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Sahra Wagenknecht in der Hegel Falle

15. Juni 2011

Während bürgerliche Politiker (Freiherr Karl Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch Mehrin (FDP),  die Tochter des langjährigen CSU Vorsitzenden Edmund Stoiber, Veronika Saß, über den FDP Politiker Chatzimarkakis hat Professor Jörg Becker  am 22. Juli 2009 einen Artikel in der Frankkfurter Allgemeinen Zeitung geschrieben: Chatzimarkakis hat mich plagiiert ! Kulturminister Althusmann schreibt eine Erklärung an die Universität Potsdam….plus Dunkelziffer) im akademischen Bereich sich bürgerlich politisch, eben betrügerisch benehmen und Doktorarbeiten zusammenklauen, denn man will ja an die Regierungsspitze, um zu regieren und dabei zu plündern und zu plündern und dabei  zu regieren 1. , haben wir es bei Frau Sahra Wagenknecht mit einem ganz anderen Kaliber zu tun, die auf Grund einer unbestrittenen Intelligenz nicht zu solchen Mittelchen zu greifen braucht. Gleichwohl ergibt eine Lektüre ihrer an der Universität Utrecht erfolgreich eingereichten Magisterarbeit: „Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode“, daß auch in dieser politisch rechten Arbeit inhaltlich und formal „nicht alles mit rechten Dingen“ zugegangen ist. Theoretischerseits, beileibe nich im strafrechtlichen Sinne.

In ihr wird dem jungen Marx in seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten eine geschichtsteleologische Deutung der Weltgeschichte bis hin zum Kommunismus unterstellt 2., obwohl Marx ausdrücklich in diesen Manuskripten betont, „…aber der Communismus ist nicht als solcher das Ziel der menschlichen Entwicklung, – die Gestalt der menschlichen Gesellschaft.“ 3. Marx, der 1844 bereits als Revolutionär auftrat 4., sei in den Manuskripten hinter die Weltgeschichtsphilosophie Hegels  zurückgefallen.  Sahra Wagenknecht läßt Lenins Hinweis unberücksichtigt, daß in dieser Hegel „am meisten veraltet und antiquiert“ 5.  ist.  Denn gerade Hegels Philosophie der Weltgeschichte ist teleologisch und theologisch ausgerichtet: Weltgeschichte als Gotteswerk, man vergegenwärtige sich nur den Schlußgedanken der  Philosophie der Weltgeschichte: …daß das ,was alle Tage geschehen ist und geschieht, nicht nur nicht ohne Gott, sondern wesentlich das Werk seiner selbst ist. 6. Der Schlußgedanke der Magisterarbeit von Sahra Wagenknecht  enthält denn auch ein völlig falsches Fazit: „…daß das Methodenkonzept des reifen Marx, (der sich von seiner jugendlich falschen und verwerfenden Hegelkritik emanzipiert habe/ Zusatz von Heinz Ahlreip),  sich wesentlich im Rückgriff auf die spekulative Methode Hegels gründet.“ 7. Das Gegenteil ist der Fall: die Methode des reifen Marx zur Zeit der Abfassung des „Kapitals“ ist der Hegelschen DIREKT eintgegengesetzt. Sahra Wagenknecht muß also vom Kopf auf die Füße gestellt werden.  „Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil.“ 8. Falsch bzw. nur halbrichtig ist deshalb Wagenknechts Ausführung, daß das bereits erreichte Niveau der Wissenschaftsmethodologie von Hegel und Marx bestimmt wird. „In diesem Kontext erweisen sich eine materialistische Hegelinterpretation und ein materialistisch dialektisches Methodenkonzept als zwei Kehrseiten einer Medaille“. 9. Spricht also Marx vom direkten Gegenteil, so Sahra Wagenknecht von zwei Kehrseiten einer Medaille.  Kann Hegel heute überhaupt noch etwas zum Niveau der Wissenschaftsmethodologie beitragen ? Nein, in dieser Beziehung ist Hegel obsolet und hat nur noch einen historischen Wert. Es hilft auch nicht, wenn Sahra Wagenknecht versucht, den Ansatz Hegels als nichtidealistisch zu verdrehen 10. , die dialektische Methode ist in ihrer Hegelschen Form unbrauchbar. 11. In seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten hatte Marx die Hegelsche Dialektik als „Mutter“ bezeichnet, die sie ja auch für die Linkshegelianer zweifelsfrei war.  Das ist auch allgemein bekannt, der Marx´sche „Muttermord“ scheint aber gerade von fachphilosophischen Koryphäen weitgehend tabuisiert worden zu sein. Und dieses Halbwissen wird an die studentische Jugend weitergegeben und es ist wohl nicht Sahra Wagenknechts Schuld allein, daß sie  ist in die bei dieser Thematik stets ausgelegten Hegelfalle getappt ist,  ohne den wertvollen Hinweis von Lenin beachtet zu haben: „Hegels Logik darf man in ihrer gegebenen Form nicht anwenden; man darf sie nicht als gegeben hinnehmen.“ 12. Denn nicht der junge Marx vertritt ein teleologisches Methodenkonzept, sondern der junge Hegel: „Das Ziel aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des Fortgangs gesteckt; es ist da wo es nicht mehr über sich selbst hinaus zu gehen nötig hat, wo es sich selbst findet und der Begriff dem Gegenstande, der Gegenstande dem Begriff entspricht.“ 13. Alle Ideologiemomente der idealistischen Dialektik sind in diesem Satz Hegels versammelt, insofern in der absoluten Identität der am Anfang des Weltgeistprozesses mit „gesteckte“ Zweck abschlußhaft sich eingeholt hat. Im Gegensatz zur idealistischen Dialektik mit ihren als Quelle von Ideologiegehalten wirkenden Leitmotiven: Identität – Finalismus – Teleologie begreift materialistische Dialektik wissenschaftlich revolutionäre Tätigkeit als ein Kettenglied in der sich nichtlinear und abschlußfrei entwickelnden Materie. Wäre der junge Marx tatsächlich hinter Hegel zurückgefallen, rekurrierte er philosophiegeschichtlich auf unvollkommene Vorformen dialektischen Denkens, die erst in der Hegelschen Logik ihre Vollendung in idealistischer, falsch widergespiegelter Form erhielten. Hätte er auf die spekulative Methode Hegels zurückgegriffen, wäre eine Kritik der politischen Ökonomie entwickelt worden, die das Bestehende, die kapitalistische Misere der Ausbeutung , verklärt hätte.

Es kann kein Zufall sein, daß der Eichborn Verlag das letzte Buch von Sahra Wagenknecht „Freiheit statt Kapitalismus“  auf dem Schutzumschlag durch den mit roten Buchstaben gedruckten Satz: Sahra Wagenknecht nimmt Ludwig Erhard beim Wort: Wohlstand für alle ! anpreist. 14. Um nun sogleich durch drei Beispiele die konterrevolutionäre Physiognomie Sahra Wagenknechts aufzuzeigen, so genügt der Hinweis, daß sie sich in diesem Buch für eine steuerfreie Vererbung von einer Millionen Euro als Recht ausspricht 15., während doch für Sozialisten die dritte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest „Abschaffung des Erbrechts.“ obligatorisch ist. 16. So genügt zweitens der Hinweis, dass sie sich zusätzlich für einen „Sozialismus ohne Planwirtschaft“ 17. ausspricht, während doch für Sozialisten die siebente Forderung aus dem Kommunistischen Manifest: „Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinsamen Plan“ 18. obligatorisch ist. Des weiteren äußerte sie sich gegenüber einem Bankangestellten, der um seinen Job fürchtet,  daß sich die Linke für den Erhalt der Sparkasse einsetze. (Siehe: AdHocNews 3.9.0. / Internetseite von Sahra Wagenknecht). Wieviele Menschen sind von Sparkassen betrogen, gedemütigt, in den Ruin und in den Selbstmord getrieben worden !  Für Sozialisten sollte doch die fünfte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest obligatorisch sein: „Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol“. 19. Es liegt also eine Serie von Fehlern vor und es ist die Frage, ob Frau Wagenknecht die innere intellektuelle Kraft hat, diese zu  durchdenken und zu korrigieren. Sollte sie aber weiterhin nach rechts, weg vom Sozialismus, weg von Rosa Luxemburg  abdriften, so wird sie die Arbeiterklasse eines Tages vor die Wahl stellen: entweder das Kommunistische Manifest à la Sahra zu „modernisieren“ oder sie revolutionsgerichtlich aus der Arbeiterbewegung auszustoßen.In ihrem Buch gibt sie eine politische Einschätzung ihrer Person durch die deutsche Konterrevolution wieder: „Ich weiß, für viele Pseudokonservative und Pseudoliberale bin ich der Gottseibeiuns, die finstere Kommunistin…“ 20. Diese Einschätzung sollte sie sich nicht zu eigen machen, so beurteilen Spießer, die keine Ahnung von Politik, von der Dialektik von Revolution und Konterrevolution haben, denn finster wird Sahra allemal, wenn man sie in das Licht von Marx und Lenin hält. Zum Beispiel in der Frage der Religion: Marxisten Leninisten und nicht nur Marxisten Leninisten wissen, dass Lenin die Religion als eine Art geistiger Fusel bezeichnet hat, mit dem der Lohnsklave sein Sklavendasein betäuben soll. Für Frau Wagenknecht ist die Religion ein Teil der Kultur, wo auch wichtige Zusammenhänge auf bestimmte Art reflektiert wurden. Hegel hätte philosophisch aufgezeigt, welche unglaubliche Dialektik, welche unglaublich tiefen Einsichten in der Religion enthalten sind. (siehe: google: sahra wagenknecht mitglied des deutschen bundestages das leben leben). Man erinnert sich: in der Sowjetenzyklopädie wurde die hegelsche Philosophie als aristokratische Reaktion auf die französische Revolution gewertet.

Gegen Sahra Wagenknechts Mißdeutung und Herabwürdigung des jungen Marx muss vielmehr aufgezeigt werden, daß in die Pariser Manuskripte  Würdigung und Korrektur Hegels gleichermaßen meisterhaft fallen: Die Negation der Negation bestätige für Hegel nur das Scheinwesen „…oder die Verneinung  dieses Scheinwesens als eines gegenständlichen Wesens.“ 21. ganz im Sinne einer idealistischen Ontologie. In der Tat: gibt es einen fundamentaleren Unterschied in der Beantwortung der Grundfrage der Philosophie als den zwischen der Hegelschen Vergöttlichung des Geistes („Das Absolute ist der Geist, diß ist die höchste Definition des Absoluten“) 22. und der Darlegung von Friedrich Engels,daß die Materie mit eiserner Notwendigkeit ihre höchste Blüte, den denkenden Geist, ausrotten wird. 23. Man könnte auch hier sagen, Engels fiele hinter Hegel zurück, aber die sich ewig wandelnde Materie wird den Geist anderswo und in anderer Zeit wieder erzeugen…und so fort. Aber eben diese Unterbrechungen kongruieren nicht mit jeglichem Absolutheitsanspruch.

Heinz Ahlreip

Entnommen aus meinem Aufsatz zum 193. Geburtstag von Karl Marx am 5. Mai 2011: Karl Marx zum 193. Geburtstag  Marxismus und Idealismus. Siehe: google: lenin unser aller lehrer marx 193. Geburtstag

1. Vergleiche Lenin, Wie soll man den Wettbewerb organisieren ? Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin 1961,407

2.  Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,170

3. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2, Dietz Verlag Berlin, 1982,275. Auch Wilhelm Weitling hatte in seinem 1842 veröffentlichten Werk „Garantien der Harmonie und der Freiheit“ einen vollkommenen Kommunismus ausgeschlossen.

4. Vergleiche: Lenin, Karl Marx, Lenin Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1960,35).

5. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Philosophie der Geschichte Bern 1914 – 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958.175

6. Den großen faux pas Adornos: „Es ging um die Vergottung der Geschichte, auch bei den atheistischen Hegelianern Marx und Engels“ (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 113, Frankfurt am Main, 1975,315) nimmt in gewisser Weise Sarah Wagenknecht für den jungen Marx wieder auf.

7. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,193. Über Sahra Wagenknechts Magisterarbeit kann man ungefähr das gleiche sagen was Marx 1846 über Proudhons Schrift „Die Philosophie des Elends“  sagte: „…das ist Hegelsches abgedroschenes Zeug…“ (Karl Marx, Brief an Pawel Wassiljewitsch Annenkow in Paris vom 28. Dezember 1846, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,689), oder was Lenin über Lassalles Buch „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“ schrieb: „…ein Wiederkäuen Hegels.“ (Lenin, Zur Kritik des Lassalleschen Buches „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“, in: Lenin, Aus dem philosophischen Nachlass, Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,267). Ein Wiederkäuen Hegels allemal, denn die Magisterarbeit leidet formal an einem mangelhaften Maßgefühl, die Interpretationen Hegels nehmen proportional betrachtet einen übergroßen Platz ein, auf den Seiten 45 bis 65 wird eine thematisch nicht unbedingt erforderliche Interpretation fast der gesamten Phänomenologie des Geistes wiedergekäut ohne einen einzigen Marxbezug, der bei der Themenstellung zwingend erforderlich  gewesen wäre, die Kernthematik ( cirka 20 Seiten in den blauen Bänden) wird am Ende auf den letzten cirka 25 von 194 Seiten abgehandelt !!

8. Karl Marx, Das Kapital, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1984,27

9. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag, 1997,11

10. a.a.O.,46. Die Frage drängt sich förmlich auf, wie das an der Universität Ütrecht passieren konnte ? Der Versuch, die von Marx 1844 ermordete Mutter, die idealistische Hegelsche Dialektik, 1997 in einer Magisterarbeit zu reanimieren, ist gründlich fehlgeschlagen.

11. Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Dietz Verlag Berlin,1975,292. Die Hegelsche Philosophie ist in den Sowjetenzyklopädien der Stalinzeit zu Recht als aristokratische Reaktion auf die bürgerliche Revolution in Frankreich eingeschätzt worden, diese Einschätzung bezog sich auf System und Methode gleichermaßen, denn die politische Konsequenz der idealistischen Methode Hegels war ja die konstitutionelle preußische Monarchie der Rechtsphilosophie.

12. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Lenin. Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,202. Wird primär das Trennende zwischen Idealismus und Materialismus konsequent als essentiell betont, so ist das Verhältnis zwischen den beiden Grundrichtungen der Philosophie sekundär doch komplexer, denn aus der immanenten Entstehung des Unterschieds hat der Materialismus im Idealismus SEIN Anderes wie umgekehrt der Idealismus SEIN Anderes im Materialismus hat. Die Polarität der Grundrichungen der Philosophie spiegelt nur den Kampf zwischen progressiven und rückständigen Klassen wider. In der vernichtenden Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie geht Lenin auf Hegels Hauptgedanken ein, warum der Materialismus keine Philosopie sein kann: die Philosophie habe es mit dem Allgemeinen zu tun, das nur im Denken erfasst werden kann. Unter der Hand falle Hegel mit dieser Darlegung in den von ihm stets kritisierten subjektiven Idealismus zurück. Der absolute Idealismus „…ist im Zickzack (und durch einen Purzelbaum) ganz dicht an den Materialismus herangekommen, hat sich teilweise sogar in ihn verwandelt…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin, 1958,214f.). Allerdings kann man nicht mit einem Purzelbaun und auch nicht im Zickzack die idealistische dialektische Methode Hegels in den Materialismus hineinbringen.

13. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Einleitung, Felix Meiner Verlag Hamburg 1980,57

14. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage, Frankfurt am Main 2011. Das sogenannte Wirtschaftswunder als Werk Gottes ? Streng genommen ist der Titel des Buches nicht wissenschaftlich, denn das Proletariat als die einzige Klasse, die durch ihre Diktatur den Kapitalismus bezwingen kann, gebraucht diese nicht im Interesse der Freiheit, sondern zur Niederhaltung seiner Klassenfeinde. (Siehe: Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960,453).

15.a.a.O., 345

16. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,68

17. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,345

18. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,69. Zwar schreiben Marx und Engels im Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe des Manifests von 1872, dass die in ihm vorgeschlagenen revolutionären Maßregeln zwischenzeitlich „stellenweise veraltet“ (Karl Marx, Friedrich Engels, Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe von 1872, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest  der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,12), also durchaus modifizierbar seien, aber werden sie zum Schutze einer Ausbeutergesellschaft entwertet, wird natürlich etwas ganz anderes manifest.

19.a.a.O.

20. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,12

21. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2 Dietz Verlag Berlin, 1982,411

22. a.a.O.,418

23. Vergleiche Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,372. Entgegen der idealistischen Glorifizierung des Denkens in der klassischen deutschen Philosophie, auch der fichteschen und schillerschen Denkfreiheit, in der der Vernunftoptimismus der Aufklärung nachschwingt, ist eine weitgehend unbekannte  Eigenschaft des menschlichen Denkens zu ergründen, die zu töten. Die Schwierigkeit kommt durch das Denken, weil es als Denken die Weltbewegung, in eins die Weltgeschichte als ihre eigene Dialektik, als dialektische stets flüssige Kontinuität unterbrechen muß. Denken unterbricht nach Lenin nicht nur das Prozeßhafte, sondern versimpelt, vergröbert, zerstückelt, tötet das Lebendige. „Die Abbildung der Bewegung durch das Denken ist immer eine Vergröberung, eine Ertötung…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, Dietz Verlag Berlin, 1958,195). Ja Dialektisches ist ständig Selbstzerstörerisches an ihm selbst.  (a.a.O.,240). Stagnation ergibt sich aus Verstandesfixierungen wie die formale Logik oder die Mathematik. Dialektik selbst als Prinzip aufgefasst, so ist ihre  Negativität als Quelle der Selbstbewegung nur in ihrer Immanenz. Als kritische Methode geht sie in radikaler Negativität auf Zerstörung des Kapitalismus, der eine zutiefst dynamisch flüssige aber eben damit auch überflüssige Gesellschaftsformation darstellt, diese Negativität des Marxismus ist für ihn selbst selbstzerstörerisch, denn im Kommunismus erlischt sein revolutionäres Potential und die Negativität greift auf ihn selbst über. In der Tat sind antike Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus nur verschwindende Momente des dialektischen Weltprozesses.  Denn alles was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht. Engels sieht in der sich erschöpfenden Sonnenwärme das Todesurteil der Erde: „…verfolgt nur noch eine kalte, tote Kugel ihren einsamen Weg durch den Weltraum.“ (Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in. Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,369). Die von Descartes erkannte unveränderliche Quantität der in der Welt vorhandenen, an Materie gebundenen  Bewegung aber garantiert das Aufkommen bzw. Reproduzieren neuer Sonnensysteme, mit Leben und damit wahrscheinlich auch mit neuen kommunistischen VERSUCHEN. Denn der Kommunismus ist nicht zugesichert. „…denn es ist keinem Sozialisten je eingefallen, „zuzusichern“, daß die höhere Phase der Entwicklung des Kommunismus eintreten wird…“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,483f.). Soviel nur zur angeblich teleogischen Geschichtstheorie von Marx. Lenin gab uns im Empiriokritizismus den wertvollen Hinweis, daß die Verfälschung des Marxismus immer raffinierter wird. „Eine immer raffiniertere Verfälschung des Marxismus, immer raffiniertere Versuche, antimaterialistische Lehren als Marxismus auszugeben – das kennzeichnet den modernen Revisionismus sowohl in der politischen Ökonomie als auch in den Fragen der Taktik und in der Philosophie überhaupt, in der Erkennnistheorie ebenso wie in der Soziologie.“ (Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Werke Band 14, Dietz Verlag Berlin,1962,334). Es ist bedauerlich, daß den Professoris in Utrecht in ihrem akademischen Getto dieser Hinweis unbekannt zu sein scheint.

Gesine Lötzsch Merkwürdige Wege zum Kommunismus

8. Januar 2011

„Die Erfahrung hat bewiesen, dass in einigen sehr wesentlichen Fragen der proletarischen Revolution ALLE (kursiv von Lenin) Länder unvermeidlich dasselbe werden durchmachen müssen, was Russland durchgemacht hat.“ 1.

Anfang Januar 2011 erschien in der „Jungen Welt“ ein Aufsatz von der Parteivorsitzenden der LINKEN Gesine Lötzsch „Wege zum Kommunismus“, in dem sie unter Hinweis auf ein Zitat von Thomas Edison „Ich habe nur 10 000 Wege gefunden, die nicht funktionierten“  eine beliebige Pluralität der Wege zum Kommunismus angibt. „Auf jeden Fall wird es nicht den einen Weg geben, sondern sehr viele unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen.“ 2. Das ist sehr spekulativ dahergesagt, zugrunde gelegt werden muss aber stets und unbedingt die Klassenanalyse der modernen, auf  Lohnarbeit basierenden bürgerlichen Gesellschaft. Aus der ökonomischen Evolution des Kapitalismus ergeben sich ganz bestimmte grundlegende Verhältnisse der verschiedenen Klassen, Klassenzusammenhänge in ihren wechselseitigen Beziehungen  zueinander. Im Kommunismus sind über dem Weg zum Sozialimus sämtliche Klassen und deren Beziehungen aufgehoben. „Was bedeutet aber „Aufhebung der Klassen“ ? Alle, die sich Sozialisten nennen, erkennen dieses Endziel des Sozialismus an, aber bei weitem nicht alle denken sich in seine Bedeutung hinein. Als Klassen bezeichnet man große Menschengruppen, die sich untereinander unterscheiden nach ihrem Platz in einem geschichtlich bestimmten System der gesellschaftlichen Produktion, nach ihrem  (größtenteils in Gesetzen fixierten und formulierten) Verhältnis zu den Produktionsmitteln, nach ihrer Rolle in der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit und folglich nach der Art der Erlangung und der Größe des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum, über den sie verfügen. Klassen sind Gruppen von Menschen, von denen die eine sich die Arbeit einer anderen aneignen kann infolge der Verschiedenheit ihres Platzes in einem bestimmten System der gesellschaftlichen Wirtschaft.“ 3. Also gibt das Verhältnis zu den Produktionsmitteln den  Klassenzusammenhang der verschiedenen Klassen an, in dem sie aber nicht beliebig handeln können, sondern einer ganz bestimmten historisch politischen Klassenrichtung folgen müssen. Es kann keineswegs eine beliebige Pluralität der Wege zum Kommunismus geben. In ihrem Artikel verweist Gesine Lötzsch auf den Linksradikalismus, nach Lenin die Kinderkrankheit im Kommunismus, gegen den auch Rosa Luxemburg gekämpft habe. Aber nicht diese Bemerkung zur angeblichen Parallelität der Handlungsweise der Revolutionäre hilft uns hier weiter, sondern Lenins zentrale Aussagen über den INTERNATIONALEN Charakter der Oktoberrevolution, auf den Gesine Lötzsch nicht eingeht, denn gerade in dieser Schrift „Der linke Radikalismus…“ hat er die internationale Bedeutung der Oktoberrevolution herausgearbeitet, in der die Idee der Sowjetmacht als „Totengräber, Erbe, Nachfolger des bürgerlichen Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie überhaupt“ 4. für die ganze Welt geboren wurde.  Der Plan dieser Schrift bestand darin, das auf Westeuropa anzuwenden, „was in der Geschichte und der heutigen Taktik des Bolschewismus allgemein anwendbar, von allgemeiner Bedeutung und allgemeiner Gültigkeit ist.“ 5. Man muß es verstehen, „die allgemeinen und grundlegenden Prinzipien des Kommunismus auf jene EIGENART (kursiv von Lenin) der Beziehungen zwischen den Klassen und Parteien, auf jene EIGENART (kursiv von Lenin) in der objektiven Entwicklung zum Kommunismus anzuwenden, die jedes einzelne Land aufweist und die man zu studieren, zu erforschen, zu erraten fähig sein muss.“ 6. Also ist die Urmutter der proletarischen Revolution die russiche Oktoberrevolution und es war und ist immer konterrevolutionäres Bestreben, die Arbeiter und Bauern von diesen Mutterbrüsten abzureißen. In der Tat hat uns die Oktoberrevolution eine Komplexität von Erscheinungsformen gegeben – aus dem Obigen dürfte klar sein, dass dies keine beliebig große Komplexität sein kann – die unter allen Umständen bei jeder Revolution der Arbeiter und Bauern gegen die Kapitalisten  in modifizierter Form wieder in Erscheinung treten werden. Vor allem zeigt uns die Oktoberrevolution den gewaltsamen Weg der Zerschlagung des kapitalistsichen Ausbeutersystems über den bewaffneten Aufstand als der höchsten militärischen Kunst, sie zeigt uns mit aller Eindringlichkeit die Bedeutung der revolutionären Gewalt, die Notwendigkeit des Bürgerkrieges in seiner fürchterlichsten Gestalt, der hundert  mal schwieriger ist als der gewöhnliche Krieg zwischen Staaten 7.,  denn die große weltgeschichtliche Frage: Diktatur der Bourgeosie oder Diktatur des Proletariats kann NUR gewaltsam gelöst werden.  Von einem friedlichen dritten Weg zum Sozialismus träumen nur Naivlinge, die meinen, sie könnten sich subjektiv außerhalb der weltgeschichtlichen Kämpfe stellen. Diesen Weg hätte Gesine Lötzsch schon mal explizit ausschließen müssen, sie hält ihn offensichtlich in ihrem Pluralitätenrepertoire für durchaus gangbar. Die Oktoberrevolution hat uns unter anderem die Notwendigkeit eines engen Bündnisses der Arbeiter und der Bauern gelehrt, auf die Notwendigkeit der Bauernräte geht Gesine Lötzsch erst gar nicht ein (ist denn nicht klar, dass sich der Sozialismus ohne richtige Beziehungen zwischen dem Proletariat und den Bauern nicht wird halten können ?), dass man UNBEDINGT den bürgerlichen Parlamentarismus zerschlagen , dass das Ziel der Arbeiterbewegung in der „VÖLLIGEN  (kursiv von Heinz Ahlreip) Vernichtung der Bourgeoisie“ 8. bestehen und dass die Primitivität der Volksmassen  folglich die bürgerliche Demokratie in Tausend Fetzen schlagen muss. In ihrem Aufsatz ist sich Gesine Lötzsch zum Beispiel des fundamentalen Unterschieds zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Demokratie (jederzeitiges Abberufungsrecht der Gewählten) gar nicht bewußt.

Nachdem sie eine Pluralität der Wege zum Kommunismus ohne Berücksichtigung der Erfahrungen der Oktoberrevolution vertreten hat, fährt sie fort: „Egal, welcher Pfad zum Kommunismus führt, alle sind sich einig, dass es ein sehr langer und steiniger sein wird.“ 9. Auch das ist wiederum spekulativ gedacht, die dialektische Entwicklungslehre hat sich gerade dadurch herausgebildet, dass  sowohl die Entwicklung  der Natur als auch der Geschichte uns ein Abbrechen der langen Allmählichkeit zeigt, ein rasanter Wechsel der Erscheinungen, ein plötzliches Umschlagen von Quantität in Qualität, Sprünge und Zickzackbewegungen. In allen Revolutionen kommt es zu einem „sprunghaften Anwachsen der Aktivität der unterdrückten Massen“. 10. Welches Ereignis zum Beispiel den Anfang einer proletarischen Revolution in Deutschland markieren wird, läßt sich nicht bestimmen, vielleicht führt der Weg vom wirtschaftlichen Streik über einen politischen Generalstreik zum bewaffneten Aufstand, wir können aber heute schon sagen, dass im Vergleich zur Oktoberrevolution der Anfang dieser Revolution sehr viel schwieriger sein wird, bei uns gibt es keine zaristischen Idioten wie Nikolaus mehr, sondern an der Macht sind die versiertesten, professionellsten, politisch ausgefuchstesten Vertreter der Bourgeosie und der Arbeiteraristokratie, aber auf Grund der hohen Entwicklung der Produktivkräfte wird nach dem politischen Sturz des deutschen Bürgertums, nach dieser „Herkulesarbeit“  – das Bürgertum ist nichts Einheitliches und man kann seine Spaltungen ausnutzen –  der Weg zum Sozialismus und Kommunismus, wenn in ihm der Klassenkampf weiter und richtig betrieben wird, sehr viel kürzer sein.

Madame Gesines Darlegung läuft, wie sie es selbst formuliert, auf einen „liberalen Kommunismus“ hinaus und, so füge ich hinzu: auf einen pazifistischen. Betrachten wir ihre geistige Schöpfung näher. Es ist schon sehr „liberal“, die Bundeswehr als eine Verteidigungsarmee hinzustellen. Die Bundeswehr war, ist und wird auf Grund ihrer imperialistischen öconomischen Ausgangsbedingungen immer eine aggressive volksfeindliche Armee bleiben, nach der juristisch immer in Kraft stehenden Notstandsgesetzgebung direkt zur Unterdrückung von Arbeiter/innenaufstände dressiert. Und der Weg zum Sozialismus und Kommunismus in Deutschland führt über die völlige Vernichtung der bürgerlichen Armee, er führt über die Ersetzung des stehenden Heeres und der Polizei durch die allgemeine Volksbewaffnung . Dagegen meint die sich der politischen Prostitution hingebende Konterrevolutionärin Gesine Lötzsch: „Die wichtigsten Probleme der Gegenwart lassen sich nicht mit militärischen Mitteln lösen.“ 11. Oh ja, das ist der Kern der Sache: „OB DIE UNTERDRÜCKTE KLASSE WAFFEN BESITZT (kursiv von Lenin)“ 12. Wer diesen Kern umgeht, geht weg vom Proletariat, geht über auf die Seite der Bourgeoisie. Wie will man denn ohne Waffen die völlige Vernichtung des Bürgertums erreichen ?

Nun ist klar, dass nicht Edison uns das Licht zum Kommunismus geben kann, sondern nur Genosse Lenin.

Es bleibt nur nachzureichen die Bankrotterklärung der „Linken“ Gesine Lötzsch im Interview mit der „Welt am Sonntag“ am 9.1.2011. Es ist ein Bekenntnis zum Antikommunismus und damit ein Plädoyer für die Versklavung der Lohnarbeiter/innen und des deutschen Volkes. Wie eine konterrevolutionäre Schlange mogelt sie sich durch die Fragen, aber ihre Antworten entpuppen, dass sie ihren  Redebeitrag auf der Rosa Luxemburg Konferenz „Wege zum Kommunismus“ ehrlicherweise  „Weg vom Kommunismus“ hätte titulieren müssen. Selbst bei der Frage, dass Rosa Luxemburg sich für den bewaffneten Aufstand ausgesprochen habe, geht sie auf Distanz zu Luxemburg, sie wolle alle gesellschaftlichen Probleme friedlich lösen. Vom Marxismus Leninismus spreche heute kein Mensch mehr. Gysi verstieg sich sogar zur Behauptung: man dürfe den Begriff „Kommunismus“ heute nicht mehr verwenden. Bankrotterklärung auf Bankrotterklärung, das sind die Folgen, wenn man  gegen den wissenschaftlichen Sozialismus arbeitet. Die klassenbewußten Arbeiter und Arbeiterinnen in Deutschland wenden sich mit Ekelgefühlen ab. 13. Der konterrevolutionären Schlange muß der Kopf zertreten werden.

1.Lenin, Der „linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus“, Lenin Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1959,15

2. google: gesine lötzsch junge welt wege zum kommunismus

3. Lenin, Die große Iniative, Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971, 530f.

4.Lenin, Der „Linke Radikalismus“ – die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Werke Band 31,77. Russland war vor der Oktoberrevolution immer das Bollwerk der gesamten europäischen Reaktion, auch in dieser Hinsicht hat der rote Oktober das Blatt gewendet.

5.a.a.O.,32

6.a.a.O.,76. „Alle Nationen werden zum Sozialismus gelangen, das ist unausbleiblich, aber keine auf genau die gleiche Art und Weise, jede wird zu dieser oder jener Form der Demokratie, zu dieser oder jener Abart der Diktatur des Proletariats, zu diesem oder jenem Tempo der sozialistischen Umgestaltung der verschiedenen Seiten des gesellschaftlichen Lebens etwas Eigenes beitragen.“ (Lenin, Über die Karikatur auf den Marxismus, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,64).

7.Vergleiche a.a.O.,56

8. Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1959, 425

9. google: gesine lötzsch junge welt wege zum kommunismus. Dass der Weg zum Kommunismus eine steiniger sein wird, ist unbestritten, jedoch ist zu bedenken, dass der Kommunismus selbst nur die Frucht einer historischen Negation der Negation ist, wobei die erste Negation die steinigere ist. Nachzulesen bei Marx im Kapital im Kapitel: Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation. Im „Elend der Philosophie“ gibt Marx übrigens den gleichen Negationsvorgang für die aufstrebende Bourgeoisie gegen den Feudalismus an, bei dem Ähnliches gilt. (Vergleiche: Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke, Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1974,310).

