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Sahra Wagenknecht in der Hegel Falle

15. Juni 2011

Während bürgerliche Politiker (Freiherr Karl Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch Mehrin (FDP),  die Tochter des langjährigen CSU Vorsitzenden Edmund Stoiber, Veronika Saß, über den FDP Politiker Chatzimarkakis hat Professor Jörg Becker  am 22. Juli 2009 einen Artikel in der Frankkfurter Allgemeinen Zeitung geschrieben: Chatzimarkakis hat mich plagiiert ! Kulturminister Althusmann schreibt eine Erklärung an die Universität Potsdam….plus Dunkelziffer) im akademischen Bereich sich bürgerlich politisch, eben betrügerisch benehmen und Doktorarbeiten zusammenklauen, denn man will ja an die Regierungsspitze, um zu regieren und dabei zu plündern und zu plündern und dabei  zu regieren 1. , haben wir es bei Frau Sahra Wagenknecht mit einem ganz anderen Kaliber zu tun, die auf Grund einer unbestrittenen Intelligenz nicht zu solchen Mittelchen zu greifen braucht. Gleichwohl ergibt eine Lektüre ihrer an der Universität Utrecht erfolgreich eingereichten Magisterarbeit: „Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode“, daß auch in dieser politisch rechten Arbeit inhaltlich und formal „nicht alles mit rechten Dingen“ zugegangen ist. Theoretischerseits, beileibe nich im strafrechtlichen Sinne.

In ihr wird dem jungen Marx in seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten eine geschichtsteleologische Deutung der Weltgeschichte bis hin zum Kommunismus unterstellt 2., obwohl Marx ausdrücklich in diesen Manuskripten betont, „…aber der Communismus ist nicht als solcher das Ziel der menschlichen Entwicklung, – die Gestalt der menschlichen Gesellschaft.“ 3. Marx, der 1844 bereits als Revolutionär auftrat 4., sei in den Manuskripten hinter die Weltgeschichtsphilosophie Hegels  zurückgefallen.  Sahra Wagenknecht läßt Lenins Hinweis unberücksichtigt, daß in dieser Hegel „am meisten veraltet und antiquiert“ 5.  ist.  Denn gerade Hegels Philosophie der Weltgeschichte ist teleologisch und theologisch ausgerichtet: Weltgeschichte als Gotteswerk, man vergegenwärtige sich nur den Schlußgedanken der  Philosophie der Weltgeschichte: …daß das ,was alle Tage geschehen ist und geschieht, nicht nur nicht ohne Gott, sondern wesentlich das Werk seiner selbst ist. 6. Der Schlußgedanke der Magisterarbeit von Sahra Wagenknecht  enthält denn auch ein völlig falsches Fazit: „…daß das Methodenkonzept des reifen Marx, (der sich von seiner jugendlich falschen und verwerfenden Hegelkritik emanzipiert habe/ Zusatz von Heinz Ahlreip),  sich wesentlich im Rückgriff auf die spekulative Methode Hegels gründet.“ 7. Das Gegenteil ist der Fall: die Methode des reifen Marx zur Zeit der Abfassung des „Kapitals“ ist der Hegelschen DIREKT eintgegengesetzt. Sahra Wagenknecht muß also vom Kopf auf die Füße gestellt werden.  „Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil.“ 8. Falsch bzw. nur halbrichtig ist deshalb Wagenknechts Ausführung, daß das bereits erreichte Niveau der Wissenschaftsmethodologie von Hegel und Marx bestimmt wird. „In diesem Kontext erweisen sich eine materialistische Hegelinterpretation und ein materialistisch dialektisches Methodenkonzept als zwei Kehrseiten einer Medaille“. 9. Spricht also Marx vom direkten Gegenteil, so Sahra Wagenknecht von zwei Kehrseiten einer Medaille.  Kann Hegel heute überhaupt noch etwas zum Niveau der Wissenschaftsmethodologie beitragen ? Nein, in dieser Beziehung ist Hegel obsolet und hat nur noch einen historischen Wert. Es hilft auch nicht, wenn Sahra Wagenknecht versucht, den Ansatz Hegels als nichtidealistisch zu verdrehen 10. , die dialektische Methode ist in ihrer Hegelschen Form unbrauchbar. 11. In seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten hatte Marx die Hegelsche Dialektik als „Mutter“ bezeichnet, die sie ja auch für die Linkshegelianer zweifelsfrei war.  Das ist auch allgemein bekannt, der Marx´sche „Muttermord“ scheint aber gerade von fachphilosophischen Koryphäen weitgehend tabuisiert worden zu sein. Und dieses Halbwissen wird an die studentische Jugend weitergegeben und es ist wohl nicht Sahra Wagenknechts Schuld allein, daß sie  ist in die bei dieser Thematik stets ausgelegten Hegelfalle getappt ist,  ohne den wertvollen Hinweis von Lenin beachtet zu haben: „Hegels Logik darf man in ihrer gegebenen Form nicht anwenden; man darf sie nicht als gegeben hinnehmen.“ 12. Denn nicht der junge Marx vertritt ein teleologisches Methodenkonzept, sondern der junge Hegel: „Das Ziel aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des Fortgangs gesteckt; es ist da wo es nicht mehr über sich selbst hinaus zu gehen nötig hat, wo es sich selbst findet und der Begriff dem Gegenstande, der Gegenstande dem Begriff entspricht.“ 13. Alle Ideologiemomente der idealistischen Dialektik sind in diesem Satz Hegels versammelt, insofern in der absoluten Identität der am Anfang des Weltgeistprozesses mit „gesteckte“ Zweck abschlußhaft sich eingeholt hat. Im Gegensatz zur idealistischen Dialektik mit ihren als Quelle von Ideologiegehalten wirkenden Leitmotiven: Identität – Finalismus – Teleologie begreift materialistische Dialektik wissenschaftlich revolutionäre Tätigkeit als ein Kettenglied in der sich nichtlinear und abschlußfrei entwickelnden Materie. Wäre der junge Marx tatsächlich hinter Hegel zurückgefallen, rekurrierte er philosophiegeschichtlich auf unvollkommene Vorformen dialektischen Denkens, die erst in der Hegelschen Logik ihre Vollendung in idealistischer, falsch widergespiegelter Form erhielten. Hätte er auf die spekulative Methode Hegels zurückgegriffen, wäre eine Kritik der politischen Ökonomie entwickelt worden, die das Bestehende, die kapitalistische Misere der Ausbeutung , verklärt hätte.

Es kann kein Zufall sein, daß der Eichborn Verlag das letzte Buch von Sahra Wagenknecht „Freiheit statt Kapitalismus“  auf dem Schutzumschlag durch den mit roten Buchstaben gedruckten Satz: Sahra Wagenknecht nimmt Ludwig Erhard beim Wort: Wohlstand für alle ! anpreist. 14. Um nun sogleich durch drei Beispiele die konterrevolutionäre Physiognomie Sahra Wagenknechts aufzuzeigen, so genügt der Hinweis, daß sie sich in diesem Buch für eine steuerfreie Vererbung von einer Millionen Euro als Recht ausspricht 15., während doch für Sozialisten die dritte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest „Abschaffung des Erbrechts.“ obligatorisch ist. 16. So genügt zweitens der Hinweis, dass sie sich zusätzlich für einen „Sozialismus ohne Planwirtschaft“ 17. ausspricht, während doch für Sozialisten die siebente Forderung aus dem Kommunistischen Manifest: „Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinsamen Plan“ 18. obligatorisch ist. Des weiteren äußerte sie sich gegenüber einem Bankangestellten, der um seinen Job fürchtet,  daß sich die Linke für den Erhalt der Sparkasse einsetze. (Siehe: AdHocNews 3.9.0. / Internetseite von Sahra Wagenknecht). Wieviele Menschen sind von Sparkassen betrogen, gedemütigt, in den Ruin und in den Selbstmord getrieben worden !  Für Sozialisten sollte doch die fünfte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest obligatorisch sein: „Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol“. 19. Es liegt also eine Serie von Fehlern vor und es ist die Frage, ob Frau Wagenknecht die innere intellektuelle Kraft hat, diese zu  durchdenken und zu korrigieren. Sollte sie aber weiterhin nach rechts, weg vom Sozialismus, weg von Rosa Luxemburg  abdriften, so wird sie die Arbeiterklasse eines Tages vor die Wahl stellen: entweder das Kommunistische Manifest à la Sahra zu „modernisieren“ oder sie revolutionsgerichtlich aus der Arbeiterbewegung auszustoßen.In ihrem Buch gibt sie eine politische Einschätzung ihrer Person durch die deutsche Konterrevolution wieder: „Ich weiß, für viele Pseudokonservative und Pseudoliberale bin ich der Gottseibeiuns, die finstere Kommunistin…“ 20. Diese Einschätzung sollte sie sich nicht zu eigen machen, so beurteilen Spießer, die keine Ahnung von Politik, von der Dialektik von Revolution und Konterrevolution haben, denn finster wird Sahra allemal, wenn man sie in das Licht von Marx und Lenin hält. Zum Beispiel in der Frage der Religion: Marxisten Leninisten und nicht nur Marxisten Leninisten wissen, dass Lenin die Religion als eine Art geistiger Fusel bezeichnet hat, mit dem der Lohnsklave sein Sklavendasein betäuben soll. Für Frau Wagenknecht ist die Religion ein Teil der Kultur, wo auch wichtige Zusammenhänge auf bestimmte Art reflektiert wurden. Hegel hätte philosophisch aufgezeigt, welche unglaubliche Dialektik, welche unglaublich tiefen Einsichten in der Religion enthalten sind. (siehe: google: sahra wagenknecht mitglied des deutschen bundestages das leben leben). Man erinnert sich: in der Sowjetenzyklopädie wurde die hegelsche Philosophie als aristokratische Reaktion auf die französische Revolution gewertet.

Gegen Sahra Wagenknechts Mißdeutung und Herabwürdigung des jungen Marx muss vielmehr aufgezeigt werden, daß in die Pariser Manuskripte  Würdigung und Korrektur Hegels gleichermaßen meisterhaft fallen: Die Negation der Negation bestätige für Hegel nur das Scheinwesen „…oder die Verneinung  dieses Scheinwesens als eines gegenständlichen Wesens.“ 21. ganz im Sinne einer idealistischen Ontologie. In der Tat: gibt es einen fundamentaleren Unterschied in der Beantwortung der Grundfrage der Philosophie als den zwischen der Hegelschen Vergöttlichung des Geistes („Das Absolute ist der Geist, diß ist die höchste Definition des Absoluten“) 22. und der Darlegung von Friedrich Engels,daß die Materie mit eiserner Notwendigkeit ihre höchste Blüte, den denkenden Geist, ausrotten wird. 23. Man könnte auch hier sagen, Engels fiele hinter Hegel zurück, aber die sich ewig wandelnde Materie wird den Geist anderswo und in anderer Zeit wieder erzeugen…und so fort. Aber eben diese Unterbrechungen kongruieren nicht mit jeglichem Absolutheitsanspruch.

Heinz Ahlreip

Entnommen aus meinem Aufsatz zum 193. Geburtstag von Karl Marx am 5. Mai 2011: Karl Marx zum 193. Geburtstag  Marxismus und Idealismus. Siehe: google: lenin unser aller lehrer marx 193. Geburtstag

1. Vergleiche Lenin, Wie soll man den Wettbewerb organisieren ? Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin 1961,407

2.  Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,170

3. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2, Dietz Verlag Berlin, 1982,275. Auch Wilhelm Weitling hatte in seinem 1842 veröffentlichten Werk „Garantien der Harmonie und der Freiheit“ einen vollkommenen Kommunismus ausgeschlossen.

4. Vergleiche: Lenin, Karl Marx, Lenin Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1960,35).

5. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Philosophie der Geschichte Bern 1914 – 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958.175

6. Den großen faux pas Adornos: „Es ging um die Vergottung der Geschichte, auch bei den atheistischen Hegelianern Marx und Engels“ (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 113, Frankfurt am Main, 1975,315) nimmt in gewisser Weise Sarah Wagenknecht für den jungen Marx wieder auf.

7. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,193. Über Sahra Wagenknechts Magisterarbeit kann man ungefähr das gleiche sagen was Marx 1846 über Proudhons Schrift „Die Philosophie des Elends“  sagte: „…das ist Hegelsches abgedroschenes Zeug…“ (Karl Marx, Brief an Pawel Wassiljewitsch Annenkow in Paris vom 28. Dezember 1846, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,689), oder was Lenin über Lassalles Buch „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“ schrieb: „…ein Wiederkäuen Hegels.“ (Lenin, Zur Kritik des Lassalleschen Buches „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“, in: Lenin, Aus dem philosophischen Nachlass, Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,267). Ein Wiederkäuen Hegels allemal, denn die Magisterarbeit leidet formal an einem mangelhaften Maßgefühl, die Interpretationen Hegels nehmen proportional betrachtet einen übergroßen Platz ein, auf den Seiten 45 bis 65 wird eine thematisch nicht unbedingt erforderliche Interpretation fast der gesamten Phänomenologie des Geistes wiedergekäut ohne einen einzigen Marxbezug, der bei der Themenstellung zwingend erforderlich  gewesen wäre, die Kernthematik ( cirka 20 Seiten in den blauen Bänden) wird am Ende auf den letzten cirka 25 von 194 Seiten abgehandelt !!

8. Karl Marx, Das Kapital, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1984,27

9. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag, 1997,11

10. a.a.O.,46. Die Frage drängt sich förmlich auf, wie das an der Universität Ütrecht passieren konnte ? Der Versuch, die von Marx 1844 ermordete Mutter, die idealistische Hegelsche Dialektik, 1997 in einer Magisterarbeit zu reanimieren, ist gründlich fehlgeschlagen.

11. Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Dietz Verlag Berlin,1975,292. Die Hegelsche Philosophie ist in den Sowjetenzyklopädien der Stalinzeit zu Recht als aristokratische Reaktion auf die bürgerliche Revolution in Frankreich eingeschätzt worden, diese Einschätzung bezog sich auf System und Methode gleichermaßen, denn die politische Konsequenz der idealistischen Methode Hegels war ja die konstitutionelle preußische Monarchie der Rechtsphilosophie.

12. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Lenin. Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,202. Wird primär das Trennende zwischen Idealismus und Materialismus konsequent als essentiell betont, so ist das Verhältnis zwischen den beiden Grundrichtungen der Philosophie sekundär doch komplexer, denn aus der immanenten Entstehung des Unterschieds hat der Materialismus im Idealismus SEIN Anderes wie umgekehrt der Idealismus SEIN Anderes im Materialismus hat. Die Polarität der Grundrichungen der Philosophie spiegelt nur den Kampf zwischen progressiven und rückständigen Klassen wider. In der vernichtenden Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie geht Lenin auf Hegels Hauptgedanken ein, warum der Materialismus keine Philosopie sein kann: die Philosophie habe es mit dem Allgemeinen zu tun, das nur im Denken erfasst werden kann. Unter der Hand falle Hegel mit dieser Darlegung in den von ihm stets kritisierten subjektiven Idealismus zurück. Der absolute Idealismus „…ist im Zickzack (und durch einen Purzelbaum) ganz dicht an den Materialismus herangekommen, hat sich teilweise sogar in ihn verwandelt…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin, 1958,214f.). Allerdings kann man nicht mit einem Purzelbaun und auch nicht im Zickzack die idealistische dialektische Methode Hegels in den Materialismus hineinbringen.

13. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Einleitung, Felix Meiner Verlag Hamburg 1980,57

14. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage, Frankfurt am Main 2011. Das sogenannte Wirtschaftswunder als Werk Gottes ? Streng genommen ist der Titel des Buches nicht wissenschaftlich, denn das Proletariat als die einzige Klasse, die durch ihre Diktatur den Kapitalismus bezwingen kann, gebraucht diese nicht im Interesse der Freiheit, sondern zur Niederhaltung seiner Klassenfeinde. (Siehe: Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960,453).

15.a.a.O., 345

16. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,68

17. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,345

18. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,69. Zwar schreiben Marx und Engels im Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe des Manifests von 1872, dass die in ihm vorgeschlagenen revolutionären Maßregeln zwischenzeitlich „stellenweise veraltet“ (Karl Marx, Friedrich Engels, Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe von 1872, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest  der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,12), also durchaus modifizierbar seien, aber werden sie zum Schutze einer Ausbeutergesellschaft entwertet, wird natürlich etwas ganz anderes manifest.

