in deren Verlauf es zur Umkehr der Gewehre kommen muß. Die höchste Kunst ist der  bewaffnete  Aufstand: Es bleibt dann bei den Worten des  größten  bisher  bekannten  Meisters revolutionärer Taktik Georges   Danton: de l´audace,  l´audace, encore de l´audace.Kühnheit, Kühnheit, abermals Kühnheit. Kühnheit war beim harten Kern der RAF zweifelsfrei vorhanden, aber keine dialektisch-leninistische Analyse der konkreten situativen Kräfteverhältnisse  zwischen Revolution und Konterrevolution, die Revolution hat ihre eigene Logik, ja List, und Mao hatte die Köder ausgelegt: ein einziger Funke kann eine Steppe in Brand setzen, UND: die Reaktionäre sind Papiertiger. Man brauchte nur eins und eins zusammenzulegen, versuchen wir es, man war siegesgewiß. Es bleibt für die Beobachter immer im Gedächtnis, ja für die linken sogar in freudiger Erinnerung, wie sehr die Kapitalisten damals durch einen „Haufen Küken“ in Panik gerieten. „Der Staat soll aufhören“ bleibt unauslöschlich im fortschrittlichen Gedankengut eingebrandt: Hegel kritisierte im weiteren Verlauf seiner philosophischen Entwicklung dann die kantische Sollensmoral, Engels verwandelte den Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft durch den von Marx erbrachten Nachweis, dass es in der ökonomischen Entwicklung der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft läge, dass der Staat, den man als bürgerlichen ausnutzen, in der proletarischen Revolution als Halbstaat gegen Klassenfeinde anwenden muß, auf dass er im weiteren Verlauf des Sozialismus zum Kommunismus absterbe. 93. Exemplarisch steht dafür Martin Heidegger: „Der Führerstaat – wie wir ihn haben – bedeutet die Vollendung der geschichtlichen Entwicklung, die Verwirklichung des Volkes im Führer“. Vorgetragen im Seminar „Über Wesen und Begriff von Natur, Geschichte und Staat“ (Wintersemester 1933/34), siehe: Thomas Thiel, Die Verwirklichung des Seins im Staat, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.8. 2010, NR 178, Seite N3. 94. „Es war mir hie und da, als hätte sich die Menschennatur in die Mannigfaltigkeit des Tierreichs aufgelöst , wenn ich umherging unter diesen Gebildeten.“ (Friedrich Hölderlin, Hyperion, Werke Bd. III, Stuttgart 1957,22 95.Vergleiche:  Robespierre,  Über die Prinzipien der politischen   Moral, in:  Reden über die französische Revolution, dtv text-bibliothek, 1974,348 96. Mao Tse Tung, Strategische Probleme des revolutionären Krieges in China (Dezember 1936) in : Mao Tse Tung, Vom Kriege, Bertelsmann Verlag, 1969,50 97. Das perfide Gesicht Axel Springers wurde besonders in der Maioffensive 1972 deutlich, als das Hamburger Springer Hochhaus, in dem zwei Bomben plaziert worden waren,  trotz dreimaliger rechtzeitiger Warnung nicht geräumt wurde, siebzehn Arbeiter wurden verletzt und die BILD hatte am nächsten Tag ihre Schlagzeile. 98. Vergleiche Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band V, Dietz Verlag Berlin, 1972,320 99. Vergleiche Karl Marx, Das Kapital, Marx Engels Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1989,93. Selbst wenn man bedenkt, dass die späte wissenschaftliche Entdeckung, „…daß die Arbeitsprodukte, soweit sie Werte, bloß sachliche Ausdrücke der in ihrer Produktion verausgabten menschlichen Arbeit sind“ keineswegs „den gegenständlichen Schein der gesellschaftlichen Charaktere der Arbeit“  (Karl Marx, Das Kapital, MEW 23, 88) verscheucht, versteht man, wie die in der Warenproduktion Befangenen eben in dieser befangen bleiben und sie metaphysisch als endgültig betrachten. 100. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,68 101.Friedrich Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Ausgewählte Werke Marx Engels, Band I, Dietz Verlag Berlin,1974,181f. 102.Friedrich Engels: Der deutsche Bauernkrieg. Marx Engels: Ausgewählte Werke Bd. 2, Dietz Vlg. 1974, 165 103.Der Berliner Polizeipräsident Duensing selbst hatte den Befehl gegeben, die „Jubelperser“ vor die Absperrungen zu bringen. Er log später den Untersuchungsausschuß an. Nachdem ein Untergebener die Wahrheit sagte, schließlich: „Mhm. ja jetzt erinnere ich mich, die Anweisung gegeben zu haben. Wenn ich was anderes gesagt habe, so lag es daran, daß es an diesem Tag sehr heiß war…“ Vgl.Kai Hermann: Die Revolte der Studenten, Christian Wagner Verlag., Hamburg 1967, 15 Weil Wagenbach die Tötung Benno Ohnesorgs als Mord bezeichnete, wurde er 1975 zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. 104.Ein Dokument von Vertrauensleuten und Betriebsräten, das für den wachen Geist am Ende der 60er Jahre sehr aufschlußreich ist: Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister ! Wir, die Vertrauensleute und Betriebsräte der IG Metall in den Firmen DWM GmbH, DWM Automatenbau GmbH und IndaKG, protestieren gegen das Vorgehen der Polizei, gegen die Tötung von Benno Ohnesorg und protestieren gegen den Waffengebrauch in Berlin-West, wir protestieren im Namen der Opfer von Lidice und Auschwitz, der Opfer der Mauer in Berlin, der vielen Toten, welche in Spanien und Persien sowie in allen Diktaturen dieser Erde gestorben sind oder in den Gefängnissen einsitzen. Wir protestieren gegen den Beginn der Unfreiheit in Berlin-West. Wir werden unsere Freiheit verteidigen, um zu verhindern, daß ein zweites 1000jähriges Reich entsteht. Wir werden alles verhindern, was zu einem zweiten Fall Ohnesorg führen könnte. Das erste Mal war es ein Student, das zweite Mal könnte es ein Arbeiter sein und dann wieder die Knechtschaft eines ganzen Volkes. Im Auftrag der Vertrauensleute und Betriebsräte, Vorstand der Vertrauensleute (7 Unterschriften). Siehe: Kai Hermann:Die Revolte der Studenten, Christian Wagner Verlag., Hamburg 1967, 125 f.Und Marcuse unterstellt den Arbeitern arevolutionäres Bewußtsein. 105.Am 11. Mai 1972 wurde unter dem Ehrennamen „Kommando Petra Schelm“ das Hauptquartier des V. Corps der us-amerikanischen Streitktäfte in Frankfurt am Main angegriffen. 106.Am 24.1.1972 veröffentlichte  der SPIEGEL einen kleinen Aufsatz von Horst Mahler: „Die revolutionäre Linke ist kriminell“,  dessen Schlußgedanke lautet: „Während jedoch die übliche Kriminalität unmittelbar das Interesse privater Bereicherung bzw. Befriedigung verfolgt, hat die Kriminalität der Revolutionäre  gesellschaftliche Bedürfnisse zum Inhalt. Sie richtet sich gegen die Reichen und Mächtigen und schont die Besitzlosen und Unterdrückten.“ in: D.B. Rjazanov;  Zur Frage des Verhältnisses von Marx zu Blanqui, Vlg. van Houden, Utrecht Januar 1973, 177. Ja, Horst Mahler war einmal ein Sozialrevolutionär.Später dann Nazi – „Revolutionär“. Das war vorgezeichnet, denn er berichtet selbst über seine Kindheit: „Ich wollte in die Politik, das war die große Angst meiner Mutter. weil sie sagte, also Politiker sind schlechte Menschen. Ich habe mir die Haare so geschnitten wie Adolf Hitler und habe mich dann hingestellt und habe Reden gehalten….Das war schon immer irgendwie in mir drin…“ (siehe: google:Kinos & Festivals RealFictionFilme).Es wäre nun aber völlig verfehlt, zu meinen, Jillian Becker habe mit ihrem Buch über die RAF betitelt: „Hitlers Kinder“ ins Schwarze getroffen. Mitnichten, es gehört zu den skurillen RAF-Texten. (Jillian Becker: „Hitlers Children. The Story of the Badder-Meinhof-Gang“, Michael Joseph Verlag London, 1977,374 Seiten) 107.Alois Prinz: Lieber wütend als traurig, Die Lebensgeschichte der Ulrike Meinhof, Suhrkamp Vlg. 2005, Epilog (S.276 ff.) 108.Karl Marx, Kritik der hegelschen Rechtsphilosophie/Einleitung, MEW 1, 379 f. Als Marx und Engels 1845/46 in Brüssel die Deutsche Ideologie schrieben und damit den Grundstein zum Sozialismus als Wissenschaft legten, schrieben sie, daß „jenseits des Rheins….keine Geschichte mehr vorgeht.“ (Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, Marx Engels Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,30). 109.Klaus Stern, Jörg Herrmann: Andreas Baader Das Leben eines Staatsfeindes, dtv premium, Deutscher Taschenbuch Verlag 2007,325 110. Heinrich Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, Sämtliche Schriften, hrsg. von Klaus Briegleb, Band 3, München 1971,626f. 111. Andy Warhol, Fotografien 1976 – 1987, Kestner Gesellschaft 2001, Seite 190 und 191 112. Lenin; Ein Vortrag über die Revolution von 1905, LW 23, 251. Drei RAF-Mitglieder sind bis heute verschollen: Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg. Es fehlt jede Spur. So endet der 28jährige Krieg der RAF stumm. LITERATURLISTE: Carl von Clausewitz: Vom Kriege Friedrich Engels: Der deutsche Bauernkrieg Friedrich Engels: Revolution und Konterrevolution in Deutschland Friedrich Engels: Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich im Jahre 1852 Friedrich Engels: Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei Lenin: Über Hegelsche Dialektik Lenin: Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung Lenin: Anarchismus und Sozialismus Lenin: Der Partisanenkrieg Lenin: Über unsere Revolution Lenin: Ein Vortrag über die Revolution von 1905 Lenin: Brief an die deutschen Kommunisten Lenin: Briefe aus der Ferne Lenin: Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus Lenin: Marxismus und Aufstand Lenin: Das Militärprogramm der proletarischen Revolution Mao Tse Tung: Vom Kriege. Die kriegswissenschaftlichen Schriften. Mit einem Geleitwort von Brigadegeneral Heinz Kaarst, bertelsmann Sachbuchverlag, 1969 D.B. Rjazanow: Zur Frage des Verhältnisses von Marx zu Blanqui, TARNSCHRIFT, enthält in Wirklichkeit Texte der RAF, die in den Anmerkungen angegeben sind. Utrecht Januar 1973 Rote Armee Fraktion, Texte und Materialien zur Geschichte der RAF, ID Verlag, 1. Auflage 1997 Carl Schmitt: Theorie des Partisanen, Zwischenbemerkung zum Begriff des Politischen, Duncker & Humblot, Berlin 2006 Sun Tzi: Die Kunst des Krieges, Knaur Verlag München, 1988