10.Lenin, Der „linke Radikalismus“ – die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Werke Band 31, Dietz Verlag Berlin, 1959, 77

11.google: gesine lötzsch junge welt wege zum kommunismus

12.Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1959, 463

13.siehe: google: welt am sonntag ich kann mir kommunismus jetzt nicht vorstellen

Heinz Ahlreip, 8.1.2011

Zum 140. Geburtstag Lenins: Der Kampf ist absolut

17. April 2010

Am 22. April erblickte vor 140 Jahren ein außergewöhnlicher Mensch in Simbirsk das Licht der Welt, dessen Außergewöhnlichkeit aber weniger Anlaß zu einem Personen- oder Geniekult geben sollte, weil sein Schaffen  zusammen mit den werktätigen Massen der Befreiung eben dieser aus der kapitalistischen Lohnsklaverei gewidmet war, an deren Spitze  er stand und denen er den Weg der gewaltsamen Emanzipation gegen die kapitalistischen Ausbeuter und imperialistischen Unterdrücker wies. Der Gedanke der gewaltsamen Revolution der Arbeiter und Bauern zieht sich denn auch wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk des Genossen Lenin.

Alle großen Fragen im Leben der Völker werden durch Gewalt gelöst, und gibt es heute eine größere Frage als die Zerschlagung des kapitalistischen Ausbeutersystems ? Auch durch sein theoretisches und praktisch-revolutionäres Wirken ist den fortgeschrittenen arbeitenden Menschen heute bewußter denn je, dass die Kernfrage ihres gesellschaftlichen Daseins nicht mehr lauten kann, ob das kapitalistische Geldsystem zerschlagen werden muss, sondern allein wie dies geschehen soll ? Lenin wies uns darauf hin, dass es primär nicht darauf ankommt, sich mit politischen Einzelpersonen zu beschäftigen, sondern dass es vielmehr gilt, die objektiven Entwicklungsgesetze der kapitalistischen Warenproduktion zu studieren, in deren Prozesszusammenhängen die verschiedenen gesellschaftlichen Klassen (so und nicht anders) handeln. Schon Marx und Engels hatten im Kommunistischen Manifest den Personenkultlern ins Stammbuch geschrieben: „Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind. Sie sind nur allgemeine Ausdrücke tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes, einer unter unseren Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung.“ 1. So sind denn auch die Werke Lenins nur die Widerspiegelung der zu seiner Zeit vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung und er überprüfte immer mit strengstem Maßstab, ob seine Schriften die soziale Wirklichkeit richtig widerspiegeln. Und in der Tat liegt es auf der Hand, dass alle sozialistischen Theoretiker, die in dieser Frage leichtfertig handeln, zum historischen Scheitern verurteilt sind.

An Lenin spalten sich die Geister, während der bewußteste Teil der Lohnsklav/inn/en ihn nicht nur tief in seinem Herzen trägt, sondern auch eifrig studiert, aus seinem Werk Kraft im Klassenkampf gegen die Konterrevolution  und Anleitung zum revolutionären Handeln gegen die Ausbeuter schöpft, hassen diese diesen glühenden Revolutionär, können aber heute nur ohnmächtig konstatieren, dass sowohl seine wissenschaftliche als auch seine praktisch revolutionäre Tätigkeit das Leben aller Völker der Erde tangiert. Er hat Recht behalten mit seiner Vorhersage, daß ALLE (kursiv von Lenin) Länder in einigen sehr wesentlichen Fragen unvermeidlich dasselbe werden durchmachen müssen, was Rußland durchgemacht hat. 2. Auf allen Kontinenten fordern heute die Lohnsklaven, die leibeigenen Bauern ihr Recht, Mensch zu sein. Das öconomische System des Imperialismus, die daraus entspringenden imperialistischen Kriege und die Oktoberrevolution haben das Blatt der Weltgeschichte in gewisser Weise gewendet. Die Mehrheit der Weltbevölkerung, die Völker des Ostens, sind seit Beginn des XX. Jahrhunderts zum politischen Leben erwacht. Ein Aufbruch, den bereits Kautsky 1902 in seinem in der „Iskra“ veröffentlichte Aufsatz „Die Slawen und die Revolution“ („Das revolutionäre Zentrum wandert von West nach Ost“) und 1909 in seinem Werk „Der Weg zur Macht“  richtig erfasste, er datierte das revolutionäre Zeitalter ab 1905. Auf der anderen Seite sehen wir den Niedergang des alten Europas, der Weltbourgeoisie, „…die sich bei der imperialistischen Ausplünderung und Unterdrückung der Mehrheit der Erdbevölkerung überfressen hat.“ 3. Deutschland, einst die Blüte der bürgerlichen Weltkultur (Kant, Fichte, Hegel, Schelling, Goethe, Schiller…) ist heute unter der kulturellen Hegemonie des US-Imperialismus eines der rückständigsten Länder der Welt, statt Aufklärung mediale Massenverdummung, von Kopf bis Fuß nur noch Dekadenz und Panamaskandale ausschwitzend. China, das kämpferische Nepal, Nordkorea, Indien, wo die Naxaliten, (benannt nach dem Dorf Naxalbari in Westbengalen) gegen den Staatsterrorismus kämpfen, sind heute kulturell viel höher entwickelt.( In Lenins  Schrift: „Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx“  kann man diese Entwicklung sehr gut nachlesen.) Ich verweise auf die vorzügliche, Stalin gewidmete Studie des Inders Harpal Brar über den Zusammenbruch der Sowjetunion: Perestrojka Der vollständige Zusammenbruch des Revisionismus (Herausgeber offensiv, Zeitschrift für Sozialismus und Frieden 2002) In dem einst theoretisch so hochstehenden Land der Dichter und Denker sind massenhaft Studien über den Zusammenbruch des sowjetischen Sozialismus erschienen, die zu dem fadenscheinigen Argument der Verschwörungstheorie Zuflucht nahmen, ohne zu beachten, dass der Erklärungsschlüssel in der Ökonomie zu suchen ist, ohne zu bedenken, das schon Friedrich Engels nach dem Scheitern der 48er Revolution es für wenig sinnvoll hielt, die Erfolge der Konterrevolution darin zu suchen, „Herr X oder Bürger Y habe das Volk verraten.“ 4.

Marx und Engels nahmen aktiv nur an einer Revolution teil, der bürgerlich demokratischen Revolution 1848 in Deutschland, und erst ein Jahr (!) nach der Herausgabe der „Neuen Rheinischen Zeitung“ zu Köln, die sie „Organ der Demokratie“ nannten, wandten sich die Kommunisten Marx und Engels der Organisierung einer besonderen Arbeiterpartei zu. „Marx hat erst aus den Erfahrung der demokratischen Revolution, fast ein Jahr nachher, praktisch diese Schlußfolgerung gezogen, so spießig, so kleinbürgerlich war damals die ganze Atmosphäre in Deutschland. Für uns ist diese Schlußfolgerung eine seit langem feststehende, aus der halbhundertjährigen Erfahrung der internationalen Sozialdemokratie gezogene Erkenntnis – eine Erkenntnis, mit der wir BEGONNEN (kursiv von Lenin, H.A.) haben, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Rußlands zu organisieren.“ 5.

Lenin nahm schon aktiv an der bürgerlich demokratischen Revolution 1905 in Rußland teil und zog in ihr die Schlußfolgerung: „Das Proletariat muß die demokratische Umwälzung zu Ende führen, indem es die Masse der Bauernschaft an sich heranzieht, um den Widerstand der Selbstherrschaft mit Gewalt zu brechen und die schwankende Haltung der Bourgeoisie zu paralysieren. Das Proletariat muß die sozialistische Umwälzung vollbringen, indem es die Masse der halbproletarischen Elemente der Bevölkerung an sich heranzieht, um den Widerstand der Bourgeoisie mit Gewalt zu brechen und die schwankende Haltung der Bauernschaft und der Kleinbourgoisie zu paralysieren.“ 6. (Im Vorbeigehen bemerke ich für „unsere“ deutsche LINKE, daß  hier zweimal das Wort Gewalt vorkommt).

Die Revolution wurde blutig niedergeschlagen und gegen alle Wankelmütigkeit, Verzagtheit (Pornografie statt Politik) und Kapitulationen, Irrationalismus, Gottbildnertum (Lunatscharski), es setzte eine Massenflucht aus der Partei ein, nicht nur von Intellektuellen, sondern auch von Arbeitern – in den finsteren Jahren der Reaktion zeigte sich Lenins ganze Stärke – und er sollte Recht bekommen: die Revolution von 1905 erwies sich als die Generalprobe für die Große Sozialistische Oktoberrevolution, die bis heute insofern der entscheidende Wendepunkt in der Weltgeschichte ist (und deren Genius Lenin war), weil sie den Völkern die Parole der bürgerlichen französischen Revolution FREIHEIT GLEICHHEIT BRÜDERLICHKEIT als historisch einlösbar nur jenseits des Privateigentums an den Produktionsmitteln aufzeigt, während jede bürgerliche Revolution dieses juristisch politisch ideologisch und militant polizeilich festschreibt. Die vom jungen Marx in seiner Schrift „Zur Judenfrage“ herausgearbeitete Differenz  zwischen menschlicher und politischer Revolution hat sich in jeder Arbeiter- und Bauernrevolution zu bewahrheiten. Das Humanistische liegt jenseits des Politischen. Die Oktoberrevolution 1917 fand selbstredend noch in einem politischen Gewand statt, kann aber von ihrem ganzen Ansatz und ihrer ganzen Intention her als die nach der Pariser Kommune zweite menschliche Revolution in der Weltgeschichte bezeichnet werden. „Die Revolution überhaupt, der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politsiche Hülle weg.“ 7.

Bekanntlich bezeichnete Friedrich Engels die primär von Marx entwickelte materialistische Dialektik als „…unser bestes Arbeitsmittel und unsere schärfste Waffe.“ 8. Lenin schärfte diese Waffe, vertiefte die Marx´sche Dialektik, wies besonders in der Schrift „Empiriokritizismus und Materialismus“  nach, dass die neuesten Ergebnisse der Naturwissenschaften die materialistische Dialektik glänzend bestätigten. Er kehrte also keineswegs nur zur Marxdialektik  zurück, wie Bucharin meinte. 9. Dialektisches Denken spiegelt Prozesse der Natur und der Gesellschaft wider als entwicklungsbedingt durch deren inneren Kampf von Gegensätzen unter Einschluß ihrer relativen Einheit (zum Beispiel Wirkung und Gegenwirkung in der Mechanik, Lohnarbeiter/innen gegen Kapitalist/inn/en in der bürgerlichen Gesellschaft). Prozesse bedürfen keinen Anstoß durch eine „höhere Instanz“, sondern sind selbstbewegt durch deren immanente Widersprüchlichkeit. Der Kampf zwischen Altem und Neuem, ohne den Prozesse weder möglich noch denkbar sind, vollzieht sich durch Abbruch der Allmählichkeit, durch Sprünge, dadurch, dass die Gegensätze ineinander umschlagen. Besonders arbeitete Lenin heraus, dass die Anzahl der Seiten dialektischer Erkenntnis ewig zunimmt, also keineswegs durch irgendein absolutes Wissen zum Abschluß kommt, wie Hegel meinte. „Die menschliche Erkenntnis ist nicht (resp. beschreibt nicht) eine gerade Linie, sondern eine Kurve, die sich einer Reihe von Kreisen, einer Spirale UNENDLICH (kursiv/H.A.) annähert.“ 10. Wir müssen in der Frage der Dialektik primär  beachten, dass die Einheit der Gegensätze unbedingt relativ ist, denn natürlich erkennen auch die Revisionisten Gegensätze und deren Kampf an, stellen aber zum Beispiel den Klassenkampf  so dar, dass dieser relativ, die Einheit zwischen den Klassen aber absolut sei (parlamentarische Koalitionen, friedliche Koexistenz, wie sie auch der sozialistische Utopist und Schüler Fouriers, Considérant, in seinem „Demokratischen Manifest“ vertrat, siehe auch den Fehler Bucharins, dass die Kulaken in den Sozialismus hineinwachsen, dargelegt in seiner Schrift: „Der Weg zum Sozialismus“.  Stalin sagte dazu: „Kapitalisten in Stadt und Land, Kulaken und Konzessionäre, die in den Sozialismus hineinwachsen – bis zu einer solchen Dummheit hat sich Bucharin verstiegen.“ (Stalin: Über die rechte Abweichung in der KPdSU, Rede auf dem Plenum  des ZK und der ZKK der KPdSU (B) im April 1929, Stalin Werke Dietz Verlag Berlin, 1954,26). „Die Einheit (Kongruenz, Identität, Wirkungsgleichheit) der Gegensätze ist bedingt, zeitweilig, vergänglich, relativ. Der Kampf der einander ausschließenden Gegensätze ist absolut, wie die Entwicklung, die Bewegung absolut ist.“ 11. Also kommt es im Klassenkampf darauf an, die Kapitalistenklasse, die Bankiers…etc. mit ihren ganzen Anhängseln von Politikern, Juristen und Polizisten, diese perverse, gebildete, arbeitsscheue und  blutsaugende Minderheit am Körper der Völker mit Feuer und Schwert gewaltsam-diktatorisch niederzuhalten.  In diesem letzten Gefecht verlangte Lenin zur Erkenntnis der Klassenkriegslage  alle Seiten, alle Zusammenhänge zu erfassen und zu erforschen. „Wir werden das niemals vollständig erreichen, die Forderung der Allseitigkeit wird uns aber  vor Fehlern und vor Erstarrung bewahren.“ 12.

Wenn Lenin das Streben nach Allseitigkeit in der Erkenntnis gesellschaftlicher Prozesse forderte, so konnte man bei der Marx´schen Analyse des sogenannten klassischen Manchesterkapitalismus nicht stehenbleiben, man mußte neue Entwicklungen im Wirtschaftsleben aufmerksam verfolgen und berücksichtigen, dass bereits der späte Engels Formen des Übergangs von der Konkurrenz zum Monopol entdeckt hatte. Der Kapitalismus ging ab 1900 dialektisch (die Gegensätze schlagen ineinander um: Konkurrenz wird zum Monopol) in sein höheres Stadium, den Imperialismus über. Die von Lenin dargelegte Imperialismusanalyse kommt bis heute der Allseitigkeit der imperialistischen Entwicklung am nächsten, er sprach von einem besonderen historischen Stadium des Kapitalismus. „Diese Besonderheit ist eine dreifache: der Imperialismus ist 1. monopolistischer Kapitalismus; 2. parasitärer Kapitalismus; 3. sterbender Kapitalismus. Die Ablösung der freien Konkurrenz durch das Monopol ist der ökonomische Grundzug, das WESEN (kursiv von Lenin/H.A.) des Imperialismus.“ 13.

Wenn Lenin das Streben nach Allseitigkeit in der Erkenntnis gesellschaftlicher Prozesse forderte, so konnte man bei der von Marx und Engels entwickelten Theorie des internationalen Charakters der proletarischen Revolution nicht stehenbleiben,  man mußte die internationale Entwicklung des Imperialismus aufmerksam verfolgen und neue Widersprüche in den Kräfteverhältnissen berücksichtigen. Lenin entwickelte während des ersten Weltkrieges in polemischer Auseinandersetzung mit dem Pseudointernationalismus Trotzkis die Theorie, daß die Front des Imperialismus auf Grund der Ungleichmäßigkeit der politischen und ökonomischen Entwicklung im Imperialismus sogar in einem einzelnen, kapitalistisch wenig entwickelten Land durchbrochen werden kann unter Fortbestand höherentwickelter kapitalistischer Länder. „Die Entwicklung des Kapitalismus geht höchst ungleichmäßig in den verschiedenen Ländern vor sich. Das kann nicht anders sein bei der Warenproduktion. Daraus die unvermeidliche Schlußfolgerung: Der Sozialismus kann nicht gleichzeitig in ALLEN (kursiv von Lenin/H.A.) Ländern siegen. Er wird zunächst in einem oder einigen Ländern siegen, andere werden für eine gewisse Zeit bürgerlich oder vorbürgerlich bleiben.“ 14.

So hatte aber der Marxismus nach 66 Jahren ein ganz anderes Gesicht bekommen, denn 1845/46, in „Die deutsche Ideologie“ sahen Marx und Engels die proletarische Revolution noch als eine ultrainternationalistische an: „Der Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden Völker „auf einmal“ und gleichzeitig möglich, was die universelle Entwicklung der Produktivkraft und den mit ihm zusammenhängenden Weltverkehr voraussetzt. “ 15.  1847 verwies Engels in den „Grundsätzen des Kommunismus“ auch noch auf den Weltmarkt und sah eine gleichzeitige Revolution in allen zivilisierten Ländern, „d.h.  wenigstens in England, Amerika, Frankreich und Deutschland“16.  kommen.  1850 sah Marx nach der Analyse der Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, daß nicht das klassische Land der bürgerlichen Revolution der Ausgangspunkt der internationalen proletarischen Revolution sein kann, da das höchstentwickelte kapitalistische Land England sei. “ Sie wird nicht in Frankreich gelöst, sie wird in Frankreich proclamirt. Sie wird nirgendwo gelöst innerhalb der nationalen Wände, der Klassenkrieg innerhalb der französischen Gesellschaft schlägt um in einen Weltkrieg, worin sich die Nationen gegenübertreten. Die Lösung, sie beginnt erst in dem Augenblick, wo durch den Weltkrieg  das Proletariat an die Spitze des Volkes getrieben wird, das den Weltmarkt beherrscht, an die Spitze Englands.“ 17. Diesen Gedanken  hatte Karl Marx 1850 in den „Klassenkämpfen in Frankreich 1848 bis 1851“ entwickelt, es war gerade der Fehler des sich  (zusammen mit Sinowjew) zum bewaffneten Oktoberaufstand attentistisch verhaltenden Kamenews, unter Versteifung auf diese Frankreichschrift von Marx die Aprilthesen Lenins als zu radikal zurückzuweisen. Darüber hinaus sprach er sich sogar für eine Zusammenarbeit mit den Menschewiki aus. 18. Also diesen interessanten verschlungenen Lauf hat die kommunistische Weltbewegung genommen: Von der Weltrevolution  „auf einmal und gleichzeitig“  zum Aufbau des Sozialismus in einem Lande. Marx und Engels erwarteten von der komunistischen Revolution, dass sie  Geschichte in Weltgeschichte verwandele, daß die universelle Entwicklung der Produktivkräfte es ausschließe, dass der Kommunismus nur als eine Lokalität existiere. 19. Dass diese auf dem Gebiet eines Sechstels der Erde geschah, ändert nichts am lokalen Charakter.

Und so weist uns kein anderer als Lenin selbst darauf hin, dass es nicht darauf ankommt, Zitate auswendig zu lernen und Szenen vergangener Klassenkämpfe als Parodie zu kopieren, sondern den aktuellen Klassenkrieg möglichst allseitig  zu anaylsieren, den kapitalistischen Wolf genau und scharf im Auge zu behalten unter Berücksichtigung, dass zum Abschlachten  dieses Blutsaugers die Bewaffnung der Arbeiter und Bauern unbedingt erforderlich ist.  Man kann den Leninismus nicht innerleninistisch weiterentwickeln, sondern man kann ihn nur weiterentwickeln, wenn man die Revolution der Arbeiter und Bauern vorbereitet, und umgekehrt, man kann diese nicht vorbereiten, wenn man nicht den Leninismus weiterentwickelt. 20.

Aus ihren eigenen Eingeweiden schleudert die bürgerliche Gesellschaft fortwährend Augenblicksgötzen auf die politische Bühne, weil sie zur Unterdrückung der Lohnarbeiter eines politischen Überbaus bedarf, in weltgeschichtlicher Hinsicht Eintagsfliegen, im Vergleich zum Giganten Lenin wahre Nullen. Warum ? Man könnte antworten, dass Lenin einen wesentlich höheren Intelligenzquotienten hatte. Und so zutreffend auch diese Feststellung ist, immerhin wurde Lenins Gehirn zwei Jahre nach seinem Tod von dem führenden Gehirnforscher Professor Oskar Vogt nach der zytoarchitektonischen Methode  untersucht und diese Vermutung  wissenschaftlich bestätigt 21., der Kern der Sache ist ein anderer. Lenin lehrte uns, dass sich die Revolutionäre bis zu einem gewissen Grad mit den Massen verschmelzen müssen 22. Mit den Massen bis zu einem gewissen Grad verschmelzen sich auch die bürgerlichen Politikaster regelmäßig vor den Wahlen, um sie nach diesen wie eine Weihnachtsgans auszuschlachten. Die von Lenin inspirierte Oktoberrevolution schlug einen anderen Weg ein: „Die Diktatur des Proletariats und der revolutionären Bauernschaft…ist eine offene Diktatur, eine Diktatur der Massen, die weder des Betrugs in der Innenpolitik noch der Geheimdiplomatie in der Außenpolitik bedarf.“ 23. Deshalb verehren die Massen diesen revolutionären Titanen. Er brachte ihnen eine viel höhere Form des Demokratismus als es der bürgerliche Parlamentarismus je bringen wird. Im Grunde hält dieser die Massen von der Demokratie fern. Das von Lenin ausgearbeitete  Dekret des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees über das Abberufungsrecht von Deputierten (datiert vom 4. Dezember /21.November 1917) beginnt denn auch mit dem Satz: „Jedwede gewählte Körperschaft oder Vertreterversammlung kann als wirklich demokratisch und als wirkliche Vertretung des Willens des Volkes nur dann gelten, wenn das Recht der Wähler, ihre Abgeordneten ABZUBERUFEN (kursiv/H.A.), anerkannt wird und dieses Recht Anwendung findet.“ 24. Die heute unter dem bürgerlichen Parlamentarismus entmündigten Massen können nur frei atmen, wenn sie diesen zerschlagen. Die Augenblicksgötzen, die politischen Eintagsfliegen, die Nullen täuschen sich, wenn sie den Marxismus-Leninismus für vernichtet halten. Den Marxismus-Leninismus kann man nur vernichten, wenn man die Arbeiterklasse vernichtet. Das kann die Bourgeoisie nicht, aber umgekehrt geht es. Das historische Schicksal des Marxismus-Leninismus kann dann auch nicht sein, von einem Klassenfeind vernichtet zu werden, er stirbt mit dem Staat ab.

Von Lenin verfasst worden ist auch die „Deklaration der Rechte des werktätigen und ausgebeuteten Volkes“ (angenommen vom Dritten Gesamtrussischen Sowjetkongress 25. (12.) Januar 1918). Sozialisierung des Grund und Bodens, Arbeiterkontrolle in der Produktion, Übergang aller Banken in das Eigentum des Arbeiter- und Bauernstaates, allgemeine Arbeitspflicht gegen die parasitären Schichten der Gesellschaft – das sind nur einige Stichworte aus der Deklaration, die als Ziel vorgibt, „…die Menschheit den Klauen des Finanzkapitals und des Imperialismus zu entreißen.“ 25. Das  – abgesehen von den fundamentalen Texten der Klassiker –  wohl wichtigste Dokument der Weltgeschichte ist heute in Vergessenheit geraten. In einer vom Kapital beherrschten Gesellschaft kann es auch gar nicht anders sein. Die dem Kapital (ge-) hörigen Massenmedien verbreiten heute stündlich täglich millionenfach die Deklaration der Rechte des parasitären und ausbeuterischen Kapitalistenpacks in Permanenz. Wir Kommunisten müssen diese ersten, hauptsächlich von Lenin und Stalin ausgearbeiteten Dekrete der Sowjetmacht wie einen Augapfel hüten, sie enthalten die Grundlagen für die Errichtung eines Arbeiter- und Bauernstaates. Angesichts der vom Kapital angelegten wildwuchernden Medienlandschaft  ist dies einem Marsch durch einen dichten, noch nie von Menschen durchschrittenen Dschungel vergleichbar, der kontinentale Ausmaße hat.

Für Lenin war entscheidend, daß der Kommunismus den Arbeitermassen als ihr eigenes Anliegen eingehen muß. 26.  Seine Genialität bestand darin, mit einfachen Mitteln, mit dem „Kleingedruckten“ zu arbeiten. Deshalb hielt er die Parteikader an, auf Versammlungen genauestens auf die Kritik gerade der „einfachen“ Arbeiter und Bauern zu achten, aufmerksam auch die lokalen Zeitungen zu studieren, einen regen Briefwechsel mit den Arbeitern und Bauern zu führen, das Netz der bolschewistischen Zeitungen mit ihren Arbeiter- und Bauernkorrespondenten immer engmaschiger zu knüpfen, die Zeitung als kollektiver Organisator, bei Massenveranstaltungen Gespräche zu führen, jedes Flugblatt genau zu analysieren, alle Beschwerden Ernst zu nehmen. „Sehr aufmerksam verhielt sich Lenin zu den Zetteln, die er auf den verschiedenen Versammlungen, Kundgebungen, Konferenzen und Tagungen erhielt. Am 20. März 1921 übersandt er seinem Sekretär eine Menge solcher Zettel und gab ihm den Auftrag: Alles sammeln, nach Themen gliedern, ein Verzeichnis machen, mir zeigen.“ 27. Statt hochtrabender Reden Mitarbeit am Subbotnik, die Jugend muß lernen lernen lernen, aber nicht auf alte Art. „Nur in der gemeinsamen Arbeit mit den Arbeitern und Bauern kann man ein wahrer Kommunist werden.“ 28. Ein einfacher Satz – und doch enthält er die Genialität Lenins. Ein Revolutionär, der nicht von den Massen lernt, ist verloren. Auch Marx lernte mit ihnen im Kampf. 29. Lenin vertraute dem proletarischen Klasseninstinkt im Gegensatz zu den belesenen und „hochgebildeten“, in der Geschichte der Revolution bewanderten Bolschewiki. „Von den Massen lernen, den Sinn ihres Handelns erfassen, die praktische Erfahrung des Kampfes der Massen sorgfältig studieren….In den Tagen der Wendepunkte der Revolution blühte er gleichsam auf, wurde zum Hellseher, erriet die Bewegung der Klassen und die wahrscheinlichen Zickzackwege der Revolution, sah sie ganz klar vor sich. Nicht umsonst heißt es in unseren Parteikreisen, daß „Iljitsch in den Wellen der Revolution zu schwimmen versteht wie der Fisch im Wasser.“ 30. Man sagt, Lenin sei ein pragmatischer Politiker durch und durch gewesen und sein Pragmatismus spiegele sich besonders in der „knochentrockenen“ Schrift: Was tun ? wider. 31. Aber gerade in dieser Schrift wirft er den Bolschewiki selbstkritisch vor, dass sie zu wenig träumen. Ein Revolutionär, der nicht auch träumt, kommt über den alten Weltzustand nicht hinaus. 32.


1. Marx, Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983, 60. Die Volksmassen machen die Geschichte. „Wenn es also darauf ankommt,…die eigentlich letzten Triebkräfte der Geschichte auszumachen, so kann es sich nicht so sehr um die Beweggründe bei einzelnen, wenn auch noch so hervorragenden Menschen handeln, als um diejenigen, welche große Massen, ganze Völker, und in jedem Volk wieder ganze Volksklassen in Bewegung setzen.“ (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, 298).

2. Lenin, Der „linke Radiakalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Lenin Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,572

3.Lenin, Zum Zehnjährigen Jubiläum der Prawda, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971, 734. Schopenhauer hat die Hinwendung zum Osten philosophisch vorgeahnt, aber natürlich mit Spinnereien (Upanischaden…etc). Carl Schmitt wiederum deutet die revolutionäre Entkernung Europas, geht man von Engels Schwerpunktlegung: „England Frankreich Deutschland“ in den Grundsätzen des Kommunismus von 1847 aus, so kann man diesen Ausdruck getrost in Anwendung bringen, aus militärischer Sicht an Hand der nach seiner Auffassung das 20. Jahrhundert prägenden und von Lenin totalisierten neuen Gestalt des Weltgeistes, den Partisanen, aus. „Das Bündnis der Philosohie mit dem Partisanen, das Lenin geschlossen hat, entfesselte unerwartete neue , explosive Kräfte. Es bewirkte nicht weniger als die Sprengung der ganzen europa-zentrischen Welt, die Napoleon zu retten und die der Wiener Kongreß zu restaurieren gehofft hatte.“ (Carl Schmitt, Thorie des Partisanen, Duncker & Humblot Verlag Berlin, 2006,57). Der Kardinalfehler Carl Schmitts, der seiner Lenindarstellung zu Grunde liegt, ist offenbar: Lenin deutet gesellschaftliche Phänomene nie von der Philosophie, sondern immer von der Ökonomie aus, der wissenschaftlichen Disziplin, in der der Schlüssel zum Verständnis  gesellschaftlicher Entwicklungen liegt. Ebenso unsinnig ist die Unterstellung, Lenin hätte ein Bündnis Hegelischer Geschichtsphilosophie mit entfesselten Massenkräften zustande gebracht. (a.a.O.,58) Mit solchen schwachen Kräften ist Lenin nicht ins Feld  der Weltrevolution gezogen, denn die Hegelsche Geschichtsphilosophie gab nach seiner Beurteilung der Menschheit „sehr,sehr wenig…Hier ist Hegel am meisten veraltet und antiquiert.“ (Lenin, Konspekt von Hegels „Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte“, in: Lenin, Über Hegelsche Dialektik, Ausgewählte Texte, Reclam Verlag Leipzig, 1968,228). Er führt hier die Linie der Hegelkritik aus der Deutschen Ideologie von Marx und Engels fort: „Die Hegelsche Geschichtsphilosophie ist die letzte, auf ihren „reinsten Ausdruck“ gebrachte Konsequenz dieser Gesamten Deutschen Geschichtsschreibung…(der) Hirngespinste.“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, Marx Engels Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,39f.) Carl Schmitt ist nicht allein mit seiner Philosophielastigkeit, es ist überhaupt ein Grundübel, den Marxismus immer wieder mit Philosophie zu revisionieren. „Die selbständige Philosophie verliert mit der Darstellung der Wirklichkeit ihr Existenzmedium.“ (Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, Marx Engels Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1969,27). Das ist das Todesurteil  nicht nur der klassischen deutschen idealistischen Philosophie. Sowohl für den kleinen als auch für den großen Krieg kann man deshalb zum Beispiel heute nicht mehr bei den für Schmitt vorbildlichen  Clausewitz in die Schule gehen, wie dies offensichtlich Kapitän zur See Professor Dr. Wolfgang Scheler tut, der in seinem Aufsatz „Clausewitz und das militärtheoretische Denken in der DDR“ bei Clausewitz die Verbindung von Erfahrung und Philosophie für das wissenschaftliche Denken als befruchtend deutet. (siehe: google: Scheler Clausewitz DDR).

4.Friedrich Engels, Revolution und Konterrevolution in Deutschland, in: Ausgewählte Werke in 6 Bänden, Band II, Dietz Verlag Berlin, 184

5.Lenin: Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution, Lenin Werke Band 9,128f.

6.a.a.O.,90

7.Karl Marx: Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1,409. Ähnlich wie mit der Politik verhält es sich auch mit der Gewaltfrage. Zur Zerschlagung des kapitalistischen Systems ist unbedingt Gewalt erforderlich, wo aber der Sozialismus seine aufbauende Tätigkeit beginnt, da beinhaltet die Diktatur des Proletariats nicht hauptsächlich Gewalt, sondern stellt einen „höheren Typus der gesellschaftlichen Organisation der Arbeit“ dar. (Vergleiche: Lenin, Die große Initiative, Leinin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,529).

8.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, Dietz Verlag Berin 1975,293

9.Siehe: M. Mitin, Ergebnisse der philosophischen Diskussion,in: Wilhelm Goerdt: Die Sowjetphilosophie Wendigkeit und Bestimmtheit, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1967,258

10. Lenin, Über Hegelsche Dialektik, Zur Frage der Dialektik, Reclam Leipzig 1986,46. Hegel hingegen gestaltet in seiner „Logik“ das Denkbild: die sich als Kreis erreicht habende Linie.