19.a.a.O.

20. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,12

21. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2 Dietz Verlag Berlin, 1982,411

22. a.a.O.,418

23. Vergleiche Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,372. Entgegen der idealistischen Glorifizierung des Denkens in der klassischen deutschen Philosophie, auch der fichteschen und schillerschen Denkfreiheit, in der der Vernunftoptimismus der Aufklärung nachschwingt, ist eine weitgehend unbekannte  Eigenschaft des menschlichen Denkens zu ergründen, die zu töten. Die Schwierigkeit kommt durch das Denken, weil es als Denken die Weltbewegung, in eins die Weltgeschichte als ihre eigene Dialektik, als dialektische stets flüssige Kontinuität unterbrechen muß. Denken unterbricht nach Lenin nicht nur das Prozeßhafte, sondern versimpelt, vergröbert, zerstückelt, tötet das Lebendige. „Die Abbildung der Bewegung durch das Denken ist immer eine Vergröberung, eine Ertötung…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, Dietz Verlag Berlin, 1958,195). Ja Dialektisches ist ständig Selbstzerstörerisches an ihm selbst.  (a.a.O.,240). Stagnation ergibt sich aus Verstandesfixierungen wie die formale Logik oder die Mathematik. Dialektik selbst als Prinzip aufgefasst, so ist ihre  Negativität als Quelle der Selbstbewegung nur in ihrer Immanenz. Als kritische Methode geht sie in radikaler Negativität auf Zerstörung des Kapitalismus, der eine zutiefst dynamisch flüssige aber eben damit auch überflüssige Gesellschaftsformation darstellt, diese Negativität des Marxismus ist für ihn selbst selbstzerstörerisch, denn im Kommunismus erlischt sein revolutionäres Potential und die Negativität greift auf ihn selbst über. In der Tat sind antike Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus nur verschwindende Momente des dialektischen Weltprozesses.  Denn alles was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht. Engels sieht in der sich erschöpfenden Sonnenwärme das Todesurteil der Erde: „…verfolgt nur noch eine kalte, tote Kugel ihren einsamen Weg durch den Weltraum.“ (Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in. Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,369). Die von Descartes erkannte unveränderliche Quantität der in der Welt vorhandenen, an Materie gebundenen  Bewegung aber garantiert das Aufkommen bzw. Reproduzieren neuer Sonnensysteme, mit Leben und damit wahrscheinlich auch mit neuen kommunistischen VERSUCHEN. Denn der Kommunismus ist nicht zugesichert. „…denn es ist keinem Sozialisten je eingefallen, „zuzusichern“, daß die höhere Phase der Entwicklung des Kommunismus eintreten wird…“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,483f.). Soviel nur zur angeblich teleogischen Geschichtstheorie von Marx. Lenin gab uns im Empiriokritizismus den wertvollen Hinweis, daß die Verfälschung des Marxismus immer raffinierter wird. „Eine immer raffiniertere Verfälschung des Marxismus, immer raffiniertere Versuche, antimaterialistische Lehren als Marxismus auszugeben – das kennzeichnet den modernen Revisionismus sowohl in der politischen Ökonomie als auch in den Fragen der Taktik und in der Philosophie überhaupt, in der Erkennnistheorie ebenso wie in der Soziologie.“ (Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Werke Band 14, Dietz Verlag Berlin,1962,334). Es ist bedauerlich, daß den Professoris in Utrecht in ihrem akademischen Getto dieser Hinweis unbekannt zu sein scheint.

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STALIN Zum ersten Mai 1917

11. April 2010

„Es sind bald drei Jahre vergangen, seitdem die raubgierige Bourgoisie der kriegführenden Länder die Welt in ein blutiges Gemetzel gestürzt hat.

Es sind bald drei Jahre vergangen, seitdem die Arbeiter aller Länder gestern noch leibliche Brüder, heute aber in den Soldatenrock gesteckt, einander als Feinde gegenüberstehen, einander verstümmeln und töten – zur Genugtuung der Feinde des Proletariats.

Massenhafte Vernichtung der lebendigen Kräfte der Völker, massenhafter Ruin und Elend, Trümmer einstmals blühender Städte und Dörfer, massenhafte Hungersnot und Verwilderung – dies alles, damit ein Häuflein gekrönter und ungekrönter Räuber fremde Gebiete plündere und schwindelerregende Millionengewinne zusammenraffen – dahin führt der jetzige Krieg.

Die Welt beginnt in der einsernen Umklammerung des Krieges zu verröcheln…

Die Völker Europas sind am Ersticken, und sie erheben bereits das Haupt gegen die kriegslustige Bourgeoisie.

Die russische Revolution schlägt als erste eine Bresche in die Mauer, die die Arbeiter voneinander trennt. Im Augenblick des allgemeinen „patriotischen“ Taumels proklamieren die russischen Arbeiter als erste die in Vergessenheit geratene Losung: „Proletarier aller Länder,  vereinigt euch !“

Unter dem Donnergrollen der russischen Revolution erheben sich auch die Arbeiter des Westens aus ihrem Schlaf. Streiks und Demonstrationen in Deutschland, Manifestationen in Österreich und Bulgarien, Streiks und Kundgebungen in den neutralen Ländern, eine immer stärker werdende Gärung in England und Frankreich, Massenverbrüderungen an den Fronten – das sind die ersten Schwalben der anwachsenden sozialistischen Revolution.

Und unser heutiger Festtag, der Festtag des 1. Mai – ist er etwa kein Anzeichen dafür, daß in den Strömen von Blut neue Bande der Brüderlichkeit zwischen den Völkern geschmiedet werden ?

Den kapitalistischen Räubern brennt der Boden unter den Füßen, denn von neuem steigt über Europa das rote Banner der Internationale empor.

So möge der heutige Tag, der 1. Mai, an dem hunderttausende Arbeiter Petrograds den Arbeitern der ganzen Welt brüderlich die Hand entgegenstrecken, als Unterpfand für die Geburt einer neuen, revolutionären Internationale dienen !

Möge die Losung „Proletarier aller Länder, vereinigt euch !“, die heute auf den Plätzen Petrograds erklang, die Welt durchfliegen und die Arbeiter aller Länder im Kampf für den Sozialismus vereinigen !

Über die Köpfe der kapitalistischen Räuber hinweg, über die Köpfe ihrer räuberischen Regierungen hinweg reichen wir den Arbeitern aller Länder die Hand und rufen:

Es lebe der 1. Mai !

Es lebe die Brüderlichkeit der Völker !

Es lebe die sozialistsiche Revolution !

Prawda Nr 35, 18. April 1917

in: STALIN WERKE Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1951,34f.

Über den Personenkult

16. Februar 2010

„Marx stand höher, sah weiter, überblickte mehr und rascher als wir andern alle. Marx war ein Genie, wir andern höchstens Talente.“ 1.

Natur, Gesellschaft, Denken entwickeln sich gegenseitig gesetzmäßig konstituierend und durch das menschliche Denken diese Prozesse in ihrer Gesetzmäßigkeit auch selbstreflexiv widerspiegelnd. In dieser reflexiven Widerspiegelung aus der immanenten Prozessualität der dialektischen Entwicklungsgesetze ergeben sich diese als ineinander sich wechselseitig durchdringende. Diese Widerspiegelung ist selbst widersprüchlich gebrochen (sonst gäbe es nicht die richtig-falsche formale Logik), das Genialische läge dann in der richtigen Widerspiegelung dialektischer Prozesse als Knotenpunkte der Selbsterfassung universell historischer Entwicklungsgesetze. Das Genialische ist daher nicht primär etwas Subjektives, sondern Expression objektiver unendlicher Prozesse. Die in Klassenkämpfen emanzipativ avantgardistisch Kämpfenden geben eineTheorie 2. der Anleitung zum revolutionären Handeln für diejenigen, die diese Entwicklungsgesetze nicht in ihren klaren Konturen widerspiegeln können und umgekehrt, die Dominanz des Personenkultes zeugt von einer ungenügenden Widerspiegelung objektiv vorhandener Entwicklungsgesetze, aus denen Taktik und Strategie der Revolutionäre abzuleiten wären. Die Arbeiterbewegung braucht keinen Napoleon, der für alle denkt, es wäre schlecht um ihre Emanzipation bestellt. Es waren die utopischen Sozialisten, die die Erlösung von  Ausbeutung und Unterdrückung durch die aus genialischer  Welterkenntnis resultierende Erfindung der perfekten Gesellschaft erwarteten, weil sie nicht die gesellschaftlich geschichtlichen Bedingungen einer proletarischen Massenrevolution berücksichtigten und auf dem damaligen gesellschaftlichen Entwicklungsstand auch nicht berücksichtigen konnten, das Proletariat nur als leidendste, nicht als politisch aktive Klasse von ihnen gesehen wurde.  „Es fehlte eben der geniale einzelne Mann, der jetzt aufgetreten und der die Wahrheit erkannt hat; daß er jetzt aufgetreten, daß die Wahrheit grade jetzt erkannt worden ist, ist nicht ein aus dem Zusammenhang der geschichtlichen Entwicklung mit Notwendigkeit folgendes, unvermeidliches Ereignis, sondern ein reiner Glücksfall. Er hätte ebensogut 500 Jahre früher geboren werden können und hätte dann der Menschheit 500 Jahre Irrtum; Kämpfe und Leiden erspart.“ 3. Die Fixierung des Marxismus Leninismus in ein Genie ist also kein Fortschritt, sondern ein Rückfall. Im Personenkult findet etwas Widersinniges statt: Genie und Menschheit werden verwechselt. So versuchte zum Beispiel der deutsche idealistische Philosoph Hegel, eine Art „Napoleon der Theorie“, die inneren objektiven Entwicklungsgesetze der Geschichte der Menschheit in seinem Denken widerzuspiegeln, als Selbsterfassung Gottes, in religiösen Formulierungen betrachtete er seine Philosophie als die Gedanken Gottes vor der Schöpfung der Welt und eines endlichen Wesens. Für Friedrich Engels hatte Hegel, den er im Anti-Dühring als Fieberphantasten bezeichnet,  diese Aufgabe aber lediglich gestellt, nicht gelöst, nicht lösen können deshalb, weil kein einzelner sie je wird lösen können. Ein Genie kann nicht zur Lösung bringen, „was nur die gesamte Menschheit in ihrer fortschreitenden Entwicklung leisten kann.“ 4. Das einzelne Denken weist für Friedrich Engels mehr „Verbesserungsfähiges als Nichtverbesserungsfähiges“ 5. auf, schon von daher verbietet es sich, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt in ein Subjekt zu projizieren, habe es auch noch so überragende geistige Fähigkeiten und perfekte Eigenschaften. Im Kommunistischen Manifest meinen Marx und Engels nicht nur sich selbst, wenn sie ausführen, dass in Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung nähert, ein Teil der Bourgeoisie zum Proletariat übergeht, „und namentlich ein Teil der Bourgeoisideologen, welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben.“ 6. Der wissenschaftliche Sozialismus hat sich wechselseitig  aus  Massenbewegungen und kollektiven theoretischen Bewegungen herausgebildet und basiert auf objektiv heranreifenden  Bedingungen der Klassenentwicklungen.

Ein Personenkult darf niemals Ergebnis einer proletarischen Revolution sein, so wie es nach der bürgerlichen 1789 war: Napoleon sagte auf dem Schlachtfeld: Ich bin 100 000 Mann wert. Wir wären nicht weiter als das Sonnenkönigtum von Versailles: L`´etat c´est moi. 7. Tatsächlich begriff sich Ludwig der XIV. als die Sonne, um die sich alles dreht. Diese Sonnenführer strahlen aber ihre Untertanen nicht als  Sterne an, die mit ihr  aufleuchten, sondern diese definieren sich zum Führer als im Grunde nichtig. “ Voyez ces  crapauds !“ soll Napoleon beim Anblick auf das Gewimmel  ertrinkender Soldaten in der Beresina gesagt haben 8. und Roland Freisler schrie die Widerstandskämpfer vom 20. Juli an: „Deutsch sein“, heißt: dem Führer treu zu sein, alles andere ist Verrat an Deutschland“. Nach einer proletarischen Revolution sollten Worte wie Führer/in, Kanzler/in, Minister/in aus dem Wortschatz gestrichen werden, Lenin war Vorsitzender eines Rates von Volkskommissaren, aber hinter diesen standen die Sowjets „…als die Vorboten  des „Absterbens“ jedes Staates.“9., und als Totengräber der bürgerlichen Demokratie.

Der Gegenbegriff zum proletarischen Genie, der die tief innerliche ruhelose Dialektik zum Ausdruck bringt, wäre der bürgerliche Diktator, der sich vergeblich dieser Entwicklung als ruhender Pol – als den Hitler sich selbst sah-entgegenstellt (bekanntlich beendigte sich für  den größten Feldherrn aller Zeiten der Führerkult durch Selbstmord). Im Kommunismus erübrigt sich jegliche Prozesswiderspiegelung, die in bürgerlichen Gesellschaften als Gesellschaftwissenschaften zusammengefasst wird, die nur Ausdruck der Klassenspaltung der Gesellschaft sind, von daher ist es verständlich, warum für Marx die Dialektik der bürgerlichen Gesellschaft nur ein Spezialfall der Dialektik insgesamt war.

Es ist vor dem Abfassen von Texten, die im Geiste des Marxismus Leninismus verfasst sein sollen, vielleicht ratsam, sich an einige Äußerungen der Klassiker zu ihrem Schaffen zu erinnern. Das Lebensmotto von Marx lautete: An allem ist zu zweifeln.Der alte Engels verwies rückblickend auf den fundamentalen Fehler auch der proletarischen Revolutionäre der 48er Revolution, nach deren Niederschlagen mit einer neuen in Kürze zu rechnen. „Wir haben uns damals alle gründlich geirrt.“ Auch der „große“ Friedrich Engels beging also Selbstkritik. Die Schriften von Marx und Engels nach 1848 sind voll mit diesem Irrtum. Auch sprachen Marx und Engels 1848 im Kommunistischen Manifest vom Wert und Preis der Arbeit, erst ab 1859 datiert die wissenschaftliche richtige Fassung: Wert und Preis der Arbeitskraft: der Arbeiter verkauft dem Kapitalisten nicht Arbeit, sondern die besondere Ware Arbeitskraft, die Quelle des Mehrwertes ist. Auch ist von Marx die Aussage überliefert: ich für mein Teil bin kein Marxist und gar Lenin erst kam nach dem Studium der hegelschen Logik zu der Einsicht, dass man ohne diese Logik das Kapital nicht verstehen könne und dass folglich in den letzten 50 Jahren kein Marxist das Kapital verstanden hätte 10., das Buch, das Engels zur Bibel der Arbeiterbewegung erklärte. Schon von daher verbietet es sich, Theoretiker der Arbeiterbewegung heroisierend in den Himmel zu heben, wo dialektische und historische Materialisten auch nicht hingehören. „…die Souveränität des Denkens verwirklicht sich in einer Reihe höchst unsouverän denkender Menschen, die Erkenntnis, welche unbedingten Anspruch auf Wahrheit hat, in einer Reihe von relativen Irrtümern.“ 11.

