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Sahra Wagenknecht in der Hegel Falle

15. Juni 2011

Während bürgerliche Politiker (Freiherr Karl Theodor zu Guttenberg, Silvana Koch Mehrin (FDP),  die Tochter des langjährigen CSU Vorsitzenden Edmund Stoiber, Veronika Saß, über den FDP Politiker Chatzimarkakis hat Professor Jörg Becker  am 22. Juli 2009 einen Artikel in der Frankkfurter Allgemeinen Zeitung geschrieben: Chatzimarkakis hat mich plagiiert ! Kulturminister Althusmann schreibt eine Erklärung an die Universität Potsdam….plus Dunkelziffer) im akademischen Bereich sich bürgerlich politisch, eben betrügerisch benehmen und Doktorarbeiten zusammenklauen, denn man will ja an die Regierungsspitze, um zu regieren und dabei zu plündern und zu plündern und dabei  zu regieren 1. , haben wir es bei Frau Sahra Wagenknecht mit einem ganz anderen Kaliber zu tun, die auf Grund einer unbestrittenen Intelligenz nicht zu solchen Mittelchen zu greifen braucht. Gleichwohl ergibt eine Lektüre ihrer an der Universität Utrecht erfolgreich eingereichten Magisterarbeit: „Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode“, daß auch in dieser politisch rechten Arbeit inhaltlich und formal „nicht alles mit rechten Dingen“ zugegangen ist. Theoretischerseits, beileibe nich im strafrechtlichen Sinne.

In ihr wird dem jungen Marx in seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten eine geschichtsteleologische Deutung der Weltgeschichte bis hin zum Kommunismus unterstellt 2., obwohl Marx ausdrücklich in diesen Manuskripten betont, „…aber der Communismus ist nicht als solcher das Ziel der menschlichen Entwicklung, – die Gestalt der menschlichen Gesellschaft.“ 3. Marx, der 1844 bereits als Revolutionär auftrat 4., sei in den Manuskripten hinter die Weltgeschichtsphilosophie Hegels  zurückgefallen.  Sahra Wagenknecht läßt Lenins Hinweis unberücksichtigt, daß in dieser Hegel „am meisten veraltet und antiquiert“ 5.  ist.  Denn gerade Hegels Philosophie der Weltgeschichte ist teleologisch und theologisch ausgerichtet: Weltgeschichte als Gotteswerk, man vergegenwärtige sich nur den Schlußgedanken der  Philosophie der Weltgeschichte: …daß das ,was alle Tage geschehen ist und geschieht, nicht nur nicht ohne Gott, sondern wesentlich das Werk seiner selbst ist. 6. Der Schlußgedanke der Magisterarbeit von Sahra Wagenknecht  enthält denn auch ein völlig falsches Fazit: „…daß das Methodenkonzept des reifen Marx, (der sich von seiner jugendlich falschen und verwerfenden Hegelkritik emanzipiert habe/ Zusatz von Heinz Ahlreip),  sich wesentlich im Rückgriff auf die spekulative Methode Hegels gründet.“ 7. Das Gegenteil ist der Fall: die Methode des reifen Marx zur Zeit der Abfassung des „Kapitals“ ist der Hegelschen DIREKT eintgegengesetzt. Sahra Wagenknecht muß also vom Kopf auf die Füße gestellt werden.  „Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil.“ 8. Falsch bzw. nur halbrichtig ist deshalb Wagenknechts Ausführung, daß das bereits erreichte Niveau der Wissenschaftsmethodologie von Hegel und Marx bestimmt wird. „In diesem Kontext erweisen sich eine materialistische Hegelinterpretation und ein materialistisch dialektisches Methodenkonzept als zwei Kehrseiten einer Medaille“. 9. Spricht also Marx vom direkten Gegenteil, so Sahra Wagenknecht von zwei Kehrseiten einer Medaille.  Kann Hegel heute überhaupt noch etwas zum Niveau der Wissenschaftsmethodologie beitragen ? Nein, in dieser Beziehung ist Hegel obsolet und hat nur noch einen historischen Wert. Es hilft auch nicht, wenn Sahra Wagenknecht versucht, den Ansatz Hegels als nichtidealistisch zu verdrehen 10. , die dialektische Methode ist in ihrer Hegelschen Form unbrauchbar. 11. In seinen Ökonomisch Philosophischen Manuskripten hatte Marx die Hegelsche Dialektik als „Mutter“ bezeichnet, die sie ja auch für die Linkshegelianer zweifelsfrei war.  Das ist auch allgemein bekannt, der Marx´sche „Muttermord“ scheint aber gerade von fachphilosophischen Koryphäen weitgehend tabuisiert worden zu sein. Und dieses Halbwissen wird an die studentische Jugend weitergegeben und es ist wohl nicht Sahra Wagenknechts Schuld allein, daß sie  ist in die bei dieser Thematik stets ausgelegten Hegelfalle getappt ist,  ohne den wertvollen Hinweis von Lenin beachtet zu haben: „Hegels Logik darf man in ihrer gegebenen Form nicht anwenden; man darf sie nicht als gegeben hinnehmen.“ 12. Denn nicht der junge Marx vertritt ein teleologisches Methodenkonzept, sondern der junge Hegel: „Das Ziel aber ist dem Wissen ebenso notwendig als die Reihe des Fortgangs gesteckt; es ist da wo es nicht mehr über sich selbst hinaus zu gehen nötig hat, wo es sich selbst findet und der Begriff dem Gegenstande, der Gegenstande dem Begriff entspricht.“ 13. Alle Ideologiemomente der idealistischen Dialektik sind in diesem Satz Hegels versammelt, insofern in der absoluten Identität der am Anfang des Weltgeistprozesses mit „gesteckte“ Zweck abschlußhaft sich eingeholt hat. Im Gegensatz zur idealistischen Dialektik mit ihren als Quelle von Ideologiegehalten wirkenden Leitmotiven: Identität – Finalismus – Teleologie begreift materialistische Dialektik wissenschaftlich revolutionäre Tätigkeit als ein Kettenglied in der sich nichtlinear und abschlußfrei entwickelnden Materie. Wäre der junge Marx tatsächlich hinter Hegel zurückgefallen, rekurrierte er philosophiegeschichtlich auf unvollkommene Vorformen dialektischen Denkens, die erst in der Hegelschen Logik ihre Vollendung in idealistischer, falsch widergespiegelter Form erhielten. Hätte er auf die spekulative Methode Hegels zurückgegriffen, wäre eine Kritik der politischen Ökonomie entwickelt worden, die das Bestehende, die kapitalistische Misere der Ausbeutung , verklärt hätte.