Vor 60 Jahren brach der Koreakrieg aus

30. Juni 2010

Ein Krieg bricht nicht plötzlich aus und endet plötzlich, sondern der Frieden geht in den Krieg, dieser in den Frieden über. Deshalb schon schrieb der alte chinesische Kriegsphilosoph Sunzi: „Im Frieden bereite dich auf den Krieg vor, im Krieg bereite dich auf den Frieden vor. “ 1.

Zum Verständnis  nicht nur des Koreakrieges müssen primär die politischen Aktivitäten vor seinem Ausbruch studiert werden, bis die Widersprüche so weit antagonisierten, dass die Politik allein sie friedlich nicht mehr lösen konnte. Lenin betonte die fundamentale Bedeutung der Erkenntnis des preußischen Generalmajors Carl von Clausewitz (1780 – 1831): „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ 2.  Lenin schrieb über Clausewitz, dass dieser „…das bei Philistern und Ignoranten gängige Vorurteil bekämpft ( habe), das man den Krieg von der Politik der entsprechenden Regierungen, der entsprechenden Klassen loslösen könne.“ 3. Jede halbwegs sorgfältige Analyse einer beliebigen Epoche von Kriegen bestätige Clausewitz. Die Politik „….während langer Jahrzehnte vor dem Krieg muß in ihrer Gesamtheit studiert und verstanden werden. Täten wir das nicht, würden wir nicht nur die Grundforderungen des wissenschaftlichen Sozialismus und jeder Gesellschaftswissenschaft überhaupt vergessen, wir würden uns auch der Möglichkeit berauben, überhaupt irgend etwas vom gegenwärtigen Krieg zu verstehen.“ 4. Von allen wissenschaftlichen Geistern verlassen schreibt die Ignorantin Petra Kolonko in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum 60. Jahrestag des Ausbruchs des Koreakrieges so mir nichts dir nichts: „Am 25. Juni 1950 überquerten Truppen des kommunistischen Nordkorea den 38. Breitengrad und begannen einen Eroberungszug in Südkorea“ 5. Hier haben wir ein Musterbeispiel eines primitiven Glaubensbekenntnisses, einer Unfähigkeit, den Krieg als Prozess zu denken und natürlich  muss sie dann den kommunistischen Norden  der Aggressivität bezichtigen. Der Norden hat den Süden einfach überfallen, wie in einem Wildwestfilm. Nous verrons. Den Krieg als Prozess denken allein ist noch nicht ausreichend, man/frau muß auch so weise sein, nicht voreilig Schlüsse zu ziehen, wo allseitige Orientierung und allseitiges Kalkül erforderlich ist. Grundsätzlich sind stets die Fragen zu stellen: welche Klassen führen den Krieg und welchen sozialen Inhalt hat er ? Hätte Petra Kolonko den Koreakrieg in seiner Gesamtheit studiert, wäre sie nich zu so primitiven Aussagen gekommen wie: „Der Korea-Krieg war vor allem (dieses vor allem ist allzu köstlich) das Werk zweier skrupelloser Diktatoren.“ 6. Sie meint: Kim Il Sung und Mao Tse tung, (der im Koreakrieg seinen Sohn verloren hatte), als ob Männer Geschichte machen, was ein halbwegs gebildeter Mensch seit der französischen Revolution, seit dem Ende des Sonnenkönigtums wohl nicht mehr behauptet. Sie hat vom Koreakrieg nichts verstanden, kann sich aber trösten, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreiben viele über Kriege, ohne diese verstanden zu haben.7. Nicht jede/r, die/der in der FAZ schreibt, ist auch ein kluger Kopf. Ich habe ihren Artikel extra noch mal mit der Lupe gelesen, Arbeiter, Bauern, Volksmassen kommen in ihm nicht vor. Aber Kriege sind heute Massenkriege und der Vormarsch nordkoreanischer Truppen hatte neben der Niederwerfung der bürgerlichen Ausbeuterklasse einen primär sozialen Inhalt.

Es wird unendlich viel darüber gestritten, wer die Schuld am Ausbruch des Krieges gehabt habe, aber das ist eine sekundäre Frage, es ist nicht wichtig, wer angefangen hat, sondern welche Politik, welche Klassen, welche Staatensysteme haben auf den Krieg hingewirkt. Selbst ein bürgerlicher US-amerikanischer Geschichtsprofessor  namens Bruce Cumings 8.kommt in seiner Analyse des Koreakrieges zu der Erkenntnis, dass man nicht sagen kann, wer diesen Krieg angefangen  genau sowenig man die Frage beantworten kann, wer den Bürgerkrieg in den USA begonnen habe. Aber über den Charakter des Krieges wird man Aussagen treffen können.