Im Personenkult wird die Arbeiterbewegung einer sogenannten „großen Person“ untergeordnet. Nach Marx ist es der kleinbürgerliche 12. „doctrinäre Socialismus,…der an die Stelle der gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Produktion die Hirnthätigkeit des einzelnen Pedanten setzt…“ 13. Personenkult und Geniekult sind ineinander verwoben. Immer wieder ist die Arbeiterbewegung an ihrem Verhältnis zu den sogenannten „großen Autoritäten“ zu überprüfen, die der Marxismus im Grunde gar nicht anerkennt. Engels sagt einmal gegen die Anarchisten, die Revolution ist das autoritärste Ding, das es gibt. Und die proletarische Revolution ist eine wahre Autorität. Die sogenannten „großen Autoritäten“ sind keineswegs nur Erzieher der Arbeiter und Bauern und haben sich auch nie als solche verstanden, sondern auch und gerade im Marxismus gilt, dass der Erzieher selbst erzogen werden muss. Das Proletariat  wird einerseits geschult, geeint und organisiert durch den kapitalistischen Produktionsprozess, andererseits wird sozialistsiches Bewußtsein in es durch eine Avantgardepartei von außen hineingetragen, liest man Lenins Schrift „Was tun ?“ aufmerksam. so wird man feststellen, daß dieser Lernprozess nicht einseitig ist. Hätte Lenin Marx nur als große Autorität angebetet, wäre es nicht zur Weiterentwicklung des Marxismus in der Phase des Imperialismus gekommen. 14. Marx und Engels gingen zur Zeit der 48er Revolution noch von einer nur international möglichen proletarischen Revolution aus (England besonders, Frankreich, Deutschland..), Lenin kam auf Grund seiner Imperialismusanalyse zu der Erkenntnis, dass auf Grund der Ungleichmäßigkeit der öconomischen und politischen Entwicklung unter dem Imperialismus diese Revolution auch nur in ein einem einzelnen Land möglich ist (darum ging es dann im Kampf gegen Trotzki, der auf dem 1848er Niveau stehenblieb). An Autoritäten klammern sich nur schwache Individuen, die keine innere marxistische Substanz haben, im Personenkult kippt Aufklärung um in Religion. Zwar endet die Kritik der Religion mit dem Satz, dass für den Menschen der Mensch das Höchste aller Wesen ist, wie Feuerbach es erarbeitet hat und der abstrakte Mensch, der angebetet wird, die Vergöttlichung des Menschen, ist im Grunde konstitutiv für eine atheistische Religion im Sinne Feuerbachs.  Marxens Kritik am Abstraktum Mensch in den Feuerbachthesen, die im Keim den historischen und dialektischen Materialismus enthalten,  überwindet jegliches Anbeten des Menschen durch den Menschen. Bezeichnete Malenkow am 9. März 1953 in seiner Trauerrede Stalin noch als den größten Genius der Menschheit, so wurde dieses Bild drei Jahre später in zugegeben revisionistischer Intention gekippt. Man tat damit Stalin unrecht, denn Stalin lehrte uns, dass die werktätigen Menschen, die Millionen Arbeiter und Bauern die wahren Helden der Geschichte sind. Ein Hauptkritikpunkt des Führerphilosophen Friedrich Nietzsche am Sozialismus bestand ja gerade darin, dass er keine großen Männer mehr aufkommen lasse. Bezeichnend ist die Szene, die der Hauer Alexej Stachanow in seiner Autobiografie „Mein Lebensweg“ über eine Begegnung der 71jährigen Weberin Kawanina mit Stalin schildert: „Das Großmütterchen wandte sich an Stalin, drückte ihm fest die Hand und sagte: Du liebe Zeit, endlich habe ich unseren großen weisen Führer zu sehen bekommen. Sie konnte vor Freude nicht sprechen. Genosse Stalin lächelte, und, indem er der Alten die Hand drückte, sagte er: Ein ganz gewöhnlicher Mensch.“15. Ein ganz gewöhnlicher Mensch. Hierin liegt die Weisheit, dass das Kollektiv entscheidend ist, jenseits des Kollektivs liegt das Strafgesetzbuch oder der Selbstmord. In dem akollektivistischen Ansatz bürgerlicher Stalinforschung liegt die Extremisierung eines negativen Personenkultes, wie Robespierre für die feudale Geschichtsforschung muss Stalin für die bürgerliche ein Ungeheuer sein, Stalin als gewöhnlicher Mensch läßt den Kommunismus als  zu wahrscheinlich erscheinen.

Dagegen war die bolschewistische Partei in der Sowjetunion nach Lenins Tod bemüht, dessen Genialität herauszustreichen, sogar der Berliner Professor und Spezialist für Gehirnforschung Oskar Vogt wurde eingeladen, das Gehirn nach seiner zytoarchitektonischen Methode zu untersuchen. Ausdrücklich heißt es in der Prawda vom 15.11.1927, Professor Vogt habe klar den scharfen Unterschied zwischen Lenins Gehirnstruktur und der gewöhnlicher Menschen herausgearbeitet 16., so lag eine sehr hohe Assoziationsfähigkeit vor, Wirklichkeitssinn (die richtige Widerspiegelung der Wirklichkeit)  und Kontrolle der Wahrnehmungen waren überdurchschnittlich, auch lag die Genialität Lenins nach Vogt in seiner Fähigkeit, sich in komplizierten Situationen rasch zu orientieren und generell schnell zu handeln. Es lagen ohne Zweifel alle Voraussetzungen vor, nach dem gründlichen Studium der hegelschen Logik, diese Logik nach Marx das Geld des Geistes,  das „Kapital“  zu verstehen. Die Thematik ist jedoch umfassender als sie nur auf die individuelle Genialität Lenins zuzuleiten, es liegt die widersprüchliche Spannung zwischen der proletarischen Massenbewegung und einer Avantgardepartei vor, in der die bewußtesten und am höchsten entwickelten, intelligentesten Führer sich konzentrieren. Marx und Engels haben sich dazu im Kommunistischen Manifest dezidiert geäußert: die Kommunisten sind keine besondere Partei gegenüber den andern Arbeiterparteien, sie haben gegenüber dem Proletariat keine getrennten Interessen, sie stellen keine besonderen Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen, sie vertreten „nur“ den Internationalismus , „…sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“ 17. Der Unfehlbarkeit des genialen Führers entspräche der Slogan: Die Partei hat immer Recht, beides hat mit dem Marxismus nichts gemein, wie oft forderte Lenin Selbstkritik, und nicht zu übersehen des öfteren sein Hinweis, dass die Massen bereits weiter seien als die Partei. Es ist eine bittere Konsequenz des Personenkultes, dass bei dem Trauermarsch am aufgebahrten Stalin c.a. 1 500 Menschen auf dem zu engen Trubnajaplatz zu Tode getrampelt worden sind.

Der von Lenin als Philosoph geachtete, als Politiker kritisierte Materialist Plechanow spricht in seiner Studie: „Über die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte“ von einer gewissen optischen Täuschung, deren Opfer wir werden angesichts der großen historischen Persönlichkeiten und ihrer Bedeutung. Man beachtet nicht den Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Beziehungen und schreibt den Einzelsubjekten die ganze gesellschaftliche Kraft zu. Auch bei Marx und Engels findet man Studienmaterial zur Frage des Personenkultes, der insbesondere um den sich beweihräuchernlassenden Ferdinand Lassalle getrieben wurde. Persiflierend könnte man mit einem Bild abschließen, das Marx im „Kapital“ gezeichnet hat: den „Verein freier Menschen“, in dem sich alle Bestimmungen der Einzelarbeit eines Robinsons wiederholen, „nur gesellschaftlich statt individuell“. Aus einem Meer von roten Fahnen erhebt sich der Angebete – ein Robinson unter Massen. Personenkult und Sozialismus sind unvereinbar.



1. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, Dietz Verlag Berlin 1975, 292. Insbesondere auch: „Sowohl Marx wie ich sind von jeher gegen alle öffentlichen Demonstrationenen gewesen, die sich an einzelne Personen knüpfen, es sei denn im Fall ein großer Zweck dadurch erreicht werden kann; und am allermeisten gegen solche Demonstrationen, die sich zu unsern Lebzeiten um unsre eignen Personen drehen würden.“ (MEW 22,264).

2. Ohne Marx „wäre die Theorie heute bei weitem nicht das, was sie ist. Sie trägt daher auch mit Recht seinen Namen.“ (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgabg der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, Dietz Verlag Berlin 1975,292)

3. Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,419

4.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassichen deutschen Philosophie, Marx Engels Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975, 270

5. Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in:Marx Engels Ausgewählte Werke Band V, Dietz Verlag Berlin 1972, 97

6. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984,29

7. Es mag hier allerdings angeführt werden, was Vera Sassulitsch empfand, als sie Lenins Organisationsstatut studierte: „Für Lenin ist die Partei sein Plan, sein Wille steht im Dienste der Verwirklichung dieses Planes. Es ist die Idee Louis XIV.: L´état c´est moi – die Partei, das bin ich, Lenin !“, in: Werner Scharndorff, Moskaus permanente Säuberung, olzog verlag, München und Wien, 1964,21

8. Vergleiche Karl Marx, Marx an Ruge Köln im Mai 1843, Briefe aus den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern“, Marx Engels Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957, 339. Bertolt Brecht pflegte zu fragen, ob die großen Feldherren keine Köche bei sich hatten ? Für Treitschke waren diese uninteressant und wenn man sich mit den weltgeschichtlich hochinteressanten Personen Lenin Stalin Trotzki usw. als Historiker, besonders auch als marxistischer, beschäftigt, sollte die Brecht´sche Frage gegen die Gefahr eines (marxistischen) Treitschkismus stets präsent sein.

9.Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution; LW 24,72

10. „Man kann das Kapital von Marx und besonders das erste Kapitel nicht volständig begreifen, ohne die GANZE Logik von Hegel durchstudiert und begriffen zu haben. Folglich hat nach einem halben Jahrhundert nicht ein Marxist Marx begriffen.“ (Lenin Werke Dietz Verlag Berlin Band 38, 170)

11. Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Bnad V, Dietz Verlag Berlin 1972,97f.

12. Rousseau als Theoretiker der Kleinbourgeoisie schrieb im Gesellschaftsvertrag: „Niedrige Seelen glauben nicht an große Menschen…“ (Jean Jacques Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag Stuttgart, 1974,98). Und ein sogenannter großer Mensch ist ja dann auch als Folge der französischen Revolution quer durch Europa gezogen mit Menschen, die er seinem Kult opferte.Nach der Megakatastrophe des Russlandfeldzuges wird erst im Bulletin Nummer 29 gegenüber dem französischen Volk die Niederlage eingestanden. Legt man die Zahlen der toten Soldaten zugrunde, so hätte man mehrere europäische Großstädte gründen können, und doch endet das berüchtigte Bulletin mit der Botschaft, dass die Gesundheit seiner Majestät niemals besser gewesen sei.

13. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,191. Da der kleinbürgerliche Sozialismus die treibende Motorik des Klassenkampfes zwischen Lohnarbeit und Kapital nicht als einen Massenkampf begreift, verfällt er auf einen Geniekult, in dem sich der Progress von Natur, Gesellschaft und Denken genial widerspiegeln soll. Exemplarisch hat das der junge Marx am Fall Proudhon demonstriert. Statt eine neue Vernunft zu erfinden, die Proudhon Vernunft der Gesellschaft als Person nennt, er spricht auch von der Menschheit als Subjekt oder vom Genius der Gesellschaft oder von der Menschheit als Vernunft, die in Wirklichkeit „die individuelle Vernunft des Herrn Proudhon“ (Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin,1974,294) ist, komme es für die Proletarier darauf an, die Wissenschaft nicht mehr in ihrem Kopf zu suchen, „sie haben nur sich Rechenschaft abzulegen von dem, was sich vor ihren Augen abspielt, und sich zum Organ desselben zu machen.“ (a.a.O.,302).

14.Ein Beispiel, wie fruchtbar es sein kann, eine Autorität zu stürzen, gibt der Moskauer Agarwissenschaftler W. Wiljams. Seit Liebig glaubte man, daß sinkende Bodenfruchtbarkeit allein auf den Entzug mineralischer Substanzen zurückzuführen sei. Auch ein Wechsel der Frucht halte die Abnahme der Fruchtbarkeit nicht auf. Wiljams fand heraus, daß die Bodenbildung nicht nur das Produkt eines geografisch-klimatischen Prozesses ist, sondern auch von der Evolution und Tätigkeit lebender Organismen, besonders Pflanzen, abhängt. Er entwickelte das „Grasfeldersystem“ (travopolnaja sistema), bei dem die allgemeine Fruchtfolge durch die Aussaat mehrjähriger Gräser unterbrochen wurde. Deren biologisches Verhalten und Wurzelsystem förderte die Humusbildung und hielt die Versteppung in der UdSSR auf. (vgl. E. Buchholz: Der Kampf gegen die Dürre in der Sowjetunion, Hamburg Reinbek 1950,21)

15. Alexej Stachanow: Mein Lebensweg, Verlag Kommunistischer Texte, Münster 1975,65

16.Jochen Richter: Rasse, Elite, Pathos. Eine Chronik zur medizinischen Biografie Lenins und zur Geschichte der Elitegehirnforschung in Dokumenten, Centaurus Verlag Herbolzheim 2000, 187f.

17.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984, 36

„Schlechtwetter“ Über die bürgerliche Organisation von Nichtarbeit

12. Februar 2010

Im Krieg zwischen Lohnarbeit und Kapital kann es auf grund höherer Gewalt zu Phasen kommen, in denen die Konsumtion der Arbeitskraft durch das Kapital bei Aufrechterhaltung des Arbeitsvertrages unterbrochen ist und die Arbeiter/innen den Produktionsstätten fernbleiben. Es tritt dann der widersinnige Normalfall: Wenn der Mensch arbeitet, ist er nicht zu Hause und wenn er zu Hause ist arbeitet er nicht. 1. in einen Ausnahmezustand über: Lohnarbeit realisiert sich phasenweise nicht.

Diese Situation bleibt für das Kapital solange ungefährlich, als die Arbeiter/innen isoliert voneinander auf kleinbürgerliche Art bürgerliche Ideologie (Kapital und Lohnarbeit sind ewige fixe Kristallisationspunkte des menschlichen Arbeitsprozesses) über TV,PC 2…etc. konsumieren. Wenn schon nicht ihre Arbeitskraft konsumiert wird, so ist durch die bürgerlich monopolisierten Massenmedien dafür gesorgt, dass akollektiv ausgerichtete Massendiversifikation  stattfindet und die Produzenten in ihrer arbeitsprozessfreien Zeit nicht über gesellschaftliche Zusammenhänge, insbesondere über die von Lohnarbeit und Kapital nachdenken sollen. Auf dieser Stufe ergäbe  sich Kollektivität nur wieder nach Beendigung des Ausnahmezustandes durch den kapitalistischen Produktionsprozess in einem Ausbeutungszusammenhang. „Massenhaftes Zusammenhalten der Arbeiter ist noch nicht die Folge ihrer eigenen Vereinigung, sondern die Folge der Vereinigung der Bourgeoisie…“ 3. Über eine sogenannte Freizeitindustrie wird das massenhafte Zusammenhalten der Arbeiter/innen untergraben, denn ihr bewußtes massenhaftes Zusammenhalten wäre der Tod der kapitalistischen Gesellschaft.

Lenin lehrte uns, dass eine versklavte Klasse, die nicht danach strebt, Waffen zu ihrer eigenen Befreiung zu sammeln, nur wert ist, als Sklave be- und mißhandelt zu werden. In diesem Sinne muß die Schlechtwetterzeit ausgenutzt werden nach der Devise von Wilhelm Liebknecht: studieren – propagieren – organisieren. So nützlich das private Studium der Gewerkschafts- der Arbeitslosen-, der Arbeiter/innenbewegung und des Marxismus Leninismus ist, es fruchtet wenig, wenn die Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums dieses isoliert voneinander betreiben. Sie müssen regelmäßige periodische Zusammenkünfte organisieren um kollektiv ihr revolutionäres Wissen zu vertiefen und sich ein klares Feindbild 4. unter Herausbildung eines gesunden Klassenhasses erarbeiten. Sie müssen ihre alltäglichen Erfahrungen im kapitalistischen Produktionsprozess wissenschaftlich zusammenfassen.Hier fällt revolutionären Betriebsräten eine Aufgabe zu, bei wochenweisen Freistellungen kann ihre organisierende Tätigkeit beginnen (zum Beispiel zwei mal in der Woche Seminartage auf freiwilliger Basis). „Der dialektische Prozeß der Entwicklung bringt wirklich schon im Schoße des Kapitalismus Elemente der neuen Gesellschaft hervor, sowohl materielle als auch gesitige Elemente.“ 5.

Auch  (bzw. besser:) gerade in Schlechtwetterzeiten können zum Beispiel die streikenden Kollegen im öffentlichen Dienst unterstützt werden, die Solidarität mit den arbeitslosen Kollegen auf den Montagsdemos muß hergestellt werden  , Obdachlose müssen vor dem Tod durch Erfrieren dadurch gerettet werden, dass notfalls gewaltsam die inaktiven Produktionsstätten zu ihrem Quartier gemacht werden, auch Beschlagnahmung von Villen, die alle überflüssigen Wohnraum haben; schon hier deutet sich die Notwendigkeit einer bewaffneten proletarischen Garde an.

