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Sahra Wagenknecht in der Hegel Falle

15. Juni 2011

Während bürgerliche Politiker (Freiherr Karl Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch Mehrin (FDP),  die Tochter des langjährigen CSU Vorsitzenden Edmund Stoiber, Veronika Saß, über den FDP Politiker Chatzimarkakis hat Professor Jörg Becker  am 22. Juli 2009 einen Artikel in der Frankkfurter Allgemeinen Zeitung geschrieben: Chatzimarkakis hat mich plagiiert ! Kulturminister Althusmann schreibt eine Erklärung an die Universität Potsdam….plus Dunkelziffer) im akademischen Bereich sich bürgerlich politisch, eben betrügerisch benehmen und Doktorarbeiten zusammenklauen, denn man will ja an die Regierungsspitze, um zu regieren und dabei zu plündern und zu plündern und dabei  zu regieren 1. , haben wir es bei Frau Sahra Wagenknecht mit einem ganz anderen Kaliber zu tun, die auf Grund einer unbestrittenen Intelligenz nicht zu solchen Mittelchen zu greifen braucht. Gleichwohl ergibt eine Lektüre ihrer an der Universität Utrecht erfolgreich eingereichten Magisterarbeit: „Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode“, daß auch in dieser politisch rechten Arbeit inhaltlich und formal „nicht alles mit rechten Dingen“ zugegangen ist. Theoretischerseits, beileibe nich im strafrechtlichen Sinne.

In ihr wird dem jungen Marx in seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten eine geschichtsteleologische Deutung der Weltgeschichte bis hin zum Kommunismus unterstellt 2., obwohl Marx ausdrücklich in diesen Manuskripten betont, „…aber der Communismus ist nicht als solcher das Ziel der menschlichen Entwicklung, – die Gestalt der menschlichen Gesellschaft.“ 3. Marx, der 1844 bereits als Revolutionär auftrat 4., sei in den Manuskripten hinter die Weltgeschichtsphilosophie Hegels  zurückgefallen.  Sahra Wagenknecht läßt Lenins Hinweis unberücksichtigt, daß in dieser Hegel „am meisten veraltet und antiquiert“ 5.  ist.  Denn gerade Hegels Philosophie der Weltgeschichte ist teleologisch und theologisch ausgerichtet: Weltgeschichte als Gotteswerk, man vergegenwärtige sich nur den Schlußgedanken der  Philosophie der Weltgeschichte: …daß das ,was alle Tage geschehen ist und geschieht, nicht nur nicht ohne Gott, sondern wesentlich das Werk seiner selbst ist. 6. Der Schlußgedanke der Magisterarbeit von Sahra Wagenknecht  enthält denn auch ein völlig falsches Fazit: „…daß das Methodenkonzept des reifen Marx, (der sich von seiner jugendlich falschen und verwerfenden Hegelkritik emanzipiert habe/ Zusatz von Heinz Ahlreip),  sich wesentlich im Rückgriff auf die spekulative Methode Hegels gründet.“ 7. Das Gegenteil ist der Fall: die Methode des reifen Marx zur Zeit der Abfassung des „Kapitals“ ist der Hegelschen DIREKT eintgegengesetzt. Sahra Wagenknecht muß also vom Kopf auf die Füße gestellt werden.  „Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil.“ 8. Falsch bzw. nur halbrichtig ist deshalb Wagenknechts Ausführung, daß das bereits erreichte Niveau der Wissenschaftsmethodologie von Hegel und Marx bestimmt wird. „In diesem Kontext erweisen sich eine materialistische Hegelinterpretation und ein materialistisch dialektisches Methodenkonzept als zwei Kehrseiten einer Medaille“. 9. Spricht also Marx vom direkten Gegenteil, so Sahra Wagenknecht von zwei Kehrseiten einer Medaille.  Kann Hegel heute überhaupt noch etwas zum Niveau der Wissenschaftsmethodologie beitragen ? Nein, in dieser Beziehung ist Hegel obsolet und hat nur noch einen historischen Wert. Es hilft auch nicht, wenn Sahra Wagenknecht versucht, den Ansatz Hegels als nichtidealistisch zu verdrehen 10. , die dialektische Methode ist in ihrer Hegelschen Form unbrauchbar. 11. In seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten hatte Marx die Hegelsche Dialektik als „Mutter“ bezeichnet, die sie ja auch für die Linkshegelianer zweifelsfrei war.  Das ist auch allgemein bekannt, der Marx´sche „Muttermord“ scheint aber gerade von fachphilosophischen Koryphäen weitgehend tabuisiert worden zu sein. Und dieses Halbwissen wird an die studentische Jugend weitergegeben und es ist wohl nicht Sahra Wagenknechts Schuld allein, daß sie  ist in die bei dieser Thematik stets ausgelegten Hegelfalle getappt ist,  ohne den wertvollen Hinweis von Lenin beachtet zu haben: „Hegels Logik darf man in ihrer gegebenen Form nicht anwenden; man darf sie nicht als gegeben hinnehmen.“ 12. Denn nicht der junge Marx vertritt ein teleologisches Methodenkonzept, sondern der junge Hegel: „Das Ziel aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des Fortgangs gesteckt; es ist da wo es nicht mehr über sich selbst hinaus zu gehen nötig hat, wo es sich selbst findet und der Begriff dem Gegenstande, der Gegenstande dem Begriff entspricht.“ 13. Alle Ideologiemomente der idealistischen Dialektik sind in diesem Satz Hegels versammelt, insofern in der absoluten Identität der am Anfang des Weltgeistprozesses mit „gesteckte“ Zweck abschlußhaft sich eingeholt hat. Im Gegensatz zur idealistischen Dialektik mit ihren als Quelle von Ideologiegehalten wirkenden Leitmotiven: Identität – Finalismus – Teleologie begreift materialistische Dialektik wissenschaftlich revolutionäre Tätigkeit als ein Kettenglied in der sich nichtlinear und abschlußfrei entwickelnden Materie. Wäre der junge Marx tatsächlich hinter Hegel zurückgefallen, rekurrierte er philosophiegeschichtlich auf unvollkommene Vorformen dialektischen Denkens, die erst in der Hegelschen Logik ihre Vollendung in idealistischer, falsch widergespiegelter Form erhielten. Hätte er auf die spekulative Methode Hegels zurückgegriffen, wäre eine Kritik der politischen Ökonomie entwickelt worden, die das Bestehende, die kapitalistische Misere der Ausbeutung , verklärt hätte.

Es kann kein Zufall sein, daß der Eichborn Verlag das letzte Buch von Sahra Wagenknecht „Freiheit statt Kapitalismus“  auf dem Schutzumschlag durch den mit roten Buchstaben gedruckten Satz: Sahra Wagenknecht nimmt Ludwig Erhard beim Wort: Wohlstand für alle ! anpreist. 14. Um nun sogleich durch drei Beispiele die konterrevolutionäre Physiognomie Sahra Wagenknechts aufzuzeigen, so genügt der Hinweis, daß sie sich in diesem Buch für eine steuerfreie Vererbung von einer Millionen Euro als Recht ausspricht 15., während doch für Sozialisten die dritte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest „Abschaffung des Erbrechts.“ obligatorisch ist. 16. So genügt zweitens der Hinweis, dass sie sich zusätzlich für einen „Sozialismus ohne Planwirtschaft“ 17. ausspricht, während doch für Sozialisten die siebente Forderung aus dem Kommunistischen Manifest: „Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinsamen Plan“ 18. obligatorisch ist. Des weiteren äußerte sie sich gegenüber einem Bankangestellten, der um seinen Job fürchtet,  daß sich die Linke für den Erhalt der Sparkasse einsetze. (Siehe: AdHocNews 3.9.0. / Internetseite von Sahra Wagenknecht). Wieviele Menschen sind von Sparkassen betrogen, gedemütigt, in den Ruin und in den Selbstmord getrieben worden !  Für Sozialisten sollte doch die fünfte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest obligatorisch sein: „Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol“. 19. Es liegt also eine Serie von Fehlern vor und es ist die Frage, ob Frau Wagenknecht die innere intellektuelle Kraft hat, diese zu  durchdenken und zu korrigieren. Sollte sie aber weiterhin nach rechts, weg vom Sozialismus, weg von Rosa Luxemburg  abdriften, so wird sie die Arbeiterklasse eines Tages vor die Wahl stellen: entweder das Kommunistische Manifest à la Sahra zu „modernisieren“ oder sie revolutionsgerichtlich aus der Arbeiterbewegung auszustoßen.In ihrem Buch gibt sie eine politische Einschätzung ihrer Person durch die deutsche Konterrevolution wieder: „Ich weiß, für viele Pseudokonservative und Pseudoliberale bin ich der Gottseibeiuns, die finstere Kommunistin…“ 20. Diese Einschätzung sollte sie sich nicht zu eigen machen, so beurteilen Spießer, die keine Ahnung von Politik, von der Dialektik von Revolution und Konterrevolution haben, denn finster wird Sahra allemal, wenn man sie in das Licht von Marx und Lenin hält. Zum Beispiel in der Frage der Religion: Marxisten Leninisten und nicht nur Marxisten Leninisten wissen, dass Lenin die Religion als eine Art geistiger Fusel bezeichnet hat, mit dem der Lohnsklave sein Sklavendasein betäuben soll. Für Frau Wagenknecht ist die Religion ein Teil der Kultur, wo auch wichtige Zusammenhänge auf bestimmte Art reflektiert wurden. Hegel hätte philosophisch aufgezeigt, welche unglaubliche Dialektik, welche unglaublich tiefen Einsichten in der Religion enthalten sind. (siehe: google: sahra wagenknecht mitglied des deutschen bundestages das leben leben). Man erinnert sich: in der Sowjetenzyklopädie wurde die hegelsche Philosophie als aristokratische Reaktion auf die französische Revolution gewertet.

Gegen Sahra Wagenknechts Mißdeutung und Herabwürdigung des jungen Marx muss vielmehr aufgezeigt werden, daß in die Pariser Manuskripte  Würdigung und Korrektur Hegels gleichermaßen meisterhaft fallen: Die Negation der Negation bestätige für Hegel nur das Scheinwesen „…oder die Verneinung  dieses Scheinwesens als eines gegenständlichen Wesens.“ 21. ganz im Sinne einer idealistischen Ontologie. In der Tat: gibt es einen fundamentaleren Unterschied in der Beantwortung der Grundfrage der Philosophie als den zwischen der Hegelschen Vergöttlichung des Geistes („Das Absolute ist der Geist, diß ist die höchste Definition des Absoluten“) 22. und der Darlegung von Friedrich Engels,daß die Materie mit eiserner Notwendigkeit ihre höchste Blüte, den denkenden Geist, ausrotten wird. 23. Man könnte auch hier sagen, Engels fiele hinter Hegel zurück, aber die sich ewig wandelnde Materie wird den Geist anderswo und in anderer Zeit wieder erzeugen…und so fort. Aber eben diese Unterbrechungen kongruieren nicht mit jeglichem Absolutheitsanspruch.

Heinz Ahlreip

Entnommen aus meinem Aufsatz zum 193. Geburtstag von Karl Marx am 5. Mai 2011: Karl Marx zum 193. Geburtstag  Marxismus und Idealismus. Siehe: google: lenin unser aller lehrer marx 193. Geburtstag

1. Vergleiche Lenin, Wie soll man den Wettbewerb organisieren ? Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin 1961,407

2.  Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,170

3. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2, Dietz Verlag Berlin, 1982,275. Auch Wilhelm Weitling hatte in seinem 1842 veröffentlichten Werk „Garantien der Harmonie und der Freiheit“ einen vollkommenen Kommunismus ausgeschlossen.

4. Vergleiche: Lenin, Karl Marx, Lenin Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1960,35).

5. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Philosophie der Geschichte Bern 1914 – 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958.175

6. Den großen faux pas Adornos: „Es ging um die Vergottung der Geschichte, auch bei den atheistischen Hegelianern Marx und Engels“ (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 113, Frankfurt am Main, 1975,315) nimmt in gewisser Weise Sarah Wagenknecht für den jungen Marx wieder auf.

7. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,193. Über Sahra Wagenknechts Magisterarbeit kann man ungefähr das gleiche sagen was Marx 1846 über Proudhons Schrift „Die Philosophie des Elends“  sagte: „…das ist Hegelsches abgedroschenes Zeug…“ (Karl Marx, Brief an Pawel Wassiljewitsch Annenkow in Paris vom 28. Dezember 1846, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,689), oder was Lenin über Lassalles Buch „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“ schrieb: „…ein Wiederkäuen Hegels.“ (Lenin, Zur Kritik des Lassalleschen Buches „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“, in: Lenin, Aus dem philosophischen Nachlass, Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,267). Ein Wiederkäuen Hegels allemal, denn die Magisterarbeit leidet formal an einem mangelhaften Maßgefühl, die Interpretationen Hegels nehmen proportional betrachtet einen übergroßen Platz ein, auf den Seiten 45 bis 65 wird eine thematisch nicht unbedingt erforderliche Interpretation fast der gesamten Phänomenologie des Geistes wiedergekäut ohne einen einzigen Marxbezug, der bei der Themenstellung zwingend erforderlich  gewesen wäre, die Kernthematik ( cirka 20 Seiten in den blauen Bänden) wird am Ende auf den letzten cirka 25 von 194 Seiten abgehandelt !!

