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Andrea Nahles…mein zweiter Name ist Maria…da weitere Verwahrlosung droht

1. Februar 2010

„Und die SPD muß wieder Demokratie wagen…“ 1.

„Jeder für sich, Gott für uns alle“ ist eine bei Lehrern beliebte  Floskel, um dem Abschreiben bei Klassenarbeiten vorzubeugen. Im Pattloch Verlag erschien Ende 2009 ein Buch der amtierenden Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles, das einem wie eine Sammlung von Schulaufsätzen vorkommt: „Frau, gläubig, links. Was mir wichtig ist.“ Schon im Vorwort beginnt die Tochter eines Maurermeisters mit einem dicken Patzer, indem sie dem deutschen Volk aufschwatzen will: wir brauchen Parteien. „Für mich jedenfalls gehören die Parteien nach wie vor zu den wichtigsten Instrumenten des Wandels.“ 2. Mann/Frau fragt sich natürlich zu welchem Wandel ?  Schon mit ihrer Ausgangslage, dass Parteien existieren müssen, bindet sie sich so fest an den Kapitalismus, der dann auch im ganzen Buch in keiner Weise in Frage gestellt wird. Rein logisch ist zunächst zu fragen, inwiefern denn reaktionäre, faschistische und konservativ-beharrende Parteien welchen Wandel fördern ? Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass in der heutigen spätkapitalistischen Gesellschaft die Volksmassen in Klassen geteilt sind, und dass diese Klassen von Parteien geführt, die wiederum von den intelligentesten und autoritativsten Politikern geführt werden. 3. Und im Wandel von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaft hebt die revolutionäre Arbeiterpartei durch die Volksmassen die Klassen, damit die Parteien und auch sich selbst auf. Die ideologische Akzeptanz einer Parteienpluralität durch die Arbeiterklasse käme einer Verewigung ihrer ökonomischen Knechtschaft gleich. Die dialektische Anlage zur Selbstnegation ist denn auch das Schiboleth, an dem sich revolutionäre und konterrevolutionäre Parteien scheiden.

Der Ansatz von Andrea Nahles, die in Bonn neben Germanistik allerdings Politikwissenschaft studiert hat, ist ein subjektivistischer, wie denn überhaupt alle kleinbürgerlichen Parteien stets einen solchen haben: der Mensch, ja der Mensch. „…weil ich glaube (!!), dass wir den Schlüssel zu einer guten Gesellschaft nur(!!) in uns selbst finden können.“ 4. Glauben ist eine Sache, Gesellschaftswissenschaft eine andere. Die Gesellschaft entwickelt sich bekanntlich nach den drei dialektischen Grundgesetzen: Einheit und Kampf der Gegensätze (Bourgeoisie/ Proletariat), Umschlag von Quantität in Qualität, Abbrechen der Allmählichkeit, revolutionäre Sprünge und Negation der Negation (staatenlose Urgesellschaft, Gesellschaften, die auf verschiedenen Formen des Privateigentums an Produktionsmitteln beruhen, und Sozialismus/Kommunismus). Bei der adialektischen Betrachtungsweise der Bewegung  “ bleibt die Selbstbewegung, ihre treibende Kraft, ihre Quelle, ihr Motiv im Dunkel (oder diese Quelle wird nach außen verlegt – Gott, Subjekt etc.)“ 5. Da nun Andrea Nahles obendrein noch gläubig ist, bedankt sich die Arbeiterklasse für diesen himmlischen Schlüssel, für diese himmlische Segnung.  Der Kleinbürger macht gerade vor der objektiven Dialektik der Selbstbewegung halt und verfällt in Subjektivismus, aus dem heraus er den Widerspruch vergöttlicht. (Was Marx schon bei Proudhon feststellte).  „Die ersten Sätze des Godesberger Programms üben auf mich wie auf Hunderttausende andere Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten nach wie vor eine starke Anziehungskraft aus: „Das ist der Widerspruch unserer Zeit, dass der Mensch die Urkraft des Atoms entfesselte und sich jetzt vor den Folgen fürchtet…“ 5. Und so geht es im Godesberger Programm weiter:,,,dass der Mensch. dass der Mensch…Auch im am 20. Dezember 1989 verabschiedeten Berliner Grundsatzprogramm der SPD findet Nahles das schönste Bekenntnis zur Demokratie, das ihr „…in der sonst ja oft drögen politischen Sprache jemals begegnet ist: Der Mensch weder zum Guten noch zum Bösen festgelegt, ist lernfähig und vernunftfähig. Daher ist Demokratie möglich…“ Das alles ist mehr als erbärmlich und ein Armutszeugnis 6., nicht der Mensch macht Geschichte, oder soganannte große Männer und Frauen, sondern die Volksmassen, die Volksklassen und die treibende Kraft ist die Arbeiterklasse. Andrea Nahles geht als gläubige Katholikin noch heute regelmäßig in die Kirche und in der Onanie inniger Gebete kommt es dann wohl zu diesen abstrusen weltfremden Gedankenergüssen.7. Hegel führt in der Vorrede zur Rechtsphilosophie aus, dass man von der Natur zugebe, dass Gesetze in ihr regieren, dass man aber über die Gesellschaft, so wie man gerade gehe und stehe, den Stein der Weisen schon in der Tasche habe 8….und, fügen wir hinzu, den Schlüssel in sich. Der sozialdemokratische Revisionismus kommt immer wieder auf die anthropologische Fragestellung Kants zurück: Kant gab dem Philosophieren vier Fragen vor: Was kann ich wissen ? Was darf ich tun ? Was soll ich hoffen ? Und in unserer Fragestellung vor allem: Was ist der Mensch ? Da liege ja der Schlüssel, würde Andrea Nahles sagen. Rainer Blasius begeht in seiner sehr oberflächlichen Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1. 2010 (9.) den Fehler, den subjektivistischen Ansatz von Nahles nicht zu erkennen, so sagt er zwar einerseits ganz richtig, sie verbreite allgemeine Botschaften („Die Menschen wollen Sinn und nicht Spin“ 10.), findet aber gerade die biografischen Einblicke interessant, die sie gibt. Nicht darum geht es, sondern um ihre christlich-linkssozialdemokratische Botschaft, dass es immer Arme geben werde und dass es immer Einkommensunterschiede geben soll. Das sehen die Armen natürlich ganz anders. Unter der Diktatur der Arbeiterklasse herrscht gleicher Arbeitszwang für alle 11. und zur Besserung gehört die Generalsekretärin der SPD in ein Arbeitskollektiv, damit sie zur Lösung gesellschaftswissenschaftlicher Schlüsselfragen gelangt. Der Aktenvermerk müßte lauten: …da weitere (subjektivistische) Verwahrlosung droht.

Diese intellektuelle Verwahrlosung wird nun gerade auch und besonders im Kapitel: „Von der Würde der Arbeit“ sichtbar. Mit dem Slogan „Gute Arbeit für guten Lohn“ ging schon der frühere Arbeitsminister Olaf Scholz im letzten Bundestagswahlkampf betteln und hausieren. Nahles bekundet zunächst, daß das Wissen um den Wert der Arbeit „….tief in mir verwurzelt ist.“ 12. Aber ist dieses Wissen auch richtig ? Wissenschaftlich richtig muß es heißen: Wert der Arbeitskraft, aber das nur nebenbei. Selbstkritisch gibt sie zu, daß sich Sozialdemokraten zu wenig um die Bedingungen kümmern, „…unter denen die Menschen tagtäglich ihr Brot verdienen.“ 13. Ja was mögen denn das für Bedingungen sein !? Sie zitiert das Hamburger Programm der SPD: „Arbeit gehört zum menschenwürdigen Leben, aber sie muß auch menschenwürdig sein. (soweit das Programm/H.A…ja hier kreist der abstrakte Mensch wieder in sich.) Weiter sagt sie: „Schlichter als im Hamburger Programm kann man es nicht ausdrücken.“ 14. Ja, das ist schlicht und ergreifend —falsch !!, denn menschenwürdige Arbeit kann es unter kapitalistischen Bedingungen nicht geben. Wie alle kryptofaschistischen Parteien huldigt auch die SPD einem Kult der Arbeit und der Disziplin, der ideologisch das Privateigentum an Produktionsmitteln zementiert. Marx sah diesen Fehler schon im Gothaer Programm von 1875, die SPD hat also 135 Jahre !!! Zeit gehabt, den Fehler zu korrigieren. Im Gothaer Programm lag eine abstrakte Trennung von menschlicher Arbeitskraft und den kapitalistischen Bedingungen ihrer Anwendung vor, dass nämlich die Arbeiter/innen außer ihren eigenen Arbeitskräften kein Eigentum an den Produktionsbedingungen besitzen: „…denn gerade aus der Naturbedingtheit der Arbeit folgt, daß der Mensch, der kein anderes Eigentum besitzt als seine Arbeitskraft, in allen Gesellschafts- und Kulturzuständen der Sklave der anderen Menschen sein muß, die sich zu Eigentümern der gegenständlichen Arbeitsbedingungen gemacht haben. Er kann nur mit ihrer Erlaubnis arbeiten, also nur mit ihrer Erlaubnis leben.“15. Aus dem kleinbürgerlich verkürzten Arbeitsbegriff der SPD resultieren dann alle schlichten Fehler, die Nahles naiv aneinanderreiht: „Arbeit öffnet dem Einzelnen (nanu ? gibt es keine Arbeiterklasse ? /H.A.) die Türen zur vollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“ 16..muß heißen: zur lohnabhängigen Teilnahme am kapitalistischen Ausbeutungsprozess.  „Arbeit …ermöglicht den Wohlstand unserer (!?) Gesellschaft.“ 17…muß heißen: den ständig steigenden Wohlstand der kapitalistischen Klasse. Oder hat sich die menschgewordene Jesuitin (siehe Anmerkung 7) nicht mit der Weisheit des Volksmundes beschäftigt, dass die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden ? „Für mich heißt das Ziel nach wie vor Vollbeschäftigung.“ 18.Das ist aber nicht das Ziel der Arbeiterbewegung, sondern die volle Emanzipation der Arbeitskraft von ihrem Warencharakter, wie Engels im Anti-Dühring schrieb.19. Man muß Frau Nahles aber auch dankbar sein für dieses Buch, ich halte es für ein Musterbeispiel, wie sich die SPD als Arzt am Krankenbett des Kapitalisten profilieren möchte. Sie wolle für die gesellschaftliche Integration durch Arbeit, die bekanntlich frei macht,  kämpfen, also den Lohnsklaven bis zur Vergasung an das kranke marode krisengeschüttelte kapitalistische System binden. Man muß auch immer fragen: wo hinein soll denn integriert werden ? Ein staatliches Basiseinkommen lehne sie ab, stattdessen plädiere sie für eine Neubestimmung des Sozialstaates,“…der individuelle Erwerbsbiografien partnerschaftlich begleitet..“20. Über das Wesen des Staates ist von und über Aristoteles, Platon, Hobbes, Kant, Hegel, Marx und Lenin…u.a.  viel Tiefsinniges geschrieben worden, aber noch keine/r kam auf die Naivität, ihn als Partner zu bezeichnen. Das ist ja gerade die Tragik in der Antigone von Sophokles.  Die lesenden Arbeiter und Arbeiterinnen, die lesenden Bauern und Bäuerinnen, letztere läßt Nahles in gut menschewistischer Tradition außer Acht, finden bei Karl Marx die zentrale Deutung des neuzeitlichen bürokratischen Staates als eines nationalen Kriegswerkzeugs des Kapitals gegen die Arbeit 21…oder ist etwa nicht wahr, dass die Ermordung der Arbeiterführer Liebknecht und Luxemburg durch die Reichswehr nur mit partnerschaftlicher Beihilfe der Berliner SPD erfolgen konnte…oder ist etwa nicht wahr, daß die SPD durch ein von „Genosse“ Hörsing 1921 organisiertes Polizeimassaker  der Ermordung von über 150 Leuna Arbeitern präsidierte (die unter der Parole kämpften: „Dass unsere Wohnstätte kein Gelände der Konterrevolution wird)…oder ist etwa nicht wahr, dass der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin Zörrgibel 1929 partnerschaftlich auf eine unbewaffnete 1.Mai Demonstration schießen ließ mit über 30 Toten und Hunderte Verletzte…oder ist etwa nicht wahr, dass unter der Federführung des von Nahles angehimmelten Willy Brandt Zehntausende von fortschrittlichen Lehrern partnerschaftlich unter das Berufsverbot gesetzt wurden, also erst gar keine Erwerbsbiografie beginnen konnten, damit mittelalterliche Dunkelmänner in den Schulen weiterhin Minderjährige geistig verführen. Als Nazikolonnen am 31. Januar 1933 triumphierend durch das Brandenburger Tor marschierten, sagte der Maler Max Liebermann: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen muß. Das Gleiche stößt einem bei der Lektüre des hier besprochenen Buches auf. Die SPD hat so viele Stimmen eingebüßt, weil die arbeitenden, lesenden und denkenden Menschen immer mehr mit ihrer Vernunft erkennen, wessen Partner die SPD ist.  „Durch Verführtsein von dem Zeitgeist / Waldursprünglich Sansculotte / Sehr schlecht tanzend, doch Gesinnung…Kein Talent, doch ein Charakter.“ Heinrich Heine: Atta Troll Kaputt 24″.
Läßt man ihre Aussage Revue passieren, sie sei  Christin gewesen, bevor sie Sozialdemokratin geworden sei, so drängt sich einem ja völlig von selbst die Vermutung auf, dass sie sich in ihrem 20 semestrigen Politikstudium wohl mehr mit den Kirchenvätern Thomas von Aquin und Augustinus als mit Marx und Engels beschäftigt habe. „Den Seinen  gibt er´s schlafend, ist auf die Wissenschaft angewendet worden, und damit hat jeder Schlafende sich zu den Seinen gezählt, was er so im Schlafe der Begriffe bekommen, war denn freilich auch Ware danach.“ 22. Hegel sprach in diesem Zusammenhang vom „Brei des Herzens“ , vom einfachen Hausmittel des Gefühls.23. ( Ein ähnlich übles Machwerk ist das Buch von Oskar Lafontaine: Mein Herz schlägt links).In ihrer Analyse über das schlechte Wahlergebnis der SPD kommt Genossin Nahles zu dem Schluß, die SPD habe es zwischen 2003 und 2005 versäumt, die Menschen im Lande emotional anzusprechen. „Der amerikanische Psychologe Drew Westen bringt es auf den Punkt: Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“ 24. Wenn man den Schlußsatz  der Schrift von Friedrich Engels: „Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie“ bedenkt, dass die deutsche Arbeiterbewegung die Erbin der deutschen klassischen Philosophie sei 25. , so bringt die Bezugnahme auf einen dahergelaufenen us-amerikanischen Psychologen einmal mehr die intellektuelle Verwahrlosung der Frau Nahles auf den Punkt. Um nun sogleich in einem us-amerikanischen Slang zu bleiben, so sieht und begreift Nahles die SPD und sich als Dealerin mit dem Kapital, 147 Jahre habe die SPD mit dem Kapital einen erfolgreichen Deal betrieben zum Ausgleich und zum Wohl der kleinen Leute. Zum Wohl der kleinen Leute ? Durch diesen Deal ist doch Deutschland zweimal zum Ausgangspunkt eines Weltkrieges geworden zum Wohl von über 80 Millionen Toten. 1914 wurde mit Ausnahme von Karl Liebknecht mit dem Kapital um die Kriegskredite gedealt mit sehr großem Erfolg für das Kapital und es ist in der historischen Forschung ausgemacht, dass die Ergebnisse des ersten Weltkrieges bereits den Keim des zweiten in sich trugen. Bereits im März 1850 warnten Marx und Engels in der Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten, dass die demokratischen Kleinbürger den Arbeitern weit gefährlicher seien als  die liberalen Bourgeois von 1848 und dass eines ihrer Hauptanliegen die „Vertuschung des Klassenkampfes“ sei.26. Bei dem Deal der SPD mit dem Kapital, sprich: bei deren Arschkriecherei,  ist für die Werktätigen dann immer auch nur A.Nahles herausgekommen.