Es liegt auf der Hand, dass das Kapital möglichst rasch danach strebt, den durch höhere Gewalt bedingten Verlust  nach Wiedereintritt der Konsumtionsmöglichkeit von Arbeitskraft durch Erhöhung der Arbeitsintensität zunächst zu egalisieren. Das steht konträr zur Humanmedizin, die eindeutig darlegen kann, dass es der Gesundheit abträglich ist, wenn nach einer außergewöhnlichen Arbeitsunterbrechung abrupt mit Höchstleistungen eingesetzt wird, durch massenhaftes Zusamenhalten  kann auch hier eine Übergangszeit erkämpft werden, in der proportional zur Zeit der Arbeitsunterbrechung zunächst nur halbtags gearbeitet wird (bei vollem Lohnausgleich).

Das Kapital und seine sozialdemokratischen Spießgesellen können sich drehen und wenden wie sie wollen, sie können die Arbeiterklasse nicht von ihrer historisch unabwendbaren Kardinalaufgabe abbringen und ablenken: die bürgerliche Gesellschaft und die in ihr vorherrschende Organisation der Lohnarbeit mit Feuer und Schwert auszurotten und niederzubrennen, der Bürgerkrieg zwischen Lohnarbeit und Kapital, der „Bürgerkrieg in seiner fürchterlichsten Gestalt“ 6. , ist unvermeidbar. Denn das Proletariat kann sehr wohl ohne Bourgeoisie leben, nicht umgekehrt, die unproduktiven Klassen sind immer auf die produktiven angewiesen. Überhaupt hat die bürgerliche Republik den Zweck, mit der Herrschaft des Kapitals die Sklaverei der Arbeit zu verewigen. Insofern ist aber der Arbeiter durch die bürgerliche Gesellschaft unbesiegbar , „…weil seine Existenz die Bedingung ihres eigenen Lebens ist…“. 7.Unter den Fittichen des Bundesadlers verbirgt sich ein kolossaler Klassenkrieg.

Die Sozialdemokratie tritt auf Druck der Arbeiterklasse für geringfügige Verbesserungen ein,  was auch die Nazis taten,  die aber natürlich die Grundkonstellation Lohnarbeit und Kapital und deren Wechselverhältnis unberührt lassen. Da die Einteilung der Menschen in lohnabhängige Untermenschen und kapitalistische Herrenmenschen ein bzw. der fundamentale Bestandteil sozialdemokratischer Ideologie ist, nimmt es nicht wunder, dass gerade der kleinbürgerlich-spießige Antikommunismus fanatischte Züge annehmen kann. „Und niemand fanatisierte sich mehr gegen die angeblichen Machinationen der Kommunisten als der Kleinbürger…“ 8. Für die Sozialdemokratie ist der Kommunismus eine Weltpest und der Marxismus Leninismus, um es mit den Worten von Goebbels zu sagen, eine „teuflische Anschauung,“ 9. Die SPD muss vernichtet werden. „Was ist erforderlich, damit die Proletarier…siegen können ? Vor allem Glauben an die eigene Kraft, das Bewußtsein, dass die Arbeiterklasse ohne die Bourgeoisie auskommen kann, dass die Arbeiterklasse fähig ist, nicht nur das Alte niederzureißen, sondern auch Neues zu erbauen, den Sozialismus zu errichten. Die ganze Arbeit der Sozialdemokratie besteht darin, den Arbeitern Skeptizismus, Unglauben an die eigene Kraft, Unglauben an die Möglichkeit einzuflößen, mittels Gewalt den Sieg über die Bourgeoisie zu erringen.“ 10. Ein Musterbeispiel sozialdemokratischer intellektueller Verwahrlosung findet man in dem neuesten Buch der SPD Generalsekretärin Andrea Nahles: „Frau gläubig links“ (Pattloch Verlag 2009), in dem die gläubige Katholikin als Basis ihres politischen Engagements die „Axiome“ setzt: es gibt immer Arme und immer Einkommensuterschiede. Sie hat ganz offensichtlich weder die Bibel noch „Das Kapital“ verstanden. 147 Jahre habe die SPD einen erfolgreichen Deal mit dem Kapital betrieben zum Wohle der kleinen Leute. Nun hat aber Marx das Kapital nicht geschrieben, damit eine Andrea Nahles mit ihm dealt, sondern damit die Arbeiterklasse es überwindet.

1. Vgl. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, Felix Meiner Verlag Hamburg 2005,59

2.Die modernen Kommunikationsmittel können aber umgekehrt auch sehr fruchtbar für den gesellschaftlichen Fortschritt sein: Kommunismus ist Rätemacht plus Internetisierung des ganzen Landes.

3.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984, 25

4. Für die wirklichen kommunistischen Revolutionäre bleibt der Satz von August Bebel gesprochen auf dem Dresdner Parteitag 1903 unvergessen: „Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen.“ Wie oft hat die SPD Bebel auf das Schändlichste verraten! Die Chronik der Verrätereien würde ganze Bücher füllen.

5.Lenin, Das letzte Wort der „iskristischen“ Taktik, LW 9,370

6. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin,138. Diese tiefste Revolution in der Geschichte der Menschheit muss natürlich den Terror als Volksjustiz auf die Tagesordnung setzen. „Weit entfernt, den sogenannten Excessen, den Exempeln der Volksrache an verhaßten Individuen oder öffentlichen Gebäuden, an die sich nur gehässige Erinnerungen knüpfen, entgegen zu treten, muß man diese Exempel nicht nur dulden, sondern ihre Leitung selbst in die Hand nehmen.“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde an den Bund der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin, 1977, 259) Es gibt in der deutschen Geschichte diesbezüglich Ruhmesblätter, angefangen mit der Schleifung der Marienkapelle zu Mellerbach bei Allstedt 1525 im deutschen Bauernkrieg, auf dem letzten steht der Name: RAF !

7.Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,139

8.a.a.O., 134

9.Sportpalastrede des Reichsministers Dr. Goebbels vom 18. Februar 1943, in: Joachim Wieder: Stalingrad, Büchergilde Gutenberg 1963, 329

10. J.W. Stalin, Der XIV. Parteitag der KPdSU (B), Stalin Werke Band 7, Dietz Verlag Berlin 1952,304

Andrea Nahles…mein zweiter Name ist Maria…da weitere Verwahrlosung droht

1. Februar 2010

„Und die SPD muß wieder Demokratie wagen…“ 1.

„Jeder für sich, Gott für uns alle“ ist eine bei Lehrern beliebte  Floskel, um dem Abschreiben bei Klassenarbeiten vorzubeugen. Im Pattloch Verlag erschien Ende 2009 ein Buch der amtierenden Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles, das einem wie eine Sammlung von Schulaufsätzen vorkommt: „Frau, gläubig, links. Was mir wichtig ist.“ Schon im Vorwort beginnt die Tochter eines Maurermeisters mit einem dicken Patzer, indem sie dem deutschen Volk aufschwatzen will: wir brauchen Parteien. „Für mich jedenfalls gehören die Parteien nach wie vor zu den wichtigsten Instrumenten des Wandels.“ 2. Mann/Frau fragt sich natürlich zu welchem Wandel ?  Schon mit ihrer Ausgangslage, dass Parteien existieren müssen, bindet sie sich so fest an den Kapitalismus, der dann auch im ganzen Buch in keiner Weise in Frage gestellt wird. Rein logisch ist zunächst zu fragen, inwiefern denn reaktionäre, faschistische und konservativ-beharrende Parteien welchen Wandel fördern ? Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass in der heutigen spätkapitalistischen Gesellschaft die Volksmassen in Klassen geteilt sind, und dass diese Klassen von Parteien geführt, die wiederum von den intelligentesten und autoritativsten Politikern geführt werden. 3. Und im Wandel von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaft hebt die revolutionäre Arbeiterpartei durch die Volksmassen die Klassen, damit die Parteien und auch sich selbst auf. Die ideologische Akzeptanz einer Parteienpluralität durch die Arbeiterklasse käme einer Verewigung ihrer ökonomischen Knechtschaft gleich. Die dialektische Anlage zur Selbstnegation ist denn auch das Schiboleth, an dem sich revolutionäre und konterrevolutionäre Parteien scheiden.

Der Ansatz von Andrea Nahles, die in Bonn neben Germanistik allerdings Politikwissenschaft studiert hat, ist ein subjektivistischer, wie denn überhaupt alle kleinbürgerlichen Parteien stets einen solchen haben: der Mensch, ja der Mensch. „…weil ich glaube (!!), dass wir den Schlüssel zu einer guten Gesellschaft nur(!!) in uns selbst finden können.“ 4. Glauben ist eine Sache, Gesellschaftswissenschaft eine andere. Die Gesellschaft entwickelt sich bekanntlich nach den drei dialektischen Grundgesetzen: Einheit und Kampf der Gegensätze (Bourgeoisie/ Proletariat), Umschlag von Quantität in Qualität, Abbrechen der Allmählichkeit, revolutionäre Sprünge und Negation der Negation (staatenlose Urgesellschaft, Gesellschaften, die auf verschiedenen Formen des Privateigentums an Produktionsmitteln beruhen, und Sozialismus/Kommunismus). Bei der adialektischen Betrachtungsweise der Bewegung  “ bleibt die Selbstbewegung, ihre treibende Kraft, ihre Quelle, ihr Motiv im Dunkel (oder diese Quelle wird nach außen verlegt – Gott, Subjekt etc.)“ 5. Da nun Andrea Nahles obendrein noch gläubig ist, bedankt sich die Arbeiterklasse für diesen himmlischen Schlüssel, für diese himmlische Segnung.  Der Kleinbürger macht gerade vor der objektiven Dialektik der Selbstbewegung halt und verfällt in Subjektivismus, aus dem heraus er den Widerspruch vergöttlicht. (Was Marx schon bei Proudhon feststellte).  „Die ersten Sätze des Godesberger Programms üben auf mich wie auf Hunderttausende andere Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nach wie vor eine starke Anziehungskraft aus: „Das ist der Widerspruch unserer Zeit, dass der Mensch die Urkraft des Atoms entfesselte und sich jetzt vor den Folgen fürchtet…“ 5. Und so geht es im Godesberger Programm weiter:,,,dass der Mensch. dass der Mensch…Auch im am 20. Dezember 1989 verabschiedeten Berliner Grundsatzprogramm der SPD findet Nahles das schönste Bekenntnis zur Demokratie, das ihr „…in der sonst ja oft drögen politischen Sprache jemals begegnet ist: Der Mensch weder zum Guten noch zum Bösen festgelegt, ist lernfähig und vernunftfähig. Daher ist Demokratie möglich…“ Das alles ist mehr als erbärmlich und ein Armutszeugnis 6., nicht der Mensch macht Geschichte, oder soganannte große Männer und Frauen, sondern die Volksmassen, die Volksklassen und die treibende Kraft ist die Arbeiterklasse. Andrea Nahles geht als gläubige Katholikin noch heute regelmäßig in die Kirche und in der Onanie inniger Gebete kommt es dann wohl zu diesen abstrusen weltfremden Gedankenergüssen.7. Hegel führt in der Vorrede zur Rechtsphilosophie aus, dass man von der Natur zugebe, dass Gesetze in ihr regieren, dass man aber über die Gesellschaft, so wie man gerade gehe und stehe, den Stein der Weisen schon in der Tasche habe 8….und, fügen wir hinzu, den Schlüssel in sich. Der sozialdemokratische Revisionismus kommt immer wieder auf die anthropologische Fragestellung Kants zurück: Kant gab dem Philosophieren vier Fragen vor: Was kann ich wissen ? Was darf ich tun ? Was soll ich hoffen ? Und in unserer Fragestellung vor allem: Was ist der Mensch ? Da liege ja der Schlüssel, würde Andrea Nahles sagen. Rainer Blasius begeht in seiner sehr oberflächlichen Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1. 2010 (9.) den Fehler, den subjektivistischen Ansatz von Nahles nicht zu erkennen, so sagt er zwar einerseits ganz richtig, sie verbreite allgemeine Botschaften („Die Menschen wollen Sinn und nicht Spin“ 10.), findet aber gerade die biografischen Einblicke interessant, die sie gibt. Nicht darum geht es, sondern um ihre christlich-linkssozialdemokratische Botschaft, dass es immer Arme geben werde und dass es immer Einkommensunterschiede geben soll. Das sehen die Armen natürlich ganz anders. Unter der Diktatur der Arbeiterklasse herrscht gleicher Arbeitszwang für alle 11. und zur Besserung gehört die Generalsekretärin der SPD in ein Arbeitskollektiv, damit sie zur Lösung gesellschaftswissenschaftlicher Schlüsselfragen gelangt. Der Aktenvermerk müßte lauten: …da weitere (subjektivistische) Verwahrlosung droht.