Es kann kein Zufall sein, daß der Eichborn Verlag das letzte Buch von Sahra Wagenknecht „Freiheit statt Kapitalismus“  auf dem Schutzumschlag durch den mit roten Buchstaben gedruckten Satz: Sahra Wagenknecht nimmt Ludwig Erhard beim Wort: Wohlstand für alle ! anpreist. 14. Um nun sogleich durch drei Beispiele die konterrevolutionäre Physiognomie Sahra Wagenknechts aufzuzeigen, so genügt der Hinweis, daß sie sich in diesem Buch für eine steuerfreie Vererbung von einer Millionen Euro als Recht ausspricht 15., während doch für Sozialisten die dritte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest „Abschaffung des Erbrechts.“ obligatorisch ist. 16. So genügt zweitens der Hinweis, dass sie sich zusätzlich für einen „Sozialismus ohne Planwirtschaft“ 17. ausspricht, während doch für Sozialisten die siebente Forderung aus dem Kommunistischen Manifest: „Vermehrung der Nationalfabriken, Produktionsinstrumente, Urbarmachung und Verbesserung der Ländereien nach einem gemeinsamen Plan“ 18. obligatorisch ist. Des weiteren äußerte sie sich gegenüber einem Bankangestellten, der um seinen Job fürchtet,  daß sich die Linke für den Erhalt der Sparkasse einsetze. (Siehe: AdHocNews 3.9.0. / Internetseite von Sahra Wagenknecht). Wieviele Menschen sind von Sparkassen betrogen, gedemütigt, in den Ruin und in den Selbstmord getrieben worden !  Für Sozialisten sollte doch die fünfte Forderung aus dem Kommunistischen Manifest obligatorisch sein: „Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol“. 19. Es liegt also eine Serie von Fehlern vor und es ist die Frage, ob Frau Wagenknecht die innere intellektuelle Kraft hat, diese zu  durchdenken und zu korrigieren. Sollte sie aber weiterhin nach rechts, weg vom Sozialismus, weg von Rosa Luxemburg  abdriften, so wird sie die Arbeiterklasse eines Tages vor die Wahl stellen: entweder das Kommunistische Manifest à la Sahra zu „modernisieren“ oder sie revolutionsgerichtlich aus der Arbeiterbewegung auszustoßen.In ihrem Buch gibt sie eine politische Einschätzung ihrer Person durch die deutsche Konterrevolution wieder: „Ich weiß, für viele Pseudokonservative und Pseudoliberale bin ich der Gottseibeiuns, die finstere Kommunistin…“ 20. Diese Einschätzung sollte sie sich nicht zu eigen machen, so beurteilen Spießer, die keine Ahnung von Politik, von der Dialektik von Revolution und Konterrevolution haben, denn finster wird Sahra allemal, wenn man sie in das Licht von Marx und Lenin hält. Zum Beispiel in der Frage der Religion: Marxisten Leninisten und nicht nur Marxisten Leninisten wissen, dass Lenin die Religion als eine Art geistiger Fusel bezeichnet hat, mit dem der Lohnsklave sein Sklavendasein betäuben soll. Für Frau Wagenknecht ist die Religion ein Teil der Kultur, wo auch wichtige Zusammenhänge auf bestimmte Art reflektiert wurden. Hegel hätte philosophisch aufgezeigt, welche unglaubliche Dialektik, welche unglaublich tiefen Einsichten in der Religion enthalten sind. (siehe: google: sahra wagenknecht mitglied des deutschen bundestages das leben leben). Man erinnert sich: in der Sowjetenzyklopädie wurde die hegelsche Philosophie als aristokratische Reaktion auf die französische Revolution gewertet.

Gegen Sahra Wagenknechts Mißdeutung und Herabwürdigung des jungen Marx muss vielmehr aufgezeigt werden, daß in die Pariser Manuskripte  Würdigung und Korrektur Hegels gleichermaßen meisterhaft fallen: Die Negation der Negation bestätige für Hegel nur das Scheinwesen „…oder die Verneinung  dieses Scheinwesens als eines gegenständlichen Wesens.“ 21. ganz im Sinne einer idealistischen Ontologie. In der Tat: gibt es einen fundamentaleren Unterschied in der Beantwortung der Grundfrage der Philosophie als den zwischen der Hegelschen Vergöttlichung des Geistes („Das Absolute ist der Geist, diß ist die höchste Definition des Absoluten“) 22. und der Darlegung von Friedrich Engels,daß die Materie mit eiserner Notwendigkeit ihre höchste Blüte, den denkenden Geist, ausrotten wird. 23. Man könnte auch hier sagen, Engels fiele hinter Hegel zurück, aber die sich ewig wandelnde Materie wird den Geist anderswo und in anderer Zeit wieder erzeugen…und so fort. Aber eben diese Unterbrechungen kongruieren nicht mit jeglichem Absolutheitsanspruch.

Heinz Ahlreip

Entnommen aus meinem Aufsatz zum 193. Geburtstag von Karl Marx am 5. Mai 2011: Karl Marx zum 193. Geburtstag  Marxismus und Idealismus. Siehe: google: lenin unser aller lehrer marx 193. Geburtstag

1. Vergleiche Lenin, Wie soll man den Wettbewerb organisieren ? Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin 1961,407

2.  Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,170

3. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2, Dietz Verlag Berlin, 1982,275. Auch Wilhelm Weitling hatte in seinem 1842 veröffentlichten Werk „Garantien der Harmonie und der Freiheit“ einen vollkommenen Kommunismus ausgeschlossen.

4. Vergleiche: Lenin, Karl Marx, Lenin Werke Band 21, Dietz Verlag Berlin 1960,35).

5. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Philosophie der Geschichte Bern 1914 – 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958.175

6. Den großen faux pas Adornos: „Es ging um die Vergottung der Geschichte, auch bei den atheistischen Hegelianern Marx und Engels“ (Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 113, Frankfurt am Main, 1975,315) nimmt in gewisser Weise Sarah Wagenknecht für den jungen Marx wieder auf.

7. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag 1997,193. Über Sahra Wagenknechts Magisterarbeit kann man ungefähr das gleiche sagen was Marx 1846 über Proudhons Schrift „Die Philosophie des Elends“  sagte: „…das ist Hegelsches abgedroschenes Zeug…“ (Karl Marx, Brief an Pawel Wassiljewitsch Annenkow in Paris vom 28. Dezember 1846, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,689), oder was Lenin über Lassalles Buch „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“ schrieb: „…ein Wiederkäuen Hegels.“ (Lenin, Zur Kritik des Lassalleschen Buches „Die Philosophie Herakleitos des Dunklen von Ephesos“, in: Lenin, Aus dem philosophischen Nachlass, Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,267). Ein Wiederkäuen Hegels allemal, denn die Magisterarbeit leidet formal an einem mangelhaften Maßgefühl, die Interpretationen Hegels nehmen proportional betrachtet einen übergroßen Platz ein, auf den Seiten 45 bis 65 wird eine thematisch nicht unbedingt erforderliche Interpretation fast der gesamten Phänomenologie des Geistes wiedergekäut ohne einen einzigen Marxbezug, der bei der Themenstellung zwingend erforderlich  gewesen wäre, die Kernthematik ( cirka 20 Seiten in den blauen Bänden) wird am Ende auf den letzten cirka 25 von 194 Seiten abgehandelt !!

8. Karl Marx, Das Kapital, Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1984,27

9. Sahra Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag, 1997,11

10. a.a.O.,46. Die Frage drängt sich förmlich auf, wie das an der Universität Ütrecht passieren konnte ? Der Versuch, die von Marx 1844 ermordete Mutter, die idealistische Hegelsche Dialektik, 1997 in einer Magisterarbeit zu reanimieren, ist gründlich fehlgeschlagen.

11. Vergleiche Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, Dietz Verlag Berlin,1975,292. Die Hegelsche Philosophie ist in den Sowjetenzyklopädien der Stalinzeit zu Recht als aristokratische Reaktion auf die bürgerliche Revolution in Frankreich eingeschätzt worden, diese Einschätzung bezog sich auf System und Methode gleichermaßen, denn die politische Konsequenz der idealistischen Methode Hegels war ja die konstitutionelle preußische Monarchie der Rechtsphilosophie.

12. Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Lenin. Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin 1958,202. Wird primär das Trennende zwischen Idealismus und Materialismus konsequent als essentiell betont, so ist das Verhältnis zwischen den beiden Grundrichtungen der Philosophie sekundär doch komplexer, denn aus der immanenten Entstehung des Unterschieds hat der Materialismus im Idealismus SEIN Anderes wie umgekehrt der Idealismus SEIN Anderes im Materialismus hat. Die Polarität der Grundrichungen der Philosophie spiegelt nur den Kampf zwischen progressiven und rückständigen Klassen wider. In der vernichtenden Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie geht Lenin auf Hegels Hauptgedanken ein, warum der Materialismus keine Philosopie sein kann: die Philosophie habe es mit dem Allgemeinen zu tun, das nur im Denken erfasst werden kann. Unter der Hand falle Hegel mit dieser Darlegung in den von ihm stets kritisierten subjektiven Idealismus zurück. Der absolute Idealismus „…ist im Zickzack (und durch einen Purzelbaum) ganz dicht an den Materialismus herangekommen, hat sich teilweise sogar in ihn verwandelt…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, in: Aus dem philosophischen Nachlass Exzerpte und Randglossen, Dietz Verlag Berlin, 1958,214f.). Allerdings kann man nicht mit einem Purzelbaun und auch nicht im Zickzack die idealistische dialektische Methode Hegels in den Materialismus hineinbringen.

13. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes, Einleitung, Felix Meiner Verlag Hamburg 1980,57

14. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage, Frankfurt am Main 2011. Das sogenannte Wirtschaftswunder als Werk Gottes ? Streng genommen ist der Titel des Buches nicht wissenschaftlich, denn das Proletariat als die einzige Klasse, die durch ihre Diktatur den Kapitalismus bezwingen kann, gebraucht diese nicht im Interesse der Freiheit, sondern zur Niederhaltung seiner Klassenfeinde. (Siehe: Lenin, Staat und Revolution, Dietz Verlag Berlin, 1960,453).

15.a.a.O., 345

16. Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,68

17. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,345

18. Karl Marx, Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin, 1983,69. Zwar schreiben Marx und Engels im Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe des Manifests von 1872, dass die in ihm vorgeschlagenen revolutionären Maßregeln zwischenzeitlich „stellenweise veraltet“ (Karl Marx, Friedrich Engels, Vorwort zur zweiten deutschen Ausgabe von 1872, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest  der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag Berlin 1983,12), also durchaus modifizierbar seien, aber werden sie zum Schutze einer Ausbeutergesellschaft entwertet, wird natürlich etwas ganz anderes manifest.

19.a.a.O.

20. Sahra Wagenknecht, Freiheit statt Kapitalismus, Eichborn Verlag 1. Auflage Frankfurt am Main 2011,12

21. Karl Marx, Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I/2 Dietz Verlag Berlin, 1982,411

22. a.a.O.,418

23. Vergleiche Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in: Karl Marx, Friedrich Engels: Ausgewählte Werke Progress Verlag Moskau 1975,372. Entgegen der idealistischen Glorifizierung des Denkens in der klassischen deutschen Philosophie, auch der fichteschen und schillerschen Denkfreiheit, in der der Vernunftoptimismus der Aufklärung nachschwingt, ist eine weitgehend unbekannte  Eigenschaft des menschlichen Denkens zu ergründen, die zu töten. Die Schwierigkeit kommt durch das Denken, weil es als Denken die Weltbewegung, in eins die Weltgeschichte als ihre eigene Dialektik, als dialektische stets flüssige Kontinuität unterbrechen muß. Denken unterbricht nach Lenin nicht nur das Prozeßhafte, sondern versimpelt, vergröbert, zerstückelt, tötet das Lebendige. „Die Abbildung der Bewegung durch das Denken ist immer eine Vergröberung, eine Ertötung…“ (Lenin, Zur Kritik der Vorlesungen Hegels über die Geschichte der Philosophie Bern 1915, Dietz Verlag Berlin, 1958,195). Ja Dialektisches ist ständig Selbstzerstörerisches an ihm selbst.  (a.a.O.,240). Stagnation ergibt sich aus Verstandesfixierungen wie die formale Logik oder die Mathematik. Dialektik selbst als Prinzip aufgefasst, so ist ihre  Negativität als Quelle der Selbstbewegung nur in ihrer Immanenz. Als kritische Methode geht sie in radikaler Negativität auf Zerstörung des Kapitalismus, der eine zutiefst dynamisch flüssige aber eben damit auch überflüssige Gesellschaftsformation darstellt, diese Negativität des Marxismus ist für ihn selbst selbstzerstörerisch, denn im Kommunismus erlischt sein revolutionäres Potential und die Negativität greift auf ihn selbst über. In der Tat sind antike Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus nur verschwindende Momente des dialektischen Weltprozesses.  Denn alles was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht. Engels sieht in der sich erschöpfenden Sonnenwärme das Todesurteil der Erde: „…verfolgt nur noch eine kalte, tote Kugel ihren einsamen Weg durch den Weltraum.“ (Friedrich Engels, Einleitung zur „Dialektik der Natur“, in. Marx Engels Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau 1975,369). Die von Descartes erkannte unveränderliche Quantität der in der Welt vorhandenen, an Materie gebundenen  Bewegung aber garantiert das Aufkommen bzw. Reproduzieren neuer Sonnensysteme, mit Leben und damit wahrscheinlich auch mit neuen kommunistischen VERSUCHEN. Denn der Kommunismus ist nicht zugesichert. „…denn es ist keinem Sozialisten je eingefallen, „zuzusichern“, daß die höhere Phase der Entwicklung des Kommunismus eintreten wird…“ (Lenin, Staat und Revolution, Werke Band 25, Dietz Verlag Berlin, 1960,483f.). Soviel nur zur angeblich teleogischen Geschichtstheorie von Marx. Lenin gab uns im Empiriokritizismus den wertvollen Hinweis, daß die Verfälschung des Marxismus immer raffinierter wird. „Eine immer raffiniertere Verfälschung des Marxismus, immer raffiniertere Versuche, antimaterialistische Lehren als Marxismus auszugeben – das kennzeichnet den modernen Revisionismus sowohl in der politischen Ökonomie als auch in den Fragen der Taktik und in der Philosophie überhaupt, in der Erkennnistheorie ebenso wie in der Soziologie.“ (Lenin, Materialismus und Empiriokritizismus, Werke Band 14, Dietz Verlag Berlin,1962,334). Es ist bedauerlich, daß den Professoris in Utrecht in ihrem akademischen Getto dieser Hinweis unbekannt zu sein scheint.

Pipes Kommunismusbuch

22. Dezember 2009

Der Zusammenbruch der sich auf den Moskauer Leninismus beziehenden sozialpolitischen Gesellschaftssysteme, der, läßt man einmal das revolutionäre Albanien, das sich ja von ihm abgewandt hatte,  außen vor, 1991 abgeschlossen war, hat nicht nur sozial und weltpolitisch verheerende Auswirkungen gehabt, sondern auch ideologisch. Man war auf einmal zurückgeworfen auf das Gedankengut der bürgerlichen Aufklärung, die genuin mit dem radikalen Zweifel Descartes anhob. Dahin hat es diese bürgerliche Aufklärung gebracht, dass an allem zu zweifeln ist, nur nicht an der Fehlerhaftigkeit des egoistischen Menschen und dass er folglich zum Kommunismus nicht tauge, da der Egoismus eine anthropologische Konstante sei.  Diese konterrevolutionäre Doktrin steht eisern. Inzwischen aber hat sich gezeigt, dass die Verelendung der Weltbevölkerung trotz des Sturzes der kommunistischen Tyranneien zugenommen hat, daß der Imperialismus drauf und dran ist, die ganze Welt in einen einzigen blutigen Klumpen zu verwandeln (1.) und dass nur ausgenommen dumme und ausgenommen dreiste Menschen damals von blühenden Landschaften phantasieren konnten. Wer den Imperialismus mit einem menschlichen Anlitz maskiert, ist ein schäbiger Volksbetrüger und gehört versetzt, sagen wir, unter die Känguruhs nach Australien. Wenn also Professor Pipes 2001 eine Generalabrechnung mit dem Kommunismus vorlegt, so kann man sagen,das Buch kommt 10 Jahre zu spät (2.) In der Euphorie des die Kommune wie die Pest hassenden Bürgertums wäre es um die Jahreswende 1991/1992 noch verständlich gewesen. Es war immerhin der führende Kopfjäger der Roten Armee Fraktion, der Ex-BKA Chef Horst Herold, der 2000 zu der Einsicht kam, dass das Scheitern des Kommunismus Probleme hinterlassen habe, die zu seinem Entstehen geführt hätten. (3.) Pipes ist in der angelsächsischen Tradition ein Vertreter des common sense, des gesunden Menschenverstandes, und wir finden durch seine Kommunismuswiderlegung eine vortreffliche Bestätigung der Worte von Friedrich Engel, dass der gesunde Menschenverstand, „…ein so respektabler Geselle er auch in dem hausbackenen Gebiet seiner vier Wände  ist, er  ganz wunderbare Abenteuer erlebt, sobald er sich in die weite Welt der Forschung wagt…“(4.) Pipes bezeichnet Stalin als schizophren, wir werden am Ende der Buchbesprechung sehen, auf wen dies wirklich zutrifft.