In ihrem Buch präsentiert sich Andrea einmal  als sozialdemokratische Barbiepuppe (….daß auch der Konsum von TV-Seifenopern den Menschen dabei helfe, „….sich in der Gesellschaft zu orientieren…und letztlich ihr individuelles Verhalten an den Normen einer gut funktionierenden Gesellschaft auszurichten.“ 27. – der Leser, der es nicht glaubt, schaue bitte auf S. 85 !! -), also liegt der Schlüssel zu einer guten Gesellschaft dann doch nicht nur in uns, sondern auch in Seifenopern. Dann aber auch wieder als Politikerin mit einem philosophischen Anspruch  und bekennt sich in dieser Hinsicht eindeutig zur Aufklärung, was nach dem Lob für Seifenopern aber nicht weit her sein kann. „Zurück zu Kant“ war und ist die Devise des Revisionismus und auch hier wieder ein Danke schön für die Offenherzigkeit: „Aus gutem Grund bin ich Sozialdemokratin und nicht Kommunistin. Mir liegt der aufklärerische Begriff der Emanzipation von selbstverschuldeter Unmündigkeit näher als die Idee einer kollektiven Zwangsbeglückung. Für mich ist das Anliegen der Aufklärung die Grundlage moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten.“ 28. Stellenweise fast wörtlich angelehnt an die Aufklärungsschrift von Kant aus dem Jahre 1783. Indeß ist fraglich, ob die katzenbuckelnde Haltung Kants gegenüber der Obrigkeit, der man bei Strafe 29. gehorchen muß, wirklich als Vorbild für Demokraten zu werten ist. Kant sah sich sehr vor, an dem Mechanismus von  Befehl und Gehorsam überhaupt zu rühren, der Bürger, der Offizier…usw. könne aber nach Dienstschluß als Feierabendphilosoph und Mitglied der weltbürgerlichen Gesellschaft  in Aufsätzen für Fachzeitschriften Verbesserungsvorschläge machen, wie ein Gelehrter, „…der sich an ein Publikum im eigentlichen Verstande durch Schriften wendet.“ 30. Diese biedere Grundhaltung ist doch sehr angenehm für unsere sozialdemokratischen Käuzchen. Für Kant war die bürgerliche Republik ein Postulat der praktischen Vernunft, das man nie erreichen wird, das man aber als Ziel anstreben und in der Gesinnung festhalten soll.  31. Marx und Engels wiesen uns stets darauf hin, dass die Arbeiterklasse organisiert und bewaffnet sein müsse. „Die Bewaffnung des ganzen Proletariates mit Flinten, Büchsen, Geschützen und Munition muß sofort durchgesetzt, die Wiederbelebung  der alten, gegen die Arbeiter gerichteten, Bürgerwehr muß entgegengetreten werden.“ 32. Das ist die Grundlage „moderner Gesellschaften und demokratischer Staaten“.

Wenn, wie hier, der seltene Fall vorliegt, dass eine Politikerin 20 Semester Politikwissenschaft im universitären Ghetto studiert hat, so erstaunt es schon, dass Blasius in seiner Buchbesprechung vom 11.1. 2010 in der FAZ nicht auf den Politikbegriff von Nahles eingeht, den sie durch ihr demokratisches Menschenbild geprägt sieht. Demokratisches Menschenbild ? Da haben wir wieder die Unfähigkeit, politische Zusammenhänge in Massen und Klassen zu denken.  Marx und Engels bemerkten in der „Heiligen Familie“, dass es sich nicht darum handele, was der einzelne Proletarier einstweilen denkt, sondern was das ganze Proletariat als Klasse gezwungen sein wird zu tun. Wieder ein fundamentaler sozialdemokratischer Fehler: Politik an ein Menschenbild zu koppeln und damit Politik als anthropologische Konstante zu kristallisieren frei nach dem Motto: wo Menschen sind gibt es auch Politik. Denkt man die Hauptlosung selbst der bürgerlichen Revolution: „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit“ zu Ende, so ist diese im Kern politikfrei. „Alles fließt“, hinterließ der griechische Philosoph Heraklit der Nachwelt und so ist auch Politik, der zu keiner Zeit irgendein Menschenbild zugrunde lag, sondern die ökonomische Unterdrückung von Klassen durch Klassen, etwas historisch Vorübergehendes. Lenin lehrte uns, dass mit dem Staat auch die Demokratie abstirbt. Durch seinen ersten Manchesteraufenthalt (1842 – 1844) erkannte Friedrich Engels, dass Politik als etwas von der Ökonomie Ableitbares begriffen werden muss. Marx entwickelte diesen Gedanken weiter und schrieb der Politik im proletarischen Emanzipationskampf nur noch eine Sekundanzfunktion zu: „Die Revolution überhaupt, der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf. Wo aber seine organisierende Tätigkeit beginnt, wo sein Selbstzweck, seine Seele hervortritt, da schleudert der Sozialismus die politische Hülle weg.“ 33. Dieses Fortschleudern der Politik muß im marxistischen Bewußtsein immer präsent sein, sonst bekommen wir diese sozialdemokratischen Politschmarotzer nie vom Halse mit ihren Kathederweisheiten: „Jede Form von Politik ist geprägt durch das Menschenbild ihrer Akteure. In Demokratien ist es das Leitbild des rational handelnden, die Alternativen prüfenden und schließlich abwägend entscheidenden Staatsbürgers, das die Politik bestimmen sollte.“ 34. Je nach Bedarf scheint die Politikerin Nahles vor der Alternative zu stehen: rational handelnder Staatsbürger oder der Weisheit des us-amerikanischen Psychologen Drew Westen folgend: „Die Vernunft ist der Sklave des Gefühls, nicht andersherum.“35. Des weiteren schreibt sie, daß Gott verrückt sei. Dann aber sind rational denkende Atheisten am besten geeignet zur Demokratie…usw…usf. Vor allem verbreitet sie auch über ihre Vertuschung des Klassenkampfes Illusionen über  eine Potenz der Politik, wirtschaftliche Prozesse nach ihren Vorgaben zu steuern, sie meint dieses natürlich nicht im Sinne einer sozialistischen Planwirtschaft. Diese angebliche Fähigkeit der Politik ist besonders in Wahlkämpfen ein sehr beliebtes Gaukelbild zum Stimmen- und Dummenfang. In einem kapitalistischen Staatshaushalt kommt es notwendig zur Staatsverschuldung, „…und mit der Staatsverschuldung nothwendig die Herrschaft des Staatsschuldenhandels, der Staatsgläubiger, der Bankiers, der Geldhändler, der Börsenwölfe.“ 36.

1. Andrea Nahles, Frau gläubig links, Pattloch Verlag 2009,236

2.a.a.O.,8

3.Vgl. W.I.Lenin, Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus, Progress Verlag Moskau 1975,582

4.Nahles.a.a.O.,8

5.Lenin, Zur Frage der Dialektik, Lenin Werke Band 38, 338f.

6. In diesem Zusammenhang ist auch die Kritik Marxens an Feuerbach interessant: Feuerbach bedenkt nicht, „…daß das abstrakte Individuum, das er analysiert, einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.“ (Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,7)

7. „Immer wenn ich von meinen täglichen politischen Auseinandersetzungen in eine Kirche komme oder bete, wird so einiges in meinem Kopf und in meiner Seele wieder gerade gerückt“ (S.103) Da haben wir die Jeanne d´Arc der SPD… und in der Tat muß einiges gerade gerückt werden: Schon rührend ist die Entblößung, wie sie zu ihrem gesellschaftlichen Engagement gekommen sei: durch einen Satz des früheren Bischofs von Limburg Franz Kamphaus: „Mache es wie Jesus, werde Mensch !“  August Bebel hatte tausend mal Recht mit seiner Aussage: „…jeder Religionslehrer ist ein Feind des wahren Fortschritts der Menschheit, er ist gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen, das ausgerottet werden muß.“  (August Bebel: Die moderne Kultur ist eine antichristliche, Alibri Verlag 2007,61) Die Dialektik der Geschichte hat nun diesen Verlauf genommen, daß heute die GESAMTE SPD gefährliches Unkraut unter dem Volksweizen ist, das ausgerottet werden muß. Diese Versumpfung der deutschen Sozialdemokratie hatte schon Engels gegen Ende des 19.  Jahrhunderts festgestellt, als die Formel: „Erklärung der Religion zur Privatsache“ völlig verräterisch auch auf die Partei des revolutionären Proletariats ausgedehnt wurde. (Siehe seine Einleitung zum Bürgerkrieg in Frankreich). Die Partei verzichtete damit nach Lenin auf den Kampf gegen das volksverdummende Opium Religion. (Siehe Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960, 464)

8.Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Vorrede zur Rechtsphilosophie, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Bd. 7, Frankfurt am Main 1970, 15f. Dies gilt auch für „Marxisten“, die den Sozialismus nicht wie eine Wissenschaft studieren wollen, die meinen, es genüge sich zu bekennen. Brecht sagte, der Kommunismus ist das Einfache, das so schwierig zu machen sei.

9.Rainer Blasius: Maria hilft, Buchbesprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1.2010.S.6

10. Nahles, a.a.O.,45

11.Marx Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983, 69

12.Nahles,S.54

13.a.a.O.,58

14.a.a.O.

15.Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1953, 11

16. Nahles,58

17.a.a.O.

18.a.a.O.,62

19. Vgl. Friedrich Engels, Anti-Dühring, in: Marx,Engels: Ausgewählte Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin 1972,221

20. Nahles,a.a.O.,66

21. Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, MEAW, Progress Verlag Moskau 1975,300

22. G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, Vorrede, Theorie Werkausgabe Suhrkamp Verlag Band 7, Frankfurt am Main 1970, 18

23.a.a.O.,19

24.Nahles,a,a,O.,45

25.Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, MEW 21,307

26. Vgl. Karl Marx/Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in MEGA I,10. Dietz Verlag Berlin 1977, 254 ff. „Es kann sich für uns nicht um eine Veränderung des Privateigenthums handeln, sondern um seine Vernichtung, nicht um die Vertuschung der Klassengegensätze, sondern um die Aufhebung der Klassen, nicht um Verbesserung der bestehenden Gesellschaft, sondern um der Gründung einer neuen.“(S.258) Ein Musterbeispiel für die Vertuschung des Klassenkampfes findet der Leser auf S. 95: Der illegalen Bespitzelung der Arbeiter/innen durch die Kapitalisten will sie was entgegensetzen ? Nicht etwa die Bestrafung der Kapitalisten, sondern: wir müssen die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Sozialdemokratin möchte ich sehen, die bei Straftaten von Arbeiter/innen ebenfalls sagt: nicht bestrafen, sondern die gesamtgesellschaftliche Solidarität wiederbeleben. Die Kapitalisten haben völlige Straffreiheit, denn sie sind ja in der gesamtgesellschaftlichen Solidarität auch mit eingeschlossen. Die Vertuschung des Klassenkampfes durch Andrea Nahles läuft darauf hinaus, die Kapitalisten außerhalb des Gesetzes zu stellen. Asoziales ergänzt sich zu Asozialem.

27. Nahles, a.a.O., 85

28. a.a.O.,81

29. „…sogar kann ein vorwitziger Tadel solcher Auflagen, wenn sie von ihm geleistet werden sollen, als ein Skandal  (das allgemeine Widersetzlichkeiten veranlassen könnte) bestraft werden.“ Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung ?, in: Was ist Aufklärung, Reclam Verlag  Stuttgart 2008, 12

30. a.a.O.

31. Vgl. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977,180

32. Karl Marx, Friedrich Engels, Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10, Dietz Verlag Berlin, 1977,260

33.Karl Marx, Kritische Randglossen zu dem Artikel eines Preußen, MEW 1,409

34. A. Nahles, a.a.O., 82

35.a.a.O., 45

36. Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, in: MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin, 1977,181

Andrea Nahles erwarb nach 20 Semestern Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm Universität in Bonn bei Professor Jürgen Fohrmann ihre Magistra artium. (Meisterin der freien Künste). Aber auch diese Meisterinnen sollten sich  an eine gewisse Disziplin des Denkens gebunden fühlen.

Heinz Ahlreip, 1.2.2010

Papiertiger

14. Juni 2009

Aus Anlass des 60. Jahrestages des Grundgesetzes der BRD erweiterte die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen ihre Zeitung um eine 8 seitige Beilage, den Auftaktartikel schrieb Prof. Dr. Hans-Jürgen Papier und er gab ihm die Überschrift: „Großbaustelle Bundesstaat“. Dieser Jurist macht sich nun an zwei zentrale tragenden Säulen des GG an die Arbeit, den Parlamentarismus und den Föderalismus, zwischen beiden bestünden bedeutende Wechselwirkungen. Er sieht sich aber zu dem Eingeständnis gezwungen, dass beide Rechtsinstitutionen bei der Bevölkerung immer weniger Rückhalt finden. Wir können ihm hier zustimmen, namentlich hat die jüngste Europawahl gezeigt, wie schlecht Europa regiert wird, nimmt man einmal Bezug auf die Aussage einer der Stammväter der bürgerlichen Verfassungsstaaten: „…in einem gut geführten Staat eilt jeder zu den Versammlungen; unter einer schlechten Regierung möchte niemand auch nur einen Schritt dorthin tun…“ (1.) Es ist nun nicht das Versagen der bürgerlichen Politiker, diese können sich drehen und wenden wie sie wollen, sie ändern nun einmal nichts an der unumstößlichen historischen TATSACHE, dass das Bürgertum aus einer einst revolutionären Klasse gegen den Feudaladel selbst zu einer durch und durch reaktionären blutsaugenden Klasse gegen die arbeitende Bevölkerung geworden ist. Und nun lamentiert unser Papiertiger ganz folgerichtig über die Notwendigkeit einer Revitalisierung beider Rechtsinstitutionen, wobei er noch das Kunststück fertigbringen will, dass sich beide wechselseitig befruchten sollen…was folgerichtig allerdings vergebens ist, denn selbst ein 12jähriges Kind sieht ein, dass man Verfaultes nicht mit Verfaultem revitalisieren kann. Schon während der französischen Revolution vertraten die reaktionären Girondisten im Geist Montesquieus das föderalistische Prinzip der Provinzgewalten, während die Jakobiner tendenziell richtig im Gefolge der technisch industriellen Revolution gegen jeden rückständigen Partikularismus die Idee einer Zentralgewalt verfochten. Für die Großraumproduktion ist allerdings ein buntscheckiger Flickenteppich feudal-bürgerlicher Provinzgewalten ein Hindernis des politischen Fortschritts. Es ist deshalb mehr als obsolet, wenn Papier 2009 mehr Kompetenzen für die Provinzparlamente (Bundesrat) fordert, die die Gesetzgebung nur unnötig erschweren.(2.) Als Ergebnis der Föderalismusreform I sieht Papier ein dem deutschen Staatsrecht bislang fremdes „…Institut der Abweichungsgesetzgebung. Die Länder erhalten hierdurch auf bestimmten Gebieten der konkurrierenden Gesetzgebung  des Bundes das Recht, von einem bestehenden Bundesgesetz abzuweichen und eigene, andere Regelungen zu treffen.“ (3.) Das ist offensichtlich höhere Juristerei: Fremdes !? !! Institut !? Abweichungsgesetzgebung !? Eine Perle—eine gedankliche Verrenkung, die prämiert werden sollte. Der höchste Jurist des Landes bringt es tatsächlich fertig, Gesetz und Abweichung in einem Wort zusammenzubinden, das ist eben höhere Juristerei, davon verstehen wir Laien nichts. Im Ernst: nachweislich falsch ist die Behauptung des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, daß es zum Parlamentarismus keine Alternative gäbe. Ist denn schon die große historische Schandtat des englischen Parlaments vergessen, im 18. Jahrhundert Gesetze zum Gemeindelandraub großen Stils verabschiedet zu haben (Bills  for Inclosures of  Commons), dass sich der Feudaladel straffrei selbst Gemeindeland rauben konnte zwecks Weideland für Schafe zum Aufbau der Wollmanufakturen, dass also Landlords sich durch Landlords parlamentarisch Volkseigentum als Privateigentum schenkten. (4.) Wer assoziiert da nicht etwas mit der Trauhandgesellschaft ? In Deutschland musste schon Friedrich Engels an der Wiege des  Parlaments 1848 in der Frankfurter Paulskirche typischen parlamentarischen Kretinismus feststellen und Marx analysierte ganz richtig, dass das Wesen des bürgerlichen Parlamentarismus darin bestehe, dass das Proletariat alle 3 oder 6 Jahre darüber abstimmen könne, welches Mitglied der herrschenden Klasse das Proletariat im Parlament ver- und ZERtreten soll. Das englische Parlament war in den Augen von Marx  „…fünf Jahrhunderte hindurch, mit schamlosen Egoismus…“ eine permanente „Trades´ Union der Kapitalisten gegen die Arbeiter.“ (5.). Lenin wies bei der Frage der Demokratie darauf hin, WEM gehören die Druckereien, die öffentlichen Gebäude, die Kapitalien, um Politik zu machen ? Diese Fragen legt sich natürlich unser Papiertiger nicht vor, zu befangen ist er in seinem Gesetzes- und Paragraphenfetisch, in seiner „Abweichungsgesetzgebung“, dass er die Herr-Knecht-Bornierung nicht transzendieren kann: es muss Staat, Regierung, Hirten und Herde geben. Das Proletariat zertreten, das ist die Hauptaufgabe des bürgerlichen Staates. Diese bourgeoisen Juristen können es eben nicht lassen: 1956  KPD Verbot…bis heute zieht sich diese schwarze-reaktionäre Linie durch: die arbeitenden Menschen zertreten, das ist das Hauptwerk dieser Juristen. (6.)In einer revolutionären Situation kommt es darauf an: Wer wen ? Das Proletariat darf dann nicht zögern,  diese Papierjuristen ebenfalls zu zertreten.    (7.)