Diese intellektuelle Verwahrlosung wird nun gerade auch und besonders im Kapitel: „Von der Würde der Arbeit“ sichtbar. Mit dem Slogan „Gute Arbeit für guten Lohn“ ging schon der frühere Arbeitsminister Olaf Scholz im letzten Bundestagswahlkampf betteln und hausieren. Nahles bekundet zunächst, daß das Wissen um den Wert der Arbeit „….tief in mir verwurzelt ist.“ 12. Aber ist dieses Wissen auch richtig ? Wissenschaftlich richtig muß es heißen: Wert der Arbeitskraft, aber das nur nebenbei. Selbstkritisch gibt sie zu, daß sich Sozialdemokraten zu wenig um die Bedingungen kümmern, „…unter denen die Menschen tagtäglich ihr Brot verdienen.“ 13. Ja was mögen denn das für Bedingungen sein !? Sie zitiert das Hamburger Programm der SPD: „Arbeit gehört zum menschenwürdigen Leben, aber sie muß auch menschenwürdig sein. (soweit das Programm/H.A…ja hier kreist der abstrakte Mensch wieder in sich.) Weiter sagt sie: „Schlichter als im Hamburger Programm kann man es nicht ausdrücken.“ 14. Ja, das ist schlicht und ergreifend —falsch !!, denn menschenwürdige Arbeit kann es unter kapitalistischen Bedingungen nicht geben. Wie alle kryptofaschistischen Parteien huldigt auch die SPD einem Kult der Arbeit und der Disziplin, der ideologisch das Privateigentum an Produktionsmitteln zementiert. Marx sah diesen Fehler schon im Gothaer Programm von 1875, die SPD hat also 135 Jahre !!! Zeit gehabt, den Fehler zu korrigieren. Im Gothaer Programm lag eine abstrakte Trennung von menschlicher Arbeitskraft und den kapitalistischen Bedingungen ihrer Anwendung vor, dass nämlich die Arbeiter/innen außer ihren eigenen Arbeitskräften kein Eigentum an den Produktionsbedingungen besitzen: „…denn gerade aus der Naturbedingtheit der Arbeit folgt, daß der Mensch, der kein anderes Eigentum besitzt als seine Arbeitskraft, in allen Gesellschafts- und Kulturzuständen der Sklave der anderen Menschen sein muß, die sich zu Eigentümern der gegenständlichen Arbeitsbedingungen gemacht haben. Er kann nur mit ihrer Erlaubnis arbeiten, also nur mit ihrer Erlaubnis leben.“15. Aus dem kleinbürgerlich verkürzten Arbeitsbegriff der SPD resultieren dann alle schlichten Fehler, die Nahles naiv aneinanderreiht: „Arbeit öffnet dem Einzelnen (nanu ? gibt es keine Arbeiterklasse ? /H.A.) die Türen zur vollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“ 16..muß heißen: zur lohnabhängigen Teilnahme am kapitalistischen Ausbeutungsprozess.  „Arbeit …ermöglicht den Wohlstand unserer (!?) Gesellschaft.“ 17…muß heißen: den ständig steigenden Wohlstand der kapitalistischen Klasse. Oder hat sich die menschgewordene Jesuitin (siehe Anmerkung 7) nicht mit der Weisheit des Volksmundes beschäftigt, dass die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden ? „Für mich heißt das Ziel nach wie vor Vollbeschäftigung.“ 18.Das ist aber nicht das Ziel der Arbeiterbewegung, sondern die volle Emanzipation der Arbeitskraft von ihrem Warencharakter, wie Engels im Anti-Dühring schrieb.19. Man muß Frau Nahles aber auch dankbar sein für dieses Buch, ich halte es für ein Musterbeispiel, wie sich die SPD als Arzt am Krankenbett des Kapitalisten profilieren möchte. Sie wolle für die gesellschaftliche Integration durch Arbeit, die bekanntlich frei macht,  kämpfen, also den Lohnsklaven bis zur Vergasung an das kranke marode krisengeschüttelte kapitalistische System binden. Man muß auch immer fragen: wo hinein soll denn integriert werden ? Ein staatliches Basiseinkommen lehne sie ab, stattdessen plädiere sie für eine Neubestimmung des Sozialstaates,“…der individuelle Erwerbsbiografien partnerschaftlich begleitet..“20. Über das Wesen des Staates ist von und über Aristoteles, Platon, Hobbes, Kant, Hegel, Marx und Lenin…u.a.  viel Tiefsinniges geschrieben worden, aber noch keine/r kam auf die Naivität, ihn als Partner zu bezeichnen. Das ist ja gerade die Tragik in der Antigone von Sophokles.  Die lesenden Arbeiter und Arbeiterinnen, die lesenden Bauern und Bäuerinnen, letztere läßt Nahles in gut menschewistischer Tradition außer Acht, finden bei Karl Marx die zentrale Deutung des neuzeitlichen bürokratischen Staates als eines nationalen Kriegswerkzeugs des Kapitals gegen die Arbeit 21…oder ist etwa nicht wahr, dass die Ermordung der Arbeiterführer Liebknecht und Luxemburg durch die Reichswehr nur mit partnerschaftlicher Beihilfe der Berliner SPD erfolgen konnte…oder ist etwa nicht wahr, daß die SPD durch ein von „Genosse“ Hörsing 1921 organisiertes Polizeimassaker  der Ermordung von über 150 Leuna Arbeitern präsidierte (die unter der Parole kämpften: „Dass unsere Wohnstätte kein Gelände der Konterrevolution wird)…oder ist etwa nicht wahr, dass der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin Zörrgibel 1929 partnerschaftlich auf eine unbewaffnete 1.Mai Demonstration schießen ließ mit über 30 Toten und Hunderte Verletzte…oder ist etwa nicht wahr, dass unter der Federführung des von Nahles angehimmelten Willy Brandt Zehntausende von fortschrittlichen Lehrern partnerschaftlich unter das Berufsverbot gesetzt wurden, also erst gar keine Erwerbsbiografie beginnen konnten, damit mittelalterliche Dunkelmänner in den Schulen weiterhin Minderjährige geistig verführen. Als Nazikolonnen am 31. Januar 1933 triumphierend durch das Brandenburger Tor marschierten, sagte der Maler Max Liebermann: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen muß. Das Gleiche stößt einem bei der Lektüre des hier besprochenen Buches auf. Die SPD hat so viele Stimmen eingebüßt, weil die arbeitenden, lesenden und denkenden Menschen immer mehr mit ihrer Vernunft erkennen, wessen Partner die SPD ist.  „Durch Verführtsein von dem Zeitgeist / Waldursprünglich Sansculotte / Sehr schlecht tanzend, doch Gesinnung…Kein Talent, doch ein Charakter.“ Heinrich Heine: Atta Troll Kaputt 24″.
Läßt man ihre Aussage Revue passieren, sie sei  Christin gewesen, bevor sie Sozialdemokratin geworden sei, so drängt sich einem ja völlig von selbst die Vermutung auf, dass sie sich in ihrem 20 semestrigen Politikstudium wohl mehr mit den Kirchenvätern Thomas von Aquin und Augustinus als mit Marx und Engels beschäftigt habe. „Den Seinen  gibt er´s schlafend, ist auf die Wissenschaft angewendet worden, und damit hat jeder Schlafende sich zu den Seinen gezählt, was er so im Schlafe der Begriffe bekommen, war denn freilich auch Ware danach.“ 22. Hegel sprach in diesem Zusammenhang vom „Brei des Herzens“ , vom einfachen Hausmittel des Gefühls.23. ( Ein ähnlich übles Machwerk ist das Buch von Oskar Lafontaine: Mein Herz schlägt links).In ihrer Analyse über das schlechte Wahlergebnis der SPD kommt Genossin Nahles zu dem Schluß, die SPD habe es zwischen 2003 und 2005 versäumt, die Menschen im Lande emotional anzusprechen. „Der amerikanische Psychologe Drew Westen bringt es auf den Punkt: Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“ 24. Wenn man den Schlußsatz  der Schrift von Friedrich Engels: „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“ bedenkt, dass die deutsche Arbeiterbewegung die Erbin der deutschen klassischen Philosophie sei 25. , so bringt die Bezugnahme auf einen dahergelaufenen us-amerikanischen Psychologen einmal mehr die intellektuelle Verwahrlosung der Frau Nahles auf den Punkt. Um nun sogleich in einem us-amerikanischen Slang zu bleiben, so sieht und begreift Nahles die SPD und sich als Dealerin mit dem Kapital, 147 Jahre habe die SPD mit dem Kapital einen erfolgreichen Deal betrieben zum Ausgleich und zum Wohl der kleinen Leute. Zum Wohl der kleinen Leute ? Durch diesen Deal ist doch Deutschland zweimal zum Ausgangspunkt eines Weltkrieges geworden zum Wohl von über 80 Millionen Toten. 1914 wurde mit Ausnahme von Karl Liebknecht mit dem Kapital um die Kriegskredite gedealt mit sehr großem Erfolg für das Kapital und es ist in der historischen Forschung ausgemacht, dass die Ergebnisse des ersten Weltkrieges bereits den Keim des zweiten in sich trugen. Bereits im März 1850 warnten Marx und Engels in der Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten, dass die demokratischen Kleinbürger den Arbeitern weit gefährlicher seien als  die liberalen Bourgeois von 1848 und dass eines ihrer Hauptanliegen die „Vertuschung des Klassenkampfes“ sei.26. Bei dem Deal der SPD mit dem Kapital, sprich: bei deren Arschkriecherei,  ist für die Werktätigen dann immer auch nur A.Nahles herausgekommen.

In ihrem Buch präsentiert sich Andrea einmal  als sozialdemokratische Barbiepuppe (….daß auch der Konsum von TV-Seifenopern den Menschen dabei helfe, „….sich in der Gesellschaft zu orientieren…und letztlich ihr individuelles Verhalten an den Normen einer gut funktionierenden Gesellschaft auszurichten.“ 27. – der Leser, der es nicht glaubt, schaue bitte auf S. 85 !! -), also liegt der Schlüssel zu einer guten Gesellschaft dann doch nicht nur in uns, sondern auch in Seifenopern. Dann aber auch wieder als Politikerin mit einem philosophischen Anspruch  und bekennt sich in dieser Hinsicht eindeutig zur Aufklärung, was nach dem Lob für Seifenopern aber nicht weit her sein kann. „Zurück zu Kant“ war und ist die Devise des Revisionismus und auch hier wieder ein Danke schön für die Offenherzigkeit: „Aus gutem Grund bin ich Sozialdemokratin und nicht Kommunistin. Mir liegt der aufklärerische Begriff der Emanzipation von selbstverschuldeter Unmündigkeit näher als die Idee einer kollektiven Zwangsbeglückung. Für mich ist das Anliegen der Aufklärung die Grundlage moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten.“ 28. Stellenweise fast wörtlich angelehnt an die Aufklärungsschrift von Kant aus dem Jahre 1783. Indeß ist fraglich, ob die katzenbuckelnde Haltung Kants gegenüber der Obrigkeit, der man bei Strafe 29. gehorchen muß, wirklich als Vorbild für Demokraten zu werten ist. Kant sah sich sehr vor, an dem Mechanismus von  Befehl und Gehorsam überhaupt zu rühren, der Bürger, der Offizier…usw. könne aber nach Dienstschluß als Feierabendphilosoph und Mitglied der weltbürgerlichen Gesellschaft  in Aufsätzen für Fachzeitschriften Verbesserungsvorschläge machen, wie ein Gelehrter, „…der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet.“ 30. Diese biedere Grundhaltung ist doch sehr angenehm für unsere sozialdemokratischen Käuzchen. Für Kant war die bürgerliche Republik ein Postulat der praktischen Vernunft, das man nie erreichen wird, das man aber als Ziel anstreben und in der Gesinnung festhalten soll.  31. Marx und Engels wiesen uns stets darauf hin, dass die Arbeiterklasse organisiert und bewaffnet sein müsse. „Die Bewaffnung des ganzen Proletariates mit Flinten, Büchsen, Geschützen und Munition muß sofort durchgesetzt, die Wiederbelebung  der alten, gegen die Arbeiter gerichteten, Bürgerwehr muß entgegengetreten werden.“ 32. Das ist die Grundlage „moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten“.

Wenn, wie hier, der seltene Fall vorliegt, dass eine Politikerin 20 Semester Politikwissenschaft im universitären Ghetto studiert hat, so erstaunt es schon, dass Blasius in seiner Buchbesprechung vom 11.1. 2010 in der FAZ nicht auf den Politikbegriff von Nahles eingeht, den sie durch ihr demokratisches Menschenbild geprägt sieht. Demokratisches Menschenbild ? Da haben wir wieder die Unfähigkeit, politische Zusammenhänge in Massen und Klassen zu denken.  Marx und Engels bemerkten in der „Heiligen Familie“, dass es sich nicht darum handele, was der einzelne Proletarier einstweilen denkt, sondern was das ganze Proletariat als Klasse gezwungen sein wird zu tun. Wieder ein fundamentaler sozialdemokratischer Fehler: Politik an ein Menschenbild zu koppeln und damit Politik als anthropologische Konstante zu kristallisieren frei nach dem Motto: wo Menschen sind gibt es auch Politik. Denkt man die Hauptlosung selbst der bürgerlichen Revolution: „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“ zu Ende, so ist diese im Kern politikfrei. „Alles fließt“, hinterließ der griechische Philosoph Heraklit der Nachwelt und so ist auch Politik, der zu keiner Zeit irgendein Menschenbild zugrunde lag, sondern die ökonomische Unterdrückung von Klassen durch Klassen, etwas historisch Vorübergehendes. Lenin lehrte uns, dass mit dem Staat auch die Demokratie abstirbt. Durch seinen ersten Manchesteraufenthalt (1842 – 1844) erkannte Friedrich Engels, dass Politik als etwas von der Ökonomie Ableitbares begriffen werden muss. Marx entwickelte diesen Gedanken weiter und schrieb der Politik im proletarischen Emanzipationskampf nur noch eine Sekundanzfunktion zu: „Die Revolution überhaupt, der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg.“ 33. Dieses Fortschleudern der Politik muß im marxistischen Bewußtsein immer präsent sein, sonst bekommen wir diese sozialdemokratischen Politschmarotzer nie vom Halse mit ihren Kathederweisheiten: „Jede Form von Politik ist geprägt durch das Menschenbild ihrer Akteure. In Demokratien ist es das Leitbild des rational handelnden, die Alternativen prüfenden und schließlich abwägend entscheidenden Staatsbürgers, das die Politik bestimmen sollte.“ 34. Je nach Bedarf scheint die Politikerin Nahles vor der Alternative zu stehen: rational handelnder Staatsbürger oder der Weisheit des us-amerikanischen Psychologen Drew Westen folgend: „Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“35. Des weiteren schreibt sie, daß Gott verrückt sei. Dann aber sind rational denkende Atheisten am besten geeignet zur Demokratie…usw…usf. Vor allem verbreitet sie auch über ihre Vertuschung des Klassenkampfes Illusionen über  eine Potenz der Politik, wirtschaftliche Prozesse nach ihren Vorgaben zu steuern, sie meint dieses natürlich nicht im Sinne einer sozialistischen Planwirtschaft. Diese angebliche Fähigkeit der Politik ist besonders in Wahlkämpfen ein sehr beliebtes Gaukelbild zum Stimmen- und Dummenfang. In einem kapitalistischen Staatshaushalt kommt es notwendig zur Staatsverschuldung, „…und mit der Staatsverschuldung nothwendig die Herrschaft des Staatsschuldenhandels, der Staatsgläubiger, der Bankiers, der Geldhändler, der Börsenwölfe.“ 36.

1. Andrea Nahles, Frau gläubig links, Pattloch Verlag 2009,236

2.a.a.O.,8

3.Vgl. W.I.Lenin, Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Progress Verlag Moskau 1975,582

4.Nahles.a.a.O.,8

5.Lenin, Zur Frage der Dialektik, Lenin Werke Band 38, 338f.

6. In diesem Zusammenhang ist auch die Kritik Marxens an Feuerbach interessant: Feuerbach bedenkt nicht, „…daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.“ (Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,7)

7. „Immer wenn ich von meinen täglichen politischen Auseinandersetzungen in eine Kirche komme oder bete, wird so einiges in meinem Kopf und in meiner Seele wieder gerade gerückt“ (S.103) Da haben wir die Jeanne d´Arc der SPD… und in der Tat muß einiges gerade gerückt werden: Schon rührend ist die Entblößung, wie sie zu ihrem gesellschaftlichen Engagement gekommen sei: durch einen Satz des früheren Bischofs von Limburg Franz Kamphaus: „Mache es wie Jesus, werde Mensch !“  August Bebel hatte tausend mal Recht mit seiner Aussage: „…jeder Religionslehrer ist ein Feind des wahren Fortschritts der Menschheit, er ist gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen, das ausgerottet werden muß.“  (August Bebel: Die moderne Kultur ist eine antichristliche, Alibri Verlag 2007,61) Die Dialektik der Geschichte hat nun diesen Verlauf genommen, daß heute die GESAMTE SPD gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen ist, das ausgerottet werden muß. Diese Versumpfung der deutschen Sozialdemokratie hatte schon Engels gegen Ende des 19.  Jahrhunderts festgestellt, als die Formel: „Erklärung der Religion zur Privatsache“ völlig verräterisch auch auf die Partei des revolutionären Proletariats ausgedehnt wurde. (Siehe seine Einleitung zum Bürgerkrieg in Frankreich). Die Partei verzichtete damit nach Lenin auf den Kampf gegen das volksverdummende Opium Religion. (Siehe Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960, 464)

8.Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorrede zur Rechtsphilosophie, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Bd. 7, Frankfurt am Main 1970, 15f. Dies gilt auch für „Marxisten“, die den Sozialismus nicht wie eine Wissenschaft studieren wollen, die meinen, es genüge sich zu bekennen. Brecht sagte, der Kommunismus ist das Einfache, das so schwierig zu machen sei.

9.Rainer Blasius: Maria hilft, Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1.2010.S.6

10. Nahles, a.a.O.,45

11.Marx Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983, 69

12.Nahles,S.54

13.a.a.O.,58

14.a.a.O.

15.Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1953, 11

16. Nahles,58

17.a.a.O.

18.a.a.O.,62

19. Vgl. Friedrich Engels, Anti-Dühring, in: Marx,Engels: Ausgewählte Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin 1972,221

20. Nahles,a.a.O.,66

21. Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, MEAW, Progress Verlag Moskau 1975,300

22. G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, Vorrede, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Band 7, Frankfurt am Main 1970, 18

23.a.a.O.,19

24.Nahles,a,a,O.,45

25.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21,307

26. Vgl. Karl Marx/Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in MEGA I,10. Dietz Verlag Berlin 1977, 254 ff. „Es kann sich für uns nicht um eine Veränderung des Privateigenthums handeln, sondern um seine Vernichtung, nicht um die Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um die Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um der Gründung einer neuen.“(S.258) Ein Musterbeispiel für die Vertuschung des Klassenkampfes findet der Leser auf S. 95: Der illegalen Bespitzelung der Arbeiter/innen durch die Kapitalisten will sie was entgegensetzen ? Nicht etwa die Bestrafung der Kapitalisten, sondern: wir müssen die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Sozialdemokratin möchte ich sehen, die bei Straftaten von Arbeiter/innen ebenfalls sagt: nicht bestrafen, sondern die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Kapitalisten haben völlige Straffreiheit, denn sie sind ja in der gesamtgesellschaftlichen Solidarität auch mit eingeschlossen. Die Vertuschung des Klassenkampfes durch Andrea Nahles läuft darauf hinaus, die Kapitalisten außerhalb des Gesetzes zu stellen. Asoziales ergänzt sich zu Asozialem.