8. Karl Marx, Das Kapital, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1984,27

9. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag, 1997,11

10. a.a.O.,46. Die Frage drängt sich förmlich auf, wie das an der Universität Ütrecht passieren konnte ? Der Versuch, die von Marx 1844 ermordete Mutter, die idealistische Hegelsche Dialektik, 1997 in einer Magisterarbeit zu reanimieren, ist gründlich fehlgeschlagen.

11. Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Dietz Verlag Berlin,1975,292. Die Hegelsche Philosophie ist in den Sowjetenzyklopädien der Stalinzeit zu Recht als aristokratische Reaktion auf die bürgerliche Revolution in Frankreich eingeschätzt worden, diese Einschätzung bezog sich auf System und Methode gleichermaßen, denn die politische Konsequenz der idealistischen Methode Hegels war ja die konstitutionelle preußische Monarchie der Rechtsphilosophie.

12. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Lenin. Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,202. Wird primär das Trennende zwischen Idealismus und Materialismus konsequent als essentiell betont, so ist das Verhältnis zwischen den beiden Grundrichtungen der Philosophie sekundär doch komplexer, denn aus der immanenten Entstehung des Unterschieds hat der Materialismus im Idealismus SEIN Anderes wie umgekehrt der Idealismus SEIN Anderes im Materialismus hat. Die Polarität der Grundrichungen der Philosophie spiegelt nur den Kampf zwischen progressiven und rückständigen Klassen wider. In der vernichtenden Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie geht Lenin auf Hegels Hauptgedanken ein, warum der Materialismus keine Philosopie sein kann: die Philosophie habe es mit dem Allgemeinen zu tun, das nur im Denken erfasst werden kann. Unter der Hand falle Hegel mit dieser Darlegung in den von ihm stets kritisierten subjektiven Idealismus zurück. Der absolute Idealismus „…ist im Zickzack (und durch einen Purzelbaum) ganz dicht an den Materialismus herangekommen, hat sich teilweise sogar in ihn verwandelt…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin, 1958,214f.). Allerdings kann man nicht mit einem Purzelbaun und auch nicht im Zickzack die idealistische dialektische Methode Hegels in den Materialismus hineinbringen.

13. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Einleitung, Felix Meiner Verlag Hamburg 1980,57

14. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage, Frankfurt am Main 2011. Das sogenannte Wirtschaftswunder als Werk Gottes ? Streng genommen ist der Titel des Buches nicht wissenschaftlich, denn das Proletariat als die einzige Klasse, die durch ihre Diktatur den Kapitalismus bezwingen kann, gebraucht diese nicht im Interesse der Freiheit, sondern zur Niederhaltung seiner Klassenfeinde. (Siehe: Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960,453).

15.a.a.O., 345

16. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,68

17. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,345

18. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,69. Zwar schreiben Marx und Engels im Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe des Manifests von 1872, dass die in ihm vorgeschlagenen revolutionären Maßregeln zwischenzeitlich „stellenweise veraltet“ (Karl Marx, Friedrich Engels, Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe von 1872, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest  der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,12), also durchaus modifizierbar seien, aber werden sie zum Schutze einer Ausbeutergesellschaft entwertet, wird natürlich etwas ganz anderes manifest.

19.a.a.O.

20. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,12

21. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2 Dietz Verlag Berlin, 1982,411

22. a.a.O.,418

23. Vergleiche Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,372. Entgegen der idealistischen Glorifizierung des Denkens in der klassischen deutschen Philosophie, auch der fichteschen und schillerschen Denkfreiheit, in der der Vernunftoptimismus der Aufklärung nachschwingt, ist eine weitgehend unbekannte  Eigenschaft des menschlichen Denkens zu ergründen, die zu töten. Die Schwierigkeit kommt durch das Denken, weil es als Denken die Weltbewegung, in eins die Weltgeschichte als ihre eigene Dialektik, als dialektische stets flüssige Kontinuität unterbrechen muß. Denken unterbricht nach Lenin nicht nur das Prozeßhafte, sondern versimpelt, vergröbert, zerstückelt, tötet das Lebendige. „Die Abbildung der Bewegung durch das Denken ist immer eine Vergröberung, eine Ertötung…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, Dietz Verlag Berlin, 1958,195). Ja Dialektisches ist ständig Selbstzerstörerisches an ihm selbst.  (a.a.O.,240). Stagnation ergibt sich aus Verstandesfixierungen wie die formale Logik oder die Mathematik. Dialektik selbst als Prinzip aufgefasst, so ist ihre  Negativität als Quelle der Selbstbewegung nur in ihrer Immanenz. Als kritische Methode geht sie in radikaler Negativität auf Zerstörung des Kapitalismus, der eine zutiefst dynamisch flüssige aber eben damit auch überflüssige Gesellschaftsformation darstellt, diese Negativität des Marxismus ist für ihn selbst selbstzerstörerisch, denn im Kommunismus erlischt sein revolutionäres Potential und die Negativität greift auf ihn selbst über. In der Tat sind antike Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus nur verschwindende Momente des dialektischen Weltprozesses.  Denn alles was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht. Engels sieht in der sich erschöpfenden Sonnenwärme das Todesurteil der Erde: „…verfolgt nur noch eine kalte, tote Kugel ihren einsamen Weg durch den Weltraum.“ (Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in. Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,369). Die von Descartes erkannte unveränderliche Quantität der in der Welt vorhandenen, an Materie gebundenen  Bewegung aber garantiert das Aufkommen bzw. Reproduzieren neuer Sonnensysteme, mit Leben und damit wahrscheinlich auch mit neuen kommunistischen VERSUCHEN. Denn der Kommunismus ist nicht zugesichert. „…denn es ist keinem Sozialisten je eingefallen, „zuzusichern“, daß die höhere Phase der Entwicklung des Kommunismus eintreten wird…“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,483f.). Soviel nur zur angeblich teleogischen Geschichtstheorie von Marx. Lenin gab uns im Empiriokritizismus den wertvollen Hinweis, daß die Verfälschung des Marxismus immer raffinierter wird. „Eine immer raffiniertere Verfälschung des Marxismus, immer raffiniertere Versuche, antimaterialistische Lehren als Marxismus auszugeben – das kennzeichnet den modernen Revisionismus sowohl in der politischen Ökonomie als auch in den Fragen der Taktik und in der Philosophie überhaupt, in der Erkennnistheorie ebenso wie in der Soziologie.“ (Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Werke Band 14, Dietz Verlag Berlin,1962,334). Es ist bedauerlich, daß den Professoris in Utrecht in ihrem akademischen Getto dieser Hinweis unbekannt zu sein scheint.

„Schlechtwetter“ Über die bürgerliche Organisation von Nichtarbeit

12. Februar 2010

Im Krieg zwischen Lohnarbeit und Kapital kann es auf grund höherer Gewalt zu Phasen kommen, in denen die Konsumtion der Arbeitskraft durch das Kapital bei Aufrechterhaltung des Arbeitsvertrages unterbrochen ist und die Arbeiter/innen den Produktionsstätten fernbleiben. Es tritt dann der widersinnige Normalfall: Wenn der Mensch arbeitet, ist er nicht zu Hause und wenn er zu Hause ist arbeitet er nicht. 1. in einen Ausnahmezustand über: Lohnarbeit realisiert sich phasenweise nicht.

Diese Situation bleibt für das Kapital solange ungefährlich, als die Arbeiter/innen isoliert voneinander auf kleinbürgerliche Art bürgerliche Ideologie (Kapital und Lohnarbeit sind ewige fixe Kristallisationspunkte des menschlichen Arbeitsprozesses) über TV,PC 2…etc. konsumieren. Wenn schon nicht ihre Arbeitskraft konsumiert wird, so ist durch die bürgerlich monopolisierten Massenmedien dafür gesorgt, dass akollektiv ausgerichtete Massendiversifikation  stattfindet und die Produzenten in ihrer arbeitsprozessfreien Zeit nicht über gesellschaftliche Zusammenhänge, insbesondere über die von Lohnarbeit und Kapital nachdenken sollen. Auf dieser Stufe ergäbe  sich Kollektivität nur wieder nach Beendigung des Ausnahmezustandes durch den kapitalistischen Produktionsprozess in einem Ausbeutungszusammenhang. „Massenhaftes Zusammenhalten der Arbeiter ist noch nicht die Folge ihrer eigenen Vereinigung, sondern die Folge der Vereinigung der Bourgeoisie…“ 3. Über eine sogenannte Freizeitindustrie wird das massenhafte Zusammenhalten der Arbeiter/innen untergraben, denn ihr bewußtes massenhaftes Zusammenhalten wäre der Tod der kapitalistischen Gesellschaft.

Lenin lehrte uns, dass eine versklavte Klasse, die nicht danach strebt, Waffen zu ihrer eigenen Befreiung zu sammeln, nur wert ist, als Sklave be- und mißhandelt zu werden. In diesem Sinne muß die Schlechtwetterzeit ausgenutzt werden nach der Devise von Wilhelm Liebknecht: studieren – propagieren – organisieren. So nützlich das private Studium der Gewerkschafts- der Arbeitslosen-, der Arbeiter/innenbewegung und des Marxismus Leninismus ist, es fruchtet wenig, wenn die Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums dieses isoliert voneinander betreiben. Sie müssen regelmäßige periodische Zusammenkünfte organisieren um kollektiv ihr revolutionäres Wissen zu vertiefen und sich ein klares Feindbild 4. unter Herausbildung eines gesunden Klassenhasses erarbeiten. Sie müssen ihre alltäglichen Erfahrungen im kapitalistischen Produktionsprozess wissenschaftlich zusammenfassen.Hier fällt revolutionären Betriebsräten eine Aufgabe zu, bei wochenweisen Freistellungen kann ihre organisierende Tätigkeit beginnen (zum Beispiel zwei mal in der Woche Seminartage auf freiwilliger Basis). „Der dialektische Prozeß der Entwicklung bringt wirklich schon im Schoße des Kapitalismus Elemente der neuen Gesellschaft hervor, sowohl materielle als auch gesitige Elemente.“ 5.

Auch  (bzw. besser:) gerade in Schlechtwetterzeiten können zum Beispiel die streikenden Kollegen im öffentlichen Dienst unterstützt werden, die Solidarität mit den arbeitslosen Kollegen auf den Montagsdemos muß hergestellt werden  , Obdachlose müssen vor dem Tod durch Erfrieren dadurch gerettet werden, dass notfalls gewaltsam die inaktiven Produktionsstätten zu ihrem Quartier gemacht werden, auch Beschlagnahmung von Villen, die alle überflüssigen Wohnraum haben; schon hier deutet sich die Notwendigkeit einer bewaffneten proletarischen Garde an.

Es liegt auf der Hand, dass das Kapital möglichst rasch danach strebt, den durch höhere Gewalt bedingten Verlust  nach Wiedereintritt der Konsumtionsmöglichkeit von Arbeitskraft durch Erhöhung der Arbeitsintensität zunächst zu egalisieren. Das steht konträr zur Humanmedizin, die eindeutig darlegen kann, dass es der Gesundheit abträglich ist, wenn nach einer außergewöhnlichen Arbeitsunterbrechung abrupt mit Höchstleistungen eingesetzt wird, durch massenhaftes Zusamenhalten  kann auch hier eine Übergangszeit erkämpft werden, in der proportional zur Zeit der Arbeitsunterbrechung zunächst nur halbtags gearbeitet wird (bei vollem Lohnausgleich).

Das Kapital und seine sozialdemokratischen Spießgesellen können sich drehen und wenden wie sie wollen, sie können die Arbeiterklasse nicht von ihrer historisch unabwendbaren Kardinalaufgabe abbringen und ablenken: die bürgerliche Gesellschaft und die in ihr vorherrschende Organisation der Lohnarbeit mit Feuer und Schwert auszurotten und niederzubrennen, der Bürgerkrieg zwischen Lohnarbeit und Kapital, der „Bürgerkrieg in seiner fürchterlichsten Gestalt“ 6. , ist unvermeidbar. Denn das Proletariat kann sehr wohl ohne Bourgeoisie leben, nicht umgekehrt, die unproduktiven Klassen sind immer auf die produktiven angewiesen. Überhaupt hat die bürgerliche Republik den Zweck, mit der Herrschaft des Kapitals die Sklaverei der Arbeit zu verewigen. Insofern ist aber der Arbeiter durch die bürgerliche Gesellschaft unbesiegbar , „…weil seine Existenz die Bedingung ihres eigenen Lebens ist…“. 7.Unter den Fittichen des Bundesadlers verbirgt sich ein kolossaler Klassenkrieg.