An Stelle des Parlaments war die Pariser Kommune, zusammengesetzt aus Vertretern der Arbeiterklasse, eine ARBEITENDE Körperschaft. Fragen wir demnach einmal nach dem Fleiß der bundesverfassungsrichterlichen Großbaustellenarbeiter. Zur Bundestagswahl am 18. September 2005  waren auf den Listen der Linkspartei.PDS auch Politiker der formell nicht angetretenen WASG (Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit) plaziert. 51 zogen in den Bundestag ein, davon 11 WASG-Mitglieder. Gegen dieses Vorgehen wurde eine Wahlprüfungsbeschwerde mit der Begründung eingereicht, daß nach dem Bundeswahlrecht mehrparteiige Wahllisten verboten sind. Vier ( !!) Jahre lang blieb diese Wahlprüfungsbeschwerde unbearbeitet und braucht jetzt nicht mehr bearbeitet werden, denn nach der Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts werden Wahlprüfungsbeschwerden gegenstandslos, wenn sich ein neuer Bundestag kostituiert hat. (8.)

1.Jean Jacques Rousseau, Gesellschaftsvertrag, Reclam 2008, 102

2.“Die größte lokale, provinzielle, usw Freiheit , die die Geschichte kennt, hat die zentralistische und nicht die föderative Republik geboten.“ (Lenin; Staat und Revolution, LW 25, Dietz Verlag Berlin 1960, 462) „Denn die Entwicklung des Kapitalismus in seinen höheren Formen und die mit ihr zusammenhängende Erweiterung des Rahmens des Wirtschaftsgebietes mit ihren zentralisierenden Tendenzen erheischen nicht eine föderale, sondern eine unitarische Form des staatlichen Lebens. Wir müssen dieser Tendenz unbedingt Rechnung tragen, vorausgesetzt natürlich, daß wir nicht beabsichtigen, das Rad der Geschichte zurückzudrehen.“ (J.W.Stalin, Gegen den Föderalismus, Stalin Werke Band 3, Dietz Verlag Berlin 1951,23)

3.Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.5.2009: 60 Jahre Grundgesetz, S.1

4.siehe Karl Marx, Das Kapital, MEW 23, 752f.

5.a.a.O.,769

6. Vergessen wir niemals die Worte von Friedrich Engels: es sind „…GEBORNE FEINDE DER ARMEN…“ (Friedrich Engels:Die Lage Englands. Die englische Konstituion, MEW 1, Dietz Vlg. Berlin 1957, 590)

7. Es muß im proletarischen Gedächtnis bleiben, daß die linke (!!) Sozialrevolutionärin Fanny Kaplan, die am 30. August 1918 das Attentat auf  Lenin verübte, über ihre Motive im Verhör u.a. angab: sie sei Anhängerin des Parlamentarismus.  Auf Grund der rasanten realgeschichtlichen Entwicklung im Revolutionsjahr 1917 mußte Lenin eines seiner Hauptwerke „Staat und Revolution“ abbrechen und schrieb am Ende, daß es angenehmer sei, die Erfahrungen der Revolution durchzumachen, als über sie zu schreiben. (Lenin: Staat und Revolution, LW 25, 507). Er konnte von Fanny Kaplan und dem Attentat noch nichts ahnen.

8. Siehe: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27.10.2009, S. 8: Schlechtes Erbgut, von Prof. Dr. Hans-Detlef Horn (lehrt Öffentliches Recht an der Universität Marburg) und Dr. Wolfgang Löber (lehrt Öffentliches Recht an der Universität Bonn).

STALIN ein großer Freund des deutschen Volkes

24. Mai 2009

Die historische Figur Josef Stalin ist mehr als umstritten, am Ende seines Lebens in einem gigantischen Personenkult verehrt, nur drei Jahre nach seinem Tod in einem quasi negativen Personenkult zum Schwerverbrecher verteufelt. Man täusche sich nicht über die Ungeheuerlichkeit der Crutschovschen Verdammung: in gewisser Weise bildeten Lenin und Stalin ein „Paar“ der fruchtbaren Weiterentwicklung des Marxismus am Ende des 19. und dann im 20.  Jahrhundert, wie Marx und Engels als „Paar“ seine Grundlegung im 19. Jahrhundert vorgaben. Was hätte man etwa gesagt zu der Behauptung,  Friedrich Engels sei ein Schwerverbrecher gewesen ? Wer hätte sich beim Erscheinen des Manifestes der Kommunistischen Partei 1848 ausmalen können, dass als eine seiner historischen Konsequenzen in Russland ein Generalsekretär eben dieser Partei von seinem Nachfolger als Massenmörder geoutet wurde ?  Wir sehen also die spezifische Komplexität dieser Thematik, bei der es um mehr als den Kult um eine Person geht. Die Weltgeschichte wird von Volksmassen und ganzen Volksklassen gestaltet, sie wird nicht von großen Männern gemacht, weder von Marx, Lenin oder Kim Il Sung…und anderen. In der Analyse der Stalinfrage, die also von weltgeschichtlicher und weltkommunistischer Bedeutung ist,  sind subjektive und objektive Seiten als ineinander verwoben zu behandeln.

Nach Lenins Bestimmung können Proletarier nur zu einem trade-unionistischen Bewußtsein über die objektiven Zusammenhänge von Klassengesellschaften gelangen, gleichwohl hatte er auch einen wechselseitigen Lernprozess zwischen Arbeitern und Parteiintellektuellen betont, um in ihm den Handwerkler auf das Niveau des Revolutionärs emporzuheben. 1.) Stalin 2.) kam aber gerade von ganz unten, aus dem Proletariat, Sohn eines Flickschusters, seine Mutter bis zu ihrem 12. Lebensjahr noch Leibeigene, und doch hatte sich Stalin zu einem Marx  und Lenin ebenbürtigen sozialistischen Theoretiker emporgearbeitet, obwohl er sich selbst bescheiden immer als Schüler Lenins charakterisierte. Viele kleinbürgerliche Intellektuelle sträuben sich gegen diese Ehrenerhebung Stalins und sprechen ihm ein hohes theoretisches Niveau ab. Nimmt man zum Beispiel eine der ersten theoretischen Schriften Stalins zur Hand, Anarchismus oder Sozialismus ? aus dem Jahre 1906, so scheint auf den ersten Blick ein krasses Mißverstehen der Hegelschen Methode der Dialektik vorzuliegen: „Klar ist aber auch, daß die dialektische Methode Hegels, die jede unveränderliche Idee ablehnt, von Anfang bis zu Ende wissenschaftlich und revolutionär ist“. 3. Bekanntlich distanzierte sich Marx von der idealistischen Mystifikation der Dialektik Hegels schon sehr früh in seiner wissenschaftlichen Entwicklung (1844 in den Ökonomisch Philosophischen Manuskripten) und erklärte im Nachwort zur zweiten Auflage des Kapitals vom 24. Januar 1873, dass seine dialektische Methode „der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil“ 4. ist. Noch brisanter wird die Darlegung Stalins, wenn man bedenkt, dass Engels herablassend die Hegelsche Dialektik als in der vorliegenden Form für absolut unbrauchbar erklärte. 5. Die Komplexität des Gegensatzes und des Einheitlichen zwischen der Hegelschen idealistischen Dialektik und der Marxschen materialistischen Dialektik, die sich an der real richtigen, idealistisch verkehrten Abbildung der dialektischen Grundgesetze bei Hegel entzündet, weil auch in der Hegelschen Dialektik ein „rationeller Kern“ vorliegt, wird in diesem Artikel von Stalin nicht belichtet.  Der Grund hierfür liegt nicht etwa in Stalins intellektueller Unzulänglichkeit, sondern in dem Wunsch der Gewerkschaft der Angestellten, Stalin möge eine allgemeinverständliche Abhandlung über die Schüler Kropotkins schreiben.  Im Gegensatz zu Plechanows Broschüre über die gleiche Thematik (des Verhältnisses von Sozialismus und Anarchismus) aus dem Jahre 1894 (in deutscher Sprache erschienen) thematisiert Stalin richtig die zentrale Bedeutung der Frage des Staates, was Plechanow unterläßt und deshalb von Lenin in dessen Fundamentalwerk „Staat und Revolution“ hart als opportunistisch kritisiert wurde.  Während Lenin  die meisten seiner Hauptwerke noch vor der Oktoberrevolution schrieb, fiel das Hauptwirken seines Schülers  in eine Zeit der Praxis der Diktatur des Proletariats und er konnte sich aus Lenins Schriften wappnen. Es mußte damit gerechnet werden, daß sich in einer proletarischen Revolution tatsächlich Elemente aus dem Proletariat emanzipieren, es war ein grundsätzlicher Fehler der bolschewistischen Intellektuellen, sich diesen überlegen zu fühlen. Wladislaw Hedeler ist ein Intellektueller in diesem Fahrwasser, wenn er gegen jede Vernunft behauptet, Stalin habe im Unterschied zu Bucharin kein Interesse an Theorie gehabt. (Vergleiche Wladislaw Hedeler, Nikolai Bucharin und Leo Trotzki als Kritiker der Ursupation des Oktober durch Stalin, Karl Dietz Verlag Berlin,2008,142)Der Historiker Nikolaj Suchanow sah in ihm nur einen „grauen Fleck“. Swetlana, Stalins Tochter, hatte richtig bemerkt, dass ihr Vater „die riesige Geduld der Armen“ besitze. Trotzki, den George Bernhard Shaw den Fürsten unter den Journalisten nannte,  gebrauchte einmal die Formulierung: Stalin sei die hervorragendste Mittelmäßigkeit der Partei, was in intellektueller Hinsicht sicherlich pejorativ gemeint, politisch gewendet in der Machtfrage jedoch durchaus Solidität verheißen konnte.  Bereits aus dem kleinbürgerlichen Konzept der Volkssouveränität hätte Trotzki in Rousseaus Gesellschaftsvertrag entnehmen können, daß gerade Charaktere, die zuerst aussprechen, was alle schon gefühlt haben, es sind, die den allgemeinen Volkswillen repräsentieren. 6.) Es sind dies in der Regel die grauen Typen, nicht schillernde Paradiesvögel wie Trotzki. In der Sowjetunion war es eben Stalin, der zuerst aussprach, zwar nicht was die machtmäßig zurückgedrängten Kleinbürger, was aber die Arbeiter und Bauern fühlten. Damit war er politisch unangreifbar und nicht zu stürzen. Der Ankläger Wyschinski stellte die Lage der Konterrevolution in den Moskauer Prozessen so dar, daß ihr Weg zur Macht nur über die Ermordung Stalins führen konnte. Zu der überheblichen und abwegigen Einschätzung Trotzkis kam ja noch hinzu, daß Trotzki sich sein ganzes Leben hindurch, lediglich unterbrochen durch taktische Überlegungen, ständig gegen Lenin profilieren wollte, ihm ging nicht auf, daß diese politische Position objektiv zu einer Abweichung vom Leninismus führen musste. Diese Figur Trotzki – von Marx im „Bürgerkrieg in Frankreich“ förmlich gerochen: „In jeder Revolution drängen sich…bloße Schreier (v0r), die jahrelang diesselben ständigen Deklamationen gegen die Regierung des Tages wiederholend, sich in den Ruf von Revolutionären des reinsten Wassers eingeschlichen haben… mit der Zeit schüttelt man sie ab…“  7. ) Von Kirow stammte nach Lenins Tod der Hinweis, daß nicht Trotzki, sondern nur die gesamte Partei direkter Erbe Lenins sein könne. Auch als um die Jahreswende 1921 die Gewerkschaftsdebatte aufbrandete, warf Lenin Trotzki bereits alleingängerische Starallüren vor. „Offenbar vertritt von 19 Mitgliedern des ZK nur ein einziges die Partei“. 8. ) Die Personenkultler wollten darauf ja hinaus. Lunatscharski bezeichnete Trotzki als „Ein-Mann-Splittergruppe“ . (Anatoli Lunatscharski, Profile der Revolution, Frankfurt am Main, 1968,49ff.)In dieser Debatte warf Lenin Trotzki vor, die Partei krank gemacht, und Bucharin, mit dem Kommunismus durch Herabsinken zum  Syndikalismus gebrochen zu haben.  Auffälligerweise war Bucharin der einzige, der sich über den Ausweisungsbeschluß des Politbüros gegen Trotzki entrüstete. Auch war es in der Kernfrage der theoretischen Debatten in den zwanziger Jahren, die abgekürzt in der Formel: Sozialismus in einem Lande oder proletarische Weltrevolution wiedergegeben wird, wesentlich leichter, Trotzki der Abweichung zu überführen als Stalin. 9.) Trotz aller Abweichungen vom Leninismus wäre für einen geschlagenen, sich aber friedfertig verhaltenden Trotzki durchaus Platz im Lande Lenins gewesen. Der Versuch der trotzkistischen Intellektuellen, Stalin zu stürzen, führte sie auch auf illegale Wege. Dabei hätte den Trotzkisten aus der Arbeiterbewegung gegenwärtig sein können, daß schon Dietzgen der Ältere, ein Gerber, der unabhängig von den „bürgerlichen Intellektuellen Marx und Engels“ die materialistische Dialektik entwickelt hatte, ein Beispiel abgibt, daß Arbeiter sehr wohl wissenschaftliche Höhen erreichen können. Jedenfalls kann man Stalin nicht vorwerfen, daß er als Arbeitersohn sich um die Führung einer Arbeiterregierung bemühte.

Ebensowenig kann man ihm-ärgerlich genug- nachweisen, daß er seine soziale Herkunft verleugnet oder vergessen hat. Zeitzeugen berichten übereinstimmend von einer bescheidenen und materiell anspruchslosen Lebensführung, den höchsten Orden des Landes, den nur elf Mal verliehenen Siegesorden, legte er so gut wie nie an. Stalin war der schärfste Kritiker seines Kultes. In seinem Antwortschreiben an Oberst Rasin aus dem Jahr 1946 kritisiert er dessen Lobeshymnen auf Stalin, sie verletzten das Ohr. 10.) Bezeichnend ist die Szene, die der Hauer Alexej Stachanow in seiner Autobiografie „Mein Lebensweg“ über eine Begegnung der 71jährigen Weberin Kawanina mit Stalin schildert: „Das Großmütterchen wandte sich an Stalin, drückte ihm fest die Hand und sagte: Du liebe Zeit, endlich habe ich unseren großen weisen Führer zu sehen bekommen ! Sie konnte vor Freude nicht sprechen. Genosse Stalin lächelte, und, indem er der Alten die Hand drückte, sagte er: Ein ganz gewöhnlicher Mensch. Kawanina sprach mit Tränen in den Augen: Jetzt kann ich sterben. Genosse Stalin erwiderte ihr: Weshalb sollen sie denn sterben ?! Sie werden noch arbeiten…“11.) Auch muß dem Zeugnis von Valentina Wassiljewna Istomina, die Stalin fast zwei Jahrzehnte lang den Haushalt führte, großes Gewicht beigemessen werden.  Sie hatte kein Verständnis für die „poststalinistischen Wendehälse“, sondern verehrte ihn über seinen Tod hinaus. 12.)