27. Nahles, a.a.O., 85

28. a.a.O.,81

29. „…sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal  (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte) bestraft werden.“ Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung ?, in: Was ist Aufklärung, Reclam Verlag  Stuttgart 2008, 12

30. a.a.O.

31. Vgl. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,180

32. Karl Marx, Friedrich Engels, Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin, 1977,260

33.Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1,409

34. A. Nahles, a.a.O., 82

35.a.a.O., 45

36. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin, 1977,181

Andrea Nahles erwarb nach 20 Semestern Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm Universität in Bonn bei Professor Jürgen Fohrmann ihre Magistra artium. (Meisterin der freien Künste). Aber auch diese Meisterinnen sollten sich  an eine gewisse Disziplin des Denkens gebunden fühlen.

Heinz Ahlreip, 1.2.2010

„…es wimmelt von Schwindeleien.“ Zum Tod von Paul Samuelson

10. Januar 2010

Am 13. Dezember 2009 verstarb in Belmont/ Massachusetts der us-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Paul Samuelson, der der zweite Träger des Wirtschaftsnobelpreises war (1970). Er war der Popularisierer Keynes und die Frankfurter Allgmeine Zeitung würdigte ihn als den letzten Generalisten. (1.)

Geboren wurde Samuelson am 15. Mai 1915 als Sohn eines Apothekers in Gary, einer Industriestadt im Bundesstaat Indiana nicht weit entfernt von Chicago. Prägend wurde für ihn der Zusammenbruch der örtlichen Stahlindustrie nach dem „Black Friday“ 1929, auf den hohe Massenarbeitslosigkeit und das Elend der Großen Depression folgte.

An der Universität von Chicago hörte er Vorlesungen der namhaften Professoren Knight, Viner und Simons, die alle einen uneingeschränkten Wirtschaftsliberalismus vertraten, Samuelson aber war der Überzeugung, dass der Staat viel mehr regulieren müsse. Da erschien 1936 J.M. Keynes „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“, die auch als die „Keynsche Revolution“ bezeichnet wird. Die Aufgabe, das Volumen der Investitionen zu steuern, kann nicht in privaten Händen gelassen werden, er forderte eine zahme indirekte geld- und fiskalpolitische Globalsteuerung der Investitionen und der Konsumgüternachfrage. Der Staat solle Anreize und Belastungen geben (zum Beispiel über Steuern), die Unternehmer aber nicht direkt zu einer bestimmten Verhaltensweise verpflichten. 2. Das läßt natürlich die Grundpfeiler der kapitalistischen Ausbeuterordnung unangetastet. die ja eben zu der schweren Depression geführt hat. Marx und Engels sprachen 1848 im Manifest von despotischen Eingriffen in das Eigentumsrecht und in die bürgerlichen Produktionsverhältnisse, „…durch Maßregeln also, die ökonomisch unzureichend und unhaltbar erscheinen, die aber im Lauf der Bewegung über sich selbst hinaustreiben und als Mittel der Umwälzung der ganzen Produktionsweise unvermeidlich sind.“ 3.

Aber Samuelson folgte nicht diesen Ausführungen von Marx und Engels, sondern der Lehre von Keynes, obwohl er feststellte, dass seine Theorie von Schwindeleien wimmele. 4. So werden Nobelpreise anvisiert. Er erkannte, dass mit der populärwissenschaftlichen Darstellung der Keynschen Theorie viele Dollars zu machen sind und verfasste daraufhin das Buch „Economics“.  „Nicht nur begründete dieses Lehrbuch Samuelsons (populär-)wissenschaftlichen Ruhm, es machte ihn auch reich. Er ging zum Verlag McGraw-Hill…und sagte: Die ersten 100 000 Exemplare könnt ihr ohne Honorar verkaufen; von allem, was darüber hinausgeht, bekomme ich 20 Prozent. Das war sehr viel für Autoren.“ 5. Die Tantiemen flossen reichlich und wie sein Ziehvater Keynes spekulierte er – sozusagen als Fachmann – erfolgreich an der Börse. Er war längst ein gemachter Mann. als er John F. Kennedy private Nachhilfestunden in Ökonomie erteilte.

Die Grundpfeiler der kapitalistischen Gesellschaft und der mit ihr verbundenen Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft blieben aber immer sakrosant, es ging ihm in seinen wissenschaftlichen Studien, um ein Wort Rousseaus abzuwandeln, um seine eigene Glückseligkeit, nicht um das Wohl aller. „Wo die bürgerlichen Ökonomen ein Verhältnis von Dingen sahen (Austausch von Ware gegen Ware). dort enthüllte Marx ein Verhältnis von Menschen.“  6.  „Diejenigen, welche so glücklich sind, sich wissenschaftlichen Zwecken widmen zu können, sollen auch die ersten sein, welche ihre Kenntnisse in den Dienst der Menschheit stellen. – Für die Welt arbeiten, war einer seiner Lieblingsaussprüche.“ 7.

1. Der letzte Generalist, Zum Tode des Nobelpreisträgers Paul Samuelson, einer prägenden Gestalt der Wirtschaftswissenschaften des zwanzigsten Jahrhunderts, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2009,12

2. Keynes blieb auf einem wirtschaftsliberalen Fundament mit einer Prise staatlichen Managements. Zwar sprach er sich, der die Goldwährung als barbarisches Relikt bezeichnete, für feste Wechselkurse aus, die aber bei wirtschaftlichen Notwendigkeiten durchaus flexibilsierbar waren. Im Namen der britischen Finanzoligarchie erhob er seine Anklage gegen den US-Imperialismus und kritisierte, dass die Außenhandelsüberschüsse der USA in Form von Goldbarren in Fort Knox unter der Erde verschwanden. Außenhandelsüberschüsse müßten zum Kauf  von Waren in einem anderen Land ausgegeben werden.

3.Marx/Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984, 50

4.Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2009,12. Wörtlich sagte Samuelson: Keynes Buch sei zwar „…arrogant, übelgelaunt, polemisch, es wimmelt von “ Schwindeleien und Verirrungen…Doch um es kurz zu machen: Es ist das Werk eines Genies.“ Wie ganz anders Marx: „Es ist manchmal, als glaubten diese Herren, es sei alles gut genug für die Arbeiter. Wenn diese Herren wüßten, wie Marx seine besten Sachen noch immer nicht gut genug für die Arbeiter hielt, wie er es als ein Verbrechen ansah, den Arbeitern etwas Geringeres als das Allerbeste zu bieten !“ (M. Glasser,A. Primakowski,B. Jakowlew: Studieren, Propagieren, Organisieren, Drei Texte zu den Arbeitsmethoden von Marx, Engels, Lenin und Stalin, Verlag Olga Benario und Herbert Baum,2001,16f.)

5.a.a.O.

6.Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, in: Lenin, Über Hegelsche Dialektik, Ausgewählte Texte, Reclam Leipzig 1986,12.

7. Paul Lafargue, Erinnerungen an Karl Marx,150

Aus der Tätigkeit des Volkskommissars Feliks Dzierzynski

1. Dezember 2009

Zwischen 1921 und 1924 gab es auf dem Gebiet der russischen Sowjets grosse Transportprobleme, Lenins Partei stellte den Genossen  Dzierzynski an die Spitze des Volkskommissariats für Verkehrswesen.

Abgesehen davon, daß es 1921 in weiten Gebieten eine Mißernte und eine Brennstoffkrise gab, Loks wurden mit Torf geheizt, und der technische Standard selbstredend sehr niedrig war, hatte der Bürgerkrieg zirka 80 Prozent des Eisenbahnnetzes zerstört, galt es, 4000 Eisenbahnbrücken, 59 Prozent der Loks und 23 Prozent der Waggons instand zu setzen. Der Vorsitzende der staatlichen Plankommission, Gleb M. Krshishanowski (1872 – 1959) sprach von „…regelrechten Friedhöfen zerstörter Waggons und Loks“. 1. Der Güterumschlag betrug 1920 nur 27,8 Prozent gegenüber 1913, es wurden nur 61 Loks und 129 Waggons gebaut. Die Handelsflotte war zu 82 Prozent zerstört. In dieser Situation ernannte das ZK der Kommunistischen Partei Felix Dzierzynski (1877 – 1926) zum Volkskommissar für Verkehrswesen.

Der erste Schritt zur Lösung der gigantischen Aufgabe bestand in der Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter/innen. Im Gouvernement Moskau wurde Dzierzynski Vorsitzender der Kommission zu Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter/innen.  Zunächst mußte genügend Wohnraum geschaffen werden. Aus den Kommunehäusern (Arbeiterwohnheime) wurden alle Bewohner exmittiert, die keine körperliche Arbeit leisteten. Sodann wurden alle Moskauer Lagerräume inspiziert, um alle nichterfaßten Besitzwerte zu beschlagnahmen und an die Arbeiter/innen zu verteilen. Während der Tätigkeit Dzierzynskis wurde die Lebensmittelversorgung der Arbeiter/innen des Verkehrswesens verbessert. Trotz großer Schwierigkeiten konnte das Plenum des ZK der Kommunistischen Partei im September 1923 die Löhne der Eisenbahner/innen erhöhen. In den besonders harten Wintermonaten 1922 fand man Dzierzynski in Sibirien. Der Volkskommissar verfügte u.a. , den Eisenbahnern unterwegs eine warme Mahlzeit zu verabreichen. Gleichzeitig mit ihm traf eine große Sendung von Winteruniformen in Sibirien ein, und persönlich bestellte er in Moskau Filzstiefel, Halbpelze, Mützen und Fausthandschuhe. Ohne diese sozialen Verbesserungen war an eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität nicht zu denken.

Während seiner Zeit in Moskau konnte man jeden Nachmittag von 3 bis 4 Uhr in die Sprechstunden des Volkskommissars kommen. Wir erinnern uns an die Perestroikazeit, in der uns hochtrabende Reden über allerlei Demokratismen, Transparenz, Demokratisierung der Strukturen etc gehalten wurden, nur gab es weder Volkskommissare noch Sprechstunden. An das arbeitende Volk haben die Perestroikaspitzbuben als allerletztes gedacht. Hingegen war die persönliche Beteiligung des Kommissars Dzierzynski an den Subbotniks (freiwillige Arbeitseinsätze) selbstverständlich. Er war viel unterwegs, zog es vor, sich an Ort und Stelle ein Bild zu machen. Eisenbahner, Seeleute, Hafenarbeiter, Verkehrskader waren in den nächsten Jahren seine Gesprächspartner. Dabei legte er die Überzeugungsmethode zugrunde. Einer der Leiter des Südbezirks schrieb später, wie Dzierzynski „…in seinem Eisenbahnwaggon die führenden Funktionäre zusammenrief und ihnen eine ganze Nacht lang Argumente darlegte, warum er das System der Verwaltung von Land-  und Wasserstraßen verändert wissen wollte.“ 2. Unnachsichtig kämpfte er gegen jede Erscheinungsform des Bürokratismus. Wohl oder übel mußte das Volkskommissariat abspecken – der Stellenplan des Verkehrswesens wurde von 1 725 000 im April auf 760 000 im Juni 1923 gekürzt. Breits im Dezember 1921 sprach Lenin auf dem IX. Sowjetkongreß davon, daß in diesem Jahre organisatorische Verbesserungen auf dem Gebiet des Verkehrswesens zweiffelos erreicht worden seien. Die Mängel im Verkehrswesen wurden durch die Kritk-Selbstkritik-Methode bekämpft, Fehler wurden nicht vertuscht. „Je klarer und je rascher wir alle unsere Mängel, die größten Versäumnisse und die Auswirkungen einer falschen Wirtsvhaftsführung erkennen, desto schneller werden wir sie beseitigen und positive Ergebnisse in unserer Arbeit erzielen können.“ 3.

Aller Tätigkeit wurde der internationale Klassenkampf zugrundegelegt. „Es gibt keine einzige Wirtschaftsfrage, die außerhalb der weltweiten Perspektive des Klassenkampfes gelöst werden kann.“4. Ohne kollektive Anstrengung (wie etwa bei den Subbotniks) hätte die junge Sowjetunion die gigantischen Probleme nach ihrer Geburt nie in den Griff bekommen. So wurden zum Beispiel 1921 bei der Petrograder Eisenbahn 1470 Subbotniks veranstaltet, an denen 175 000 Arbeiter/innen teilnahmen. Damals setzte die Sowjetunion nicht auf eine Handvoll internationaler Experten, wie zur Zeit der Perestroika, sondern auf kollektives Denken und Handeln ihrer Völker. Dzierzynski wußte, daß „…das kollektive Denken und Wollen, das kollektive Schöpfertum der Arbeiter selbst…zu einem neuen Faktor beispiellosen, gigantischen Wachstums von Industrie und Verkehrswesen werden“5. kann. Und so wurde selbst ein auf den ersten Blick von der Politik so entlegenes Gebiet wie das Verkehrswesen zu einer Kernfrage der Diktatur des Proletariats, des Zusammenwachsens von Arbeit in der Industrie und Arbeit auf dem Lande. „Der Kampf um die Erhöhung der Rentabilität des Verkehrswesens, um seine Arbeit ohne Defizitist…ein Kampf…um die Festigung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft…“ 6. Schon damals versuchten die Trotzkisten dieses Bündnis zu verhindern. Georgi Pjatakow (1890 – 1937) forderte wiederholt die Beteiligung ausländischen Kapitals im sowjetischen Verkehrswesen. Unter anderem wollte er die Waggonreparaturwerkstätten deutschen Firmen in Konzession geben. Diese zwielichtigen Vorschläge fanden im Volkskommissariat für Verkehrswesen kein Echo. „Jene Herren, die uns empfehlen, das ausländische Kapital an unseren Eisenbahnen zu beteiligen, haben in ihren tiefsten Innern nicht die Interessen der ökonomischen Entwicklung des Landes im Auge, sondern politische Interessen, die wir zurückweisen müssen.“ 7. Das sowjetische Verkehrssystem wurde weder dem ausländischen Kapital noch gemischten Gesellschaften ausgeliefert. Nicht ohne Stolz auf die geleistete Arbeit aller Werktätigen im Verkehrswesen konnte Dzierzynski 1924 verkünden: „Denkt daran, wie uns die ausländischen Wissenschaftler für die Eisenbahn prophezeiten, daß wir im März zugrunde gehen werden. Jetzt kommen sie alle an und können sich nicht genug darüber auslassen, wie in Rußland das Verkehrswesen in Gang gekommen ist. Die ausländischen Propheten fassen es nicht, was kollektiver Wille heißt, was es bedeutet, die eigenen Stellen behaupten zu wollen.“ 8.

Ich will den Leser nicht mit statistischen Erfolgsmeldungen überschütten, nur so viel: Wurden die Kosten im Verkehrswesen Ende 1922 noch zu vierzig Prozent durch Stützungen abgedeckt, so konnte im Wirtschaftsjahr 1923/24 auf sie verzichtet werden. Das Verkehrswesen war für den Staat in nur drei Jahren zu einem gewinnbringenden Wirtschaftszweig geworden. Im Oktober 1923 gab es eine Reserve von zirka 3 000 betriebsfähigen Loks.

Auf dem VI. Unionskongreß der Gewerkschaft der Schiffahrtsarbeiter/innen im Januar 1924 konnte Dzierzynski die Bilanz ziehen, daß der Seetransport seine Hauptaufgabe – den Getreideexport – 1923 erfolgreich gelöst hatte. Im gleichen Monat fand die XIII. Parteikonferenz der Kommunistischen Partei statt. Eine ihrer Resolutionen lautete:  „Das Verkehrswesen befindet sich in einer solchen Verfassung, daß es ohne besondere Schwierigkeiten allen Forderungen der Volkswirtschaft gerecht zu werden vermag.“ 9.

Der Marxismus relativiert die Bedeutung der großen historischen Persönlichkeiten, Volkskommissare haben revolutionäre Durchsetzungkraft durch die Beachtung des Prinzips der Kollektivität, der Überzeugung, der Mitarbeit an den Subbotniks, Dzierzynski ist ein Musterbeispiel hierfür.