Die Sozialdemokratie tritt auf Druck der Arbeiterklasse für geringfügige Verbesserungen ein,  was auch die Nazis taten,  die aber natürlich die Grundkonstellation Lohnarbeit und Kapital und deren Wechselverhältnis unberührt lassen. Da die Einteilung der Menschen in lohnabhängige Untermenschen und kapitalistische Herrenmenschen ein bzw. der fundamentale Bestandteil sozialdemokratischer Ideologie ist, nimmt es nicht wunder, dass gerade der kleinbürgerlich-spießige Antikommunismus fanatischte Züge annehmen kann. „Und niemand fanatisierte sich mehr gegen die angeblichen Machinationen der Kommunisten als der Kleinbürger…“ 8. Für die Sozialdemokratie ist der Kommunismus eine Weltpest und der Marxismus Leninismus, um es mit den Worten von Goebbels zu sagen, eine „teuflische Anschauung,“ 9. Die SPD muss vernichtet werden. „Was ist erforderlich, damit die Proletarier…siegen können ? Vor allem Glauben an die eigene Kraft, das Bewußtsein, dass die Arbeiterklasse ohne die Bourgeoisie auskommen kann, dass die Arbeiterklasse fähig ist, nicht nur das Alte niederzureißen, sondern auch Neues zu erbauen, den Sozialismus zu errichten. Die ganze Arbeit der Sozialdemokratie besteht darin, den Arbeitern Skeptizismus, Unglauben an die eigene Kraft, Unglauben an die Möglichkeit einzuflößen, mittels Gewalt den Sieg über die Bourgeoisie zu erringen.“ 10. Ein Musterbeispiel sozialdemokratischer intellektueller Verwahrlosung findet man in dem neuesten Buch der SPD Generalsekretärin Andrea Nahles: „Frau gläubig links“ (Pattloch Verlag 2009), in dem die gläubige Katholikin als Basis ihres politischen Engagements die „Axiome“ setzt: es gibt immer Arme und immer Einkommensuterschiede. Sie hat ganz offensichtlich weder die Bibel noch „Das Kapital“ verstanden. 147 Jahre habe die SPD einen erfolgreichen Deal mit dem Kapital betrieben zum Wohle der kleinen Leute. Nun hat aber Marx das Kapital nicht geschrieben, damit eine Andrea Nahles mit ihm dealt, sondern damit die Arbeiterklasse es überwindet.

1. Vgl. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, Felix Meiner Verlag Hamburg 2005,59

2.Die modernen Kommunikationsmittel können aber umgekehrt auch sehr fruchtbar für den gesellschaftlichen Fortschritt sein: Kommunismus ist Rätemacht plus Internetisierung des ganzen Landes.

3.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984, 25

4. Für die wirklichen kommunistischen Revolutionäre bleibt der Satz von August Bebel gesprochen auf dem Dresdner Parteitag 1903 unvergessen: „Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen.“ Wie oft hat die SPD Bebel auf das Schändlichste verraten! Die Chronik der Verrätereien würde ganze Bücher füllen.

5.Lenin, Das letzte Wort der „iskristischen“ Taktik, LW 9,370

6. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin,138. Diese tiefste Revolution in der Geschichte der Menschheit muss natürlich den Terror als Volksjustiz auf die Tagesordnung setzen. „Weit entfernt, den sogenannten Excessen, den Exempeln der Volksrache an verhaßten Individuen oder öffentlichen Gebäuden, an die sich nur gehässige Erinnerungen knüpfen, entgegen zu treten, muß man diese Exempel nicht nur dulden, sondern ihre Leitung selbst in die Hand nehmen.“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde an den Bund der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin, 1977, 259) Es gibt in der deutschen Geschichte diesbezüglich Ruhmesblätter, angefangen mit der Schleifung der Marienkapelle zu Mellerbach bei Allstedt 1525 im deutschen Bauernkrieg, auf dem letzten steht der Name: RAF !

7.Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,139

8.a.a.O., 134

9.Sportpalastrede des Reichsministers Dr. Goebbels vom 18. Februar 1943, in: Joachim Wieder: Stalingrad, Büchergilde Gutenberg 1963, 329

10. J.W. Stalin, Der XIV. Parteitag der KPdSU (B), Stalin Werke Band 7, Dietz Verlag Berlin 1952,304

Andrea Nahles…mein zweiter Name ist Maria…da weitere Verwahrlosung droht

1. Februar 2010

„Und die SPD muß wieder Demokratie wagen…“ 1.

„Jeder für sich, Gott für uns alle“ ist eine bei Lehrern beliebte  Floskel, um dem Abschreiben bei Klassenarbeiten vorzubeugen. Im Pattloch Verlag erschien Ende 2009 ein Buch der amtierenden Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles, das einem wie eine Sammlung von Schulaufsätzen vorkommt: „Frau, gläubig, links. Was mir wichtig ist.“ Schon im Vorwort beginnt die Tochter eines Maurermeisters mit einem dicken Patzer, indem sie dem deutschen Volk aufschwatzen will: wir brauchen Parteien. „Für mich jedenfalls gehören die Parteien nach wie vor zu den wichtigsten Instrumenten des Wandels.“ 2. Mann/Frau fragt sich natürlich zu welchem Wandel ?  Schon mit ihrer Ausgangslage, dass Parteien existieren müssen, bindet sie sich so fest an den Kapitalismus, der dann auch im ganzen Buch in keiner Weise in Frage gestellt wird. Rein logisch ist zunächst zu fragen, inwiefern denn reaktionäre, faschistische und konservativ-beharrende Parteien welchen Wandel fördern ? Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass in der heutigen spätkapitalistischen Gesellschaft die Volksmassen in Klassen geteilt sind, und dass diese Klassen von Parteien geführt, die wiederum von den intelligentesten und autoritativsten Politikern geführt werden. 3. Und im Wandel von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaft hebt die revolutionäre Arbeiterpartei durch die Volksmassen die Klassen, damit die Parteien und auch sich selbst auf. Die ideologische Akzeptanz einer Parteienpluralität durch die Arbeiterklasse käme einer Verewigung ihrer ökonomischen Knechtschaft gleich. Die dialektische Anlage zur Selbstnegation ist denn auch das Schiboleth, an dem sich revolutionäre und konterrevolutionäre Parteien scheiden.

Der Ansatz von Andrea Nahles, die in Bonn neben Germanistik allerdings Politikwissenschaft studiert hat, ist ein subjektivistischer, wie denn überhaupt alle kleinbürgerlichen Parteien stets einen solchen haben: der Mensch, ja der Mensch. „…weil ich glaube (!!), dass wir den Schlüssel zu einer guten Gesellschaft nur(!!) in uns selbst finden können.“ 4. Glauben ist eine Sache, Gesellschaftswissenschaft eine andere. Die Gesellschaft entwickelt sich bekanntlich nach den drei dialektischen Grundgesetzen: Einheit und Kampf der Gegensätze (Bourgeoisie/ Proletariat), Umschlag von Quantität in Qualität, Abbrechen der Allmählichkeit, revolutionäre Sprünge und Negation der Negation (staatenlose Urgesellschaft, Gesellschaften, die auf verschiedenen Formen des Privateigentums an Produktionsmitteln beruhen, und Sozialismus/Kommunismus). Bei der adialektischen Betrachtungsweise der Bewegung  “ bleibt die Selbstbewegung, ihre treibende Kraft, ihre Quelle, ihr Motiv im Dunkel (oder diese Quelle wird nach außen verlegt – Gott, Subjekt etc.)“ 5. Da nun Andrea Nahles obendrein noch gläubig ist, bedankt sich die Arbeiterklasse für diesen himmlischen Schlüssel, für diese himmlische Segnung.  Der Kleinbürger macht gerade vor der objektiven Dialektik der Selbstbewegung halt und verfällt in Subjektivismus, aus dem heraus er den Widerspruch vergöttlicht. (Was Marx schon bei Proudhon feststellte).  „Die ersten Sätze des Godesberger Programms üben auf mich wie auf Hunderttausende andere Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nach wie vor eine starke Anziehungskraft aus: „Das ist der Widerspruch unserer Zeit, dass der Mensch die Urkraft des Atoms entfesselte und sich jetzt vor den Folgen fürchtet…“ 5. Und so geht es im Godesberger Programm weiter:,,,dass der Mensch. dass der Mensch…Auch im am 20. Dezember 1989 verabschiedeten Berliner Grundsatzprogramm der SPD findet Nahles das schönste Bekenntnis zur Demokratie, das ihr „…in der sonst ja oft drögen politischen Sprache jemals begegnet ist: Der Mensch weder zum Guten noch zum Bösen festgelegt, ist lernfähig und vernunftfähig. Daher ist Demokratie möglich…“ Das alles ist mehr als erbärmlich und ein Armutszeugnis 6., nicht der Mensch macht Geschichte, oder soganannte große Männer und Frauen, sondern die Volksmassen, die Volksklassen und die treibende Kraft ist die Arbeiterklasse. Andrea Nahles geht als gläubige Katholikin noch heute regelmäßig in die Kirche und in der Onanie inniger Gebete kommt es dann wohl zu diesen abstrusen weltfremden Gedankenergüssen.7. Hegel führt in der Vorrede zur Rechtsphilosophie aus, dass man von der Natur zugebe, dass Gesetze in ihr regieren, dass man aber über die Gesellschaft, so wie man gerade gehe und stehe, den Stein der Weisen schon in der Tasche habe 8….und, fügen wir hinzu, den Schlüssel in sich. Der sozialdemokratische Revisionismus kommt immer wieder auf die anthropologische Fragestellung Kants zurück: Kant gab dem Philosophieren vier Fragen vor: Was kann ich wissen ? Was darf ich tun ? Was soll ich hoffen ? Und in unserer Fragestellung vor allem: Was ist der Mensch ? Da liege ja der Schlüssel, würde Andrea Nahles sagen. Rainer Blasius begeht in seiner sehr oberflächlichen Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1. 2010 (9.) den Fehler, den subjektivistischen Ansatz von Nahles nicht zu erkennen, so sagt er zwar einerseits ganz richtig, sie verbreite allgemeine Botschaften („Die Menschen wollen Sinn und nicht Spin“ 10.), findet aber gerade die biografischen Einblicke interessant, die sie gibt. Nicht darum geht es, sondern um ihre christlich-linkssozialdemokratische Botschaft, dass es immer Arme geben werde und dass es immer Einkommensunterschiede geben soll. Das sehen die Armen natürlich ganz anders. Unter der Diktatur der Arbeiterklasse herrscht gleicher Arbeitszwang für alle 11. und zur Besserung gehört die Generalsekretärin der SPD in ein Arbeitskollektiv, damit sie zur Lösung gesellschaftswissenschaftlicher Schlüsselfragen gelangt. Der Aktenvermerk müßte lauten: …da weitere (subjektivistische) Verwahrlosung droht.