Es ist wohl auch der angelsächsischen Tradition geschuldet, dass  Pipes eine recht bizarre, umständliche geistesgeschichtliche Ableitung des Marxismus offeriert, phantasiereich, aber undiszipliniert: der Marxismus gehe zurück auf Plato, Locke und Helvetius. Das klingt gelehrt, der Kern der Sache ist aber ein anderer: Im Selbstverständnis des Marxismus und auch objektiv richtig sind drei Quellen zu nennen: die klassische deutsche Philosophie, der französische radikale Sozialismus und die bürgerliche englische politische Ökonomie, die alle von Marx kritisch überwunden wurden. (5.) Pipes gleitet hier ab, weil er die Methode der immanenten Kritik mißachtet: sich in den Kreis der Stärke der Logik des Gegners zu stellen und diesen von innen heraus zu destruieren. Auf Lenins Schrift: „Drei Quellen und drei Bestandteile des Marximus“ geht Pipes nicht ein, das wäre aber die Bedingung gewesen, um die klassische deutsche Philosophie, den französischen Sozialismus und die englische politische Ökonomie durch Platonismus, Lockeanismus und durch die französische Aufklärung in Gestalt von Helvetius zu ersetzen. Vor allem der Materialist Helvetius hat es ihm angetan, ja er zeichnet ihn sogar als einen Vater der Oktoberrevolution: „In gewisser Hinsicht stellte der von Lenin im November 1917 in Russland errichtete kommunistische Staat ein grandioses Experiment in Sachen öffentliche Erziehung dar, das auf der Grundlage des von Helvetius entwickelten Modells versuchte, einen vollkommen neuen, von allen Übeln einschließlich dem vom Besitzstreben freien Menschen zu erschaffen.“ (6.) Also eine Art „Besserungstyrannei“.

Es ist beliebt, die Thematik des Kommunismus mit allgemeinen Reflexionen über die Gleichheit aller Menschen einzuleiten. Pipes deutet den Kommunismus Marx Engelscher Prägung als Schreckensszenario der Gleichheit aus, ohne aber überhaupt näher auf die Dialektik zwischen bürgerlicher und proletarischer Gleichheit einzugehen. (Dass die Aristokratie den Gleichheitsgedanken verwirft, versteht sich ja von selbst). Die französische Egalite von 1789 beinhaltete die politische Gleichheit in Form der Abschaffung von Klassenprivilegien, jedoch nicht die Abschaffung der Klassen selbst. Für den Bourgeois bedeutet letztere Abschaffung natürlich eine Gesellschaft der Uniformität, was sie mitnichten ist. Der Verdienst der materialistischen Dialektiker Marx und Engels besteht gerade darin, die ideologisch ins Überzeitliche verzeichnete Kategorie der Gleichheit klassenmäßig konkretisiert zu haben. Es ist bürgerliches Vorurteil, Gleichheit als ewige Wahrheit zu betrachten, selbst heute noch manchmal religiös verzerrt (vor Gott sind alle Menschen gleich und Gott ist von Ewigkeit zu Ewigkeit). Marx wies im „Kapital“ darauf hin, dass das bürgerliche Vorurteil sich erst recht in einer warenproduzierenden Gesellschaft verfestigt. „Das Geheimnis des Wertausdrucks, die Gleichheit und die gleiche Gültigkeit aller Arbeit, weil und insofern sie menschliche Arbeit überhaupt sind, kann nur entziffert werden, sobald der Begriff der menschlichen Gleichheit bereits die Festigkeit eines Volksvorurteils besitzt. Das ist aber erst möglich in einer Gesellschaft, worin die Warenform die allgemeine Form des Arbeitsprodukts, also auch das Verhältnis der Menschen zueinander als Warenbesitzer das herrschende gesellschaftliche Verhältnis ist.“ (7.) Nichts einfacher als die bornierte bürgerliche Gleichheitsideologie dem Kommunismus unterzuschieben. Indem aber die proletarische Revolution der menschlichen Arbeitskraft den Warencharakter nimmt, fällt auch der ganze bürgerliche Gleichheitsschwindel in sich zusammen.

Da Pipes aber in seinem ganzen Buch die Themen nur oberflächlich streift, kommt er auch zu einer völlig abwegigen Deutung des Kommunismus als religiöses Phänomen: „Die emotionale Wirkung dieser Lehre gleicht der von Religionen, insofern sie ihren Anhängern die unerschütterliche Überzeugung verleiht, dass, gleichgültig, wie viele Rückschläge sie auch erleiden, ihre Sache am Ende triumphieren muss.“ (8.) Das kann man natürlich schreiben, wenn man Marx die Feuerbach´sche Religionskritik unterschiebt. „Der Begriff der Verdinglichung bezeichnet die Vergegenständlichung (Konkretisierung) eines Abstraktums. Laut Ludwig Feuerbach nannte Marx als Beispiel dafür die Neigung des Menschen, alles, was er als gut und erstrebenswert erachtet, auf ein (nach Marx´ Auffassung) nicht existentes Wesen zu projizieren, dass er als „Gott“ bezeichnet.“ (9.) So sah es Feuerbach, Feuerbach hat bekanntlich seine Religionskritik nicht Karl Marx übereignet. Karl Marx hat in seinen Feuerbachthesen vielmehr kritisiert, das Feuerbach vom Abstraktum Mensch ausgeht und nicht zu den gesellschaftlichen Wurzeln des religiösen Übels durchdringt. Laut Karl Marx muss man die gesellschaftlichen Bedingungen verändern, aus denen Religionen gestiftet und produziert werden, gleich welche -ismen diese haben. „Feuerbach sieht daher nicht, daß das religiöse Gemüt selbst ein gesellschaftliches Produkt ist und daß das abstrakte Individuum, das er anaylisiert, einer bestimmten Gesellschaftsform angehört.“ (10.)

Pipes gleitet auch am zweiten Kapitel seines Buches ab, in dem er den Leninismus abhandelt. Er beginnt mit einem zaristischen Ansatz und fängt die Hinleitung zum Leninsmus mit Peter dem Großen an, was originell erscheinen kann, gelänge der Übergang in die Thorie des Leninsmus. Aber von diesem zaristischen Ansatz kann Pipes sich nicht lösen, er verbleibt in einer längst überholten Geschichtsauffassung, dass große Männer Geschichte betreiben. So ist es nur folgerichtig, dass er die Theorie Lenins durch dessen Biografie ersetzt und der Leser nichts über den wissenschaftlichen Gehalt des Leninismus erfährt, die in ihm enthaltene Imperialismusanalyse, der Leninismus als Marxismus in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution, die Theorie des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande, die Lenin und Stalin gegen Trotzki durchsetzten. Im April 1924 hielt Josef Stalin Vorlesungen an der Swerdlow Universität über die Grundlagen des Leninismus, die auch als Broschüre, auch in englischer Sprache erschienen.(11.) In diesen Vorlesungen wird das Wesen des Leninismus in hervorragender Weise dargelegt. Auch hier geht Pipes nicht auf das Wesen der Sache ein, erwähnt diese Schrift nicht einmal, seine Widerlegung des Leninismus rutscht deshalb ins Lächerliche ab und läuft darauf hinaus, dass Lenin halt ein böser Mensch war.(12.) Das sind die Gelehrten, die nur über den Sachen sind, weil sie nicht in den Sachen sind. Folgt man der Geschichtsauffassung des reaktionären preußischen Historikers Treitschke, dass Männer Weltgeschichte machen, bleiben Überzeichnungen nicht aus, die bis ins Karikaturhafte gehen können. Das Lieblingswort Pipes ist in dieser Beziehung: inszenieren. Nicht nur soll Lenin den russichen Bürgerkrieg zwischen Roten und Weißen inszeniert haben(13.),  sondern er wollte auch einen Zweiten Weltkrieg anzetteln (14.). Es gehört zur Seriosität eines Historikers, objektive Tatsachen zu berücksichtigen, Klassen, Massen, einzelne Personen bewirken nichts. (15.) Das Ziel der arbeitenden Menschheit, der Weltgeschichte, des proletarischen Endkampfes liegt nach der Heroentheorie nicht an ihrem Ende, sondern in ihren Genies. Der Personenkult ist genuin volks- und massenfeindlich, als wäre das geniale Gehirn Lenins der Scheitelpunkt der kommunistischen Weltbewegung. Lenin wies  darauf hin, uns zu hüten, Revolution mit großen Buchstaben zu schreiben, in der Dialektik zwischen Kollektivität und historischer Persönlichkeit dominiert das Kollektiv.