11.a.a.O.,44. „Die Erkenntnis, dass diese Gegensätze und Unterschiede in der Natur  zwar vorkommen, aber nur mit relativer Gültigkeit, dass dagegen jene ihre vorgestellte Starrheit und absolute Gültigkeit erst durch unsre Reflexion in die Natur hineingetragen ist – diese Erkenntnis macht den Kernpunkt der dialektischen Auffassung der Natur aus. “ (Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: Marx Engels, Ausgewählte Werke, Band V, Dietz Verlag Berlin, 1972, 20) Und auf dem Gebiet der Geschichte sagt  Friedrich Engels, dass zum Beispiel  der Staat das Eingeständnis ist, dass diese Gesellschaft sich in UNVERSÖHNLICHE (kursiv/H.A.) Gegensätze gespalten hat. In seiner Schrift „Staat und Revolution“ stellte Lenin heraus, dass es besonders kleinbürgerliche Ideologen philiströs dazu treibt, den Staat als Organ der Klassenversöhnung darzustellen. In der historisch politischen Praxis haben das die Sozialrevolutionäre und Menschewiki „mit einem Schlag“ gezeigt. In der Theorie ist Kautsky geschickter vorgegangen: aus der anerkannten Unversöhlichkeit der Klassen wird nicht die Schlußfolgerung gezogen, auf die Notwendigkeit der Vernichtung des Staatsapparates hinzuwirken. (Vergleiche: Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin 1960, 399f.).

12.Lenin, Noch einmal über die Gewerkschaften, die gegenwärtige Lage und die Fehler Trotzkis und Bucharins, LW 32, Dietz Verlag Berlin, 1961,85

13. Lenin, Der Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, LW 23, Dietz Verlag Berlin, 1978,102

14. Lenin; Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, LW 23, Dietz Verlag Berlin 1957,74. Was also Hans Kalt in seinem Buch: „In Stalins langem Schatten Zur Geschichte der Sowjetunion und zum Scheitern des sowjetischen Modells“ als eine Erkenntnis aus dem Zusammenbruch des Sowjetsystems entwickelt, die dazu zwingt, „…die Vorstellungen von einer Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus neu zu überdenken. Diese wird wahrscheinlich nicht als eine , schließlich die ganze Welt erfassende revolutionäre Welle erfolgen.“ (Hans Kalt, In Stalins langem Schatten, Papy Rossa Verlag, Köln, 2010, 255. I, Kapitel: Wo Marx irrte), ist von Lenin im Grunde schon vor seinem Entstehen dargelegt worden.

15. Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974, 226.

16. Friedrich Engels, Grundsätze des Kommunismus, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1976,349

17.Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,182

18: Siehe: Jürg Ulrich: Kamenew: Der gemäßigte Bolschewik Das kollektive Denken im Umfeld Lenins,  VSA Verlag Hamburg 2006, 96f.

19. Vergleiche  Karl Marx, Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1974,226

20. Lenin ist deshalb mehr als nur ein Ratgeber, der uns in allen künftigen Klassenkämpfen begleitet. (Siehe: Prof. Dr. Götz Dieckmann: Lenin – Fanal, nicht Ikone, Rotfuchs 13. Jg. , Nr. 147, April 2010,3) Wir dürfen an Lenin nicht so herantreten wie, sagen wir, bürgerliche Offiziere an Clausewitz herantreten, als Ratgeber in allen Kriegslagen. Wir müssen den Leninismus an Hand der real vor sich gehenden Klassenkämpfe überprüfen, so wie Lenin die Werke von Marx und Engels einer ständigen Überprüfung an den realen Klassenkämpfen unterwarf und diese Werke auch korrigierend weiterentwickelte. Ganz im Sinne von Karl Marx, der das menschliche Denken der Kritik unterworfen und an der Arbeiterbewegung überprüft hatte. (Vergleiche Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbände, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,670) Insbesondere sind heute die ökonomischen Fehlentwicklungen der sowjetischen Wirtschaft zu analysieren, zum Beispiel, dass entegen der Warnung Stalins durch die Auflösung der Maschinen-Traktor-Stationen ungeheure Mengen von Produktionsinstrumenten der Landwirtschaft in die Bahn der Warenzirkulation geworfen, die Warenzirkulation schließlich Überhand nahm.  (Siehe Harpal Brar:  Perestrojka Der vollständige Zusammenbruch des Revisionismus (Herausgeber offensiv, Zeitschrift für Sozialismus und Frieden 2002, 212ff.) und Heinz Ahlreip, Aufstieg und Fall der Sowjetunion, Über den wissenschaftlichen Charakter des Marxismus, Eigenverlag, 48 ff.)

21. Siehe Dokument Nr. 18: Das Gehirn W.I. Lenins, in: Jochen Richter: Rasse, Elite, Pathos. Eine Chronik zur medizinischen Biographie Lenins und zur Geschichte der Elitegehirnforschung in Dokumenten, Centaurus Verlag Herbolzheim 2000, 187 f. Lenin hatte einen überragenden, nicht nur marxistischen Wissensschatz, aber auch sein Wissen konnte natürlich nicht allseitig sein. Eine kleine Anmerkung: 1919 lehrte er uns, dass man zum Sieg über den Kapitalismus „Hunderte und Tausende neuer Methoden, Verfahren, Kampfmittel“ ausprobieren müsse, um die geeignetsten zu finden, so wie ein japanischer Gelehrter im Kampf gegen die Syphilis 605 Präparate ausprobierte und erst das 606. (Salvarsan) den Durchbruch brachte. (Vergleiche: Lenin, Die große Initiative, in: Lenin, Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,535). Diese medizinische Glanztat vollbrachte aber kein japanischer Gelehrter, sondern der deutsche Arzt Paul Ehrlich. Man kann daraus ersehen, dass weder die bei konservativen Ideologen beliebte Kriminalisierung von Revolutionären, sie seien verschwörerische Drahtzieher im Hintergrund von Revolutionen, noch ihre Verzerrung ins Übermenschliche, zwei Kehrseiten einer Medaille sind: Lenin war ein außergewöhnlicher Mensch, aber immer doch ein Mensch.

22. Vergleiche Lenin, Der Linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Progress Verlag Moskau, 1971,567

23.J.W.Stalin, Die Regierung der bürgerlichen Diktatur, in: Stalin Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin 1951, 291

24. W.I. Lenin, Die ersten Dekrete der Sowjetmacht, Ausgabe zur Lenin-Hundertjahrfeier, herausgegeben von Juri Achapkin, Berlin Verlag 1970,46

25.a.a.O.,89

26. Lenin, Rede auf der Gesamtrussischen Konferenz der Ausschüsse für politisch-kulturelle Aufklärung bei den Gouvernements- und Kreisabteilungen für Volksbildung 3. November 1920, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971, 693

27. B.Jakowlew, Lenin über die operative Beweglichkeit in der organisatorischen Arbeit, in: M. Glasser, A. primakowski, B. Jakowlew: Studieren Propagieren Organisieren, Drei Texte zu den Arbeitsmethoden von Marx, Engels, Lenin uns Stalin, Verlag Olga Benarioa und Herbert Baum, 156

28. Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbände, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1917,681

29. Vergleiche Lenin, Vorwort zur russischen Übersetzung der Briefe von K. Marx an L. Kugelmann, Lenin Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin, 1959, 103

30. Stalin, Über Lenin, Stalin Werke Band 6, Dietz Verlag Berlin 1952, 54 f. Wenn ich schrieb, seine Genialität bestand darin, mit einfachen Mitteln, mit dem Kleingedruckten zu arbeiten, so macht dies doch nur die halbe Genialität Lenins aus. Lenin wäre wohl ein herausragender Politiker gewesen, wenn nicht noch eine andere Komponente der Genialität hinzukäme. Man könnte sagen, eine „klassische“ Komponente, wie sie der englische Dichter Edward Young prägte (die bestimmend wurde für den Geniebegriff der Klassik in der Literatur, siehe auch: Jochen Schmidt, Die Geschichte des Genie-Gedankens in der deutschen Literatur, Philosophie und Politik 1750 – 1945, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1985): „Regeln sind wie Krücken, eine notwendige Hilfe für den Lahmen, aber ein Hindernis für den Gesunden. Ein Homer wirft sie von sich.“ (H.A. und E. Frenzel: Daten deutscher Dichtung, dtv 1969, Bd. II, 202 f.) Plechanow hatte so Unrecht nicht, als er die Aprilthesen eine „Fieberphantasie“ nannte, mit der er alles aufs Spiel setzte und als sich wenige Tage nach der Oktoberrevolution der Oberbefehlshaber der russischen Vierzehnmillionenarmee General Duchonin weigerte, einen Befehl des Rates der Volkskommissare auszuführen (unverzüglich Waffenstillstandsverhandlungen mit den Deutschen aufzunehmen), setzte Lenin in einem Sonderbefehl über die Köpfe des Kommandeurskorps Duchonin ab und an seine Stelle den blutjungen Matrosen Krylenko ein und richtete einen Aufruf an die Soldaten, die Generale zu verhaften. „Es war ein Sprung ins Ungewisse. Aber Lenin fürchtete diesen Sprung nicht…“ (J.W. Stalin, Über Lenin, Stalin Werke Band 6,Dietz Verlag Berlin 1952,57) In diese Richtung geht auch Stalins Äußerung in seinem Referat vom 1. November 1926; „Über die Gefahr der sozialdemokratischen Abweichung in unserer Partei“: „Engels würde sich, wenn er noch lebte, nicht an die alte Formel (alte Formel aus den Grundsätzen des Kommunismus von 1847: es kann keinen Sozialismus in einem Lamd geben/H.A,) klammern, sondern er würde im Gegenteil unsere Revolution aus vollem Herzen begrüßen und sagen: „Zum Teufel mit allen alten Formeln, es lebe die siegreiche Revolution in der UdSSR.“ (J.W. Stalin, Werke Band 8, Dietz Verlag Berlin 1952, 271)

31. In seiner Schrift: Der „linke Radikalismus“, die Kinderkranheit im Kommunismus“ kritisiert Lenin die linken Kommunisten Englands wegen ihrer mangelhaften Parlamentarismuskritik, läßt aber die Beantwortung der Frage, ob sich die Kommunisten der Arbeiterpartei anschließen sollen offen, da er zuwenig Material über diese Frage habe. (Vergleiche Lenin, Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Lenin Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau, 1971,624) Daohne ist alles Schwafelei. Das unterscheidet den Wissenschaftler vom Politikaster.

32. Träumen im Sinne von Pissarew (Fehlschlüsse eines unreifen Gedankens, Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Band II).

Heinz Ahlreip
22.4.2010

Die Leninsche Weiterentwicklung der Marx`schen Theorie der internationalen proletarischen Revolution Trotzkis Irrtümer