1. Siehe G.M. Krshishanowski, Ausgewählte Schriften, Moskau 1957,425, russ.- Der sowjetische Transport 1917 – 1927, Moskau 1927, 229,russ.

2.Feliks Dzierzynski, Biografie, Dietz Verlag Berlin 1981, (Übersetzung aus dem Russischen, verfasst von einem Autorenkollektiv),327

3. Offizieller Teil des Boten des Verkehrswesenss, Nr. 342 vom 22.12.1923

4. siehe ZSAdO Leningrads, Fonds 98, Liste 1, Akte 2, Blatt 8; Fonds 1000, Liste 5, Akte 22, Blatt 1, in: Feliks Dzierzynski, Biografie, Dietz Verlag Berlin 1981, 333

5.siehe ZSAdO, Fonds 5474, Liste 5, Akte 447, Blatt 1, in Feliks Dzierzynski Biografie, Dietz Verlag 1981,351

6. Feliks Dzierzynski, Ausgewählte Werke Band 1,424

7.zit. in: Zofia Dzierzynska: jahr großer Kämpfe, Militärverlag DDR 1977,366 f.

8.Torgowo – Promyschlennaja Gaseta (Handels – und Industriezeitung), 20. Juli 1924

9. Die KpdSU in Resolutionen, Bd. II, 519

Ostexperte Leonhard Der Umgang mit Marx Engels Lenin Stalin am Beispiel des Aufbaus des Sozialismus in der Sowjetunion

28. November 2009

2008 belegte bei einer Meinungsumfrage des staatlichen Fernsehens „Rossija“ über die bedeutendste Persönlichkeit Rußlands Josef Stalin den ersten Platz. U.a. dieses Umfrageergebnis war der Anlaß für Wolfgang Leonhard, der letzte Überlebende der Gruppe Ulbricht, der am 12. März 1949 als Lehrer an der SED Parteihochschule Karl Marx in Kleinmachnow aus dem Neuen Deutschland über Belgrad in das Deutschland der BILD Zeitung floh, sein vor dem Stalinismus warnendes Buch „Anmerkungen zu Stalin“ 1. zu verfassen. Mit großer Sorge registriert Leonhard eine zunehmende Verherrlichung Stalins in Rußland und gegen diese Tendenz will er aufklären über das Wesen des Stalinismus.

Auf diese Aufklärung fällt aber gleich am Anfang des Buches ein trüber Schatten und der Autor bringt sich selbst um seine Seriosität, wenn er allen Ernstes behauptet, Stalin sei während der Oktoberrevolution „abgetaucht“ 2. Zwar relativiert der Marxismus, für den die Volksmassen Geschichte machen,  die Bedeutung sog. großer historischer Persönlichkeiten, vor allem aber basiert er auf unumstößliche historische Tatsachen, und da sollte man es dem Leser, der aufgeklärt werden soll, nicht vorenthalten, dass Stalin sowohl bei der Sitzung des ZK, in der über den Aufstand abgestimmt  wurde, nicht nur anwesend war, sondern auch in das politische Zentrum zur Leitung des Aufstandes gewählt wurde. Darüber hinaus wurde Stalin auch in das praktische Zentrum zur organisatorischen Leitung des Aufstandes gewählt, nicht aber Trotzki, kurz: in allen wichtigen Zentren zum bewaffneten Aufstand war Stalin vertreten, und keiner der Genossen, auch Lenin nicht, soll  die Fahnenflucht bemerkt haben ? Übrigens behauptet eine solche Ungeheuerlichkeit nicht einmal Trotzki. Aber sehen wir weiter, wie Leonhard in einer inhaltlich ideologischen Fragestellung vorgeht ?

„Immerhin waren der Internationalismus und mit ihm die Weltrevolution wesentliche Prinzipien der Revolutionslehre von Marx und Engels gewesen. Doch schon mit seiner Doktrin vom „Sozialismus in einem Land“ hatte sich Stalin davon gelöst.“ 3.  So wird Geschichte konstruiert, so wird der qualitative Unterschied zwischen dem klassichen Kapitalismus und dem Imperialismus beiseite geschoben. Bekanntlich kam Lenin auf Grund seiner Imperialismusanalyse zu dem Ergebnis, dass auf Grund der Ungleichmäßigkeit der politischen und ökonomischen Entwicklung des Kapitalismus nach 1900 der Aufbau des Sozialismus durchaus in einem Land möglich ist. 4. Lenin und Stalin wußten, dass das, wenn man so will, eine Abänderung der klassischen marxistischen Lehre von der internationalen proletarischen Revolution ist. Lenin mußte seine neue Theorie u.a. gegen Trotzki verteidigen und die richtige Darstellung hätte herausstreichen müssen, dass Stalin diesen antitrotzkistischen Kampf fortsetzte.

Aus dieser prinzipiell falschen Darstellung, der „Doktrin“  : Sozialismus in einem Land, folgen nun nach Leonhard alle weiteren Abweichungen vom Marxismus , die er bei Stalin bemerkt haben will. So auch Stalins neue Theorie des Kampfes zweier Systeme. Auch hier ist wieder der Versuch allzu deutlich, Stalins Kopf von dem Lenins  zu trennen. Bekanntlich war sich schon Lenin bewußt, dass die Sowjetunion auf unabsehbare Zeit das einzige Sowjetland bleiben und dass es folglich zu einem Kampf auf Leben und Tod zwischen der Sowjetunion und dem Weltkapitalismus kommen könnte.

Auch sind natürlich Stalins Konzept einer Planwirtschaft und sein Kampf gegen die Gleichmacherei nichts originär Stalinistisches, sondern darüber hat schon der klassische Marxismus Nötiges  gesagt: Mit der „…Behandlung der heutigen Produktivkräfte nach ihrer endlich erkannten Natur tritt an die Stelle der gesellschaftlichen Produktionsanarchie eine gesellschaftlich-planmäßige Regelung der Produktion nach den Bedürfnissen der Gesamtheit wie jedes einzelnen.“ 5. Und zur Gleichmacherei schreibt der gleiche Engels: „Die Vorstellung der sozialistischen Gesellschaft als des Reiches der Gleichheit ist eine einseitige französische Vorstellung, anlehnend an das alte „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, eine Vorstellung, die als Entwicklungsstufe ihrer Zeit und ihres Ortes berechtigt war, die aber, wie alle Einseitigkeiten der früheren sozialistischen Schulen, jetzt überwunden sein sollten, da sie nur Verwirrung in den Köpfen anrichten und präzisere Darstellungsweisen der Sache gefunden sind.“ 6. Es gibt einfach kein „Marx´sches Gleichheitsideal“ , wie Leonhard behauptet.  7.

Ganz von Sinnen zu sein scheint Leonhard, wenn er Stalin die Thorie unterjubelt, für ihn bleibe der Staat im Kommunismus bestehen.8. Hier hätte der Leser doch allzu gern einmal die Angabe  überprüft, doch diese fundamentale Aussage Leonhards bleibt ohne Beleg. 9.Offensichtlich geht er davon aus , dass er den Leser nach 110 Seiten genug genasweist hat, damit er auch diese Ungeheuerlichkeit passieren läßt. Und so einmal neugierig gemacht, fragt man sich natürlich, wie denn dieser kommunistische  Staat aussehen soll ?

Wenn ein Student, sagen wir, der Soziologie, nach dem dritten Semester eine derartige Arbeit abgibt, so ist das zwar traurig, aber bei entsprechenden Korrekturen kann man noch Hoffnung haben, wenn aber ein Gelehrter, der seit 60 Jahren Kommunismusforschung im Westen betreibt, in Oxford, und an der Columbia University in New York und zudem über zwanzig Jahre als Professor für Geschichte des Kommunismus an der Yale Universität vorlas,  dermaßen publiziert, so ist doch zu fragen, wer ihm die Brille bezahlt, dass er den Marxismus Leninismus dermaßen schief liest.

1. Wolfgang Leonhard, Anmerkungen zu Stalin, Rowohlt Verlag 2009,187 Seiten

2. a.a.O.,48

3.a.a.O.,88

4. Siehe Lenins Schriften: „Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“ aus dem Jahr 1915. LW 18,399 und : „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“ aus dem Jahr 1916, LW 23,74

5.Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Karl Marx/Friedrich Engels: Ausgewählte Schriften Band 2, Dietz Verlag Berlin 1953,138

6.Friedrich Engels, Brief an Bebel, London 18. – 28. März 1875, a.a.O.,34

7. Siehe hierzu auch: Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, a.a.O.,16 f.

8. Wolfgang Leonhard, Anmerkungen zu Stalin, Rowohlt Verlag 2009,110

9.Was Leonhard selbst anführt, eine Rede Stalins auf dem 14. Parteitag 1930 (siehe S.99), widerlegt ihn, nicht Stalin: „Wir sind für das Absterben des Staates. Wir sind jedoch gleichzeitig für die Verstärkung der Diktatur des Proletariats, der stärksten und mächtigsten Staatsmacht, die jemals bestanden hat. Höchste Entwicklung der Staatsmacht zur Vorbereitung der Bedingungen für das Absterben der Staatsmacht – so lautet die marxistische Formel. Ist das widerspruchsvoll ? Ja. es ist widerspruchsvoll. Aber dieser Widerspruch ist dem Leben eigen, und er widerspiegelt vollständig die Marx´sche Dialektik.“ Es ist ein einfaches Bild aus den Kindheitstagen der neuzeitlichen Dialektik: nach der Knospe die Blüte, nach der Blüte die Frucht…und das Absterben. (Siehe Hegel: Phänomenologie des Geistes, Vorrede, Felix Meiner Verlag Hamburg, 1980,10) Also Aufhebung des Staates durch seine Totalisierung, durch sein Aufblühen  hindurch.

Heinz Ahlreip, November 2009

Beantwortung der Frage: Wie hängt die Tierkunde mit der Brotgelehrsamkeit zusammen ?

5. Oktober 2009

„Die Existenz des Staats und die Existenz der Sklaverei sind unzertrennlich.“ 1.

 

Die Gesellschaftswissenschaften haben ihren Grund und ihre Bedingung in der geschichtlichen Abfolge des Aufbaus und der Destruktion von Herrschaften und Knechtschaften. Anarchistische Tendenzen tragen den Todeskeim dieser Wissenschaften in sich.

Dagegen war die Bornierung in Herr-Knecht-Mechanismen eines der eilfertigsten Anliegen der abendländischen Geisteswissenschaft von Platons Politeia über Hegels Staatsphilosophie bis Hitlers Kampf. Plato hielt Ungebundenheit bei Menschen wie bei Tieren für schädlich, Kant sah im Menschen noch „…ein Thier, das, wenn es unter anderen seiner Gattung lebt, einen Herrn nöthig hat.“ 2. In einem Aphorismus äußert Hegel, daß russische Frauen und die Völker der Weltgeschichte die Hundepeitsche verlangen. 3.

Heute kann ich ihnen zurufen: Sie haben sich alle gründlich geirrt, meine Herren ! Denn wie es bei einer starken Eiche mit markigen Wuchs auch einige kleine, verdorrte Verästelungen geben kann, so in der langen Emanzipationsgeschichte des Affen zum Menschen, der wahrscheinlich erst von den Bäumen heruntergestiegen, auch einen Bruchteil, in dem er wieder künstlicher Affe wurde: Staatsbürger. Mit der Zeit fegt der Sturm die dürren Zweige ab, mit der Zeit wachsen Generationen heran, die in Revolutionsstürmen den ganzen Staatsplunder 4.  von sich abwerfen.

Es waren nicht die Philosophen Kant und St. Pierre, die zuerst die Vision des Ewigen Friedens in der Menschheit aufzeigten, sondern dieser Friede war bereits ein Begehren des Bundschuhs 5., vor allem aber verlangten die Bauern die Abschaffung des Zehnten, also die Beseitigung aller Obrigkeiten, nach Engels“…die Antizipation des Kommunismus durch die Phantasie…“ 6.

Und diese Idee des Kommunismus, sie taucht wieder auf im Frankreich von 1789. In den Revolutionsjahren erhoben sich dort zeitweise die blutarm gesaugten Klassen, die die konservativen Historiker so gerne als Pöbel rubrizieren, und hegemonisierten für kurze Perioden die ganze Erhebung. Diese Klassen gingen aber bereits über den Horizont der bürgerlichen Gesellschaft hinaus, die für ihre antagonistischen Konflikte immer nur die Lösung: Staat – Armee – Affe in Uniform, findet. Im Revolutionskapitel der Phänomenologie des Geistes, das die Dialektik der absoluten Freiheit und des Schreckens aufzeigt, arbeitet Hegel diese die bürgerliche Gesellschaft bereits transzendierende Tendenz heraus: er charakterisiert 1789 als „…die die Anarchie zu constituieren strebende Anarchie…“ 7.  Was dies nun aber besagen will, geht wiederum über den Horizont der großen Mehrzahl der sogenannten Gesellschaftswissenschaftler hinaus, die Anarchie kann sich natürlich nur universell ausführen, auf der Erdkugel müssen alle staatlichen und sonstigen Unterdrückungsstrukturen völlig aufgehoben werden. Die französische Revolution und ebenso ihr tiefsinniger Analytiker Hegel scheiterten noch an dieser Aufgabe.

Es dauerte aber nach dem Sturz Robespierres gar nicht lange, da veröffentlichte Saint-Simon seine Genfer Briefe mit der Perspektive eines gesellschaftlichen Zustandes, in dem Produktionsprozesse statt Menschen geleitet und Sachen statt Strafgefangene verwaltet werden. War dies nur die Utopie eines originellen Kopfes ? 1802 war es Träumerei: es fehlten, theoretisch gesehen, noch die Männer, die an die Stelle der Zukunftsphantasterei, der schnurrpfeifigen Auskonstruktion kommender Geschichte, die Wissenschaft setzten. Diese Männer waren Marx und Engels, aber warum ? Weil sich zu ihrer Zeit der fundamentale Antagonismus zwischen Bourgeoisie und Proletariat und dessen innerer kampf sich so weit vereinfacht hatten, daß die wissenschaftliche Erkenntnis und Lösung der gesellschaftlichen Grundfrage der Herrschaftsfreiheit möglich wurde. Ihr Kommunistisches Manifest legt deshalb auch dar, daß gerade und nur das Proletariat die Klasse der modernen Gesellschaft ist, die als einzige ihre Diktatur nicht nur selbst negieren kann, sondern negieren muß. „Wenn das Proletariat im Kampfe gegen die Bourgeoisie sich notwendig zur Klasse vereint, durch eine Revolution sich zur herrschenden Klasse macht und als herrschende Klasse gewaltsam die alten Produktionsverhältnisse aufhebt, so hebt es mit diesen Produktionsverhältnissen die Existenzbedingungen des Klassengegensatzes, die Klassen überhaupt und damit seine eigene Herrschaft als Klasse auf.“8.Diese weltgeschichtlich genialen Überlegungen wurden 1847 aufgeschrieben, kurz vor der Februarrevolution.  Als diese ausbrach, waren diese Einsichten in den kommenden Gang der Geschichte allerdings weit vorausgeeilt. Die Pariser Arbeiter forderten noch ein Ministerium der Arbeit, führten also im Grunde nur erst eine bürgerliche Revolution durch.