Aber es geht noch flacher. In der wohl traurigsten Stelle des Buches geht Pipes auf das Verhältnis der Industriearbeiter zum Bauerntum ein, dass die Marxisten „das Bauerntum als eine kleinbürgerliche Klasse und somit als einen eingeschworenen Feind der Industriearbeiter“  betrachteten, „ungeachtet des Umstands, dass die Mehrheit der russischen Industriearbeiter aus Dörfern stammte und dorthin auch enge Beziehungen unterhielt.“ (16.) Bekanntlich zersetzte sich das „Bauerntum“ in Klein- und Mittelbauern und in Kulaken, die richtigen Beziehungen zu diesen drei Bauernklassen bezeichnete Lenin wiederholt als die Schlüsselfrage der Diktatur des Proletariats, wobei die freundschaftlichen Beziehungen zu den Kleinbauern der entscheidende Schlüssel war. Man kann zu Lenin weltanschaulich und menschlich stehen, wie man will, aber man wird anerkennen müssen, dass er eine Präzision in der Analyse der Klassen einer gegeben Gesellschaft an den Tag legte, die an Schärfe ihresgleichen sucht. Allein die quantitative Relation zwischen der relativ kleinen Schar der Industriearbeiter und den zahlenmäßig alles dominierenden Bauern hätte eine derartig martialische Politik ins Selbstmörderische getrieben. Hätten die Bolschewiki das Bauerntum wirklich als eingeschworenen Feind der Industriearbeiter betrachtet und behandelt, so stünde heute nach 85 Jahren kein Lenin Mausoleum mehr, wäre Stalin nicht über 30 Jahre Generalsekretär der KPdSU gewesen (17.) Die Völker sind nicht so dumm, wie Pipes meint. Der Sieg des Sozialismus im Großen Vaterländischen Krieg war gerade deshalb möglich, weil das Bündnis zwischen Arbeitern und Bauern in der Roten Armee hielt.Warum ist zum Beispiel Fidel Castro ein halbes Jahrhundert anerkannter Führer der kubanischen Revolution ? Ein Volk läßt sich nicht ein halbes Jahrhundert lang betrügen ! Pipes hätte besser daran getan, sich vor der Niederschrift seines Buches einmal mit dem Begriff der Bauernschläue zu befassen. Dann wäre ihm folgende Peinlichkeit nicht unterlaufen: „Die Kollektivierung bedeutete für die Bauern einen Rückfall noch hinter den Status, den sie vor 1861 als Leibeigene innegehabt hatten.“ (18.) Vielleicht dachten die Nazis so und waren sich daher eines weiteren Bltzkriegsieges sicher.

Das Scheitern des sowjetischen Kommunismus, das im Grunde ein Scheitern des Revisionismus war, erklärt uns Pipes auf eine wirklich „originelle“ (19.) Art: „Der Niedergang des Systems setzte ein, als sich Stalins Nachfolger nach seinem Tod für Stabilität entschieden und die Bürger nicht länger die Notwendigkeit der ihnen abverlangten Opfer einsahen.“ (20.) Hier kommt das In-Szene-Setzen, das Inszenieren von Geschichte wieder ins Spiel: also im Gegnsatz zu Lenin und Stalin waren deren Nachfolger nicht mehr auf das Inszenieren von Geschichtskrisen aus, die allein Bürger duckmäuserisch hält. So entstand eine Atmosphäre der Apathie, in der am Ende selbst die sowjetische Elite den Zusammenbruch relativ gleichgültig hinnahm. „Der Kommunismus in Rußland hatte sich selbst verzehrt.“ (21.) Ein fürwahr vortrefflicher Satz ! (22.) Wenn man von dem Ausgangspunkt der Sowjetunion ausgeht, an dem Lenin die Sowjets als Keimformen des Absterbens jedes Staates bezeichnete, so ist vielmehr zu fragen, wie konnte es zu der Fehlentwicklung kommen, dass heute eine Diktatur der Sowjet-KGB-Mafia in Rußland existiert. Durch die Auflösung der Maschinen-Traktor-Stationen 1958 wurden ungeheure Mengen von Produktionsinstrumenten der Landwirtschaft in die Bahn der Warenzirkulation geworfen und diese Erweiterung des Wirkungsbereichs der Warenzirkulation ging bis zu dem Punkt, an dem ein Umschlag von Quantität in Qualität erfolgte- für das Proletariat in negativer, für die Bourgeoisie in positiver Hinsicht, insofern durch diese ökonomische Verschiebung das Wertgesetz auch wieder Regulator der Produktion wurde. Durch Überhandnehmen der Warenzirkulation aus der Kurve zum Kommunismus geschleudert, nahm die Lokomotive einen Kurs in Richtung Konsumismus, an dessen Ende sich die Staatsstreichgewinnler an ihren Gulaschhäppchen übergeben mußten.

1. „Das Geschäft mit dem Krieg kennt keine Krise“ lautet der Titel eines Artikels in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.12.2009, S.19. Ein neues Wettrüsten hat das Waffengeschäft zu einem gewaltigen Wachstumsmarkt gemacht in einer gewaltigen globalen Rüstungsspirale. „Nach Berechnungen des Internationalen Instituts für Friedensforschung in Stockholm (Sipri) sind die Militärausgaben auf der Welt seit Ende der neunziger jahre um etwa 90 % gestiegen. Die Welt hat in einem seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gekannten Maß aufgerüstet…“ Dabei ist die deutsche Industrie nach den USA und Rußland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt, 70 % der deutschen Rüstungsproduktion gehen ins Ausland. Was sind denn das für interessante Früchte einer sog. „friedlichen Revolution“ ? Der ehemalige Offizier der US Marine, Christopher A. Preble bezeichnet in seinem Buch: „The Power Problem“ (Cornell University Press, Ithaca New York 2009,212 S.) die gegenwärtige us-amerikanische Militärstrategie als  größenwahnsinnig, die die Welt unsicher mache. Die US-Militärmaschine sei so gigantisch, dass nach immer neuen Kriegen gesucht werden muss. Washington könne heute wohl mehrere Kriege unterschiedlicher Intensität gleichzeitig führen. (siehe: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.1.2010,6)

2. In deutscher Sprache erschien es erst 2003 im Berliner Taschenbuch Verlag (Verlagsgruppe Random House). Pipes (geboren am 11. Juli 1923 in Cieszyn/Polen als Sohn eines Unternehmers) lehrte 46 Jahre an der Harvard Universität ( von 1950 bis 1996) und war an ihr von 1968 bis 1973 Direktor des Zentrums für russische Studien. Während des Kalten Krieges stand er einem Gremium von auswärtigen Experten namens Team B vor, das die strategischen Ziele und Kapazitäten der Sowjetunion für die CIA eruierte.

3.Vgl. Horst Herold, Die Lehren aus dem Terror, Süddeutsche Zeitung Nr 116, 30./31. Mai 2009, Seite 9

4. Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, in: Marx Engels, Ausgewählte Schriften in zwei Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1953, 120

5. Siehe: Lenin, Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus, LW 18,576ff.

6. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,21

7. Karl Marx, Das Kapital, MEW 23, 74

8. Richard Pipes, Kommunsimus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,24. Man findet ein Seitenstück dazu bei bei Alexis de Tocqueville: Die französische Revolution ist selbst eine Art neue Religion geworden, die „…gleich dem Islam , die ganze Erde mit ihren Soldaten, ihren Aposteln und ihren Märtyrern überschwemmt hat.“( Alexis de Tocqueville, Der alte Staat und die Revolution, Kapitel: Die französische Revolution war eine politische Revolution, die in der Art religiöser Revolutionen verlief, in: rororo klassiker, Rowohlt Verlag Hamburg, 1969, 24) Indeß kam es doch auf ihrem Höhepunkt 1793/94 zu einer heftigen Entchristianisierungsbewegung.