Daß Stalin für die Unterdrückten zum genialen Helden avancierte, von den politischen Repräsentanten, Ideologen und Schreiberlingen der bürgerlichen Klasse aber zu einem weltgeschichtlichen Verbrecher abgestempelt wurde, spiegelt die Dialektik von Revolution und Konterrevolution wider.  Das Verbrechen war die Oktoberrevolution. Häufig wird bei der Einschätzung der historischen Rolle Stalins der Fehler gemacht, daß man ihn außerhalb der Dialektik von Revolution und Konterrevolution hinstellt und beurteilt, vom abstrakt humanistischen Standpunkt, als ob Männer Weltgeschichte machen. Und dann kommen auf sein Konto die Gulaghäftlinge und Gulagtoten, wobei mit den Nullen großzügig umgegangen wird. Die Liquidierung der Kulaken ist vom abstrakt humanistischen Standpunkt aus natürlich ein ungeheures Vorhaben, aber dieser Standpunkt blendet eben die historische Dialektik aus. Die Kulaken, in der Regel des Schreibens und Lesens kundig, politisierten ja nicht nur konterrevolutionär, sondern unterhielten bewaffnete Banden, die mit Terror und Mord gegen bolschewistische Führer vorgingen. So wurden allein 1929 auf dem Territorium des UdSSR ca. 130 Kulakenaufstände gezählt.  Diese Umstände zwangen die Partei von der Politik der Begrenzung und Verdrängung des Kulakenwesens zur Liquidierung der Ausbeuter als Klasse überzugehen. Jedenfalls kann man Stalin nicht vorwerfen, daß er als Arbeitersohn nicht auf der Seite der Kulaken stand. Die Stalinsche Verfassung von 1936 sah auch bereits wieder das Wahlrecht für ehemalige Kulaken vor, fünf Söhne von Kulaken erhielten im Zweiten Weltkrieg den Stern „Held der Sowjetunion“.

Liest man mit einiger Aufmerksamkeit die über Stalin erschienenen Biografien, so entsteht der Eindruck, als habe Stalin den revolutionären Terror überhaupt erst erfunden. Auch ohne Stalin hätte es ihn gegeben. Aus der Geschichte dürfte bekannt sein, daß sich zum Beispiel in der französischen Revolution der jakobinistische Terror auch gegen gemäßigte Jakobiner selbst richtete, die man Citras oder Indulgents, die Nachsichtigen, nannte.  Es ist ein objektives Gesetz von Revolutionen, daß sie sich permanent gegen hierarchische Ausbildungen aus den Volksmassen heraus richten. Der Liebling der Partei 13.) wurde ebensowenig geschont wie Generäle der Roten Armee. 14.) Es ist gerade ein Zeichen von politischer Verständnislosigkeit und Eindimensionalität, die vermeintliche Schuld an diesen Prozessen in einem negativen Personenkult Stalin zuzuschieben.

Plechanow gab uns den Hinweis, daß die großen Persönlichkeiten in der Geschichte nicht die allgemeine Richtung der Geschehnisse ändern können, sie sind ja gerade deren Produkt, sondern nur das individuelle Gepräge der Ereignisse. Und hier mag die in Lenins sogenannten Testament gefallene Bemerkung über die Grobheit des Generalsekretärs hineinspielen, aber nur als sekundärer Faktor. So setzte nach dem Mord an Sergej Kirow am 1. Dezember 1934  in allen Bibliotheken und Buchläden, unter der Regie von Boris Volin, dem Leiter von Glavlit (Hauptverwaltung von Literatur), der 1922 eingerichteten Zentralen Sowjetischen Zensurbehörde, eine allumfassende Säuberung der konterrevolutionären trotzkistisch-sinowjewistischen Literatur sowie aller Bilddokumente (auch auf Flugblättern) ein, nachdem schon ab 1931 Namen von Volksfeinden aus Vorworten und Fußnoten gelöscht wurden. 15.)  Diese Vorgehensweise deutet daraufhin, dass die Genossen um Stalin immer noch einen gewissen Masseneinfluß der Volksfeinde und Rekrutierung neuer Anhänger fürchteten. Zu bedenken ist aber, dass zu Lebzeiten Lenins ein Verbot der Schriften Trotzkis in der UdSSR unterblieb, was Lenin und Stalin gegen Trotzki geschrieben hatten, war präsent und damit auch die korrigierende Widerlegung. Ein Vergleich der Schriften Trotzkis mit der Lenin-Stalinschen Kritik hätte durchaus produktiv für die Entwicklung revolutionären sozialistischen Bewußseins der Arbeitermassen sein können, das für Lenin die einzige Grundlage ist, die uns den Sieg verbürgen kann. 16.) Lenin scheute sich nicht, seinen Botschaftern zu empfehlen,  die gegen den Bolschewismus gerichtete Schrift von Karl Kautsky: „Die Diktatur des Proletariats“ (Wien 1918, Ignaz Brand, 63 Seiten) für einige Tausend Rubel anzukaufen, um sie dann kostenlos an klassenbewußte Arbeiter zu verteilen.  17.)  Lenin scheute sich auch nicht, einen Gedanken von Friedrich Engels aus der „Flüchtlingsliteratur“ aufnehmend, die Lektüre der Atheisten des 18. Jahrhunderts aus der Periode der französischen Aufklärung zu empfehlen, eingedenk der Tatsache, daß alle größeren Werke von Marx und Engels in Übersetzungen vorliegen. „Es gibt nicht den geringsten Grund zu der Befürchtung, daß der alte Atheismus und der alte Materialismus bei uns unergänzt bleiben könnten durch die Korrekturen, die Marx und Engels vorgenommen haben.“ 18.) Man sieht leicht, wie sensibel Lenin in Fragen der Zensur war. Spielt man auf schlechte grobe Charaktereigenschaften des Generalsekretärs Stalin an und bemüht dabei auch noch Lenins Testament und/oder angebliche mündliche Äußerungen ( „In einem der letzten vollständigen Sätze, die Lenin gegenüber seiner Frau aussprach, hieß es, dass Stalin die elementarste menschliche Aufrichtigkeit abgeht“. 19.), so läuft man leicht Gefahr, in moralisierenden Subjektivismus zu verfallen und die Bedeutung bösartiger Verschlagenheit in der Weltgeschichte nicht die ihr gebührende Beachtung zu schenken. Schon der altchinesische Kriegsphilosoph Sun Tsi, dem Mao gerne Zitate entlieh, sprach von der göttlichen Verschlagenheit des Generals, Hegel führte sowohl in der Rechtsphilosophie als auch in der Religionsphilosophie aus, dass es etwas weitaus Grösseres sei, wenn man sagt, der Mensch sei von Natur aus böse als wenn man sagt, er sei von Natur aus gut. Marx verhöhnte Proudhon im „Elend der Philosophie“  als Apostel der Lehre, dass sich in der Geschichte das Gute bzw. ein abstraktes Prinzip der Gerechtigkeit durchsetzt und Engels schließlich sagte ganz unmißverständlich, dass „es grade die schlechten Leidenschaften der Menschen sind, Habgier und Herrschsucht, die zu Hebeln der geschichtlichen Entwicklung werden, wovon zum Beispiel die Geschichte des Feudalismus und der Bourgeoisie ein einziger fortlaufender Beweis ist“. 20.) Der proletarische Revolutionär hat eine gedoppelte Schwierigkeit zu meistern: hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen zu sein und zugleich die Kleinen und Schwachen zu schützen. In beiden und eben nicht nur im letzteren  liegt das spezifisch Humane der proletarischen Revolution. Angeblich soll Stalin zu Dscherschinski gesagt haben, dass es nichts Süßeres auf der Welt gäbe, als „das Opfer auswählen, sorgfältig Pläne machen, einen unstillbaren Rachedurst löschen und dann zu Bett gehen…“ 21.) Aber es war nicht Stalin, sondern Bucharin, der Lenin ermorden wollte.

Plechanow spricht in seiner Studie „Über die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte“ von einer gewissen optischen Täuschung, deren Opfer wir werden angesichts der großen historischen Persönlichkeiten und ihrer Bedeutung. Man beachtet nicht den Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Beziehungen und schreibt den Einzelsubjekten die ganze gesellschaftliche Kraft zu, sowohl positiv wie negativ. 22.) Anläßlich seiner Polemik gegen den kleinbürgerlichen Sozialisten Proudhon entwickelte der junge Marx die, Adornoisten mögen mir verzeihen, „Negative Dialektik“ insofern, als er gegen den mit den Kategorien „gut“ und „schlecht“ operierenden Franzosen eindeutig das Schlechte als Movens der geschichtlichen Vorwärtsbewegung bestimmte. „Die schlechte Seite ist es, welche die Bewegung ins Leben ruft, welche die Geschichte macht, dadurch, dass sie den Kampf zeitigt.“ 23.) Man begreift sofort, dass die große Mehrzahl der zur Zeit im Handel und in den Antiquariaten umlaufenden Biografien über Stalin nicht dialektisch verfasst, also moralisierend sind. Eine adialektische Geschichtsbetrachtung muss moralisierend säuerlich werden.

Stalin vereinigt bis heute exemplarisch beide in ihn hineinprojizierten Personenkulte wie kaum eine andere Persönlichkeit in der Geschichte. Im Personenkult wird die Arbeiterbewegung einer sogenannten „großen Persönlichkeit“ untergeordnet. Nach Marx ist es der kleinbürgerliche 24.) „doctrinaire Socialismus…der an die Stelle der gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Produktion die Hirnthätigkeit des einzelnen Pedanten setzt…“ 25.) Immer wieder ist die Arbeiterbewegung an ihrem Verhältnis zu den sogenannten „großen Autoritäten“ zu überprüfen, die der Marxismus im Grund gar nicht anerkennt. Engels sagte einmal, die Revolution ist das autoritärste Ding, das es gibt. Und die proletarische Revolution ist eine wahre Autorität. Die sogenannten „großen Autoritäten“ sind keineswegs nur Erzieher der Arbeiter und Bauern und haben sich selbst auch nie so verstanden, sondern auch und gerade im Marxismus gilt, dass der Erzieher selbst erzogen werden muß. Hätte Lenin Marx nur als „große Autorität“ angebetet, wäre es nicht zur Weiterentwicklung des Marxismus in der Phase des Imperialismus gekommen. An Autoritäten klammern sich schwache Individuen, die keine innere marxistische Substanz haben, im Personenkult kippt Aufklärung um in Religion. Bezeichnete  Malenkow in seiner Trauerrede am 9. März 1953 Stalin noch als den größten Genius der Menschheit, so wurde dieses Bild drei Jahre später in zugegebener revisionistischer Intention gekippt. Im Personenkult findet  etwas Widersinniges statt: Genie und Menschheit werden verwechselt. So versuchte zum Beispiel der deutsche idealistische Philosoph Hegel, die inneren objektiven Entwicklungsgesetze der Geschichte der Menschheit in seinem Denken widerzuspiegeln, als Selbsterfassung Gottes, in religiösen Formulierungen betrachtete er seine Philosophie als die Gedanken Gottes vor der Schöpfung der Welt und eines endlichen Wesens. Für Friedrich Engels hatte Hegel aber lediglich diese Aufgabe gestellt, aber nicht gelöst, nicht lösen können deshalb, weil kein einzelner sie je wird lösen können. Ein Genie kann nicht zur Lösung bringen, „was nur die gesamte Menschheit in ihrer fortschreitenden Entwicklung leisten kann“. 26.)  Im Kommunistischen Manifest meinen denn auch Marx und Engels nicht nur sich selbst, wenn sie ausführen, dass in Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung nähert, ein Teil der Bourgeoisie zum Proletariat übergeht, „und namentlich ein Teil der Bourgeoisideologen, welche  zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben“. 27.)

Sahra Wagenknecht führt über Stalin aus, dass mit seinem Namen jedenfalls nicht Niedergang und Verwesung verbunden sind, sondern die Entwicklung eines um Jahrhunderte zurückgebliebenen Landes in eine moderne Großmacht während eines weltgeschichtlich einzigartigen Zeitraums. Das Gleiche sagt auch Winston Churchill: „Er übernahm das Rußland des Hakenpflugs und hinterließ es im Besitz der Atomwaffe.“ Und zur Bauernfrage schrieb Churchill in seinen „Erinnerungen“ aus einer Unterredung mit Stalin, die  am 15. August 1942 in Stalins Privatwohnung zur Eröffnung einer zweiten Front gegen Hitler-Deutschland stattfand, nieder, dass die Bauern Stalins Namen segnen können, weil kommende Bauerngenerationen nichts mehr vom Elend wissen werden. 28.) Das ist nicht der Kern der Sache. Erinnern wir uns an die Ansprache von Friedrich Engels am Grabe von Karl Marx ! „Marx war vor allem Revolutionär…“ Und so auch Stalin, vor ihm zitterte die Konterrevolution und man sieht leicht ein, dass von einem Aufbau des Sozialismus ohne Niederhaltung der bürgerlich kapitalistischen Konterrevolution keine Rede sein kann. Angst lähmte die Bourgeoisie zu Lebzeiten Stalins und darüber hinaus, denn erst nach dem XXII. Parteitag 1962 wurde der Leichnam Stalins aus dem Leninmausoleum entfernt. Durch die Angst, Stalin anzutasten, ist etwas Absurdes herausgekommen: der als Schwerverbrecher Abgestempelte blieb noch fünf Jahre neben dem Gründer Sowjetstaates im Mausoleum liegen. Diese Angst drückte der Dichter Jewtuschenko in den Zeilen aus: „Er führt etwas im Schilde, Er hat nur zum Ausruhen sich hingelegt, Und ich wende mich an unsere Regierung mit der Bitte: die Wachen an diesem Grabstein zu verdoppeln, zu verdreifachen, damit Stalin nicht aufsteht und mit ihm die Vergangenheit…“ (Prawda vom 23.10.1962).