12. April 2010

„Die gesamten theoretischen Werke des Genossen Stalin sind ein flammender Beweis für seine Treue zu dem genialen Lehrer, dem großen Lenin und des Leninismus. Stalin kämpfte für die Rechte der Arbeiterklasse und der Werktätigen in der ganzen Welt, er kämpfte mit großer Folgerichtigkeit bis zuletzt für die Freiheit der Völker…“ 1. REVOLUTION UND KONTERREVOLUTION IN RUSSLAND Die russische Geschichte weist zwei entscheidende Wendepunkte im XX. Jahrhundert auf, an denen sich die Richtung der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung entschied: a) Im Oktober 1917 wurde durch die Zerschlagung der kapitalistischen Ausbeuterordnung die Grundlage für die ökonomische Emanzipation der Arbeit gelegt und das Erbe der Pariser Kommunarden eingelöst. Einschneidend despotisch griff man in die alten Eigentumsverhältnisse ein und stellte die Großproduktion unter die Kontrolle der Arbeiter. Zum ersten Jahrestag der Revolution führte Lenin unter anderem aus, dass „der erste grundlegende Schritt, der nicht nur für jede sozialistische, sondern für jede Arbeiterregierung obgligatorisch ist…die Arbeiterkontrolle“ 2. sein müßte. Die Oktoberrevolution, die zunächst eine Befreiung der russischen Arbeiter, eine Befriedigung des bäuerlichen Landhungers und die Sehnsucht der russischen Massen nach Frieden brachte, konnte aber nicht unter rein nationalen Aspekten gesehen werden. Sie war eine proletarische Revolution, und nur der Form nach national 3., ihr Inhalt wies über die nationalen Schranken hinaus – sie mußte nach eigenem Selbstverständnis die Ouvertüre für eine internationale Revolution sein,und, falls diese sich hinauszögert, die Basis oder Stütze für die Befreiung der Werktätigen aller Länder aufbauen. Noch im Vorwort zur ersten Auflage von „Staat und Revolution“ ging Lenin im August 1917 davon aus, dass die russische Revolution nur „ein Glied in der Kette der sozialistischen proletarischen Revolutionen“ 4. ist. Deren Ausbleiben durch die Stabilisierung des Kapitalismus im Westen führte zum Kampf um den Aufbau des Sozialismus in einem Lande. In der theoretischen Aufarbeitung der Thematik in der bürgerlichen und revisionistischen Literatur wird- abgesehen von der trivalen Thorie der persönlichen Rivalität um die Kremlmacht zwischen Stalin und Trotzki – die ideologische Auseinandersetzung in den Jahren zwischen 1924 (im Dezember soll nach einer Aussage Trotzkis auf der XV. Parteikonferenz Stalin zum ersten Mal „seine“ Theorie des Aufbaus in einem Lande aufgestellt haben) und 1929 (Exilierung des Volksfeindes Trotzki) weitgehend gesehen als ein Kampf zwischen rechtem Nationalkommunismus, den angeblich Stalin vertreten haben soll, der die proletarische Weltrevolution bremste, und linkem Internationalismus, der den Schwung der Oktoberrevolution mit allen Kräften auch in die westlichen Industrieländer „exportieren“ wollte, was allein die Entartung der russischen Revolution (sprich: Stalinismus oder stalinistischer Thermidor) verhindert hätte. Dabei wird die schlichte Tatsache übersehen, dass die Thorie des Sozialismus in einem Lande keine Erfindung Stalins ist, sondern eine von Lenin 1915 ausgearbeitete Theorie, von Lenin, der Trotzkis Theorie der permanenten Revolution originell und absurd nannte. (10 Jahre früher, während der Revolution von 1905, hatte  Lenin in der Schrift: Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution noch den wechselseitigen Zusammenhang zwischen russischer und westlicher Revolution betont). Dabei wird weiterhin nicht beachtet, dass es gerade Stalin war, der in seinen Artikeln , Aufsätzen und Reden nachwies, dass Trotzkis Theorie der permanenten Revolution nicht nur nicht mit dem Leninismus vereinbar ist, sondern gerade die Revolutionierung des Weltproletariats untergräbt und den Aufbau des Sozialimus in Russland ohnehin bei Weiterexistenz eines konservativen Europas für ausgeschlossen hält. Der Trotzkismus galt mithin zunächst als eine Abart des Menschewismus, später, ab 1936, nachdem die Stalinsche Linie, die Linie der Volksmassen sich durchgesetzt hatte und der sozialistsiche Aufbau gesichert war, wurde eine Zusammenarbeit der Trotzkisten mit Himmlers Gestapo regisitriert, um den Kapitalismus in Russland zu restaurieren und das Territorium der SU zu zerstückeln. So wurde der faschistisch-terroristische Charakter der Trotzkisten in den Moskauer Prozessen aufgedeckt, in denen Sinowjew den Trotzkismus selbst als eine „Abart des Faschismus“5. bezeichnete. Manche zarten Intellektuellen halten sich angesichts der auch blutig ausgetragenen Klassenkämpfe in der Sowjetunion das Schnupftuch vor Augen, es werden nun aber mal alle großen Fragen in der Geschichte der Völker mit Gewalt gelöst und hatte nicht schon Marx in den „Klassenkämpfen in Frankreich 1848 bis 1850“ das jetzige Geschlecht zum Untergang verdammt, „…um den Menschen Platz zu machen, die einer neuen Welt gewachsen sind.“ 6. Diese Überlegung scheint mir wichtiger zu sein als diffuses, mit Nullen wucherndes statistisches Material über sogenannte Terroropfer. b) Eine Wende in der russischen Politik brachte der XX. Parteitag der KPdSU 1956, in dessen Folge  wesentliche Errungeschaften des Sozialismus zerstört wurden, die sogenannte Entstalinisierung oder auch Kampf gegen den Personenkult genannte Politik zerschlug die revolutionäre Justiz und amnestierte zahlreiche unter Stalin verurteilte Volksfeinde (u.a. Solschenyzin, Sohn des fünftgrößten Großgrundbesitzers vor 1917). Immer mehr wurde die Diktatur des Proletariats abgebaut und ein „Staat des Volkes“ errichtet, wie er auch verfassungsmäßig festgeschrieben wurde. Ebensogut hätte man den ganzen Rousseau abschreiben können. 7. DER MARXISMUS IST KEIN DOGMA, SONDERN EINE ANLEITUNG ZUM HANDELN „Engels würde unsere Revolution aus vollem Herzen begrüßen und sagen: Zum Teufel mit allen alten Formeln, es lebe die siegreiche Revolution in der UdSSR“ (Beifall) 8. Wenn man die Geschichte als ein Spiel des Geistes mit sich selbst auffasst oder als eine wirre Begebenheit menschlicher Handlungen tragischkomischer Art, eine Betrachtungsweise, die Hegel der abstrakten Verstandesreflexion zuschreibt, ohne wissenschaftlich klar zu analysierende Entwicklungslinien in den Produktionsumwälzungen, so kann man nach vergeblichen Grübeleien der Auffassung verfallen, sie schlage zuweilen Kapriolen, witzige Streiche gegen Absichten und Zwecke, die sich die Menschen in ihr setzen, denn das Resultat eines Prozesses stellt alles auf den Kopf und bringt das Gegenteil dessen hervor, was am Anfang erwartungsvoll in Angriff genommen wurde. In den „Grundsätzen des Kommunismus“ von 1847 streicht Engels eindeutig den internationalen Charakter einer proletarischen Revolution heraus. Katechistisch wird dort die Frage aufgeworfen, ob die Revolution in einem einzigen Lande allein vor sich gehen könne ? „Nein. Die große Industrie hat schon dadurch, dass sie den Weltmarkt geschaffen hat, alle Völker der Erde, und namentlich die zivilisierten in eine solche Verbindung miteinander gebracht, dass jedes einzelne Volk davon abhängig ist, was bei einem anderen geschieht. Sie hat ferner in allen zivilisierten Ländern die gesellschaftliche Entwicklung so weit gleichgemacht, dass in allen diesen Ländern Bourgeois und Proletariat die beiden entscheidenden Klassen der Gesellschaft, der Kampf zwischen beiden der Hauptkampf des Tages geworden. Die kommunistische Revolution wird daher keine bloß nationale, sie wird eine in allen zivilisierten Ländern, d.h. wenigstens in England, Amerika, Frankreich und Deutschland gleichzeitig vor sich gehende Revolution sein…Sie ist eine universelle Revolution und wird daher auch ein universelles Terrain haben.“ 9. Am 3. November 1926 hält Stalin in Russland sein berühmtes Schlußwort zu dem Referat „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“, in dem er verkündet, dass bereits 9/10 des von Engels in den oben erwähnten Grundsätzen aufgestellten Programms der proletarischen Revolution erfüllt seien. Obwohl also die russische Revolution in nationaler Isoliertheit ablaufen musste, wurde dennoch das für eine internationale proletarische Revolution aufgestellte Programm zu 9/10 erfüllt, darunter: Expropriationen, Progressivsteuern, Konfiskationen (Stalin:“Sie wissen, daß wir bereits genug und übergenug konfisziert haben, so daß man gar nicht weiter gehen kann“ 10.), gleicher Arbeitszwang, Zentralisation von Kredit und Transportwesen usf. Es müßte demnach also geklärt werden, welche neuen historischen Fakten, welche neuen Entwicklungen des Weltkapitalismus zwischen 1847 und 1917 aufgetreten sind, die der Schlußfolgerung, der Aufbau des Sozialismus sei auch in einem einzigen Lande möglich, eine Berechtigung gibt, so dass es keinen Zweck hat, sich an dem Engels-Zitat festzulesen, wei dies die sozialdemokratischen Klammeraffen 11. taten, um den Bolschewiki einen baldigen Untergang ihrer Revolution ins Ohr zu raunen. Nicht weit von dieser sozialdemokratischen Position ist Trotzki entfernt, der schon den Todesvogel rufen hörte, als Folgerevolutionen im fortgeschritteneren Westeuraopa nach 1917 ausblieben. Man darf aber nicht sklavisch an den Buchstaben des Marxismus kleben und sie wiederkäuen, auswendig lernen heißt nicht inwendig wissen, sondern muss sein Wesen begreifen. Lenin erkannte die neuen Möglichkeiten der proletarischen Revolution unter den Entwicklungsbedingungen des monopolistischen Kapitalismus, Entwicklungsbedingungen, die die Theoretiker zur Zeit des vormonopolistischen Kapitalismus noch nicht erkennen konnten. Zwischen dem theoretischen Wirken von Marx und Engels einerseits und Lenin liegen Jahre, in denen der Kapitalismus seinen Charakter grundlegend änderte. Deshalb ist der Leninismus auch der Marxismus in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution, der Theorie und Taktik der Diktatur des Proletariats im besonderen.“ 12. „Von diesem Weg abweichen, heißt in den Sumpf des Opportunismus geraten. Von diesem Weg abgleiten heißt in das Schlepptau der Sozialdemokratie geraten…“ 13. DIE PERIODE DES VORMONOPOLISTISCHEN KAPITALISMUS In dieser Periode, die durch die technisch-industrielle Revolution einen immensen Aufschwung erfuhr, befand sich der Kapitalismus in aufsteigender Linie, dieser alte Kapitalismus war in gewisser Weise „kulturell“ und „progressiv“, es war nach der Guillotinierung Robespierres eine Periode der friedlichen allmählichen Entwicklung des Kapitalismus, die „Bourgeoisorgie“ 14., deren politischen Vertreter den Freihandel und die freie Konkurrenz proklamierten. DIE PERIODE DES IMPERIALISMUS, DER EIN KAPITALISMUS IN ABSTEIGENDER LINIE IST Diese Periode ist dadurch charakterisiert, dass gewaltige monopolistische Kapitalistenverbände die freie Konkurrenz verdrängen, die Anarchie der Produktion einer planmäßigen kapitalistischen Organisation der Arbeit weicht unter umfassender Vergesellschaftung der Arbeit, bei der Tendenz zur politischen Reaktion, dass der Warenexport abglöst wird durch Kapitalexport, dass das „progressive“ Kapital durch das in sich immer mehr verwesende Finanzkapital ersetzt wird, dass eine dynamische Sprunghaftigkeit die bisherige friedliche-gradatime Entwicklung abbricht, die unter den alten Kapitalisten bereits aufgeteilte Welt, die keinen weißen Fleck mehr hatte, jeder Mensch und jeder Bodenschatz bereits vermarktet war, neu verteilt werden mußte, so daß in der imperialistischen Phase militärische Zusammenstöße zwischen den hochentwickelten kapitalistischen Ländern unvermeidbar sind, weil das Kapital seine Kolonien nicht mehr ungehindert von anderen imperialistischen Räubern ausdehnen kann. Diese Produktionsweise treibt durch ihre eigene Entwicklung dem Punkt zu, wo sie sich selbst unmöglich macht, schrieb bereits Friedrich Engels im Anti-Dühring.(15.) LENINS LEHRE VON DER UNGLEICHMÄSSIGKEIT DER POLITISCHEN UND ÖKONOMISCHEN ENTWICKLUNG DES KAPITALISMUS Lenin entdeckte dieses Gesetz vor allem während des Studiums des ersten imperilaistischen Krieges, der zum erstenmal praktisch die Frage der Neuaufteilung der Welt aufwarf. Während Marx England noch als das Land bezeichnete, in dem stets der ursprüngliche Prozess stattfindet, den aber alle durchlaufen müssen (de te fabula narratur…) 16., findet unter den Bedingungen des Imperialismus eine blutige Konkurrenz unter den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern statt, wobei einige überholt werden und die wirtschaftlich Zurückgebliebenen ein ganz berechtigtes Streben haben, die alte Stellung wieder zu erlangen. „So war es zum Beispiel mit Deutschland, das vor einem halben Jahrhundert im Vergleich zu Frankreich und England ein zurückgebliebenes Land war. Dasselbe gilt von Japan im Vergleich zu Russland. Es ist jedoch bekannt, dass schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Deutschland und Japan einen so weiten Vorsprung hatten, dass es ersterem gelungen war, Frankreich zu überholen, es begann England auf dem Weltmarkt zu bedrängen, Japan gelang das gleiche gegenüber Russland. Aus diesen Widersprüchen entstand auch bekanntlich der jüngste imperialistische Krieg.“ 17. Lenin ging bei der Erarbeitung dieses Gesetzes von folgenden historischen Tatsachen aus: 1.Der klassische Kapitalismus ist zu einem Weltsystem universeller Repression geworden. Die große Mehrheit der Weltbevölkerung wird von einer Handvoll bis an die Zähne bewaffneter Räuber ausgeplündert. 2.Diese Räuber müssen die Beute neu aufteilen und reißen alle Länder in ihre blutig-imperialistische Weltspur. 3.Die Widersprüche des imperialistischen Weltsystems machen die Weltfront des Imperialismus leicht verwundbar. Die Front kann in einzelnen Ländern durchbrochen werden. 4.Der Durchbruch dürfte am schwächsten Kettenglied des Imperialismus erfolgen. 5. „Infolgedessen ist ein Sieg des Sozialismus in einem einzelnen Lande, selbst wenn dieses Land kapitalistisch weniger entwickelt ist, unter Fortbestand des Kapitalismus in den anderen Ländern, selbst wenn diese Länder kapitalistischer entwickelter sind, durchaus möglich und wahrscheinlich.“ 18. UNGLEICHMÄSSIGKEIT DER POLITISCHEN UND ÖCONOMISCHEN ENTWICKLUNG BEI GLEICHZEITIGER NIVELLIERUNG DES ENTWICKLUNGSNIVEAUS Die Ungleichmäßigkeit der politischen und ökonomischen Entwicklung darf nicht mit der gleichzeitig stattfindenden Angleichung des Entwicklungsniveaus der entwickelten kapitalistischen Länder verwechselt werden. Obwohl der Unterschied im Entwicklungsniveau der wirtschaftlichen Lage der verschiedenen kapitalistischen Länder immer mehr schrumpft, nimmt die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus zu. Früher waren die Differenzen im Niveau der Wirtschaftslage größer, England zum Beispiel war allen kontinentalen Ländern weit voraus, es war der „Demiurg des bürgerlichen Kosmos“ 19. Im XX. Jahrhundert haben diese Länder aber mächtig aufgeholt, England teilweise überflügelt. Dennoch darf man nicht folgern, dass die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung vor 1900 größer war als unter dem Imperialismus. „Von einer solchen Verwechslung ausgehend, kam die Opposition damals zu dem völlig falschen Schluß, dass die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung früher größer war als unter dem Imperialismus. Gerade deshalb hat Trotzki auf der XV. Parteikonferenz gesagt, dass diese Ungleichmäßigkeit im 19. Jahrhundert größer war als im 20. Jahrhundert (Siehe die Rede Trotzkis auf der XV. Parteikonferenz der KPdSU (B)). Dasselbe erklärte damals auch Sinowjew mit seiner Behauptung: „…es stimmt nicht, daß die Ungleichmäßigkeit der kapitalistischen Entwicklung zu Beginn der imperialistischen Epoche geringer war.“ (siehe die Rede Sinowjews auf der XV. Parteikonferenz der KPdSU (B).“ 20. a) Verschärft sich die Wirksamkeit des Gesetzes der Ungleichmäßigkeit in der Periode des Imperialismus oder schwächt sie sich ab ? „Die nationalen Absonderungen und Gegensätze der Völker vrschwinden mehr und mehr schon in der Entwicklung der Bourgeoisie, mit der Handelsfreiheit, dem Weltmarkt, der Gleichförmigkeit der industriellen Produktion und der ihr entsprechenden Lebensverhältnisse.“ 21. Das Entwicklungsniveau der kapitalistischen Länder nivelliert sich immer weiter, aber dies widerspricht dennoch nicht der Verschärfung der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus, sondern die Nivellierung ist geradezu die Bedingung für die Verschärfung der ungleichen Entwicklung. „Im Gegenteil, die Nivellierung ist der Hintergrund und die Basis, auf der die gesteigerte Wirksamkeit der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperilaismus möglich ist. Nur Menschen, die das ökonomische Wesen des Imperialismus nicht verstehen, wie zum Beispiel unsere Oppositionellen, können die Nivellierung dem Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung unter dem Imperialismus entgegenstellen. Gerade deshalb, weil die zurückgebliebenen Länder ihre Entwicklung beschleunigen und sich mit den fortgeschrittenen Ländern nivellieren – gerade deshalb verschärft sich der Kampf um die Überholung der einen Länder durch die anderen, gerade deshalb entsteht für die einen Länder die Möglichkeit, die anderen Länder zu überholen und aus den Märkten zu verdrängen…“22. Unter imperialistischen Bedingungen erfolgt die Verdrängung eines Landes vom Weltmarkt durch einen Konkurrenten nicht mehr auf dem Evolutionswege und ohne Sprünge, wie Marx es noch kannte, sondern durch kriegerische Zusammenstöße im Weltmaßstab, so daß es zu keinem kautskyschen Ultraimperialismus kommen kann. Aus dem Gesetz der Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der kapitalistischen Länder leitete Lenin 1915 die Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern direkt ab: „Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung ist ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus. Hieraus folgt (von mir hervorgehoben – J. Stalin), daß der Sieg des Sozialismus unrsprünglich in wenigen oder selbst in einem einzeln genommenen kapitalistischen Lande möglich ist.“23. LENINS THEORIE DES AUFBAUS DES SOZIALISMUS IN EINEM LANDE „Man muß anerkennen, Genossen, daß gerade Lenin und kein anderer es war, der die Wahrheit entdeckte, daß der Sieg des Sozialismus in einem Lande möglich ist. Man darf Lenin nicht absprechen, was ihm zu Recht gebührt…“ 24. Lenin war von allen Marxisten seiner Zeit die tiefgründigste Analyse des Imperialismus gelungen. Die sich dadurch ergebenden Erkenntnisse wertete er positiv für die proletarische Revolution aus und warf die Frage der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande unter anderem auch durch eine Auseinandersetzung mit Trotzki auf, der den Proletariern die Losung „Vereinigte Staaten der Welt“ – entsprechend dem im Manifest ausgedruckten Satz: „Vereinigte Aktion, wenigstens der zivilisierten Länder ist eine der ersten Bedingungen der proletarischen Befreiung.“ 25. – empfehlen wollte. Über diese Losung schrieb Lenin 1915: „Als selbständige Losung wäre jedoch die Losung „Vereinigte Staaten der Welt“ kaum richtig, denn erstens fällt sie mit dem Sozialismus zusammen, zweitens könnte sie die falsche Auffassung von der Unmöglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande und von den Beziehungen eiens solchen Landes zu den übrigen aufkommen lassen…Nach Enteignung der Kapitalisten und Organisierung der sozialistischen Produktion im eigenen Lande würde sich das siegreiche Proletariat dieses Landes gegen die übrige kapitalistische Welt  erheben, die unterdrückten Klassen der anderen Länder für sich gewinnen, in diesen Ländern den Aufstand gegen die Kapitalisten anfachen und im Notfall sogar mit Waffengewalt gegen die Ausbeuterklassen und ihre Staaten vorgehen, denn die freie Vereinigung der Nationen im Sozialismus ist unmöglich ohne einen mehr oder weniger langwierigen, hartnäckigen Kampf der sozialistischen Republiken gegen die zurückgebliebenen Staaten.“ 26. Entscheidende Bedeutung gewann in dieser Beziehung die russische Doppelrevolution, die bereits ab Februar 1917 zwei wichtige Bedingungen des Sozialismus herstellte: in ihrer Auswirkung mußte sie als Möglichkeit Russland ökonomisch aus einem zweitrangigen Industrieland mehr nach vorne schieben (unterstützt durch eine Kulturrevolution) und politisch brachte sie den Demokratismus, Russland war ab Februar 1917, erst recht ab Oktober 1917 das freieste Land auf Erden. Drei Monate vor der Februarrevolution dachte Lenin eher noch in den traditionellen Bahnen von Friedrich Engels: in der Auseinandersetzung mit Pjatakow ( P.Kijewski) ruft er einen Brief von Engels an Kautsky vom 12. September 1882 ins Gedächtnis, dass für den Sozialismus nur die fortgeschrittenen Länder des Westens und Nordamerika reif seien und, so Lenin, Russland zähle nicht dazu. Er unterschied im Oktober 1916 in der Schrift „Über eine Karikatur auf den Marxismus“ drei verschiedene Typen von Ländern: die fortgeschrittenen im Westen Europas (und in Amerika), die in seinem Osten und die Halbkolonien und Kolonien. Ausgemacht war zu dieser Zeit für Lenin lediglich, dass der Sozialismus nur durch „eine Minderheit von Ländern verwirklicht“ wird, „der Ländern nämlich, die die Entwicklungsstufe des fortgeschrtittenen Kapitalismus erreicht haben“ 27. Lenin hatte also zwei Konzepte einer internationalen Revolution, eines, von der Imperialismusanalyse herrührendes, das erst einmal nur auf ein singuläres Land beschränkt blieb und ein, wenn man so will, internationalistisches, das, wenn man so will,  „konservativ“ ausgerichtet war an internationalen Konstallationen, die eher für den klassischen Konkurrenzkapitalismus typisch waren. Im „Militärprogramm der proletarischen Revolution“, das Lenin im September 1916 geschrieben hatte, sind beide Optionen in einem Satz genannt: der Sozialismus „wird zuerst in einem oder einigen Ländern siegen…“ 28. , wobei hier wohl nur hochentwickelte kapitalistische Länder gemeint waren. In revolutionären Situationen ist es sehr schwer, mit den Ereignissen Schritt zu halten, noch mehr gilt dies für eine unter dem Gesetz der Negation der Negation stehenden Doppelrevolution. Wann Lenin auf Grund der Entwicklung der Volksmassen und der internationalen Entwicklung seine Entscheidung für die erste Varaiante genau getroffen hat, bleibt einer Detailstudie vorbehalten. Die Wahlen zu den Sowjets 1917 machten jedenfalls deutlich, dass die Volksmassen trotz ihrer „kulturellen Rückständigkeit“ das Wesen des Bolschewismus erfasst hatten und insofern reif waren für den Aufbau des Sozialismus in einem Land. Die Schriften Lenins nach der Oktoberrevolution zu diesem Thema gaben dann Stalin die Waffen in die Hand, die er zur Überführung Trotzkis brauchte, dass dieser an etwas Veraltetem festhielt. Wie sehr Lenin vor der Februarrevolution noch gedanklich experimentierte, wird deutlich in dem im Dezember 1916 geschriebenen Aufsatz: „Prinzipielles zur Militärfrage“, in dem Lenin im Schweizer Exil Überlegungen anstellte, dass auch ein Aufstand in der kleinen Schweiz das Signal zur „Entflammung der Revolution in ganz Europa“ 29. geben könnte. Auch nach der Oktoberrevolution hatte sich auf der internationalen Ebene eine unerwartete Ungleichmäßigkeit der Entwicklung herausgebildet: der Sozialismus reifte durch die aus der Niederlage Deutschlands im ersten imperialistischen Krieg resultierende Ausbeutung durch die Siegermächte nicht gleichmäßig in den fortgeschrittensten westlichen Ländern heran, was Lenins schon während des ersten Weltkrieges ausgearbeitete Theorie der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande einmal mehr bestätigte, zumal jetzt sogar noch die Widersprüche zwischen den kapitalistischen Staaten von der Sowjetunion ausgenutzt werden konnten. Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung der Länder in der Ära des Imperialismus führte also im Osten zur revolutionären Herausbildung einer sozialistischen Sowjetinsel und im Westen lag für den Verlierer des Weltkrieges eine Insellage unter imperialistischer Ausbeutung vor. Man überlegte sich schon recht bald eine nähere Zusammenarbeit. a) Trotzkis Einwand gegen Lenins Theorie Trotzki bestreitet in seinem Antwortartikel (in „Nasche Slowo“ – Unser Wort – Pariser Zeitschrift 1915) keineswegs die Ungleichmäßigkeit der politischen und ökonomischen Entwicklung, macht aber die Diktatur des Proletariats abhängig von der Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“. „Daß die kapitalistische Entwicklung der verschiedenen Länder ungleichmäßig ist, ist völlig unbestreitbar. Aber diese Ungleichmäßigkeit selbst ist äußerst ungleichmäßig.“ 30.  Trotzki differenziert in seiner Theorie zwischen den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern, die zwar auch ein unterschiedliches Entwicklungsniveau haben und den Ländern Afrikas und Asiens, so daß die krasse Entwicklungsdifferenz zwischen dem alten Kontinent und den Kolonialländern und Kolonialkontinenten letzthin die nur geringfügigen Differenzen unter den fortgeschrittenen-zivilisierten Ländern einebnet. „Im Vergleich mit Afrika und Asien bilden aber alle diese Länder zusammen das kapitalistische Europa, das für die soziale Revolution reif ist.“ 31. Entscheidend für die ganze kommende theoretische Auseinandersetzung wird dann Trotzkis Schlußfolgerung, daß nur eine andere Länder mitreißende Revolution wirklich siegreich sein kann und dem Sozialismus Bestand verschaffen kann. . „Ohne andere Länder abzuwarten, beginnen wir den Kampf und führen ihn auf nationaler Grundlage, in der festen Überzeugung, daß unsere Initiative dem Kampfe in den anderen Ländern einen Anstoß geben wird. Sollte dies aber nicht eintrten, dann wäre es zwecklos zu glauben – das beweisen sowohl die Erfahrungen der Geschichte als auch theoretische Erwägungen – daß sich zum Beispiel ein revolutionäres Russland einem konservativen Europa gegenüber behaupten könnte oder daß ein sozialistisches Deutschland, umgeben von einerkapitalistischen Welt isoliert bleiben könnte.“ 32. Es versteht sich von selbst, daß dieses Zitat von Stalin in seinem Kampf gegen die trotzkistische Abweichung in der KPdSU (B) immer und immer wieder vorgetragen wird, um den Gegensatz zwischen dem trotzkistischen „Internationalismus“ , den er als eine Abart des Menschewismus oder Sozialdemokratismus brandmarkt, und der Lenin-Stalin-Generallinie von der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande herauszustreichen. Trotzki hielt die Organisierung einer sozialistischen Produktion im Rahmen einer nationalen Revolution für absurd, da ein konservatives Europa den Krater der Revolution zuschütten würde. b) K. Renner (österreichischer Sozialdemokrat) über die internationalen Perspektiven der proletarischen Revolution. Renner stellt in seinem Buch „Die Wirtschaft als Gesamtprozess und die Sozialisierung“ (Dietz Verlag Berlin 1924,581 f.) die Frage, wieweit die Sozialisierung gehen kann, wenn das Proletariat nur EINE Diktatur errichtet hat. Er kommt, „dank dem grandiosen, wenn auch so vielfach verfehlten Experimente Russlands“ 33. zu der Feststellung, daß eine wirkliche Sozialisierung einer künftigen Internationale vorbehalten bleiben muß. Er versteigt sich sogar zu der Behauptung, daß sich auf Grund der internationalen ökonomischen Verflechtung kein nationales Wirtschaftsgebiet vom „Ganzen des Weltmarktes“ loslösen könnte. Diese Loslösung würde nicht ohne Strafe bleiben. Werden damit die Bolschewiki nicht aufgefordert, der russischen Bourgeoisie die Macht zurückzugeben, denn bis 1939 kannte man nur ein Weltsystem, und dieses war kapitalistischer Natur. Und in der Tat, verfault nicht nach Trotzku und Renner die russische Revolution auf dem Halme, wenn die junge Sowjetunion in revolutionärer Isoliertheit bleibt, umkreist von lauernden imperialistischen Wölfen ? Folgende Ausführungen Renners weichen auf Schritt und Tritt vom Leninismus ab: „Und also ist Sozialisierung im Einzelstaate, auch bei vollster proletarischer Beherrschung desselben nur insoweit möglich, als die Formen und Einrichtungen der Zirkulation des Weltmarktes dies zulassen ! Diese Formen und Einrichtungen sind der Hauptsache nach nur in den Verkehrszentren der großen Weltmarktimperien zu erfassen, politisch angreifbar und zu ändern. Darum hängt der volle Sieg des Sozialismus, die Möglichkeit einer vollen Sozialisierung des Wirtschaftslebens vor allem von dem Siege des Proletariats in den Vorländern des Kapitalismus ab und er kann sich nicht auswirken ohne Herstellung der politischen Internationale der Welt. Man sieht – die Bedingungen wie die Aufgaben des Sozialismus umspannen heute den Erdball ! 34. Anmerkung: Auf die Problematik des Zusammenhangs zwischen einem kapitalistischen Weltwirtschaftssystem und der sich im Aufbau befindlichen sozialistischen Wirtschaft im stalinistischen Russland gehe ich später ein. Die sich international und revolutionär gebärdende Theorie der permanenten Revolution trotzkistischer Machart ist in Wirklichkeit eine Verkürzung des revolutionären Ansatzes der proletarischen Emanzipation. Für Lenin würde das siegreiche Proletariat eines Landes eine Basis für die Weltrevolution sichern und die Genossen in anderen Ländern notfalls mit Waffengewalt zu Hilfe kommen. Nationale und internationale Aufgaben verschmelzen hier, ohne wechselseitige Hilfe wäre der Sozialismus in Rußland verloren und der internationalen Revolution die Basis genommen. „Daraus folgt aber, daß die Interessen und die Aufgaben des Proletariats der UdSSR sich mit den Interessen und Aufgaben der revolutionären Bewegung in allen Ländern ständig verflechten und unlösbar mit ihnen verbunden sind,und umgekehrt, daß die Aufgaben der revolutionären Proletarier aller Länder unlösbar verbunden sind mit den Aufgaben und Erfolgen der Proletarier der UdSSR an der Front des sozialistsichen Aufbaus.“ 35. Trotzki dagegen traut einem nationalenProletariat diese internationalistsiche Solidarität nicht zu, er sieht es als eine halbpassive Kraft, die nach Siegen in anderen Ländern verlangt, um überleben zu können. „Nun, wenn aber kein sofortiger Sieg der Revolution in den anderen Ländern eintritt, was dann ? Dann heißt es einpacken. (Zuruf: „Und ins Gebüsch!“) Ja, ins Gebüsch. Das ist durchaus richtig. (Heiterkeit)“ 36. Während die Linie des ZK der KPdSU die Proletarier aufruft, sich für die kommende Revolution zu munitionieren, aufmerksam die Ereignisse zu verfolgen, bezweckt die Linie der Opposition Defaitismus, nährt den Unglauben am Aufbau des sowjetischen Sozialismus, da sie sich nur nach der kleinbürgerlich-anarchistischen Maxime: Alles oder nichts ! Weltrevolution mit einem Schlag oder ab ins Gebüsch ausrichtet. Die Stalinisten aktivieren die Proletarier der einzelnen Länder, betrachten den Sieg in einem Lande nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel der Weltrevolution, die Trotzkisten dagegen schwächen den Willen zur Revolution. Folgende Worte scheinen geradezu auf Lenin gemünzt: „Ich weiß, daß es Neunmalweise gibt, die sich für sehr klug halten, sich sogar Sozialisten nennen und versichern, daß man die Macht solange nicht ergreifen soll als in allen Ländern die Revolution nicht ausgebrochen ist. Sie ahnen nicht, daß sie durch diese Worte von der Revolution abrücken und ins Lager der Bourgeosie abschwenken. Warten, bis die werktätigen Klassen die Revolution im internationalen Maßstabe durchführen bedeutet, daß alle in Erwartung erstarren sollen. Das ist Unsinn.“ 37. INNERE UND ÄUSSERE GEGENSÄTZE – Die Bauernfrage und der Unterschied zwischen dem Aufbau des Sozialismus und seinem endgültigen Sieg a) Innere Gegensätze: Stalin arbeitet in seinem Werk „Probleme des Leninismus“ zwei Gruppen von Gegnsätzen heraus, die als Fundamentalfragen für die Existenz der russischen Revolution zu bezeichnen sind. Er bezeichnet den ersten Gegensatz als den inneren zwischen Proletariat und Bauernschaft, den zweiten als den zwischen der Sowjetunion und der kapitalistischen Umwelt, also den außenpolitischen Gegensatz. Ohne Zweifel gibt es zwischen den Proletariern und der Bauernschaft, der Klasse der Privateigentümer, Gegensätze. Nur wenn man diese überwindet, kann man auch den Sozialismus aus eigener Kraft aufbauen. Die Überwindung dieser Gegensätze ist aber dadurch möglich, daß es neben ihnen noch eine ganze Reihe von größeren gemeinsamen Interessen gibt. Diese Interessenangleichung ist auch die Grundlage für eine feste proletarische Diktatur, die die Bauern führt. Wenn es der sozialistischen Revolution in Rußland gelingt, den Wohlstand der bäuerlichen Majorität systematisch zu heben, so findet das Proletariat auf dem Lande eine feste Stütze in seinem Kampf gegen die russische Bourgeoisie und die Kulaken. Denn dann würde der Bauer den Sozialismus zu seiner eigenen Sache machen. „Die Diktatur des Proletariats ist eine besondere Form des Klassenbündnisses zwischen dem Proletariat, der Avantgarde der Werktätigen, und den zahlreichen nichtproletarischen Schichten der Werktätigen (Kleinbürgertum, Kleineigentümer, Bauernschaft, Intelligenz usw.) oder deren Mehrheit, eines Bündnisses gegen das Kapital, eines Bündnisses zum völligen Sturz des Kapitals, der völligen Unterdrückung des Widerstandes der Bourgeoisie und ihrer Restaurationsversuche, eines Bündnisses zum Zwecke der endgültigen Errichtung und Festigung des Sozialismus.“ 38. a) Trotzkis Behandlung der Bauernfrage – Bereits im Jahr 1905 vergaß Trotzki in seiner Losung: „Weg mit dem Zaren, her mit der Arbeiterregierung“ völlig die revolutionäre Kraft der Bauern. Selbst Radek, ein eifriger Verteidiger der „Permanenten Revolution“ musste zugeben, dass Trotzkis Theorie damals ein „Luftsprung“ war. -Im Jahr 1915 vertritt Trotzki in seinem Artikel „Der Kampf um die Macht“ die Auffassung, dass sich die revolutionäre Rolle des Bauern unter dem Imperialismus verringern müsse und die Losung der Bodenkonfiskation kaum noch eine Wirkung erzielen werde. Lenin warf ihm damals die Negierung der Rolle der Bauernschaft vor. „Die originelle Theorie Trotzkis übernimmt von den Bolschewiki den Appell zum entschlossenen revolutionären Kampf des Proletariats und zur Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat, von den Menschewiki aber die Negierung der Rolle der Bauernschaft. Die Bauernschaft sei in Schichten zerfallen, habe sich differenziert, ihre mögliche revolutionäre Rolle sei immer geringer geworden, in Rußland sei eine nationale Revolution unmöglich: „Wir leben in der Epoche des Imperialismus, der Imperialismus aber stellt nicht die bürgerliche Nation dem Alten Regime entgegen, sondern das Proletariat der bürgerlichen Nation entgegen.“ 39. -Im Jahr 1922 schreibt Trotzki ein Vorwort zu dem Buch „Das Jahr 1905“ und äußert sich über die permanente Revolution darin folgendermaßen: „Gerade in der Zeitspanne  zwischen dem 9. Januar und dem Oktoberstreik 1905 haben sich bei dem Verfasser die Ansichten über den Charakter der revolutionären Entwicklung Russlands herausgebildet, die die Bezeichnung „Theorie der permanenten Revolution“ erhielten. Diese hochgelehrte Bezeichnung brachte den Gedanken zum Ausdruck, dass die russische Revolution wohl unmittelbar vor bürgerlichen Zielen steht, jedoch bei ihnen nicht wird stehenbleiben können. Die Revolution wird ihre nächsten bürgerlichen Aufgaben nicht anders lösen können als dadurch, dass sie das Proletariat an die Macht bringt. Dieses aber wird, nachdem es die Macht erobert hat, sich nicht auf den bürgerlichen Rahmen der Revolution beschränken können. Im Gegenteil, gerade zur Sicherung ihres Sieges wird die proletarische Avantgarde schon in der ersten Zeit ihrer Herrschaft tiefgehendste Eingriffe nicht nur in das feudale, sondern auch in das bürgerliche Eigentum vornehmen müssen. Hierbei wird sie in feindliche Zusammenstöße nicht nur mit allen Gruppierungen der Bourgeoisie geraten, die sie im Anfang ihres revolutionären Kampfes unterstützt haben, sondern auch mit den breiten Massen der Bauernschaft, mit deren Beihilfe sie zur Macht gekommen ist. Die Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung in einem rückständigen Lande mit einer erdrückenden Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung werden nur im internationalen Maßstab, in der Arena der Weltrevolution des Proletariats ihre Lösung finden können.“ 40. Während also die leninsche Politik die Proletarier und Bauern zum Bündnis bringen will, geht Trotzki von feindlichen Zusammenstößen zwischen den Ausgebeuteten selbst aus.  „Nach Lenin schöpft die Revolution ihre Kräfte vor allem unter den Arbeitern und Bauern Rußlands selbst. Bei Trotzki dagegen ergibt sich, dass man die notwendigen Kräfte nur in der Weltrevolution des Proletariats schöpfen kann.“ 41. Da nach Trotzkis Theorie die Frage über Sein und Nichtsein der russischen Arbeiter- und Bauernregierung nicht von der revolutionären Initiative der Massen selbst abhängt, sondern nur in der Weltarena gelöst wird, gibt es keinen Hoffnungsschimmer, wenn sich das Tempo der Weltrevolution verlangsamen würde, falls sich der Kapitalismus stabilisieren könnte und die internationale Revolution für eine gewisse Zeit ausbliebe.  „Nach diesem Plan verbleibt unserer Revolution nur die eine Perspektive; in ihren eigenen Widersprüchen fortzuvegetieren und in Erwartung der Weltrevolution auf dem Halm zu verfaulen.“ 42. Ein wirklicher Aufschwung der sozialistischen Wirtschaft in Rußland ist nach Trotzkis Überlegung erst nach dem Siege des Proletariats in den „wichtigsten“ Ländern Europas möglich. Der Leninismus aber vertritt die These, dass die Schwierigkeiten aus eigener Kraft zu lösen sind, etwa wenn man Lenins Worte aus dem Jahr 1921 liest: „10 – 20 Jahre richtige Beziehungen zur Bauernschaft und der Sieg ist im Weltmaßstabe (sogar bei Hinauszögerung der proletarischen Revolutionen, die anwachsen) gesichert.“ 43. Die innersowjetischen Gegensätze sind auch intern lösbar, ganz eindeutig unterstrich dies Lenin 1922: „In der Tat, alle großen Produktionsmittel im Besitze des Staates, die Staatsmacht in den Händen des Proletariats, das Bündnis dieses Proletariats mit den vielen Millionen Klein- und Zwergbauern, die Sicherung der Führerstellung dieses Proletariats gegenüber der Bauernschaft usw. – ist das nicht alles, was man braucht, um aus den Genossenschaften, allein aus den Genossenschaften, die wir früher als krämerisch hingestellt haben und die wir in gewisser Hinsicht auch jetzt unter der NEP noch so zu behandeln gerechtfertigt sind -ist das nicht alles, was notwendig ist, um eine vollständige sozialistische Gesellschaft zu errichten ? Das ist noch nicht die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft, aber das ist alles, was zu dieser Errichtung notwendig und hinreichend ist.“ 44. In diesem Zusammenhang muß der von westeuropäischen und russischen Sozialdemokraten im Chor vorgebrachte Einwand abgewiesen werden, dass die spezifische Rückständigkeit Rußlands einen sozialistischen Aufbau aus eigener Kraft zweifelhaft erscheinen lasse. Eine solche Skepsis ist mit dem Sozialismus unvereinbar: „Grenzenlos schablonenhaft ist bei diesen Leuten ein Argument, das sie während der Entwicklung der westeuropäischen Sozialdemokratie auswendig gelernt haben und das darin besteht, dass wir den Sozialismus noch nicht reif seien, dass bei uns – wie sich verschiedene „gelehrte“ Herren unter ihnen ausdrücken – die objektiven ökonomischen Voraussetzungen für den Sozialismus nicht gegeben seien.“ 45. Wenn diese Überlegungen der gelehrten Sozialdemokraten Allgemeingut der russischen Revolutionäre geworden wären, so wäre es ohne Zweifel im Oktober 1917 richtiger gewesen, auf die Macht zu verzichten. b) Die äußeren Gegensätze Der Grundkern der leninistischen-trotzkistischen Debatte, die Stalin mit Trotzki fortführt, beinhaltet die Fragestellung, ob es möglich ist, die vollständige sozialistische Gesellschaft auf 1/6 der Erde in einem von kapitalistischen Staaten umzingelten Land der Arbeiter und Bauern aufzubauen. Aus der gegebenen internationalen Situation ergibt sich sofort, dass die Gefahr einer imperialistischen Intervention ständig akut ist, dass man nicht einen Augenblick den Wolfshunger der europäischen Reaktion vergessen darf, die die alte politische Ordnung restaurieren will. Es ist leicht verständlich, dass dieser Gegensatz von der Sowjetunion allein nicht aufgehoben werden kann. Je mächtiger die Arbeiterdiktatur wurde, um so hysterischer reagierten die Reste der zerschlagenen Bourgeoisie, deshalb war man vor der Gefahr einer Intervention nie vollkommen sicher. Verglichen mit den inneren Gegensätzen können diese äußeren nur auf internationaler Ebene gelöst werden, wozu der Sieg in einigen Ländern nötig ist. Unter dem endgültigen Sieg versteht Stalin die volle Garantie gegen Interventionsversuche. „Solange unsere Sowjetrepublik ein alleinstehendes Randgebiet der ganzen kapitalistischen Welt ist, wäre es ganz lächerliche Phantasie und Utopismus…an das Verschwinden dieser oder jener Gefahren zu denken.“ 46. Schon zwei Jahre früher, 1918, sagte Lenin zum gleichen Thema: „…endgültig siegen kann man nur im Weltmaßstabe und nur durch die gemeinsamen Anstrengungen der Arbeiter aller Länder.“ 47. Endgültiger Sieg des Sozialismus also – um trotzkistische Vokabeln zu gebrauchen – nur in der Weltarena, nur durch gemeinsame proletarische Anstrengungen. Unter den damaligen internationalen Bedrohungen konnte der Sozialismus nicht endgültig siegen, aber sein Aufbau konnte nicht nur, sondern mußte unbedingt begonnen werden. „Das Gefährlichste in unserer politischen Praxis wäre der Versuch, das siegreiche proletarische Land als etwas Passives zu betrachten, das bis zum Erscheinen  der Hilfe seitens der siegreichen Proletarier der anderen Länder nur imstande ist, auf der Stelle zu treten. Angenommen, dass in fünf bis zehn Jahren die Revolution im Westen noch nicht gesiegt haben wird, angenommen, dass  unsere Republik während dieser Periode dennoch fortbesteht als eine Republik, die unter den Verhältnissen der NEP die sozialistische Wirtschaft aufbaut, glauben sie denn, dass sich unser Land während dieser fünf bis zehn Jahre mit Wassertreten und nicht mit Organisierung der sozialistischen Wirtschaft beschäftigen wird ? Es genügt, diese Frage zu stellen, um die ganze Gefährlichkeit der Theorie der Leugnung des Sieges des Sozialismus in einem einzelnen Lande zu begreifen. Bedeutet das aber, dass dieser Sieg ein vollständiger, endgültiger sein wird ? Nein, das bedeutet es nicht, denn solange die kapitalistische Umgebung besteht, wird immer die Gefahr der Intervention vorhanden sein. “ (Januar 1925) 48. INNENPOLITISCHE WIRTSCHAFTSFRAGEN Die falschen wirtschaftspolitischen Auffassungen der trotzkistischen Opposition Da der Trotzkismus in seiner Theorie den Charakter und die Perspektiven der russischen Revolution mißversteht, herrschen bei den Oppositionellen auch fehlerhafte Anschauungen über die Industrialisierung des Landes und in der Frage des Verhältnisses zur Bauernschaft vor.  Während die Partei die Idee des Zusammenschlusses der sozialistischen Industrie mit der bäuerlichen Wirtschaft, bei Realisierung der Hegemonie des Proletariats, vertritt, geht der Oppositionsblock von einer Entgegensetzung von Industrie und Landwirtschaft aus, er will die Industrialisierung gegen die Bauern durchsetzen. Eine richtige revolutionäre Linie betrachtet die Landwirtschaft als die Basis, auf der sich die Industrie entwickelt. Daher tritt die bolschewistische Partei auch für die Senkung der Preise für Industriewaren ein und für eine Minderung der Steuerlasten für die Bauern, um die proletarisch-bäuerliche Zusammenarbeit, nach Lenin „A & O der Sowjetmacht“ aufrechtzuerhalten. Einen ganz anderen Weg wollen Trotzki und Co einschlagen. Sie betrachten die bäuerliche Wirtschaft – sage und schreibe – als „Kolonie“, die der Staat ausbeuten müsse, wollen also kapitalistische Industrialisierungsmethoden anwenden. „Je rückständiger in ökonomischer Hinsicht, je kleinbürgerlicher, je bäuerlicher dieses oder jenes Land ist, das zu einer sozialistischen Organisierung der Produktion übergeht…um so mehr wird sich die sozialistische Akkumulation auf die Ausbeutung der vorsozialistischen Wirtschaftsformen stützen müssen…Und umgekehrt, je entwickelter in ökonomischer und industrieller Hinsicht dieses oder jenes Land ist, in dem die soziale Revolution siegt…je notwendiger es für das Proletariat des betreffenden Landes ist, die Nichtäquivalenz des Austausches seiner Produkte gegen die Produkte der Kolonien  zu vermindern, das heißt die Ausbeutung derselben zu vermindern, um so mehr wird sich das Schwergewicht der sozialistischen Akkumulation auf die Produktionsgrundlage der sozialistischen Formen hin verlagern, d.h. um so mehr wird sich die sozialistische Akkumulation auf das Mehrprodukt der eigenen Industrie und der eigenen Landwirtschaft stützen.“ 49. In diesem Zusamenhang fürchtet Trotzki auch eine gute Ernte, die ein Faktor zur Desorganisierung der sowjetischen Wirtschaft sei. „Unter diesen Verhältnissen (Trotzki spricht von der gegenwärtigen Disproportion/ J. Stalin) kann eine gute Ernte, das heißt die potentielle Zunahme der Warenüberschüsse der Landwirtschaft zu einem Faktor werden, der das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung in der Richtung zum Sozialismus nicht beschleunigt, sondern umgekehrt die Ökonomik desorganisiert, der die Beziehungen zwischen Stadt und Land und, innerhalb der Stadt selbst, zwischen dem Konsumenten und dem Staat zuspitzt. Praktisch kann eine gute Ernte – bei Mangel an Industriewaren – bedeuten, dass das getreide in zunehmenden Maße für die Herstellung von Hausbranntwein verwandt wird und die Schlangen vor den Geschäften in der Stadt wachsen. Politisch wird das den Kampf des Bauern gegen das Außenhandelsmonopol, d.h. gegen die sozialistische Industrie bedeuten.“ 50. Das russische Proletariat hatte also zwischen zwei Formen des wirtschaftlichen Aufbaus zu wählen. Nur eine Politik der Nationalisierung des Grund und Bodens, des massenhaften genossenschaftlichen Zusammenschlusses der Bauernschaft, eine im Interesse der Zusammenarbeit von Stadt und Land betriebene Steuerpolitik kann auch den Differenzierungsprozess innerhalb der Bauernschaft bremsen. Ohne Zweifel konnte man auf dem ländlichen Sektor so negative Erscheinungen wie das Anwachsen des privaten Kleinkapitals beobachten – eine die proletarische Diktatur zersetzende Tendenz, der man allein mit einer forcierten Entwicklung der sozialistsichen Industrie begegnen konnte. Über diese nicht gefahrlose privatkapitalistische Tendenz braucht man allerdings nicht in Panik geraten. „…das ist die Hauptsache – wird das Anwachsen des privaten Kleinkapitals im Dorfe durch ein so entscheidendes Moment aufgewogen und mehr als aufgewogen, wie es die Entwicklung unserer Industrie ist, die die Positionen des Proletariats und der sozialistischen Wirtschaft festigt und das wirksame Gegengift  gegen das Kapital ist“. 51. Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass die Feinde der Diktatur des Proletariats ihre Hoffnungen unter anderem  auf eine Divergenz zwischen Proletariat und Bauernschaft setzen. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass die Opportunisten, bürgerliche Emigranten und Agenten der internationalen Bourgeoisie die russische Opposition loben und auf ein Auseinanderbrechen des Bündnisses nicht nur spekulieren, sondern hinarbeiten. Ein bekannter Arbeiterverräter in Deutschland, Paul Levi, äußert sich in der „Leipziger Volkszeitung“ vom 30.Juli 1926 folgendermaßen: „Wir waren der Auffassung, dass die besonderen Arbeiterinteressen, letzten Endes des Sozialismus, mit der Existenz des bäuerlichen Besitzes in Widerspruch stehen, dass die Identität zwischen Bauern- und Arbeiterinteressen Schein sei, und dass die Weiterentwicklung  der russischen Revolution diesen Gegensatz verschärfen und sinnlich wahrnehmbar darstellen werde…Wenn der Marxismus überhaupt einen Schein von Berechtigung hat, wenn die Geschichte dialektisch arbeitet, mußte dieser Gegnsatz die Koalitionsidee in Rußland zerschalgen…Für uns aber, die wir die Dinge in Westeuropa mehr aus der Ferne sehen, ist eins klar: unsere Stellung ist bei der Opposition…Die Tatsache besteht, dass in Rußland wieder eine selbständige, antikapitalistische, klassenkämpferische Arbeiterbewegung einsetzt.“ 52. Der russische Sozialismus hat zwei Bündnispartner verschiedenrangiger Bedeutung: der wichtigste Partner ist das Weltproletariat, der zweite ist die eigene Bauernschaft. Die Oktoberrevolution gab der ganzen internationalen Bewegung einen mächtigen Auftrieb, wie andererseits die deutsche Novemberrevolution von 1918 eine Hilfe für die junge Sowjetunion bedeutete. Der Sieg über die Weißgardisten wäre ohne internationale Hilfe  (Aktionsausschüsse / Weigerung für die konterrevolutionären Generäle Waffen zu transportieren) ganz unmöglich gewesen. Die westeuropäischen Arbeiter errichteten auch weiterhin eine Schranke gegen eine Intervention und verschafften dem sozialistischen Aufbau eine gewisse „Atempause“. Die trotzkistische Opposition  aber sieht nur eine mögliche Form des Bündnisses, die allein den Sieg des Sozialismus sichern würde – das wäre die „direkte staatliche Unterstützung“, eine Bündnisform, die damals nicht in Aussicht stand. Wenn also die proletarische Machtergreifung im Westen ausbleibt und von dort keine direkte Hilfe kommt, verdunkelt sich die sozialistische Zukunft zusehens. Folgerichtig sieht Trotzki die Gefahr eines Zusammenwachsens der russischen mit der Weltwirtschaft. Er begreift die Periode der 20er Jahre als eine des Übergangs vom isolierten Kriegskommunismus zu einem Verwachsen mit der Weltwirtschaft. „Danach würde also unsere Volkswirtschaft, in der kapitalistische und sozialistische Elemente miteinander ringen, mit der kapitalistischen Weltwirtschaft verwachsen. Ich sage kapitalistische Weltwirtschaft, da eine andere Weltwirtschaft gegenwärtig nicht existiert. Das stimmt nicht, Genossen. Das ist absurd. Da ist Trotzkis Fraktionsgeist mit ihm durchgegangen.“ 53. Stalin stellt der These des Verwachsens die der gegenseitigen Abhängigkeit entgegen. Die Kapitalisten im Westen brauchen den großen russischen Absatzmarkt (1/6 der Erde), ebenso russisches Erdöl, Getreide, Holz, Kohle usf. Sie können auf diese oder jene Verbindung mit dem russischen „Markt“ nicht verzichten, umgekehrt dürfen sich die Bolschewiki nicht vom Weltmarkt abkapseln. „Das bedeutet aber noch nicht, dass unser Land damit seine Selbständigkeit verloren hat oder verliert, dass es seine Selbständigkeit nicht behaupten kann, dass es sich in ein Schräubchen der internationalen kapitalistischen Wirtschaft verwandeln muss.“ 54. Wenn die russische und die internationale Wirtschaft immer mehr verwachsen würden, hätte die Sowjetunion keine Möglichkeit, die sozialistische Industrie, das Außenhandelsmonopol, das nationale Verkehrswesen, das nationale Kreditwesen und die planmäßige Wirtschaftführung zu behaupten. Da Trotzki aber davon ausgeht, dass die russische Wirtschaft immer unselbständiger wird, prophezeit er, dass die Arbeiterrepublik bald dauernd unter der Kontrolle der Weltwirtschaft stehen werde.  Stalin bezeichnet diese Vision als einen „Traum der kapitalistischen Haie, der niemals in Erfüllung gehen wird.“ 55. Kontrolle im Mund von Kapitalisten ist kein leeres Wort, sondern bedeutet Denationalisierung.  „Kapitalistische Kontrolle heißt vor allem Finanzkontrolle. Aber sind unsere Banken etwa nicht nationalisiert, arbeiten sie vielleicht unter der Leitung der eiropäischen kapitalistischen Banken ?“ 56. Kapitalistische Kontrolle hieße auch Durchbrechung des bolschewistischen Außenhandelsmonopols – seit seiner Existenz ein Dorn im Auge des internationalen Kapitals. Nebend er Amalgamierungstheorie versteigt sich Trotzki auch auf eine „Prophezeiung“, in der er alle Perspektiven und Begriffe verwirrt.: „Es handelt sich darum, unter den Bedingungen der Umkreisung durch die kapitalistsiche Weltwirtschaft einen isolierten sozialistischen Staat zu errichten. Das kann nur dadurch erreicht werden, daß die Produktivkräfte dieses isolierten Staates größer werden als die Produktivkräfte des Kapitalismus, denn in der Perspektive, nicht auf ein Jahr oder Jahrzehnt, sondern auf ein halbes Jahrhundert, ja sogar auf ein Jahrhundert, kann sich nur derjenige Staat, diejenige neue Gesellschaftsform konsolidieren, deren Produktivkräfte mächtiger sein werden, als die Produktivkräfte des alten Wirtschaftssystems.“ 57. Um diese „Perspektive“  zu widerlegen, greift Stalin auf Ablösungsprozesse von ökonomischen Wirtschaftsformationen in der Geschichte zurück, die immer raschere Vermehrung der Produktivkräfte berücksichtigend. Brauchte zum Beispiel der Feudalismus cirka 200 Jahre, um über das Wirtschaftssystem der Sklaverei zu siegen, so brauchte das kapitalistische System nur noch 100 Jahre gegenüber dem Feudalismus. Es ist also eine geschichtliche Gesetzmäßigkeit, dass sich die Fristen durch das schnellere Entwicklungstempo und der besseren Technologie immer mehr verkürzen. Nicht nur hat die Entwicklung sozusagen ein rasendes Tempo angenommen, sondern die sozialistische Wirtschaft ist auch die konzentrierteste überhaupt, zudem planmäßig betrieben, so dass sich die Überlegenheit gegenüber dem durch Widersprüche zerfressenen Kapitalismus kurzfristiger als nach Trotzkis Prognose durchsetzen muss. „Ist etwa die Tatsache, dass an der Spitze unserer Produktion nicht Schmarotzer, sondern die Produzenten selbst stehen werden – ist diese tatsache etwa nicht ein gewaltiger Faktor, der davon zeugt, dass das sozialistische Wirtschaftssystem alle Chancen haben wird, um die Wirtschaft mit Siebenmeilenstiefeln vorwärtszubringen und seine Überlegenheit über das kapitalistische Wirtschaftssystem in kürzester Zeit zu beweisen…? Ist es nach alledem nicht klar, dass hier mit einer Perspektive von 50 oder 100 Jahren operieren heißt, den Aberglauben des erschreckten Spießers teilen und an die Allmacht des kapitalistischen Wirtschaftssystems zu glauben ? (Zuruf: Sehr richtig !) “ 58. Stalin zieht aus seiner bisherigen Argumentation gegen die Opposition zwei Schlußfolgerungen: a) Nachdem die trotzkistische Opposition vergebens auf die inneren Widersprüche zwischen Proletariat und Bauernschaft spekulierte, versucht sie mit Hilfe der äußeren Widersprüche zwischen sozialistischer Volkswirtschaft und kapitalistischer Weltwirtschaft Boden zu gewinnen. Trotzki gibt damit aber die Unhaltbarkeit seiner alten Argumente zu. b) Die „Keule Lenins“, wie man Trotzki einmal nannte, verfällt zusehends dem verroteten Sozialdemokratismus, wenn er mit hundertjährigen Perspektiven jongliert. Dahinter steckt die revisionistische Auffassung, dass ein ökonomisch rückständiges Land für den sozialistischen Aufbau zu ohnmächtig sei. Diese Position vertritt auch der Menschewik Suchanow. SINOWJEW ZITIERT MARX ENGELS UND LENIN WIE EIN SCHULJUNGE Beim Zitieren aus Werken der sozialistischen Klassiker kommt es darauf an, stets den lebendigen Zusammenhang mit der klassenkämpferischen Situation zu beachten und die Zitate nicht aus dem Zusammenhang zu reißen. Eine materialistische Theorie ist kein abgeschlossenes Gebilde, sondern muß ständig weiterentwickelt werden. sie bekommt mit jeder Erkenntnis ein neues Gesicht, ist Ausdruck und Verallgemeinerung der Erfahrungen des Proletariats in einem real vor sich gehenden Klassenkampf. Sie tritt der Welt nicht doktrinär mit einem Prinzip entgegen: „Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder ! Wir entwickeln der Welt aus den Prinzipien der Welt neue Prinzipien.“ 59.  Man muß also beachten, dass die Klassiker, so geniale und weitsichtige Denker und vor allem tätige Revolutionäre sie auch waren, nicht alle Zickzackbewegungen der Geschichte kennen und erahnen, nicht völlig mit ihrer Theorie die ganze Wirklichkeit abdecken konnten. „Jetzt gilt es, sich die unbestreitbare Wahrheit zu eigen zu machen, dass der Marxist mit dem lebendigen Leben, mit den exakten Tatsachen der Wirklichkeit rechnen muß, statt sich an die Theorie von gestern zu klammern, die, wie jede Theorie bestenfalls nur das Grundlegende, Allgemeine aufzeigt und die Kompliziertheit des Lebens nur annähernd erfasst.“ 60. In seiner Polemik gegen die Theorie vom Aufbau des Sozialismus in einem Lande aber begeht Sinowjew gleich reihenweise Fehler, wenn er sich orthodox auf Ausführungen der Klassiker aus den 50er Jahren des vorletzten Jahrhunderts stützt. Er führt zum Beispiel ein Zitat aus den „Klassenkämpfen in Frankreich“ an, in dem Marx sagt, „…dass die Aufgabe des Arbeiters (es handelt sich um den Sieg des Sozialismus/J.St.) …nirgendwo gelöst wird innerhalb der nationalen Wände…“ 61. Er hat auch eine Briefstelle parat, in der Marx 1858 an Engels schreibt: „Die schwierige question für uns ist die: auf dem Kontinent ist die Revolution imminent (62.) und wird auch sofort einen sozialistischen Charakter annehmen, wird sie in diesem kleinen Winkel nicht notwendig gecrusht (63.) werden, da auf viel größerm Terrain das movement der bürgerlichen Gesellschaft noch ascendent (64.) ist.“ 65. Aus diesen Zitaten folgt allerdings nicht automatisch, dass die Frage des Sieges des Sozialismus in einzelnen Ländern für alle Perioden des Kapitalismus negativ beantwortet werden muß. Zur Zeit des Erscheinens des ganze Bände aufwiegenden „Kommunistischen Manifestes“ entwickelte sich die bürgerliche Gesellschaft noch überall in aufsteigender Linie, sie befindet sich aber nach 1900 jetzt fast überall in Instabilität. also ist es ganz unzweckmäßig, in der Frage des Sieges in einigen Ländern oder in einem Land mit einer mechanistischen Marxzitation gegen die Lenin-Stalinsche Generallinie zu operieren. Die Gedanken von Marx sind für die Phase des vormonopolistischen Kapitalismus völlig richtig, früher mußte die Frage des Aufbaus in einem Land negativ beantwortet werden, heute, in der Periode des Imperialimus kann sie positiv beantwortet und gelöst werden. „Sie sehen, daß Sinowjew Marx zitiert wie ein Schuljunge, der sich ohne Marx´ Standpunkt zu berücksichtigen, an einzelne Zitate von Marx klammert, diese Zitate aber nicht wie ein Marxist anwendet, sondern wie ein Sozialdemokrat.“ 66. Es gilt also, den Leninsmus nicht nach einzelnen Zitaten zu studieren, sondern in sein Wesen einzudringen, ihn ernsthaft und gründlich, ohne Unterlaß, zu studieren.