1950 bildeten sich in ganz Korea Volkskomittees für die demokratische Umgestaltung, die aber im Süden von US-Imperialisten aufgelöst wurden, so dass sich das Regime Syngman Rhee (Li Syngman) etablieren konnte, das im Grund nichts anderes war als ein schikanöses Polizeiregime, um den Katholikem Rhee , der sich die meiste Zeit seines Lebens im Ausland, vorwiegend in den USA, herumgetrieben hatte, versammelte sich ein zutiefst reaktionärer Klüngel, der dann selbst dem amerikanischen Präsidenten Truman zuwider war. Dieser faschistische Polizeiklüngel war dann auch die treibende Kraft hinter den Provokationen am 38. Breitengrad, der die Truppen Marschall Kim Il Sungs  zu einem Befreiungskrieg veranlassten. Es ist bekannt, wie kläglich das Polizeiregime im Süden zusammenbrach, wobei auch südkoreanische Partisanen, die sich unter Rhee im Untergrund gebildet hatten, einen hohen Anteil beitrugen. Nur die  Hafenstadt Pusan wurde noch von faschistischen Truppen gehalten und nun begann auf diesem Stützpunkt die Landung us-amerikanischer Truppen unter dem Kommando des demokratiefeindlichen Generals Douglas Mc Arthur 9. getarnt unter der Flagge der UNO- es waren aber nicht nur die USA, kurz: es begann eine internationale imperialistische Verschwörung von 16 Räuberstaaten gegen das koreanische Volk.  Dazu gab es amphibische Landeoperationen an den Küsten Koreas, sehr gewagt, aber erfolgreich war die von Mc Arthur konzipierte Landung bei Incheon. Gegen die Werktätigen Koreas sollte die Fahne des Kapitalismus in ganz Korea aufgerichtet werden, was bekanntlich auch mit Unterstützung  rotchinesischer Verbände 10. mißlang, aber bis heute das Ziel der blutsaugenden Millionäre in Seoul bleibt.  Diese imperialistische Aggression, in der die USA gnadenlos Napalm einsetzten 11., kostete mehr als drei Millionen Menschen das Leben, 500 000 koreanische, 36 000 amerikanische und 400 000 chinesische Soldaten kamen auf militärischer Seite ums Leben.

1. Sunzi, Die Kunst des Krieges, Knaur Verlag, 1988,159

2.Carl von Clausewitz: Vom Kriege, R. Dümmler Verlag Bonn 1980, 210

3.Lenin, Krieg und Revolution, LW 24,379

4.a.a.O.,399f.

5. Tod am 38. Breitengrad, Vor 60 Jahren brach der Korea-Krieg aus, von Petra Kolonko, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. Juni 2010, Seite 10

6.a.a.O.

7.Diese saubere Zeitung forderte auch nach der Nazidemo am 1. Mai 2010 in Berlin, die Faschisten unter Minderheitenschutz zu  stellen. Das ist allerliebst, die Kapitalisten fordern Minderheitenschutz. Siehe: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 4.5.2010: Schauspieler, Seite 8. Selbst ein Schüler mit mittlerer Reife würde in einem Zeitungsartikel mehr über die Ursachen des Koreakrieges darlegen…die Dame Kolonko soll aber an der Universität Hannover studiert haben.

8. Siehe: google: bruce cumings

9. Dieser General war  zweifellos ein Antikommunist wie er im Buche steht, er forderte in aller Öffentlichkeit die Ausweitung des Krieges nach China und den Abwurf von Atombomben auf das Reich der Mitte. Dazu gibt es ein mittlerweile ins Internet gestelltes FBI Dokument 100 HQu – 93216 serial 461 Auskunft. Es ist weiterhin bekannt, dass die us-amerikanische Atomenegie Kommission (AEC)  schon 1948 durch Dr. Paul Mc Daniel ein „Gremium zur Prüfung von Möglichkeiten radioaktiver Kriegführung“ ins Leben rief. Trotz mehrfacher Ankündigung des Verlages ist das Buch Mc Arthurs „The Korea War“ noch immer nicht in deutscher Übersetzung erhältlich, für die militärgeschichtliche  Aufarbeitung des Koreakrieges sicher eine Lücke. In seinen Memoiren schreibt Mac Arthur selbst, dass er im Koreakrieg die US-Regierung ersucht habe, ihre Zustimmung zum Nukleareinsatz zu geben, um durch die radioaktive Verseuchung des nordkoreanischen Territoriums jede Möglichkeit eines Truppendurchmarsches zu nehmen.

10.Als in den Wochenschauen der Kinos die Bilder von rotchinesischen Soldaten gezeigt wurden, die us-amerikanische Offiziere in die Kriegsgefangenschaft abführten, dämmerte es, dass ein Riese in Asien erwacht ist. Es war ein Schock für alle Reaktionäre, Rassisten und Faschisten.

11. Vergleiche Klaus Kellman, Stalin Eine Biographie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Primus Verlag Darmstadt 2005, 254. Der Antikommunist Kellman bemüht sich in seiner Biografie krampfhaft, Stalin zu kriminalisieren, sein Hinweis auf den us-amerikanischen Napalmeinsatz scheint mir deshalb glaubhaft. Ich habe mich mit Kelmman kritisch auseinandergesetzt in meinem Artikel: Stalin  Ein großer Freund des deutschen Volkes, (siehe: google: lenin unser aller lehrer stalin ein großer freund des deutschen volkes).

Heinz Ahlreip

Aus der Tätigkeit des Volkskommissars Dzierzynski

28. Juni 2010

Zwischen 1921 und 1924 gab es auf dem Gebiet der russischen Sowjets große Transportprobleme, Lenins Partei stellte den Genossen Feliks Dzierzynski, den „Schrecken der Bourgoisie“ (1877 – 1926) an die Spitze des Volkskommissariats für das Verkehrswesen.

Abgesehen davon, dass  es in weiten Gebieten Rußlands nicht nur eine Missernte und eine Brennstoffkrise gab, so dass die Loks mit Torf geheizt werden mussten, sondern der Bürgerkrieg hatte auch cirka 80 Prozent des Eisenbahnnetzes zerstö, so dass es galt, 4000 Eisenbahnbrücken, 59 Prozent der Loks und 23 Prozent der Waggons instand ingang zu setzen. Der Vorsitzende der staatlichen Plankommission, Gleb M. Krshishanowski (1872-1959) sprach von „…regelrechten Friedhöfen zerstörter Waggons und Loks.“ 1. Der Güterumschlag betrug 1920 nur 27,8 Prozent gegenüber 1913, es wurden nur 61 Loks und 129 Waggons gebaut. Die Handelsflotte war zu 82 Prozent zerstört.

Der erste Schritt zur Lösung der gigantischen Aufgabe bestand in der Verbesserung der Lebensbedingungen. Im Gouvernement Moskau wurde Dzierzynski Vorsitzender der Kommission zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter. Zunächst mußte genügend Wohnraum geschaffen werden. Aus den Kommunehäusern (Arbeiterwohnheime) wurden alle Bewohner exmittiert, die keine körperliche Arbeit leisteten. Sodann wurden alle Moskauer Laggeräume inspiziert, um alle nichterfaßten Besitzwerte zu beschlagnahmen und an die Arbeiter zu verteilen. Während der Tätigkeit Dzierzynskis wurde die Lebensmittelversorgung der Arbeiter des Verkehrswesens verbessert. Trotz großer Schwierigkeiten konnte das Plenum des ZK der Kommunistischen Partei im September 1923 die Löhne der Eisenbahner erhöhen. in den besonders harten Wintermonaten 1922 fand man Dzierzynski in Sibirien. Der Volkskommissar verfügte u.a. den Eisenbahnern unterwegs eine warme Mahlzeit zu verabreichen. Gleichzeitig mit ihm traf eine große Sendung von Winteruniformen in Sibirien ein, und persönlich bestellte er  in Moskau Filzstiefel, Halbpelze, Mützen und Fausthandschuhe für die Arbeiter. Ohne diese sozialen Verbesserungen war an eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität im Verkehrswesen nicht zu denken.