9.a.a.O.,31

10.Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,7

11.J,W,Stalin, Über die Grundlagen des Leninmus, in: Stalin: Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin 1951, 9ff.

12.1926 wurde noch eine wichtige Schrift von Stalin verfasst: Zu den Fragen des Leninismus, in: Stalin: Fragen des Leninismus, Dietz Verlag Berlin 1951,134f.

13. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,65

14.a.aO.,79

15. Vgl. Lenin; Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution, LW 24,47

16. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Taschenbuch Verlag 2003,71f.

17. Stalins Leichnam wurde nicht 1956 aus dem Leninmausoleum entfernt (siehe Pipes,114),  sondern erst 1961. Das ist ja gerade das Nachdenkenswerte, dass die Revisonisten aus Angst vor einem Volksaufstand Lenin noch 5 Jahre neben einem vom XX. Parteitag ausgewiesenen Verbrecher liegen ließen. Auch Pipes sieht Stalin gerne so, zum Beispiel als Mörder Kirows:“1934 fiel ein prominenter Bolschewik, der Sekretär der Leningrader Parteiorganisation Sergej Kirow, einem Attentat zum Opfer; obwohl die Umstände des Attentats niemals ganz geklärt wurden, deuten etliche Indizien auf Stalin als Drahtzieher des Mordes hin.“ (a.a.O.,93) Entweder, Herr Professor, nenen sie diese Indizien oder sie schweigen. Natürlich malt er die auf die Ermordung Kirows folgenden Säuberungen in den dunkelsten Farben, sieht sich aber immerhin zu der Angabe gezwungen, dass nur 1,4 % der Bevölkerung im Gulagsystem inhaftiert waren. Auch führt er, was für einen us-amerikanischen Professor lobenswert ist, richtig aus, dass die Sowjetunion die Hauptlast des Zweiten Weltkrieges zur Niederringung der Nazibarbaren zu tragen hatte. „Allein bei der Schlacht um Kiew im Sommer 1941 verloren 616 000 russische Soldaten ihr Leben, und die Offensive im Don-Becken zwei Jahre später forderte in den Reihen der Roten Armee 661 000 Opfer. Ausländische Wissenschaftler veranschlagen die sowjetischen Gesamtverluste im Zweiten Weltkrieg auf zwanzig Millionen Menschenleben…über das Dreifache der Verluste der Wehrmacht an der Ostfront (2,6 Millionen) . Von den rund fünf Millionen sowjetischen Soldaten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, starben zwischen 1,9 und 3,6 Millionen an Unterernährung, in Gaskammern oder bei Erschießungen.“ (a.a.O.,112f.) Zahlen, die den Kapitalismus anklagen, nicht den Kommunismus.

18.a.a.O.,91

19. Die Krisentheorie, dass autoritäre Regime Krisen zu ihrer Aufrechterhaltung benötigen, wird vertreten von Michail Heller und Aleksandr Nekrich: Utopia in Power: The History of the Sovjet Union from 1917 to the Present, New York 1986,201. Hier ist nun allerdings schon der Titel falsch, denn die Sowjetunion wurde erst 1922 gegründet.

20. Richard Pipes, Kommunismus, Berliner Tasenbuch Verlag 2003,86

21.a.a.O.,126. Wer hatte mit dem Zusammenbruch, mit dem Fall der Berliner Mauer zu diesem Zeitpunkt gerechnet ? Nicht einmal bei den gesellschaftswissenschaftlichen Experten war ein Hauch von Ahnung vorhanden. Dieser Zusammenbruch ist das am schwersten Fassbare im 20. Jahrhundert.

22.Eine kleine, aber nicht unwesentliche Unachtsamkeit unterläuft Pipes, wenn er doziert, daß die Sowjetunion für die Ewigkeit errichtet worden sei (a.a.O.,126). Lenin bezeichnete die Sowjets als Vorboten des Absterbens jedes Staates. (Lenin, Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution,LW 24,72) Es scheint sich zu rächen, dass Pipes nach eigener Aussage in seiner Jugend nicht über die Sowjetunion nachgedacht hat. Die Sowjetunion ist nach der Pariser Kommune, die nach den Worten von Friedrich Engels schon kein Staat im eigentlichen Sinne mehr war, der zweite Staat, der mit der Intention seiner Aufhebung im Kommunismus gegründet wurde.

Wie links ist DIE LINKE ?

8. August 2009

Lenin lehrte uns, dass Revolutionen die Klassen in Aktion zeigen.

In der französischen Revolution begriffen sich sowohl die Jakobiner als auch die Girondisten als revolutionär, und doch war es die Girondistin Charlotte Corday, die den großen Volksfreund Marat ermordete. Marat, der schon in der französischen Revolution zu der Einsicht kam: „Setzt Euch für die Interessen der Arbeiter ein, die den gesündesten, den nützlichsten Teil des Volkes ausmachen, ohne die die Gesellschaft nicht einen Tag existieren könnte.“ Auch heute noch werden Menschen deshalb  weltweit politisch ermordet, weil sie diese unumstößliche Wahrheit vertreten.

In der 48er Revolution machte der Abgeordnete von Glogau Wilhelm Wolff  im Frankfurter Parlament den völlig richtigen Vorschlag, den verhassten Reichsverweser für vogelfrei zu erklären, da brüllte ihn die GESAMTE demokratische Linke nieder. Karl Marx hat das „Kapital° Wilhelm Wolff gewidmet und damit diesen großen kommunistischen Kämpfer unsterblich gemacht.

Ekelhaft und konterrevolutionär widerwärtig war das Verhalten der linken SPD 1914 gegen Karl Liebknecht, der als einziger eine Politik der Arbeiterklasse in der Frage der Kriegsanleihen vertrat.

Im August 1918 verübte die linke (!!) Sozialrevolutionärin Fanny Kaplan das Attentat auf Lenin.

Heute zeichnen sich in der BRD gewisse Physiognomien bei der Partei DIE LINKE ab, die in einer revolutionären Situation diese Partei sehr rasch ins konterrevolutionäre Fahrwasser treiben wird.

„Armut bekämpfen“  ist eine widersinnige Parole, wenn man wenigstens schreiben würde: Friede den Hütten, Krieg den Palästen ! Es ist die Aufgabe der proletarischen Revolutionäre, die Kleinen und Schwachen zu schützen, aber hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen zu sein. Hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen ?  Bei den LINKEN keine Spur davon. Sondern vielmehr: „Die Starken müssen die Schwachen stützen- und davon profitieren am Ende alle.“ ( so Michael Höntsch, Kandiadat der LINKEN aus Hannover -Wahlkreis 42- in: hallo Sonntag, Hannover, 23.8.2009,10).Wie wird denn Armut effektiv bekämpft ? Für die Armen gibt es keinen anderen Ausweg, als hart und grausam gegen die Reichen und Mächtigen zu sein, DIESE Armen müssen sich emanzipieren, sie brauchen dazu keine linken Politiker, die Armen können selbst kämpfen, so wird denn auch die Armut am besten bekämpft. Professoren beobachten die Armen sehr genau und fertigen sehr detaillierte Statistiken an, Regierungen veröffentlichen Armutsberichte. Was nützt es den Armen ?

Aufschlußreich ist auch eine Studie des Bremer Soziologieprofessors Olaf  Groh-Samberg für das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), (siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 27. August 2009, S.12: Nur 1 Prozent der Deutschen „sorgenfrei reich“.) Nach den Umfragen leben mehr (!) als 50 % der Bevölkerung nie ohne Sorgen, nur 1 % lebt wirklich sorgenfrei in dem Sinne, daß er dauerhaft ein so hohes Einkommen hat, daß er vollkommen von dem Zwang entbunden ist, „…sich und gegebenfalls ökonomisch abhängige Familienmitglieder über seine eigene Arbeit und Anstrengung am Leben zu erhalten…“ (FAZ,a.a.O.). Und diese derart perverse spätbürgerliche Gesellschaft wird von den Politikern als das letzte Wort der Weltgeschichte angepriesen. Die Rechnung dieser schäbigen Canaillen wird nicht aufgehen, die soziale Revolution MUSS sie hinwegfegen. Denn sie alle sind Anhänger der Diktatur der Bourgeoisie über das Proletariat, „…einer Handvoll reicher Leute gegen die Millionen Werktätigen…“ (1.)