1. Enver Hodscha, Gesammelte Werke, Band 19, Dortmund 1976,271

2. Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 317

3.Vergleiche Kommunistisches Manifest, MEW 4, 473

4. Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin,1960,396. In dem 1920 in Berlin erschienenen Aufsatz: „Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse“ hielt Bogdanow den Aufbau des Sozialimus in einem Lande für nicht realisierbar. (Vergleiche: A. Bogdanow, Die Wissenschaft und die Arbeiterklasse, makol Verlag  Frankfurt am Main, 1971,43)

5.Prozessbericht über die Strafsache des trotzkistisch-sinowjewistischen terroristisches Zentrum, Moskau 1936,127

6.Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850. MEGA I/10,182

7.Vgl. Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, MEW 19,16

8.J.W. Stalin, Schlußwort zu dem Referat „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, Stalin Werke, 8,271

9.Friedrich Engels, Grundsätze des Kommunismus, MEW 4,374f. In der Vorbemerkung zum deutschen Bauernkrieg von 1870, die Franz Mehring in seiner Bauernkriegsausgabe 1908 mit abgedruckt hat, finden sich allerdings auch schon bei Engels Nuancierungen: der Punkt der proletarischen Erhebung muss nicht überall gleichzeitig eintreten. (Vergleiche: Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Franz Mehring, Buchhandlung Vorwärts Berlin 1908,23). Nebenbei bemerkt: Schon 1814 sprach sich der utopische Sozialist Saint Simon für eine Koaltion Englands, Frankreichs und Deutschlands aus. Sodann kann man in der marxistischen Theorie auch weiter zurückgehen, Schon in der 1845/46 geschriebenen „Deutschen Ideologie“ ist der Kommunismus Angelegenheit einer universellen Revolution: „Der Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden Völker „auf einmal“ und gleichzeitig möglich, was die universelle Entwicklung der Produktivkraft und den mit ihr zusammenhängenden Weltverkehr voraussetzt. „. (Karl Marx, Friedrich: Engels: Deutsche Ideologie, Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin, 1978,35). 

10.J.W. Stalin, Schlußwort zum Referat: „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, Stalin Werke Band 8,273

11. a.a.O.,266

12.J.W.Stalin, Grundlagen des Leninismus, Peking 1972,3

13.J.W.Stalin, Schlußwort zum Referat „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ Stalin Werke 8,273

14. Brief von Engels an Kautsky, MEW 37,156

15.Friedrich Engels, Anti-Dühring, MEW 20,182f.

16.Karl Marx, Das Kapital, MEW 23,12

17.J.W.Stalin, Probleme des Leninismus, Moskau 1924,125f.

18.a.a.O.

19.Karl Marx, Das Kapital, MEW 23,14

20.J.W,Stalin, Über die Opposition, in: Leninismus, Kleine Bücherei des Marxismus Leninismus, Moskau,1935, Heft 2, 70f.

21. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4,479

22.J.W.Stalin, Über die Opposition,in: Leninismus, Kleine Bücherei des Marxismus Leninsmus, Heft 2,70f.

23.a.a.O.,73. Dagegen schreibt Werner Scharndorff in seinem Buch „Moskaus permanente Säuberung“, dass Lenin die Grundlage dieser „fälschlich Stalin zugeschriebenen“ Theorie erst wenige Jahre nach 1918 gelegt habe. (Vergleiche Werner Scharndorff, Moskaus permanente Säuberung, olzog verlag, München und Wien, 1964,55).

24.a.a.O.,72

25.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, MEW 4,479

26.Lenin, Über die Losung der Vereinigten Staaten Europas, LW 18,399. Eine eigentümliche Parallelität zwischen bürgerlicher und proletarischer Revolution öffnet sich: nach Marx und Engels konzentrierte sich die bürgerliche Revolution bedingt durch die gegen Holland gerichtete Cromwellsche Navigationsakte aus dem Jahr 1651 auf „Ein Land“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie, Dietz Verlag Berlin, 1978,58), auch die proletarische Revolution konzentrierte sich auf „Ein Land“.

27. Lenin, Über eine Karikatur auf den Marxismus, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,52 28. Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,74 29. Lenin, Prinzipielles zur Militärfrage, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,158 30.Leo Trotzki: Das Friedensprogramm, Moskau 1917, in: Leninsmus, Kleine Bücherei des Marxismus-Leninismus/Heft 4,4 31.a.a.O. 32.a.a.O. 33.Karl Renner, Die Wirtschaft als Gesamtprozess und die Sozialisierung, Dietz Verlag Berlin 1924, 581f. 34.a.a.O. 35.J.W.Stalin, Rede auf dem VII. erweiterten Plenum der EKKI, Stalin Werke Band 9,25 36.J.W.Stalin, Über die Opposition, in: Leninsmus Heft 4,6 37.Lenin, zit in: Leninsmus Heft2,75 38. Lenin, zitiert in: Stalin: Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten, Stalin Werke 8,325 39. Lenin, Über die zwei Linien der Revolution, in: Lenin über Trotzki, zusammengestellt von Schleifstein/von Heiseler. Verlag Marxistische Blätter Frankfurt 1969,118 40. Trotzki: Das Jahr 1905 (Vorwort) zit. in: Stalin Werke Band 6,327f. 41.Stalin, Die Oktoberrevolution und die Taktik der russischen Kommunisten, Stalin Werke Band 6,328 42.a.a.O.,329 43. Lenin, Plan und Konspekt der Broschüre: „Über die Naturalsteuer“, Lenin Werke Band 26,404 44.Lenin, Über das Genossenschaftswesen, in: Lenin: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1971, 758 45.Lenin, Über unsere Revolution, in: Lenin, Ausgewählte Werke  Progress Verlag Moskau, 1971,765. Aufschlußreich bezüglich der sogenannten russischen Rückständigkeit gegenüber dem Westen ist die Vorrede zur zweiten russischen Ausgabe des Kommunistischen Manifests von Karl Marx und Friedrich Engels  aus dem Jahre 1882 (die erste, von Bakunin übersetzte Ausgabe  erschien 1869 in Genf): galt diese erste Ausgabe im Westen nur als ein literarisches Kuriosum, so bildet Rußland 1882 „die Vorhut der revolutionären Aktion von Europa“. (Karl Marx, Friedrich Engels: Vorrede zur zweiten russischen Ausgabe von 1882, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,14). 46. Lenin, Bericht auf dem YIII. Sowjetkongress 1920, Lenin Werke Band 26,36 47.Lenin, Rede über die internationale Lage am 14.5.1918, Lenin Werke Band 23,9. Keineswegs war die aus der außenpolitischen Not geborene Isiolierung und Konzentrierung der Weltrevolution auf ein Land, also darauf, zunächst den Sozialismus in einem Lande aufzubauen – und in dem „zunächst“ glimmte ja das Feuer  der Weltrevolution unauslöschlich weiter – als eine weltrevolutionäre Generaldemobilisierung zu werten. Die Politik des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande war aus der Not geboren, denn insbesondere die Hoffnung auf eine Bolschewisierung Deutschlands erfüllte sich nicht. Das Ideal war natürlich eine novemberliche Parallelrevolution zum roten Oktober gewesen und wir wissen von der Schuld der deutschen Sozialdemokratie, die als Rettererin der alten kapitalistischen Mächte brutal (Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts) in Erscheinung trat. Ein Vormarsch der Roten Armee, um die Revolution gen Westen zu tragen, scheiterte schon vor Warschau und ein Versuch Karl Radeks zur Nationalbolschewisierung Deutschlands brachte ebenfalls keinen Erfolg. Die Rapallopolitik brachte vordergründig Vorteile für beide Seiten, jedoch nicht für das weltrevolutionäre Hauptanliegen der Sowjetunion, vielmehr stütze diese Politik die sich ab 1924 herauskristallisierende Stabilisierung der Weimarer Republik. 48.Stalin, Probleme des Leninismus, zit. in: Leninismus Heft 4,14 49. J. Preobraschenski, Das Grundgesetz der sozialistischen Akkumulation, Wjestnik Komakadenii, 1924, Nr. 8 zitiert in: J.W. Stalin, Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei, Werke Band 8, 257f. 50. Leo Trotzki, Stenographisches Protokoll der Sitzungen des Aprilplenums des ZK, Abänderungsanträge Trotzkis zu Rykows Resolutionsentwurf, Seite 164, zitiert in: Stalin, Über die Gefahr der sozialdemokratischen Abweichung in unserer Partei, Werke Band 8,258f. 51. J.W. Stalin, Über die Gefahr der sozialdemokratischen Abweichung in unserer Partei, Stalin Werke Band 8, 260 52. J.W. Stalin, Rede auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI, Stalin Werke Band 9, 112 53. a.a.O,,115 54.a.a.O.,116 55.a.a.O.,117 56.a.a.O. 57. Trotzki, Stenogramm der Rede Trotzkis auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI, zitiert in: Stalin, Rede auf demselben Plenum, Stalin Werke Band 9,119 58.J.W. Stalin, Rede auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI, Stalin Werke Band 9,126 59. Karl Marx, Briefe aus den deutsch französischen Jahrbüchern, MEW 1,345 60. Lenin, Briefe über die Taktik, zitiert in: Peking Rundschau 29/78,11 61. Karl Marx, Klassenkämpfe in Frankreich, zitiertin : Stalin Werke Band 9,76 62. bevorstehend 63.erdrückt 64. aufsteigend 65. Karl Marx an Friedrich Engels, zitiert in: Stalin Werke Band 9,76 66. J.W. Stalin, Rede auf dem VII. erweiterten Plenum des EKKI, Stalin Werke Band 9,78. Bertolt Brecht schreibt über Stalin:  „In der Frage, ob der Aufbau der ORDNUNG (kursiv von Bertolt Brecht) in einem Land geschehen könne, nahm er den Standpunkt ein, daß der Aufbau in einem Land begonnen und durch den Aufbau in anderen Ländern vollendet werden müsse. Der Aufbau in einem Lande war ebenso eine Bedingung des Aufbaus in anderen Ländern als dieser eine Bedingung für die Fertigstellung des Aufbaus in einem Lande.“ (Bertolt Brecht, Zur Stalinfrage, Broschüre o.J.,o.O., Seite 20)

„Der Leninismus hat also eine Rückzugslinie für den Fall, dass die Weltrevolution sich nicht verwirklicht, während sie dem Trotzkismus fehlt“. (Arthur Rosenber, Geschichte des Bolschewismus, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main, 1969,105).

Engels in einem Brief an Paul Lafargue vom 27. 6. 1893: “ … weder Franzosen noch Deutsche noch Engländer werden den Ruhm genießen, den Kapitalismus allein gestürzt zu haben; wenn Frankreich – vielleicht –  das Signal gibt, wird in Deutschland, dem Lande, das am gründlichsten vom Soz erfaßt worden ist und in dem die Theorie am gründlichsten in die Massen gedrungen ist, der Kampf entschieden werden; und trotzdem werden weder Frankreich noch Deutschland endgültig den Sieg sichern können, solange England in den Händen der Bg bleibt. Die Befreiung des Prol kann nur eine internat Aktion sein …“ die letzte bemerkung des klassischen Marx vor der Wende – 1900 – zum Imp mew 39,89

Heinz Ahlreip

Über den Personenkult

16. Februar 2010

„Marx stand höher, sah weiter, überblickte mehr und rascher als wir andern alle. Marx war ein Genie, wir andern höchstens Talente.“ 1.

Natur, Gesellschaft, Denken entwickeln sich gegenseitig gesetzmäßig konstituierend und durch das menschliche Denken diese Prozesse in ihrer Gesetzmäßigkeit auch selbstreflexiv widerspiegelnd. In dieser reflexiven Widerspiegelung aus der immanenten Prozessualität der dialektischen Entwicklungsgesetze ergeben sich diese als ineinander sich wechselseitig durchdringende. Diese Widerspiegelung ist selbst widersprüchlich gebrochen (sonst gäbe es nicht die richtig-falsche formale Logik), das Genialische läge dann in der richtigen Widerspiegelung dialektischer Prozesse als Knotenpunkte der Selbsterfassung universell historischer Entwicklungsgesetze. Das Genialische ist daher nicht primär etwas Subjektives, sondern Expression objektiver unendlicher Prozesse. Die in Klassenkämpfen emanzipativ avantgardistisch Kämpfenden geben eineTheorie 2. der Anleitung zum revolutionären Handeln für diejenigen, die diese Entwicklungsgesetze nicht in ihren klaren Konturen widerspiegeln können und umgekehrt, die Dominanz des Personenkultes zeugt von einer ungenügenden Widerspiegelung objektiv vorhandener Entwicklungsgesetze, aus denen Taktik und Strategie der Revolutionäre abzuleiten wären. Die Arbeiterbewegung braucht keinen Napoleon, der für alle denkt, es wäre schlecht um ihre Emanzipation bestellt. Es waren die utopischen Sozialisten, die die Erlösung von  Ausbeutung und Unterdrückung durch die aus genialischer  Welterkenntnis resultierende Erfindung der perfekten Gesellschaft erwarteten, weil sie nicht die gesellschaftlich geschichtlichen Bedingungen einer proletarischen Massenrevolution berücksichtigten und auf dem damaligen gesellschaftlichen Entwicklungsstand auch nicht berücksichtigen konnten, das Proletariat nur als leidendste, nicht als politisch aktive Klasse von ihnen gesehen wurde.  „Es fehlte eben der geniale einzelne Mann, der jetzt aufgetreten und der die Wahrheit erkannt hat; daß er jetzt aufgetreten, daß die Wahrheit grade jetzt erkannt worden ist, ist nicht ein aus dem Zusammenhang der geschichtlichen Entwicklung mit Notwendigkeit folgendes, unvermeidliches Ereignis, sondern ein reiner Glücksfall. Er hätte ebensogut 500 Jahre früher geboren werden können und hätte dann der Menschheit 500 Jahre Irrtum; Kämpfe und Leiden erspart.“ 3. Die Fixierung des Marxismus Leninismus in ein Genie ist also kein Fortschritt, sondern ein Rückfall. Im Personenkult findet etwas Widersinniges statt: Genie und Menschheit werden verwechselt. So versuchte zum Beispiel der deutsche idealistische Philosoph Hegel, eine Art „Napoleon der Theorie“, die inneren objektiven Entwicklungsgesetze der Geschichte der Menschheit in seinem Denken widerzuspiegeln, als Selbsterfassung Gottes, in religiösen Formulierungen betrachtete er seine Philosophie als die Gedanken Gottes vor der Schöpfung der Welt und eines endlichen Wesens. Für Friedrich Engels hatte Hegel, den er im Anti-Dühring als Fieberphantasten bezeichnet,  diese Aufgabe aber lediglich gestellt, nicht gelöst, nicht lösen können deshalb, weil kein einzelner sie je wird lösen können. Ein Genie kann nicht zur Lösung bringen, „was nur die gesamte Menschheit in ihrer fortschreitenden Entwicklung leisten kann.“ 4. Das einzelne Denken weist für Friedrich Engels mehr „Verbesserungsfähiges als Nichtverbesserungsfähiges“ 5. auf, schon von daher verbietet es sich, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt in ein Subjekt zu projizieren, habe es auch noch so überragende geistige Fähigkeiten und perfekte Eigenschaften. Im Kommunistischen Manifest meinen Marx und Engels nicht nur sich selbst, wenn sie ausführen, dass in Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung nähert, ein Teil der Bourgeoisie zum Proletariat übergeht, „und namentlich ein Teil der Bourgeoisideologen, welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben.“ 6. Der wissenschaftliche Sozialismus hat sich wechselseitig  aus  Massenbewegungen und kollektiven theoretischen Bewegungen herausgebildet und basiert auf objektiv heranreifenden  Bedingungen der Klassenentwicklungen.

Ein Personenkult darf niemals Ergebnis einer proletarischen Revolution sein, so wie es nach der bürgerlichen 1789 war: Napoleon sagte auf dem Schlachtfeld: Ich bin 100 000 Mann wert. Wir wären nicht weiter als das Sonnenkönigtum von Versailles: L`´etat c´est moi. 7. Tatsächlich begriff sich Ludwig der XIV. als die Sonne, um die sich alles dreht. Diese Sonnenführer strahlen aber ihre Untertanen nicht als  Sterne an, die mit ihr  aufleuchten, sondern diese definieren sich zum Führer als im Grunde nichtig. “ Voyez ces  crapauds !“ soll Napoleon beim Anblick auf das Gewimmel  ertrinkender Soldaten in der Beresina gesagt haben 8. und Roland Freisler schrie die Widerstandskämpfer vom 20. Juli an: „Deutsch sein“, heißt: dem Führer treu zu sein, alles andere ist Verrat an Deutschland“. Nach einer proletarischen Revolution sollten Worte wie Führer/in, Kanzler/in, Minister/in aus dem Wortschatz gestrichen werden, Lenin war Vorsitzender eines Rates von Volkskommissaren, aber hinter diesen standen die Sowjets „…als die Vorboten  des „Absterbens“ jedes Staates.“9., und als Totengräber der bürgerlichen Demokratie.

Der Gegenbegriff zum proletarischen Genie, der die tief innerliche ruhelose Dialektik zum Ausdruck bringt, wäre der bürgerliche Diktator, der sich vergeblich dieser Entwicklung als ruhender Pol – als den Hitler sich selbst sah-entgegenstellt (bekanntlich beendigte sich für  den größten Feldherrn aller Zeiten der Führerkult durch Selbstmord). Im Kommunismus erübrigt sich jegliche Prozesswiderspiegelung, die in bürgerlichen Gesellschaften als Gesellschaftwissenschaften zusammengefasst wird, die nur Ausdruck der Klassenspaltung der Gesellschaft sind, von daher ist es verständlich, warum für Marx die Dialektik der bürgerlichen Gesellschaft nur ein Spezialfall der Dialektik insgesamt war.

Es ist vor dem Abfassen von Texten, die im Geiste des Marxismus Leninismus verfasst sein sollen, vielleicht ratsam, sich an einige Äußerungen der Klassiker zu ihrem Schaffen zu erinnern. Das Lebensmotto von Marx lautete: An allem ist zu zweifeln.Der alte Engels verwies rückblickend auf den fundamentalen Fehler auch der proletarischen Revolutionäre der 48er Revolution, nach deren Niederschlagen mit einer neuen in Kürze zu rechnen. „Wir haben uns damals alle gründlich geirrt.“ Auch der „große“ Friedrich Engels beging also Selbstkritik. Die Schriften von Marx und Engels nach 1848 sind voll mit diesem Irrtum. Auch sprachen Marx und Engels 1848 im Kommunistischen Manifest vom Wert und Preis der Arbeit, erst ab 1859 datiert die wissenschaftliche richtige Fassung: Wert und Preis der Arbeitskraft: der Arbeiter verkauft dem Kapitalisten nicht Arbeit, sondern die besondere Ware Arbeitskraft, die Quelle des Mehrwertes ist. Auch ist von Marx die Aussage überliefert: ich für mein Teil bin kein Marxist und gar Lenin erst kam nach dem Studium der hegelschen Logik zu der Einsicht, dass man ohne diese Logik das Kapital nicht verstehen könne und dass folglich in den letzten 50 Jahren kein Marxist das Kapital verstanden hätte 10., das Buch, das Engels zur Bibel der Arbeiterbewegung erklärte. Schon von daher verbietet es sich, Theoretiker der Arbeiterbewegung heroisierend in den Himmel zu heben, wo dialektische und historische Materialisten auch nicht hingehören. „…die Souveränität des Denkens verwirklicht sich in einer Reihe höchst unsouverän denkender Menschen, die Erkenntnis, welche unbedingten Anspruch auf Wahrheit hat, in einer Reihe von relativen Irrtümern.“ 11.

Im Personenkult wird die Arbeiterbewegung einer sogenannten „großen Person“ untergeordnet. Nach Marx ist es der kleinbürgerliche 12. „doctrinäre Socialismus,…der an die Stelle der gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Produktion die Hirnthätigkeit des einzelnen Pedanten setzt…“ 13. Personenkult und Geniekult sind ineinander verwoben. Immer wieder ist die Arbeiterbewegung an ihrem Verhältnis zu den sogenannten „großen Autoritäten“ zu überprüfen, die der Marxismus im Grunde gar nicht anerkennt. Engels sagt einmal gegen die Anarchisten, die Revolution ist das autoritärste Ding, das es gibt. Und die proletarische Revolution ist eine wahre Autorität. Die sogenannten „großen Autoritäten“ sind keineswegs nur Erzieher der Arbeiter und Bauern und haben sich auch nie als solche verstanden, sondern auch und gerade im Marxismus gilt, dass der Erzieher selbst erzogen werden muss. Das Proletariat  wird einerseits geschult, geeint und organisiert durch den kapitalistischen Produktionsprozess, andererseits wird sozialistsiches Bewußtsein in es durch eine Avantgardepartei von außen hineingetragen, liest man Lenins Schrift „Was tun ?“ aufmerksam. so wird man feststellen, daß dieser Lernprozess nicht einseitig ist. Hätte Lenin Marx nur als große Autorität angebetet, wäre es nicht zur Weiterentwicklung des Marxismus in der Phase des Imperialismus gekommen. 14. Marx und Engels gingen zur Zeit der 48er Revolution noch von einer nur international möglichen proletarischen Revolution aus (England besonders, Frankreich, Deutschland..), Lenin kam auf Grund seiner Imperialismusanalyse zu der Erkenntnis, dass auf Grund der Ungleichmäßigkeit der öconomischen und politischen Entwicklung unter dem Imperialismus diese Revolution auch nur in ein einem einzelnen Land möglich ist (darum ging es dann im Kampf gegen Trotzki, der auf dem 1848er Niveau stehenblieb). An Autoritäten klammern sich nur schwache Individuen, die keine innere marxistische Substanz haben, im Personenkult kippt Aufklärung um in Religion. Zwar endet die Kritik der Religion mit dem Satz, dass für den Menschen der Mensch das Höchste aller Wesen ist, wie Feuerbach es erarbeitet hat und der abstrakte Mensch, der angebetet wird, die Vergöttlichung des Menschen, ist im Grunde konstitutiv für eine atheistische Religion im Sinne Feuerbachs.  Marxens Kritik am Abstraktum Mensch in den Feuerbachthesen, die im Keim den historischen und dialektischen Materialismus enthalten,  überwindet jegliches Anbeten des Menschen durch den Menschen. Bezeichnete Malenkow am 9. März 1953 in seiner Trauerrede Stalin noch als den größten Genius der Menschheit, so wurde dieses Bild drei Jahre später in zugegeben revisionistischer Intention gekippt. Man tat damit Stalin unrecht, denn Stalin lehrte uns, dass die werktätigen Menschen, die Millionen Arbeiter und Bauern die wahren Helden der Geschichte sind. Ein Hauptkritikpunkt des Führerphilosophen Friedrich Nietzsche am Sozialismus bestand ja gerade darin, dass er keine großen Männer mehr aufkommen lasse. Bezeichnend ist die Szene, die der Hauer Alexej Stachanow in seiner Autobiografie „Mein Lebensweg“ über eine Begegnung der 71jährigen Weberin Kawanina mit Stalin schildert: „Das Großmütterchen wandte sich an Stalin, drückte ihm fest die Hand und sagte: Du liebe Zeit, endlich habe ich unseren großen weisen Führer zu sehen bekommen. Sie konnte vor Freude nicht sprechen. Genosse Stalin lächelte, und, indem er der Alten die Hand drückte, sagte er: Ein ganz gewöhnlicher Mensch.“15. Ein ganz gewöhnlicher Mensch. Hierin liegt die Weisheit, dass das Kollektiv entscheidend ist, jenseits des Kollektivs liegt das Strafgesetzbuch oder der Selbstmord. In dem akollektivistischen Ansatz bürgerlicher Stalinforschung liegt die Extremisierung eines negativen Personenkultes, wie Robespierre für die feudale Geschichtsforschung muss Stalin für die bürgerliche ein Ungeheuer sein, Stalin als gewöhnlicher Mensch läßt den Kommunismus als  zu wahrscheinlich erscheinen.