Diese intellektuelle Verwahrlosung wird nun gerade auch und besonders im Kapitel: „Von der Würde der Arbeit“ sichtbar. Mit dem Slogan „Gute Arbeit für guten Lohn“ ging schon der frühere Arbeitsminister Olaf Scholz im letzten Bundestagswahlkampf betteln und hausieren. Nahles bekundet zunächst, daß das Wissen um den Wert der Arbeit „….tief in mir verwurzelt ist.“ 12. Aber ist dieses Wissen auch richtig ? Wissenschaftlich richtig muß es heißen: Wert der Arbeitskraft, aber das nur nebenbei. Selbstkritisch gibt sie zu, daß sich Sozialdemokraten zu wenig um die Bedingungen kümmern, „…unter denen die Menschen tagtäglich ihr Brot verdienen.“ 13. Ja was mögen denn das für Bedingungen sein !? Sie zitiert das Hamburger Programm der SPD: „Arbeit gehört zum menschenwürdigen Leben, aber sie muß auch menschenwürdig sein. (soweit das Programm/H.A…ja hier kreist der abstrakte Mensch wieder in sich.) Weiter sagt sie: „Schlichter als im Hamburger Programm kann man es nicht ausdrücken.“ 14. Ja, das ist schlicht und ergreifend —falsch !!, denn menschenwürdige Arbeit kann es unter kapitalistischen Bedingungen nicht geben. Wie alle kryptofaschistischen Parteien huldigt auch die SPD einem Kult der Arbeit und der Disziplin, der ideologisch das Privateigentum an Produktionsmitteln zementiert. Marx sah diesen Fehler schon im Gothaer Programm von 1875, die SPD hat also 135 Jahre !!! Zeit gehabt, den Fehler zu korrigieren. Im Gothaer Programm lag eine abstrakte Trennung von menschlicher Arbeitskraft und den kapitalistischen Bedingungen ihrer Anwendung vor, dass nämlich die Arbeiter/innen außer ihren eigenen Arbeitskräften kein Eigentum an den Produktionsbedingungen besitzen: „…denn gerade aus der Naturbedingtheit der Arbeit folgt, daß der Mensch, der kein anderes Eigentum besitzt als seine Arbeitskraft, in allen Gesellschafts- und Kulturzuständen der Sklave der anderen Menschen sein muß, die sich zu Eigentümern der gegenständlichen Arbeitsbedingungen gemacht haben. Er kann nur mit ihrer Erlaubnis arbeiten, also nur mit ihrer Erlaubnis leben.“15. Aus dem kleinbürgerlich verkürzten Arbeitsbegriff der SPD resultieren dann alle schlichten Fehler, die Nahles naiv aneinanderreiht: „Arbeit öffnet dem Einzelnen (nanu ? gibt es keine Arbeiterklasse ? /H.A.) die Türen zur vollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“ 16..muß heißen: zur lohnabhängigen Teilnahme am kapitalistischen Ausbeutungsprozess.  „Arbeit …ermöglicht den Wohlstand unserer (!?) Gesellschaft.“ 17…muß heißen: den ständig steigenden Wohlstand der kapitalistischen Klasse. Oder hat sich die menschgewordene Jesuitin (siehe Anmerkung 7) nicht mit der Weisheit des Volksmundes beschäftigt, dass die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden ? „Für mich heißt das Ziel nach wie vor Vollbeschäftigung.“ 18.Das ist aber nicht das Ziel der Arbeiterbewegung, sondern die volle Emanzipation der Arbeitskraft von ihrem Warencharakter, wie Engels im Anti-Dühring schrieb.19. Man muß Frau Nahles aber auch dankbar sein für dieses Buch, ich halte es für ein Musterbeispiel, wie sich die SPD als Arzt am Krankenbett des Kapitalisten profilieren möchte. Sie wolle für die gesellschaftliche Integration durch Arbeit, die bekanntlich frei macht,  kämpfen, also den Lohnsklaven bis zur Vergasung an das kranke marode krisengeschüttelte kapitalistische System binden. Man muß auch immer fragen: wo hinein soll denn integriert werden ? Ein staatliches Basiseinkommen lehne sie ab, stattdessen plädiere sie für eine Neubestimmung des Sozialstaates,“…der individuelle Erwerbsbiografien partnerschaftlich begleitet..“20. Über das Wesen des Staates ist von und über Aristoteles, Platon, Hobbes, Kant, Hegel, Marx und Lenin…u.a.  viel Tiefsinniges geschrieben worden, aber noch keine/r kam auf die Naivität, ihn als Partner zu bezeichnen. Das ist ja gerade die Tragik in der Antigone von Sophokles.  Die lesenden Arbeiter und Arbeiterinnen, die lesenden Bauern und Bäuerinnen, letztere läßt Nahles in gut menschewistischer Tradition außer Acht, finden bei Karl Marx die zentrale Deutung des neuzeitlichen bürokratischen Staates als eines nationalen Kriegswerkzeugs des Kapitals gegen die Arbeit 21…oder ist etwa nicht wahr, dass die Ermordung der Arbeiterführer Liebknecht und Luxemburg durch die Reichswehr nur mit partnerschaftlicher Beihilfe der Berliner SPD erfolgen konnte…oder ist etwa nicht wahr, daß die SPD durch ein von „Genosse“ Hörsing 1921 organisiertes Polizeimassaker  der Ermordung von über 150 Leuna Arbeitern präsidierte (die unter der Parole kämpften: „Dass unsere Wohnstätte kein Gelände der Konterrevolution wird)…oder ist etwa nicht wahr, dass der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin Zörrgibel 1929 partnerschaftlich auf eine unbewaffnete 1.Mai Demonstration schießen ließ mit über 30 Toten und Hunderte Verletzte…oder ist etwa nicht wahr, dass unter der Federführung des von Nahles angehimmelten Willy Brandt Zehntausende von fortschrittlichen Lehrern partnerschaftlich unter das Berufsverbot gesetzt wurden, also erst gar keine Erwerbsbiografie beginnen konnten, damit mittelalterliche Dunkelmänner in den Schulen weiterhin Minderjährige geistig verführen. Als Nazikolonnen am 31. Januar 1933 triumphierend durch das Brandenburger Tor marschierten, sagte der Maler Max Liebermann: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen muß. Das Gleiche stößt einem bei der Lektüre des hier besprochenen Buches auf. Die SPD hat so viele Stimmen eingebüßt, weil die arbeitenden, lesenden und denkenden Menschen immer mehr mit ihrer Vernunft erkennen, wessen Partner die SPD ist.  „Durch Verführtsein von dem Zeitgeist / Waldursprünglich Sansculotte / Sehr schlecht tanzend, doch Gesinnung…Kein Talent, doch ein Charakter.“ Heinrich Heine: Atta Troll Kaputt 24″.
Läßt man ihre Aussage Revue passieren, sie sei  Christin gewesen, bevor sie Sozialdemokratin geworden sei, so drängt sich einem ja völlig von selbst die Vermutung auf, dass sie sich in ihrem 20 semestrigen Politikstudium wohl mehr mit den Kirchenvätern Thomas von Aquin und Augustinus als mit Marx und Engels beschäftigt habe. „Den Seinen  gibt er´s schlafend, ist auf die Wissenschaft angewendet worden, und damit hat jeder Schlafende sich zu den Seinen gezählt, was er so im Schlafe der Begriffe bekommen, war denn freilich auch Ware danach.“ 22. Hegel sprach in diesem Zusammenhang vom „Brei des Herzens“ , vom einfachen Hausmittel des Gefühls.23. ( Ein ähnlich übles Machwerk ist das Buch von Oskar Lafontaine: Mein Herz schlägt links).In ihrer Analyse über das schlechte Wahlergebnis der SPD kommt Genossin Nahles zu dem Schluß, die SPD habe es zwischen 2003 und 2005 versäumt, die Menschen im Lande emotional anzusprechen. „Der amerikanische Psychologe Drew Westen bringt es auf den Punkt: Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“ 24. Wenn man den Schlußsatz  der Schrift von Friedrich Engels: „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“ bedenkt, dass die deutsche Arbeiterbewegung die Erbin der deutschen klassischen Philosophie sei 25. , so bringt die Bezugnahme auf einen dahergelaufenen us-amerikanischen Psychologen einmal mehr die intellektuelle Verwahrlosung der Frau Nahles auf den Punkt. Um nun sogleich in einem us-amerikanischen Slang zu bleiben, so sieht und begreift Nahles die SPD und sich als Dealerin mit dem Kapital, 147 Jahre habe die SPD mit dem Kapital einen erfolgreichen Deal betrieben zum Ausgleich und zum Wohl der kleinen Leute. Zum Wohl der kleinen Leute ? Durch diesen Deal ist doch Deutschland zweimal zum Ausgangspunkt eines Weltkrieges geworden zum Wohl von über 80 Millionen Toten. 1914 wurde mit Ausnahme von Karl Liebknecht mit dem Kapital um die Kriegskredite gedealt mit sehr großem Erfolg für das Kapital und es ist in der historischen Forschung ausgemacht, dass die Ergebnisse des ersten Weltkrieges bereits den Keim des zweiten in sich trugen. Bereits im März 1850 warnten Marx und Engels in der Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten, dass die demokratischen Kleinbürger den Arbeitern weit gefährlicher seien als  die liberalen Bourgeois von 1848 und dass eines ihrer Hauptanliegen die „Vertuschung des Klassenkampfes“ sei.26. Bei dem Deal der SPD mit dem Kapital, sprich: bei deren Arschkriecherei,  ist für die Werktätigen dann immer auch nur A.Nahles herausgekommen.

In ihrem Buch präsentiert sich Andrea einmal  als sozialdemokratische Barbiepuppe (….daß auch der Konsum von TV-Seifenopern den Menschen dabei helfe, „….sich in der Gesellschaft zu orientieren…und letztlich ihr individuelles Verhalten an den Normen einer gut funktionierenden Gesellschaft auszurichten.“ 27. – der Leser, der es nicht glaubt, schaue bitte auf S. 85 !! -), also liegt der Schlüssel zu einer guten Gesellschaft dann doch nicht nur in uns, sondern auch in Seifenopern. Dann aber auch wieder als Politikerin mit einem philosophischen Anspruch  und bekennt sich in dieser Hinsicht eindeutig zur Aufklärung, was nach dem Lob für Seifenopern aber nicht weit her sein kann. „Zurück zu Kant“ war und ist die Devise des Revisionismus und auch hier wieder ein Danke schön für die Offenherzigkeit: „Aus gutem Grund bin ich Sozialdemokratin und nicht Kommunistin. Mir liegt der aufklärerische Begriff der Emanzipation von selbstverschuldeter Unmündigkeit näher als die Idee einer kollektiven Zwangsbeglückung. Für mich ist das Anliegen der Aufklärung die Grundlage moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten.“ 28. Stellenweise fast wörtlich angelehnt an die Aufklärungsschrift von Kant aus dem Jahre 1783. Indeß ist fraglich, ob die katzenbuckelnde Haltung Kants gegenüber der Obrigkeit, der man bei Strafe 29. gehorchen muß, wirklich als Vorbild für Demokraten zu werten ist. Kant sah sich sehr vor, an dem Mechanismus von  Befehl und Gehorsam überhaupt zu rühren, der Bürger, der Offizier…usw. könne aber nach Dienstschluß als Feierabendphilosoph und Mitglied der weltbürgerlichen Gesellschaft  in Aufsätzen für Fachzeitschriften Verbesserungsvorschläge machen, wie ein Gelehrter, „…der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet.“ 30. Diese biedere Grundhaltung ist doch sehr angenehm für unsere sozialdemokratischen Käuzchen. Für Kant war die bürgerliche Republik ein Postulat der praktischen Vernunft, das man nie erreichen wird, das man aber als Ziel anstreben und in der Gesinnung festhalten soll.  31. Marx und Engels wiesen uns stets darauf hin, dass die Arbeiterklasse organisiert und bewaffnet sein müsse. „Die Bewaffnung des ganzen Proletariates mit Flinten, Büchsen, Geschützen und Munition muß sofort durchgesetzt, die Wiederbelebung  der alten, gegen die Arbeiter gerichteten, Bürgerwehr muß entgegengetreten werden.“ 32. Das ist die Grundlage „moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten“.

Wenn, wie hier, der seltene Fall vorliegt, dass eine Politikerin 20 Semester Politikwissenschaft im universitären Ghetto studiert hat, so erstaunt es schon, dass Blasius in seiner Buchbesprechung vom 11.1. 2010 in der FAZ nicht auf den Politikbegriff von Nahles eingeht, den sie durch ihr demokratisches Menschenbild geprägt sieht. Demokratisches Menschenbild ? Da haben wir wieder die Unfähigkeit, politische Zusammenhänge in Massen und Klassen zu denken.  Marx und Engels bemerkten in der „Heiligen Familie“, dass es sich nicht darum handele, was der einzelne Proletarier einstweilen denkt, sondern was das ganze Proletariat als Klasse gezwungen sein wird zu tun. Wieder ein fundamentaler sozialdemokratischer Fehler: Politik an ein Menschenbild zu koppeln und damit Politik als anthropologische Konstante zu kristallisieren frei nach dem Motto: wo Menschen sind gibt es auch Politik. Denkt man die Hauptlosung selbst der bürgerlichen Revolution: „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“ zu Ende, so ist diese im Kern politikfrei. „Alles fließt“, hinterließ der griechische Philosoph Heraklit der Nachwelt und so ist auch Politik, der zu keiner Zeit irgendein Menschenbild zugrunde lag, sondern die ökonomische Unterdrückung von Klassen durch Klassen, etwas historisch Vorübergehendes. Lenin lehrte uns, dass mit dem Staat auch die Demokratie abstirbt. Durch seinen ersten Manchesteraufenthalt (1842 – 1844) erkannte Friedrich Engels, dass Politik als etwas von der Ökonomie Ableitbares begriffen werden muss. Marx entwickelte diesen Gedanken weiter und schrieb der Politik im proletarischen Emanzipationskampf nur noch eine Sekundanzfunktion zu: „Die Revolution überhaupt, der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg.“ 33. Dieses Fortschleudern der Politik muß im marxistischen Bewußtsein immer präsent sein, sonst bekommen wir diese sozialdemokratischen Politschmarotzer nie vom Halse mit ihren Kathederweisheiten: „Jede Form von Politik ist geprägt durch das Menschenbild ihrer Akteure. In Demokratien ist es das Leitbild des rational handelnden, die Alternativen prüfenden und schließlich abwägend entscheidenden Staatsbürgers, das die Politik bestimmen sollte.“ 34. Je nach Bedarf scheint die Politikerin Nahles vor der Alternative zu stehen: rational handelnder Staatsbürger oder der Weisheit des us-amerikanischen Psychologen Drew Westen folgend: „Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“35. Des weiteren schreibt sie, daß Gott verrückt sei. Dann aber sind rational denkende Atheisten am besten geeignet zur Demokratie…usw…usf. Vor allem verbreitet sie auch über ihre Vertuschung des Klassenkampfes Illusionen über  eine Potenz der Politik, wirtschaftliche Prozesse nach ihren Vorgaben zu steuern, sie meint dieses natürlich nicht im Sinne einer sozialistischen Planwirtschaft. Diese angebliche Fähigkeit der Politik ist besonders in Wahlkämpfen ein sehr beliebtes Gaukelbild zum Stimmen- und Dummenfang. In einem kapitalistischen Staatshaushalt kommt es notwendig zur Staatsverschuldung, „…und mit der Staatsverschuldung nothwendig die Herrschaft des Staatsschuldenhandels, der Staatsgläubiger, der Bankiers, der Geldhändler, der Börsenwölfe.“ 36.