Aber 23 Jahre später wurde die Pariser Kommune proklamiert: das war die Diktatur des Proletariats, schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr. Das Jahr 1905 brachte eine machtvolle Erhebung in Rußland. Streikten in der Zeit von 1895  bis 1905 nur 43 000 Arbeiter pro Jahr, so überstieg die Zahl der Streikenden allein im Januar 1905 die Grenze von 400 000. In dieser Revolution  von 1905 schufen die Arbeiter eine eigentünliche Organisationsform, die Sowjets, die 12 Jahre später erneut auf den Plan traten und deren Wesen so hartnäckig verkannt und verleugnet wurde. Die Sowjets sind aber hauptsächlich die „…Vorboten des Absterbens jeden Staates…“ 9. In diesen Zusammenhang gehört auch der wichtige Gedanke Stalins, den er in seinen Vorlesingen an der Swerdlow-Universität darlegte: „Das Proletariat braucht die Partei dazu, um die Diktatur zu erobern und zu behaupten. Die Partei ist ein Instrument der Diktatur des Proletariats. Daraus folgt aber, daß mit dem Verschwinden der Klassen, mit dem Absterben der Diktatur des Proletariats auch die Partei absterben muß.“ 10. Die Partei Lenins stirbt also ebenfalls ab , wird zu einem bestimmten Zeitpunkt selbst ein Hindernis der Produktivkraftentfaltung. Welche bürgerliche Partei, welche Bande politischer Spekulanten hat es bis zu dieser Höhe der Selbstnegation gebracht, welche hat sich selbst als historisch vorübergehende begriffen ? Im Gegenteil, sie alle wollen ihr korruptes Schmarotzerdasein bis in alle Ewigkeit verankert wissen. „Wir bekennen uns zur repräsentativen Demokratie, die politische Führung und demokratische Verantwortlichkeit miteinander verbindet. In den Wahlen gibt sie die regelmäßige Möglichkeit zum Regierungswechsel.“ 11. Daß der Bauer fortgesetzt einen Herrn über sich braucht, an dieser Argumentation versuchte sich bereits, aber nun müssen wir uns um einige Jahrhunderte zurückfallen lassen, Thomas von Aquin in seiner Schrift: „Über die Herrschaft der Fürsten“, derselbe Thomas, der 300 Jahre vor dem deutschen Bauernkrieg das Licht der Welt erblickte. Insofern steht noch heute die deutsche Geschichte vor der Wegwahl: Thomas von Aquin oder Thomas Müntzer. Der letzte Weg aber führt eines Tages zum Wegfall von Wahlen.

Hier ist auch der Punkt erreicht, an dem ich in den Streit der philosophischen mit der politologischen Fakultät eintreten muß. Reduzieren wir die Wissenschaft von der Politik auf ihr dürres Gerippe, so zeigt sich: sie untersucht vor allem Herrschaftsverhältnisse unter Menschen bzw. unter Klassen. Und nun wird es für einen Fortschritt ausgegeben, es soll eine Erkenntnis der neueren Zeit sein, daß diese Herrschaftsverhältnisse sich ändern können, wechselhafte sind. Dieses Fortwälzen in die schlechte Unendlichkeit wird durch meine These unterbrochen: „Herrschaft über Menschen und politische Gesellschaftswissenschaften verhalten sich ebenso reziprok wie Anarchie und nur noch benötigter Naturwissenschaften. Erst hier wirklicher Freiraum und disponible time für Kunst und Musik.“

Hand in Hand mit der Emanzipation der Völker geht der Niedergang der Geisteswissenschaften, der Abbau des Überbaus einher. Verfolgen wir kurz die Hauptzüge des Zerfalls 12.: Die einst mächtigste geisteswissenschaftliche Disziplin, die Gebieterin der Philosophie war, hat sich zu einer immer rascher verschwindenden Spur verflogen. Der seit der Renaissance einsetzende Ablösungsprozess von mittelalterlichen Weltbildern und die Dominanzverschiebung zu einer neuen Herrin, zur Politik 13., mit einer neuen Selbstbestimmung der ganzen menschlichen Daseinsweise wird von Rousseau während seines Venedigaufenthaltes 1743 prägnant erfasst. Er erkannte plötzlich, daß in Zukunft das Schicksal der Menschheit von der Politik bestimmt wird, wie bisher von Religion und Metaphysik. Es ist deshalb nur folgerichtig, daß Marat die Wissenschaft von der Politik für die wichtigste hielt, für Napoleon war die Politik eine unentrinnbare Schicksalsmacht. Und in der Tat, hätte es im Mittelalter schon Zeitungen gegeben, um welche, wenn nicht religiöse, Thematik hätten sich ihre Leitartikel konzentriert ? Aber während die Politik in ihrer bürgerlichen Sattheit noch schwelgt, siehe die Füße derer, die dich nach draußen tragen, exzerzieren schon vor der Tür: die seit dem Aufkommen der Großen Industrie einsetzende Arbeiterbewegung intendiert die völlige Selbsterschöpfung der Politik durch die völlige Durchpolitisierung aller auf der ökonomischen Struktur beruhenden gesellschaftlichen Lebensbereiche. Die Dominanzverschiebung zur letzthin ohne politisch-juristischen Überbau am effektivsten sich steigernde materielle gesellschaftliche Produktion wird von Friedrich Engels durch seinen ersten Manchesteraufenthalt (1842 – 1844) mit großem Weitblick erahnt. Wurde durch Engels Politik endlich als etwas Ableitbares begriffen, so blieb ihr im proletarischen Emanzipationsprozess nur noch eine Sekundanzfunktion: „Die Revolution überhaupt, der Umsturz des bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert des Sozialismus die politische Hülle weg.“ 14. Auf dieses Fortschleudern der Politik kommt alles an.

Nicht nur hatten Marx und Engels zu diesem Zweck die Dialektik Hegels gerettet, sondern zeitlebens bewahrt, was drei junge Theologiestudenten im Tübinger Stift vermerkten: „Die Idee der Menschheit voran, will ich zeigen, daß es keine Idee vom Staat gibt, weil der Staat etwas Mechanisches ist, so wenig als es eine Idee von einer Maschine gibt. Nur was Gegenstand der Freiheit, heißt Idee. Wir müssen also über den Staat hinaus. Denn jeder Staat muß freie Menschen als mechanisches Räderwerk behandeln, und das soll er nicht, also soll er aufhören.“ 15. Diese Sätze stammen von den Jünglingen Hegel. Hölderlin und Schelling, die heute wohl in Stuttgart-Stammheim säßen. Die Wurzeln der Dialektik reichen zurück bis ins Tübinger Stift.

Durch ein gründliches Studium dieser von Marx materialistisch umgestülpten Methode, die dadurch aus einer für die Bourgeoisie annehmbaren zu einer unangenehmen wurde, würde sich dann die politischen Gesellschaftswissenschaften die Perspektive der mit Selbstnegation  verbundenen Aufhebung von Herrschaft überhaupt eröffnen. Bilden Herr-Knecht-Mechanismen geradezu das Fundament der Disziplin: Politologie, so muß man es zusammenbringen: die subjektive Weiterentwicklung und wissenschaftliche Qualifikation des Politikwissenschaftlers und den objektiven gesamtgesellschaftlichen Prozess, der das Aufhören des Staates intendiert. Die harte Arbeit an der Aufhebung der Herr-Knecht-Politologie birgt in sich die Aufhebung der Politologie überhaupt. Der Brotgelehrte ernährt sich von Herr-Knecht-Konstellationen, der Philosoph hungert, weil für ihn alle Menschen gleich sind. 16. Erst wenn alle ihren abstrakten Staatsbürger in sich zurückgenommen haben und also die Politik fortschleudernde Philosophen geworden sind, gibt es keine Philosophen am alten Hungersinne mehr. Philosophie der Freiheit (Revolutionstheorie) und Freiheit der Philosophie (die absolut reale, sich nicht mehr zum theoretischen Inhalt habende Anarchie) sind ineinander eins geworden.

Dieses Ende der Staatskunst mag zunächst ein greller Gedanke sein. Aber 1802, als Saint-Simon ihn visionierte, formulierte Hegel in seiner Erstveröffentlichung den schicksalshaften Satz: „Je besser die Methode ist, dsto greller werden die Resultate.“ 17. Dieser Satz steht ja unausgesprochen im Hintergrund der großen geschichtlichen Zuckungen unseres Jahrhunderts: Oktoberrevolution, Säuberungen in der Roten Armee, Moskauer Prozesse, chinesische Kulturrevolution, und schwebt auch unaushesprochen über den Häuptern der europäischen Konterrevolution, zumal die Philister und Spießbürger, die Friedrich Hölderlin in den Irrsinn und Ulrike Meinhof in den Tod getrieben haben, noch immer der Auffassung sind, die Völker könnten ohne Vormünder nicht leben 18. , vornehmlich aber ist es dieser Gedanke, daß gerade sie, nämlich diese Brotgelehrten und Spießbürger es seien, die diese Vormundschaft zu übernehmen hätten und damit die historische Mission der Verewigung von Herschaft und Knechtschaft. „Es war mit hie und da, als hätte sich die Menschennatur in die Mannigfaltigkeit des Tierreichs aufgelöst, wenn ich umherging unter diesen Gebildeten.“ 19.

Das Ende der Staatskunst und das Ende des Berufsrevolutionärs, das ist der Beginn des Anarchisten, der sich nicht mehr als dieser weiß. Anarchie als absolute hat den Wendungspunkt ihrer Überwindung in ihr selbst.

 

1.Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1. 401 f.

2.Immanuel Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, Kants Werke, Akademie Textausgabe Bd. VIII, Berlin 1968,28

3.Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Berliner Schriften, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main 1980, Band 11, 561

4.Vgl. Friedrich Engels, Einleitung zu „Der Bürgerkrieg in Frankreich“ Ausgabe 1891, MEW 17,625

5.Vgl. Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Karl Marx Friedrich Engels Gesamtausgabe 1,10 Berlin 1977,400

6.a.a.O.,382

7.Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Gesammelte Werke Band 9, Rheinisch Westfälische Akademie der Wissenschaften, Düsseldorf 1980,322

8. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4, 482

9. Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, LW 24,72

10. Josef Stalin, Grundlagen des Leninismus, Peking 1972, 125 f.

11. Ludwigshafener Grundsatzprogramm der CDU, Oktober 1978

12. Ich gehe hier nicht auf den Verfaulungsprozess des absoluten Geistes ein, weil dieser eine spezifisch deutsche Angelegenheit ist.

13. Die Entideologisierung der Politik gelingt dann später Marx und Engels, immerhin billigen sie dieser in ihrer Entlarvung überbaulicher Illusionen in der „Deutschen Ideologie“ zu, dass die politische Illusion „der Wirklichkeit noch am nächsten steht“. (Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, Marx Engels Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969, 39) Zugleich ist in diesem Zusammenhang der Bogen zu ziehen zu einer der letzten schriftlichen Äußerungen von Engels in der Einleitung zu den Klassenkämpfen in Frankreich von 1895: dort weist er auf die spezifische Schwierigkeit hin, das politische Tagesgeschehen aus den ökonomischen Ursachen zu erklären und schreibt von einer unvermeidlichen Fehlerquelle: „Bei der Beurteilung von Ereignissen und Ereignisreihen aus der Tagesgeschichte wird man nie imstande  sein, bis auf die LETZTEN (kursiv von Engels) ökonomischen Ursachen zurückzugehen.“ (Friedrich Engels, Einleitung zu: Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, Von Karl Marx (1895), in: Karl Marx, Friedrich Engels, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,669).

14. Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1,409

15. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Das Älteste Systemfragment des deutschen Idealismus, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Band 1, 234f.

16. „Der Philosoph ist mit dem Politiker einig über das, was die Menschen sind; allein er fühlt, er weiß, was sie sein könnten, und von dem Augenblick kann er nicht umhin, treu und sorglich zu wirken, daß sie ihre Bestimmung erreichen mögen.“ (Georg Forster, zitiert in: Georg Forster, Über die Beziehung der Staatskunst auf das Glück der Menschheit und andere Schriften, Herausgegeben von Wolfgang Rödel, Einführung von Wolfgang Rödel, sammlung insel 20, Insel Verlag Frankfurt am Main,1966,31).

17. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Differenz des Fichte´schen und Schelling´schen System der Philosophie, Gesammelte Werke Bd. 4, Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften, Düsseldorf 1980,28

18. Exemplarisch dafür Heidegger: „Der Führerstaat – wie wir ihn haben – bedeutet die Vollendung der geschichtlichen Entwicklung, die Verwirklichung des Volkes im Führer.“ Vorgetragen im Seminar „Über Wesen und Begriff von Natur, Geschichte und Staat.“ (Wintersemester 1933/34), siehe: Thomas Thiel: Die Verwirklichung des Seins im Staat, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.8.2010, NR. 178, Seite N3

19. Friedrich Hölderlin, Hyperion, Werke Band III, Stuttgart 1957,22

TOD DER FASCHISTISCHEN BESTIE

17. September 2009

Seit der Luther´schen Reformation, besonders seit der schweren Niederlage im deutschen Bauernkrieg 1525 ist in Deutschland eine Untertanenmentalität ohnegleichen gängig, ein ekelhaftes Katzenbuckeln vor jeder beliebigen Obrigkeit: Preußenkönige, Bismarck, Bürgermeister, Führer, Kanzlerin. Luther hatte alle Deutschen in Mönche verwandelt (so Karl Marx, siehe: Kritik der hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung, MEW 1, 386) und gegen die progressiven, aufrührerischen Bauern Müntzers gehetzt: „…Man soll sie zerschmeißen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund zerschlagen muß.“ Luther war der erste Sozialdemokrat in Deutschland.

Die Liquidierung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs unter Beihilfe der reaktionären Sozialdemokratie steht ganz in der Tradition konterrevolutionärer Raserei gegen fortschrittliche Menschen, die dann im Nerobefehl Hitlers auf ein ganzes Volk ausgedehnt wurde, ein in der Weltgeschichte EINMALIGER Akt. Der Nerobefehl Hitlers beinhaltete, alle ökonomischen Grundlagen in Deutschland zu zerstören, damit das deutsche Volk nicht mehr leben kann, es sollte für immer ausgelöscht werden. Das ist die Quintessenz des Faschismus, der wiederum die Quintessenz des menschen-/völkerverachtenden Kapitalismus ist. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. (Bertolt Brecht) Es gibt keine größeren Volksfeinde für das deustche Volk als die Faschisten, die Liquidierung eines Faschisten darf strafrechtlich gar nicht verfolgt werden, denn es ist ein Notwehrakt des deutschen Volkes. Gegen die Faschisten ist an Lenins Partisanentaktik zu erinnern: Liquidierung von einzelnen Personen durch bewaffneten Kampf, der von kleinen Gruppen geführt wird. (LW 11,205). Listen von Faschisten erstellen, auflauern, liquidieren…kurz und bündig, human…in gut-guillotinistischer Tradition…(1.) frei nach Luther: „Man soll sie zerschlagen, würgen und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund zerschlagen muß.“ So bekommen die Worte Luthers einen Sinn. Die partisanenmäßige Liquidierung von Faschisten nach revolutionärem Standrecht ist heute auch eine vorrangig politische Aufgabe angesichts der Tatsache, dass sich das Kapital durch sein Verfassungsgericht die Faschisten als konterrevolutionäre Terrortruppe gegen die Arbeiterklasse und das Volk warmhält. Das Verfassungsgericht, das 1956 die KPD verboten hatte, hat kein Interesse an der Existenz des deutschen Volkes (was schon das KPD-Verbot in der Tradition Luthers bezeugt).

Keinesfalls können wir die Bekämpfung der Anhänger Neros staatlichen Organen wie Polizei, BND und Verfassungsschutz überlassen. Diese Organe distanzieren sich zwar verbal vom Faschismus, sind aber durch 1000 Fäden mit ihm verbunden. Die angeblich der Republik dienende und auf sie vereidigte Polizei schützt zum Beispiel bei Antinazidemos die Volksfeinde vor dem Volk. Die „Republik“ wird beständig dem braunen Strassenpöbel ausgeliefert.

Aber die gefährlichsten, weil verdecktesten Helfeshelfer des Faschismus sitzen in den antifaschistischen Ausschüssen selbst, sie wollen gewaltfrei „sauber“ gegenüber den Faschisten bleiben. Ihnen ist nicht gegenwärtig, daß die Völker ein RECHT AUF BESTRAFUNG DER KONTERREVOLUTION haben.“Die Unterdrücker der Menschheit bestrafen ist Gnade; ihnen verzeihen ist Barbarei.“ (Robespierre: Rede über die Prinzipien der politischen Moral am 1.2. 1794) Säubert die Ausschüsse von diesen Barbaren.

1. Für die ländliche Guerilla gilt: Auch Sensen und Sicheln; Beile und Heugabeln  sind Tötungsinstrumente. Das ist in der deutschen Geschichte nichts Neues. Siehe das königlich preußische Edikt über den Landsturm vom April 1813. Schon 1777 erklärte es Marat in seinem Plan einer Criminalgesetzgebung für durchaus zulässig, dass Mitglieder der patriotischen Gesellschaften berechtigt sind, Volksfeinde zu töten. (Siehe: Jean Paul Marat, Plan einer Criminalgesetzgebung, Vorwort von Professor A.A. Herzenson, VEB Deutscher Zentralverlag Berlin, 1955,24).