Indeß ist ja das nach den Anfangsschwierigkeiten in der NEP Periode rasante Anwachsen der Produktivkräfte nicht einzelnen Personen zuzuschreiben, sondern letztendlich der Tatsache, dass es industrielle und landwirtschaftliche Expropriationen im großen Umfang gegeben und wie Lenin es vorausgesagt hatte: „Diese Expropriation wird eine enorme Entwicklung der Produktivkräfte ermöglichen. Und wenn wir sehen, wie schon jetzt der Kapitalismus in unglaublicher Weise diese Entwicklung aufhält, wie vieles auf Grund der heutigen, bereits erreichten Technik vorwärtsgebracht werden könnte, so sind wir berechtigt, mit voller Überzeugung zu sagen, dass die Expropriation der Kapitalisten unausbleiblich eine gewaltige Entwicklung der Produktivkräfte der menschlichen Gesellschaft zur Folge haben wird.“ 29.) Der Aufbau des Sozialismus kann nur das Werk von Millionen- und Abermillionen Massen sein, nicht von einzelnen Individuen, mögen diese auch noch so genial sein. „Wenn es also darauf ankommt,…die eigentlich letzten Triebkräfte der Geschichte auszumachen, so kann es sich nicht so sehr um die Beweggründe bei einzelnen, wenn auch noch so hervorragenden Menschen handeln, als um diejenigen, welche große Massen, ganze Völker und in jedem Volk wieder ganze Volksklassen in Bewegung setzen.“ 30.)  Das brachte auch Stalin an seinem fünfzigsten Geburtstag zum Ausdruck: „Eure Glückwünsche und Grüße beziehe ich auf die große Partei der Arbeiterklasse, die mich geboren und mich nach ihrer Weise und ihrem Bild erzogen hat. Und weil ich sie auf unsere ruhmvolle Lenin-Partei beziehe, nehme ich mir die Kühnheit, euch in bolschewistischer Dankbarkeit zu antworten. Ihr möget nicht daran zweifeln, Genossen, daß ich bereit bin, auch künftig der Sache der Arbeiterklasse, der Sache der proletarischen Revolution und des Weltkommunismus alle meine Kräfte, alle meine Fähigkeiten und, wenn nötig, all mein Blut, Tropfen für Tropfen zu widmen.“ Wenn Engels als letzte Triebkräfte der Geschichte große Massen, ganze Völker und in jedem Volk wieder ganze Volksklassen ausmacht, so darf man beim Abfassen von Biografien eben nicht personenkultisch vorgehen und unter der Hand die angeblich personenkultkritische Biografie selbst als personenkultorientierte präsentieren. Da der großen Mehrheit der Stalin Biographen der Volksmassenhintergrund abhanden ist –  so ist es beliebt, auszublenden, dass die Moskauer Prozesse von großen Massendemonstrationen unterstützt wurden. In dem wissenschaftlichen Hauptwerk des Chefanklägers Wyschinski  „Die Theorie des gesetzlichen Beweismaterials  im sowjetischen Recht“ finden wir das grundsätzliche Rechtsbewußtsein der Stalinschen Epoche dargelegt: „Ein wirklich volkstümliches Rechtsbewußsein ist – wie die wirklich freie  innere Überzeugung des Richters – nur in einem wirklich volkstümlichen und freien Land möglich, wo die Rechtssprechung frei und unabhängig, im Interesse des Volkes und unmittelbar durch das Volk selbst ausgeübt wird.“ 31.)  Das steht konträr zur These, dass ein einziger krimineller oder wahnsinniger Schachspieler Figuren hin- und hergeschoben habe und darüber hinaus noch ganze Demonstrationen befehligte.  Mit der Kritik an dieser Konstruktion  können sich die Verfasser seiner Biografie aufspreizen als moralisch gute Menschen. Damit haben sie sich aber selbst in den Schatten der Weltgeschichte gestellt, denn es ist nicht das Moralische, das diese bewegt, sondern das Negative, Engels sagte, die schlechten Leidenschaften treiben die Geschichte voran. Im übrigen gibt es in der Weltgeschichte auch noch die  Bedürfnisse der Völker. Diese sind also primär  zu berücksichtigen, auch um zu verhindern, dass die Biografien der ach so großen Männer abgleiten, indem sie zu großen Manipulateuren der Weltgeschichte umfunktioniert werden. Bertolt  Brecht hätte in diesem Fall gefragt, ob Stalin nicht wenigstens einen Koch oder eine Köchin bei sich gehabt hätte ? Man verbleibt dann in einer Art Rousseauismus, denn Rousseau hatte im „Contrat Social“ geäußert, dass Regierungen die Völker täuschen können und sollen: „…machmal muß man dem Volk die Dinge zeigen, wie sie sind, manchmal so, wie sie ihm erscheinen sollen.“ 32.  Exemplarisch kann dies in Klaus Kellmanns Stalin Biograpie am Fall Jeschow gezeigt werden. „Jeschow erhielt alle nur möglichen Orden, Titel und Ehrenzeichen, nach ihm wurden Kolchosen, Betriebe und ganze Städte benannt, um ihn herum wuchs eine künstlich aufgeblähte Popularität, die einzig und allein im Zusammenhang mit seinen Mordleistungen stand, aus denen ihm im richtigen, von Stalin wohl vorbereiteten Moment der Strick gedreht wurde“. 33). Die Manipulierungsthese, dass Stalin in der Sowjetunion alles künstlich aufblähen konnte, geht auch in die Biografien seiner Mitkämpfer hinein. So schreibt Arkadi Waksberg in seiner Biographie über den Generalstaatsanwalt der UdSSR Wyschinski, den der Militärjurist Ulrich, der den Moskauer Prozessen vorstand, das strafende Schwert des Volkes nannte,  über angebliche Inszenierungen rund um den Sinowjew Kamenjew Prozess von 1936, dass die Bevölkerung einer sowohl drastischen als auch subtilen Gehirnwäsche unterzogen wurde. Eine Atmossphäre des jugendlichen Glücks und des Optimismus sei künstlich erzeugt worden und just zu diesem Zeitpunkt sei eigens ein Schlager komponiert worden, in dem die gegen die Konterrevolutionäre verfasste Textzeile vorkam: „Denn jetzt ist jeder von uns jung in unserem jungen, herrlichen Lande“. 34.) Es konnte also nicht ausbleiben, dass die Konterrevolutionäre auf der Anklagebank gegenüber Wischinski alt aussahen. Stalin und Wischinski und anderen wachsamen Revolutionären war es gelungen, auch auf dem Gebiet der Rechtssprechung den leninistischen Kurs zu halten. Lenin hatte davon gesprochen, dass die Diktatur des Proletariats gegen einen mächtigeren Feind kämpft und dass es notwendig sei, die Konterrevolutionäre mit den verschiedensten Methoden zu bekämpfen, auch mit der Todesstrafe. Gegen diese Linie trat Jewgeni  Bronislawowitsch Paschukanis auf, einer der führenden Juristen der UdSSR auf. Er vertrat die faule Theorie, dass der Sozialismus als humane Gesellschaft die Todesstrafe nicht in Anspruch nehmen darf, eine Humanisierung des Strafrechts sei in der Geschichte zu verfolgen. Nach dieser faulen Theorie aber hätte Lenin die Liquidierung der Romanow Dynastie nicht anordnen dürfen. Der Zar aber hatte sowohl 1905 auf unbewaffnete Demonstranten, auf Frauen und Kinder schießen lassen als auch 1912 auf unbewaffnete streikende Goldminenarbeiter an der Lena. Die gerechte Erschießung des Zaren wird oft als typisch kommunistisch angelastet, geschichtswissenschaftlich betrachtet war sie ein längst überfälliger Akt bürgerlich jakobinistischer Art. Für diese leninistische Linie, hart und grausam gegen Volksfeinde zu sein, stand der Name Stalin. Die Unterstützung Paschukanis durch Krylenko, dem Volkskommissar für das Justizwesen  rückte auch diesen obersten Dienstherren in die Aufmerksamkeit der Volksmassen. In der ersten Sitzung des reorganisierten Präsidiums des Obersten Sowjet im Januar 1938 griff das Präsidiumsmitglied Abbasowitch Bagirow Krylenko öffentlich an, dass er ein armseliger Volkskommissar sei, der seinen Hobbys Bergsteigen, Reisen und Schachspielen doch zuviel Aufmerksamkeit schenke. Zwar übte Krylenko noch Selbstkritik, etwa an Paschukanis Theorie, dass die Strafe abstrakt der Schuld zu entsprechen habe und verwies auf Lenin, der in folgenden Fällen Repressionen ohne Schuldbeweis vorübergehend und unter spezifisch örtlichen Bedingungen für zulässig erklärte: Erschießung jedes zehnten Proviantmeisters, falls es in einem Regiment zu Diebstählen kam und zum Beispiel Zwangsmaßnahmen gegen Kapitalistenfamilien wegen der Schuld des Familienoberhauptes, wie es Arkadi Waksberg in seiner Wischinski Biografie recherchiert hatte. So richtig diese Selbstkritik auch war, sie rettete Krylenko  nicht mehr. Die Biografie von Arkadi Waksberg entbehrt allerdings einer gesellschaftswissenschftlichen Grundlage: wir haben schon oben gesehen, dass er zur Vorbereitung der Prozesse gegen die Volksfeinde eine stalinistische Gehirnwäsche eines ganzen Volkes für möglich hielt, eine verquere Theorie, die Friedrich der II. von Preußen bereits im achtzehnten Jahrhundert auf Anregung d´Alemberts in einer Preisaufgabe der Berliner Akademie der Wissenschaften widerlegen ließ. Und um nur zwei Beispiele aus dem zwanzigsten Jahrhundert aufzuführen: Weder haben zum Beispiel die konterrevolutionären Hitlerfaschisten das deutsche Volk zwölf Jahre lang betrogen, was ein immens betriebener Propagandaaufwand nahelegen könnte, sondern der deutsche Faschismus war vielmehr eine viehische Instinkte mobilisierende Massenbewegung, wobei die Ich-Schwäche des ohne Führung lebensunfähigen deutschen Spießers hinzukam, noch hat zum Beispiel der Sozialrevolutionär Fidel Castro das cubanische Volk irregeführt, sondern der Castrismus hat derart tiefe soziale Wurzeln, dass er sich über ein halbes Jahrhundert auf eine Massenbasis stützen konnte und noch heute stützt. Bereitete nach Waksberg eine Volksgehirnwäsche die Moskauer Prozesse vor, so sieht er als deren Ergebnis ein ganzes Volk nach einem Tanz auf dem Scheiterhaufen ohne Verstand. 35.) Ein ganzes Volk hat den  Verstand verloren !! Hier haben wir ein Musterbeispiel des gesellschaftswissenschaftlichen Niveaus eines Glasnostanhängers. Wer aber hier ohne Verstand schwadroniert, das ist der Glasnostanhänger selbst. Der Sozialismus wird als eine Gesellschaft dargestellt, in der jeder jeden totschießt und dann kommt man zu dem Schluß, der Sozialismus sei Faschismus. 36.) Die Menschen, denen das harte Los zugefallen sei, „unter Stalin“  zu leben, hätten es mit dem geflügelten Wort Tayllerands halten müssen: dem Menschen sei die Zunge gegeben worden, um seine Gedanken zu verheimlichen. 37.)

Gegen die These von Prozessmanipulierungen sprechen einerseits die Liste der den Prozessen beiwohnenden in- und ausländischen Beobachter, überwiegend Diplomaten,  als auch deren Prozesseinschätzungen. Der us-amerikanische Botschafter Joseph Davies überzeugte Präsident Roosevelt von der Rechtmäßigkeit der Anklagen, was sicherlich zum späteren guten Einvernehmen zwischen Roosevelt und Stalin während des Zweiten Weltkrieges beigetragen hat. In einer seiner Reden erklärte Davies: „Es ist völlig klar, dass all diese Prozesse, Säuberungen und Hinrichtungen, die seinerzeit so rücksichtslos erschienen und die ganze Welt schockierten, Teil eines energischen Bemühens der Stalinschen Regierung waren, sich nicht nur von einem Staatsstreich von innen, sondern auch vor einem Angriff von außen zu schützen…Die Säuberungen schufen Ordnung im Lande und befreiten es von Verrat“. 38.) Es gab keinen Grund für Joseph Davies als us-amerikanischer Diplomat einen Leninorden anzustreben. Wie Davies sah es auch der tschechoslowakische Botschafter Zdenek Fierlinger. Schon der erste Prozess gegen Sinowjew und Kamenew wurde von einer Delegation der höchst angesehenen Internationalen Juristenvereinigung sehr genau unter die Lupe genommen. Ihr gehörten unter anderem der britische Kronanwalt Denis Noel Pritt (gleichzeitig Mitglied des Unterhauses, sein Buch mit dem Titel „Der Sinowjew Prozeß“ erschien 1936 in Prag) an, Dudley Collard, Robert Lazarus und der us-amerikanische Anwalt Joseph Edelman. Diese hochkarätige Delegation kam zu folgendem Ergebnis: „Wir halten die Behauptung, daß die Verhandlung verkürzt und ungesetzlich war, für völlig unbegründet…Wir erklären hiermit kategorisch, dass die Angeklagten völlig legal verurteilt wurden. Es wurde überzeugend bewiesen, dass zwischen ihnen und der Gestapo eine Verbindung bestand. SIE HATTEN DIE TODESSTRAFE VOLLAUF VERDIENT (kursiv von Heinz Ahlreip).“   39.)  Der Kronanwalt Pritt untermauerte diese klare Aussage noch durch ein privates Statement, das wohl auch den letzten Zweifel ausräumen dürfte: „Das erste, was mir als einem britischen Juristen auffiel, war das völlig freie und ungezwungene Verhalten der Angeklagten. SIE ALLE SAHEN GESUND AUS (kursiv von Heinz Ahlreip); sie alle erhoben sich und sprachen, wenn sie es wünschten…Ich persönlich bin überzeugt davon, dass es nicht den geringsten Grund gibt, irgendeine Ungesetzlichkeit zu vermuten, was den Inhalt und die Form des Prozesses betrifft. Meiner Ansicht nach waren die gesamte Verhandlung und die Art des Umgangs mit den Angeklagten mustergültig für die ganze Welt in einem Fall, da den Angeklagten eine Verschwörung zur Ermordung führender Staatsmänner und zum Sturz der Regierung vorgeworfen wird, wessen die Angeklagten sich schuldig bekannten. Ich bin der Meinung, dass das Gericht jedes beliebigen Landes unter solchen Umständen die Todesstrafe verkündet und exekutiert hätte“. 40.)  Der weltweit anerkannte englische Historiker Sir Bernard Pares hielt den Verrat vom Kamenew, Pjatakow; Radek und den anderen Angeklagten für eindeutig bewiesen, er hatte daran keinerlei Zweifel. Ein britisch sowjetischer Parlamentsausschuß hob in seinem Bericht über die Prozesse die „unstrittige Fundiertheit der Anklagen“ 41.)  hervor. Der Ausschußvorsitzende, der Labourabgeordnete Neil Maklin, hob besonders hervor, dass ihn „die Aufrichtigkeit der Geständnisse von seiten der Angeklagten beeindruckt habe“. 42.) Und selbst Churchill kam in seinen Memoiren zu einer bemerkenswerten Einschätzung: Die Säuberungen seien unerbittlich aber vielleicht nicht unnütz gewesen und Wyschinski habe als staatlicher Ankläger brilliert. 43.) Obendrein: auch die Internationale Liga für Menschenrechte ließ durch ihren Repräsentanten, durch den Anwalt Rosenmark, die Legalität der Prozesse verlauten. Damit jedoch nicht genug: der Schriftsteller Lion Feuchtwanger hatte den Prozess verfolgen können und konnte keinerlei Anzeichen von Folterspuren bei den Angeklagten entdecken. Sein Buch über den Prozess wurde in der Sowjetunion in einer Auflage von 200 000 Exemplaren gedruckt. Mitte der vierziger Jahre erschien in den USA das Buch der beiden US Amerikaner Michael Sayers und Albert E. Kahn „The Great Conspiracy“, in dem die juristische Haltbarkeit der Anklagen nachgewiesen wurde. Ich glaube, diese Aufzählung sollte schon ausreichen, die Aufzählung der Liste der „westlichen“ Intellektuellen, die ebenfalls von der Korrektheit der Prozesse überzeugt waren, erspare ich mir deshalb an dieser Stelle.

So witterten auch die Kapitalisten der Welt und ihre Ideologen, für die die sogenannten großen Männer Geschichte machen, nach Stalins Tod Morgenluft und es traten bald „Humanisten“ auf, die unter Absehung historischer Fakten gegen den „blutigen Tyrannen“ zu Felde zogen.  In der Periode des Brester Friedens 1918 zum Beispiel hatte Bucharin, als er die Mehrheit im Moskauer Gebietsbüro der KP hatte, zusammen mit den „linken“ Kommunisten, die eine abenteuerliche Politik der Fortsetzung des Krieges gegen deutsche imperialistische Truppen mit unterlegenen Kräften verfochten, die Unterordnung unter das ZK, das sich mit Lenin für den Brester Frieden ausgesprochen hatte,  verweigert. Er versuchten mit linken Sozialrevolutionären einen Block zu bilden. Im April 1929 führte Stalin in seiner Rede auf dem Plenum des ZK und der ZKK der KPdSU (B) „Über die rechte Abweichung der KPdSU (B) aus: was Bucharin mit den linken Sozialrevolutionären ausgemacht hat, ist uns leider noch unbekannt. 44.)  Erst der Moskauer Prozess gegen den Block der Rechten und Trotzkisten mit Bucharin an der Spitze deckte auf, dass Bucharin Lenin ermorden wollte. In der Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) Kurzer Lehrgang von 1938 wird dann auch Kirow als „Liebling der Partei“, als „Liebling der Arbeiterklasse“ bezeichnet. 45.) Nimmt man das Protokoll der Sitzung der Kommission des Plenums des ZK der KPdSU (B) zum „Fall Bucharin und Rykow“ vom 27. Februar 1937 zur Hand, so muss auffallen, wer sich für die Todesstrafe ausgesprochen hatte und wer dagegen: nennen wir einige Parteimitglieder, die sich dafür aussprachen: Jeshow, Budjonny, Kossior, Manuilski, Kossarew, Jakir u.a.,  dagegen aber Stalin und seinem Vorschlag, keine Übergabe an das Gericht, sondern Übergabe des Falles an das NKWD, schlossen sich an: Krupskaja, Wareikis, Molotow, Woroschilow u.a. Von den zwanzig Teilnehmern sprachen sich acht für die Übergabe an das Gericht ohne Todesstrafe aus, sechs für den Vorschlag des Genossen Stalin, fünf für die Übergabe an das Gericht mit Todesstrafe durch Erschießen und nur Jeshow für die Übergabe an ein Militärgericht mit der Höchststrafe: Tod durch Erschießen. 46.)