Während seiner Zeit in Moskau konnten die Arbeiter jeden Nachmittag von 3 bis 4 Uhr in die Sprechstunden des Volkskommissars kommen. Diese Stunden gibt es heute nicht, stattdessen gilt Russland als Land der Duma, der freien Diskussion, während in Wirklichkeit die Mafia das Land terrorisiert, die sich selbst als „Verbrecher im Gesetz“ tituliert, die nicht mehr wie früher mit Lötkolben foltert, sondern mit den Politikern die Machtsphären abspricht. Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Ganz anders Dzierzynski: Die persönliche Beteiligung des Kommissars an den Subbotniks (freiwillige Arbeitseinsätze) war selbstverständlich. Er war viel unterwegs, zog es vor, sich an Ort und Stelle ein Bild zu machen. Man erinnert sich an die „glorreichen“ Zeiten der Perestroika, als Gorbatschow, in vieler Hinsicht der Vermittler zwischen Crutschowschen Gulasch“kommunismus “ und der heutigen Mafia, Reisen in den Vatikan und in das Weiße Haus, zu Margret Thatcher…usf. antrat. Für Dzierzynski waren Eisenbahner, Seeleute, Hafenarbeiter, Verkehrskader Gesprächspartner. Dabei legte er die Überzeugungsmethode zugrunde. Einer der Leiter des Südbezirks schrieb später, wie Dzierzynski „…in seinem Eisenbahnwaggon die führenden Funktionäre zusammenrief und ihnen eine ganze Nacht lang Argumente darlegte, warum er das System der Verwaltung von Land- und Wasserstraßen verändert wissen wollte.“ 2. Unnachsichtig kämpfte er gegen jede Erscheinungsform des Bürokratismus. Wohl oder übel mußte das Volkskommissariat abspecken – der Stellenplan des Verkehrswesens wurde von 1 725 000 im April auf 760 000 im Juni 1923 gekürzt. Bereits im Dezember 1921 sprach Lenin auf dem IX. Sowjetkongress davon, daß in diesem Jahr organisatorische Verbesserungen auf dem Gebiet des Verkehrswesens zweifellos erreicht worden seien. Die Mängel im Verkehrswesen wurden durch die Kritik-Selbstkritik-Methode bekämpft, Fehler wurden nicht vertuscht. „Je klarer und je rascher wir alle unsere Mängel, die größten Versäumnisse und die Auswirkungen einer falschen Wirtschaftsführung erkennen, desto schneller werden wir sie beseitigen und positive Ergebnisse in unserer Arbeit erzielen können.“ 3.

Aller Tätigkeit wurde der internationale Klassenkampf zugrunde gelegt. „Es gibt keine einzige Wirtschaftsfrage, die außerhalb der weltweiten Perspektive des Klassenkampfes gelöst werden kann.“ 4. Ohne kollektive Anstrengung (wie etwa den Subbotniks) hätte die junge Sowjetunion die gigantischen Probleme nach ihrer Geburt nie in den Griff bekommen. So wurden zum Beispiel 1921 bei der Petrograder Eisenbahn 1470 Subbotniks veranstaltet, an denen 175000 Arbeiter teilnahmen. Dzierzynski wußte, dass „…das kollektive Denken und Wollen, das kollektive Schöpfertum der Arbeiter selbst…zu einem neuen faktor beispiellosen, gigantischen Wachstums von Industrie und Verkehrswesen werden“ 5. kann. Und so wurde selbst ein auf den ersten Blick von der Politik so entlegenes Gebiet wie das Verkehrswesen zu einer Kernfrage der Dikatatur des Proletariats, des Zusammenwachsens der Arbeiter und Bauern. „Der Kampf um die Erhöhung der Rentabilität des Verkehrswesens, um seine Arbeit ohne Defizit ist…ein Kampf…um die Festigung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft…“ 6. Schon damals versuchten die Trotzkisten dieses Bündnis zu verhindern. Georgi Pjatakow (1890 – 1937) forderte wiederholt die Beteiligung ausländischen Kapitals im sowjetischen Verkehrswesen. Unter anderem wollte er die Waggonreparaturwerkstätten deutschen Firmen in Konzession geben. Diese zwielichten Vorschläge fanden im Volkskommissariat für das Verkehrswesen kein Echo. „Jene Herren, die uns empfehlen, das ausländische Kapital an unseren Eisenbahnen zu beteiligen, haben in ihren tiefsten Inneren nicht die Interessen der ökonomischen Entwicklung des Landes im Auge, sondern politische Interessen, die wir zurückweisen müssen.“ 7. Das sowjetische Verkehrssystem wurde weder dem ausländischen Kapital  noch gemischten Gesellschaften ausgeliefert. Nicht ohne Stolz auf die geleistete Arbeit aller Werktätigen im Verkehrswesen konnte Dzierzynski 1924 verkünden: „Denkt daran, wie uns die ausländischen Wissenschaftler für die Eisenbahnen prophezeiten, daß wir im März zugrunde gehen werden. Jetzt kommen sie alle an und können sich nicht genug darüber auslassen, wie in Rußland das Verkehrswesen in Gang gekommen ist. Die ausländischen Propheten fassen es nicht, was kollektiver Wille heißt, was es bedeutet, die eigenen Stellungen behaupten zu wollen.“8.

Ich will den Leser nicht mit statistischen Erfolgsmeldungen überschütten, nur so viel: Wurden die Kosten im Verkehrswesen Ende 1922 noch zu 40 Prozent durch Stützungen abgedeckt, so konnte im Wirtschaftsjahr 1923/24 auf sie verzichtet werden. Das Verkehrswesen war für den Staat in nur drei Jahren zu einem gewinnbringenden Wirtschaftszweig geworden. Im Oktober 1923 gab es eine Reserve von zirka 3 000 betriebsfähigen Loks.

Auf dem VI. Unionskongress der Gewerkschaft der Schiffahrtsarbeiter im Januar 1924 konnte Dzierzynski die Bilanz ziehen, dass der Seetransport seine Hauptaufgabe, den Getreideexport, 1923 erfolgreich gelöst hatte. Im gleichen Monat fand die XIII. Parteikonferenz der Kommunistischen Partei statt. Eine ihrer Resolutionen lautete: „Das Verkehrswesen befindet sich in einer solchen Verfassung, daß es ohne besondere Schwierigkeiten allen Forderungen der Volkswirtschaft gerecht zu werden vermag.“ 9.

1. Siehe G.M. Krshishanowski: Ausgewählte Schriften, Moskau 1957, 425, russ. – Der sowjetische Transport, 1917 – 1927, Moskau 1927,229, russ.

2.Feliks Dzierzynski, Biographie, Dietzverlag Berlin 1981, (Übersetzung aus dem Russischen, verfast von einem Autorenkollektiv), 327

3.Offizieller Teil des Boten des Verkehrswesens, Nr.342 vom 22.12.1923

4.siehe ZSAdO Leningrads, Fonds 198, Liste 1, Akte 2, Blatt 8; Fonds 1000, Liste 5, Akte 22, Blatt 1, in: Felix Dzierzynski Biografie, Dietz Verlag 1981,333

5.siehe ZSAdO Fonds 5474, Liste 5, Akte 447, Blatt 1, in: Feliks Dzierzynski, Biografie, Dietz Verlag 1981,351

6.Feliks Dzierzynski, Ausgewählte Werke Band I,424

7.zit. in.: Zofia Dzierzynska: Jahre großer Kämpfe, Militärverlag DDR 1977, 366f. Auch Stalin brandmarkte im April 1929 in der Frage der Getreidebeschaffung den Vorschlag Rykows, das Angebot ausländischer kapitalistischer Gruppen anzunehmen, der Sowjetunion Getreide auf Kredit zu verkaufen. (Siehe Stalin: Über die rechte Abweichung in der KPdSU (B), Dietz Verlag Berlin, 1954, S. 82 – 84)

8.Torgowo – Promyschlennaja Gaseta (Handels- und Industriezeitung), 20. Juli 1924

9.Die KPdSU in Resolutionen, Bd. II., 159

Aussetzung der Wehrpflicht durch zu Guttenberg Konterrevolution ins Quadrat erhoben

6. Juni 2010

„Man würde sehen, wie die Politik die Ehre der Verteidigung der gemeinsamen  Sache auf Söldnerhaufen beschränkt“. 1.