1. Andrea Nahles, Frau gläubig links, Pattloch Verlag 2009,236

2.a.a.O.,8

3.Vgl. W.I.Lenin, Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Progress Verlag Moskau 1975,582

4.Nahles.a.a.O.,8

5.Lenin, Zur Frage der Dialektik, Lenin Werke Band 38, 338f.

6. In diesem Zusammenhang ist auch die Kritik Marxens an Feuerbach interessant: Feuerbach bedenkt nicht, „…daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.“ (Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,7)

7. „Immer wenn ich von meinen täglichen politischen Auseinandersetzungen in eine Kirche komme oder bete, wird so einiges in meinem Kopf und in meiner Seele wieder gerade gerückt“ (S.103) Da haben wir die Jeanne d´Arc der SPD… und in der Tat muß einiges gerade gerückt werden: Schon rührend ist die Entblößung, wie sie zu ihrem gesellschaftlichen Engagement gekommen sei: durch einen Satz des früheren Bischofs von Limburg Franz Kamphaus: „Mache es wie Jesus, werde Mensch !“  August Bebel hatte tausend mal Recht mit seiner Aussage: „…jeder Religionslehrer ist ein Feind des wahren Fortschritts der Menschheit, er ist gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen, das ausgerottet werden muß.“  (August Bebel: Die moderne Kultur ist eine antichristliche, Alibri Verlag 2007,61) Die Dialektik der Geschichte hat nun diesen Verlauf genommen, daß heute die GESAMTE SPD gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen ist, das ausgerottet werden muß. Diese Versumpfung der deutschen Sozialdemokratie hatte schon Engels gegen Ende des 19.  Jahrhunderts festgestellt, als die Formel: „Erklärung der Religion zur Privatsache“ völlig verräterisch auch auf die Partei des revolutionären Proletariats ausgedehnt wurde. (Siehe seine Einleitung zum Bürgerkrieg in Frankreich). Die Partei verzichtete damit nach Lenin auf den Kampf gegen das volksverdummende Opium Religion. (Siehe Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960, 464)

8.Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorrede zur Rechtsphilosophie, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Bd. 7, Frankfurt am Main 1970, 15f. Dies gilt auch für „Marxisten“, die den Sozialismus nicht wie eine Wissenschaft studieren wollen, die meinen, es genüge sich zu bekennen. Brecht sagte, der Kommunismus ist das Einfache, das so schwierig zu machen sei.

9.Rainer Blasius: Maria hilft, Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1.2010.S.6

10. Nahles, a.a.O.,45

11.Marx Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983, 69

12.Nahles,S.54

13.a.a.O.,58

14.a.a.O.

15.Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1953, 11

16. Nahles,58

17.a.a.O.

18.a.a.O.,62

19. Vgl. Friedrich Engels, Anti-Dühring, in: Marx,Engels: Ausgewählte Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin 1972,221

20. Nahles,a.a.O.,66

21. Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, MEAW, Progress Verlag Moskau 1975,300

22. G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, Vorrede, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Band 7, Frankfurt am Main 1970, 18

23.a.a.O.,19

24.Nahles,a,a,O.,45

25.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21,307

26. Vgl. Karl Marx/Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in MEGA I,10. Dietz Verlag Berlin 1977, 254 ff. „Es kann sich für uns nicht um eine Veränderung des Privateigenthums handeln, sondern um seine Vernichtung, nicht um die Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um die Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um der Gründung einer neuen.“(S.258) Ein Musterbeispiel für die Vertuschung des Klassenkampfes findet der Leser auf S. 95: Der illegalen Bespitzelung der Arbeiter/innen durch die Kapitalisten will sie was entgegensetzen ? Nicht etwa die Bestrafung der Kapitalisten, sondern: wir müssen die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Sozialdemokratin möchte ich sehen, die bei Straftaten von Arbeiter/innen ebenfalls sagt: nicht bestrafen, sondern die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Kapitalisten haben völlige Straffreiheit, denn sie sind ja in der gesamtgesellschaftlichen Solidarität auch mit eingeschlossen. Die Vertuschung des Klassenkampfes durch Andrea Nahles läuft darauf hinaus, die Kapitalisten außerhalb des Gesetzes zu stellen. Asoziales ergänzt sich zu Asozialem.

27. Nahles, a.a.O., 85

28. a.a.O.,81

29. „…sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal  (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte) bestraft werden.“ Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung ?, in: Was ist Aufklärung, Reclam Verlag  Stuttgart 2008, 12

30. a.a.O.

31. Vgl. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,180

32. Karl Marx, Friedrich Engels, Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin, 1977,260

33.Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1,409

34. A. Nahles, a.a.O., 82

35.a.a.O., 45

36. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin, 1977,181

Andrea Nahles erwarb nach 20 Semestern Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm Universität in Bonn bei Professor Jürgen Fohrmann ihre Magistra artium. (Meisterin der freien Künste). Aber auch diese Meisterinnen sollten sich  an eine gewisse Disziplin des Denkens gebunden fühlen.

Heinz Ahlreip, 1.2.2010

Pipes Kommunismusbuch

22. Dezember 2009

Der Zusammenbruch der sich auf den Moskauer Leninismus beziehenden sozialpolitischen Gesellschaftssysteme, der, läßt man einmal das revolutionäre Albanien, das sich ja von ihm abgewandt hatte,  außen vor, 1991 abgeschlossen war, hat nicht nur sozial und weltpolitisch verheerende Auswirkungen gehabt, sondern auch ideologisch. Man war auf einmal zurückgeworfen auf das Gedankengut der bürgerlichen Aufklärung, die genuin mit dem radikalen Zweifel Descartes anhob. Dahin hat es diese bürgerliche Aufklärung gebracht, dass an allem zu zweifeln ist, nur nicht an der Fehlerhaftigkeit des egoistischen Menschen und dass er folglich zum Kommunismus nicht tauge, da der Egoismus eine anthropologische Konstante sei.  Diese konterrevolutionäre Doktrin steht eisern. Inzwischen aber hat sich gezeigt, dass die Verelendung der Weltbevölkerung trotz des Sturzes der kommunistischen Tyranneien zugenommen hat, daß der Imperialismus drauf und dran ist, die ganze Welt in einen einzigen blutigen Klumpen zu verwandeln (1.) und dass nur ausgenommen dumme und ausgenommen dreiste Menschen damals von blühenden Landschaften phantasieren konnten. Wer den Imperialismus mit einem menschlichen Anlitz maskiert, ist ein schäbiger Volksbetrüger und gehört versetzt, sagen wir, unter die Känguruhs nach Australien. Wenn also Professor Pipes 2001 eine Generalabrechnung mit dem Kommunismus vorlegt, so kann man sagen,das Buch kommt 10 Jahre zu spät (2.) In der Euphorie des die Kommune wie die Pest hassenden Bürgertums wäre es um die Jahreswende 1991/1992 noch verständlich gewesen. Es war immerhin der führende Kopfjäger der Roten Armee Fraktion, der Ex-BKA Chef Horst Herold, der 2000 zu der Einsicht kam, dass das Scheitern des Kommunismus Probleme hinterlassen habe, die zu seinem Entstehen geführt hätten. (3.) Pipes ist in der angelsächsischen Tradition ein Vertreter des common sense, des gesunden Menschenverstandes, und wir finden durch seine Kommunismuswiderlegung eine vortreffliche Bestätigung der Worte von Friedrich Engel, dass der gesunde Menschenverstand, „…ein so respektabler Geselle er auch in dem hausbackenen Gebiet seiner vier Wände  ist, er  ganz wunderbare Abenteuer erlebt, sobald er sich in die weite Welt der Forschung wagt…“(4.) Pipes bezeichnet Stalin als schizophren, wir werden am Ende der Buchbesprechung sehen, auf wen dies wirklich zutrifft.

Es ist wohl auch der angelsächsischen Tradition geschuldet, dass  Pipes eine recht bizarre, umständliche geistesgeschichtliche Ableitung des Marxismus offeriert, phantasiereich, aber undiszipliniert: der Marxismus gehe zurück auf Plato, Locke und Helvetius. Das klingt gelehrt, der Kern der Sache ist aber ein anderer: Im Selbstverständnis des Marxismus und auch objektiv richtig sind drei Quellen zu nennen: die klassische deutsche Philosophie, der französische radikale Sozialismus und die bürgerliche englische politische Ökonomie, die alle von Marx kritisch überwunden wurden. (5.) Pipes gleitet hier ab, weil er die Methode der immanenten Kritik mißachtet: sich in den Kreis der Stärke der Logik des Gegners zu stellen und diesen von innen heraus zu destruieren. Auf Lenins Schrift: „Drei Quellen und drei Bestandteile des Marximus“ geht Pipes nicht ein, das wäre aber die Bedingung gewesen, um die klassische deutsche Philosophie, den französischen Sozialismus und die englische politische Ökonomie durch Platonismus, Lockeanismus und durch die französische Aufklärung in Gestalt von Helvetius zu ersetzen. Vor allem der Materialist Helvetius hat es ihm angetan, ja er zeichnet ihn sogar als einen Vater der Oktoberrevolution: „In gewisser Hinsicht stellte der von Lenin im November 1917 in Russland errichtete kommunistische Staat ein grandioses Experiment in Sachen öffentliche Erziehung dar, das auf der Grundlage des von Helvetius entwickelten Modells versuchte, einen vollkommen neuen, von allen Übeln einschließlich dem vom Besitzstreben freien Menschen zu erschaffen.“ (6.) Also eine Art „Besserungstyrannei“.

Es ist beliebt, die Thematik des Kommunismus mit allgemeinen Reflexionen über die Gleichheit aller Menschen einzuleiten. Pipes deutet den Kommunismus Marx Engelscher Prägung als Schreckensszenario der Gleichheit aus, ohne aber überhaupt näher auf die Dialektik zwischen bürgerlicher und proletarischer Gleichheit einzugehen. (Dass die Aristokratie den Gleichheitsgedanken verwirft, versteht sich ja von selbst). Die französische Egalite von 1789 beinhaltete die politische Gleichheit in Form der Abschaffung von Klassenprivilegien, jedoch nicht die Abschaffung der Klassen selbst. Für den Bourgeois bedeutet letztere Abschaffung natürlich eine Gesellschaft der Uniformität, was sie mitnichten ist. Der Verdienst der materialistischen Dialektiker Marx und Engels besteht gerade darin, die ideologisch ins Überzeitliche verzeichnete Kategorie der Gleichheit klassenmäßig konkretisiert zu haben. Es ist bürgerliches Vorurteil, Gleichheit als ewige Wahrheit zu betrachten, selbst heute noch manchmal religiös verzerrt (vor Gott sind alle Menschen gleich und Gott ist von Ewigkeit zu Ewigkeit). Marx wies im „Kapital“ darauf hin, dass das bürgerliche Vorurteil sich erst recht in einer warenproduzierenden Gesellschaft verfestigt. „Das Geheimnis des Wertausdrucks, die Gleichheit und die gleiche Gültigkeit aller Arbeit, weil und insofern sie menschliche Arbeit überhaupt sind, kann nur entziffert werden, sobald der Begriff der menschlichen Gleichheit bereits die Festigkeit eines Volksvorurteils besitzt. Das ist aber erst möglich in einer Gesellschaft, worin die Warenform die allgemeine Form des Arbeitsprodukts, also auch das Verhältnis der Menschen zueinander als Warenbesitzer das herrschende gesellschaftliche Verhältnis ist.“ (7.) Nichts einfacher als die bornierte bürgerliche Gleichheitsideologie dem Kommunismus unterzuschieben. Indem aber die proletarische Revolution der menschlichen Arbeitskraft den Warencharakter nimmt, fällt auch der ganze bürgerliche Gleichheitsschwindel in sich zusammen.