Bürgerliche Volksverdummer haben nach dem Zweiten Weltkrieg im Zuge der lächerlichen Totalitarismustheorie Hitler als den Gegenspieler Stalins aufgebaut. Wer den Abschaum und die Ausgeburt der bürgerlichen Gesellschaft, Adolf Hitler, mit Stalin gleichsetzt, muß augenblicklichst seine nächtlichen Labyrinthe durchwandern, und er wird sich in Vorstellungen hineinzuzwingen wissen, unter deren Widernatürlichkeit sich seine Seele sträubt. 47.). Hitler sagt kurz vor seinem feigen Selbstmord: „Morgen schon werden mich Millionen verfluchen.“ Kurz  vorher hatte er noch den Nerobefehl erteilt: die gesamte wirtschaftliche Infrastruktur in Deutschland so zu zerstören, dass das deutsche Volk nicht mehr überlebensfähig sei, (da es sich im Weltkrieg als Verlierer und damit als schwach erwiesen habe). Es gibt keine größeren Volksfeinde für das deutsche Volk als die Hitlerbarbaren. Aber wie sagte Stalin: Die Hitlers kommen und gehen, das deutsche Volk aber wird nicht untergehen. 48.)  STALIN ein großer Freund des deutschen Volkes. 49.)

Stalin kämpfte nach dem Zweiten Weltkrieg unermüdlich für die Einheit Deutschlands. Aufschlußreich ist das Protokoll des Referenten beim sowjetischen Außenministeriums Jerofejew, das geführt wurde, als am 2. August 1948 Stalin drei Vertreter der Westmächte, die Generäle Walter Bedell Smith (USA), Chataigneau (Frankreich) und Smith (England) im Kreml empfing: Stalin sagte zu den Spaltern Deutschlands, die bereits bürgerkriegsprovokativ eine Sonderwährung für Berlin ein- und massenweise Ausrüstung aus Berlin nach dem Westen ausgeführt hatten: „Berlin hat aufgehört, die Hauptstadt Deutschlands zu sein, weil die drei Westmächte Deutschland in zwei Staaten gespalten haben. Die alliierten Mächte haben das Recht, ihre Truppen in Berlin zu halten, eingebüßt.“ 50. )  Stalin wollte die Bildung einer westlichen Regierung, die bis heute ach so viel Unheil über das deutsche Volk gebracht hat und bringt und die dazu geführt hatte, dass sich die östliche und die westlichen Zonen auf so unterschiedliche Art entwickelten, verhindern.

1.) Lenin: Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin,489

2.) Geboren am 21. Dezember 1879 als Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili unterzeichnete er am 12. Januar 1913 einen Zeitungsartikel zum ersten mal mit: Stalin.

3.) Josef Stalin, Sozialismus oder Anarchismus, Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1950,266. Bemerkenswert ist, dass Stalin auf die Plechanowsche Broschüre nicht eingeht. Es ist heute sehr schwierig herauszufinden, ob sie ihm überhaupt vor dem Abfassen seiner Anarchismuskritik bekannt war.

4.) Karl Marx, Das Kapital, Nachwort zur zweiten Auflage, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin 1978,27

5.) Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,292. Es kann heute auch bei detailliertester Biographik wohl nicht mehr thematisiert werden, ob Stalin beim Abfassen seiner Anarchismusschrift bereits Kenntnis von den zentralen Textpassagen der deutschen Klassiker über ihr Verhältnis zur Hegelschen Methode hatte, eine eventuell angebrachte Korrektur seiner frühen, sehr positiven, ja materialistisch und marxistisch unkritischen Beurteilung der idealistischen Methode ist später ja nie erfolgt. Insofern kann auch von einem Fehler Stalins gesprochen werden, was aber seinen Wert als Klassiker nicht tangiert. Es gibt keine fehlerfreien Klassiker. Übte nicht auch Engels in der Einleitung zu den Klassenkämpfen in Frankreich aus dem Jahr 1895 Selbstkritik ? (über die falsche Einschätzung der revolutionären Situation nach der 48er Revolution: ein neuer Ausbruch wurde sehr bald erwartet. Wir haben uns damals alle gründlich geirrt).

6.) Vergleiche: Jean Jacques Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag, Reclam   1977,112

7.)  Karl Marx, Der Bürgerkrieg in Frankreich, Marx Engels Ausgewählte Werke Band IV., Dietz Verlag Berlin,1972,85f. Für Wsewolod Meyerhold entstammte Trotzki „einem Geschlecht politischer Abenteurer“. (Siehe: Arkadi Waksberg: Gnadenlos Andrei Wyschinski – der Handlanger Stalins, Lübbe Verlag Bergisch Gladbach 1991,259). Als unhaltbar erwiesen sich auch die Unterstellungen Trotzkis, Stalin habe den von Lenin im Sommer 1918 angelegten Geheimfonds (cirka fünfzig Millionen Rubel) für den Fall einer Niederlage der Oktoberrevolution veruntreut. (Siehe: Christian Windecke, Wie Stalin wurde, Vom Priesterseminar zum Kreml, Alfred Scherz Verlag, Printed in Switzerland, 1943,256ff.).

8.)  Lenin, Noch einmal über die Gewerkschaften, die gegenwärtige Lage und die Fehler Bucharins und Trotzkis, Lenin Werke Band 32, Dietz Verlag Berlin,1961,60

9.) siehe Lenins Schrift: „Über die Losung der Vereinigten Staaten von Europa“ aus dem Jahr 1915, in :Lenin Werke Band 18, 399. In der Tat findet sich bereits in dieser Schrift die mögliche Perspektive einer singulären proletarischen Revolution, sodann auch noch in der Schrift: „Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“ aus dem Jahr 1916, diese Theorie ist bereits während des ersten Weltkrieges entstanden. Dagegen schreibt Werner Scharndorff in seinem Buch „Moskaus permanente Säuberung“ , dass Lenin die Grundlage dieser „fälschlich Stalin zugeschriebenen “ Theorie erst wenige Jahre nach 1918 gelegt habe. (Vergleiche Werner Scharndorff, Moskaus permanente Säuberung, olzog verlag, München und Wien, 1964,55).

10.) Antwortschreiben an Oberst Rasin, Stalin Werke Band 15, Dortmund 1979,42. Der Brief des Oberst Rasin ist datiert vom 30.1. 1946 und wurde kaum drei Wochen später beantwortet und ein Jahr später wurde die Antwort im Parteiorgan „Bolshevik“ veröffentlicht.

11.) Alexej Stachanow: Mein Lebensweg, Verlag  Kommunistischer Texte, Münster 1972,65

12.) Siehe in: Nikolai Bucharin: Philosophische Arabesken Dialektische Skizzen, dietz verlag berlin 2005, 431

13.) Aufschlußreich ist zum Beispiel, wie die bürgerliche Konterrevolution im Fall Bucharin verfährt. Es ist unbestritten, dass in Lenins sogenanntem Testament Bucharin als „Liebling der Partei“ bezeichnet wurde, eine hervorragende Kraft, als ein überaus wertvoller und bedeutender Theoretiker der Partei, alles sehr positive Einschätzungen, wenn aber die materialistische Dialektik die Seele des Marxismus ist, so befindet sich im Testament ein Teufelsfuß:  „…er (Bucharin) hat die Dialektik nie studiert und, ich glaube, nie vollständig begriffen.“ (Lenin: Brief an den Parteitag 24.12.1924, Lenin Werke Band 36, 579) Auf den „Liebling“ spielt Stalin in seiner Rede über die rechte Abweichung in der KPdSU (B) an, wenn er ausführt: „Im Altertum sagte man von dem Philosophen Plato: wir lieben Plato, die Wahrheit aber noch mehr. Dasselbe könnte man auch von Bucharin sagen: Wir lieben Bucharin, aber die Wahrheit, aber die Partei, aber die Komintern lieben wir noch mehr.“ (Stalin Werke Band 12, Über die rechte Abweichung in der KPdSU (B), Seite 21) Es muß der Naivität Bucharins zugeschrieben werden, nicht gemerkt zu haben, welche für ihn gefährliche Brisanz  in den Worten Lenins steckte, er habe die materialistische Dialektik nicht wirklich studiert und nicht wirklich begriffen., steckte. Ohne die materialistsiche Dialektik begriffen zu haben, gerät man leicht auf Abwege: so erschien Mitte der 30er Jahre in der Emigrantenzeitschrift „The New Leader“ ein “ Brief eines alten Bolschewisten“, in dem der Altbolschewik mit den bisherigen sog. stalinistischen „Schauprozessen“ abrechnete. Herausgegeben wurde diese Zeitschrift von dem Menschewisten Levitas, der stellvertretender Bürgermeister von Wladiwostok war und 1923 vor dem Bolschewismus in die USA floh, der Autor des Briefes war Bucharin. Vor seinem Prozess schrieb der Lehrersohn Bucharin am 12. Dezember 1937 einen Brief an Stalin, in dem er bat „…mich für x Jahre nach Amerika auszuweisen. Die Argumente, die dafür sprechen sind: Ich würde eine Kampagne zu den Prozessen und einen gnadenlosen Kampf gegen Trotzki führen, ich würde bedeutende Schichten der schwankenden Intelligenz für uns gewinnen, ich würde taktisch der Anti-Trotzki sein und würde die Sache mit großem Elan und direkt mit Enthusiasmus betreiben: man könnte einen qualifizierten Tscheckisten mit mir mitschicken und als zusätzliche Garantie meine Frau für ein halbes Jahr hier festhalten, bis ich in der Praxis bewiesen habe, wie es mir gelingt, Trotzki & Co. in die Fresse zu hauen usw..“ Im gleichen Brief: „…ich habe gelernt, Dich mit Vernunft zu schätzen und zu lieben.“ Kann man denn Liebe lernen ? ( http://www. stalinwerke.de/mp/mp_bucharinbrief.html) Am 30.5.2005 erschien im Dietz Verlag Berlin ein interessantes, 480 Seiten starkes Buch von Nikolai Bucharin: Philosophische Arabesken, interessant insofern, als es die Schriften und Gedichte enthält, die Bucharin in seiner Untersuchungshaft vor seinem Prozess in Moskau geschrieben hat. Die bürgerliche Ideologie hat Greuelmärchen über Folterungen im Gefängnis Lubjanka erfunden, das Buch selbst gibt Aufschluß darüber, daß die Gefängnisbibliothek erstklassig ausgestattet war. Im Gefängnis verfasste er 1938 auch eine Art Abschiedsbrief, der an die künftige Generation führender Parteifunktionäre gerichtet war, und in dem er seine Unschuld beteuerte. Führende Funktionäre würden ihn später rehabilitieren. Für einen Marxisten fürwahr ein merkwürdiger Aufruf. Bekanntlich wurde Bucharin im Namen des Volkes verurteilt, nur das Volk spricht dann auch eine Rehabilitierung aus. In der Zeitschrift: Marxistische Blätter vom 10.11.2007 hat Dr. h.c. Robert Steigerwald einen Aufsatz über Stalin verfasst, dessen Überschrift ein Satz aus einem Brief Bucharins an Stalin bildet: „Koba (Untergrundname von Stalin), wozu brauchst Du meinen Tod ?“ Er kommt in ihm zu dem Schluß, daß die Greuel des Stalinismus gezeigt hätten, dass Kommunisten das Räte- bzw. Sowjetsystem aufzugeben und stattdessen eine auf Gewaltenteilung basierende Republik anzustreben hätten. Das geht natürlich weiter als die Forderung der Kronstadter Matrosen: Sowjets ohne Bolschewiki, der Gedanke der Diktatur des Proletariats soll fallengelassen werden.  Steigerwald geht an die Frage der Dialektik von Demokratie und Diktatur pauschal ran, während Lenin uns gerade lehrte, dass die Diktatur des Proletariats ein Höchstmaß an Diktatur GEGEN die alten Ausbeuter und ein Höchstmaß an Demokratie FÜR die bisher unterdrückten Volksmassen bedeutet. Auch Bucharin war in der Frage des Staates gestrauchelt, genauer in der Frage des Unterschieds zwischen Sozialisten und Anarchisten in ihrer Stellung  zum modernen bürgerlichen Staat. Im Jahre 1916 veröffentlichte Bucharin unter dem Pseudonym Nota-bene in der Zeitschrift „Jugend Internationale“ einen Artikel zur sozialistischen und anarchistischen Position zum Staat, in dem ihm  große Fehler unterliefen, die Lenin korrigieren mußte. Bucharin schrieb zur Frage der Stellung der Sozialisten und Anarchisten zum Staat: „…es ist völlig verkehrt, den Unterschied zwichen den Sozialisten und Anarchisten darin zu suchen, daß die ersteren staatsfreundlich und die letzteren staatsfeindlich sind. Der Unterschied liegt aber darin, daß die revolutionäre Sozialdemokratie die neue gesellschaftliche Produktion als zentralisierte, das heißt technisch-progressive formieren will, während die dezentralisierte anarchistische Produktion nur einen Rückschritt zur alten Technik und Betriebsform bedeuten würde“. (Lenin, „Jugend Internationale, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1957,165). Lenin kritisierte, dass Bucharin nicht die Frage der Stellungen der beiden politischen Strömungen zum Staat beantwortete, sondern ihrer Stellung zur ökonomischen Grundlage der zukünftigen Gesellschaft. Der Unterschied zwischen Sozialisten und Anarchisten besteht vielmehr darin, dass erstere den modernen bürgerlichen Staat für seinen Sturz und zur Errichtung der Diktatur des Proletariats ausnutzen wollen, in der der proletarische Staat bzw. Halbstaat abstirbt, während die Anarchisten den Staat von heute auf morgen abschaffen wollen. Des weiteren schrieb Bucharin: „Für die Sozialdemokratie aber, die die Erzieherin der Massen ist oder wenigstens sein soll, ist es jetzt mehr als je notwendig, ihre prinzipielle Gegenerschaft zum Staat zum Ausdruck zu bringen…Der heutige Krieg hat gezeigt, wie tief die Wurzeln der Staatlichkeit in die Seelen der Arbeiterschaft hineingedrungen sind“. (a.a.O.,166). Lenin erhob gegen diese Ausführungen den Einwand, dass Bucharin keine Klarheit in der Frage der prinzipiellen Gegnerschaft zum Staat habe, und der Satz, “ in dem von den „Wurzeln der Staatlichkeit“ die Rede ist, ist schon ganz und gar verworren, unmarxistsich und unsozialistisch. Nicht die „Staatlichkeit“ ist mit der Negation der Staatlichkeit zusammengeprallt, sondern die opportunistische Politik (das heißt die opportunistische, reformistische, bürgerliche Einstellung zum Staat) ist mit der revolutionären  sozialdemokratischen Politik zusammengeprallt (das heißt mit der revolutionären sozialdemokratischen  Stellung zum bürgerlichen Staat und zur Ausnützung des Staates gegen die Bourgeoisie zum Sturz der Bourgeoisie). Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.“ (a.a.O.). Fehler waren Bucharin auch noch in anderen Fragen unterlaufen, zum Beispiel bei der Motivierung des sozialistischen Kampfes gegen die Losung der „Vaterlandsverteidigung“. (a.a.O.,165).