Dagegen war die bolschewistische Partei in der Sowjetunion nach Lenins Tod bemüht, dessen Genialität herauszustreichen, sogar der Berliner Professor und Spezialist für Gehirnforschung Oskar Vogt wurde eingeladen, das Gehirn nach seiner zytoarchitektonischen Methode zu untersuchen. Ausdrücklich heißt es in der Prawda vom 15.11.1927, Professor Vogt habe klar den scharfen Unterschied zwischen Lenins Gehirnstruktur und der gewöhnlicher Menschen herausgearbeitet 16., so lag eine sehr hohe Assoziationsfähigkeit vor, Wirklichkeitssinn (die richtige Widerspiegelung der Wirklichkeit)  und Kontrolle der Wahrnehmungen waren überdurchschnittlich, auch lag die Genialität Lenins nach Vogt in seiner Fähigkeit, sich in komplizierten Situationen rasch zu orientieren und generell schnell zu handeln. Es lagen ohne Zweifel alle Voraussetzungen vor, nach dem gründlichen Studium der hegelschen Logik, diese Logik nach Marx das Geld des Geistes,  das „Kapital“  zu verstehen. Die Thematik ist jedoch umfassender als sie nur auf die individuelle Genialität Lenins zuzuleiten, es liegt die widersprüchliche Spannung zwischen der proletarischen Massenbewegung und einer Avantgardepartei vor, in der die bewußtesten und am höchsten entwickelten, intelligentesten Führer sich konzentrieren. Marx und Engels haben sich dazu im Kommunistischen Manifest dezidiert geäußert: die Kommunisten sind keine besondere Partei gegenüber den andern Arbeiterparteien, sie haben gegenüber dem Proletariat keine getrennten Interessen, sie stellen keine besonderen Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen, sie vertreten „nur“ den Internationalismus , „…sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“ 17. Der Unfehlbarkeit des genialen Führers entspräche der Slogan: Die Partei hat immer Recht, beides hat mit dem Marxismus nichts gemein, wie oft forderte Lenin Selbstkritik, und nicht zu übersehen des öfteren sein Hinweis, dass die Massen bereits weiter seien als die Partei. Es ist eine bittere Konsequenz des Personenkultes, dass bei dem Trauermarsch am aufgebahrten Stalin c.a. 1 500 Menschen auf dem zu engen Trubnajaplatz zu Tode getrampelt worden sind.

Der von Lenin als Philosoph geachtete, als Politiker kritisierte Materialist Plechanow spricht in seiner Studie: „Über die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte“ von einer gewissen optischen Täuschung, deren Opfer wir werden angesichts der großen historischen Persönlichkeiten und ihrer Bedeutung. Man beachtet nicht den Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Beziehungen und schreibt den Einzelsubjekten die ganze gesellschaftliche Kraft zu. Auch bei Marx und Engels findet man Studienmaterial zur Frage des Personenkultes, der insbesondere um den sich beweihräuchernlassenden Ferdinand Lassalle getrieben wurde. Persiflierend könnte man mit einem Bild abschließen, das Marx im „Kapital“ gezeichnet hat: den „Verein freier Menschen“, in dem sich alle Bestimmungen der Einzelarbeit eines Robinsons wiederholen, „nur gesellschaftlich statt individuell“. Aus einem Meer von roten Fahnen erhebt sich der Angebete – ein Robinson unter Massen. Personenkult und Sozialismus sind unvereinbar.



1. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, Dietz Verlag Berlin 1975, 292. Insbesondere auch: „Sowohl Marx wie ich sind von jeher gegen alle öffentlichen Demonstrationenen gewesen, die sich an einzelne Personen knüpfen, es sei denn im Fall ein großer Zweck dadurch erreicht werden kann; und am allermeisten gegen solche Demonstrationen, die sich zu unsern Lebzeiten um unsre eignen Personen drehen würden.“ (MEW 22,264).

2. Ohne Marx „wäre die Theorie heute bei weitem nicht das, was sie ist. Sie trägt daher auch mit Recht seinen Namen.“ (Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgabg der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, Dietz Verlag Berlin 1975,292)

3. Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,419

4.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassichen deutschen Philosophie, Marx Engels Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975, 270

5. Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in:Marx Engels Ausgewählte Werke Band V, Dietz Verlag Berlin 1972, 97

6. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984,29

7. Es mag hier allerdings angeführt werden, was Vera Sassulitsch empfand, als sie Lenins Organisationsstatut studierte: „Für Lenin ist die Partei sein Plan, sein Wille steht im Dienste der Verwirklichung dieses Planes. Es ist die Idee Louis XIV.: L´état c´est moi – die Partei, das bin ich, Lenin !“, in: Werner Scharndorff, Moskaus permanente Säuberung, olzog verlag, München und Wien, 1964,21

8. Vergleiche Karl Marx, Marx an Ruge Köln im Mai 1843, Briefe aus den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern“, Marx Engels Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin, 1957, 339. Bertolt Brecht pflegte zu fragen, ob die großen Feldherren keine Köche bei sich hatten ? Für Treitschke waren diese uninteressant und wenn man sich mit den weltgeschichtlich hochinteressanten Personen Lenin Stalin Trotzki usw. als Historiker, besonders auch als marxistischer, beschäftigt, sollte die Brecht´sche Frage gegen die Gefahr eines (marxistischen) Treitschkismus stets präsent sein.

9.Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution; LW 24,72

10. „Man kann das Kapital von Marx und besonders das erste Kapitel nicht volständig begreifen, ohne die GANZE Logik von Hegel durchstudiert und begriffen zu haben. Folglich hat nach einem halben Jahrhundert nicht ein Marxist Marx begriffen.“ (Lenin Werke Dietz Verlag Berlin Band 38, 170)

11. Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Bnad V, Dietz Verlag Berlin 1972,97f.

12. Rousseau als Theoretiker der Kleinbourgeoisie schrieb im Gesellschaftsvertrag: „Niedrige Seelen glauben nicht an große Menschen…“ (Jean Jacques Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag Stuttgart, 1974,98). Und ein sogenannter großer Mensch ist ja dann auch als Folge der französischen Revolution quer durch Europa gezogen mit Menschen, die er seinem Kult opferte.Nach der Megakatastrophe des Russlandfeldzuges wird erst im Bulletin Nummer 29 gegenüber dem französischen Volk die Niederlage eingestanden. Legt man die Zahlen der toten Soldaten zugrunde, so hätte man mehrere europäische Großstädte gründen können, und doch endet das berüchtigte Bulletin mit der Botschaft, dass die Gesundheit seiner Majestät niemals besser gewesen sei.

13. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,191. Da der kleinbürgerliche Sozialismus die treibende Motorik des Klassenkampfes zwischen Lohnarbeit und Kapital nicht als einen Massenkampf begreift, verfällt er auf einen Geniekult, in dem sich der Progress von Natur, Gesellschaft und Denken genial widerspiegeln soll. Exemplarisch hat das der junge Marx am Fall Proudhon demonstriert. Statt eine neue Vernunft zu erfinden, die Proudhon Vernunft der Gesellschaft als Person nennt, er spricht auch von der Menschheit als Subjekt oder vom Genius der Gesellschaft oder von der Menschheit als Vernunft, die in Wirklichkeit „die individuelle Vernunft des Herrn Proudhon“ (Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin,1974,294) ist, komme es für die Proletarier darauf an, die Wissenschaft nicht mehr in ihrem Kopf zu suchen, „sie haben nur sich Rechenschaft abzulegen von dem, was sich vor ihren Augen abspielt, und sich zum Organ desselben zu machen.“ (a.a.O.,302).

14.Ein Beispiel, wie fruchtbar es sein kann, eine Autorität zu stürzen, gibt der Moskauer Agarwissenschaftler W. Wiljams. Seit Liebig glaubte man, daß sinkende Bodenfruchtbarkeit allein auf den Entzug mineralischer Substanzen zurückzuführen sei. Auch ein Wechsel der Frucht halte die Abnahme der Fruchtbarkeit nicht auf. Wiljams fand heraus, daß die Bodenbildung nicht nur das Produkt eines geografisch-klimatischen Prozesses ist, sondern auch von der Evolution und Tätigkeit lebender Organismen, besonders Pflanzen, abhängt. Er entwickelte das „Grasfeldersystem“ (travopolnaja sistema), bei dem die allgemeine Fruchtfolge durch die Aussaat mehrjähriger Gräser unterbrochen wurde. Deren biologisches Verhalten und Wurzelsystem förderte die Humusbildung und hielt die Versteppung in der UdSSR auf. (vgl. E. Buchholz: Der Kampf gegen die Dürre in der Sowjetunion, Hamburg Reinbek 1950,21)

15. Alexej Stachanow: Mein Lebensweg, Verlag Kommunistischer Texte, Münster 1975,65

16.Jochen Richter: Rasse, Elite, Pathos. Eine Chronik zur medizinischen Biografie Lenins und zur Geschichte der Elitegehirnforschung in Dokumenten, Centaurus Verlag Herbolzheim 2000, 187f.

17.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984, 36

„Schlechtwetter“ Über die bürgerliche Organisation von Nichtarbeit

12. Februar 2010

Im Krieg zwischen Lohnarbeit und Kapital kann es auf grund höherer Gewalt zu Phasen kommen, in denen die Konsumtion der Arbeitskraft durch das Kapital bei Aufrechterhaltung des Arbeitsvertrages unterbrochen ist und die Arbeiter/innen den Produktionsstätten fernbleiben. Es tritt dann der widersinnige Normalfall: Wenn der Mensch arbeitet, ist er nicht zu Hause und wenn er zu Hause ist arbeitet er nicht. 1. in einen Ausnahmezustand über: Lohnarbeit realisiert sich phasenweise nicht.

Diese Situation bleibt für das Kapital solange ungefährlich, als die Arbeiter/innen isoliert voneinander auf kleinbürgerliche Art bürgerliche Ideologie (Kapital und Lohnarbeit sind ewige fixe Kristallisationspunkte des menschlichen Arbeitsprozesses) über TV,PC 2…etc. konsumieren. Wenn schon nicht ihre Arbeitskraft konsumiert wird, so ist durch die bürgerlich monopolisierten Massenmedien dafür gesorgt, dass akollektiv ausgerichtete Massendiversifikation  stattfindet und die Produzenten in ihrer arbeitsprozessfreien Zeit nicht über gesellschaftliche Zusammenhänge, insbesondere über die von Lohnarbeit und Kapital nachdenken sollen. Auf dieser Stufe ergäbe  sich Kollektivität nur wieder nach Beendigung des Ausnahmezustandes durch den kapitalistischen Produktionsprozess in einem Ausbeutungszusammenhang. „Massenhaftes Zusammenhalten der Arbeiter ist noch nicht die Folge ihrer eigenen Vereinigung, sondern die Folge der Vereinigung der Bourgeoisie…“ 3. Über eine sogenannte Freizeitindustrie wird das massenhafte Zusammenhalten der Arbeiter/innen untergraben, denn ihr bewußtes massenhaftes Zusammenhalten wäre der Tod der kapitalistischen Gesellschaft.

Lenin lehrte uns, dass eine versklavte Klasse, die nicht danach strebt, Waffen zu ihrer eigenen Befreiung zu sammeln, nur wert ist, als Sklave be- und mißhandelt zu werden. In diesem Sinne muß die Schlechtwetterzeit ausgenutzt werden nach der Devise von Wilhelm Liebknecht: studieren – propagieren – organisieren. So nützlich das private Studium der Gewerkschafts- der Arbeitslosen-, der Arbeiter/innenbewegung und des Marxismus Leninismus ist, es fruchtet wenig, wenn die Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums dieses isoliert voneinander betreiben. Sie müssen regelmäßige periodische Zusammenkünfte organisieren um kollektiv ihr revolutionäres Wissen zu vertiefen und sich ein klares Feindbild 4. unter Herausbildung eines gesunden Klassenhasses erarbeiten. Sie müssen ihre alltäglichen Erfahrungen im kapitalistischen Produktionsprozess wissenschaftlich zusammenfassen.Hier fällt revolutionären Betriebsräten eine Aufgabe zu, bei wochenweisen Freistellungen kann ihre organisierende Tätigkeit beginnen (zum Beispiel zwei mal in der Woche Seminartage auf freiwilliger Basis). „Der dialektische Prozeß der Entwicklung bringt wirklich schon im Schoße des Kapitalismus Elemente der neuen Gesellschaft hervor, sowohl materielle als auch gesitige Elemente.“ 5.

Auch  (bzw. besser:) gerade in Schlechtwetterzeiten können zum Beispiel die streikenden Kollegen im öffentlichen Dienst unterstützt werden, die Solidarität mit den arbeitslosen Kollegen auf den Montagsdemos muß hergestellt werden  , Obdachlose müssen vor dem Tod durch Erfrieren dadurch gerettet werden, dass notfalls gewaltsam die inaktiven Produktionsstätten zu ihrem Quartier gemacht werden, auch Beschlagnahmung von Villen, die alle überflüssigen Wohnraum haben; schon hier deutet sich die Notwendigkeit einer bewaffneten proletarischen Garde an.

Es liegt auf der Hand, dass das Kapital möglichst rasch danach strebt, den durch höhere Gewalt bedingten Verlust  nach Wiedereintritt der Konsumtionsmöglichkeit von Arbeitskraft durch Erhöhung der Arbeitsintensität zunächst zu egalisieren. Das steht konträr zur Humanmedizin, die eindeutig darlegen kann, dass es der Gesundheit abträglich ist, wenn nach einer außergewöhnlichen Arbeitsunterbrechung abrupt mit Höchstleistungen eingesetzt wird, durch massenhaftes Zusamenhalten  kann auch hier eine Übergangszeit erkämpft werden, in der proportional zur Zeit der Arbeitsunterbrechung zunächst nur halbtags gearbeitet wird (bei vollem Lohnausgleich).

Das Kapital und seine sozialdemokratischen Spießgesellen können sich drehen und wenden wie sie wollen, sie können die Arbeiterklasse nicht von ihrer historisch unabwendbaren Kardinalaufgabe abbringen und ablenken: die bürgerliche Gesellschaft und die in ihr vorherrschende Organisation der Lohnarbeit mit Feuer und Schwert auszurotten und niederzubrennen, der Bürgerkrieg zwischen Lohnarbeit und Kapital, der „Bürgerkrieg in seiner fürchterlichsten Gestalt“ 6. , ist unvermeidbar. Denn das Proletariat kann sehr wohl ohne Bourgeoisie leben, nicht umgekehrt, die unproduktiven Klassen sind immer auf die produktiven angewiesen. Überhaupt hat die bürgerliche Republik den Zweck, mit der Herrschaft des Kapitals die Sklaverei der Arbeit zu verewigen. Insofern ist aber der Arbeiter durch die bürgerliche Gesellschaft unbesiegbar , „…weil seine Existenz die Bedingung ihres eigenen Lebens ist…“. 7.Unter den Fittichen des Bundesadlers verbirgt sich ein kolossaler Klassenkrieg.

Die Sozialdemokratie tritt auf Druck der Arbeiterklasse für geringfügige Verbesserungen ein,  was auch die Nazis taten,  die aber natürlich die Grundkonstellation Lohnarbeit und Kapital und deren Wechselverhältnis unberührt lassen. Da die Einteilung der Menschen in lohnabhängige Untermenschen und kapitalistische Herrenmenschen ein bzw. der fundamentale Bestandteil sozialdemokratischer Ideologie ist, nimmt es nicht wunder, dass gerade der kleinbürgerlich-spießige Antikommunismus fanatischte Züge annehmen kann. „Und niemand fanatisierte sich mehr gegen die angeblichen Machinationen der Kommunisten als der Kleinbürger…“ 8. Für die Sozialdemokratie ist der Kommunismus eine Weltpest und der Marxismus Leninismus, um es mit den Worten von Goebbels zu sagen, eine „teuflische Anschauung,“ 9. Die SPD muss vernichtet werden. „Was ist erforderlich, damit die Proletarier…siegen können ? Vor allem Glauben an die eigene Kraft, das Bewußtsein, dass die Arbeiterklasse ohne die Bourgeoisie auskommen kann, dass die Arbeiterklasse fähig ist, nicht nur das Alte niederzureißen, sondern auch Neues zu erbauen, den Sozialismus zu errichten. Die ganze Arbeit der Sozialdemokratie besteht darin, den Arbeitern Skeptizismus, Unglauben an die eigene Kraft, Unglauben an die Möglichkeit einzuflößen, mittels Gewalt den Sieg über die Bourgeoisie zu erringen.“ 10. Ein Musterbeispiel sozialdemokratischer intellektueller Verwahrlosung findet man in dem neuesten Buch der SPD Generalsekretärin Andrea Nahles: „Frau gläubig links“ (Pattloch Verlag 2009), in dem die gläubige Katholikin als Basis ihres politischen Engagements die „Axiome“ setzt: es gibt immer Arme und immer Einkommensuterschiede. Sie hat ganz offensichtlich weder die Bibel noch „Das Kapital“ verstanden. 147 Jahre habe die SPD einen erfolgreichen Deal mit dem Kapital betrieben zum Wohle der kleinen Leute. Nun hat aber Marx das Kapital nicht geschrieben, damit eine Andrea Nahles mit ihm dealt, sondern damit die Arbeiterklasse es überwindet.

1. Vgl. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, Felix Meiner Verlag Hamburg 2005,59

2.Die modernen Kommunikationsmittel können aber umgekehrt auch sehr fruchtbar für den gesellschaftlichen Fortschritt sein: Kommunismus ist Rätemacht plus Internetisierung des ganzen Landes.

3.Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1984, 25

4. Für die wirklichen kommunistischen Revolutionäre bleibt der Satz von August Bebel gesprochen auf dem Dresdner Parteitag 1903 unvergessen: „Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaft und Staatsordnung bleiben, um sie in ihren Existenzbedingungen zu untergraben, und sie, wenn ich kann, beseitigen.“ Wie oft hat die SPD Bebel auf das Schändlichste verraten! Die Chronik der Verrätereien würde ganze Bücher füllen.

5.Lenin, Das letzte Wort der „iskristischen“ Taktik, LW 9,370

6. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin,138. Diese tiefste Revolution in der Geschichte der Menschheit muss natürlich den Terror als Volksjustiz auf die Tagesordnung setzen. „Weit entfernt, den sogenannten Excessen, den Exempeln der Volksrache an verhaßten Individuen oder öffentlichen Gebäuden, an die sich nur gehässige Erinnerungen knüpfen, entgegen zu treten, muß man diese Exempel nicht nur dulden, sondern ihre Leitung selbst in die Hand nehmen.“ (Karl Marx, Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde an den Bund der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin, 1977, 259) Es gibt in der deutschen Geschichte diesbezüglich Ruhmesblätter, angefangen mit der Schleifung der Marienkapelle zu Mellerbach bei Allstedt 1525 im deutschen Bauernkrieg, auf dem letzten steht der Name: RAF !

7.Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,139

8.a.a.O., 134

9.Sportpalastrede des Reichsministers Dr. Goebbels vom 18. Februar 1943, in: Joachim Wieder: Stalingrad, Büchergilde Gutenberg 1963, 329

10. J.W. Stalin, Der XIV. Parteitag der KPdSU (B), Stalin Werke Band 7, Dietz Verlag Berlin 1952,304

Andrea Nahles…mein zweiter Name ist Maria…da weitere Verwahrlosung droht

1. Februar 2010

„Und die SPD muß wieder Demokratie wagen…“ 1.

„Jeder für sich, Gott für uns alle“ ist eine bei Lehrern beliebte  Floskel, um dem Abschreiben bei Klassenarbeiten vorzubeugen. Im Pattloch Verlag erschien Ende 2009 ein Buch der amtierenden Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles, das einem wie eine Sammlung von Schulaufsätzen vorkommt: „Frau, gläubig, links. Was mir wichtig ist.“ Schon im Vorwort beginnt die Tochter eines Maurermeisters mit einem dicken Patzer, indem sie dem deutschen Volk aufschwatzen will: wir brauchen Parteien. „Für mich jedenfalls gehören die Parteien nach wie vor zu den wichtigsten Instrumenten des Wandels.“ 2. Mann/Frau fragt sich natürlich zu welchem Wandel ?  Schon mit ihrer Ausgangslage, dass Parteien existieren müssen, bindet sie sich so fest an den Kapitalismus, der dann auch im ganzen Buch in keiner Weise in Frage gestellt wird. Rein logisch ist zunächst zu fragen, inwiefern denn reaktionäre, faschistische und konservativ-beharrende Parteien welchen Wandel fördern ? Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass in der heutigen spätkapitalistischen Gesellschaft die Volksmassen in Klassen geteilt sind, und dass diese Klassen von Parteien geführt, die wiederum von den intelligentesten und autoritativsten Politikern geführt werden. 3. Und im Wandel von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaft hebt die revolutionäre Arbeiterpartei durch die Volksmassen die Klassen, damit die Parteien und auch sich selbst auf. Die ideologische Akzeptanz einer Parteienpluralität durch die Arbeiterklasse käme einer Verewigung ihrer ökonomischen Knechtschaft gleich. Die dialektische Anlage zur Selbstnegation ist denn auch das Schiboleth, an dem sich revolutionäre und konterrevolutionäre Parteien scheiden.

Der Ansatz von Andrea Nahles, die in Bonn neben Germanistik allerdings Politikwissenschaft studiert hat, ist ein subjektivistischer, wie denn überhaupt alle kleinbürgerlichen Parteien stets einen solchen haben: der Mensch, ja der Mensch. „…weil ich glaube (!!), dass wir den Schlüssel zu einer guten Gesellschaft nur(!!) in uns selbst finden können.“ 4. Glauben ist eine Sache, Gesellschaftswissenschaft eine andere. Die Gesellschaft entwickelt sich bekanntlich nach den drei dialektischen Grundgesetzen: Einheit und Kampf der Gegensätze (Bourgeoisie/ Proletariat), Umschlag von Quantität in Qualität, Abbrechen der Allmählichkeit, revolutionäre Sprünge und Negation der Negation (staatenlose Urgesellschaft, Gesellschaften, die auf verschiedenen Formen des Privateigentums an Produktionsmitteln beruhen, und Sozialismus/Kommunismus). Bei der adialektischen Betrachtungsweise der Bewegung  “ bleibt die Selbstbewegung, ihre treibende Kraft, ihre Quelle, ihr Motiv im Dunkel (oder diese Quelle wird nach außen verlegt – Gott, Subjekt etc.)“ 5. Da nun Andrea Nahles obendrein noch gläubig ist, bedankt sich die Arbeiterklasse für diesen himmlischen Schlüssel, für diese himmlische Segnung.  Der Kleinbürger macht gerade vor der objektiven Dialektik der Selbstbewegung halt und verfällt in Subjektivismus, aus dem heraus er den Widerspruch vergöttlicht. (Was Marx schon bei Proudhon feststellte).  „Die ersten Sätze des Godesberger Programms üben auf mich wie auf Hunderttausende andere Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nach wie vor eine starke Anziehungskraft aus: „Das ist der Widerspruch unserer Zeit, dass der Mensch die Urkraft des Atoms entfesselte und sich jetzt vor den Folgen fürchtet…“ 5. Und so geht es im Godesberger Programm weiter:,,,dass der Mensch. dass der Mensch…Auch im am 20. Dezember 1989 verabschiedeten Berliner Grundsatzprogramm der SPD findet Nahles das schönste Bekenntnis zur Demokratie, das ihr „…in der sonst ja oft drögen politischen Sprache jemals begegnet ist: Der Mensch weder zum Guten noch zum Bösen festgelegt, ist lernfähig und vernunftfähig. Daher ist Demokratie möglich…“ Das alles ist mehr als erbärmlich und ein Armutszeugnis 6., nicht der Mensch macht Geschichte, oder soganannte große Männer und Frauen, sondern die Volksmassen, die Volksklassen und die treibende Kraft ist die Arbeiterklasse. Andrea Nahles geht als gläubige Katholikin noch heute regelmäßig in die Kirche und in der Onanie inniger Gebete kommt es dann wohl zu diesen abstrusen weltfremden Gedankenergüssen.7. Hegel führt in der Vorrede zur Rechtsphilosophie aus, dass man von der Natur zugebe, dass Gesetze in ihr regieren, dass man aber über die Gesellschaft, so wie man gerade gehe und stehe, den Stein der Weisen schon in der Tasche habe 8….und, fügen wir hinzu, den Schlüssel in sich. Der sozialdemokratische Revisionismus kommt immer wieder auf die anthropologische Fragestellung Kants zurück: Kant gab dem Philosophieren vier Fragen vor: Was kann ich wissen ? Was darf ich tun ? Was soll ich hoffen ? Und in unserer Fragestellung vor allem: Was ist der Mensch ? Da liege ja der Schlüssel, würde Andrea Nahles sagen. Rainer Blasius begeht in seiner sehr oberflächlichen Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1. 2010 (9.) den Fehler, den subjektivistischen Ansatz von Nahles nicht zu erkennen, so sagt er zwar einerseits ganz richtig, sie verbreite allgemeine Botschaften („Die Menschen wollen Sinn und nicht Spin“ 10.), findet aber gerade die biografischen Einblicke interessant, die sie gibt. Nicht darum geht es, sondern um ihre christlich-linkssozialdemokratische Botschaft, dass es immer Arme geben werde und dass es immer Einkommensunterschiede geben soll. Das sehen die Armen natürlich ganz anders. Unter der Diktatur der Arbeiterklasse herrscht gleicher Arbeitszwang für alle 11. und zur Besserung gehört die Generalsekretärin der SPD in ein Arbeitskollektiv, damit sie zur Lösung gesellschaftswissenschaftlicher Schlüsselfragen gelangt. Der Aktenvermerk müßte lauten: …da weitere (subjektivistische) Verwahrlosung droht.

Diese intellektuelle Verwahrlosung wird nun gerade auch und besonders im Kapitel: „Von der Würde der Arbeit“ sichtbar. Mit dem Slogan „Gute Arbeit für guten Lohn“ ging schon der frühere Arbeitsminister Olaf Scholz im letzten Bundestagswahlkampf betteln und hausieren. Nahles bekundet zunächst, daß das Wissen um den Wert der Arbeit „….tief in mir verwurzelt ist.“ 12. Aber ist dieses Wissen auch richtig ? Wissenschaftlich richtig muß es heißen: Wert der Arbeitskraft, aber das nur nebenbei. Selbstkritisch gibt sie zu, daß sich Sozialdemokraten zu wenig um die Bedingungen kümmern, „…unter denen die Menschen tagtäglich ihr Brot verdienen.“ 13. Ja was mögen denn das für Bedingungen sein !? Sie zitiert das Hamburger Programm der SPD: „Arbeit gehört zum menschenwürdigen Leben, aber sie muß auch menschenwürdig sein. (soweit das Programm/H.A…ja hier kreist der abstrakte Mensch wieder in sich.) Weiter sagt sie: „Schlichter als im Hamburger Programm kann man es nicht ausdrücken.“ 14. Ja, das ist schlicht und ergreifend —falsch !!, denn menschenwürdige Arbeit kann es unter kapitalistischen Bedingungen nicht geben. Wie alle kryptofaschistischen Parteien huldigt auch die SPD einem Kult der Arbeit und der Disziplin, der ideologisch das Privateigentum an Produktionsmitteln zementiert. Marx sah diesen Fehler schon im Gothaer Programm von 1875, die SPD hat also 135 Jahre !!! Zeit gehabt, den Fehler zu korrigieren. Im Gothaer Programm lag eine abstrakte Trennung von menschlicher Arbeitskraft und den kapitalistischen Bedingungen ihrer Anwendung vor, dass nämlich die Arbeiter/innen außer ihren eigenen Arbeitskräften kein Eigentum an den Produktionsbedingungen besitzen: „…denn gerade aus der Naturbedingtheit der Arbeit folgt, daß der Mensch, der kein anderes Eigentum besitzt als seine Arbeitskraft, in allen Gesellschafts- und Kulturzuständen der Sklave der anderen Menschen sein muß, die sich zu Eigentümern der gegenständlichen Arbeitsbedingungen gemacht haben. Er kann nur mit ihrer Erlaubnis arbeiten, also nur mit ihrer Erlaubnis leben.“15. Aus dem kleinbürgerlich verkürzten Arbeitsbegriff der SPD resultieren dann alle schlichten Fehler, die Nahles naiv aneinanderreiht: „Arbeit öffnet dem Einzelnen (nanu ? gibt es keine Arbeiterklasse ? /H.A.) die Türen zur vollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“ 16..muß heißen: zur lohnabhängigen Teilnahme am kapitalistischen Ausbeutungsprozess.  „Arbeit …ermöglicht den Wohlstand unserer (!?) Gesellschaft.“ 17…muß heißen: den ständig steigenden Wohlstand der kapitalistischen Klasse. Oder hat sich die menschgewordene Jesuitin (siehe Anmerkung 7) nicht mit der Weisheit des Volksmundes beschäftigt, dass die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden ? „Für mich heißt das Ziel nach wie vor Vollbeschäftigung.“ 18.Das ist aber nicht das Ziel der Arbeiterbewegung, sondern die volle Emanzipation der Arbeitskraft von ihrem Warencharakter, wie Engels im Anti-Dühring schrieb.19. Man muß Frau Nahles aber auch dankbar sein für dieses Buch, ich halte es für ein Musterbeispiel, wie sich die SPD als Arzt am Krankenbett des Kapitalisten profilieren möchte. Sie wolle für die gesellschaftliche Integration durch Arbeit, die bekanntlich frei macht,  kämpfen, also den Lohnsklaven bis zur Vergasung an das kranke marode krisengeschüttelte kapitalistische System binden. Man muß auch immer fragen: wo hinein soll denn integriert werden ? Ein staatliches Basiseinkommen lehne sie ab, stattdessen plädiere sie für eine Neubestimmung des Sozialstaates,“…der individuelle Erwerbsbiografien partnerschaftlich begleitet..“20. Über das Wesen des Staates ist von und über Aristoteles, Platon, Hobbes, Kant, Hegel, Marx und Lenin…u.a.  viel Tiefsinniges geschrieben worden, aber noch keine/r kam auf die Naivität, ihn als Partner zu bezeichnen. Das ist ja gerade die Tragik in der Antigone von Sophokles.  Die lesenden Arbeiter und Arbeiterinnen, die lesenden Bauern und Bäuerinnen, letztere läßt Nahles in gut menschewistischer Tradition außer Acht, finden bei Karl Marx die zentrale Deutung des neuzeitlichen bürokratischen Staates als eines nationalen Kriegswerkzeugs des Kapitals gegen die Arbeit 21…oder ist etwa nicht wahr, dass die Ermordung der Arbeiterführer Liebknecht und Luxemburg durch die Reichswehr nur mit partnerschaftlicher Beihilfe der Berliner SPD erfolgen konnte…oder ist etwa nicht wahr, daß die SPD durch ein von „Genosse“ Hörsing 1921 organisiertes Polizeimassaker  der Ermordung von über 150 Leuna Arbeitern präsidierte (die unter der Parole kämpften: „Dass unsere Wohnstätte kein Gelände der Konterrevolution wird)…oder ist etwa nicht wahr, dass der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin Zörrgibel 1929 partnerschaftlich auf eine unbewaffnete 1.Mai Demonstration schießen ließ mit über 30 Toten und Hunderte Verletzte…oder ist etwa nicht wahr, dass unter der Federführung des von Nahles angehimmelten Willy Brandt Zehntausende von fortschrittlichen Lehrern partnerschaftlich unter das Berufsverbot gesetzt wurden, also erst gar keine Erwerbsbiografie beginnen konnten, damit mittelalterliche Dunkelmänner in den Schulen weiterhin Minderjährige geistig verführen. Als Nazikolonnen am 31. Januar 1933 triumphierend durch das Brandenburger Tor marschierten, sagte der Maler Max Liebermann: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen muß. Das Gleiche stößt einem bei der Lektüre des hier besprochenen Buches auf. Die SPD hat so viele Stimmen eingebüßt, weil die arbeitenden, lesenden und denkenden Menschen immer mehr mit ihrer Vernunft erkennen, wessen Partner die SPD ist.  „Durch Verführtsein von dem Zeitgeist / Waldursprünglich Sansculotte / Sehr schlecht tanzend, doch Gesinnung…Kein Talent, doch ein Charakter.“ Heinrich Heine: Atta Troll Kaputt 24″.
Läßt man ihre Aussage Revue passieren, sie sei  Christin gewesen, bevor sie Sozialdemokratin geworden sei, so drängt sich einem ja völlig von selbst die Vermutung auf, dass sie sich in ihrem 20 semestrigen Politikstudium wohl mehr mit den Kirchenvätern Thomas von Aquin und Augustinus als mit Marx und Engels beschäftigt habe. „Den Seinen  gibt er´s schlafend, ist auf die Wissenschaft angewendet worden, und damit hat jeder Schlafende sich zu den Seinen gezählt, was er so im Schlafe der Begriffe bekommen, war denn freilich auch Ware danach.“ 22. Hegel sprach in diesem Zusammenhang vom „Brei des Herzens“ , vom einfachen Hausmittel des Gefühls.23. ( Ein ähnlich übles Machwerk ist das Buch von Oskar Lafontaine: Mein Herz schlägt links).In ihrer Analyse über das schlechte Wahlergebnis der SPD kommt Genossin Nahles zu dem Schluß, die SPD habe es zwischen 2003 und 2005 versäumt, die Menschen im Lande emotional anzusprechen. „Der amerikanische Psychologe Drew Westen bringt es auf den Punkt: Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“ 24. Wenn man den Schlußsatz  der Schrift von Friedrich Engels: „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“ bedenkt, dass die deutsche Arbeiterbewegung die Erbin der deutschen klassischen Philosophie sei 25. , so bringt die Bezugnahme auf einen dahergelaufenen us-amerikanischen Psychologen einmal mehr die intellektuelle Verwahrlosung der Frau Nahles auf den Punkt. Um nun sogleich in einem us-amerikanischen Slang zu bleiben, so sieht und begreift Nahles die SPD und sich als Dealerin mit dem Kapital, 147 Jahre habe die SPD mit dem Kapital einen erfolgreichen Deal betrieben zum Ausgleich und zum Wohl der kleinen Leute. Zum Wohl der kleinen Leute ? Durch diesen Deal ist doch Deutschland zweimal zum Ausgangspunkt eines Weltkrieges geworden zum Wohl von über 80 Millionen Toten. 1914 wurde mit Ausnahme von Karl Liebknecht mit dem Kapital um die Kriegskredite gedealt mit sehr großem Erfolg für das Kapital und es ist in der historischen Forschung ausgemacht, dass die Ergebnisse des ersten Weltkrieges bereits den Keim des zweiten in sich trugen. Bereits im März 1850 warnten Marx und Engels in der Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten, dass die demokratischen Kleinbürger den Arbeitern weit gefährlicher seien als  die liberalen Bourgeois von 1848 und dass eines ihrer Hauptanliegen die „Vertuschung des Klassenkampfes“ sei.26. Bei dem Deal der SPD mit dem Kapital, sprich: bei deren Arschkriecherei,  ist für die Werktätigen dann immer auch nur A.Nahles herausgekommen.