Da Pipes aber in seinem ganzen Buch die Themen nur oberflächlich streift, kommt er auch zu einer völlig abwegigen Deutung des Kommunismus als religiöses Phänomen: „Die emotionale Wirkung dieser Lehre gleicht der von Religionen, insofern sie ihren Anhängern die unerschütterliche Überzeugung verleiht, dass, gleichgültig, wie viele Rückschläge sie auch erleiden, ihre Sache am Ende triumphieren muss.“ (8.) Das kann man natürlich schreiben, wenn man Marx die Feuerbach´sche Religionskritik unterschiebt. „Der Begriff der Verdinglichung bezeichnet die Vergegenständlichung (Konkretisierung) eines Abstraktums. Laut Ludwig Feuerbach nannte Marx als Beispiel dafür die Neigung des Menschen, alles, was er als gut und erstrebenswert erachtet, auf ein (nach Marx´ Auffassung) nicht existentes Wesen zu projizieren, dass er als „Gott“ bezeichnet.“ (9.) So sah es Feuerbach, Feuerbach hat bekanntlich seine Religionskritik nicht Karl Marx übereignet. Karl Marx hat in seinen Feuerbachthesen vielmehr kritisiert, das Feuerbach vom Abstraktum Mensch ausgeht und nicht zu den gesellschaftlichen Wurzeln des religiösen Übels durchdringt. Laut Karl Marx muss man die gesellschaftlichen Bedingungen verändern, aus denen Religionen gestiftet und produziert werden, gleich welche -ismen diese haben. „Feuerbach sieht daher nicht, daß das religiöse Gemüt selbst ein gesellschaftliches Produkt ist und daß das abstrakte Individuum, das er anaylisiert, einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.“ (10.)

Pipes gleitet auch am zweiten Kapitel seines Buches ab, in dem er den Leninismus abhandelt. Er beginnt mit einem zaristischen Ansatz und fängt die Hinleitung zum Leninsmus mit Peter dem Großen an, was originell erscheinen kann, gelänge der Übergang in die Thorie des Leninsmus. Aber von diesem zaristischen Ansatz kann Pipes sich nicht lösen, er verbleibt in einer längst überholten Geschichtsauffassung, dass große Männer Geschichte betreiben. So ist es nur folgerichtig, dass er die Theorie Lenins durch dessen Biografie ersetzt und der Leser nichts über den wissenschaftlichen Gehalt des Leninismus erfährt, die in ihm enthaltene Imperialismusanalyse, der Leninismus als Marxismus in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution, die Theorie des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande, die Lenin und Stalin gegen Trotzki durchsetzten. Im April 1924 hielt Josef Stalin Vorlesungen an der Swerdlow Universität über die Grundlagen des Leninismus, die auch als Broschüre, auch in englischer Sprache erschienen.(11.) In diesen Vorlesungen wird das Wesen des Leninismus in hervorragender Weise dargelegt. Auch hier geht Pipes nicht auf das Wesen der Sache ein, erwähnt diese Schrift nicht einmal, seine Widerlegung des Leninismus rutscht deshalb ins Lächerliche ab und läuft darauf hinaus, dass Lenin halt ein böser Mensch war.(12.) Das sind die Gelehrten, die nur über den Sachen sind, weil sie nicht in den Sachen sind. Folgt man der Geschichtsauffassung des reaktionären preußischen Historikers Treitschke, dass Männer Weltgeschichte machen, bleiben Überzeichnungen nicht aus, die bis ins Karikaturhafte gehen können. Das Lieblingswort Pipes ist in dieser Beziehung: inszenieren. Nicht nur soll Lenin den russichen Bürgerkrieg zwischen Roten und Weißen inszeniert haben(13.),  sondern er wollte auch einen Zweiten Weltkrieg anzetteln (14.). Es gehört zur Seriosität eines Historikers, objektive Tatsachen zu berücksichtigen, Klassen, Massen, einzelne Personen bewirken nichts. (15.) Das Ziel der arbeitenden Menschheit, der Weltgeschichte, des proletarischen Endkampfes liegt nach der Heroentheorie nicht an ihrem Ende, sondern in ihren Genies. Der Personenkult ist genuin volks- und massenfeindlich, als wäre das geniale Gehirn Lenins der Scheitelpunkt der kommunistischen Weltbewegung. Lenin wies  darauf hin, uns zu hüten, Revolution mit großen Buchstaben zu schreiben, in der Dialektik zwischen Kollektivität und historischer Persönlichkeit dominiert das Kollektiv.

Aber es geht noch flacher. In der wohl traurigsten Stelle des Buches geht Pipes auf das Verhältnis der Industriearbeiter zum Bauerntum ein, dass die Marxisten „das Bauerntum als eine kleinbürgerliche Klasse und somit als einen eingeschworenen Feind der Industriearbeiter“  betrachteten, „ungeachtet des Umstands, dass die Mehrheit der russischen Industriearbeiter aus Dörfern stammte und dorthin auch enge Beziehungen unterhielt.“ (16.) Bekanntlich zersetzte sich das „Bauerntum“ in Klein- und Mittelbauern und in Kulaken, die richtigen Beziehungen zu diesen drei Bauernklassen bezeichnete Lenin wiederholt als die Schlüsselfrage der Diktatur des Proletariats, wobei die freundschaftlichen Beziehungen zu den Kleinbauern der entscheidende Schlüssel war. Man kann zu Lenin weltanschaulich und menschlich stehen, wie man will, aber man wird anerkennen müssen, dass er eine Präzision in der Analyse der Klassen einer gegeben Gesellschaft an den Tag legte, die an Schärfe ihresgleichen sucht. Allein die quantitative Relation zwischen der relativ kleinen Schar der Industriearbeiter und den zahlenmäßig alles dominierenden Bauern hätte eine derartig martialische Politik ins Selbstmörderische getrieben. Hätten die Bolschewiki das Bauerntum wirklich als eingeschworenen Feind der Industriearbeiter betrachtet und behandelt, so stünde heute nach 85 Jahren kein Lenin Mausoleum mehr, wäre Stalin nicht über 30 Jahre Generalsekretär der KPdSU gewesen (17.) Die Völker sind nicht so dumm, wie Pipes meint. Der Sieg des Sozialismus im Großen Vaterländischen Krieg war gerade deshalb möglich, weil das Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern in der Roten Armee hielt.Warum ist zum Beispiel Fidel Castro ein halbes Jahrhundert anerkannter Führer der kubanischen Revolution ? Ein Volk läßt sich nicht ein halbes Jahrhundert lang betrügen ! Pipes hätte besser daran getan, sich vor der Niederschrift seines Buches einmal mit dem Begriff der Bauernschläue zu befassen. Dann wäre ihm folgende Peinlichkeit nicht unterlaufen: „Die Kollektivierung bedeutete für die Bauern einen Rückfall noch hinter den Status, den sie vor 1861 als Leibeigene innegehabt hatten.“ (18.) Vielleicht dachten die Nazis so und waren sich daher eines weiteren Bltzkriegsieges sicher.

Das Scheitern des sowjetischen Kommunismus, das im Grunde ein Scheitern des Revisionismus war, erklärt uns Pipes auf eine wirklich „originelle“ (19.) Art: „Der Niedergang des Systems setzte ein, als sich Stalins Nachfolger nach seinem Tod für Stabilität entschieden und die Bürger nicht länger die Notwendigkeit der ihnen abverlangten Opfer einsahen.“ (20.) Hier kommt das In-Szene-Setzen, das Inszenieren von Geschichte wieder ins Spiel: also im Gegnsatz zu Lenin und Stalin waren deren Nachfolger nicht mehr auf das Inszenieren von Geschichtskrisen aus, die allein Bürger duckmäuserisch hält. So entstand eine Atmosphäre der Apathie, in der am Ende selbst die sowjetische Elite den Zusammenbruch relativ gleichgültig hinnahm. „Der Kommunismus in Rußland hatte sich selbst verzehrt.“ (21.) Ein fürwahr vortrefflicher Satz ! (22.) Wenn man von dem Ausgangspunkt der Sowjetunion ausgeht, an dem Lenin die Sowjets als Keimformen des Absterbens jedes Staates bezeichnete, so ist vielmehr zu fragen, wie konnte es zu der Fehlentwicklung kommen, dass heute eine Diktatur der Sowjet-KGB-Mafia in Rußland existiert. Durch die Auflösung der Maschinen-Traktor-Stationen 1958 wurden ungeheure Mengen von Produktionsinstrumenten der Landwirtschaft in die Bahn der Warenzirkulation geworfen und diese Erweiterung des Wirkungsbereichs der Warenzirkulation ging bis zu dem Punkt, an dem ein Umschlag von Quantität in Qualität erfolgte- für das Proletariat in negativer, für die Bourgeoisie in positiver Hinsicht, insofern durch diese ökonomische Verschiebung das Wertgesetz auch wieder Regulator der Produktion wurde. Durch Überhandnehmen der Warenzirkulation aus der Kurve zum Kommunismus geschleudert, nahm die Lokomotive einen Kurs in Richtung Konsumismus, an dessen Ende sich die Staatsstreichgewinnler an ihren Gulaschhäppchen übergeben mußten.

1. „Das Geschäft mit dem Krieg kennt keine Krise“ lautet der Titel eines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.12.2009, S.19. Ein neues Wettrüsten hat das Waffengeschäft zu einem gewaltigen Wachstumsmarkt gemacht in einer gewaltigen globalen Rüstungsspirale. „Nach Berechnungen des Internationalen Instituts für Friedensforschung in Stockholm (Sipri) sind die Militärausgaben auf der Welt seit Ende der neunziger jahre um etwa 90 % gestiegen. Die Welt hat in einem seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gekannten Maß aufgerüstet…“ Dabei ist die deutsche Industrie nach den USA und Rußland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt, 70 % der deutschen Rüstungsproduktion gehen ins Ausland. Was sind denn das für interessante Früchte einer sog. „friedlichen Revolution“ ? Der ehemalige Offizier der US Marine, Christopher A. Preble bezeichnet in seinem Buch: „The Power Problem“ (Cornell University Press, Ithaca New York 2009,212 S.) die gegenwärtige us-amerikanische Militärstrategie als  größenwahnsinnig, die die Welt unsicher mache. Die US-Militärmaschine sei so gigantisch, dass nach immer neuen Kriegen gesucht werden muss. Washington könne heute wohl mehrere Kriege unterschiedlicher Intensität gleichzeitig führen. (siehe: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.1.2010,6)

2. In deutscher Sprache erschien es erst 2003 im Berliner Taschenbuch Verlag (Verlagsgruppe Random House). Pipes (geboren am 11. Juli 1923 in Cieszyn/Polen als Sohn eines Unternehmers) lehrte 46 Jahre an der Harvard Universität ( von 1950 bis 1996) und war an ihr von 1968 bis 1973 Direktor des Zentrums für russische Studien. Während des Kalten Krieges stand er einem Gremium von auswärtigen Experten namens Team B vor, das die strategischen Ziele und Kapazitäten der Sowjetunion für die CIA eruierte.

3.Vgl. Horst Herold, Die Lehren aus dem Terror, Süddeutsche Zeitung Nr 116, 30./31. Mai 2009, Seite 9

4. Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Marx Engels, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1953, 120

5. Siehe: Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, LW 18,576ff.

6. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,21

7. Karl Marx, Das Kapital, MEW 23, 74

8. Richard Pipes, Kommunsimus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,24. Man findet ein Seitenstück dazu bei bei Alexis de Tocqueville: Die französische Revolution ist selbst eine Art neue Religion geworden, die „…gleich dem Islam , die ganze Erde mit ihren Soldaten, ihren Aposteln und ihren Märtyrern überschwemmt hat.“( Alexis de Tocqueville, Der alte Staat und die Revolution, Kapitel: Die französische Revolution war eine politische Revolution, die in der Art religiöser Revolutionen verlief, in: rororo klassiker, Rowohlt Verlag Hamburg, 1969, 24) Indeß kam es doch auf ihrem Höhepunkt 1793/94 zu einer heftigen Entchristianisierungsbewegung.

9.a.a.O.,31

10.Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,7

11.J,W,Stalin, Über die Grundlagen des Leninmus, in: Stalin: Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin 1951, 9ff.

12.1926 wurde noch eine wichtige Schrift von Stalin verfasst: Zu den Fragen des Leninismus, in: Stalin: Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin 1951,134f.

13. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,65

14.a.aO.,79

15. Vgl. Lenin; Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, LW 24,47

16. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,71f.