Anfang 1865 verfasste Friedrich Engels aus damals aktuellem Anlaß eine Schrift betitelt:  „Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei“.  Er  stellte anläßlich der Debatte um die Aussetzung der Wehrpflicht in Preußen eine merkwürdige Übereinstimmung fest: nur die deutsche Arbeiterpartei und die preußischen Konservativen stimmen überein, die allgemeine Wehrpflicht beizubehalten, Engels bezeichnet die allgemeine Wehrpflicht „…beiläufig als die einzig demokratische Institution, welche in Preußen, wenn auch nur auf dem Papier, besteht…“. sie sei gegen alle bisherigen militärischen Einrichtungen ein enormer Fortschritt. 2.   (Und sieht nicht ein, dass die Pfaffen davon ausgenommen werden sollen. Schon daraus wird ersichtlich, welche obskuren mittelalterlichen Geschäfte die Bischöfin Käßmann in ihrer Eigenschaft als „Mutter“ der Kriegsdienstverweigerer betreibt. Und die sogenannten Gebildeten haben denn auch gleich die Bedeutung der dunkelgebildeten  Dame für ihre akollektive asoziale Grundeinstellungen erkannt. „Das Schwert ist das Recht der Gemeinde“ hatte demokratisch Thomas Müntzer im deutschen Bauernkrieg gefordert, dieser Geist darf bis zum Kommunismus niemals aus dem deutschen Volk weichen, es käme einer Verewigung seiner Knechtschaft unter Pflugscharen gleich.).  Heute liegt eine ähnliche Konstellation vor. Der Kriegsminister Guttenberg selbst schlägt gegen rechtskonservative Kreise (Seehofer, CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, Andreas Schockenhoff) die Abschaffung der Wehrpflicht vor und die Liberalen klatschen natürlich Beifall. Und zwar sprechen sogenannte geostrategisch denkende Militärexperten, Schreibtisch- und Stammtischstrategen plappern diesen gerne nach, von einer seit dem Ende des Kalten Krieges veränderten Einsatzsituation, wachsenden internationalen Verpflichtungen, die professionelle Verbände erfordern, „…kein in der breiten Bevölkerung  verankertes Massenheer junger Staatsbürger , die treu für die Verteidigung ihrer Heimat eintreten.“ 3. Das Shematische dieser Darstellung leuchtet schnell ein, denn sie läßt die zentrale Dialektik zwischen Lohnarbeit und Kapital unberücksichtigt. Die Bundeswehr richtet sich also außenpolitisch aus. Doch in wessen Interessen ? Die Initiative zur Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht kommt nicht von ungefähr. Am Dienstag, dem 25. Mai 2010, beschäftigte sich die Frankfurter Allgemeine als Pflichtblatt der Frankfurter Wertpapierbörse in einem Artikel mit der Frage: wie es zur Inflation kommt ? 4. und das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich mit der Frage, ob die Verschiebung des halben Bundesetats (148 Milliarden Euro) in die faulen Hände der griechischen Bourgeosie verfassungskonform ist ? Drohende Inflation und eine Ausplünderung des deutschen Volkes, die in der deutschen Geschichte ihresgleichen sucht und mit einer, fast möchte man sagen,  ins Unendliche gehenden kriminellen Energie betrieben wird, sind ein brisantes Gemisch.  „C´ est le vol de l´aigle“ würde der Franzose sagen: das ist der Flug des Adlers, wobei vol sowohl Flug als auch Diebstahl heißen kann. 5.  Eine Inflation ist im kapitalistischen Wirtschaftssystem eine völlig natürliche gesetzmäßige Erscheinung 6. und der kluge Bourgeois baut vor: es kommt bei abzusehenden Hungeremeuten darauf an, vor allem zu verhindern, dass das Volk bewaffnet ist. Aber die Wehrpflicht ist die einzige zugegeben beschränkte Möglichkeit, dass  Arbeiter/innen und Bäuer/innen Waffenkenntnisse erlernen und auch die Möglichkeit haben, die Gewehre umzudrehen. Deshalb stellt die deutsche Finanzbourgeoisie jetzt Überlegungen an, die allgemeine Wehrpflicht, dieses zweischneidige Schwert,  auszusetzen. Lenin prägte uns ein: nimm das Gewehr, das dir bürgerliche Offiziere geben und erlerne gut alles Militärische. 7. (In gewisser Weise, füge ich hinzu: von den bürgerlichen Offizieren gegen diese zu lernen). Und im übrigen ist die allgemeine Wehrpflicht das Durchgangsstadium zur Volksbewaffnung.  Als der Bauernsohn Gerhard Scharnhorst 8.  in Preußen die allgemeine Wehrpflicht einführte, waren es gerade liberale Konservative wie Niebuhr und von Gentz, die vor der gewaltigen Volkskraft zurückbebten, die potentiell in ihr liegt. Sie ist zweischneidig in der Dialektik von Revolution und Konterrevolution, entweder gelingt die totale Mobilmachung im Dienste der kapitalistischen blutsaugerischen Räuber oder es gelingt, das bürgerlichen Offizierspack  zu entmachten. 9.

Wobei wir immer die perverse Rolle beachten müssen, die die deutsche Sozialdemokratie 1914 – mit Ausnahme von Karl Liebknecht – bei der Bewilligung der Kriegskredite gespielt hat. Die Sozialdemokratie ist die soziale Stütze des Kapitalismus. 10. Die ganze Geschichte der Bundesrepublik beweist, dass die Sozialdemokratie ein einzig stinkender konterrevolutionärer Kretin vor dem Kapital ist, ich habe  eine kleine Notiz in einer lokalen Tageszeitung (Hannoversche Allgemeine Zeitung) gelesen, dass zwischen Sigmar Gabriel und der Bischöfin Käßmann ein reger Handyverkehr stattfindet, das Mittelalterliche fühlt sich eben zum Mittelalterlichen hingezogen. Lenin und Stalin, die Lehrer der Arbeiterklasse, wiesen uns stets darauf hin, dass besonders die linke Sozialdemokratie hochgefährlich für den gesellschaftlichen Fortschritt ist, weil sie die Arbeiterklasse besonders raffiniert betrügt, eine proletarische Revolution hat mit diesen Kretins als erste abzurechnen. Eine andere Haltung gegenüber diesen Konterrevolutionären nahm zum Beispiel Bucharin ein: „Damit der Kampf gegen die Sozialdemokratie mit Erfolg  geführt wird, ist es notwendig, die Frage auf den Kampf gegen den sogenannten „linken“ Flügel der Sozialdemokratie zuzuspitzen, gegen denselben „linken“ Flügel, der mit „linken“ Phrasen spielt, mit ihrer Hilfe die Arbeiter geschickt betrügt und dadurch den Prozeß der Abkehr der Arbeitermassen von der Sozialdemokratie hemmt. Es ist klar, dass die Überwindung der Sozialdemokratie überhaupt unmöglich ist, ohne die „linken“ Sozialdemokraten vernichtend zu schlagen. Indessen wurden in den Thesen 11. Bucharins die Frage der „linken“ Sozialdemokratie vollständig umgangen.“ 12.

Am 13. Juli 2010 erschien unter der Überschrift: „Planet Bundeswehr“ ein bemerkenswerter Leserbrief in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, den ich hier zu fast 50 % wiedergeben möchte, da er ganz typisch kleinbürgerliche Auffassungen zur Armeefrage enthält: „Vielmehr landet man auf einem seltsamen Planeten, auf dem unsägliche Personen ein hermetisches, von Stumpfsinn, Dummheit, Langeweile und Schikane geprägtes Regime führen. Gerade Eigenverantwortung ist dort nicht gefragt, sondern roboterhaftes Befolgen völlig hirnloser Aufträge…den Kommis als Schule der Nation habe ich nicht erlebt, sondern nur die Verschwendung wertvoller Lebenszeit. Keine Brücke in die nächste Lebensphase, sondern ein Hindernis auf dem Weg dorthin. Wenn ich an meine 15 Monate Wehrdienst in den achtziger Jahren zurückdenke, empfinde ich heute noch tiefen Ekel vor dieser Zeit und auch ein wenig Scham dafür, was ich mir von unfähigen Vorgesetzten alles habe gefallen lassen“. Eine drastische Wortwahl, aber nichts Neues: schon vor der Geburtsstunde der allgemeinen Wehrpflicht sprachen sich preußische Zivilbeamte gegen ihre Einführung aus, da sie „das Grab aller Kultur, der Wissenschaften und Gewerbe, der bürgerlichen Freiheit und aller menschlichen Glückseligkeit“ 13. sei. Der kleinbürgerliche Karrierist spricht nur von sich, bedenkt gar nicht, dass er allein politisch nichts ausrichten kann, erlernt nicht das Waffenhandwerk mit der Perspektive der proletarischen Revolution. Er will die Welt nicht verändern, sondern seine Lebenszeit sei wertvoll. „Solange Leben in mir ist, werde ich gegen den Militarismus kämpfen“ schrieb Karl Liebknecht der sozialchauvinistischen SPD ins Stammbuch. Von diesem Kampfgeist spürt man im Leserbrief nichts.

Die Idiotie des spätbürgerlichen Militarismus hat er allerdings treffend und richtig mit dem Wort „Ekel“ wiedergegeben.