In ihrem Buch präsentiert sich Andrea einmal  als sozialdemokratische Barbiepuppe (….daß auch der Konsum von TV-Seifenopern den Menschen dabei helfe, „….sich in der Gesellschaft zu orientieren…und letztlich ihr individuelles Verhalten an den Normen einer gut funktionierenden Gesellschaft auszurichten.“ 27. – der Leser, der es nicht glaubt, schaue bitte auf S. 85 !! -), also liegt der Schlüssel zu einer guten Gesellschaft dann doch nicht nur in uns, sondern auch in Seifenopern. Dann aber auch wieder als Politikerin mit einem philosophischen Anspruch  und bekennt sich in dieser Hinsicht eindeutig zur Aufklärung, was nach dem Lob für Seifenopern aber nicht weit her sein kann. „Zurück zu Kant“ war und ist die Devise des Revisionismus und auch hier wieder ein Danke schön für die Offenherzigkeit: „Aus gutem Grund bin ich Sozialdemokratin und nicht Kommunistin. Mir liegt der aufklärerische Begriff der Emanzipation von selbstverschuldeter Unmündigkeit näher als die Idee einer kollektiven Zwangsbeglückung. Für mich ist das Anliegen der Aufklärung die Grundlage moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten.“ 28. Stellenweise fast wörtlich angelehnt an die Aufklärungsschrift von Kant aus dem Jahre 1783. Indeß ist fraglich, ob die katzenbuckelnde Haltung Kants gegenüber der Obrigkeit, der man bei Strafe 29. gehorchen muß, wirklich als Vorbild für Demokraten zu werten ist. Kant sah sich sehr vor, an dem Mechanismus von  Befehl und Gehorsam überhaupt zu rühren, der Bürger, der Offizier…usw. könne aber nach Dienstschluß als Feierabendphilosoph und Mitglied der weltbürgerlichen Gesellschaft  in Aufsätzen für Fachzeitschriften Verbesserungsvorschläge machen, wie ein Gelehrter, „…der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet.“ 30. Diese biedere Grundhaltung ist doch sehr angenehm für unsere sozialdemokratischen Käuzchen. Für Kant war die bürgerliche Republik ein Postulat der praktischen Vernunft, das man nie erreichen wird, das man aber als Ziel anstreben und in der Gesinnung festhalten soll.  31. Marx und Engels wiesen uns stets darauf hin, dass die Arbeiterklasse organisiert und bewaffnet sein müsse. „Die Bewaffnung des ganzen Proletariates mit Flinten, Büchsen, Geschützen und Munition muß sofort durchgesetzt, die Wiederbelebung  der alten, gegen die Arbeiter gerichteten, Bürgerwehr muß entgegengetreten werden.“ 32. Das ist die Grundlage „moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten“.

Wenn, wie hier, der seltene Fall vorliegt, dass eine Politikerin 20 Semester Politikwissenschaft im universitären Ghetto studiert hat, so erstaunt es schon, dass Blasius in seiner Buchbesprechung vom 11.1. 2010 in der FAZ nicht auf den Politikbegriff von Nahles eingeht, den sie durch ihr demokratisches Menschenbild geprägt sieht. Demokratisches Menschenbild ? Da haben wir wieder die Unfähigkeit, politische Zusammenhänge in Massen und Klassen zu denken.  Marx und Engels bemerkten in der „Heiligen Familie“, dass es sich nicht darum handele, was der einzelne Proletarier einstweilen denkt, sondern was das ganze Proletariat als Klasse gezwungen sein wird zu tun. Wieder ein fundamentaler sozialdemokratischer Fehler: Politik an ein Menschenbild zu koppeln und damit Politik als anthropologische Konstante zu kristallisieren frei nach dem Motto: wo Menschen sind gibt es auch Politik. Denkt man die Hauptlosung selbst der bürgerlichen Revolution: „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“ zu Ende, so ist diese im Kern politikfrei. „Alles fließt“, hinterließ der griechische Philosoph Heraklit der Nachwelt und so ist auch Politik, der zu keiner Zeit irgendein Menschenbild zugrunde lag, sondern die ökonomische Unterdrückung von Klassen durch Klassen, etwas historisch Vorübergehendes. Lenin lehrte uns, dass mit dem Staat auch die Demokratie abstirbt. Durch seinen ersten Manchesteraufenthalt (1842 – 1844) erkannte Friedrich Engels, dass Politik als etwas von der Ökonomie Ableitbares begriffen werden muss. Marx entwickelte diesen Gedanken weiter und schrieb der Politik im proletarischen Emanzipationskampf nur noch eine Sekundanzfunktion zu: „Die Revolution überhaupt, der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg.“ 33. Dieses Fortschleudern der Politik muß im marxistischen Bewußtsein immer präsent sein, sonst bekommen wir diese sozialdemokratischen Politschmarotzer nie vom Halse mit ihren Kathederweisheiten: „Jede Form von Politik ist geprägt durch das Menschenbild ihrer Akteure. In Demokratien ist es das Leitbild des rational handelnden, die Alternativen prüfenden und schließlich abwägend entscheidenden Staatsbürgers, das die Politik bestimmen sollte.“ 34. Je nach Bedarf scheint die Politikerin Nahles vor der Alternative zu stehen: rational handelnder Staatsbürger oder der Weisheit des us-amerikanischen Psychologen Drew Westen folgend: „Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“35. Des weiteren schreibt sie, daß Gott verrückt sei. Dann aber sind rational denkende Atheisten am besten geeignet zur Demokratie…usw…usf. Vor allem verbreitet sie auch über ihre Vertuschung des Klassenkampfes Illusionen über  eine Potenz der Politik, wirtschaftliche Prozesse nach ihren Vorgaben zu steuern, sie meint dieses natürlich nicht im Sinne einer sozialistischen Planwirtschaft. Diese angebliche Fähigkeit der Politik ist besonders in Wahlkämpfen ein sehr beliebtes Gaukelbild zum Stimmen- und Dummenfang. In einem kapitalistischen Staatshaushalt kommt es notwendig zur Staatsverschuldung, „…und mit der Staatsverschuldung nothwendig die Herrschaft des Staatsschuldenhandels, der Staatsgläubiger, der Bankiers, der Geldhändler, der Börsenwölfe.“ 36.

1. Andrea Nahles, Frau gläubig links, Pattloch Verlag 2009,236

2.a.a.O.,8

3.Vgl. W.I.Lenin, Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Progress Verlag Moskau 1975,582

4.Nahles.a.a.O.,8

5.Lenin, Zur Frage der Dialektik, Lenin Werke Band 38, 338f.

6. In diesem Zusammenhang ist auch die Kritik Marxens an Feuerbach interessant: Feuerbach bedenkt nicht, „…daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.“ (Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,7)

7. „Immer wenn ich von meinen täglichen politischen Auseinandersetzungen in eine Kirche komme oder bete, wird so einiges in meinem Kopf und in meiner Seele wieder gerade gerückt“ (S.103) Da haben wir die Jeanne d´Arc der SPD… und in der Tat muß einiges gerade gerückt werden: Schon rührend ist die Entblößung, wie sie zu ihrem gesellschaftlichen Engagement gekommen sei: durch einen Satz des früheren Bischofs von Limburg Franz Kamphaus: „Mache es wie Jesus, werde Mensch !“  August Bebel hatte tausend mal Recht mit seiner Aussage: „…jeder Religionslehrer ist ein Feind des wahren Fortschritts der Menschheit, er ist gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen, das ausgerottet werden muß.“  (August Bebel: Die moderne Kultur ist eine antichristliche, Alibri Verlag 2007,61) Die Dialektik der Geschichte hat nun diesen Verlauf genommen, daß heute die GESAMTE SPD gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen ist, das ausgerottet werden muß. Diese Versumpfung der deutschen Sozialdemokratie hatte schon Engels gegen Ende des 19.  Jahrhunderts festgestellt, als die Formel: „Erklärung der Religion zur Privatsache“ völlig verräterisch auch auf die Partei des revolutionären Proletariats ausgedehnt wurde. (Siehe seine Einleitung zum Bürgerkrieg in Frankreich). Die Partei verzichtete damit nach Lenin auf den Kampf gegen das volksverdummende Opium Religion. (Siehe Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960, 464)

8.Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorrede zur Rechtsphilosophie, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Bd. 7, Frankfurt am Main 1970, 15f. Dies gilt auch für „Marxisten“, die den Sozialismus nicht wie eine Wissenschaft studieren wollen, die meinen, es genüge sich zu bekennen. Brecht sagte, der Kommunismus ist das Einfache, das so schwierig zu machen sei.

9.Rainer Blasius: Maria hilft, Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1.2010.S.6

10. Nahles, a.a.O.,45

11.Marx Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983, 69

12.Nahles,S.54

13.a.a.O.,58

14.a.a.O.

15.Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1953, 11

16. Nahles,58

17.a.a.O.

18.a.a.O.,62

19. Vgl. Friedrich Engels, Anti-Dühring, in: Marx,Engels: Ausgewählte Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin 1972,221

20. Nahles,a.a.O.,66

21. Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, MEAW, Progress Verlag Moskau 1975,300

22. G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, Vorrede, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Band 7, Frankfurt am Main 1970, 18

23.a.a.O.,19

24.Nahles,a,a,O.,45

25.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21,307

26. Vgl. Karl Marx/Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in MEGA I,10. Dietz Verlag Berlin 1977, 254 ff. „Es kann sich für uns nicht um eine Veränderung des Privateigenthums handeln, sondern um seine Vernichtung, nicht um die Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um die Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um der Gründung einer neuen.“(S.258) Ein Musterbeispiel für die Vertuschung des Klassenkampfes findet der Leser auf S. 95: Der illegalen Bespitzelung der Arbeiter/innen durch die Kapitalisten will sie was entgegensetzen ? Nicht etwa die Bestrafung der Kapitalisten, sondern: wir müssen die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Sozialdemokratin möchte ich sehen, die bei Straftaten von Arbeiter/innen ebenfalls sagt: nicht bestrafen, sondern die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Kapitalisten haben völlige Straffreiheit, denn sie sind ja in der gesamtgesellschaftlichen Solidarität auch mit eingeschlossen. Die Vertuschung des Klassenkampfes durch Andrea Nahles läuft darauf hinaus, die Kapitalisten außerhalb des Gesetzes zu stellen. Asoziales ergänzt sich zu Asozialem.

27. Nahles, a.a.O., 85

28. a.a.O.,81

29. „…sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal  (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte) bestraft werden.“ Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung ?, in: Was ist Aufklärung, Reclam Verlag  Stuttgart 2008, 12

30. a.a.O.

31. Vgl. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,180

32. Karl Marx, Friedrich Engels, Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin, 1977,260

33.Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1,409

34. A. Nahles, a.a.O., 82

35.a.a.O., 45

36. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin, 1977,181

Andrea Nahles erwarb nach 20 Semestern Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm Universität in Bonn bei Professor Jürgen Fohrmann ihre Magistra artium. (Meisterin der freien Künste). Aber auch diese Meisterinnen sollten sich  an eine gewisse Disziplin des Denkens gebunden fühlen.

Heinz Ahlreip, 1.2.2010

Pipes Kommunismusbuch

22. Dezember 2009

Der Zusammenbruch der sich auf den Moskauer Leninismus beziehenden sozialpolitischen Gesellschaftssysteme, der, läßt man einmal das revolutionäre Albanien, das sich ja von ihm abgewandt hatte,  außen vor, 1991 abgeschlossen war, hat nicht nur sozial und weltpolitisch verheerende Auswirkungen gehabt, sondern auch ideologisch. Man war auf einmal zurückgeworfen auf das Gedankengut der bürgerlichen Aufklärung, die genuin mit dem radikalen Zweifel Descartes anhob. Dahin hat es diese bürgerliche Aufklärung gebracht, dass an allem zu zweifeln ist, nur nicht an der Fehlerhaftigkeit des egoistischen Menschen und dass er folglich zum Kommunismus nicht tauge, da der Egoismus eine anthropologische Konstante sei.  Diese konterrevolutionäre Doktrin steht eisern. Inzwischen aber hat sich gezeigt, dass die Verelendung der Weltbevölkerung trotz des Sturzes der kommunistischen Tyranneien zugenommen hat, daß der Imperialismus drauf und dran ist, die ganze Welt in einen einzigen blutigen Klumpen zu verwandeln (1.) und dass nur ausgenommen dumme und ausgenommen dreiste Menschen damals von blühenden Landschaften phantasieren konnten. Wer den Imperialismus mit einem menschlichen Anlitz maskiert, ist ein schäbiger Volksbetrüger und gehört versetzt, sagen wir, unter die Känguruhs nach Australien. Wenn also Professor Pipes 2001 eine Generalabrechnung mit dem Kommunismus vorlegt, so kann man sagen,das Buch kommt 10 Jahre zu spät (2.) In der Euphorie des die Kommune wie die Pest hassenden Bürgertums wäre es um die Jahreswende 1991/1992 noch verständlich gewesen. Es war immerhin der führende Kopfjäger der Roten Armee Fraktion, der Ex-BKA Chef Horst Herold, der 2000 zu der Einsicht kam, dass das Scheitern des Kommunismus Probleme hinterlassen habe, die zu seinem Entstehen geführt hätten. (3.) Pipes ist in der angelsächsischen Tradition ein Vertreter des common sense, des gesunden Menschenverstandes, und wir finden durch seine Kommunismuswiderlegung eine vortreffliche Bestätigung der Worte von Friedrich Engel, dass der gesunde Menschenverstand, „…ein so respektabler Geselle er auch in dem hausbackenen Gebiet seiner vier Wände  ist, er  ganz wunderbare Abenteuer erlebt, sobald er sich in die weite Welt der Forschung wagt…“(4.) Pipes bezeichnet Stalin als schizophren, wir werden am Ende der Buchbesprechung sehen, auf wen dies wirklich zutrifft.

Es ist wohl auch der angelsächsischen Tradition geschuldet, dass  Pipes eine recht bizarre, umständliche geistesgeschichtliche Ableitung des Marxismus offeriert, phantasiereich, aber undiszipliniert: der Marxismus gehe zurück auf Plato, Locke und Helvetius. Das klingt gelehrt, der Kern der Sache ist aber ein anderer: Im Selbstverständnis des Marxismus und auch objektiv richtig sind drei Quellen zu nennen: die klassische deutsche Philosophie, der französische radikale Sozialismus und die bürgerliche englische politische Ökonomie, die alle von Marx kritisch überwunden wurden. (5.) Pipes gleitet hier ab, weil er die Methode der immanenten Kritik mißachtet: sich in den Kreis der Stärke der Logik des Gegners zu stellen und diesen von innen heraus zu destruieren. Auf Lenins Schrift: „Drei Quellen und drei Bestandteile des Marximus“ geht Pipes nicht ein, das wäre aber die Bedingung gewesen, um die klassische deutsche Philosophie, den französischen Sozialismus und die englische politische Ökonomie durch Platonismus, Lockeanismus und durch die französische Aufklärung in Gestalt von Helvetius zu ersetzen. Vor allem der Materialist Helvetius hat es ihm angetan, ja er zeichnet ihn sogar als einen Vater der Oktoberrevolution: „In gewisser Hinsicht stellte der von Lenin im November 1917 in Russland errichtete kommunistische Staat ein grandioses Experiment in Sachen öffentliche Erziehung dar, das auf der Grundlage des von Helvetius entwickelten Modells versuchte, einen vollkommen neuen, von allen Übeln einschließlich dem vom Besitzstreben freien Menschen zu erschaffen.“ (6.) Also eine Art „Besserungstyrannei“.

Es ist beliebt, die Thematik des Kommunismus mit allgemeinen Reflexionen über die Gleichheit aller Menschen einzuleiten. Pipes deutet den Kommunismus Marx Engelscher Prägung als Schreckensszenario der Gleichheit aus, ohne aber überhaupt näher auf die Dialektik zwischen bürgerlicher und proletarischer Gleichheit einzugehen. (Dass die Aristokratie den Gleichheitsgedanken verwirft, versteht sich ja von selbst). Die französische Egalite von 1789 beinhaltete die politische Gleichheit in Form der Abschaffung von Klassenprivilegien, jedoch nicht die Abschaffung der Klassen selbst. Für den Bourgeois bedeutet letztere Abschaffung natürlich eine Gesellschaft der Uniformität, was sie mitnichten ist. Der Verdienst der materialistischen Dialektiker Marx und Engels besteht gerade darin, die ideologisch ins Überzeitliche verzeichnete Kategorie der Gleichheit klassenmäßig konkretisiert zu haben. Es ist bürgerliches Vorurteil, Gleichheit als ewige Wahrheit zu betrachten, selbst heute noch manchmal religiös verzerrt (vor Gott sind alle Menschen gleich und Gott ist von Ewigkeit zu Ewigkeit). Marx wies im „Kapital“ darauf hin, dass das bürgerliche Vorurteil sich erst recht in einer warenproduzierenden Gesellschaft verfestigt. „Das Geheimnis des Wertausdrucks, die Gleichheit und die gleiche Gültigkeit aller Arbeit, weil und insofern sie menschliche Arbeit überhaupt sind, kann nur entziffert werden, sobald der Begriff der menschlichen Gleichheit bereits die Festigkeit eines Volksvorurteils besitzt. Das ist aber erst möglich in einer Gesellschaft, worin die Warenform die allgemeine Form des Arbeitsprodukts, also auch das Verhältnis der Menschen zueinander als Warenbesitzer das herrschende gesellschaftliche Verhältnis ist.“ (7.) Nichts einfacher als die bornierte bürgerliche Gleichheitsideologie dem Kommunismus unterzuschieben. Indem aber die proletarische Revolution der menschlichen Arbeitskraft den Warencharakter nimmt, fällt auch der ganze bürgerliche Gleichheitsschwindel in sich zusammen.

Da Pipes aber in seinem ganzen Buch die Themen nur oberflächlich streift, kommt er auch zu einer völlig abwegigen Deutung des Kommunismus als religiöses Phänomen: „Die emotionale Wirkung dieser Lehre gleicht der von Religionen, insofern sie ihren Anhängern die unerschütterliche Überzeugung verleiht, dass, gleichgültig, wie viele Rückschläge sie auch erleiden, ihre Sache am Ende triumphieren muss.“ (8.) Das kann man natürlich schreiben, wenn man Marx die Feuerbach´sche Religionskritik unterschiebt. „Der Begriff der Verdinglichung bezeichnet die Vergegenständlichung (Konkretisierung) eines Abstraktums. Laut Ludwig Feuerbach nannte Marx als Beispiel dafür die Neigung des Menschen, alles, was er als gut und erstrebenswert erachtet, auf ein (nach Marx´ Auffassung) nicht existentes Wesen zu projizieren, dass er als „Gott“ bezeichnet.“ (9.) So sah es Feuerbach, Feuerbach hat bekanntlich seine Religionskritik nicht Karl Marx übereignet. Karl Marx hat in seinen Feuerbachthesen vielmehr kritisiert, das Feuerbach vom Abstraktum Mensch ausgeht und nicht zu den gesellschaftlichen Wurzeln des religiösen Übels durchdringt. Laut Karl Marx muss man die gesellschaftlichen Bedingungen verändern, aus denen Religionen gestiftet und produziert werden, gleich welche -ismen diese haben. „Feuerbach sieht daher nicht, daß das religiöse Gemüt selbst ein gesellschaftliches Produkt ist und daß das abstrakte Individuum, das er anaylisiert, einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.“ (10.)

Pipes gleitet auch am zweiten Kapitel seines Buches ab, in dem er den Leninismus abhandelt. Er beginnt mit einem zaristischen Ansatz und fängt die Hinleitung zum Leninsmus mit Peter dem Großen an, was originell erscheinen kann, gelänge der Übergang in die Thorie des Leninsmus. Aber von diesem zaristischen Ansatz kann Pipes sich nicht lösen, er verbleibt in einer längst überholten Geschichtsauffassung, dass große Männer Geschichte betreiben. So ist es nur folgerichtig, dass er die Theorie Lenins durch dessen Biografie ersetzt und der Leser nichts über den wissenschaftlichen Gehalt des Leninismus erfährt, die in ihm enthaltene Imperialismusanalyse, der Leninismus als Marxismus in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution, die Theorie des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande, die Lenin und Stalin gegen Trotzki durchsetzten. Im April 1924 hielt Josef Stalin Vorlesungen an der Swerdlow Universität über die Grundlagen des Leninismus, die auch als Broschüre, auch in englischer Sprache erschienen.(11.) In diesen Vorlesungen wird das Wesen des Leninismus in hervorragender Weise dargelegt. Auch hier geht Pipes nicht auf das Wesen der Sache ein, erwähnt diese Schrift nicht einmal, seine Widerlegung des Leninismus rutscht deshalb ins Lächerliche ab und läuft darauf hinaus, dass Lenin halt ein böser Mensch war.(12.) Das sind die Gelehrten, die nur über den Sachen sind, weil sie nicht in den Sachen sind. Folgt man der Geschichtsauffassung des reaktionären preußischen Historikers Treitschke, dass Männer Weltgeschichte machen, bleiben Überzeichnungen nicht aus, die bis ins Karikaturhafte gehen können. Das Lieblingswort Pipes ist in dieser Beziehung: inszenieren. Nicht nur soll Lenin den russichen Bürgerkrieg zwischen Roten und Weißen inszeniert haben(13.),  sondern er wollte auch einen Zweiten Weltkrieg anzetteln (14.). Es gehört zur Seriosität eines Historikers, objektive Tatsachen zu berücksichtigen, Klassen, Massen, einzelne Personen bewirken nichts. (15.) Das Ziel der arbeitenden Menschheit, der Weltgeschichte, des proletarischen Endkampfes liegt nach der Heroentheorie nicht an ihrem Ende, sondern in ihren Genies. Der Personenkult ist genuin volks- und massenfeindlich, als wäre das geniale Gehirn Lenins der Scheitelpunkt der kommunistischen Weltbewegung. Lenin wies  darauf hin, uns zu hüten, Revolution mit großen Buchstaben zu schreiben, in der Dialektik zwischen Kollektivität und historischer Persönlichkeit dominiert das Kollektiv.

Aber es geht noch flacher. In der wohl traurigsten Stelle des Buches geht Pipes auf das Verhältnis der Industriearbeiter zum Bauerntum ein, dass die Marxisten „das Bauerntum als eine kleinbürgerliche Klasse und somit als einen eingeschworenen Feind der Industriearbeiter“  betrachteten, „ungeachtet des Umstands, dass die Mehrheit der russischen Industriearbeiter aus Dörfern stammte und dorthin auch enge Beziehungen unterhielt.“ (16.) Bekanntlich zersetzte sich das „Bauerntum“ in Klein- und Mittelbauern und in Kulaken, die richtigen Beziehungen zu diesen drei Bauernklassen bezeichnete Lenin wiederholt als die Schlüsselfrage der Diktatur des Proletariats, wobei die freundschaftlichen Beziehungen zu den Kleinbauern der entscheidende Schlüssel war. Man kann zu Lenin weltanschaulich und menschlich stehen, wie man will, aber man wird anerkennen müssen, dass er eine Präzision in der Analyse der Klassen einer gegeben Gesellschaft an den Tag legte, die an Schärfe ihresgleichen sucht. Allein die quantitative Relation zwischen der relativ kleinen Schar der Industriearbeiter und den zahlenmäßig alles dominierenden Bauern hätte eine derartig martialische Politik ins Selbstmörderische getrieben. Hätten die Bolschewiki das Bauerntum wirklich als eingeschworenen Feind der Industriearbeiter betrachtet und behandelt, so stünde heute nach 85 Jahren kein Lenin Mausoleum mehr, wäre Stalin nicht über 30 Jahre Generalsekretär der KPdSU gewesen (17.) Die Völker sind nicht so dumm, wie Pipes meint. Der Sieg des Sozialismus im Großen Vaterländischen Krieg war gerade deshalb möglich, weil das Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern in der Roten Armee hielt.Warum ist zum Beispiel Fidel Castro ein halbes Jahrhundert anerkannter Führer der kubanischen Revolution ? Ein Volk läßt sich nicht ein halbes Jahrhundert lang betrügen ! Pipes hätte besser daran getan, sich vor der Niederschrift seines Buches einmal mit dem Begriff der Bauernschläue zu befassen. Dann wäre ihm folgende Peinlichkeit nicht unterlaufen: „Die Kollektivierung bedeutete für die Bauern einen Rückfall noch hinter den Status, den sie vor 1861 als Leibeigene innegehabt hatten.“ (18.) Vielleicht dachten die Nazis so und waren sich daher eines weiteren Bltzkriegsieges sicher.

Das Scheitern des sowjetischen Kommunismus, das im Grunde ein Scheitern des Revisionismus war, erklärt uns Pipes auf eine wirklich „originelle“ (19.) Art: „Der Niedergang des Systems setzte ein, als sich Stalins Nachfolger nach seinem Tod für Stabilität entschieden und die Bürger nicht länger die Notwendigkeit der ihnen abverlangten Opfer einsahen.“ (20.) Hier kommt das In-Szene-Setzen, das Inszenieren von Geschichte wieder ins Spiel: also im Gegnsatz zu Lenin und Stalin waren deren Nachfolger nicht mehr auf das Inszenieren von Geschichtskrisen aus, die allein Bürger duckmäuserisch hält. So entstand eine Atmosphäre der Apathie, in der am Ende selbst die sowjetische Elite den Zusammenbruch relativ gleichgültig hinnahm. „Der Kommunismus in Rußland hatte sich selbst verzehrt.“ (21.) Ein fürwahr vortrefflicher Satz ! (22.) Wenn man von dem Ausgangspunkt der Sowjetunion ausgeht, an dem Lenin die Sowjets als Keimformen des Absterbens jedes Staates bezeichnete, so ist vielmehr zu fragen, wie konnte es zu der Fehlentwicklung kommen, dass heute eine Diktatur der Sowjet-KGB-Mafia in Rußland existiert. Durch die Auflösung der Maschinen-Traktor-Stationen 1958 wurden ungeheure Mengen von Produktionsinstrumenten der Landwirtschaft in die Bahn der Warenzirkulation geworfen und diese Erweiterung des Wirkungsbereichs der Warenzirkulation ging bis zu dem Punkt, an dem ein Umschlag von Quantität in Qualität erfolgte- für das Proletariat in negativer, für die Bourgeoisie in positiver Hinsicht, insofern durch diese ökonomische Verschiebung das Wertgesetz auch wieder Regulator der Produktion wurde. Durch Überhandnehmen der Warenzirkulation aus der Kurve zum Kommunismus geschleudert, nahm die Lokomotive einen Kurs in Richtung Konsumismus, an dessen Ende sich die Staatsstreichgewinnler an ihren Gulaschhäppchen übergeben mußten.

1. „Das Geschäft mit dem Krieg kennt keine Krise“ lautet der Titel eines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.12.2009, S.19. Ein neues Wettrüsten hat das Waffengeschäft zu einem gewaltigen Wachstumsmarkt gemacht in einer gewaltigen globalen Rüstungsspirale. „Nach Berechnungen des Internationalen Instituts für Friedensforschung in Stockholm (Sipri) sind die Militärausgaben auf der Welt seit Ende der neunziger jahre um etwa 90 % gestiegen. Die Welt hat in einem seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gekannten Maß aufgerüstet…“ Dabei ist die deutsche Industrie nach den USA und Rußland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt, 70 % der deutschen Rüstungsproduktion gehen ins Ausland. Was sind denn das für interessante Früchte einer sog. „friedlichen Revolution“ ? Der ehemalige Offizier der US Marine, Christopher A. Preble bezeichnet in seinem Buch: „The Power Problem“ (Cornell University Press, Ithaca New York 2009,212 S.) die gegenwärtige us-amerikanische Militärstrategie als  größenwahnsinnig, die die Welt unsicher mache. Die US-Militärmaschine sei so gigantisch, dass nach immer neuen Kriegen gesucht werden muss. Washington könne heute wohl mehrere Kriege unterschiedlicher Intensität gleichzeitig führen. (siehe: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.1.2010,6)

2. In deutscher Sprache erschien es erst 2003 im Berliner Taschenbuch Verlag (Verlagsgruppe Random House). Pipes (geboren am 11. Juli 1923 in Cieszyn/Polen als Sohn eines Unternehmers) lehrte 46 Jahre an der Harvard Universität ( von 1950 bis 1996) und war an ihr von 1968 bis 1973 Direktor des Zentrums für russische Studien. Während des Kalten Krieges stand er einem Gremium von auswärtigen Experten namens Team B vor, das die strategischen Ziele und Kapazitäten der Sowjetunion für die CIA eruierte.

3.Vgl. Horst Herold, Die Lehren aus dem Terror, Süddeutsche Zeitung Nr 116, 30./31. Mai 2009, Seite 9

4. Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Marx Engels, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1953, 120

5. Siehe: Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, LW 18,576ff.

6. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,21

7. Karl Marx, Das Kapital, MEW 23, 74

8. Richard Pipes, Kommunsimus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,24. Man findet ein Seitenstück dazu bei bei Alexis de Tocqueville: Die französische Revolution ist selbst eine Art neue Religion geworden, die „…gleich dem Islam , die ganze Erde mit ihren Soldaten, ihren Aposteln und ihren Märtyrern überschwemmt hat.“( Alexis de Tocqueville, Der alte Staat und die Revolution, Kapitel: Die französische Revolution war eine politische Revolution, die in der Art religiöser Revolutionen verlief, in: rororo klassiker, Rowohlt Verlag Hamburg, 1969, 24) Indeß kam es doch auf ihrem Höhepunkt 1793/94 zu einer heftigen Entchristianisierungsbewegung.