„Menschen vor Profite“ ist im Kapitalismus nicht möglich, „…in einer Produktionsweise, worin der Arbeiter für die Verwertungsbedürfnisse vorhandner Werte, statt umgekehrt der gegenständliche Reichtum für die Entwicklungsbedürfnisse des Arbeiters  da ist. “  (2.). Profit ist eine bestimmte ökonomische Form für die historische Periode des Kapitalismus, es hat kapitalistischen Profit nicht immer gegeben und es wird ihn nicht immer geben. Produzierende Menschen gibt es immer, der kapitalistische Profit ist aber nicht ewig, und sei es auch als zweites Glied, an den Menschen gekettet…und überhaupt hat die Arbeiterklasse gar kein Interesse,  abstrakte Menschen vor Profite zu stellen, sondern das Interesse, Profite abzuschaffen, gegen den kapitalistischen asozialen Ausbeuterabschaum, der das ganze deutsche Volk lähmt und vergiftet, quält und krank macht, mit allen, auch gewaltsamen, Mitteln vorzugehen. Ja mehr noch: Suizidexperten sind sich einig: die Selbstmordrate wird deutlich steigen, nicht nur Manager, auch Arbeiter sind betroffen. „Wir haben für Deutschland für 2008 noch keine Zahlen, aber in Frankreich haben es die Statistiken für das vergangene Jahr schon gezeigt“, sagte der Vorsitzende des Nationalen Suizid- Präventionsprogrammes, Armin Schmidtke. Die Zeitarbeiter seien besonders gefährdet, sie hofften auf einen festen Job.  (wiwo.de Montag 7.9.2009) Lenin schrieb kurz vor der Oktoberrevolution, im Mai 1917, „…den Millionären 80 – 90 % der Einkünfte wegnehmen, das kann man…“ (3.). 80 – 90 % der Einnahmen, hier haben wir für den Wahlkampf von einem Genie einen Maßstab bekommen, um insbesondere die linken Parteien zu prüfen. Über das sich von der Arbeit des Volkes mästende, mit Euros voll- und übersattgefressene Bürgertum muß ein fürchterliches Strafgericht hereinbrechen, daß es nach diesem kein schäbiger Lump auch nur wagt, für einen cent ein Gramm Arbeitskraft anzukaufen.(4.) „Menschen vor Profite“— man denkt unwillkürlich an die neunte These über Feuerbach von Karl Marx: „Das Höchste, wozu der anschauende Materialismus kommt, d.h. der Materialismus, der die Sinnlichkeit nicht als praktische Tätigkeit begreift, ist die Anschauung der einzelnen Individuen und der bürgerlichen Gesellschaft.“ (5.) Das ist der beschränkte Horizont der LINKEN, den sie nicht überschreiten kann.

Gysi vertritt die These, das Verhältnis zwischen Arbeit und Kapital muß wieder stimmen in Deutschland…sagt er etwas anderes als: Die Ausbeutung muß wieder stimmen in Deutschland ? Es gilt, das Kapitalverhältnis (Lohnarbeiter auf der einen Seite, Kapitalisten auf der anderen),  das Ausbeutungsverhältnis von Kapital und Arbeit überhaupt aufzuheben, die Arbeitskraft von ihrer Stellung als Ware zu emanzipieren, wie Engels im Anti-Dühring schrieb. (6.) Gysi vertritt voll und ganz Sozialdemokratismus, Sozialdemokraten teilen die Menschen in Herren- und Untermenschen ein: kapitalistische Herrenmenschen und lohnabhänhige Untermenschen, sie sind der gemäßigte Flügel des Faschismus. Vergessen wir nicht, dass das Polizeimassaker 1921 gegen die Arbeiter von Leuna unter der Regie des SPD-Genossen Hörsing stattfand. Vergessen wir nicht, daß es der sozialdemokratische Polizeipräsident Karl Zörgiebel war, der 1929 die Berliner Polizei in die unbewaffnete 1.Mai Demonstration schießen ließ. Es gab über 30  tote Arbeiter und Hunderte Verletzte. (7.) Nicht umsonst bezeichnet der Volksmund die SPD als Arzt am Krankenbett des Kapitalismus, Rosa Luxemburg nannte die SPD völlig zu Recht einen stinkenden Leichnam.

Steinmeier verspricht 4 Millionen Arbeitsplätze, da hat er nach Ministerart den Mund zu voll genommen. Achtet einmal bei den Wahlprogrammen der bürgerlichen Parteien, ob bei ihnen der Gedanke der Solidarität, des Zusammenschlusses, der Zusammenarbeit der Arbeitslosen und der Arbeiterklasse vorkommt. Auf diesen Zusammenschluß muß man hinarbeiten, denn die Kapitalistenklasse braucht gerade diese Spaltung, um Beschäftigte und Unbeschäftigte gegeneinander auszuspielen, um die Löhne zu drücken. Jeder Zusammenhalt zwischen Beschäftigten und Unbeschäftigten stört die Kapitalistenklasse. (8.)

Sarah Wagenknecht äußerte sich gegenüber einem Bankangestellten, der um seinen Job fürchtet, die Linke setze sich für den Erhalt der Sparkasse ein. (siehe: AdHocNews 3.9.0/ Internetseite von Sarah Wagenknecht). Aus diesem ganzen Sparkassen- und Bankensystem, insbesondere aus deren Metropole Frankfurt steigt ein Pesthauch auf und legt sich lähmend über die ganze Republik. Genossin  Sarah sollte einmal schauen, wie Marx in seiner Schrift über die Pariser Kommune, im „Bürgerkrieg in Frankreich“ die Kommunarden hinsichtlich ihrer Sparkassenpolitik kritisiert, ihr Fehler war, die Banken nicht anzutasten. Sarah Wagenknecht hat es weder in der Eisenhüttenstadt-DDR noch in der BRD zum Tabu- und Milieubruch geschafft, obwohl ihr die Aussage von Bertold Brecht bekannt ist: was ist ein Banküberfall im Vergleich zur Gründung einer Bank ?  Stalin zum Beispiel organisierte Bank- und Sparkassenüberfälle zur Aufbesserung der Parteikasse. Das hat auch die RAF ganz richtig gemacht. Zwischen Wagenknecht und dem militanten revolutionären Leninismus liegen also Lichtjahre.

Sahra Wagenknecht führt über Stalin aus, dass mit seinem Namen jedenfalls nicht Niedergang und Verwesung verbunden sind, sondern die Entwicklung eines um Jahrhunderte zurückgebliebenen Landes in eine moderne Großmacht während eines weltgeschichtlich einzigartigen Zeitraums. Das Gleiche sagt auch Winston Churchill: „Er übernahm das Rußland des Hakenpflugs und hinterließ es im Besitz der Atomwaffe.“ Das ist nicht der Kern der Sache. Vor Stalin zitterte die Konterrevolution und man sieht leicht ein, dass von einem Aufbau des Sozialismus ohne Niederhaltung der bürgerlich kapitalistischen Konterrevolution keine Rede sein kann. Indeß ist ja das nach den Anfangsschwierigkeiten der NEP Periode rasante Anwachsen der Produktivkräfte nicht einzelnen Personen zuzuschreiben, sondern letztendlich der Tatsache, dass es industrielle und landwirtschaftliche Expropriationen im großen Umfang gegeben und wie Lenin es vorausgesagt hatte: „Diese Expropriation wird eine enorme Entwicklung der Produktivkräfte ermöglichen. Und wenn wir sehen, wie schon jetzt der Kapitalismus in unglaublicher Weise diese Entwicklung aufhält, wie vieles auf Grund der heutigen, bereits errichteten Technik vorwärtsgebracht werden könnte, so sind wir berechtigt, mit voller Überzeugung zu sagen, dass die Expropriation der Kapitalisten unausbleiblich eine gewaltige Entwicklung der Produktivkräfte der menschlichen Gesellschaft zur Folge haben wird.“ 9. Der Aufbau des Sozialismus kann nur das Werk von Millionen und Abermillionen Massen sein, nicht von einzelnen Individuen, mögen diese auch noch so genial sein. „Wenn es also darauf,…die eigentlich letzten Triebkräfte der Geschichte auszumachen, so kann es sich nicht so sehr um die Beweggründe bei einzelnen, wenn auch noch so hervorragenden Menschen handeln, als um diejenigen, welche große Massen, ganze Völker und in jedem Volk wieder ganze Volksklassen in Bewegung setzen.“ 10.