1. Jean Jacques Rousseau, Über den Ursprung der Ungleichheit unter den Menschen, Felix Meiner Verlag Hamburg 1995,259

2.Friedrich Engels, Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei, Marx Engels Werke Band 16, Dietz Verlag Berlin 1974,44

3.Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Juni 2010, Seite 2: Stimmen der anderen: Vor dem Abschied von der Wehrpflicht: In der „Südwest Presse“ (Ulm) heißt es zur Diskussion um Abschaffung oder Fortbestand der Wehrpflicht.  Das Blendwerk , das der Politikaster und Kriegsminister zu Guttenberg, in Gehabe und Weltanschauung ein Mann des Mittelalters,aufführt, gilt es zu entlarven. Auf den ersten Blick scheint es, als liege  beim Minister eine Unkenntnis  des militärgeschichtlichen Verlaufs der Herausbildung der großen Massenheere als Folge der französischen Revolution vor. Nicht nur der proletarische Militärexperte Engels sah, dass die Bedeutung der Massen, der  bildungsmäßigen Anforderungen und die Anforderung zum selbständigen Handeln an den je einzelnen  Soldaten nicht ab-, sondern zunehmen, sechs Monate Wehrpflicht ist in der Tat ein Unterfangen, das deutsche Volk wehrlos zu machen, dem deutschen Volk steht der große vaterländische Krieg gegen die ausländischen Okkupationstruppen und der Bürgerkrieg gegen die einheimische Kapitalistenklasse noch bevor. Die revolutionären Arbeiter/innen und Bäuer/innen haben ein klares Feindbild und einen gesunden Klassenhass. „Wie es sich aber in der proletarischen Revolution für die Industrie nicht darum handelt die Dampfmaschinen abzuschaffen sondern sie zu vermehren, so für die Kriegführung handelt es sich darum die Massenhaftigkeit und Beweglichkeit, nicht zu vermindern, sondern zu potenziren.“ (Friedrich Engels, Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Allianz gegen ein revolutionäres Frankreich im Jahr 1852, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,523) In einem Interview mit WELT online vom 1. August 2010 äußert sich der militaristisch eingestellte Ex-Generalinspekteut Klaus Naumann: „Ein Grundwehrdienst von sechs Monaten macht militärisch gesehen wenig bis keinen  Sinn, bindet eine Unmenge Personal, erhält eine umfangreiche Wehrersatzorganisation am Leben und verschlingt somit Geld, das für eine Armee im Einsatz an anderer Stelle dringend benötigt wird.“ (google: nauman welt bundeswehr berufsarmee), entschieden falsch ist seine Auffassung, die allgemeine Wehrpflicht, wenn auch zähneknirschend, auszusetzen.

4. Philip Plickert: Wie es zur Inflation kommt, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. Mai 2010, Seite 12

5. Der ehemalige, finanzpolitisch bewanderte  Bundespräsident Köhler hatte nicht genug kriminelle Energie, dieses volksfeindliche Verhalten weiter mitzumachen. Unterschlagen wurde in den Medien eine zentrale Passage seiner Rücktrittsbegründung: „Nie mehr werdet ihr mich zwingen, meine Unterschrift unter etwas zu setzen, was dem deutschen Volk schadet. Für alles weitere wird mich später niemand der Mitverantwortung bezichtigen dürfen. Aber dafür Euch, ihr Politiker und Journalisten.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. Juni 2010, Briefe an die Herausgeber, Für Köhler wohl eine seelische Tortur, Dr.-Ing. Kurt Gehlert, Iserlohn, Seite 17). Nur dass er seine umstrittenen Äußerungen auf dem Rückflug aus Afghanistan als rücktrittsbegründend vorschob und damit Angela Merkel nicht in den Regen stellte, aber das deutsche Volk täuschte.

6. Ein gesetzmäßiger Zusammenhang besteht auch zwischen einer Inflation und der Bereithaltung faschistischer Kräfte zur Niederschlagung von Aufständen, diese Kräfte hält sich die Bourgeoisie warm. Denn es ist pure Illusion auf bürgerliches Krisenmanagement zu hoffen, das Management wird vorgegaukelt, doch die Anhäufung des gesellschaftlichen Reichtums in den Händen von Privaten geht ohne Unterbrechung weiter, die Krise wird also statt gelöst nur noch vertieft. In den periodisch auftauchenden Krisen, die unlösbarer Bestandteil der bürgerlichen Gesellschaft sind, wird eine Masse von Produktivkräften vernichtet, neue Märkte erobert und alte gründlicher ausgebeutet, das heißt die Krisen werden einen immer schärferen Charakter annehmen. (Vergleiche Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984,21). Die Bourgeoisie kann die von ihr erzeugten Produktivkräfte nicht mehr beherrschen und unter ihrer Leitung rennt die Gesellschaft dem Ruin oder der Revolution entgegen. (Vergleiche Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: Marx Engels Werke Band V, Dietz Verlag Berlin 1972,182)

7. Vergleichen wir einmal die Repräsentanin des wurmstichigen und verfaulten Mittelalters, die Bischöfin Käßmann, mit einer proletarischen Frau: Was sollen die proletarischen Frauen degegen tun ?? Nur jeden Krieg und alles Militärische verwünschen, nur die Entwaffnung fordern ? Niemals werden sich die Frauen einer unterdrückten Klasse, die revolutionär ist, mit solcher schändlichen Rolle beschneiden. Sie werden vielmehr ihren Söhnen sagen: Du wirst bald groß sein, man wird dir das Gewehr geben. Nimm es und erlerne gut alles Militärische – das ist nötig für das Proletariat, nicht um gegen deine Brüder zu schießen, wie es jetzt in diesem Räuberkrieg geschieht und wie dir die Verräter am Sozialismus raten, sondern um gegen die Bourgeosie deines „eigenen“ Landes zu kämpfen, um der Ausbeutung, dem Elend und den Kriegen nicht durch fromme Wünsche, sondern durch das Besiegen der Bourgeosie und deren Entwaffnung eine Ende zu bereiten.“ Lenin: Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin,78

8. Ich verweise auf meine Biographie über Scharnhorst, siehe unter: google: „lenin unser aller lehrer scharnhorst ein general des fortschritts“.

9. Kommunistische Revolutionäre müssen den bürgerlichen Staat ausnutzen, hier: das Erlernen des Waffenhandwerks, sie müssen nach der Zerschlahung des bürgerlichen Staates dann den revolutionären Staat gegen die Bourgeoisie anwenden, wobei für beides Waffenhandwerk sehr wichtig ist, und drittens: nach der Liquidierung der Bourgeosie beginnt der proletarische Staat abzusterben.

10. Die revolutionäre Wachsamkeit darf sich aber nicht nur auf die SPD als gemäßigter Flügel des Faschismus und besonders auf ihren linken Flügel beziehen, sondern muß sich noch auf zwei Strömungen in der KPD beziehen. Der linken Sozaildemokratie als besonders giftige Pflanze in der politischen Landschaft wird Dünger gegeben von der rechten Abweichung in der KPD und einem Versöhnlertum gegen diese Abweichung innerhalb der KPD. Die revolutionäre Wachsamkeit hat also in dieser Dialektik von vier Strömungen zu wirken: SPD – linke SPD – rechte KPD – Versöhnlertum gegen die rechte KPD innerhalb der KPD.

11. Gemeint sind die Thesen Bucharins zur internationalen Lage, die dieser auf dem VI. Kongress der Komintern einbrachte, der vom 17. Juli bis zum 1. September 1928 in Moskau tagte. Bucharin umging mit seinen Thesen die Delegation der KPdSU (B), in der sie zunächst hätten besprochen werden müssen, und stellte sie gleichzeitig den ausländischen Delegationen des VI. Kongresses zu.

12. J-W. Stalin, Über die rechte Abweichung in der KPdSU (B), Rede auf dem Plenum  des ZK und der ZKK der KPdSU (B) im April 1929, Stalin Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin 1954,19f.

13. Siehe: Heinz Stübig, Gerhard von Scharnhorst – preußischer General und Heeresreformer, Studien zu seiner Biografie und Rezeption, Geschichte: Forschung und Wissenschaft  Band 34, LIT Verlag Berlin, 2009,19f.