14.) Aus einer Geheimrede Himmlers am 4. Oktober 1943 in Posen vor der SS-Generalität:…daß der sowjetische Geheimdienst dahinter gekommen sei, daß wir im Offizierskorps einschließlich der höchsten Generalität einen Umsturz vorbereiteten und dabei waren, unter den Rußlanddeutschen eine fünfte Kolonne aufzubauen. DVD: Das Himmler Projekt, Schallplattenversand des jW-shops. Siehe auch: Günther Lange: Revisionismus und Anti-Stalinismus,in: offensiv, Zeitschrift für Sozialismus und Frieden, Nr. 4, 2007, 34. Ludo Martens weist in seinem Buch: „Stalin anders betrachtet“ auf die Memoiren von Robert Coulondre hin, der von 1936 – 1938 Frankreichs Botschafter in Moskau war: Wie der Terror 1792 die Aristokraten hinwegfegte und das Volk auf den  Krieg gegen die reaktionären Mächte Europas vorbereitete, so geschah Ähnliches 1936 – 1938 in der Sowjetunion. (Vgl. Ludo Martens: Stalin anders betrachtet, Epo Verlag, 1998, 202). Anders betrachtet Klaus Kellmann die Terrorfrage: „Die Sowjetunion stand am Beginn jener Epoche, die unter der Bezeichnung „Stalinismus“ als einer der schwärzesten Zeitabschnitte in die Geschichte der Menschheit einging.“ (Klaus Kellmann, Stalin Eine Biographie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Primus Verlag Darmstadt 2005,89). Man fühlt sich an Lenins Aussage über die jungen Wissenschaftler erinnert, die durch die Widerlegung des Sozialismus Karriere machen, „wie Mummelgreise“. (Vergleiche Lenin, Marxismus und Revisionismus, Werke Band 15, Dietz Verlag Berlin 1967,19). Die überwiegende Mehrheit der Stalinbiographien gefällt sich in der Widerlegung eines selbst erschaffenen Stalinismus.

15.) Siehe dazu: Klaus Waschik, Virtual Reality. Sowjetische Bild- und Zensurpolitik als Erinnerungskontrolle in den 1930er-Jahren, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe,7 (2010),H.1, URL: http://www.                     zeithistorische-forschungen.de/16126041-Waschik-1-2010 Textabschnitt 10 und 12.

16.) Vergleiche Lenin,Was tun ? Brennende Fragen unserer Bewegung, Lenin Werke Band 5, Dietz Verlag Berlin, 1955,363

17.) Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Lenin Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin, 1959,279. Zu fragen ist, ob die radikale literarische Säuberungskur durch die Verschärfung des Klassenkampfes, die ohne Zweifel stattgefunden hat, gerechtfertigt war ?

18.) Lenin, Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus, Werke Band 33, Dietz Verlag Berlin, 1962,216

19.) Klaus Kellmann, Stalin Eine Biographie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Primus Verlag Darmstadt 2005,69

20.) Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Marx Engels Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin, 1975,287

21.) Klaus Kellmann, Stalin Eine Biographie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Primus Verlag Darmstadt 2005,68

22.) Die gegen Ende von Stalins Lebzeiten verfassten Abhandlungen über seine Weiterentwicklung des Marxismus- Leninismus müssen kritisch durchleuchtet werden, ob sie nicht unter dem Bann eines Personenkultes geschrieben worden sind. Das Genialische Stalins wird im Grunde aus dem Munde Friedrich Engels dargelegt, wenn man von dem vom englischen Dichter Edward Young geprägten klassischen Geniebegriff ausgeht; „Regeln sind wie Krücken, eine notwendige Hilfe für den Lahmen, aber ein Hindernis für den Gesunden. Ein Homer wirft sie von sich.“ (H.A. und E. Frenzel: Daten deutscher Dichtung, dtv 1969, Bd, II, 202 f.). In seinem Referat vom 1. November 1926: „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ führte Stalin aus: „Engels würde sich, wenn er noch  lebte, nicht an die alte Formel (alte Formel aus den Grundsätzen des Kommunismus von 1847: es kann kein Sozialismus in einem Land errichtet werden) klammern, sondern er würde im Gegenteil unsere Revolution aus vollem Herzen begrüßen und sagen: „Zum Teufel mit allen alten Formeln, es lebe die siegreiche Revolution in der UdSSR.“ (Stalin Werke Band. 8, Dietz Verlag  Berlin 1952, 271). Auch sagte Stalin ausdrücklich, dass sich zum Beispiel Engels geirrt habe, als er Barcley de Tolly als den einzig fähigen russischen General von 1812 bezeichnete. ( J. Stalin, Antwortschreiben an den Oberst Rasin, Stalin Werke Band 15, Dortmund, 1979,43). Auch in seiner Rede beim Empfang der Mitarbeiter der Hochschulen im Kreml vom 17. Mai 1938 wies er auf Lenins kühne Leistung im Oktober 1917 hin, der mit seinem Revolutionsentwurf gravierend gegen den Strom schwamm und den viele renomierte Wissenschaftler für  „verrückt“ hielten, Plechanow sprach von einer Fieberpantasie der Aprilthesen. Habt „Fieberphantasien“, schwimmt gegen den Strom, um der neuen Wissenschaft Bahn zu brechen,….so spricht keine hervorragende Mittelmäßigkeit. (Siehe: Lenin Ausgewählte Werke in 2 Bänden, Verlag  für fremdsprachige Literatur Moskau 1946, Bd. I, 53).

23.)  Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Marx Engels Ausgewählte Werke Band I, Dietz Verlag Berlin, 1971,298f.

24.) Rousseau als Theoretiker der Kleinbourgeoisie schrieb im Gesellschaftsvertrag: „Niedrige Seelen glauben nicht an große Menschen…“ (Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag Stuttgart, 1974,98) Und ein sogenannter großer Mensch ist ja dann auch als Folge der französischen Revolution quer durch Europa gezogen mit Menschen, die er seinem Kult opferte.

25.) Karl Marx, Die Klassenkämpfe in Frankreich, MEGA I/10, Dietz Verlag Berlin 1977, 191

26.) Friedrich Engels. Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassichen deutschen Philosophie, Marx Engels Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1975, 270

27.) Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1984, 29

28.) Vergleiche Hellmut Andics, Der Grosse Terror, Von den Anfängen der russischen Revolution bis zum Tode Stalins, Verlag Fritz Molden Wien, 1967,82

29.)  Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin 1961,482f.

30.) Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1975,298

31.) Andrei Wyschinski, Die Theorie des gesetzlichen Beweismaterials im sowjetischen Recht, in: Arkadi Waksberg, Gnadenlos Andrei Wyschinski – der Handlanger Stalins, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1991,272. Im gleichen Werk Wyschinskis findet sich auch eine aufschlußreiche Bemerkung zu den politischen Erklärungen der Angeklagten in den Prozessen: sie „nehmen zwangsläufig den Charakter und die Bedeutung grundlegender, zentraler, entscheidender Beweise an“. (a.a.O.,273). Professor Strogowitsch, der zeitweise ein enger Mitarbeiter Wyschinskis war, sprach angesichts der Verschärfung des Klassenkampfes im Sozialismus von einer Verdichtung der Verfahrensform (a.a.O.), also von einer summarischen Aburteilung von Konterrevolutionären.

32.) Jean Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag, Reclam Verlag, 1975,42

33.) Kurt Kellmann. Stalin Eine Biografie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Primus Verlag Darmstadt 2005,131

34.) Arkadi Waksberg, Gnadenlos Andrei Wyschinski – der Handlanger Stalins, Lübbe Verlag Bergisch Gladbach 1991,105

35.) Vergleiche a.a.O., 234

36.)  a.a.O.,321

37.) a.a.O.,350

38.) a.a.O., 469

39.) a.a.O.,164

40.) a.a.O.,165

41.) a.a.O.

42.) a.a.O.

43.) Vergleiche a.a.O.,165f.

44.)  Stalin, Über die rechte Abweichung in der KPdSU (B), Stalin Werke Band 12, Dietz Verlag Berlin 1959,89

45.) Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) Kurzer Lehrgang, Verlag der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland, Berlin 1946,394

46.) Vergleiche: Schauprozesse unter Stalin 1932 bis 1952, Zustandekommen, Hintergründe, Opfer, mit einem Vorwort von Horst Schützler, Dietz Verlag Berlin 1990,346ff.

47.) Seine nächtlichen Labyrinthe hat leider Klaus Kellmann nicht durchwandert, wenn er dreist aufs Papier wirft, dass die Ermordung des SA Chefs Röhm und des Reichskanzlers außer Dienst von Schleicher im Sommer 1934 Stalin schlagartig gezeigt habe, „dass ihm hier ein in krimineller Energie Ebenbürtiger erwachsen war.“ (Klaus Kellman, Stalin Eine Biographie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Primus Verlag Darmstadt 2005,111).

48.) Die Revisionisten haben das dahingehend verfälscht, er habe gesagt:…das deutsche Volk, der deutsche Staat bleiben bestehen…

49.) Über Stalin sind unzählige „gelehrte“ Abhandlungen geschrieben worden, in denen sogar der Begriff: Stalinismus geprägt wurde und der in einem denunziatorischen Zusammenhang verwendet wird. Die meisten dieser Abhandlungen, die Stalin als Schreckensdiktator und roten Tyrannen herausstreichen wollen, sind Fabrikationen, deren Auftraggeber leicht zu ermitteln sind. Überhaupt ist die grosse Masse der Stalinliteratur durch die Brille der bourgeoisen Ideologie geschrieben worden, diese bürgerlichen und kleinbürgerlichen Ideologen übertragen ihr verqueres politisches und historisches Weltbild auf Stalin, so kommt dann zum Beispiel ein Buchtitel heraus wie „Alchemie der Macht“ von Jan Plamper. Gegen diese „gelehrten“ Abhandlungen ist immer wieder auf Tatsachenmaterial hinzuweisen, das eine klare und eindeutige Sprache spricht. Man weiß aus der Geschichte, daß zum Beispiel beim Tode Friedrichs des Großen, der in seinen letzten Lebensjahren ein unausstehlicher Misanthrop geworden war, in Preußen nicht eigentlich Trauer herrschte. So schrieb Graf Mirabeau: „Alles war düster, niemand traurig; alles war geschäftig, niemand betrübt. Kein Bedauern, kein Seufzen, kein Wort des Lobes ! (in: G.B. Volz: Friedrich der Große im Spiegel seiner Zeit, III, S. 163/69 und S. 171). Schon der Tod des Sonnenkönigs Ludwig XIV. war nach der Agonie des Absolutismus von vielen als Befreiung empfunden worden. Lassen wir am Ende einen Mann zu Wort kommen, der in Moskau die Tage nach Stalins Tod selbst erlebt hat: Georges Bortoli spricht von einem hartnäckigen Marsch zum Gewerkschaftshaus, in dem Stalin aufgebahrt war. „Dieser hartnäckige Marsch dauerte drei Tage. Drei kalte Märztage mit Schneeschauern. Und drei Nächte mit dem fahlen Licht der Scheinwerfer. Mehrere Millionen Männer und Frauen- man spricht von fünf Millionen- schieben so vorwärts, unaufhörlich, in der Hoffnung, die Säulenhallen zu erreichen.“  (Georges Bortoli: Als Stalin starb, Kult und Wirklichkeit, Seewald Vlg. 1974, 224 f.)  Gibt es ein besseres Zeugnis ? Stalin war kein Tyrann, sondern ein Volksfreund (im guten Sinne des französischen Jakobiners Marat) und darüber hinaus, ein proletarischer Jakobiner des XX. Jahrhunderts. Der bürgerliche Jakobiner liquidiert Stände, , der proletarische Klassen. Bertolt Brecht schrieb über Stalins Tod: „Den Unterdrückten von fünf Erdteilen, denen, die sich schon befreit haben, und allen, die für den Weltfrieden kämpfen, muß der Herzschlag gestockt haben, als sie hörten, Stalin ist tot. Er war die Verkörperung ihrer Hoffnung. Aber die geistigen und materiellen Waffen, die er herstellte, sind da, und da ist die Lehre, neue herzustellen.“ (Bertolt Brecht, Zur Stalinfrage, Broschüre, o.J.,o.O., Seite 14). Klaus Kellmann schreibt in seiner gehässigen Stalin Biografie, dass die Millionen Menschen, die bei klirrender Kälte von ihm Abschied nahmen, sich nur überzeugen wollten, ob der Tyrann wirklich tot war. (Vergleiche Klaus Kellmann, Stalin Eine Biographie, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Primus Verlag Darmstadt 2005,262).

50.) Ein Gegner der Spaltung Deutschlands, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. Mai 1988,4. Die Position, die die Sowjetunion im März 1952 zur Frage der deutschen Einheit und der Staatsform einnahm, war keine situativ entstandene, sondern diese zeichnete sich bereits genau fünf Jahre früher, im März 1947, auf einer in Moskau stattfindenden Außenministerkonferenz der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges ab, auf der nur Genosse Molotow für die Demokratie und Einheit des deutschen Volkes eintrat, während die Außenminister der USA (Marschall), Frankreichs (Bidault) und Englands (Bevin) auf der Zerstücklung des deutschen Territoriums und alliierter Oberhoheit beharrten. (Vergleiche Paul Sethe, Zwischen Bonn und Moskau, Heinrich Scheffler Verlag, Frankfurt am Main, 1956, 13 bis 15).

Die weltgeschichtliche Bedeutung des roten Oktober

17. Mai 2009

Das von der Oktoberrevolution geschaffene Reich ist am Ausgang des Jahres 1991 endgültig zerfallen. Mit dem Abtritt Gorbatschows hat die Perestroika ihre historische Mission erfüllt, vom kapitalistischen Inhalt Rußlands seine sozialistische Hülle fortzuschleudern und ihm endlich ein zeitgemäßes Anlitz zu geben: nach Gorbatschow leben cirka. 40 Prozent der russischen Familien unterhalb der Armutsgrenze.

Die internationale Reaktion hat während der Perestroikaperiode alle Ideologen, die nur irgendwie schreiben und lesen konnten, aufgeboten, das Todesurteil der Oktoberrevolution zu verfassen. Der von ihr angestachelte konterrevolutionäre Mob, der die Lenindenkmäler gestürzt hat, soll angeblich das Urteil vollzogen haben, während er nur die Form dem schmutzig kapitalistischen Inhalt des Landes angepaßt hat. Ist die Oktoberrevolution wirklich historisch entwertet ?

Man muß bedenken: das revolutionäre Rußland ist aus einem vierjährigen Bürgerkrieg siegreich hervorgegangen, hat siebzehn Interventionsarmeen zurückgeschlagen, eine Arbeitsproduktivität, die während der NÖP Periode noch beträchtlich geringer war als vor dem Krieg derart gesteigert, dass eine Schwerindustrie errichtet und die Landwirtschaft kollektiviert werden konnten, dadurch systematisch die soziale Wohlfahrt verbessert und die Grundlage geschaffen, um dem Hitlerfaschismus in Berlin den Todesstoß zu versetzen. Und das alles trotz der denkbar ungünstigsten Voraussage, die die bürgerliche Presse in Rußland über die  Bolschewiki vor der Revolution gemacht hatte. daß nämlich „der erste Tag ihres endgültigen Triumphs zugleich auch der erste Tag jähen Niedergangs wäre.“ (1.) Das sagte eine Partei, die ein halbes Jahr vor der Oktoberrevolution an einer Koalition beteiligt war, die doch ein Fiasko erlitten hatte !