In ihrer Magisterarbeit: Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritk des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch-materialistischen Wissenschaftsmethode, vertritt sie die These, die glänzende Hegelkritk in den „Ökonomisch philosophischen Manuskripten“ von Marx, in denen Hegel der Lüge 11.überführt wird, stelle einen methodologischen und ontologischen Rückfall hinter die Hegelsche Philosophie dar. Was liegt aber hinter der Hegelschen Philosophie ? 12. Hinter der hegelschen Philosophie liegen in der Geschichte der Philosophie unvollkommene Vorformen  dialektischen Denkens, die erst in der Hegelschen Logik ihre Vollendung in idealistischer, falsch widergespiegelter Form enthielten. In die Pariser Manuskripte fallen Würdigung und Korrektur Hegels gleichermaßen meisterhaft.  Die Negation der Negation bestätigt für Hegel nur das Scheinwesen, „…oder die Verneinung dieses Scheinwesens als eines gegenständlichen… Wesens “ 13. ganz im Sinne einer idealistischen Ontologie. Allen Ernstes behauptet Wagenknecht, Marx sei 1844 noch ein unvollkommener Dialektiker gewesen. So fügt sich bei ihr ein revisionistischer Stein zum anderen.

Lafontaine vertritt die These. Sozialismus bedeutet Mitbestimmung in den Betrieben.  3 x NEIN !!! Das ist Louis-Blanc-Politik schlimmster Art ! Sozialismus bedeutet DIKTATUR DES PROLETARIATS, unter der das Bürgertum überhaupt nichts mehr zu bestimmen hat, sondern der Arbeiterklasse unter dem gleichen Arbeitszwang für alle gehorchen muß. Wie will denn Lafontaine nach einer proletarischen Revolution  ohne Diktatur die Vernichtung der Überbleibsel der alten Institutionen bewerkstelligen ? Schon diese Frage zeigt, dass der Menschewist Lafontaine ein Feind der proletarischen Revolution und der Arbeiterklasse ist. Beachten wir den interessanten Hinweis Lenins, dass es besonders in Deutschland neben der Bourgeoisie Kerenski-Elemente gibt.14. Unter den Wahlplakaten Lafontaines steht „Reichtum für alle“.  Reichtum definiert sich nur über Armut, sind alle reich, ist keiner reich. Kurz: Es gibt Linke und Linke. Der Arbeiter heißt Arbeiter, weil er arbeitet, der Unternehmer heißt Unternehmer, weil er etwas unternimmt, wenn der Arbeiter etwas unternimmt, muß der Unternehmer bald arbeiten.

Lenin lehrte uns, dass man bürgerliche Politiker, und natürlich auch proletarische, nicht nach ihren Worten beurteilen soll, sondern nach ihren Handlungen. Es ist nicht die Art der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Politiker zu sagen was sie tun und zu tun was sie sagen. Dieser Hinweis ist auch für die kommende Bundestagswahl hochaktuell. Ich beobachte diese bürgerlichen Schmarotzerparteien schon seit 40 Jahren, vor der Wahl wird das Blaue vom Himmel versprochen, nach der Wahl wird ihre Hauptkunst, ihre wahre Meisterschaft wirklich sichtbar: wie schon der große Aufklärer Voltaire einen Wesenszug der Politik in der Kunst sah, das Geld aus den Taschen einer Klasse in die einer anderen zu überführen. Die Kapitalisten sind interessiert zu  regieren, und dabei zu plündern – und zu plündern, und dabei zu  regieren. 15.

1)Lenin, Staat und Revolution, LW 25,409

2)Karl Marx, Das Kapital, MEW 23, 649

3)Lenin, Krieg und Revolution, LW 24, 413

4)“Das Eigentum ist abscheulich“…schrieb schon 1755 Morelly in seinem Gesetzbuch der Natur,“…und wer es wieder einzuführen versucht, soll wie ein rasender Narr und Feind der Menschheit zeitlebens eingesperrt werden.“ (Siehe: Alexis de Tocqueville: Der alte Staat und die Revolution, rororo klassiker, Rowohlt Verlag Hamburg 1969,143) Ein interessanter, über 250 Jahre alter Hinweis von Morelly, aber hochaktuell. Die kapitalistischen Herrensöhnchen in Sicherheitsverwahrung stecken…eine völlig legitime Methode der Revolution. Zwei Weltkriege mit über 80 Millionen Toten sind genug. 80 Millionen Tote, da wird die faschistische Fratze des Bürgertums mehr als deutlich. Die bürgerliche Revolution in Frankreich hatte trotz der großen aufklärerischen Vorabeit einen engen sozialen Horizont, der Jakobiner St. Just, Sohn eines kleinen Grundbesitzers, bezeichnet es sehr genau: „Das Eigentum der Patrioten ist heilig, aber die Güter der Konspirateure stehen den Unglücklichen zur Verfügung.“  (zit. in: Jakobinismus und Volksbewegung zur Zeit der Französischen Revolution, Dem WirkenWalter Markows gewidmet, Akademie Verlag 1991, 29. Vortrag von Manfred Kossok: Jakobinismus als Herausforderung des Historikers, Zum 80. Geburtstag von Walter Markow) Auf dem Agrarsektor verfuhren die jakobinistischen Kleinbürger so, daß sie feudales Landgut an kleinbürgerliche Bauern gaben, so dass das Landproletariat bestehen blieb, das Landgut aus der Zeit des Ancien Regimes wurde also keineswegs Staatsgut nach einem Kollektivplan zu bewirtschaften. (Vgl. Karl Marx, Friedrich Engels: Ansprache der Zentralbehörde des Bundes der Kommunisten vom März 1850, in: MEGA I,10. Dietz Verlag Belin, 1977,261 f.)

5)Karl Marx, Thesen über Feuerbach, MEW 3,9

6) Friedrich Engels, Anti-Dühring, in: Marx Engels Ausgewählte Werke, Band V, Dietz Vlg. Berlin, 1972, 221.

7) Sein Stellvertreter war übrigens, der Jude Bernhard Weiß, der Gobbels mit über 40 Gerichtsprozessen überzog. Goebbels trug in sein Tagebuch ein: „Der muß zur Strecke gebracht werden“.

8) siehe Karl Marx, Das Kapital, MEW 23,669f.

9) Lenin, Staat und Revolution, Lenin Werke Band 25, 482f.

10) Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie. MEW 21,298

11) Vergleiche Karl Marx: Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I,2 Dietz Verlag Berlin, 1982,411

12) Sarah Wagenknecht, Vom Kopf auf die Füße ? Zur Hegelkritik des jungen Marx oder das Problem einer dialektisch-materialistischen Wissenschaftsmethode, Pahl Rugenstein Verlag, Bonn 1997

13) Karl Marx: Ökonomisch Philosophische Manuskripte, MEGA I,2 Dietz Verlag Berlin 1982,411

14.)Vergleiche Lenin, Rede auf der Gesamtrussischen Konferenz der Ausschüsse für politisch-kulturelle Aufklärung bei den Gouvernements- und Kreisabteilungen für Volksbildung 3. November 1920, in: Lenin, Ausgewählte Werke, Progress Verlag Moskau, 1971, 688

15.) Vergleiche Lenin, Wie soll man den Wettbewerb organisieren ?, in: Lenin Werke Band 26, Dietz Verlag Berlin, 1961, 407

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15. Juni 2009

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