Heinz Ahlreip

Macht den ersten Mai BULLENFREI 1. Mai Hannover

1. Mai 2010

Weltweit feiern die  Werktätigen heute den Kampftag der Arbeiterklasse. Am 5. Mai hat Karl Marx Geburtstag , der Mann, dem die Arbeiterklasse die Einsicht in die Bedingungen sowohl der kapitalistischen Ausbeutung als ihrer Überwindung verdankt. Ich unterbreite den Vorschlag: weltweit die Zeit vom 1. bis 5. Mai zur arbeitsfreien Kampfwoche zu erklären, bei vollem Lohnausgleich. Der Kalender der Arbeiterklasse ist heute in Europa weitgehend „christlich-abendländisch“ geprägt (Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt und allerlei weiteren mittelalterlichem Spuk…) . Zerschlagen wir diese ganze Verdummungsorgie der herrschenden Kapitalistenklasse, die ohne religiösen Fusel nicht auskommt, dies um so mehr, als immer mehr die Verbrechen der klerikalen Kinderschänder aus den mittelalterlichen Folterschulen und Dunkelkammern ans Tageslicht kommen. Die bürgerlichen Massenmedien vertuschen hier, dass es sich vor allem um Söhne und Töchter der Arbeiterklasse handelt, an denen der parasitäre Klerus seine Verbrechen begeht.Die Bestrafung der klerikalen Dunkelmänner kann die Arbeiterklasse denn auch keineswegs einer Handvoll selbst mit dem Rauschgift Religion vollgepumpter bürgerlicher Staatsanwälte überlassen. Just zu diesem Zeitpunkt erlaubt der DGB (Sebastian Wertmüller) bei der Maikundgebung auf dem Klagesmarkt in Hannover ein Aktionszelt der christlichen Kirchen (in das wohl weitere Minderjährige zu allerchristlichsten Aktionen gelockt werden sollen), verbietet aber einen Stand der MLPD. 1.Indeß ist der Klerus nicht der einzige parasitäre Stand, der sich bei den Maifeierlichkeiten der Arbeiterklasse zeigt.

Man erinnert sich an die erste Maidemonstration 1929 in Berlin, bei der der sozialdemokratische Polizeipräsident Zörgiebel seine schießwütige Polizeisoldateska auf friedliche unbewaffnete Demonstranten losließ mit über dreißig toten Arbeitern und über hundert Verletzten. Die bürgerlichen Medien jaulen heute auf, wenn ein im Dienste des Bürgertums stehender Bulle  eine leere Bierflasche an seinen Helm bekommt, verschweigen aber den polizeilichen Massenmord von 1929. Die Arbeiterklasse vergißt dieses Polizeimassaker unter SPD-Regie nicht und muss auch heute das Auftauchen von parasitären uniformierten Bullen bei Maiumzügen  als Provokation zum Bürgerkrieg auffassen. MACHT DEN ERSTEN MAI BULLENFREI. Wir müssen diesen arbeitsscheuen Polizeitypen direkt in die Visage schauen, kleinbürgerliche Fratzen, die sich fern der werktätigen Bevölkerung halten, in kleinbürgerlicher Gier nach einem ruhigen Posten unter irgendeinem sozialdemokratischen Innenminister jagen, um arbeitende Menschen wie Dreck zu behandeln. Vergessen wir nicht die Aussage Jean Jacques Rousseaus: ein Mensch, der anderen Menschen Befehle geben will, muss krank sein. Im Bürgerkrieg zwischen Lohnarbeit und Kapital stehen nun mal auch  Arbeiter und Kleinbürger auf Seiten der uniformierten Konterrevolution, die verkommensten Elemente ihrer Klassen. Ein Skandal sondergleichen ist zum Beispiel Gerhard Boeden, jetzt im Ruhestand, ein Arbeitersohn, der sich der deutschen Bourgeosie angedient und sich auf die Verfolgung der RAF spezialisiert hatte. Seine „Karriere“ endete als Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Denn eine Handvoll kapitalistischer Schmarotzer und Volksfeinde kann keineswegs allein mit den Volksmassen fertigwerden, schwarze Sherrifs und Boedens reichen da nicht hin.  Damit die Kapitalisten in Ruhe ausbeuten und genießen können bedarf es korrupter Gewerkschaften, Sozialdemokraten, Arbeiteraristokraten, lumpenproletarischer Polizisten, die durch Extraprofite bestochen werden.  2. Selbst während der Pariser Kommune ging ein Teil der Pariser Arbeiter mit den weißgardistischen Versaillern. In der spätbürgerlichen dekadenten Gesellschaft produziert eben JEDE Klasse ihren eigenen Abschaum, was Karl Marx schon in den Klassenkämpfen in Frankreich 1848 bis 1850, ein halbes Jahrhundert nach der klassischen bürgerlichen Revolution beobachtete. Zur Niederschlagung der Revolution mußte die französische Bourgeoisie aus den Reihen des von den Abfällen der Gesellschaft lebenden  Lumpenproletariats Mobilgarden organisieren. „So stand dem Pariser Proletariat eine aus der eigenen Mitte gezogene Armee von 24 000 jugendlichen, kräftigen, tollkühnen Männern gegenüber. Es schrie der Mobilgarde auf ihren Zügen durch Paris Vivats ! zu…Sein Irrthum war verzeihlich“. 3.

Zur Täuschung der Arbeiterklasse und der Volksmassen wird heute in Hannover die Erste Maikundgebung „Fest der Demokratie“ betitelt. Wer philosohiert denn schon auf einem „Fest der Demokratie“ über die VERNICHTUNG des Kapitalismus, über die GRÜNDUNG EINER NEUEN SOZIALISTISCHEN GESELLSCHAFT jenseits desselben ? Wenn wir am ersten Mai ein Fest der Demokratie feiern können, geht es dann nicht lediglich um eine Verbesserung der bürgerlichen Gesellschaft? Um mehr Demokratie (wagen) ! Damit das Fest im nächsten Jahr noch demokratischer, noch bunter, noch multikultureller wird ! Auch mit multikultureller Ideologie wird heute die scharfe Bürgerkriegstrennung zwischen Lohnarbeit und Kapital verwischt. Wiederholt warnte uns Lenin vor populären Modeschlagworten. „Ohne Wahlen geht es in unserem Zeitalter nicht; ohne die Massen kommt man nicht aus , die Massen KÖNNEN  im Zeitalter des Buchdrucks und des Parlamentarismus NICHT (kursiv von Lenin) geführt werden ohne ein weitverzweigtes, systematisch angewandtes, solide ausgerüstetes System von Schmeichelei, Lüge, Gaunerei, das mit populären Modeschlagworten jongliert, den Arbeitern alles mögliche, beliebige Reformen und beliebige Wohltaten verspricht – wenn diese nur auf den revolutionären Kampf für den Sturz der Bourgeoisie verzichten. Ich möchte dieses System Lloyd-Georgeismus nennen…“ 4. Und Lloyd-Georgeismus gab es auf der zentralen Kundgebung des DGB in Hannover genug, etwa  wenn der Hauptredner Franz Bsirske (Vorsitzender der Gewerkschaft ver.di) soziale Ungerechtigkeiten im kapitalistischen System aufzählt, sodann aber Illusionen verstreut, man könne dieses gerechter gestalten. Auch Forderungen nach gerechten Löhnen verdecken, dass die kapitalistische Ausbeutung ja gerade in der Lohnform stattfindet, was immer betont werden muss, auch und gerade wenn zu Recht höhrere Löhne gefordert werden. Die kapitalistischen Wölfe sind jederzeit bereit, sich mit Arbeitern zusammenzusetzen, um über gerechte Löhne zu philosophieren. Erfreulich war, dass die Antifaschistische Aktion an der Fassade der Universität ein großes Plakat angebracht hatte: „Kampf dem Kapitalismus statt Fest der Demokratie“. 5.

Demokratie ist ein großes Wort. Ohne Zweifel fällt der bürgerliche Parlamentarismus nicht unter den Begriff der Demokratie 6., da er das elementare demokratische Recht der Abwählbarkeit der Gewählten, der Rückberufung,  gar nicht kennt. Auch Demokratie bedeutet noch Herrschaft, die Frage ist nur, wer wen beherrscht ? Man darf den politischen Begriff „Demokratie“ nicht im abstrakten politischen Sinn auffassen und darin belassen, sondern muss ihn immer mit der sozialen Fragestellung in Zusammenhang bringen, und da zeigt sich…dass nur ein Prozent der Deutschen „sorgenfrei reich“ 7. ist. Eine denkbar schlechte Voraussetzung für Demokratie.  Legen wir diese 1 % kapitalistischen Ausbeuter und Volksfeinde in Ketten, zerschlagen wir das kapitalistische Ausbeutersystem, diese nur gewaltsam mögliche Emanzipation der 99 % arbeitenden Klassen ist das wahre Fest der Demokratie. 8. Im Kommunistischen Manifest steht die Forderung: Gleicher Arbeitszwang für alle. Da haben wir die Basis für Demokratie. Eine Demokratie, die in ihrer Anlage nicht zum Absterben ihrerselbst ausgerichtet ist, ist eben eine Diktatur. Das ist in der bürgerlichen Gesellschaft der Fall, in der eine verschwindend kleine Minderheit von Eigentümern an den Produktionsmitteln die arbeitenden Volksmassen ausbeutet. Und so erweist sich das von opportunistischen Gewerkschaftsbonzen ausgerichtete „Fest der Demokratie“ als Fest der bürgerlichen Diktatur über die arbeitenden Volksmassen.