17. Stalins Leichnam wurde nicht 1956 aus dem Leninmausoleum entfernt (siehe Pipes,114),  sondern erst 1961. Das ist ja gerade das Nachdenkenswerte, dass die Revisonisten aus Angst vor einem Volksaufstand Lenin noch 5 Jahre neben einem vom XX. Parteitag ausgewiesenen Verbrecher liegen ließen. Auch Pipes sieht Stalin gerne so, zum Beispiel als Mörder Kirows:“1934 fiel ein prominenter Bolschewik, der Sekretär der Leningrader Parteiorganisation Sergej Kirow, einem Attentat zum Opfer; obwohl die Umstände des Attentats niemals ganz geklärt wurden, deuten etliche Indizien auf Stalin als Drahtzieher des Mordes hin.“ (a.a.O.,93) Entweder, Herr Professor, nenen sie diese Indizien oder sie schweigen. Natürlich malt er die auf die Ermordung Kirows folgenden Säuberungen in den dunkelsten Farben, sieht sich aber immerhin zu der Angabe gezwungen, dass nur 1,4 % der Bevölkerung im Gulagsystem inhaftiert waren. Auch führt er, was für einen us-amerikanischen Professor lobenswert ist, richtig aus, dass die Sowjetunion die Hauptlast des Zweiten Weltkrieges zur Niederringung der Nazibarbaren zu tragen hatte. „Allein bei der Schlacht um Kiew im Sommer 1941 verloren 616 000 russische Soldaten ihr Leben, und die Offensive im Don-Becken zwei Jahre später forderte in den Reihen der Roten Armee 661 000 Opfer. Ausländische Wissenschaftler veranschlagen die sowjetischen Gesamtverluste im Zweiten Weltkrieg auf zwanzig Millionen Menschenleben…über das Dreifache der Verluste der Wehrmacht an der Ostfront (2,6 Millionen) . Von den rund fünf Millionen sowjetischen Soldaten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, starben zwischen 1,9 und 3,6 Millionen an Unterernährung, in Gaskammern oder bei Erschießungen.“ (a.a.O.,112f.) Zahlen, die den Kapitalismus anklagen, nicht den Kommunismus.

18.a.a.O.,91

19. Die Krisentheorie, dass autoritäre Regime Krisen zu ihrer Aufrechterhaltung benötigen, wird vertreten von Michail Heller und Aleksandr Nekrich: Utopia in Power: The History of the Sovjet Union from 1917 to the Present, New York 1986,201. Hier ist nun allerdings schon der Titel falsch, denn die Sowjetunion wurde erst 1922 gegründet.

20. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Tasenbuch Verlag 2003,86

21.a.a.O.,126. Wer hatte mit dem Zusammenbruch, mit dem Fall der Berliner Mauer zu diesem Zeitpunkt gerechnet ? Nicht einmal bei den gesellschaftswissenschaftlichen Experten war ein Hauch von Ahnung vorhanden. Dieser Zusammenbruch ist das am schwersten Fassbare im 20. Jahrhundert.

22.Eine kleine, aber nicht unwesentliche Unachtsamkeit unterläuft Pipes, wenn er doziert, daß die Sowjetunion für die Ewigkeit errichtet worden sei (a.a.O.,126). Lenin bezeichnete die Sowjets als Vorboten des Absterbens jedes Staates. (Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution,LW 24,72) Es scheint sich zu rächen, dass Pipes nach eigener Aussage in seiner Jugend nicht über die Sowjetunion nachgedacht hat. Die Sowjetunion ist nach der Pariser Kommune, die nach den Worten von Friedrich Engels schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr war, der zweite Staat, der mit der Intention seiner Aufhebung im Kommunismus gegründet wurde.

AUFSTIEG UND FALL DER SOWJETUNION

19. Juni 2009

Nach der Pariser Commune war die Bildung der Sowjetunion der zweite weltgeschichtliche Versuch, die gesamte Gesellschaft von den Diktaten der Warenproduktion zu befreien. In den Verfassungen der bürgerlichen Republiken mögen die süßesten Worte stehen, die Gesellschaftswissenschaft erblickt den totalitären Charakter dieser „Demokratien“ in der Tatsache, daß es sich bei ihnen um warenproduzierende Wirtschaftsorganismen handelt und daß die kapitalistische Organisation der gesellschaftlichen Arbeit die Fesseln der Fetischsklaverei anlegt. Den auffälligsten Ausdruck dieser Fetischsklaverei stellt die Religion dar- der religiöse Mensch ist der völlig aus seiner eigenen Achse gesprungene Mensch, der sich ganz verloren hat. Die Warenproduktion ist eine historisch vorübergehende Periode und in ihr gründet die Religion, die verschwindet, „sobald die Verhältnisse des praktischen Werkeltagslebens den Menschen tagtäglich durchsichtig vernünftige Beziehungen zueinander und zur Natur darstellen.“ 1. Indem die Völker der Sowjetunion als sozialistische Perspektive die Genialität Stalins ausmachten, wurde zunächst als eine Art Zwischenstufe nur das Ideal des Philosophen Feuerbach historische Realität, daß für den Menschen der Mensch das höchste aller Wesen sei.

Diesem Ideal stand neben Randproblemen eine Hauptschwierigkeit im Weg. Bereits unter dem Kapitalismus hatte nach der revolutionären Theorie die Kombination der Produktionsmittel und die Konzentration der Produzenten eine Stufe erreicht, auf der die Produktionsmittel nur noch gemeinsam, gesamtgesellschaftlich in Bewegung gesetzt und in Bewegung gehalten werden können. Mit diesen Voraussetzungen sah es freilich für den sowjet-russischen Sozialismus spärlich aus. Keime einer sozialistischen Kollektivität waren im Gegensatz zum kleinen, aber konzentrierten industriellen Sektor auf dem bestimmenden landwirtschaftlichen so gut wie nicht vorhanden (2.)- ein konterrevolutionärer Sturm individuell-anarchistischer Habgier konnte jederzeit in einem Land losbrechen, das auf Grund seiner Klassenzusammensetzung – die überwältigende Mehrheit wurde aus Kleinbauern gebildet – einen zutiefst kleinbürgerlichen Grundzug aufwies. So mußte Lenin zum Beispiel in einer sozialistischen Kollektivrevolution das Agrarprogramm der kleinbürgerlich-individualistischen Sozialrevolutionäre (jedem Bauern seine Privatscholle) „voll und ganz, ohne jede Änderung“ übernehmen, da es unmittelbar nach der Oktoberrevolution keine groß-kollektivistischen Landwirtschaftsbetriebe gab.“…wir gingen unzweifelhaft einen Kompromiss ein, um den Bauern zu beweisen, daß wir sie nicht majorisieren, sondern uns mit ihnen verständigen wollen.“ 3.

In diesem weiten Ozean der Egoismen galt es zunächst, die Insel der revolutionären Partei zu sichern, die Lenin einer strengen Disziplin unterwarf bei gleichzeitigem Laissez-faire begrenzter kapitalistischer Verkehrsformen auf dem Wirtschaftssektor. Das zentrale Thema des zehnten Parteitages im März 1921 war die eiserne Einheit der Partei auch, weil gerade zu diesem Zeitpunkt die Schwankungen in der kleinbürgerlichen Bevölkerung zunahmen. Entscheidend war, daß die Kernfrage einer sozialistischen Revolution: Vergesellschaftung des Privateigentums an Produktionsmitteln- im Ansatz richtig gelöst wurde und daß es den Kommunisten auf dieser Grundlage gelang, in regelrechten Kollektivierungswellen revolutionäre Disziplin in immer größeren Kreisen auf die gesamte Gesellschaft auszudehnen. Trotz des Vorhandenseins einer allerdings auf die Gegenstände des persönlichen Bedarfs beschränkten Warenproduktion waren an die Stelle der Diktate der Fetische andere getreten: die strenge Zucht des Studiums des wissenschaftlichen Materialismus, die Lektionen der Bürgerkriege, der beharrliche Aufbau eines Kollektivs gegen die innere und äußere Konterrevolution, der es nicht gelang, über die Isolierung der Sowjetunion die Geschlossenheit ihrer Bewohner aufzubrechen. Als höchster Ausdruck dieser kollektivistischen Disziplin gilt der Weltrekord in der Kohlegewinnung durch den Hauer Stachanow- eine weltgeschichtliche Tat, in der die immanente Entwicklung der Sowjetunion ihren Höhepunkt erreichte. In der sich anschließenden Stachanowbewegung wurde nicht nur deutlich, daß der Sozialismus von der Arbeiterklasse selbst aufgebaut wurde, sondern daß diese eine Arbeitsproduktivität entwickelt hatte, die der im Kapitalismus erreichten weit überlegen war. Lenin sah denn auch das Wesen der Diktatur des Proletariats nicht so sehr in der Gewalt, sondern in einer höheren Arbeitsproduktivität. Noch während der NÖP Periode war die Arbeitsproduktivität beträchtlich geringer als vor dem Krieg.

Der Sozialismus wurde also nicht durch die kluge Politik dieses oder jenes „Lieblings der Partei“ aufgebaut- konnte er umgekehrt durch die kluge revisionistische Politik dieses oder jenes Politikers beseitigt werden ? Die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion kann nicht aus der Sphäre der Politik, auch nicht aus dem Hin- und Herwälzen von Basis- und Überbauursachen dargelegt werden. Beide Erklärungsversuche verharren noch unter dem Immanenzschatten der Fetischverblendung, die zu durchbrechen nur vorgegeben wird. Der wissenschaftlichen Erklärungsweise gelingt der Durchbruch von der Erscheinung zum Wesen gesellschaftlicher Prozesse nur mit Hilfe der materialistischen Dialektik, in der als genuine Prozesswissenschaft der innere Zusammenhang der Prozesse in gesetzmäßiger Abhängigkeit widergespiegelt wird. Durch dieses Kriterium allein sind die Marxisten in der Lage, geschichtliche Prozesse mit Bewußtsein, d.h.u.a. die gesellschaftlichen Folgen ihres geschichtlichen Handelns zu erfassen.

Als die Revisionisten um Crutschow z. Bsp. 1958 die Auflösung der Maschinen-Traktor-Stationen beschlossen, wußten sie natürlich nicht und machten sich keine Gedanken darüber, zu welchen gesellschaftlichen Folgen diese „Neuerung“  führen werde, sie waren sich dessen nicht bewußt und verstanden nicht, daß diese „Neuerung“ zu einer Umgruppierung des gesellschaftlichen Kräfte führen werde, die mit einem Sieg der Konterrevolution enden mußte.

Durch die Auflösung der Maschinen-Traktor-Stationen wurden ungeheure Mengen von Produktionsinstrumenten der Landwirtschaft in die Bahn der Warenzirkulation geworfen und diese Erweiterung des Wirkungsbereichs der Warenzirkulation ging bis zu dem Punkt, an dem ein Umschlag von Quantität in Qualität erfolgte- für das Proletariat in negativer, für die Bourgeoisie in positiver Hinsicht, insofern durch diese ökonomische Verschiebung das Wertgesetz auch wieder Regulator der Produktion wurde. Durch Überhandnehmen der Warenzirkulation aus der Kurve zum Kommunismus geschleudert, nahm die Lokomotive einen Weg in Richtung Konsumismus, an dessen Ende sich die Staatsstreichgewinnler an ihren Gulaschhäppchen übergeben mußten. Die gesellschaftlichen Prozesse gerieten völlig unter den Strudel der Warenzirkulation und rissen auch bald Crutschow von der politischen Bühne. Sein Sturz ist selbst nur Beweis, daß beim Handeln der Individuen unter den Bedingungen der Warenproduktion noch etwas anderes herauskommt als sie unmittelbar wissen und wollen. Keineswegs darf man einen die Dialektik nur dilettantisch handhabenden Generalsekretär die Macht zuschreiben, aus revisionistischer Intention heraus durch Staatsstreich per Geheimrede sozusagen einen sozialistischen Wirtschaftsorganismus in einen kapitalistischen zu verwandeln, man würde ihm eine persönliche Gewalt der Initiative zuschreiben, wie sie beispiellos in der Weltgeschichte dastehen würde.

Die Anhänger des weisen Denkens (4.) begehen einen ähnlichen Fehler wie Victor Hugo bei seiner Analyse des Staatsstreichs Napoleon III. in seinem Buch: „Napoleon le Petit“. Das Ereignis des Staatsstreichs selbst „…erscheint bei ihm wie ein Blitz aus heiterer Luft. Er sieht darin nur die Gewalttat eines einzelnen Individuums. Er merkt nicht, daß er dieses Individuum groß statt klein macht, indem er ihm eine persönliche Macht der Initiative zuschreibt, wie sie beispiellos in der Weltgeschichte dastehen würde.“ 5. Im 18. Brumaire leitet Marx dann auch den Machtantritt des kleinen Napoleon aus einer ökonomischen Krise ab, keineswegs sieht er in ihr primär den „Abschluß einer ganzen Reihe konterrevolutionärer Taten der herrschenden Bourgeoisie in den Jahren der Republik.“ 6.  Marx hat ja gerade nachgewiesen, „wie der Klassenkampf in Frankreich Umstände und Verhältnisse schuf, welche einer mittelmäßigen und grotesken Personage das Spiel der Heldenrolle ermöglichen“ 7. konnte.