9.a.a.O.,31

10.Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,7

11.J,W,Stalin, Über die Grundlagen des Leninmus, in: Stalin: Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin 1951, 9ff.

12.1926 wurde noch eine wichtige Schrift von Stalin verfasst: Zu den Fragen des Leninismus, in: Stalin: Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin 1951,134f.

13. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,65

14.a.aO.,79

15. Vgl. Lenin; Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, LW 24,47

16. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,71f.

17. Stalins Leichnam wurde nicht 1956 aus dem Leninmausoleum entfernt (siehe Pipes,114),  sondern erst 1961. Das ist ja gerade das Nachdenkenswerte, dass die Revisonisten aus Angst vor einem Volksaufstand Lenin noch 5 Jahre neben einem vom XX. Parteitag ausgewiesenen Verbrecher liegen ließen. Auch Pipes sieht Stalin gerne so, zum Beispiel als Mörder Kirows:“1934 fiel ein prominenter Bolschewik, der Sekretär der Leningrader Parteiorganisation Sergej Kirow, einem Attentat zum Opfer; obwohl die Umstände des Attentats niemals ganz geklärt wurden, deuten etliche Indizien auf Stalin als Drahtzieher des Mordes hin.“ (a.a.O.,93) Entweder, Herr Professor, nenen sie diese Indizien oder sie schweigen. Natürlich malt er die auf die Ermordung Kirows folgenden Säuberungen in den dunkelsten Farben, sieht sich aber immerhin zu der Angabe gezwungen, dass nur 1,4 % der Bevölkerung im Gulagsystem inhaftiert waren. Auch führt er, was für einen us-amerikanischen Professor lobenswert ist, richtig aus, dass die Sowjetunion die Hauptlast des Zweiten Weltkrieges zur Niederringung der Nazibarbaren zu tragen hatte. „Allein bei der Schlacht um Kiew im Sommer 1941 verloren 616 000 russische Soldaten ihr Leben, und die Offensive im Don-Becken zwei Jahre später forderte in den Reihen der Roten Armee 661 000 Opfer. Ausländische Wissenschaftler veranschlagen die sowjetischen Gesamtverluste im Zweiten Weltkrieg auf zwanzig Millionen Menschenleben…über das Dreifache der Verluste der Wehrmacht an der Ostfront (2,6 Millionen) . Von den rund fünf Millionen sowjetischen Soldaten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, starben zwischen 1,9 und 3,6 Millionen an Unterernährung, in Gaskammern oder bei Erschießungen.“ (a.a.O.,112f.) Zahlen, die den Kapitalismus anklagen, nicht den Kommunismus.

18.a.a.O.,91

19. Die Krisentheorie, dass autoritäre Regime Krisen zu ihrer Aufrechterhaltung benötigen, wird vertreten von Michail Heller und Aleksandr Nekrich: Utopia in Power: The History of the Sovjet Union from 1917 to the Present, New York 1986,201. Hier ist nun allerdings schon der Titel falsch, denn die Sowjetunion wurde erst 1922 gegründet.

20. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Tasenbuch Verlag 2003,86

21.a.a.O.,126. Wer hatte mit dem Zusammenbruch, mit dem Fall der Berliner Mauer zu diesem Zeitpunkt gerechnet ? Nicht einmal bei den gesellschaftswissenschaftlichen Experten war ein Hauch von Ahnung vorhanden. Dieser Zusammenbruch ist das am schwersten Fassbare im 20. Jahrhundert.

22.Eine kleine, aber nicht unwesentliche Unachtsamkeit unterläuft Pipes, wenn er doziert, daß die Sowjetunion für die Ewigkeit errichtet worden sei (a.a.O.,126). Lenin bezeichnete die Sowjets als Vorboten des Absterbens jedes Staates. (Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution,LW 24,72) Es scheint sich zu rächen, dass Pipes nach eigener Aussage in seiner Jugend nicht über die Sowjetunion nachgedacht hat. Die Sowjetunion ist nach der Pariser Kommune, die nach den Worten von Friedrich Engels schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr war, der zweite Staat, der mit der Intention seiner Aufhebung im Kommunismus gegründet wurde.

Aus der Tätigkeit des Volkskommissars Feliks Dzierzynski

1. Dezember 2009

Zwischen 1921 und 1924 gab es auf dem Gebiet der russischen Sowjets grosse Transportprobleme, Lenins Partei stellte den Genossen  Dzierzynski an die Spitze des Volkskommissariats für Verkehrswesen.

Abgesehen davon, daß es 1921 in weiten Gebieten eine Mißernte und eine Brennstoffkrise gab, Loks wurden mit Torf geheizt, und der technische Standard selbstredend sehr niedrig war, hatte der Bürgerkrieg zirka 80 Prozent des Eisenbahnnetzes zerstört, galt es, 4000 Eisenbahnbrücken, 59 Prozent der Loks und 23 Prozent der Waggons instand zu setzen. Der Vorsitzende der staatlichen Plankommission, Gleb M. Krshishanowski (1872 – 1959) sprach von „…regelrechten Friedhöfen zerstörter Waggons und Loks“. 1. Der Güterumschlag betrug 1920 nur 27,8 Prozent gegenüber 1913, es wurden nur 61 Loks und 129 Waggons gebaut. Die Handelsflotte war zu 82 Prozent zerstört. In dieser Situation ernannte das ZK der Kommunistischen Partei Felix Dzierzynski (1877 – 1926) zum Volkskommissar für Verkehrswesen.

Der erste Schritt zur Lösung der gigantischen Aufgabe bestand in der Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter/innen. Im Gouvernement Moskau wurde Dzierzynski Vorsitzender der Kommission zu Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter/innen.  Zunächst mußte genügend Wohnraum geschaffen werden. Aus den Kommunehäusern (Arbeiterwohnheime) wurden alle Bewohner exmittiert, die keine körperliche Arbeit leisteten. Sodann wurden alle Moskauer Lagerräume inspiziert, um alle nichterfaßten Besitzwerte zu beschlagnahmen und an die Arbeiter/innen zu verteilen. Während der Tätigkeit Dzierzynskis wurde die Lebensmittelversorgung der Arbeiter/innen des Verkehrswesens verbessert. Trotz großer Schwierigkeiten konnte das Plenum des ZK der Kommunistischen Partei im September 1923 die Löhne der Eisenbahner/innen erhöhen. In den besonders harten Wintermonaten 1922 fand man Dzierzynski in Sibirien. Der Volkskommissar verfügte u.a. , den Eisenbahnern unterwegs eine warme Mahlzeit zu verabreichen. Gleichzeitig mit ihm traf eine große Sendung von Winteruniformen in Sibirien ein, und persönlich bestellte er in Moskau Filzstiefel, Halbpelze, Mützen und Fausthandschuhe. Ohne diese sozialen Verbesserungen war an eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität nicht zu denken.

Während seiner Zeit in Moskau konnte man jeden Nachmittag von 3 bis 4 Uhr in die Sprechstunden des Volkskommissars kommen. Wir erinnern uns an die Perestroikazeit, in der uns hochtrabende Reden über allerlei Demokratismen, Transparenz, Demokratisierung der Strukturen etc gehalten wurden, nur gab es weder Volkskommissare noch Sprechstunden. An das arbeitende Volk haben die Perestroikaspitzbuben als allerletztes gedacht. Hingegen war die persönliche Beteiligung des Kommissars Dzierzynski an den Subbotniks (freiwillige Arbeitseinsätze) selbstverständlich. Er war viel unterwegs, zog es vor, sich an Ort und Stelle ein Bild zu machen. Eisenbahner, Seeleute, Hafenarbeiter, Verkehrskader waren in den nächsten Jahren seine Gesprächspartner. Dabei legte er die Überzeugungsmethode zugrunde. Einer der Leiter des Südbezirks schrieb später, wie Dzierzynski „…in seinem Eisenbahnwaggon die führenden Funktionäre zusammenrief und ihnen eine ganze Nacht lang Argumente darlegte, warum er das System der Verwaltung von Land-  und Wasserstraßen verändert wissen wollte.“ 2. Unnachsichtig kämpfte er gegen jede Erscheinungsform des Bürokratismus. Wohl oder übel mußte das Volkskommissariat abspecken – der Stellenplan des Verkehrswesens wurde von 1 725 000 im April auf 760 000 im Juni 1923 gekürzt. Breits im Dezember 1921 sprach Lenin auf dem IX. Sowjetkongreß davon, daß in diesem Jahre organisatorische Verbesserungen auf dem Gebiet des Verkehrswesens zweiffelos erreicht worden seien. Die Mängel im Verkehrswesen wurden durch die Kritk-Selbstkritik-Methode bekämpft, Fehler wurden nicht vertuscht. „Je klarer und je rascher wir alle unsere Mängel, die größten Versäumnisse und die Auswirkungen einer falschen Wirtsvhaftsführung erkennen, desto schneller werden wir sie beseitigen und positive Ergebnisse in unserer Arbeit erzielen können.“ 3.

Aller Tätigkeit wurde der internationale Klassenkampf zugrundegelegt. „Es gibt keine einzige Wirtschaftsfrage, die außerhalb der weltweiten Perspektive des Klassenkampfes gelöst werden kann.“4. Ohne kollektive Anstrengung (wie etwa bei den Subbotniks) hätte die junge Sowjetunion die gigantischen Probleme nach ihrer Geburt nie in den Griff bekommen. So wurden zum Beispiel 1921 bei der Petrograder Eisenbahn 1470 Subbotniks veranstaltet, an denen 175 000 Arbeiter/innen teilnahmen. Damals setzte die Sowjetunion nicht auf eine Handvoll internationaler Experten, wie zur Zeit der Perestroika, sondern auf kollektives Denken und Handeln ihrer Völker. Dzierzynski wußte, daß „…das kollektive Denken und Wollen, das kollektive Schöpfertum der Arbeiter selbst…zu einem neuen Faktor beispiellosen, gigantischen Wachstums von Industrie und Verkehrswesen werden“5. kann. Und so wurde selbst ein auf den ersten Blick von der Politik so entlegenes Gebiet wie das Verkehrswesen zu einer Kernfrage der Diktatur des Proletariats, des Zusammenwachsens von Arbeit in der Industrie und Arbeit auf dem Lande. „Der Kampf um die Erhöhung der Rentabilität des Verkehrswesens, um seine Arbeit ohne Defizitist…ein Kampf…um die Festigung des Bündnisses der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft…“ 6. Schon damals versuchten die Trotzkisten dieses Bündnis zu verhindern. Georgi Pjatakow (1890 – 1937) forderte wiederholt die Beteiligung ausländischen Kapitals im sowjetischen Verkehrswesen. Unter anderem wollte er die Waggonreparaturwerkstätten deutschen Firmen in Konzession geben. Diese zwielichtigen Vorschläge fanden im Volkskommissariat für Verkehrswesen kein Echo. „Jene Herren, die uns empfehlen, das ausländische Kapital an unseren Eisenbahnen zu beteiligen, haben in ihren tiefsten Innern nicht die Interessen der ökonomischen Entwicklung des Landes im Auge, sondern politische Interessen, die wir zurückweisen müssen.“ 7. Das sowjetische Verkehrssystem wurde weder dem ausländischen Kapital noch gemischten Gesellschaften ausgeliefert. Nicht ohne Stolz auf die geleistete Arbeit aller Werktätigen im Verkehrswesen konnte Dzierzynski 1924 verkünden: „Denkt daran, wie uns die ausländischen Wissenschaftler für die Eisenbahn prophezeiten, daß wir im März zugrunde gehen werden. Jetzt kommen sie alle an und können sich nicht genug darüber auslassen, wie in Rußland das Verkehrswesen in Gang gekommen ist. Die ausländischen Propheten fassen es nicht, was kollektiver Wille heißt, was es bedeutet, die eigenen Stellen behaupten zu wollen.“ 8.

Ich will den Leser nicht mit statistischen Erfolgsmeldungen überschütten, nur so viel: Wurden die Kosten im Verkehrswesen Ende 1922 noch zu vierzig Prozent durch Stützungen abgedeckt, so konnte im Wirtschaftsjahr 1923/24 auf sie verzichtet werden. Das Verkehrswesen war für den Staat in nur drei Jahren zu einem gewinnbringenden Wirtschaftszweig geworden. Im Oktober 1923 gab es eine Reserve von zirka 3 000 betriebsfähigen Loks.

Auf dem VI. Unionskongreß der Gewerkschaft der Schiffahrtsarbeiter/innen im Januar 1924 konnte Dzierzynski die Bilanz ziehen, daß der Seetransport seine Hauptaufgabe – den Getreideexport – 1923 erfolgreich gelöst hatte. Im gleichen Monat fand die XIII. Parteikonferenz der Kommunistischen Partei statt. Eine ihrer Resolutionen lautete:  „Das Verkehrswesen befindet sich in einer solchen Verfassung, daß es ohne besondere Schwierigkeiten allen Forderungen der Volkswirtschaft gerecht zu werden vermag.“ 9.

Der Marxismus relativiert die Bedeutung der großen historischen Persönlichkeiten, Volkskommissare haben revolutionäre Durchsetzungkraft durch die Beachtung des Prinzips der Kollektivität, der Überzeugung, der Mitarbeit an den Subbotniks, Dzierzynski ist ein Musterbeispiel hierfür.

1. Siehe G.M. Krshishanowski, Ausgewählte Schriften, Moskau 1957,425, russ.- Der sowjetische Transport 1917 – 1927, Moskau 1927, 229,russ.

2.Feliks Dzierzynski, Biografie, Dietz Verlag Berlin 1981, (Übersetzung aus dem Russischen, verfasst von einem Autorenkollektiv),327

3. Offizieller Teil des Boten des Verkehrswesenss, Nr. 342 vom 22.12.1923

4. siehe ZSAdO Leningrads, Fonds 98, Liste 1, Akte 2, Blatt 8; Fonds 1000, Liste 5, Akte 22, Blatt 1, in: Feliks Dzierzynski, Biografie, Dietz Verlag Berlin 1981, 333

5.siehe ZSAdO, Fonds 5474, Liste 5, Akte 447, Blatt 1, in Feliks Dzierzynski Biografie, Dietz Verlag 1981,351

6. Feliks Dzierzynski, Ausgewählte Werke Band 1,424

7.zit. in: Zofia Dzierzynska: jahr großer Kämpfe, Militärverlag DDR 1977,366 f.

8.Torgowo – Promyschlennaja Gaseta (Handels – und Industriezeitung), 20. Juli 1924

9. Die KpdSU in Resolutionen, Bd. II, 519

Wissenschaftsgeschichtliche Reflexionen zum Kommunismus

12. November 2009

Hätten die Philosophen vom Fach sich intensiver mit den Ausführungen von Friedrich Engels über die Triebkräfte der philosophischen Entwicklung auseinandergesetzt, wäre so mancher Irrweg erspart geblieben.  „Die Philosophen wurden aber…von Descartes bis Hegel und von Hobbes bis Feuerbach keineswegs, wie sie glaubten, allein durch die Kraft des reinen Gedankens vorangetrieben. Im Gegenteil, was sie in Wahrheit vorantrieb, das war namentlich der gewaltige und immer schneller voranstürmende Fortschritt der Naturwissenschaft und der Industrie.“ 1. Diesen Gedankengang von Engels fortsetzend spricht sich Lenin 1922 in den Anfängen der Sowjetmacht dafür aus, dass für die kommunistischen Materialisten das Bündnis mit den Vertretern der modernen Naturwissenschaft wichtiger sei als das mit der modernen Geisteswissenschaft. 2.

In der Tat, durchleuchten wir einmal den Zusammenhang der bürgerlichen sozial- und  geisteswissenschaftlichen Disziplinen mit ihren materiellen Voraussetzungen in der spätkapitalistischen bürgerlichen Gesellschaft, so hat die Ökonomie ihre Bedingung in der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, des Arbeiters und der Arbeiterinnen durch den Kapitalisten, die Wissenschaft von der Politik in der Unterdrückung der Werktätigen durch das Kapital, hier lohnabhängige Sklaven und Untermenschen, dort kapitalistische Herrenmenschen, die die Befehlsgewalt über die bis in den kleinsten menschlichen Knochen entfremdete Arbeit haben, womit wir bei der Soziologie angelangt sind, die sich erübrigen würde, gäbe es keine entfremdeten gesellschaftlichen Beziehungen mehr.

Und der Pfaffe segnet diese ganze Sklaverei als heilige Weltordnung ein. Gerade am Beispiel der Religionswissenschaften und dann auch der Philosophie, dieser angeblichen Krone wissenschaftlicher Schöpfungen 3. wird der Bedeutungswandel des geisteswissenschaftlichen Überbaus deutlich. Hand in Hand mit der Emanzipation der Völker geht der Niedergang der Geisteswissenschaften, der Abbau des Überbaus einher. Verfolgen wir kurz die Hauptzüge des Zerfalls: Die einst mächtigste geisteswissenschaftliche Disziplin, die Gebieterin der Philosophie war, hat sich zu einer immer rascher verschwindenden Spur verflogen. In der Theorie jedenfalls, in der Praxis haben die Pfaffen, solange es Kapitalismus gibt, überall ihr Händchen im Spiel, besonders in den Schulen besteht mittelalterliche Verdunklungsgefahr (was ja selbst nach den Gesetzen der BRD ein Haftgrund ist), in der Tat ist es kriminell, den Pfaffen Zutritt zu staatlichen Schulen zu gewähren, die im Kapitalismus einzig den bürgerlichen Wissenschaften dienen sollten, aber das ist ja die Crux, das blutsaugende Bürgertum kommt ohne die Verdummung der Volksmassen nicht aus. 4. Nach der russischen Februarrevolution 1917 suchte es zum Beispiel nach der Abdankung des Zaren Nikolaus Kontakt zu seinem Bruder Michail, um diesen als eine Art Vogelscheuche gegen die rote Flut aufzubauen, um reaktionäre Elemente zu binden. Heute beim Bürgertum revolutionäres Potential zu suchen käme einem Unterfangen gleich, bei einem Bordellwirt edle Charkterzüge zu entdecken. Als Ergebnis der 48er Revolution stellte bereits Friedrich Engels fest: „An die Massen zu appellieren hatte das Bürgertum 1848 verlernt; es fürchtete sie noch mehr als den Absolutismus. „5.

Der seit der Renaissance einsetzende Ablösungsprozess von mittelalterlichen Weltbildern und die Dominanzverschiebung zu einer neuen Herrin, zur Politik, mit einer neuen Selbstbestimmung der ganzen menschlichen Daseinsweise wird von Rousseau während seines Venedigaufenthaltes 1743 prägnant erfasst. Er erkannte, daß in Zukunft das Schicksal der Menschheit von der Politik bestimmt wird, wie bisher von Religion und Metaphysik. Es ist deshalb nur folgerichtig, daß Marat die Wissenschaft von der Politik für die wichtigste hielt, für Napoleon war die Politik eine unentrinnbare Schicksalsmacht. Aber während die Politik in ihrer bürgerlichen Sattheit noch schwelgt, höre auf den Gleichschritt der proletarischen Bataillone. Die seit dem Aufkommen der großen Industrie einsetzende Arbeiterbewegung intendiert die völlige Selbsterschöpfung der Politik durch die völlige Durchpolitisierung aller auf der ökonomischen Struktur beruhenden gesellschaftlichen Lebensbereiche. Die Dominanzverschiebung zur letzthin ohne politisch-juristischen Überbau am effektivsten sich steigernde materielle gesellschaftliche Produktion wird von Friedrich Engels durch seinen ersten Manchesteraufenthalt (1842 – 1844) mit großem Weitblick erahnt. Wurde durch Engels Politik endlich als etwas Ableitbares begriffen 6., so blieb ihr im proletarischen Emanzipationsprozess nur noch eine Sekundanzfunktion. „Die Revolution überhaupt, der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse ist ein politischer Akt. Ohne Revolution aber kann sich der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg.“ 7. Auf dieses Fortschleudern der Politik kommt alles an. Im Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus wird vielleicht die Humanmedizin die Sonne sein, um die die anderen Naturwissenschaften  kreisen , auch die Stellung von Musik und Kunst wird eine andere sein. Herrschaft über Menschen und politische Gesellschaftswissenschaften verhalten sich ebenso reziprok wie Anarchie und nur noch benötigter Naturwissenschaften. Erst hier wirklicher Freiraum und disponible time für Kunst und Musik.8. Bereits der erste große deutsche Theoretiker des Frühsozialismus, Wilhelm Weitling, sah für die Medizin in einer vom Geld befreiten Gesellschaft eine große Zukunft voraus, er setzte in seinem Zukunftsentwurf in den „Garantien der Harmonie und der Freiheit“ die philosophische Heilkunde an erster Stelle. Die größten Philosophen werden zugleich Ärzte und Sittenlehrer sein und Krankheiten werden immer mehr auf ein Minimum reduziert werden. Schon René Descartes, der Begründer der neuzeitlichen Philosophie, räumte der Medizin einen ganz hervorragenden Platz ein: „Denn selbst der Geist hängt so stark von der Leibesbeschaffenheit und der Anordnung der Organe des Körpers ab, daß, wenn es möglich ist, irgendein Mittel zu finden, das die Menschen allgemein weiser und befähigter macht, als sie es bis jetzt gewesen sind, dieses Mittel, wie ich glaube, in der Medizin zu suchen ist“. 9. Im der Staatsutopie von Morus „Vom besten Zustand des Staates und über die neue Insel Utopia“ ist die höchste Tugend die Wohltätigkeit, um „den Kummer der Mitmenschen zu lindern“.

In sexualwissenschaftlicher  Hinsicht hat sich gezeigt, daß im bürgerlichen Rahmen nur Pseudosexrevolutionen möglich sind, Heinrich Heines Gedanken von der „Emanzipation des Fleisches“, von der „Demokratie der Götter“ (die nicht arbeiten),  bleiben eine Utopie, aneinandergekettet sind Zinsertrag des Geldes und Fortpflanzungssexualität, Sklavennachwuchs und Altersvorsorge. Die Ehe ist eine besitzindividualistische Herrschaftsbeziehung. Ihre Wurzeln haben sich als historisch übermächtig erwiesen gegenüber den Versuchen am Ende der 60er Jahren, Kommunen zu gründen. In der Prostituion ist jene Sexualität gerade ausgeblendet, dafür herrscht nackte bare Zahlung. Gegenläufig nimmt im Sozialismus/Kommunismus die Bedeutung der Fortpflanzungssexualität ab, je mehr die Produktion ins Unendliche vermehrt werden kann. Wenn es denn zutrifft, was Hagen Koch und Peter Joachim Lapp in ihrem Buch: „Die Garde des Erich Mielke“ 10. darstellen, dass aus dem Wachregiment Feliks Dzierzynski Soldaten entfernt wurden, denen Homosexualität nachweisbar war, so wirft dies kein gutes Licht auf die DDR, das ist ohne Zweifel eine Diskriminierung und  Menschenrechtsverletzung. Erstens tappen diese ja viel weniger in eine Honigfalle (so bezeichnet man weibliche Lockvögel von feindlichen Geheimdiensten) und zweitens hätte das selbst Friedrich der sog. Große, der noch heute auf Beschluß der SED (!)  (wieder) als Reiterstandbild Unter den Linden prangt, ganz anders gesehen. Man mag dem aufgeklärten Monarchen historisch progressive Züge beilegen, ( lieber 3 x mit der Lupe hinsehen 11.), aber die sexuelle Orientierung ist ein elemantares Menschenrecht unabhängig von jeder historischen Konjunktur. Innermarxistisch ist das Gewichtigste die Forderung Marxens in den Feuerbachthesen, die Ehe zu vernichten. Bereits der utopische Sozialist Fourier wußte: „Die Zivilisation bewirkt, dass der Mensch in ewigem Kriegszustand mit seinesgleichen lebt und jede Familie der geheime Feind aller anderen Familien ist.“ 12.

Wie sollen auch Menschen heute frei sein, wenn sie in den nationalen Erziehungsanstalten von bürgerlichen Lehrern seelisch verkrüppelt werden: der Prolet soll nicht genießen, er ist zum Schuften da…und die leibfeindliche Tradition zählt in Jahrtausenden, lange vor dem Aufkommen des modernen Industrieproletariats. Für unsere europäische Tradition ist ausschlaggebend die Verdammung des antiken atheistischen und die weltlichen Freuden gutheißenden Philosophen Epikur durch den Kirchenvater Augustinus: Epikur sei ein zerrütteter Philosoph, dagegen kontrastiert Karl Marx, der Epikur den einzigen Heiligen im Kalender der Philosophen nannte. Für Feuerbach war die Geschlechtsliebe die höchste Form der Ausübung (s)einer neuen Religion. 13. Im Kapitalismus bleibt der Sexualkundeunterricht hinter der französischen Aufklärung zurück: „…als sei es eine Schande, Vergnügen zu empfinden und für sein Glück geschaffen zu sein.“ 14. Deutlich wird die Dekadenz des Bürgertums, das es selbst Gedankengut, das es einmal  gegen den Feudaladel gerichtet hat, heute als Herrschaftsbedrohung empfinden muss. 82 Jahre hat es zum Beispiel in der Entwicklung der französischen Bourgeosie gedauert, bis ein Umschlag von Quantität in Qualität erfolgte. Die Pariser Commune hat endgültig bestätigt, dass die Bourgeoisie aus einer fortschrittlichen Klasse zur Repräsentantin des Ancien Régimes geworden ist. 15. Es muß Ernst gemacht werden mit dem Gedanken, dass der Mensch für sein Glück geschaffen ist.

1. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21, 277. Es blieb dem im Katholizismus wurzelnden Philosophen Martin Heidegger vorbehalten,  göttlichen Romantizismus gegen die moderne Wissenschaft und Technik vorzutragen, 1949/50 im „Bremer Club“ und auf der Bühler Höhe vor führenden deutschen Industriellen: die „Raserei der modernen Techik“ führe zur Selbstzerstörung des Menschen.

2. Vgl. Lenin, Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus, Ausgewählte Werke, Progress Vlg. Moskau 1971,728 f. In dieser Schrift auch der fundamentale Hinweis, daß Revolutionäre nicht allein eine Revolution durchführen können, daher die Bündnissuche.(a.a.O.,724)

3.Die „Königin“ Philosophie ist vom Wertverfall der Geisteswissenschaften natürlich nicht ausgeschlossen, sie ist mittlerweile eine fast verstorbene Wissenschaft, Engels gab ihr Nutzen einzig auf dem Gebiet der formalen Logik und selbstredend der Dialektik. Die Philosophie sei aus Natur und Geschichte vertrieben, statt Zusammenhänge im Kopf auszudenken, komme es darauf an, sie in den Tatsachen zu entdecken. (Vgl. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21,306). Die kommunistische Gesellschaft wird keine philosophierende (oder: eine nicht so sehr philosophierende) Gesellschaft , sondern eine frei bewußt kollektiv produzierende sein. Was wir an künstlerischen, musikalischen und philosophischen Früchten in ihr zu erwarten haben, ist aus dem heutigen Sumpf der spätbürgerlichen Dekadenz heraus noch nicht auszumalen. Der Bedeutungswandel der Philosophie im Marxismus wird im Kontrast zur damals progressiven französischen Aufklärung deutlich: Fontenelle schwärmte von einer „Republik der Philosophen“ als staatlichem Ideal der Identität von Obrigkeit und Volk. Dieses Denken gehört mittlerweile der alten Weltordnung an, von einer Obrigkeit weiß die Kommunistin/der Kommunist nur insofern, als sie/ er sie abschaffen will, die kommunistische Gesellschaft ist keine Republik der Philosophen. Denn nach Marx ist bereits für Feuerbach Philosophie „…eine Form der Daseinsweise der Entfremdung…“ (Karl Marx: Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I,2 Dietz Verlag Berlin, 1982,400)

4.In den Schulen wird gegen den wissenschaftlichen Sozialismus gehetzt, der Aberglaube soll in den jungen Köpfen spuken. Anders kann es im kapitalistischen System gar nicht sein, der Gegensatz zwischen Lohnarbeit und Kapital wird als felsenfester Kristall der Weltgeschichte dargestellt. Die Lehrer stehen unter dem Einfluß der asozialen Kapitalisten, so dass die Schüler systematisch vom Allgemeinwohl abgelenkt werden  und die Vorurteile der Reichen verinnerlichen sollen.  So schon bei Morelly: „Ein ganzes Volk ist oft bestimmt, einige Sterbliche auf Kosten seiner Ruhe und seines Glücks zu beglücken. Man begünstigt alle Meinungen, alle Irrtümer, die es in dieser Herabwürdigung halten.“ (zit. in: Richard Saage: Politische Utopien der Neuzeit, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1991,84). Die Kommunisten entreißen die Erziehung dem Einfluß der herrschenden Klasse. (Vgl. Marx, Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983, 65).  „Natürlich vermittelte die ganze alte Schule, die durch und durch vom Klassengeist durchtränkt war, nur den Kindern der Bourgeoisie Kenntnisse. Jedes ihrer Worte war im Interesse der Bourgeoisie gefälscht. In diesen Schulen wurde die junge Generation der Arbeiter und Bauern nicht so sehr erzogen als vielmehr im Interesse eben dieser Bourgeoisie abgerichtet. Das Ziel ihrer Erziehung war, für die Bourgeosie brauchbare Diener heranzubilden, die ihr Profit bringen konnten , zugleich aber ihre Ruhe und Müßiggang nicht störten.“ (Lenin, Die Aufgabe der Jugendverbände, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,669). Sekundiert wird die geistige Verführung Minderjähriger in den Schulen durch die bürgerlich monopolisierten Massenmedien.

5.Friedrich Engels, Die Rolle der Gewalt in der Geschichte, MEW 21,431

6. In Manchester erkent er auch, dass sich die Arbeiterklasse nur SELBST befreien kann.

7.Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1, 409. In der Wirtschaftskommune von Eugen Dühring muss ein fundamentaler Fehler vorliegen, denn in seinem Entwurf einer zukünftigen glücklichen Gesellschaft wird neben der medizinischen Fakultät auch die juristische aufblühen. (Vergleiche Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, Werke Band 20, Dietz Verlag Berlin, 1960,300).

8. Einer der merkwürdigsten „wissenschaftsgeschichtlichen“ Einwände gab es gegen die öconomische Lehre von Karl Marx in einer deutsch-amerikanischen Zeitung. Marxens Ansicht, daß die Produktionsweise des materiellen Lebens den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt bedinge, sei stimmig für die heutige kapitalistische  Gesellschaft, im Mittelalter aber hätte der Katholizismus und in Athen und Rom die Politik geherrscht. Als ob Katholizismus und Politik schon jemals irgendjemand ernährt hätten.

9. René Descartes, Discours de la Méthode, Felix Meiner Verlag, Hamburg, 2011,109

10. Hagen Koch/ Peter Joachim Lapp: Die Garde des Erich Mielke, Helios Verlag 2008,122

11. Friedrich der II. kommt bei Marx und Engels ganz schlecht weg, Engels bezeichnet ihn als Teiler Deutschlands im Bunde mit dem Ausland, kurz; als Volksfeind. „Je vais, je crois, jouer votre jeu; si les as me viennent, nous partageron“ (ich glaube, ich werde euer Spiel spielen; bekomme ich die Asse, so teilen wir)- das waren Friedrichs Abschiedsworte an den französischen Gesandten (Beaurau), als er in seinen ersten Krieg zog.“ (Friedrich Engels, Die Rolle der Gewalt in der Geschichte, MEW 21,418f.) Selbst wenn man sich mit der Auffassung von Alexis de Tocqueville anfreundet, dass Friedrich der Große als Vorläufer der französischen Revolution zu betrachten sei, ja bereits als deren „Agent“, so bleibt zu fragen, ob das bereits hinreichend ist, ihn in einer Arbeiter- und Bauernrepublik zu huldigen. (Alexis de Tocqueville, Der alte Staat und die Revolution, rororo Klassiker Rowohlt Verlag Hamburg 1969,15)

12.Charles Fourier, Der Philosoph der Kleinanzeige, semele verlag berlin, 2006, 100

13. Vgl. Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21,283.So auch Fourier: Die Befriedigung der Lust sei der wahre Gottesdienst. (Vgl. Charles Fourier, Der Philosoph der Kleinanzeige, semele verlag berlin, 2006, 171)

14. La Mettrie, Der Mensch eine Maschine, Reclam 2007,50

15. Vergleiche Karl Marx, der Bürgerkrieg in Frankreich, in: Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1975,321