1. Auch wurde kein Sprecher der Arbeitslosenbewegung zugelassen, womit der DGB signalisierte, dass er mit der bestehenden Gesellschaftsordnung einverstanden ist, während es gerade die Aufgabe der Gewerkschaften sein sollte, aufzuzeigen, dass die Herrschaft des satten Bürgertums und des mittelalterlichen Klerus mit der Gesellschaft unvereinbar ist.

2. Vergleiche Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1978, 112

3.Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin, 1977, 133

4. Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Lenin Werke Band  23, Dietz Verlag Berlin, 1978,114f.

5.siehe: google: AfB Region Hannover Arbeitsgemeinschaft für Bildung im UB Region

6. Bürgerliche Parlamente halten sich noch Saaldiener/innen, die Abgeordneten lassen sich bedienen und debattieren über Menschenrechte, fern der Realität außerhalb der Parlamentsräume. Oder ist etwa nicht wahr, dass der Bundestag und das Abgeordnetenhaus zu Skandallöhnen geputzt wurden und  der Bundesrat per Gerichtsbeschluß Nachzahlungen an die Sozialversicherung erbringen mußte ? (Siehe die Gewerkschaftszeitung: Der Grundstein, Nr. 6, Juni 2010, Seite 10).  Parlamentarismus und Kretinismus sind Zwillingswörter. Der parlamentarische Kretinismus ist eine eigentümliche Krankheit, die seit 1848 auf dem ganzen Kontinent grassiert, „…der die Angesteckten in eine eingebildete Welt festbannt und ihnen allen Sinn, alle Erinerung, alles Verständnis für die rauhe Außenwelt raubt…“ (Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, in: Karl Marx Friedrich Engels Ausgewählte Werke in sechs Bänden Band II, Dietz Verlag Berlin, 1972, 377)

7. Am 27. August 2009 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung Ergebnisse einer Studie des Soziologie Professors Olaf Groh-Samberg von der Universität Bremen für das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), die ergab, das nur 1 % des deutsche Volkes sorgenfrei reich ist im Sinne, dass er „vollständig von dem Zwang entbunden ist, sich und gegebenfalls ökonomisch abhängige  Familienmitglieder über seine eigene Arbeit und Anstrengung am Leben zu erhalten.“ (FAZ 27.8.2009,Seite 12).  99 %  leben nie ganz sorgenfrei. Wer angesichts einer solchen Perversion von einem „Fest der Demokratie“ faselt, gehört ganz einfach nach Australien unter die Känguruhs. Kapitalismus und Demokratie schließen einander aus, wo eine Minderheit die Mehrheit ausbeutet kann davon keine Rede sein. Streng genommen ist erst im Verlauf einer kommunistischen Revolution von Demokratie zu reden, deshalb sprechen auch Marx und Engels im Kommunistischen Manifest von der „Erkämpfung der Demokratie“. (Karl Marx Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, in: Marx Engels: Ausgewählte Schriften Band I, Dietz Verlag Berlin 1972, 44)  „Ihr entsetzt euch darüber, dass wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben, es existiert gerade dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert. “ (a.a.O.,40)

8. In der Politik geht es nicht so einfach zu wie in der einfachen Mathematik, wie auf dem Alexander Newski Prospekt, pflegte Lenin zu sagen. Rein mathematisch brauchen 99 % keine Gewalt gegen 1 % anwenden. Aber die spätbürgerliche Gesellschaft ist komplexer, wir haben das schwankende Kleinbürgertum, die Mittel- und Großagrarier, die internationalen Verbindungen der Bourgeosie, Polizei- und Militärapparat….usw. Eine proletarische Revolution ist keine einfache mathematische Gleichung. Namentlich hat die russiche Oktoberrevolution bewiesen – und Lenin hat mehrfach darauf hingewiesen – dass die Bourgeosie nach der Revolution STÄRKER bleibt.

ZUM 1. MAI

11. April 2010

In der Staatsfrage: gab es in der Geschichte schon immer Staaten, warum gibt es heute Staaten, warum existiert ein Staat ?.etchat Lenin in seinen Vorlesungen an der Swerdlow Universität darauf hingewiesen, daß diese Frage absichtlich oder unabsichtlich von der buntscheckigen Schar der Ideologen verdreht und verfälscht wird, das Wichtigste dieser Frage sei, dass ein Staat nur existieren kann bei einer Überschußproduktion, das ist der Kern, das Wesentliche der Sache.

Auch in der Frage der Gesellschaft – Klassenkampf, Krieg und Frieden, Ausbeutung, Lohnsklaverei…etc. – kommt es darauf an, den zentralen Kern aller gesellschaftlichen Widersprüche und Klassenkonflikte festzuhalten. Die Kommunisten heben die Eigentumsfrage an den Produktionsmitteln als die Grundfrage der Bewegung hervor. Was der Volksmund schon ganz richtig ausdrückt: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, hat seine tiefere Ursache am Privateigentum an den Produktionsmitteln, „…das die Arbeit der vielen in den Reichtum der wenigen verwandelt.“ 1.

Also kommt es in einer proletarischen Revolution darauf an, dieses Privateigentum an den Produktionsmitteln zu vergesellschaften. Das ist aber kein einfacher shematsich zu handhabender Akt, sondern ein Prozeß, der die Herausbildung einer revolutionären Kampfpartei des Proletariats erforderlich macht.

Diese Partei hat mit den kleinbürgerlichen und bürgerlichen Parteien nichts gemein, im Gegensatz zu diesen korrupten Banden politischer Spekulanten, die die bürgerliche Diktatur über das ausgebeutete Volk zementieren wollen, ist die Partei des Proletariats eine sich im revolutionären Prozess der Überwindung der bürgerlichen Gesellschaft und der Klassenherrschaft selbst negierende. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Diktaturparteien strebt die Partei der Arbeiterklasse die Diktatur des Proletariats an, durch die allein die Bourgeoisie dem Proletariat untertan gemacht werden kann. Der Zweck der Diktatur besteht in der Liquidierung der Kapitalisten als Klasse. Und was ein Kapitalist ist, läßt sich genau definieren: sein Kapital ist ausreichend, um durch Ankauf der Ware Arbeitskraft Lohnarbeiter auszubeuten.  Der Zweck der kapitalistischen Produktion ist nicht der Lebensunterhalt, sondern die Vermehrung des Reichtums. 2.

Die Kommunisten sind trotz aller multimedialen Gehirnwäsche gegen den Humanismus, der Anbetung des Chaotisch-Irrationalen und der Negierung der Kollektivität, der Verherrlichung krimineller Handlungen, der offen oder versteckten Einflößung faschistischer Ideologie in den Massenmedien in der Lage, den Feind genau und scharf ins Auge zu fassen, sie sind die Totengräber der bürgerlichen Gesellschaft.

Man kann die Kommunisten auch als Jakobiner des 20. und  21. Jahrhunderts bezeichnen. Die bürgerlichen Jakobiner liquidierten feudale Stände, die proletarischen werden bürgerliche Klassen liquidieren.

1.Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Marx Engels Werke Band 17, Seite 342

2. Nicht jede beliebige Geld- und Wertsumme verwandelt sich in Kapital, schreibt Marx in seinem Hauptwerk und erläutert, dass zum Beispiel ein Geldbesitzer, der nur zwei Arbeiter 12 Stunden  arbeiten läßt, davon 4 für ihn, grob gesprochen gerade einmal den Lebensstandard seiner Arbeiter hat. (Vergleiche Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der  Wissenschaft, in: Marx Engels Werke Band V, Dietz Verlag 1972,139f.)

Heinz Ahlreip