Und was für Napoleon III. und den Staatsstreichler Crutschow gilt, trifft auch auf Gorbatschow zu: er vollendete den Zyklus der Konterrevolution auf perestroikale Weise und geriet sehr schnell selbst unter die Räder seiner eigenen Perestroika. Indeß ist der Niedergang der Sowjetunion zwar schmerzlich, aber welthistorisch kein so großer Beinbruch, dass er zu Resignation und damit Passivität führen müsste, „…denn zu glauben, die Weltgeschichte ginge glatt und gleichmäßig vorwärts, ohne manchmal Riesensprünge rückwärts zu machen, ist undialektisch, unwissenschaftlich, theoretisch unrichtig.“ 8.

1. Karl Marx, Das Kapital, Marx Engels Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin,1975,94

2. Die „Geschichte der Komministischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) Kurzer Lehrgang“ spricht davon, dass Sowjetwirtschaften und Kollektivwirtschaften nur in Gestalt einiger kleiner Inseln in dem unermeßlichen Ozean einzelbäuerlicher Wirtschaften“.  (Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) Kurzer Lehrgang, Verlag der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland, Berlin 1946,414). Schon vor der Oktoberrevolution, als Lenin die kommenden  Aufgaben des Proletariats in der Revolution umriß, wies er darauf hin, dass jede konfiszierte Gutswirtschaft in einen Mustergroßbetrieb verwandelt werden muß, „…der unter der Kontrolle der Sowjets der Landarbeiterdeputierten steht.“ (Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, LW 24,57).

3. Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,609f. So wies die Oktoberrevolution auf diesem Agrargebiet in der Tat einen reaktionären kleinbürgerlichen Grundzug auf, den bereits Friedrich Engels bei dem Proudhonisten Mülberger entdeckt hatte, der für den Kleinbesitz schwärmte. „In Deutschland besteht noch sehr viel großes Grundeigentum. Nach der Proudhonschen Thorie müßte dies alles in kleine Bauernhöfe zerteilt werden, was beim heutigen Stand der Ackerbauwissenschaft und nach den in Frankreich und Westdeutschland mit dem Parzellen-Grundeigentum gemachten Erfahrungen geradezu reaktionär wäre. Das noch bestehnde Grundeigentum wird uns vielmehr eine willkommne Handhabe bieten, den Ackerbau im großen, der allein alle modernen Hilfsmittel, Maschinen usw. anwenden kann durch assoziierte Arbeiter betreiben zu lassen und dadurch den Kleinbauern die Vorteile des Großbetriebs vermittelst der Assoziation augenscheinlich zu machen.“ (Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage, in: Marx Engels Werke Band IV, Dietz Verlag Berlin, 1972,275f.). Es ist wahr, die Geschichte unternimmt in ihrem Verlauf zum Kommunismus mitunter eigentümliche Zickzackbewegungen.

4. Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) sieht die Ursache für die Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion in der kleinbürgerlichen Denkweise der Verantwortungsträger in Partei, Staat und Wirtschaft, eine offensichtlich kleinbürgerliche Analyse. Die Ursachenforschung über den Zusammenbruch der aus der Oktoberrevolution hervorgegangenen Gesellschaftssysteme ist bis heute im marxistisch-selbstkritischen Kontext über das essayistische Stadium nicht hinausgekommen. In den Deutungsversuchen traten neben fruchtbaren Ansätzen Verirrungen und Abarten auf, gerade angesichts der Komplexität, ja der Schwierigkeit der Problematik, der Ungeklärtheit der Frage erschien es als leicht, diffuse Erklärungsmodelle anzubieten, die unter dem Banner der Weiterentwicklung des Marxismus bis hin zur substantiellen Entstellung der marxistischen Theorie selbst gingen.Zwei Umstände spielten diesen demagogischen Machenschaften zu: daß heute trotz alledem nur eine marxistisch-dialektische Analyse des Zusammenbruchs den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben kann und daß die dialektische Methode bei unsachgemäßen Gebrauch sehr rasch die Untersuchung unmerklich ins Irrationale abgleiten läßt. Äußerst kritisch muß man deshalb gegenüber einer Lehre sein, die den Zusammenbruch der Sowjetunion zurückführt auf eine Niederlage der proletarischen Denkweise gegenüber der kleinbürgerlichen, zumal a) diese Denkweiselehre ihren Ursprung haben soll in  der veränderten sozialen Zusammensetzung der westdeutschen Studentenschaft nach 1945 !!! (siehe: Revolutionärer Weg, Theoretisches Organ der MLPD, Ergänzungsband 1/94 Konspekt zur Frage der Denkweise, Einleitung und S. 81), b) theoriegeschichtlich die Denkweiselehre einen Rückfall  in linkshegelianische Positionen vor der 48er Revolution darstellt. Die MLPD ist die konservativste Partei Deutschlands.

5. Karl Marx, Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte, Dietz Vlg. Bln. 1960,559

6.a.a.O., (Vorwort), XII

7.a.a.O.,560

8.Lenin, Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin,1960,315

VON HEINZ AHLREIP

XX

15. Juni 2009

x

Wovon lebt der Schmarotzerauswurf Staat ?

14. Juni 2009

„Und unter tausend solchen Gelehrten wird sich vielleicht nur einer finden, der an die Arbeiterbewegung wissenschaftlich herantritt, das ganze gesellschaftliche Leben wissenschaftlich erforscht…“   (Josef Stalin, Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1950,88).

Am 14.3.2006 erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein ganzseitiger Artikel von Prof. Dr. Uwe Volkmann: Wovon lebt der Staat ? Immerhin bringt dieser Professor es fertig, eine ganze Seite in der FAZ vollzuschreiben, ohne daß bei diesem Thema überhaupt das Wort Steuern fällt, obwohl ein bürgerlicher Klassiker schrieb, daß es „…beinahe keine öffentlichen Angelegenheiten gibt, die nicht auf einer Steuer beruhen oder auf eine Steuer hinauslaufen…“ (Alexis de Tocqueville, Der alte Staat und die Revolution, rororo klassiker, Rowohlt Verlag, 1969,83). Und ein proletarischer Klassiker ? „…während gerade die Steuern den Zweck haben, den Bourgeois die Mittel zu verschaffen, sich als herrschende Klasse zu behaupten“. (Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1977,164).  Der Professor müht sich ab, für den spätbürgerlichen Staat ein Fundament zu suchen, das ihn dauerhaft tragen könnte. Im Jahr 1919 hielt Lenin an der Swerdlow-Universität eine Vorlesung „Über den Staat“, in der er ausführte: „…daß sich wohl kaum eine Frage finden wird, die von den Vertretern der bürgerlichen Wissenschaft, Philosophie, Jurisprudenz, Politischen Ökonomie und Publizistik absichtlich und unabsichtlich so verwirrt worden ist, wie die Frage des Staates.“ (Lenin, Ausgewählte Werke Band 3, Dietz Vlg. Berlin 1970, 289).

Liest man den Aufsatz von Prof. Volkmann, so kommt es einem vor, als habe Lenin diesen Satz erst gestern geschrieben, als sei die Tinte noch ganz frisch. Der Professor übersieht bei der Staatsfrage einige fundamentale Punkte, er übersieht, „…daß es nicht immer einen Staat gegeben hat.“ (ebd.291) Der Professor versucht weiterhin darzulegen, daß der Staat immer auf einen Konsens, auf einen „Einklang der Seelen“ basiert. Er übersieht, daß man in der Staatsfrage „…stets den Kampf der verschiedenen Klassen untereinander…“ (ebd.290) wahrnimmt. Das Essentielle wird verschwiegen, daß der Staat nur dann entstehen kann, wenn durch die  gesellschaftliche Arbeit ein gewisser Überschuß produziert wird, der „…für die allerarmseligste Existenz des Sklaven nicht mehr absolut notwendig war.“ (ebd.296) Man kann den Artikel von Prof. Volkmann ein zweites Mal lesen und dabei die Lupe zur Hand nehmen, die Worte Arbeiterklasse, Steuern, Überschußproduktion, unproduktive Bürokratie…etc. findet man nicht. Der Grund ist einfach: der Artikel ist eine Apologie der Arbeiter/innenversklavung (und der Bauern und Bäuerinnen).

Der Hauptfehler des Professors besteht darin, daß er die Staatsfrage nicht dialektisch untersucht und als Apologet der Lohnsklaverei sie auch nicht dialektisch untersuchen kann und darf. Die Herrschaft des bürgerlichen Staates über die Arbeiter/innen, Bauern und Bäuerinnen, die Herrschaft des Kapitals über die Lohnarbeit soll ewig sein, deshalb soll der Staat als etwas Unantastbares gelten. Entstehung und Untergang, das Prozesshafte wird von den Ideologen der Konterrevolution zum Zwecke der Herrschaftsabsicherung beständig unterschlagen. Der ganze unwissenschaftliche Charakter der metaphysischen Staatsbetrachtung kommt sofort zum Vorschein, wenn wir den Staat in seiner Entwicklung verfolgen, wie ist er entstanden, welche Hauptetappen macht er in seiner Entwicklung durch (Staat der antiken Sklavenhalter, Staat der mittelalterlichen Leibeigenschaft, Staat des Kapitals), wie wird er historisch zur Aufhebung gebracht (kommunistische Revolution) ?

Stattdessen verschiebt der Apologet Volkmann die Staatsfrage auf etwas Sekundäres: er zeichnet die Hauptetappen der den Staat ideell tragenden identitätsstiftenden Gemeinschaftsidee nach 1. (Aristoteles: der Mensch sei ein zoon politikon, Religion im Mittelalter, Nation im 19. Jahrhundert…und ab hier beginnt Volkmann zu suchen, was die Krise der spätbürgerlichen Staatsideologie widerspiegelt: Kann die Kultur/ eine Leitkultur die Staatseinheit, das Wir-Gefühl stiften ? Kann es der Konsumismus ?) Wir-Gefühl ist erstens sachlich falsch, der Staat ist immer das Produkt eines Klassenkampfes, und zweitens wird der Staat nicht von Ideen getragen, sondern durch Steuern und Staatsschulden, von dem Blut, dem Schweiß und den Tränen der unterdrückten arbeitenden Volksmassen.

Staatsideologien spiegeln nur die Produktionsbedingungen wider, auf denen der jeweilige Staat basiert, zugleich schützen sie den Staat vor den Ideologien der progressiven Klassen, die im Schoße der jeweiligen Produktionsbedingungen weiterführende Produktivkräfte widerspiegeln. Zwar zitiert der Professor aus pluralistischer Höflichkeit auch den jungen Marx, übersieht aber dessen zentrale Aussage zum Staat (oder will sie nicht kundtun): „Die Existenz des Staats und die Existenz der Sklaverei sind unzertrennlich.“ (Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1, 401 f.) Und aus der Pariser Kommune zog Marx die Schlußfolgerung, daß die Arbeiter/innen in ihrer Revolution die bürgerliche Staatsmaschine zerschlagen, zerbrechen müssen.

Ich erspare es dem Leser, die dürftigen Bildungsbrocken im FAZ-Aufsatz zu referieren, die Schlußbemerkung, das Fazit sozusagen sei dafür in ihrer ganzen Länge zitiert: „Zunehmend abgelöst von seinen legitimierenden Wurzeln und seinen Traditionen muß er (der Staat) wie ein moderner Sisyphos die Voraussetzungen, von denen er lebt, in immer neuen Anläufen selbst und täglich neu hervorbringen.“

Der Staat produziert also täglich die Arbeiter/innen. Genau umgekehrt wird ein Schuh draus: Zerschlagen wir die bürgerliche Staatssklavenmaschinerie, das wird auch unserm Professor zugute kommen. Nach einer Arbeiter/innenrevolution sollte er 6,7 Jahre konzentriert in der Produktion arbeiten, damit er der Beantwortung seiner Frage: Wovon lebt der Staat ? näher kommt. Wie in den Naturwissenschaften sollte man such in den Gesellschaftswissenschaften den Wirt nicht übersehen. Volkmann lehrt Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht an der Universität Mainz.

1. „Es muß diese Geschichtsmethode, die in Deutschland, und warum vorzüglich, herrschte, entwickelt werden aus dem Zusammenhang mit der Illusion der Ideologen überhaupt, z. B. den Illusionen der Juristen, Politiker (auch der praktischen Staatsmänner darunter), aus den dogmatischen Träumereien und Verdrehungen dieser Kerls, die sich ganz einfach erklärt aus ihrer praktischen Lebensstellung, ihrem Geschäft und der Teilung der Arbeit.“  (Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, in: Ausgewählte Werke Marx Engels Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974, 242)

Heinz Ahlreip, 2006