Diese Erfolge stehen einzigartig da in der Geschichte und können nur verstanden werden, wenn man sich der Basis der Revolution bewußt wird. In keinem anderen Land Europas war am Vorabend der Revolution die Industrie so stark konzentriert wie in Rußland: 54 % aller Arbeiter waren in Betrieben mit mehr als 500 Arbeitern in den Kerngebieten Moskau und Petersburg, am Ural und in der Ukraine beschäftigt, und diese derartig konzentrierten Industriearbeiter bildeten die Basis der Revolution. 1917 waren 43,2 Prozent aller Industriearbeiter Frauen.  In der Auswertung der Streiks aus dem Jahr 1912 schlußfolgerte Lenin, dass die Metallarbeiter Petersburgs die Rolle der Vorhut gegenüber den Metallarbeitern ganz Rußlands übernommen hätten. (2.). Die Produktionsmittel waren komplex zusammengesetzt und dementsprechend lag eine kollektive Organisation der Arbeit, ein fruchtbarer Boden für die sozialistische Machtübernahme, vor. Man erinnert sich an den Brief von Marx an Engels vom 7. Juli 1866: „Unsere Theorie von der Bestimmung der Arbeitsorganisation durch das Produktionsmittel.“  (3.). Es mußte gelingen, die, salopp formuliert, „kleine aber feine“ Arbeiterklasse mit den Millionen verarmter Bauern zu verbünden, ein Konzept, das so im klassischen, traditionell westeuropäischen Marxismus nicht vorlag, aus dem heraus dann ja auch die Oktoberrevolution als ein Irrläufer der Weltgeschichte dargestellt wurde. Der eigenartige Schwebezustand der Doppelherrschaft vor der Oktoberrevolution, in dem zwei Diktaturen „MITEINANDER UND INEINANDER VERFLOCHTEN“ (kursiv von Lenin) (4.) waren, ergab sich aus der Tatsache, dass Russland ein ausgesprochnes kleinbürgerliches Bauernland war und diese machte den Ausgang der labilen Doppelherrschaft, die „sich nicht lange halten kann“ (5.) sehr ungewiss. Nach der Februarrevolution setzten sich die Sowjets aus  Bauern zusammen, die man in die Soldatenröcke gepresst hatte. Im Gegensatz zu Trotzkis Auffassung, dass der Bauer ein „Fanatiker der Ordnung“ sei, und zu der Plechanows, er sei dumpf (siehe seine Schrift aus dem Jahr 1895: Zur Frage der Entwicklung der monistischen Geschichtsauffassung), sah Lenin, auf Marx fußend, der als Ergänzung einer proletarischen Revolution eine Art zweite Auflage des Bauernkrieges sehen wollte, durchaus revolutionäres Potential in der Dorfarmut, das man durch geduldige Aufklärungsarbeit  über den verbrecherischen Charakter des trotz der Februarrevolution weitergehenden imperialistischen Krieges entzünden musste. Denn zunächst hatten die Sowjetsoldaten als Bauernsoldaten ein kleinbürgerliches, wenig entwickeltes politisches Bewußtsein, sie traten die Sowjetmacht daher freiwillig an die bürgerliche Regierung ab.   Die Oktoberrevolution, die durch dieses Leninsche Konzept eine Brücke zu den Völkern des Ostens wurde,  hatte unter anderem zum Inhalt, kollektive Formen von Beziehungen unter den Werktätigen zu realisieren, zunächst auf alle Fälle die alten kapitalistischen Formen der Beziehungen unter den Menschen aufzuheben, das heißt: Ausschaltung der Volksfeinde aus dem gesellschaftlichen Leben der Arbeiter und Bauern. Während die Revolution in den Industriezentren schon im Herbst 1917 stattfand, verzögerte sich diese auf dem Dorf, in dem es noch haarsträubende Überbleibsel der Leibeigenschaft gab,  um ein Jahr. (6.) Während aber die Industrie bereits 1918 verstaatlicht wurde, gab es auf dem Sektor der Landwirtschaft bis 1929 das Verbot der Kulakenenteignung, erst 1929 wurde mit der Liquidierung der Kulaken als Klasse die letzte Quelle der Konterrevolution verstopft. Gingen 1918 die industriellen Produktionsmittel in die Hände des Staates über, so 1929 die kulakischen in bereits bestehende Kollektivwirtschaften. In der „Geschichte der KPdSU (B) Kurzer Lehrgang“ wird die Liquidierung des Kulakentums ihrem revolutionären Gehalt nach mit der Oktoberrevolution gleichgesetzt. So gesehen initiierten die russischen Völker in 24 Jahren vier Revolutionen, wobei nur die letztere sowohl eine von oben als auch von unten war. „Die Eigenart dieser Revolution bestand darin, dass sie von oben, auf Initiative der Staatsmacht, mit direkter Unterstützung von unten, durch die Millionenmassen der gegen das Kulakenjoch und für ein freies kollektivwirtschaftliches Leben kämpfenden Bauern vollzogen wurde“. (7.)

Und hier haben wir einen der Hauptpunkte, warum die Ideologen des dekadenten Bürgertums danach streben, diese Revolution zu entwerten- das Jahr 1917 darf keine besondere Bedeutung im Gedächtnis der ausgebeuteten Volksmassen haben. Die Oktoberrevolution soll das Schicksal einer anderen großen Revolution teilen, die Revolution Robespierres. Die nationale Erhebung der Franzosen wurde von den Ideologen der jungen Bourgeoisie noch gefeiert, Kant sprach von ihr als von einem Ereignis, das sich nicht vergißt und Hegel hob ihre weltgeschichtliche Bedeutung hervor: „Wir haben jetzt die Französische Revolution als welthistorische zu betrachten, denn dem Gehalte nach ist diese Begebenheit welthistorisch…Es war dies somit ein herrlicher Sonnenaufgang. Alle denkenden Wesen haben diese Epoche mitgefeiert. Eine erhabene Rührung hat in jener Zeit geherrscht, ein Enthusiasmus des Geistes hat die Welt durchschauert.“ (8.).  Dem spätbürgerlichen Geschichtsbild paßte das alles bereits nicht mehr. Nietzsche wurde gerufen, der die Geschichte nur als ständige Wiederkehr des Gleichen deutete, ohne qualitativen Sprung. Trotzki wandte sich sogar noch mehr der Vergangenheit zu, für ihn war die Menschheit düsterer geworden. (9.) Und so reduzierte dann auch der spätbürgerliche Philosoph Adorno die Große Französische Revolution auf einen lapidaren Aufstand eines Pariser Straßenpöbels. In Wirklichkeit ist dieser Pöbel betrogen worden, denn zehntausend Arbeiter aus der Vorstadt Saint Antoine hatten die Bastille gestürmt und  damit die Macht des Bürgertums gesichert. Und wie dankte es das verlogene Bürgertum ? Durch das Gesetz Le Chapelier, das den Arbeitern verbot, sich zu koalieren. Nur insofern ist ein pessimistischer Grundton bei der bürgerlichen Revolution angebracht und ein solcher liegt denn auch vor bei dem Volksfreund, der als einziger gegen das le Chapelier Gesetz aufstand: Jean Paul Marat. „Unsere Revolution ähnelt einer Kristallisation, die durch heftige Stöße gestört wird; erst bewegen sich alle in der Flüssigkeit verstreuter Kristalle, fliehen sich und mischen sich ohne Ordnung; dannbewegen sie sich weniger lebhaft, nähern sich allmählich einander, und sie nehmen schließlich ihre erste Kombination wieder an und verbinden sich eng.“ (10.)

Durch welchen Gedanken aber haben sowohl 1789 als auch 1917 eine außerordentliche Bedeutung in der Weltgeschichte, an der das Schicksal der ganzen Menschheit hängt ? Warum werden die Volksmassen weder das eine noch das andere Jahr vergessen ?

Abgesehen von dem heiligen Recht auf Brot- es ist dies vor allem der Gedanke der Anarchie ! Obwohl Hegel das Wesen der welthistorischen Begebenheit von 1789 noch nicht von dem Entwicklungsstand der Produktionsmittel her deuten konnte, hat er doch die ideelle Grundintention erfasst: „…die die Anarchie zu constituiren strebende Anarchie…“ (11.).  Und allerdings ! Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit- sind diese Forderungen etwa mit irgendeiner Herrschaftsform vereinbar ? Und überhaupt hat die französische Revolution „…Ideen hervorgetrieben, welche über die Ideen des ganzen alten Weltzustandes hinausführen. Die revolutionäre Bewegung, welche 1789…begann…hatte die kommunistische Idee hervorgetrieben. Diese Idee, konsequent ausgearbeitet, ist die Idee des neuen Weltzustandes.“ (12.).  Diese Idee wurde von Marx, Engels und Lenin konsequent ausgearbeitet: Über die Diktatur des Proletariats zur realen historischen Erfüllung dessen, was in der bürgerlichen Revolution nur eine Idee ihrer sozialistisch- anarchistischen Strömung war. “ In der Frage der Abschaffung des Staates als Ziel gehen wir mit den Anarchisten keineswegs auseinander.“ (13.)

Es war der bürgerliche Ökonom und Vertreter der Theorie des Freihandels, David Ricardo, der hundert Jahre vor der Oktoberrevolution in seinen „Grundsätzen der Ökonomie und der Besteuerung“ eine Werttheorie aufstellte, die zwei für den Sozialismus beachtenswerte Sätze enthielt: 1. dass der Wert jeder Ware bestimmt wird einzig und allein durch die zu ihrer Produktion erheischte Arbeitsmenge, und 2. dass das Produkt der gesamten gesellschaftlichen Arbeit verteilt wird unter die drei Klassen der Grundbesitzer (Rente), Kapitalisten (Profit) und Arbeiter (Arbeitslohn). (14.). Der Mehrwert besteht aus unbezahlter Arbeit. „Die Nutzanwendung der Ricardoschen Theorie „…führt direkt in den Kommunismus.“ (15.). Die bürgerliche Ökonomie wird heute von ihrer Genesis eingeholt: die Frage bleibt also brennend aktuell für die Arbeiterklasse: Wie kommt es, dass die Arbeit der Vielen in den Reichtum der Wenigen mündet ?  Bertolt Brecht formulierte trotzdem, obwohl doch die Vielen die Wenigen eigentlich leicht besiegen können, dass der Kommunismus das so schwierig zu machende Einfache sei. Lenin wies uns ja nicht nur darauf hin, dass der Bürgerkrieg zum Sturz der Bourgeoisie hundert mal schwieriger sei als ein Krieg zwischen Staaten, in seinem Fundamentalwerk „Staat und Revolution“, das das Einmünden der Weltgeschichte in den  Kommunismus als höchstwahrscheinliche weltgeschichtliche „Notwendigkeit“ (16.) darstellt, findet sich eine bemerkenswerte Textpassage, die einen am Kommunismus verzweifeln läßt, ja an der man irre werden kann. Lenin bezieht sich auf die Aussage von Engels, dass der Staat abstirbt:  „Man könnte wetten, dass von 10 000 Menschen 9 900 überhaupt nicht wissen oder sich nicht entsinnen, daß Engels seine Schlußfolgerungen aus diesem Satz nicht nur gegen die Anarchisten richtete. Und von den übrigen zehn Menschen wissen neun sicherlich nicht, was der „freie Volksstaat“ ist und warum in dem Angriff auf diese Losung ein Angriff auf die Opportunisten steckt.“ (17.).  Wie soll sich der Kommunismus bei einem Wissenden gegen 9 999 Unwissende realisieren ? Stellte sich nicht schon Rousseau auf seinen letzten Spaziergängen die Frage: Bin denn ich allein weise auf der Welt ?

1.Leitartikel der „Retsch“ vom 16. September 1917, in: Lenin, Werden die Bolschewiki die Staatsmacht behaupten ?, Lenin Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971,397. „Retsch“ (Die Rede) war eine Tageszeitung und das Zentralorgan der Kadettenpartei, sie stellt im August 1918 ihr Erscheinen ein. Die „Nowaja Shisn“, das Organ der Viertelbolschewiki, schrieb in ihrem Leitartikel vom 23. Septemebr 1918, daß das Proletariat nicht fähig sei, „den ganzen Ansturm der feindlichen Kräfte standzuhalten, der nicht nur die Diktatur des Proletariats, sondern obendrein auch die ganze Revolution hinwegfegen würde.“ (a.a.O.,399).

2. Vergleiche Lenin, Die Metallarbeitertsreiks im Jahre 1912, Werke Band 18, Dietz Verlag Berlin,1962,313. Im Jahre 1901 arbeiteten immerhin schon 46,7 % aller Arbeiter in Betrieben mit mehr als 500 Arbeitern, 1910 waren es bereits 54 %, so dass von einer außerordentlichen Konzentration der Industrie gesprochen werden kann, selbst in den technisch so hochstehenden USA arbeiteten nur cirka ein Drittel in Großbetrieben. In Russland stieg die Zahl der Arbeiter in staatlichen Fabriken von 120 000 im ahre 1914 auf 400 000 im Januar 1917 an, bei den Eisenbahnen arbeiteten 1914 600 000 Arbeiter, 1917 1,1 Millionen. Im Bergbau verdoppelte sich die Zahl der Arbeiter von 1914 bis 1917. (Vergleiche Jörg Leonhard, Die Büchse der Pandora, Geschichte des Ersten Weltkrieges, Verlag C.H. Beck, München 2014,662).

3.Schon 1894 weist Lenin in seiner ersten fundamentalen Schrift: „Was sind die Volksfreunde und wie kämpfen sie gegen die Sozialdemokraten ?“ auf die zwingende Tendenz der kapitalistsichen Großproduktion hin, die Ausbeutung in reiner Gestalt hervortreten zu lassen, „…ohne irgendwelche verwirrenden Besonderheiten.“ (Lenin Werke Band 1, Dietz Verlag Berlin 1959,303). Rosa Luxemburg sah schon 1905, dass das städtische Proletariat in Rußland „hier und da“ höhere Löhne hätte als ihre Arbeitsbrüder in Deutschland. Wir finden diesen Hinweis in ihrer Broschüre „Massenstriek, Partei und Gewerkschaftem“, die die SPD auf Betreiben rechter Gewerkschaftsführer in ihrer ersten Auflage einstampfen ließ !

4. Lenin, Die Aufgaben des Kampfes des Proletariats in unserer Revolution, Werke Band 24, Dietz Verlag Berlin,19758,45

5. a.a.O.

6. Vergleiche Lenin, Die proletarische Revolution und der Renegat Kautsky, Lenin Werke Band 28, Dietz Verlag Berlin 1959,303. In der chinesischen Revolution war es umgekehrt, sie ging von den Dörfern aus.

7. Vergleiche „Geschichte der KPdSU (B) Kurzer Lehrgang“, Verlag der sowjetischen Militärverwaltung, Berlin 1946,369

8. Hegel, Philosophie der Weltgeschichte, Reclam, Stuttgart 1961, 593

9. Vergleiche Leo Trotzki, Die Russische Revolution, Kopenhagener Rede 1932, Voltaire Flugschrift Nummer 29, Berlin,o.J.,5

10. Jean Paul Marat, Ein Militärtribun, oder ihr seid unwiderbringlich verloren ! Ami du Peuple vom 27. August 1791, in: Jean Paul Marat, Ich bin das Auge des Volkes, Ein Portarit in Reden und Schriften, herausgegeben von Aglalia I. Hartig, Wagenbach Verlag Berlin, 1987,112f.

11. Hegel, Phänomenologie des Geistes, Akademieausgabe Band 9, Felix Meiner Verlag Hamburg 1980, 322

12. Marx, Die Heilige Familie, Marx Engels Werke Band 2, Dietz Verlag Berlin 1961,126

13. Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin 1959, 449. Gedenken müssen wir in diesen Zusammenhängen vor allem auch der ersten proletarischen Erhebung mit einem mehrmonatigen Erfolg: der Pariser Commune. Was Marx über sie schrieb mag auch auf die Oktoberrevolution angewandt werden: was immer auch das historische Schicksal der Commune sei, „ein neuer Ausgangspunkt von welthistorischer Wichtigkeit ist gewonnen“. (Karl Marx, Brief an Ludwig Kugelmann in Hannover vom 17. April 1871, in: Marx Engels Ausgewählte Werke Band II, Dietz Verlag Berlin, 1971,435). Die kommunistische Weltbewegung wird weiter wachsen, der Zerfall der Sowjetunion ist schmerzlich, aber welcher Fall ? Was war das für ein spezifischer Sozialismus nach 1956 ? Die Völker Russlands werden Lenins Satz nicht vergessen, dass die Weltgeschichte nicht glatt und gleichmäßig vor sich geht, „ohne manchmal Riesensprünge rückwärts zu machen.“ (Lenin, Über die Junius Broschüre, Lenin Werke Band 22, Dietz Verlag Berlin, 1960,315).  Riesensprünge rückwärts  !! – Dialektik darf eben nicht nur als Vorwärts- bzw. Höherentwicklung gedacht werden.

14. Friedrich Engels, Vorwort zur ersten deutschen Ausgabe der Schrift von Karl Marx „Das Elend der Philosophie“, Werke Band 4, Dietz Verlag Berlin, 1977,559

15.a.a.O.,561

16.  „…denn es ist keinem Sozialisten je eingefallen, „zuzusichern“, dass die höhere Phase der Entwicklung des Kommunismus eintreten wird…“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin,1960,483f.). Diese sei aber wahrscheinlich.

17. a.a.O.,410. Auch hiernach bleibt der Kommunismus also eine „Wahrscheinlichkeitsrechnung“.

von Heinz Ahlreip